Mittwoch, 25. November 2009

“We wouldn't want to spoil ourselves, now would we?”

Abandoned:

Ich muss gestehen: Mich hat der Tod Shannons von allen Toden in der Geschichte von „Lost“ bis heute immer noch am meisten getroffen. Gar nicht so sehr, weil sie einer meiner Lieblingscharaktere gewesen wäre – Daniel und John mochte ich etwa lieber als Shannon – sondern vor allem, wegen der Art und Weise wie sie starb. Für gewöhnlich hatte es einen tieferen Sinn, wenn wir uns von einem unserer Hauptcharaktere verabschieden mussten. So sind Boone, Charlie, John, Eko, Michael, Daniel, Juliet oder Jacob ja nicht umsonst gestorben. Shannon hat auch nicht wie Ethan oder Keamy irgendetwas getan, was ihren Tod rechtfertigen könnte. Sie lief durch den Wald und wurde über den Haufen geschossen. Einfach so! Scheinbar willkürlich! Ferner hatte man sie gerade erst liebgewonnen, als sie starb. Durch die Flashbacks in dieser Episode wird einem klar, dass sie die verwöhnte Zicke nur spielt, um ihre eigene Unsicherheit und Verzweiflung zu kaschieren. Sie möchte andere Menschen auf Abstand halten, weil sie den Schmerz nicht erträgt, ein weiteres Mal hintergangen zu werden, wie es ihr in der Vergangenheit schon so oft passierte.

Shannons Vergangenheit! Ein gutes Stichwort für die Flashbacks möchte ich meinen. Also starten wir heute doch zur Abwechslung mal wieder mit den Rückblenden. Ich muss gestehen rein optisch gehört Ballett für mich zu den fünf dümmlichsten Sportarten (im weitesten Sinne), die der Mensch bislang erfunden hat – zusammen mit Gehen, Nordic Walking (im Prinzip das gleiche, nur dass man außerdem einen Weg gefunden hat Ski-Langlauf-Stöcke auch im Sommer zu verkaufen), Extrembügeln (nein, das ist kein Scherz, das gibt es tatsächlich) und Synchronschwimmen. Nichtsdestotrotz passt dieser Tanz zu Shannon und sie wird einem doch prompt sympathischer als sie dem kleinen Mädchen versichert, ihr Daddy habe bestimmt zugeguckt, obwohl der gerade versucht Shannons Kollegin abzuschleppen. Dann kommt der Anruf und wir sehen Shannon und ihre Hexe von Stiefmutter im St. Sebastian. Huch, ach guck mal einer an, wer da durchs Bild läuft? „Walt?!“ Nein, Herr Gott! Wenn das mal nicht der Herr Dr. Shephard ist. Shannon, guck ihn dir gut an: der hat deinen Vater NICHT gerettet... deshalb ist er jetzt auch tot. Was für ein unsensibles und gefühlkaltes Biest Sabrina Carlyle ist, beweist sie uns auch hier, indem sie ausdrücklich darauf hinweist, dass Shannon nur ihre Stieftochter ist, obwohl sie damit Adam als einziger Mensch näher gestanden hat als Sabrina, schließlich ist sie seine leibliche Tochter.

Auf Adams Beerdigung gibt es für uns dann ein Wiedersehen mit einem Charakter, der mittlerweile selbst schon unter der Erde liegt: Boone (vermutlich dachten einige, jetzt kommt mal wieder „Walt?!“, aber wir wollen den Runninggag nicht überreizen). Boone und Shannon versuchen sich dann in Shannons Zimmer aus den Teetassen ihres Puppenservices zu besaufen – das dürfte eine zeitaufwendige Angelegenheit werden, denn in diese fingerhutgroßen Tässchen passt ja nicht mal so viel wie in ein normales Schnapsglas. Wobei ich mich auch frage, warum Boone was zum Saufen in der Tasche hat bzw. das zu einer Beerdigung mitbringt? Wenn es bei Leichenschmaus etwas außer Schnittchen in rauen Mengen gibt, sind das doch Alkohol. Warum also hat Boone einen Flachmann mit Scotch dabei? Die einzige logische Erklärung wäre, dass er ihn nicht für die Beerdigung eingesteckt hat, sondern sowieso damit außer Haus geht. Wenn dem so wäre, sollten wir nun nicht nur für Christian, Jack und Charles, sondern auch für Boone die Alkoholismusglocke läuten. Was ich auch komisch finde ist, dass Shannon auf die Frage nach dem Poster damit argumentiert, sie sei nun 18, während Boone gerade Scotch in eine Spielzeugtasse neben einem Puppenhaus gießt. Entweder verbannt man alles aus Kindertagen aus seinem Zimmer oder man steht zu seinen infantilen Anwandlungen. Was eigentlich ja auch nicht schlimm ist, oder? Wie Locke bewahre ich mir das sogar, man wird sonst zu verbissen. Etwas nicht mehr zu besitzen oder bestimmte Dinge nicht mehr zu tun, nur weil es nicht altersgemäß erscheint, bedeutet doch letztlich nur eine Unterwerfung unter gesellschaftliche Normen – letztlich geht unsere Gesellschaft an ihren eigenen Normvorstellungen langsam aber sicher zu Bruch. Man tötet den Individualismus stetig weiter ab. Bei Shannon könnte man diesen Widerspruch aber ebenso symbolisch deutet wie den Scotch in der Puppentasse selbst: sie hängt zwischen Erwachsenendasein und Kindheit fest. Shannon ist in gewisser Weise eine ewig Pubertierende, die zum einen ernstgenommen werden will und zu anderen Halt sucht. Sie will als erwachsen wahrgenommen werden, obwohl sie sich manchmal mehr wie ein Kind fühlt und auch gibt.

Über Boones Mutter sagt sie in dieser Szene alles, was wir über sie wissen müssen: „She hates me.“ („Sie hasst mich“). Wie sehr ahnt Shannon zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Sabrina wird Shannons gesamte Zukunft mutwillig zerstören. Nach sechs Monaten des Wartens erhält Shannon die Zusage für die Martha Graham Dance Company. Sie selbst sagt, dass es eine Chance von 3000:1 wäre, an dieser renommierten Akademie angenommen zu werden. Es ist etwas völlig normales, dass Eltern die Ausbildung ihrer Kinder (mit)finanzieren, eben damit sie in der Lage sind später auf eigenen Füßen zu stehen. Umso schwachsinniger ist Sabrinas Argumentation, Adam habe gewollt, dass Shannon lerne für sich selbst zu sorgen. Es ist mehr als offensichtlich, dass Sabrina die Naivität ihres verstorbenen Gatten ausnutzt, um Shannon zu demütigen, denn Adam dürfte es für selbstverständlich erachtet haben, dass Sabrina das gemeinsame Vermögen auch nutzt, um Shannon Ausbildung zu bezahlen. Hätte Adam nur in Erwägung gezogen, dass Sabrina Shannon jegliche Unterstützung verweigern würde, hätte er mit Sicherheit Shannon einen Großteil des Vermögens vererbt, doch Liebe macht ja bekanntlich blind. Es geht aber nicht nur darum, Shannon die finanzielle Unterstützung zu versagen, sondern vor allem darum, dass Sabrina Shannon ihre Nutzlosigkeit aufzeigen will. Sie will das Shannon sich wertlos fühlt – „The only thing I've ever seen you do 16 hours a day straight is sleep.“ („Das einzige, das ich dich jemals 16 Stunden am Tag habe machen sehen, ist Schlafen.“) Als Shannon versichert: „I really want this, Sabrina. I can do this.“ („Ich möchte das unbedingt, Sabrina. Ich kann das.“), erwidert Sabrina heuchlerisch: „I'm sorry, Shannon. You're on your own.“ („“Es tut mir leid Shannon. Du bist auf die allein gestellt.“)

Wenn man oft genug gesagt bekommt, man müsse sich selbst hassen, weil man nichts darstelle und nutzlos wäre, glaubt man es irgendwann auch. Deshalb verweigert sie später auch Boones Hilfe, denn sie will einerseits zeigen, dass sie es alleine schafft, andererseits will sie auch Unterstützung, jedoch nur die, von der sie der Ansicht ist, dass sie ihr zustünde. Auch hier zeigt sich wieder wie sehr sie zwischen Kindheit und Erwachsenendasein hängt – Ja, Nein, Doch, Vielleicht, wenn Mittwoch die Sonne scheint... . Shannon will ihr Geld, nicht Boones. Andererseits hatte sie gehofft bei Boone wohnen zu können. Schon ein komischer Zufall, dass Boone von seiner Mutter mit einem Job-Angebot (soviel zum Thema: Kinder sollen selbst klar kommen) aus New York genau dann weggeholt wird, wenn Shannon ihn dort gebraucht hätte.

Wenn wir aus diesem Flashback in die Gegenwart auf der Insel zurückkehren, lehnt Shannon Sayids Hilfe ebenso ab wie Boones. Sie schlägt die Hilfe aus, weil sie keine Hilfe will, nur weil jemand nicht an sie glaubt. Aber gehen wir zunächst einmal ein paar Stunden zurück: Sayid führt Shannon zu einem Zelt, das mich persönlich sehr an Rousseaus Lager in „Dead is dead“/“Tot ist tot“ erinnert.

Sayid trägt eine Waffe bei sich und als Shannon ihn fragt, ob er die Pistole die ganze Zeit bei sich tragen müsse, erwidert Sayid: „I only carry it because I have someone to protect.“ („Ich trage sie nur, weil ich jemand zu beschützen habe.“) Komisch, Sayid, denn als Charlie von dir eine Waffe haben wollte, um Claire zu beschützen, galt das Argument nicht. Ach, entschuldige, mir fällt gerade ein, dass Charlie, als er das letzte Mal eine Waffe hatte, ja wen erschossen hat, während du, Sayid, die Waffe ja nur trägst und nie benutzt. Du würdest ja niemals einen Menschen umbringen... was für ein alberner Gedanke. Außerdem muss Shannon auch viel mehr beschützt werden, weil sie ja bereits einmal entführt wurde und ihr Kind auch... ach, nein, stimmt nicht, das war Claire. Ich bin heue aber auch durcheinander. Aber mal eine letzte Frage an Sayid: Hat die Waffe dir geholfen, Shannon zu beschützen? Oder war es nicht vielmehr euer nicht sehr umsichtiger Umgang mit diesen Dingern, der sie getötet hat? Und wieso hat Jack die Waffe von Sayid anders als von Sawyer damals eigentlich nicht zurückgefordert und wieder in seinen netten Koffer geschlossen? Muss wohl wirklich an Sayids einwandfreiem Leumund liegen.

Sayid taugt aber auch zum Wasserträger, wenn Shannon statt der Zigarette danach lieber das Wasser danach möchte. Kaum hat Sayid das Zelt verlassen, erlischt das Feuer und Walt erscheint. Jetzt könnte man einfach sagen, dass die erlischende Flamme ein simpler dramaturgischer Kniff ist, der schon so oft gebraucht wurde, dass man es mittlerweile fast als Naturgesetz empfindet, dass stets, ehe etwas merkwürdiges passiert, zuerst sämtliche Lichtquellen ausgehen müssen. Doch eigentlich sind derart plumpe Stimmungsmacher unter dem Niveau der Lost-Macher – besonders dann, wenn sie keinen Sinn ergeben. Oder ergibt es doch Sinn? Ja, es würde sogar sehr viel Sinn machen, wenn wir weiterhin davon ausgehen, dass Jacob durch Feuer repräsentiert wird, denn dann würde Walt oder dessen Erscheinung, die ich bereits beim letzten Mal (in der Review zu „Man of Science, Man of Faith“) mit „Samuel“ in Verbindung brachte, Jacob aussperren. Was hat Walt Shannons diesmal mitzuteilen? Der letzte Ratschlag war ja schon so unglaublich brillant. Diesmal sagt er: "They're coming and they're close." („Sie kommen und sie sind nah.“) Kommt euch das auch so bekannt vor? Also vor allem der erste Teil... . Zufälle gibt’s, nich’ wahr? Erst Jacob aussperren und ihn dann teilweise zitieren, ehe er überhaupt gesagt hat, was da zitiert wird. Aber hey, mit Zukunft, Vergangenheit und Gegenwart nehmen wir es auf dieser Insel eh’ nicht so genau. Wieder stehen wir aber vor der Frage: Wer sind sie? Ich denke mal, dass man davon ausgehen kann, dass hier zur Abwechslung mal nicht die Anderen gemeint sind, sondern jene „Sie“, vor denen auch Jacob warnte, oder aber schlichtweg die Tailies. Betrachtet man die Transcripte anderer Flüsterer (finden sich im englischen Lostpedia) scheinen jene Entitäten, die das Flüstern verursachen, die Losties zu beobachten und sich uneins darüber zu sein, ob sie mit ihnen direkt reden sollen oder nicht. Allerdings sollte ich das Flüstern wohl besser ein andermal genauer unter die Lupe nehmen. Vielleicht widme ich ihm auch mal einen eigenen Artikel.

Nachdem Walt wieder verschwunden ist, kommt es zwischen Sayid und Shannon zum Streit. Wie einst bei Claire, die nun auch dazu stößt, wird das Geschehen als bloßer Traum abgetan. Wutentbrannt fragt Shannon Sayid: „Do you believe me?“ (Glaubst du mir?“) Sayid antwortet nicht, aber keine Antwort ist bekanntlich auch ’ne Antwort.

Am nächsten Morgen sehen wir Hurley, der Rose bei der Wäsche hilft. Hurley fragt Rose, weshalb sie nicht den Trockner in der Station nutze, woraufhin Rose ihm erklärt, sie möge die Station nicht und außerdem bräuchte man keinen Trockner, wenn man Sonne hat. Eine ungewöhnlich stationsfeindliche Haltung hat Rose da, wenn man bedenkt, dass es vermutlich die Energiefelder im Schwan waren, die ihren Krebs heilten. Ob Ben sich deshalb hat so leicht gefangen nehmen lassen? An John wäre er auch anders ran gekommen, aber so saß er mehrere Folgen direkt neben der Krebsheilenergiequelle.

Shannon stößt zu Rose und Hurley und fragt nach den Sachen von Walt und Michael. Hurley meint, dass die Sachen vermutlich noch in deren Zelt liegen. Als Shannon geht, äußert Rose: „Poor thing, it can't be easy losing the one person you love on the Island.“ („Armes Ding, es ist kaum einfach, die einzige Person zu verlieren, die man auf dieser Insel geliebt hat.“) Es ist schon bemerkenswert, dass ausgerechnet Rose das sagt und dann auch noch in Hurleys Gegenwart. Schließlich gingen vom ersten Tag an alle davon aus, dass Rose selbst diejenige wäre, die einen geliebten Menschen durch den Absturz verloren hat. Ferner ist es Hurley, der als nächster den einzigen Menschen, den er liebt, verlieren wird: Libby. Und Shannon? Tja, durch ihren Tod wird Sayid bald den einzigen Menschen auf der Insel verlieren, der ihm etwas bedeutete. Starben Libby, Boone und Shannon weil einer der Anderen sie getötet hätte? Nein, das Handeln der Überlebenden selbst bringt jedem von ihnen den Tod, doch es ist leichter mit dem Finger auf Andere zu zeigen, als auf sich selbst oder die eigene Gruppe.

Shannon durchsucht Walts Sachen und lässt Vincent daran schnüffeln, damit er Walts Fährte aufnimmt. Doch zu wem führt Vincent Shannon? „Walt?!“ Nein, eben nicht! Vincent bringt Shannon zu Boones Grab. Warum tut er das? Was soll Shannon sehen oder erkennen, was sollen wir sehen oder erkennen? Wenn es unter den Losties einen gibt, der nichts ohne Grund tut, dann ist es der Hund – überhaupt der einzige auf dieser Insel voller Bekloppter, der noch rund läuft. Was hat Walts Erscheinen mit dem Friedhof und Boones Grab zu tun? Ist Walt tot? Besteht eine Verbindung zu Boone? Zumindest stimmt irgendetwas an Walt nicht – er erscheint pitschepatschenass an Orten, an denen er nicht sein sollte, brabbelt komisches Zeug (das nicht immer vorwärts) und ist von großem Interesse für Jacob und die Anderen.. Boone erscheint nach seinem Tod John als Führer (ich verkneife mir trotz Boones beizeiten verdächtigen Scheitels sämtliche Hitler-Witze und ihr bitte auch – danke) in der Schwitzhütte. Wo besteht also die Verbindung? Wieder einmal deuten alle Finger auf die üblichen Verdächtigen: Jacob und Keyser Söze. Und schon wieder hat „Samuel“ einen neuen Spitznamen weg. Da die Anderen Walt zu fürchten beginnen, könnten wir wohl davon ausgehen, dass „Samuel“ sich seiner Gestalt bedienen kann, um sich den Losties zu zeigen. Oder aber Jacob bedient sich Walts Gestalt, denn was Walt Shannon in dieser Folge mitteilt würde ebenso wie Walts Erscheinung am Massengrab und der Umstand, dass der echte Walt wohl noch lebt, dazu passen, dass es nicht „Samuel“ ist. Was aber wenn Vincent Shannon zum Grab führt, um ihr damit zu sagen: „Du suchst einen Toten“? Nehmen wir mal an Walt ist bereits beim Absturz gestorben und „Samuel“ hätte seine Gestalt angenommen oder aber „Samuel“ ist das Monster und hat sich Walts Körper bemächtigt wie Danielles Team. Würde das nicht irgendwie Sinn machen? Denn würde John bereits zu dem Mord an Naomi nicht von Jacob, sondern von dessen Rivalen getrieben, würde das fast schon zu gut passen und auch erklären, weshalb Jacob Walt untersucht haben wollte, obwohl er offenkundig eher eine düstere Natur hat.

Sayid nimmt hingegen an, Shannon sitze an Boones Grab, weil es dessen Tod ist, der sie so aufwühlt. Shannon erwidert: „You really think that this is all about Boone? I saw Walt, Sayid.“ („Glaubst du wirklich, bei alldem ginge es um Boone? Ich sah Walt, Sayid.“) Ich glaube: das lass ich mal genauso unkommentiert stehen wie folgende Antwort auf die Frage, wohin Shannon gehe: „To find Him.“ („Ihn finden“ oder aber „Um Ihn zu finden.“) Ach, ich liebe es, wenn alle so schön vage und doppeldeutig ist und bleibt. Shannon wandert also weiter mit Vincent über die Insel und sucht nach Walt, von dem sie annimmt, dass er irgendwo ganz alleine über die Insel streift und Hilfe benötigt. Die Annahme finde ich nun wieder recht wirsch, aber sei’s drum. Zumindest sind wir nun wieder da angekommen, wo ich vorhin nach der Rückblende angesetzt habe und noch mal zurückgesprungen bin.

Shannon will weniger, dass Sayid ihr glaubt, als dass er vor allem an sie glaubt, denn das tat niemals jemand zuvor („Why don't you believe me? I need you to believe in me.“ | „Warum glaubst du mir nicht? Ich brauche es, dass du an mich glaubst.“). Shannon schüttet Sayid ihr Herz aus, offenbart all ihre Selbstzweifel und ihre Zweifel an Sayids Aufrichtigkeit. Doch prompt gibt Sayid bestimmt zu „I believe you.“ („Ich glaube dir.“), erscheint wer mitten im Dschungel? „Walt?!“ Ja, genau der. Beide sehen sie ihn. Jetzt wissen wir zumindest schon mal eines: Walt ist keine Einbildung. Bevor wir nun alle Fäden zusammenlaufen lassen, müssen wir erst mal den anderen Faden unter die Lupe nehmen, doch dazu muss ich den erst mal wiederfinden... Moment... er war rot, soviel weiß ich noch... wo hab ich den denn nur? Das ich auch immer den roten Faden verliere. Ah, da isser ja! Nein doch nicht, das ist der rote Faden von der letzten Folge. Den hab ich überall gesucht. Prompt hört man mal auf zu suchen, findet er sich von alleine. Bei Jacob! Ah, jetzt hab ich ihn. Jetzt muss ich den nur noch etwas entwirren und den Anfang finden, dann kann’s weiter gehen... So, auf geht es:

„She is lost!“ – „I’m not lost!“ Ja, das ist eindeutig der richtige Faden. Aber Ana weiß wirklich nicht wo sie sind oder wo sie lang müssen. Doch Ana-Lucia wäre nicht Ana-Lucia, wenn sie die Schuld nicht schnell auf irgendwen anders schieben würde, der vorzugsweise nicht anwesend ist. Zum Glück erscheint Mr. Eko prompt (wenn man vom „Samuel“/Teufel spricht) und berichtet „Sie“ gesehen zu haben. Die Tailies, Michael, Jin und der Typ mit dem Loch im Arm brechen auf. Als sie so über die Insel wandern, kann man übrigens einmal ziemlich deutlich die Hydra-Insel im Hintergrund erkennen und als hätte James geahnt, dass er da bald hin muss, bricht er erst mal zusammen. Libby – ganz die Psychiaterin – beginnt daraufhin Fragen zu stellen, denn das können Psychiater echt gut: „How'd you get shot, anyway?“ („Wie wurdest du überhaupt angeschossen?“) – „With a gun?!“ („Mit einer Pistole?!“) Das nenn ich Galgenhumor! Viel erstaunlicher ist aber was Michael sagt: „He got shot when they took my kid.“ („Er wurde angeschossen, als sie mein Kind entführten.“) Nicht nur, dass das die erste Äußerung Michaels ohne „Walt?!“ seit acht Folgen war, nein, es heißt durch die Blume an Sawyer gerichtet etwa so viel wie: „Eye, Mann, tut mir leid, dass ich mich so doof benommen hab. Danke, dass du versucht hast, meinen Sohn zu beschützen.“

Sawyers Verwundung wird bald zum Streitpunkt zwischen Ana und Eko, der durch den Dschungel gehen will und nicht – wie Ana – entlang der Küste. Wie menschenverachtend Ana in ihrem Egoismus und ihrer Furcht werden kann, offenbart sich hier in aller Deutlichkeit: „You're doing this to get the cowboy back faster, aren't you? You would risk our lives to help him?“ („Du tust das, um den Cowboy schneller zurückzubringen, oder etwa nicht? Du würdest unsere Leben riskieren, um seines zu retten?“) Zu so einer Äußerung fällt einem doch echt nichts mehr ein. Und eben weil mir nichts dazu einfällt, kommen wir direkt zu Anas nächster Äußerung: „I liked you better when you weren't talking.“ („Ich mochte dich lieber, als du nicht gesprochen hast.“) In „S.O.S.“ sagt Bernard etwas vergleichbares zu Eko: „I think I liked you better when you just hit people with your stick.“ („Ich glaub, ich mochte dich lieber, als du noch Leute mit deinem Stock verprügelt hast.“)

Auch auf dem Rest der Wanderschaft zeigt sich Anas Paranoia in immer extremeren Formen. Sie verbietet ihren Begleitern den Mund und vermutet hinter jedem Busch einen Anderen, der gleich hervorspringt und sie mit seinem bloßen Blick in Stücke reißt. Sie vergleicht die Anderen mit cleveren Tieren, die jederzeit und an jedem Ort auftauchen können. Ferner meint sie auch, dass eine Waffe und eine Kugel die Anderen nicht aufhalten könnten („And if you think that one gun and one bullet is going to stop them – think again“). Da fragt an sich doch: Warum schießt sie dann irgendwo wahllos in den Busch? Wenn sie so überzeugt davon ist, dass ihre Waffe eh’ nichts ausrichten kann, macht es nicht wirklich Sinn auf Verdacht ins Gebüsch zu ballern und so womöglich die einzige Kugel, die sie noch hat, zu verschwenden. Aber man wäre ja froh, wenn sie die Kugel nur verschwendet hätte! Es kommt letztlich sogar noch weit schlimmer und Ana erschießt eine Unschuldige.

Aber beinahe wäre Shannon nicht der einzige Lostie gewesen, den Ana auf dem Gewissen gehabt hätte, denn Sawyer will sie, als dieser entgültig zusammenklappt, am liebsten zum Sterben zurücklassen. Mehr will ich auf die Szene auch nicht eingehen... schon allein davon, dass ich an die Szene zurückdenke, werde ich ganz aggressiv.

Als die Gruppe Sawyer dann die Böschung hochhievt, indem sie ihn nach oben durchreichen, verschwindet Cindy dann spurlos. Und mal wieder hat mein spezieller Liebling etwas richtig nettes dazu zu sagen: „This is all your [Eko’s] fault. We never should have gone through the jungle. You risked our lives to save him and he's already dead. This one's on you.“ („Das ist alles deine [Ekos] Schuld. Wir hätten niemals durch den Dschungel gehen sollen. Du hast unsere Leben riskiert, um seines zu retten und dabei ist er schon tot. Das geht auf deine Kappe.“) Man hört das Flüstern, Ana zieht die Waffe und... sagen wir so: Shannon war zur falschen zeit am falschen Ort. Obwohl...?! Walt hat sie ja direkt in den Tod geführt. Und weshalb bleibt Sayid erst auf der Lichtung zurück und springt dann plötzlich auf und rennt ihr hinterher, als sei ihm gerade eingefallen, dass die schießwütige, hysterische Kuh ja mit ’ner Knarre im Wald steht und auf alles ballert, das sich bewegt. Apropos: Guckt euch mal an wie Ana guckt, als ihr klar wird, was sie angerichtet hat.

Kommen wir zum Abschluss noch zu etwas erfreulicherem: der Nebenhandlung um Claire und Charlie, die sich nach ein paar Wochen auf Psycho-Island schon verhalten wie ein altes Ehepaar. John hilft Claire mit dem Baby und später bietet sie ihm dafür an Aaron einen Moment zu halten. Als Charlie dazukommt reagiert er gewohnt eifersüchtig – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes: er ist süchtig danach zu eifern. Außerdem verrät Claire John in dieser Folge versehentlich von Charlies geheimen Heroinvorrat.

Okay, ich denke das reicht für heute und diese Folge. Die nächste ist ein Gastbeitrag, den ich aber noch mal Korrektur lesen und am Ende ggf. um ein paar Punkte ergänzen werde. Ein letztes hab ich noch: Da sie in dieser Folge nicht vorkommt, muss ich der Ordnung halber jetzt aber doch noch mal nachfragen: „Where’s Kate?“

Montag, 23. November 2009

Ein kleiner Exkurs in Sachen Jacob

Wie einige über Twitter vielleicht mitbekommen haben war ich am Freitag im RuhrPark, um mich um ein neues Bankkonto zu kümmern. Allerdings war das nicht das einzige, das mich in den RuhrPark führte. Da ich mein altes Konto auflösen will, hab ich mir „Harry Potter und der Halbblutprinz“ nicht über Amazon besorgt, sondern ihn ganz altmodisch im Laden gekauft. Abgesehen davon, dass man hätte denken können, es seien nur noch zwei Tage bis Weihnachten, so wie sich die Leute schon benahmen, war es eigentlich ganz schön mal wieder selbst zwischen den Regalen und Tischen zu stöbern. Ich habe mir dann natürlich gleich einen netten, kleinen DVD-Abend gegönnt. Jetzt mögt ihr euch fragen, was das alles mit Jacob zu tun hat – außer ihr habt es schon erraten. Jacob nimmt bei „Lost“ ja eine ganz ähnliche Position ein wie Dumbledore bei „Harry Potter“ oder auch Gandalf in „Der Herr der Ringe“ oder Obi-Wan Kenobi (wollte erst Old Ben schreiben – schein mir dann doch missverständlich^^) in den „Star Wars“-Filmen. Was haben die vier gemeinsam? Alle vier sind mächtige, weise Mentoren, die ihren auserwählten Schüler auf den richtigen Weg bringen wollen. Und: alle vier sterben. Gandalf stirbt, um seinen Gefährten die Flucht zu ermöglichen im Kampf und kehrt mächtiger zurück als er es in seinem bisherigen Leben war. Für Obi-Wan gilt ähnliches, obgleich er nie wieder körperliche gestalt annahm. Der schwule Nikolaus (Dumbledore) bittet sogar seinen treusten Anhänger ihn vor den Augen seiner Feinde zu ermorden, um so einem langsamen Tod zu entgehen und seinem Gefolgsmann einen sicheren Posten in den Rängen des Feindes zu ermöglichen. Und Jacob? Tja, das ist und bleibt die große Frage.

Ich saß zumindest vor meinem Fernseher und als ich Draco so weinerlich vor Dumbledore stehen sah, kam mir irgendwie Ben in den Sinn. Doch dann kam Snape und ich dachte: Warum eigentlich nicht? Wäre es nicht denkbar, dass nicht „Samuel“ Ben, sondern Ben „Samuel“ ausgetrickst hat. Vor drei Tagen meinte Don im Lostpedia-Blog: „In "The Incident" fand ich es aber schon sehr auffällig, wie fast penetrant Ben da ständig darauf hinwies, was und wovon er alles nichts wusste!“ Ich habe da zunächst noch vehement widersprochen, weil Don ebenfalls nahe legte Ben führe etwas zu seinem Vorteil im Schilde, was ich auch weiterhin nicht glaube. Aber ich sagte auch, dass ich es für unwahrscheinlich hielte, dass Ben etwas von der Existenz einer Jacob feindlich gesinnten Macht wisse. Da man manchmal einsehen sollte, dass man unter Umständen falsch lag, mache ich das jetzt!

Auch wenn jetzt viele „wenn“s und „abers“s kommen, würde das folgende eigentlich passen: Angenommen Ben wusste von der Existenz „Samuels“ und hat fern der Insel versucht ihn gezielt zu bekämpfen, indem er Sayid seine Gefolgsleute ausschalten ließ, könnte auch die Anordnung Locke zu töten nicht von „Samuel“ (bzw. nicht nur von „Samuel“) sondern von Jacob stammen, der seine eigene Falle auslegen wollte. Wir haben ja bereits mehr als einmal die Argumente gesammelt, die dafür sprächen, dass „Samuel“ der Ökonom ist. Wenn dem so wäre, würde es für Ben nur dann Sinn machen, ihn zu bekämpfen, wenn er eben genau das auch wusste. Auf der Insel dann leistet Ben keinen Widerstand gegen Locke und spielt bei allem mit, nickt alles ab und sagt „Ja“ und „Amen“. Unter der Statue dann folgt die Aussprache mit Jacob, in der Jacob Ben sehr offenkundig provoziert und nichts unternimmt, um sein Schicksal abzuwenden. Doch Ben tötet Jacob nicht! Er hätte allen Grund dazu ihn zu hassen, Jacob für alles verantwortlich zu machen, was ihm widerfahren ist. Aber was tut Ben? Er sticht zweimal zu und dann steht er daneben wie bestellt und nicht abgeholt, während „Samuel“ seinem Rivalen den Rest gibt. Wenn Ben jemanden töten will, dann tut er das auch: Roger, Keamy, John – gerade bei letzterem dürfte ihn das eine Menge Überwindung gekostet haben. Was könnte ihn also daran hindern, den Job zuende zu bringen? Plötzlich aufkeimendes Mitleid? Wenn das stimmt, was vorher in dem Gespräch zwischen den beiden geäußert wurde, hätte Ben allen Grund Jacob zu ermorden. Wäre dieses Gespräch aber Teil des Plans, wäre es notwendig, damit „Samuel“ nicht dahinterkommt.

Klar, kann gut sein, dass es so ist, wie wir bisher dachten und Ben einfach hin- und hergerissen war. Bislang habe ich diese Theorie auch immer angenommen. Aber zuzutrauen wäre es Ben zweifelsohne, dass er für den Glatzkopf eine Riesenshow abzieht, damit Jacobs Falle zuschnappen kann.

Ob Jacob nun wie Gandalf wiedergeboren wird, wie Obi-Wan in eine höhere Bewusstseinseben aufsteigt oder aber wie Dumbledore einfach gestorben ist, wird sich wohl noch zeigen. Doch ohne tieferen Sinn wird sein Tod wohl kaum gewesen sein, sonst hätte er ihn versucht abzuwenden.

Aktuelles zu den Gastbeiträgen

Moin moin,
auch ohne Nachfrage hätte ich heute morgen auf den neuesten Stand gebracht und eine in letzter Zeit häufig gestellte Frage beantwortet. Denn immer wieder wird gefragt wie und wann ihr mir was zuschicken solltet. Also euer Beitrag sollte mich per Mail (an timfeldmann@unitybox.de) spätestens erreichen, wenn ich die Review zur vorangehenden Episode online gestellt habe. Das heißt folglich, dass ihr am besten drei Folgen vor eurer mit der Arbeit beginnt - dann habt ihr so lange Zeit wie ich für zwei Reviews brauche.
Welches Format solltet ihr mir schicken?
Auch wenn pdf sonst immer sehr nützlich ist, wäre es in diesem Fall aus ziemlich offensichtlichen Gründen eher unvorteilhaft. Am besten ist also ein reines Textdokument (vorzugsweise Microsoft Word 2000) im Anhang zur Mail. Oder aber (und das ist wohl die sicherste Möglichkeit) ihr macht es so wie Elli und schickt mir die Review selbst als Mail zu, denn das dürfte ich in 99% der Fälle öffnen und lesen können. Wenn jetzt noch Fragen offen sind, postet sie einfach in den Kommentaren.

Aktualisierte Übersicht:
  1. Glaube und Wissenschaft - abgehakt
  2. Treibholz - abgehakt
  3. Orientierung - abgehakt
  4. Alle hassen Hugo - abgehakt
  5. Gefunden - seit gestern online
  6. Verlassen - seit heute morgen in Arbeit
  7. Die anderen 48 Tage - Gastbeitrag (Elli)
  8. Kollision - offen
  9. Was Kate getan hat - Anubis2705
  10. Psalm 23 - Gastbeitrag (Jessica und Tim)
  11. Jagdgesellschaft - offen
  12. Feuer + Wasser - Anubis2705
  13. Langer Atem - offen
  14. Einer von Ihnen - Anubis2705
  15. Mutterschutz - Anubis2705
  16. Die ganze Wahrheit - Gastbeitrag (Furya)
  17. Verriegelt - Gastbeitrag (Furya)
  18. Dave - Anubis2705
  19. S.O.S. - offen
  20. Zwei für Unterwegs - Anubis2705
  21. ? - Gastbeitrag (Code14J )
  22. Drei Minuten - offen
  23. Zusammen leben, alleine sterben - Anubis2705 oder Furya (vielleicht auch beide^^)

Sonntag, 22. November 2009

"Same way anything lost gets found - I stopped looking."

...And Found:

Ich dachte ja immer, mir wäre Ana-Lucia nicht zuletzt wegen dieser grauenhaften, deutschen Synchron-Stimme so auf den Keks gegangen, aber jetzt muss ich feststellen: Die englische Originalstimme ist bald noch schlimmer. Da offenbar nur einer/eine von euch Ana mag, traue ich mich jetzt mal offen zu sagen: Bei der Folge hätte ich sie mehr als einmal erwürgen können. Wenn man sich schon über John, Jack oder Ben als Anführer aufregt, muss man der doch echt die Schweinegrippe an den Hals wünschen. Kleiner Insel-Diktator! So, das musste mal gesagt werden... und vermutlich war es auch nicht das letzte Mal, dass ich es gesagt habe. Die Ana-Lucia-Fans mögen mir bitte vergeben, aber mir geht sie auf den Wecker. Aber wo ich gerade einen Blick auf die Umfrage werfen: Ben und Sawyer ziehen dem Rest langsam aber sicher davon – was sagt das über uns? Wir mögen offenbar Typen, die wie manipulative, egoistische Mistkerle wirken, aber in Wahrheit völlig kaputte, unreife, hochintelligente und individualistische Autodidakten sind, die nicht zugeben können, dass sie nichts nötiger hätten, als eine Schulter, an der sie sich ausweinen können. Nachdem gewohnten Vorwort mit den Gedanken des Tages, kommen wir nun zu „Lost and Found“, einer Episode, in der ich mich überhaupt viel mit meinen zwei speziellen Lieblingen auseinandersetzen muss. Wären Jin und Eko nicht, ich glaub ich hätte mir ein Kabel besorgt und mich in meinem Zimmer aufgehangen... oder Ben angerufen, damit der das mit dem Kabel und dem Erwürgen übernimmt.

Meine Gedankengänge führten mich irgendwie schon in der ersten Szene zu Jacob. Nicht weil Jacob seine Wäsche im Eimer wäscht, wenn das Meer vier Meter weiter ist. Das wissen wir nicht. Vielleicht wäscht der seine Wäsche auch gar nicht, sondern zaubert sie weiß oder er hat Locke nur auf die Insel geholt, weil er dachte, der wäre wirklich Meister Proper und der Weiße Riese in einer Person. Man weiß es nicht... . Nein, was mich zu Jacob brachte war der Ehering, denn den bekommt man bei der Hochzeit und wo hat Jacob Sun und Jin getroffen? Genau, bei deren Hochzeit. Aber nicht nur das: Jin Ehering wird Sun als Beweis von Ben gebracht, dass Jin noch lebt. Sun wäre zum Zeitpunkt von Jacobs Tod gar nicht auf der Insel ohne die Eheringe. Die Verkettungen, die man wohl als Ironie des Schicksals bezeichnen sollte, gehen noch weiter. Sun und Jin finden einander, weil sie beide aufgehört haben nach einem Partner zu suchen: das Schicksal führt sie zusammen. Ebenso findet Sun den Ehering mit Kate, als sie aufgehört hat danach zu suchen. Locke hatte das praktisch vorausgesehen (die Szene analysiere ich später noch mal dezidierter). Doch auch in Bezug auf Jacob fiel mir was ein/auf: und zwar geht es öfters in dieser Episode darum, dass Jin „nur“ ein Fischer sei und Jacob sehen wir in der ersten Szene von „Der Vorfall“ auf ähnliche Weise Fisch fangen wie Jin in dieser Folge – Jin tut es mit einem Netz, Jacob mit einer Art Korb (war nie Fischen/Angeln, keine Ahnung wie so etwas im Fachchinesisch oder in dem Fall wohl eher Fachkoreanisch heißt). Zumindest fiel mir da ein anderer überaus berühmter Fischer aus der Bibel ein: Simon, besser bekannt als der Fels (lat.: „Petrus“), auf dem Jesus seine Kirche bauen wollte. Ich habe ja schon irgendwann einmal erwähnt, dass ich den biblischen Bezug bei Jacob weniger in Jakob dem Stammvater der Israeliten suchen würde, als unter den Jüngern Jesu, von denen zwei den Namen Jakobus trugen, der sich genau wie Jakob, Jacob oder auch James vom Hebräischen "Ya'akov" (יעקב) ableitet. Da wäre einmal Jakobus der Ältere, der Schutzpatron der Pilger, nach dem auch der Jakobsweg benannt wurde. Der andere Jakobus hat fünf Beinamen, die theoretisch auf drei einzelne Personen hinweisen könnten, doch werden sie für gewöhnlich gleichgesetzt: Jakobus der Gerechte/Jakobus, Bruder des Herrn; Jakobus der Kleine und Jakobus der Jüngere/ Jakobus, Sohn des Alphäus. Gerade Jakobus den Gerechten (im Englischen meist James The Just) finde ich hier sehr interessant, denn er und Simon Petrus gelten als so etwas wie die Nachfolger/Stellvertreter Jesu. Während Jesu Bruder Jakobus in Jerusalem verblieb, ging Simon bekanntermaßen nach Rom in die Höhle des Löwen, wo er auf dem Kopf gekreuzigt wurde. Ohne Kaiser Konstantin wäre wohl nicht Rom, sondern Jerusalem das Zentrum der christlichen Welt geworden – da kann man Konstantin fast dankbar sein, dass die Christen in diesem Hexenkessel derzeit nicht auch noch mitmischen.

Man hat bei „Jacob“ natürlich als erstes den Patriarchen dieses Namens im Kopf und Esau als sein Gegenstück. Doch scheinen „Samuel“ und Jacob ja als von einer höheren Macht eingesetzt darum zu kämpfen, wer mit seiner These, Auslegung Recht hat. Bemerkenswert ist auch der Name des Mannes, er die Steinigung von Jakobus anordnete: Hanan ben Hanan. Ich weiß, ich weiß – „Ben“ bedeutet in erster Linie „Der Sohn von“. Aber es ist ungewöhnlich, dass es normal als Teil des Namens mitgeführt wird. Hinzukommt dann noch die Bedeutung von „Hanan“ = „Der Mitfühlende“. Auch wenn ich mich davor hüten würde Jacob mit Jakobus, Jakob oder gar Simon Petrus gleichzusetzen, sollte man solche Parallelen nie unbeachtet lassen – das gilt für diese christlichen ebenso wie für die ägyptischen Einflüsse. Interessant würde es allerdings werden, wenn sich herausstellt, dass „Samuels“ richtiger Name Simon ist^^. Kommen wir nun mal weg von wilden Hypothesen und Bibelstunde für Fortgeschrittene.

Das Floß ist nun also vier Tage weg und Sun sucht überall nach ihrem Ehering. Sie redet unter anderem mit Claire, Jack, Hurley, John und Kate darüber. Jack erklärt sie weinerlich: „ I lost my wedding ring!“ („Ich habe meinen Ehering verloren!“) Jack erzählt daraufhin eine Geschichte, in der es wie so oft um Betrug geht, denn nichts anderes ist es, wenn man den Ehering verliert und einfach einen neuen anfertigen lässt. Es hat wohl auch etwas sehr symbolträchtiges, dass die Ehe von Jack und Sarah wenig später in die Brüche gehen sollte. Sun und Jin hingegen kommen auf der Insel wieder näher zusammen, halten später sogar durch die Eheringe über Raum und Zeit hinweg Kontakt miteinander – andere brauchen für so was ’nen Extra-Briefkasten. Mit Hurley wartet Sun dann darauf, dass Vincent mal muss – was für eine schöne Freizeitbeschäftigung. Vergesst Theater, Kino, die Oper und Musicals – das ist Entertainment... Oh Gott, mir wird gerade bewusst: RTL2 würde ich so eine „Doku-Soap“ zutrauen. Wenigstens wäre da die Behauptung „Die senden nichts als Scheiße!“ mal keine Verunglimpfung des Formats, sondern eine Tatsache. Wobei „Wetten Dass...!“ ging ja jüngst schon in eine ähnliche Richtung. Was ist nur mit dem Fernsehen passiert? Wenn man sich überlegt, dass man sich früher schon über Krawall-Talkshows und „BigBrother“ aufgeregt hat... Da kannten wir 9live und die ganzen Doku-Soaps (alternativ auch Reality-Soaps, Soap-Dokus, Reality-Shows, Doku-Shows oder gequirlter Dreck) ja noch nicht näher. Wo war ich, ach, ja im Dschungelcamp oder „Ich bin ein Lostie, holt mich hier raus!“

Wir erfahren aus dem Gespräch zwischen Sun und Hurley, dass Sun und Jin aus dem „guten“ Korea kommen und, dass Suns zerknautschter Flohteppich Bpo Bpo heißt, was „ein Kuss“ bedeutet. Aber was bedeutet denn bitte „gutes Korea“ – hätte ein Nordkoreaner gesagt, er käme aus dem „bösen Korea“? Wohl kaum! Wieder einmal ein Paradebeispiel für die Frage: Wie definiere ich Gut und Böse? Oder ist es nicht vielmehr eine Frage des Blickwinkels? Und wo wir gerade bei Blickwinkeln sind, kommt auch schon Locke aus den Büschen gelatscht, als Sun gerade durch ihren Garten tobt wie ein tollwütiger Chihuahua auf Kokain. Sun fragt Locke: „Did you see me?“ („Hast du mich gesehen?“ bzw. in dem Fall wo mehr soviel wie: „Hast du es gesehen?“ oder „Wie lange stehst du schon da?“) Und John erwidert: „Nein, Sir, ich habe nicht gesehen, dass Sie mal wieder mit Ihren Puppen spielen!“ Ach, ne.. falscher Film, immer diese Instand-Kassetten da kommt man ganz durcheinander. Locke sagt natürlich: „Rip apart your garden? No.“ („Wie du deinen Garten auseinander nimmst? Nein.“) Na ja, kommt ja fast aufs gleiche raus. Sun meint, als John sagt, manchmal wünsche er sich einen Garten zum Wüten, dass sie ihn noch nie wütend erlebt habe. John gesteht früher oft wütend gewesen zu sein – ebenso wie Sun, weil er auf der Suche war („I'm not lost anymore.“). Auch wenn er nicht fand, was er sucht, so hat es doch ihn gefunden. Er brauchte nur aufhören zu suchen („How did you do that?“ – „Same way anything lost gets found – I stopped looking.“). Wir wissen mittlerweile nur zu gut, dass Locke auch zornig sein kann, wie fast alle Losties ist er beizeiten sogar überaus wütend, aggressiv und gar jähzornig. In den meisten Fällen ist es Verlust, der unsere Losties wütend werden lässt oder aber ihren Verstand ausschaltet und sie impulsiv handeln lässt. Gerade jene, die die Insel verloren haben, sie suchen oder im Begriff sind, sie zu verlieren, sind kaum wiederzuerkennen. Verlust („loss“) lässt die Hemmungen vergessen. Locke etwa ist selbst auf der Insel nur so lange besonnen, bis er das Gefühl hat, seine Verbindung zur Insel bräche ab. Shannon will über den Verlust ihres Bruders John erschießen. Ben rastet in der Serie nur dreimal richtig aus und jedes Mal geht es um einen Verlust: Er will Ana-Lucia erwürgen (okay, wer will das nicht?), weil sie zwei seiner Leute umgebracht hat (so egal war Goodwin ihm wohl doch nicht); er lässt Goodwins Tod zu und verliert gegenüber Juliet die Fassung, weil sie sich ihm verweigert; als Ben Keamy ermordet läuft er regelrecht Amok, verhält sich wie ein wildgewordener Irrer und brüllt, laut, während er wieder und wieder auf Keamy einsticht – warum? Er hat Alex verloren und weiß, dass er in wenigen Minuten die Insel verlassen wird – vermutlich für immer. Michael tickt in dieser Folge mal wieder vollends aus, weil er Walt verloren hat – und das nicht zum ersten Mal. Ein Stück weit könnte das Jacobs Schlüssel zum Erfolg sein: Er gibt ihnen allen zurück, was sie verloren haben und nimmt ihnen so den Grund zu ihrem aggressiven Verhalten. Würde auch zu dem mehrdeutigen Titel der Serie passen – das, was verloren ist, ist das letzte Puzzelteil. Schließlich heißt „lost“ ja nichts anderes als „verloren“.

Zu guter letzt ist es Kate, die Sun hilft den Ehering wieder zufinden und dabei selbst nach etwas sucht. Wir erfahren nie, ob Kate ihren Brief suchte oder den, den Sawyer verfasst hat, wir merken aber, wie sehr sie es bereut nicht da gewesen zu sein, als das Floß ablegte: „We didn't, uh... I didn't say goodbye.“ („Wir haben uns nicht, ähm... Ich habe nicht Lebewohl gesagt.“) Das verbindet Sun und Kate und trennt sie auch wieder: sowohl Jin als auch Sawyer haben die Insel mit dem Floß verlassen und sie sorgen sich um sie, doch während Sun sich von ihrem Ehemann verabschieden konnte, ihn sogar am gehen hindern wollte, so hat Kate nie auf wiedersehen gesagt und kurz zuvor sogar noch versucht sich Sawyers Platz auf dem Boot zu erschleichen. Sun und Kate haben beide etwas verloren, sind beide auf der Suche. Kate findet den Brief, den sie sucht nicht, findet dafür jedoch, was Sun suchte: den Ehering. Sowohl Locke als auch Hurley hatten recht mit ihren Tipps: zurückverfolgen, was man zuvor getan hat ODER aufhören zu suchen – das eine hätte Sun zum Erfolg geführt, das andere hat zum Erfolg geführt.

Gehen wir nun ein paar Kilometerchen weiter zu den Tailies, denn die sind mit ihrem Drill Sergeant Ana-Lucia Cortez gerade im Aufbruch inbegriffen. Ana macht das, was sie am besten kann: Aufträge verteilen und Leute runterputzen. Jin macht sie dann beim Fischen gleich schief von der Seite an, weil er nicht so fischt, wie sie es erwartet hat. Er erwidert ihr etwas, doch Ana versteht nur Chinesisch...oder...also zumindest kein Koreanisch, denn: „Does it look like I speak Korean?“ („Seh’ ich so aus, als ob ich Koreanisch spräche?“) Gegenfrage: Sieht Jin so aus, als spräche er Englisch?

Michael versucht derweil herauszufinden, warum die Tailies so verängstigt sind. Komisch, gerade er sollte die Antwort doch kennen und kaum hat Libby ihm gesagt wo „Sie“ herkommen („Because that's where They come from.“), macht er sich schon auf den Weg. Derweil machen sich Eko und Sawyer bekannt, wobei beide nicht ihren richtigen Namen nennen, denn weder heißt Eko Tunde „Mr. Eko“ noch heißt James Ford „Sawyer“.

Also, Michael ist weg und sucht nach...? Na? „Where’s Kate?“ Nein, Jack, du nicht! Michael! Jetzt führ ich schon Dialoge mit Seriencharakteren, die gar nicht da sind... also wen sucht Michael? „Walt!?“ Röööchtisch! Warum denn nicht gleich so? Also Michael sucht nach... „Walt?!“ ich kann ja nur hoffen, dass ihr das im Kopf auch so schön illustrieren könnte wie ich, denn ich hör Michael im Kopf tatsächlich rufen... das sollte ich mal untersuchen lassen... Also Michael ist weg und sucht nach „Walt?!“, woraufhin Jin los will und nach Michael suchen möchte. Eko will ihn nicht gehen lassen, doch auf dieser Insel regelt man solche Probleme ja immer auf die gleiche Weise: da gibt’s auf die Fresse. Obwohl ich Pazifist bin, muss ich Jin ja irgendwie große Bewunderung aussprechen: einem Schrank wie Eko eine zu zimmern, erfordert Mut. Eko haut natürlich zurück und Jin geht zu Boden. Ja, da sind zwei mal wieder so richtig liebenswürdig zueinander (Insider für Asterix-Fans). Der Vorteil ist: eine Faust im Gesicht bedeutet in Korea und Nigeria das Selbe. Ihr merkt: es fällt mir schwer bei dieser Folge mit dem nötigen Ernst bei der Sache zu bleiben. Aber dennoch will ich mich darum bemühen. Eko und Jin gehen also Michael suchen, der seinerseits „Walt?!“ sucht.

Kurz nachdem Jin einen unsanften Zusammenstoß mit einem Wildschwein hatte, stoßen Eko und Jin auf Goodwins Leiche (Ich glaub bald, der Typ ist als Leiche in mehr Folgen dabei als lebendig). Praktischerweise hat Jin zumindest das Wort „Others“ (aus seinem Mund klingt zwar mehr wie „Adders“, aber egal...) schon gelernt, obgleich er es vermutlich für einen Eigennamen hält und nicht weiß, dass es sich auch um ein normales, englisches Wort handelt. Eko und Jin unterhalten sich also in einigen, wenigen Schlüsselwörtern und mit Zeichensprache. So scheint etwa ein Hitlergruß vor der Brust das internationale Gebärdensprachenzeichen für „Flugzeug“ zu sein – das lässt einen die deutsche Geschichte doch plötzlich mit ganz anderen Augen sehen.

Außerdem entdeckt Eko Jins Ehering und fragt ihn, so gut es möglich ist, nach Sun. Schließlich ist so ein Ehering auch eine Art der Kommunikation, denn er symbolisiert den Ehepartnern „Wir gehören zusammen“ und Außenstehenden überdies noch „Bin vergeben!“.

Doch dann kommen Sie. Jin und Eko verstecken sich in den Büschen und vorüberziehen ein paar Gestalten, die allesamt barfuß sind, keine Lau von sich geben und überdies keine Spuren hinterlassen. Vielleicht kam dem ein oder anderen ja der gleiche Satz in den Sinn wie mir: „They are coming“ Was bringt uns zu der Annahme, dass es sich bei diesem Trupp nicht um andere Andere handelt als die Anderen, die wir kennen? Von offizieller Seite wurde bestätigt, dass es sich bei dem Kind mit dem Teddybär weder um Zach noch um Emma handle. Was wäre also, wenn diese Personen nicht zu Bens Leuten gehörten? Denn eigentlich haben sie mehr mit Jacob und Samuel gemein. Die Anderen tragen ihre Dschungelkluft nur zur Tarnung. Doch durch wen inspiriert? Jacob und „Samuel“ haben beide einfache Hemden und Hosen an, die sie vermutlich selbst angefertigt haben. Als Gürtel dient eine Kordel, festes Schuhwerk tragen sie nicht. Vor ein paar Tagen noch kam die Theorie auf, dass Jacob „Samuel“ warnen wollte, als er sagt: „Sie kommen!“ Was also, wenn wir mit Jacob und „Samuel“ immer noch nicht die Spitze erreicht haben. Wie sagte Ben noch gleich? „But everyone answers to someone and the leader answers to Jacob.“ („Aber jeder muss sich vor jemandem verantworten und der Anführer verantwortet sich vor Jacob.“) So und jetzt betrachten wir die zurückliegenden Staffeln mal. Staffel 1: da hieß das Duell Jack gegen John – Anführer der Losties. Staffel 2: Henry/Ben und die Anderen gegen die Losties als Kollektiv – stärkere Macht auf der Insel. Staffel 3: Ben gegen John – Herrschaft über die Anderen als Wächter der Insel. Staffel 4: Ben gegen Charles – Kampf um die Insel zwischen zwei Menschen. Staffel 5: Jacob und „Samuel“ – Kampf um die Menschheit mit der Insel als Versuchslabor. Staffel 6: Bewohner der Insel gegen „Sie“??? Kann es nicht sein, dass „Sie“ die Macht sind, vor der sich nun wieder Jacob und „Samuel“ verantworten müssen? Wäre es möglich, dass Jacob und sein grauhaariger Gegenspieler nicht die einzigen ihrer Art auf der Insel sind? Ganz im Gegenteil: es wäre sogar recht wahrscheinlich, dass sie nicht die einzigen ihrer Art sind. Auch wenn ich es langsam etwas verquer fände, wenn es immer noch eine dunkle Macht gibt, die schlimmer ist als die bisher bekannte, würde ich es nicht ausschließen, denn eines ist klar: Ein Krieg wird kommen! Doch gegen wen? Der König ist tot und sein Rivale hat nicht einen echten Anhänger auf seiner Seite.

Jin findet Michael später dann, als er gerade mal nicht sucht , sondern am Bach sitzt und sich wäscht. Wieder einmal wird also etwas bzw. (in diesem Fall) jemand gefunden, als man gerade aufgehört hatte, danach zu suchen. Vielleicht würde Michael so auch Walt finden, aber stattdessen macht er das, was er am besten kann... und jetzt alle zusammen auf Drei: Eins...Zwei...Drei – „Walt?!“ Das müssen wir aber noch mal üben... tststststs.

Als letztes werfen wir dann noch einen kurzen Blick ins Flashback. Sun wird von ihrer Mutter gesagt, sie sei nun Silber und solle nicht warten, bis sie Bronze geworden ist, während Jins Freund Tai ihm vorhersagt, die Frau seines Lebens sei orange. Auch wenn ich mich bei den Rückblenden dieser Folge vor der viel zu inflationär gebrauchten Floskel „Andere Länder – andere Sitten“ fernhalten wollte, gelingt es mir nicht so recht, denn darauf läuft es hinaus. Sun wird von ihren Eltern gedrängt, zu heiraten, ehe sie nicht mehr gut genug ist – Gammelfleisch, wenn man so will. Jin will hingegen einer Partnerschaft aus dem Weg gehen, weil er glaubt, nichts darzustellen im Leben. Beim Vorstellungsgespräch wird Jin von oben herabbehandelt, weil er „nur“ der Sohn eines Fischers ist. Ironie: Auf der Insel wird er von Ana solange von oben herabbehandelt, bis er sich durch seine Kenntnisse als Fischer ihren Respekt verdient. Aber auch das soziale Gefälle wird hier (wie in der vorangegangenen Episode) thematisiert – Menschen werden darüber beurteilt, wo sie herkommen, was sie verdienen, wie viel Macht und Einfluss sie haben und in Suns Fall auch noch wie sie aussehen. Dass Sun studiert hat, gereicht ihr – laut ihrer Mutter – sogar zum Nachteil. Ginge man nach dieser Einteilung wären viele Menschen so gut wie gar nichts wert. Ich zum Beispiel bin übergewichtig (bevor wir uns falsch verstehen: in Übergrößengeschäften muss ich noch nicht einkaufen...^^), sehe auch sonst nicht besonders gut aus, verdiene praktisch nichts und habe obendrein auch noch Abitur und eine ganz gute Allgemeinbildung. Irgendwo erschreckend, dass man so in unserer Gesellschaft (denn das ist ja weiß Gott nicht nur in Korea so) weniger wert ist als ein Supermodel mit Hauptschulabschluss und dem IQ einer Topfpflanze. Aber genau darauf läuft es hinaus. Jae Lee und Sun sind beide durch die westliche Kultur mitgeprägt und dennoch verfallen sie rasch wieder in dieses Muster und bilden sich ein, sich ernsthaft von ihren Eltern und deren Vorstellungen abzuheben, was das Ganze um so erbärmlicher macht.

Jin reicht die gesellschaftliche Rangfolge nicht wirklich zum Vorteil, obwohl sie es hätte tun sollen: denn hätte Jins Chef gewusst, dass Jin bei seinem Chef (denn nichts anderes ist Jae Lee: der Chef von Jins Chef) wegen der Blume noch einen gut hat, hätte er Jin wohl anders behandelt. Das Zauberwort heißt schließlich auch hier Vitamin B.

Was gibt es zu dieser Folge sonst noch zu sagen? Ein paar Kleinigkeiten: Sun gesteht gegenüber dem unsensiblen Holzkopf Jae Lee zwar nicht, dass sie sich Hoffnungen gemacht hatte, gibt dafür aber zu, auch gerne nach Amerika ziehen zu wollen – kommt euch das auch so bekannt vor? Dann wird Jin von dem Vater des kleinen Jungen mit der schwachen Blase als „guter Mensch“ bezeichnet. Und das letzte, was bleibt ist die Frage: Wie um alles in der Welt hat Sun es geschafft, ein Studium in Kunstgeschichte zu bewältigen?

Donnerstag, 19. November 2009

Neues zu den Gastbeiträgen

Da nun wohl doch mehr Gastbeiträge kommen, als ich jemals zu hoffen gewagt hätte, wollte ich denen, die sich schon gemeldet haben, und jenen, die noch überlegen, mal ein paar Tipps mit auf den Weg geben. Außerdem findet ihr am Ende noch mal eine Übersicht zur Verteilung der Beiträge in Staffel 2 (die fettgedruckten sind noch offen).
Nun aber ein kleiner Leitfaden (vielleicht auch ein Leidfaden^^) für eigene Gastbeiträge:
Zur Vorbereitung:
Schritt 1: DVD raussuchen - das ist bei mir schon das mühseligste, weil die "Lost"-Boxen in zweiter reihe im Schrank ruhen. ;-)
Schritt 2: Notizheft oder noch besser eines dieser kleinen Ringbücher, Stift und Fernbedienung bereitlegen. Euer Schreibutensil sollte zumindest eine handliche, stabile Schreibunterlage sein - etwas, mit dem man es sich weiterhin vor dem Fernseher gemütlich machen kann - sobald das Notieren nämlich zur Last wird, neigt man aus Bequemlichkeit dazu, etwas nicht aufzuschreiben. Ähnliches gilt für den Stift: Kuli, Bleistift oder gescheiter Gelstift - das ist kein Schönschreibwettbewerb.
Schritt 3: DVD einlegen und auf... öhm... wie heißt die Taste mit dem Dreieck nochmal? Auf die drückt ihr zumindest drauf. Kleiner Tipp noch: Guckt auf Englisch - man ist zwangsläufig aufmerksamer, achtet mehr auf Details.

Während ihr guckt, solltet ihr auch nichts anderes nebenher machen. Nicht bügeln, kochen, essen, die Steuererklärung machen, aufräumen, ein Perpetuum Mobile konstruieren oder Pi auf die letzte Nachkommastelle berechnen.
Ich würde davon abraten, zwanghaft alles an einem Stück gucken zu wollen. Macht Pausen, haltet das Bild an, um in Ruhe notieren zu können, und spult gelegentlich auch nochmal zurück, damit euch nichts entgeht.
Notiert alles, was euch zu notieren sinnig erscheint - streichen kann man später immer noch. Und notiert nicht nur: arbeitet mit Pfeilen, Skizzen, Mindmaps und Clustern. Jetzt fragen einige vielleicht: Was ist sinnig zu notieren? Da gibt es drei Kategorien:
1. Auffällige Details: das werden die meisten eurer Notizen sein. Kleinigkeiten, die einem früher nicht aufgefallen sind.
2. Orientierung: Manchmal sollte man auch einzelne Stationen der Handlung kurz notieren, um beim Schreiben nicht im Chaos zu versinken.
3. Querverweise, Theorien und Analysen: Viele Gedanken analytischer Natur werden euch auch schon beim gucken kommen. Schreibt sie sofort auf! Man vergisst sie sonst!
In allen drei Kategorien solltet ihr auch Zitate aufschreiben.

Beim Schreiben solltet ihr in einem Fenster das Transcript von Lostpedia offen haben, um jederzeit drauf zugreifen zu können. Außerdem solltet ihr natürlich eure Notizen vor Augen haben und abgehandelte Punkte durchstreichen. Für einige kann es auch von Nutzen sein, die Notizen vorab nochmal zu Strukturieren. Geschriebene Abschnitte solltet ihr außerdem immer nochmal überarbeiten. Bevor ihr mir das Ganze dann zuschickt noch einmal aufmerksam Korrektur lesen.

Euch allen viel Erfolg!
Falls es noch Fragen gibt, könnt ihr mich jederzeit kontaktieren.



Aktualisierte Übersicht:
  1. Glaube und Wissenschaft - abgehakt
  2. Treibholz - abgehakt
  3. Orientierung - abgehakt
  4. Alle hassen Hugo - abgehakt
  5. Gefunden - in Arbeit
  6. Verlassen - Anubis2705
  7. Die anderen 48 Tage - Gastbeitrag (Elli)
  8. Kollision - offen
  9. Was Kate getan hat - Anubis2705
  10. Psalm 23 - offen
  11. Jagdgesellschaft - offen
  12. Feuer + Wasser - Anubis2705
  13. Langer Atem - offen
  14. Einer von Ihnen - Anubis2705
  15. Mutterschutz - Anubis2705
  16. Die ganze Wahrheit - Gastbeitrag (Furya)
  17. Verriegelt - Gastbeitrag (Furya)
  18. Dave - Anubis2705
  19. S.O.S. - offen
  20. Zwei für Unterwegs - Anubis2705
  21. ? - Gastbeitrag (Code14J )
  22. Drei Minuten - offen
  23. Zusammen leben, alleine sterben - Anubis2705 oder Furya (vielleicht auch beide^^)

Dienstag, 17. November 2009

Update

Hello there,
keine Sorge es geht auf Deutsch weiter - das wichtigste vorab: Wie gewünscht, hab ich nun einen Twitteraccount eingerichtet und den findet ihr hier. Die ganz Cleveren wissen jetzt, dass ich dann auch meine neue Mail-Adresse habe und da sich zwar der Anbieter, aber nicht mein Name geändert hat, lautet die nun: timfeldmann@unitybox.de . Ihr erreicht mich aber auch unter der alten noch bis zum 26.11.2009.
Dann ist mir aufgefallen, dass ich tatsächlich einen Hauptcharakter bei der Umfrage vergessen habe und entschuldige mich daher bei all jenen, deren Lieblingscharakter Vincent ist. Wie konnte ich ihn nur vergessen... . Ist doch einer der wenigen Hunde, die ich mag - zusammen mit Idefix, Pluto und Rouwdy bei "[scrubs]". Das hat aber weniger etwas mit einer prinzipiellen Abneigung gegen Hunde als vielmehr mit einer prinzipiellen Angst vor Hunden zu tun. Ich mag Hunde, aber halt nur solange ein Bildschirm dazwischen ist oder ich im Chinarestaurant bin ;-).
Kommen wir zum letzten Punkt dieses Eintrags: Leider, leider muss ich euch nochmal vertrösten, aber es dürfte wohl das letzte mal vor Weihnachten gewesen sein. Ich habe morgen noch einen sehr wichtigen Termin, für den ich bis nach Köln muss, und hab daher auch den Kopf nicht so wirklich frei, um mich auf "Lost" konzentrieren zu können. Aber ab Donnerstag sind dann endlich alle Termine weg und ich kann mich wieder auf die DVDs stürzen, auch wenn ich hoffe, dass ich zum Gucken schon heute komme und die Review zu 2.05 dann am Donnerstag online stellen kann.

Namaste!

Montag, 16. November 2009

Alle lieben Hugo!

Everybody hates Hugo:

Da bin ich nun wieder mit der nächsten Review. Diesmal zu: „Alle hassen Hugo“. Besonders viel von großer Bedeutung konnte ich in dieser jedoch Folge nicht finden. Dafür gibt es aber bestimmte gesellschaftskritische Elemente, die sich durch die Episode ziehen und die ich versuchen möchte, zu benennen und zu analysieren.

Beginnen wir aber ausnahmsweise mal gleich mit dem wohl interessantesten Part: Jack und Sayid untersuchen den Schwan und stoßen dabei auf eine Betonversiegelung nach der nächsten. Hinter dem Beton erzeugt irgendetwas ein uns wohlbekanntes Brummen und ein starkes Magnetfeld. Rohre mit heißem Wasser führen von dem versiegelten Bereich weg. Sayid vergleicht die Vorsichtsmaßnahmen, die hier getroffen wurden, mit Chernobyl/Tschernobyl/Tschornobyl – sucht euch eine Schreibweise aus, theoretisch hätte ich auch noch die zwei anzubieten: Чорнобиль und Чернобыль. Und jetzt sein wir doch mal ehrlich: das passt einfach zu gut zu der Jughead-Aktion, um einen Reset ernsthaft in Erwägung zu ziehen. Denn das Magnetfeld war immer da, das muss man nicht einbetonieren und man muss die Energie auch nicht schubweise freisetzen. Wäre es nur das Magnetfeld, hätte man den Schacht wieder zugeschüttet als es problematisch wurde und fertig. Auch die Rohre, die da unten verlegt wurden, erinnern doch irgendwie an die Kühlwasserleitungen eines AKWs.

Hurley erhält von Jack den Auftrag, die Vorräte zu sichten und Inventur zu machen. In einem Traum schlägt er sich aber erst einmal den Bauch voll. Wobei mir in der Szene der Gedanke durch den Kopf schoss: hat er sich nicht vor kurzem noch über Durchfall beklagt? Wenn man wochenlang nur von Fisch, Gemüse und Früchten gelebt hat und sich dann mit Eis, Schokoriegeln, Chips, Müsli und einem kalten Fertiggericht voll stopft, würde selbst der stärkste Verdauungsapparat ganz schön rebellieren. Etwas derart unvernünftiges unterstreicht wohl nur wieder Hurleys zwanghaftes Ernährungsverhalten. Mitten in die Fressorgie platzen dann Jin und ein Typ im Hühnerkostüm. Wer ist dieser Pakistani im Hühnerkostüm? Okay, er hat ihm den Lottoschein verkauft, doch dafür wird er kaum im Traum wohl nicht stehen. Ist er die Personifizierung von Hurleys Fresssucht? Oder viel eher eine Manifestation dessen, was Hurley nun fürchtet? Er vereint in sich Wohlstand (durch den Bezug zum Lottoschein) und Essen (durch das Mr.Cluck-Kostüm). Jin spricht hier ausnahmsweise mal Englisch, obgleich ja angeblich Hurley Koreanisch spricht. Jin mahnt Hurley, es werde sich alles verändern. Warum erscheint ausgerechnet Jin? Vermutlich weil er mit Hurley einmal fischen war und deshalb das Leben auf der Insel frei von allem Luxus und Wohlstand symbolisiert. Dieses spartanische, aber friedliche Zusammenleben, wird durch die nun begrenzt vorhandenen Luxusgüter gefährdet. Hurley erkennt das relativ rasch.

Wo aber genau liegt das Problem? Ganz einfach: Der Mensch kann eher damit leben nichts zu haben, wenn alle nichts haben, als damit zu leben etwas zu haben, wenn andere mehr haben. Der Mensch ist durch Konkurrenzdenken bestimmt. Auf der Insel besteht sowohl bei den Anderen als auch bei den Losties untereinander ein eher marxistisches Gesellschaftssystem. Die Anführer nehmen lediglich die Funktion von Administratoren (lat. “Verwalter“) und Moderatoren (lat. moderare = „mäßigen“, „steuern“, „lenken“) ein, haben aber keine darüber hinausgehenden Privilegien. Alle erhalten die selbe Versorgung und jeder hat seine Rolle innerhalb der Gruppe.

Jack versucht dies durch das Verteilen von Jobs auch noch weiterhin aufrecht zu erhalten, doch in dem Moment wo eine Fülle von – nichtsdestotrotz begrenzten – Gütern in die Gesellschaft kommt, entstehen Konkurrenzkampf und Neid. Aus gutem Grund mahnt Hurley Jack, keine Ausnahmen zu machen. Als Kate sich dann Shampoo holt, meint Rose zwar es sei „nur eine Flasche“ („just one bottle“), doch wie Hurley richtig anmerkt: Damit fängt es an. Denn in diesem Moment wird Kate bevorzugt und jeder, der jetzt zu Hurley käme, könnte sagen: „Wenn Kate Shampoo bekommt, dann verlange ich jetzt Schokoriegel!“ und dann kommt der nächste: „Shampoo ging ja noch an, aber wenn jetzt schon Schokoriegel verteilt werden, will ich auch Chips!“ bis irgendwann alle was haben und Kate kommt und meint, dass ihr Shampoo ja wohl weit weniger wert wäre als die Schokoriegel und damit geht das Spielchen von vorne los. Man kann es unmöglich allen Recht machen, alle gerecht behandeln. Das ist wohl auch der Grund, warum die Anderen so eine einfache Lebensweise vortäuschen und einige Auserwählte entführen: Sie könnten die Losties unmöglich alle mitversorgen, würden die aber erfahren, wie gut es den Anderen geht, würden sie neidisch werden und eine gewalttätige Eskalation wäre unvermeidbar. Also halten sie die Losties durch Einschüchterung und Betrug auf Abstand.

Charlie ist in dieser Folge fast so etwas wie die Personifizierung dieses Konkurrenzgedanken. So nimmt er etwa an, Hurley würde bezüglich der 156 Millionen Dollar lügen, und selbst bei der Lüge glaubt Charlie, ihn überbieten zu müssen (damit lügt er selbst übrigens auch vor dem Baby ;-) ) und behauptet 900 Trillionen US-Dollar zu besitzen (um Klugscheißerkommentaren vorzubeugen: Charlie kommt aus England und da entspricht die englische Vokabel „a trillion“ auch der deutschen „Trillion“, in den USA hingegen wäre „a trillion“ = „eine Billion“ im Deutschen; doch denke ich nicht, dass Charlie diese Barriere in der Zählweise bedacht hat und durchaus 900 Trillionen und nicht 900 Billionen meinte, wobei die Autoren selbst wohl wiederum 900 Billionen meinten – was für ein wirres Gerede). Als Charlie später mit Locke redet, sagt er nicht einfach: „Ich habe genauso ein Recht das zu erfahren, wie jeder auf dieser Insel!“. Nein, Charlie begründet es damit, dass er ja bei der A-Team-Mission dabei gewesen wäre, wenn er nicht so damit beschäftigt gewesen wäre, Rübenkopf zu retten. Gleichzeitig wirft er Hurley vor, er sei jetzt einer aus der Chefetage geworden: „You've become one of them!“ („Du bist einer von Ihnen geworden!“). Daran ist natürlich auch die Wortwahl interessant. „Einer von Ihnen“ und somit nicht länger „einer von Uns“ und gleichzeitig natürlich auch eine Analogie zu den Anderen, da Mitglieder der Anderen oft als welche „von Ihnen“ bezeichnet werden, obgleich „die Anderen“ selbst schon den Ausschluss impliziert. Anders als wer? In welcher Relation? Relation ist überhaupt das Zauberwort dieser Folge. Alles, was wir betrachten, ist vom Blickwinkel abhängig und davon womit ich etwas vergleiche.

Doch neben dem Überfluss werden auch andere gesellschaftliche Elemente, die viel mit Wahrnehmung zu tun haben, zu Leitmotiven dieser Folge. So findet Kate es etwa positiv „wieder“ einen Job zu haben, wobei ich mich frage: Seit wann ist vor der Polizei flüchten (außerhalb von Italien) ein Job? John zeigt gegenüber Hurley in Bezug auf die Jobs mal wieder, dass er auch super zum Insel-Diktator taugt, da er Hurley verweigert, seinen Job zu kündigen und ihn so in die Ecke drängt, was letztlich auch zu dieser depperten Aktion mit Dr. Arzts Lieblingsspielzeug führt. Das letzte mal brachte Hurley Überfluss überhaupt erst in die Situation kündigen zu können, wobei er nach dem Diebstahl von acht Mr. Clucks Hühnerbeinchen wohl eh’ bald entlassen worden wäre. Hierin spiegelt sich auch das soziale Gefälle zwischen Chef und Untergebenem wieder. John baut dieses Gefälle gegenüber Hurley künstlich auf, obwohl Hurley, für den John – ohne es zu wissen – jahrelang in einem unliebsamen Job tätig war, den er gegenüber Hurley auch als Argument anführt, in keinem Abhängigkeitsverhältnis zu John steht wie ein Angestellter zu seinem Chef. Auf der Insel sind alle voneinander abhängig, keiner ist in der Position über die anderen zu bestimmen, wenn die ihn nicht selbst in diese Position erheben, wie es bei Jack der Fall ist. Somit demonstriert die Folge auch sehr gut, dass die Habgier des Menschen ein Motor ist, aus dem selten Gutes erwächst. Auf der anderen Seite zeigt die Serie als Ganzes aber auch, dass der Mensch theoretisch zu einer harmonischen Gesellschaftsform fähig wäre, wenn die Umstände die richtigen sind.

John und Hurley sind aber nicht nur über ihre Verpflichtungen geteilter Meinung: Während John der Ansicht ist, dass Veränderung etwas positives ist, fürchtet Hurley jegliche Form der Veränderung, denn das Ergebnis könnte schlechter sein als der Status quo. Letztlich haben beide Unrecht. Solch pauschale Aussagen sind an und für sich gequirlter Mist. Es ist doch davon abhängig von was zu was eine Veränderung vonstatten geht. Nehmen wir als Beispiel mal die letzte Bundestagswahl. Viele jammerten über die große Koalition und wollten, dass sich was ändern. Die meisten sind nach der Wahl wohl auch der Ansicht gewesen, dass es eine Veränderung zum Positiven war, weil sie sonst nicht so gewählt hätten. Ich persönlich war nie ein Freund der Großen Koalition, hab ihr aber schon am Wahlabend nachgetrauert. Veränderungen sind wohl nie nur gut oder nur schlecht ODER noch etwas profaner formuliert: Des einen Freud ist des anderen Leid.

Dass Hurley auch schon vor seinem Lottogewinn kein Fan von Veränderungen war, sieht man gut in der Szene mit seiner Mutter, die ihm vorhält: „You have to change your life, Hugo.“ („Du hast dein Leben zu ändern, Hugo.“) Wobei ich mich in der Szene vor allem jedes Mal frage: Seit wann hat Jesus ein Telefon? Steht der auch im Telefonbuch? Also wenn einer die Nummer von JC hat, gebt bitte bescheid. Gibt so einiges, was ich den gerne mal fragen würde.

Tja, was gibt es zu der Storyline um Hurley sonst noch zu sagen? Vielleicht nur, dass es verwunderlich ist, dass Hurley keine Apollo-Candy-Company-Schokoriegel kennt? Oder müssen wir uns noch mit der Strandparty auseinander setzen, mit der Hurley es schafft, alle einen Abend lang zufrieden zu machen, so dass keiner mehr darüber nachdenkt, wer jetzt wovon wie viel bekommen hat? Ja, das wäre wohl erwähnenswert, wenn ich es nicht damit schon längst erwähnt hätte. Dann wären da noch die Szene im Plattenladen, wo sich Hurley und Johnny über „Suck Shaft“ lustig machen und die Story um die Erdnussbutter. Alles kleine Nebenhandlungen deren Bedeutung oder tieferer Sinn wohl jedem ersichtlich sein dürfte. Also streich ich jetzt mal eben einige meiner Notizen durch, weil sie eigentlich nichts enthalten, was von großer Bedeutung wäre... Record-Player, Charlie verfolgt John, Cluck You!, Button, „Always stay the same“... Normalerweise nutze ich immer alles, was ich notiert habe, aber irgendwie hab ich diesmal bei einigen Sachen wohl nicht nachgedacht, ehe ich sie notiert habe.

So, was bleibt über? Oh, ja: die Grube. Da hat man doch schon beim aller ersten Gucken ein starkes Déjà-Vu gehabt: Michael brüllt mal wieder in der Gegend rum und wir alle wissen, was er brüllt, oder? Kleiner Tipp: Er ruft nicht „Where’s Kate?“ Außerdem hackt Ana-Lucia mal wieder auf Sawyer rum und holt dann Michael und Jin aus der Grube. Wieso die Tailies nun mit Jin sprechen wollen, sei mal dahingestellt^^. Als Sawyer auch aus der Grube kommt, beweist Ana prompt mal wieder, was für ein unausstehliches Miststück sie ist. Ich weiß, dass einige sie mögen, aber für mich ist sie einfach nur herrisch, hysterisch und gewalttätig. Besonders in dieser Szene wird das wieder überdeutlich. Mit welcher Berechtigung meint sie anderen Befehle erteilen zu dürfen? Womit wir wieder bei der Machtfrage wären. Die elf Tailies, die von den Anderen verschleppt wurden, können eigentlich nur froh sein.

Die Tailies und die Rafties („Oh, ein neuer Spitzname!“) marschieren in Richtung Pfeil und da sagt Sawyer im Spaß etwas recht wegweisendes: „What are you going to do – beam us up?“ („Was machst du jetzt – uns hoch beamen?“). Wenn ich da so an eine andere Dharma-Station denke, finde ich das irgendwie lustig. Der Pfeil selbst ist komplett leer geräumt. In dieser recht großen, länglichen Station stehen nur noch ein paar Kisten und Tailies in der Ecke rum. Außerdem gibt es einen ersten Verweis auf die „Dezimierung“ der Tailies. Unter den wenigen Verbleibenden ist auch Bernard, der die Rafties nach Rose fragt, die noch in dieser Folge bekräftigte, zu wissen, dass ihr Mann noch am Leben sei. Deshalb sehen wir sie auch einen Schokoriegel verstecken, nachdem Bernard am anderen Ende der Insel nach ihr gefragt hat.

Außerdem wird von Claire in dieser Episode die angespülte Flaschenpost gefunden, die sie und Shannon zu Sun bringen. Dadurch wird die aufgebaute Parallele zwischen Sun und Rose bzw. Jin und Bernard noch mal unterstrichen. Sun vergräbt, während die anderen ihr Festessen genießen, die Flaschenpost und einen recht sprunghaften Ehering im Sand.

Und weil Jin und Sun so ein schöner Schluss sind und mir die Brücke zur nächsten Folge immens erleichtern, mach ich hier mal Schluss für heute. Wir lesen uns ;-)

Sonntag, 15. November 2009

Eine weitere Infoveranstaltung

Hi Leute,
also ich sitze an "Alle hassen Hugo" und werde sie wohl noch heute abschließen und hochladen.

Aber noch ein paar Worte zu den Gastbeiträgen: Ihr könnt euch gerne bei mir melden (die E-mail-Adresse ändert sich bei mir entgültig am 26.11.09 - ich geb aber vorher nochmal bescheid), wenn ihr irgendeine Episode habt, zu der ihr gerne die Review schreiben wollt. In Staffel 2 gibt es nur wenige Episoden, die ich auf jeden Fall selbst machen will: "Verlassen", "Feuer + Wasser" (würde ich allerdings abgeben, wenn jemand sehr bibelfest ist und mehr findet als ich), "Einer von Ihnen", "Muterschutz" und "Dave". Bitte versteht das nicht falsch, aber die besagten Folgen sind schon sehr vielschichtig und da werde selbst ich mit meinem mittlerweile geschulten Auge noch sehr gefordert werden und jemand, der noch nicht so viel Erfahrung hat, sollte sich nicht gleich an diesen wirklich harten Brocken versuchen. Ich weiß mittlerweile nur zu gut, dass man sich bei diesen Dingern ganz gerne mal übernimmt und ich will keinen von euch in die Lage versetzen, dass er irgendwann verzweifelt über dem PC zusammenbricht oder mit seinem Jesus-Stock draufeindrischt. Nicht dass ich glauben würde, niemand könnte eine bessere Review dazu abliefern, gibt bestimmt welche, die das können, aber das weiß ich ja vorher nicht und wir wollen ja alle einen gewissen Standard erhalten und zu dem gehört nun einmal Übung. Ganz abgesehen davon sitzt uns ja auch die Zeit etwas im Nacken und wenn ich die Gastbeiträge noch alle auf Hochglanz bringen muss oder am Ende feststelle, ich muss es - aus welchen Gründen auch immer - doch selbst schreiben, wäre das einfach organisatorisch problematisch.
Ich würde mich also sehr freuen, wenn ich von euch hören würde und zwar nicht so sehr, weil es mir etwas Arbeit abnimmt, sondern weil ich es immer schöner finde, wenn so etwas eine Gemeinschaftsleistung wird und ihr für euch hoffentlich irgendetwas positives aus der Mitarbeit ziehen könnt. Und sei es "nur" das Gefühl etwas geleistet zu haben, was andere erfreut, wobei das eigentlich ja schon der schönste Lohn ist ;-)
Also, wir lesen voneinander und schönen Sonntag noch,
nächste Review kommt hoffentlich heute Abend,
Anubis2705

Edit: Übersicht für alle
  1. Glaube und Wissenschaft - abgehakt
  2. Treibholz - abgehakt
  3. Orientierung - abgehakt
  4. Alle hassen Hugo - ist fast fertig
  5. Gefunden - wird morgen angegangen
  6. Verlassen - Anubis2705 (also ich^^)
  7. Die anderen 48 Tage - hab ich gerade von Elli den ersten Gastbeitrag zu erhalten (da war aber eine von der ganz schnellen Truppe^^)
  8. Kollision - wäre theoretisch noch frei
  9. Was Kate getan hat - noch frei, mach ich aber gerne
  10. Psalm 23 - tricki, aber wer möchte darf gerne
  11. Jagdgesellschaft - ebenfalls noch zu haben und sicher gut zu meistern
  12. Feuer + Wasser - mach ich
  13. Langer Atem - hab ich bewusst offen gelassen, denn da gibt es bestimmt den ein oder anderen Sawyer-Fan, der die gerne machen würde
  14. Einer von Ihnen - die übernehme ich
  15. Mutterschutz - ist auch mir
  16. Die ganze Wahrheit - wäre noch frei
  17. Verriegelt - macht Furya (Viel Glück!^^)
  18. Dave - in der Klapse fühl ich mich so zuhause ;-)
  19. S.O.S. - ist frei, wenn einer möchte
  20. Zwei für Unterwegs - ebenfalls noch zu haben, aber eine Herausforderung
  21. ? - Code14J wagt sich an dieses Unterfangen
  22. Drei Minuten - tja, schön wär's, wenn das so schnell ginge
  23. Zusammen leben, alleine sterben - ich halte keinen davon ab, aber es ist eine große Herausforderung, sofern man nicht schon eine gewisse Übung hat