„Sie kommen, sie kämpfen, sie zerstören, sie vernichten – und immer endet es gleich.“ Ja wir alle kennen diesen Satz und man ist geneigt, ihn in „Recon“ zu verdrängen oder zumindest zu vergessen. Der Mann in Schwarz scheint ja richtig nett zu sein, spricht mit James, Kate oder Claire wie mit Ebenbürtigen, ist freundlich, hat Verständnis für ihre Sorgen und Probleme. Er zeigt Mitgefühl. Passt das zu der menschenfeindlichen Einstellung, die er gegenüber Jacob äußert? Nicht wirklich und wir können wohl davon ausgehen, dass wenn es jemanden gibt, vor dem sich „Samuel“ nicht verstellen kann oder bräuchte, dann ist es Jacob. Was bezweckt er damit, wenn er so nett zu seinem Gefolge ist? Dass er von ihnen nicht als das gesehen werden möchte, was er ist, zeigt sich schon relativ früh in dieser Folge, denn schließlich gesteht er nur James, er sei das Rauchmonster und habe all die Menschen im Tempel getötet. Sayid scheint es aber zumindest zu ahnen, denn er sieht „Samuel“ recht vorwurfsvoll an, als dieser behauptet, der Rauch habe all die Menschen getötet. Das ist nicht einmal gelogen, aber das entscheidende Detail verschweigt er dennoch. Überhaupt agiert der Mann in Schwarz derzeit zwar erwartungsgemäß und tut meist auch, was er sagt, bleibt in den Äußerungen aber so vage, dass er ebenso gut lügen könnte. Ihr wollte Beispiele? Ihr bekommt sie:
1.Die Insel verlassen: Der Mann in Schwarz verspricht James, er werde mit ihm die Insel verlassen und sagt auch den anderen unter seinen Anhängern, er wolle gehen. Mit keinem Wort erklärt er aber, wie das vonstatten gehen soll. Man hat wohl einiges erwartet: vom Rad, über den Leuchtturm oder sonst ein merkwürdiges Portal bis hin zu einem Versenken der Insel und Ändern der Zeitlinie. Doch was sagt „Samuel“ zu James? Er will das Flugzeug nehmen. Das ist nicht nur erstaunlich gewöhnlich, sondern auch vollkommen unglaubwürdig. Wer soll das Ding fliegen, sofern man schafft, es zu reparieren? Seit wann wagt der Mann in Schwarz sich überhaupt nur in die Nähe von Technologie? Er mag weder die Menschen noch die Zivilisation. Ganz abgesehen davon, scheint er geahnt zu haben, dass das Übersetzen zur Hydra-Insel problematisch werden könnte – andererseits hätte er damit sein Versprechen, die Insel zu verlassen, eigentlich schon erfüllt.
2.Seine Mutter: MiB erzählt Kate von seiner Mutter und bezeichnet sie als verrückt und verwirrt. Er vergleicht sie mit Claire und sich selbst mit Aaron. Aber wenn seine Mutter der Grund allen Übels ist, welche Rolle spielen dann Jacob und die Insel dabei? Oder ist Claire am Ende sogar seine Mutter und Er oder Jacob ist Aarons zukünftiges Ich? In jedem Fall klingt die Story lückenhaft und könnte ebenso gut aus Lockes Erinnerung geklaut oder erfunden sein. Mich erinnern diese Storys, die MiB Kate oder auch James auftischt, an den Joker in „The Dark Knight“, der sich immer wieder eine passende Geschichte für die Herkunft seiner Narben aus den Fingern saugt.
3.Deal mit Ben: Wie sollte Ben Jacobs Nachfolge antreten können, wenn er keiner der Kandidaten mehr ist? Und warum lotst er Ben zur Hydra-Insel? Die Ereignisse in „Dr. Linus“ und „Recon“ passieren wohl annähernd zeitgleich oder überschneiden sich zumindest teilweise. Zwischen Charles Gespräch mit James und der Ankunft des U-Bootes am Ende von „Dr. Linus“ liegen allenfalls ein paar Stunden. Auf jeden Fall war „Samuels“ Truppe, als er Ben aufsuchte, nicht einmal im Ansatz dabei, zur Hydra-Insel überzusetzen. Wäre Ben tatsächlich gegangen, wäre er Charles direkt ins Messer gelaufen und aus dem Gespräch mit James kann man entnehmen, dass „Samuel“ geahnt hat, was sich auf der Hydra-Insel abspielt. Wie man es dreht und wendet: Aufrichtig war MiB zu Ben nicht! Vermutlich hoffte er, Ilana und Ben oder Charles mit einem Mal loszuwerden.
4.Claire: Claire gegenüber hat er ganz offenkundig gelogen, um sie gegen die Anderen zu instrumentalisieren. Das rächt sich in gewisser Weise und Claire attackiert Kate. Man hätte denken können, dies wäre ihm recht, ist Kate doch ein verdammt großer Risikofaktor für Ihn. Nein, „Samuel“ verhindert es, rettet Kate und schlägt Claire und hält ihr danach auch noch eine Standpauke. Dabei scheint es doch sehr wahrscheinlich, dass MiB selbst seine Finger im Spiel hatte, als Claire verschwand – selbst wenn er nicht Christian ist.
5.Jacobs Ersatz: Wieso sollte MiB Jacob töten und dann Ersatz für ihn suchen wollen? Einzig logisch wäre es, dass sie beide einen Ersatz benötigen und nur zusammen gehen können. Jacob wollte nicht gehen, suchte ewig nach Kandidaten – „Samuel“ hatte keinen Bock mehr zu warten, sorgte dafür dass ein (ehemaliger) Kandidat Jacob tötet und will nun runter von der Insel und die Insel muss bis auf zwei Personen leer sein: Die Nachfolger von beiden Jacob UND „Samuel“.
Aber kommen wir zu James. Den schickt MiB nämlich auf die Hydra-Insel zu Widmore, dessen Leute schon einen kleinen Rauchmonsterknast aufbauen. Hier stellt sich vor allem die Frage, wer die Ajira-Überlebenden am langfristigen Überleben gehindert hat. Klar: der erste Verdacht für diesen Mini-Genozid á la Widmore fällt natürlich auch auf selbigen. Wer könnte Parallelen zu der Säuberung von 1992 leugnen? Und wer befindet sich denn noch am Tatort? Wessen Leute laufen da noch durch die Pampa? Wer wollte schon drei Jahre zuvor die ganze Bevölkerung der Insel auslöschen? Wer saß im U-Boot und wollte fortfahren wie geplant, nachdem man ihn auf die Anwesenheit von Menschen am Strand aufmerksam gemacht hatte? Also, zuzutrauen wäre Widmore dieses Verbrechen auf jeden Fall. Ein Motiv hätte er auch, denn das ist bei ihm seit 60 Jahren das selbe. Er hatte die Mittel, die Gelegenheit, das Muster passt zu ihm... und dennoch: ich glaube nicht, dass er es war. In dubio pro reo? Nein! Zunächst einmal hätte Charles keinen Grund James anzulügen, denn der weiß, wozu Charles fähig ist, und zweitens gibt es zwei andere Verdächtige. Zunächst einmal „Samuel“, der offenbar wusste, dass auf der anderen Seite keiner mehr am Leben sein würde. Der Mann in Schwarz sagt selbst, es ginge um töten oder getötet werden und jeder Mensch, ob er ihm folgt oder nicht, ist für ihn ein Risikofaktor und allem Anschein nach hinderlich bei seinem Vorhaben. Bislang hat er jeden umgebracht, der kein Kandidat war und ablehnte, ihm zu folgen. Dennoch ist er nicht mein Hauptverdächtiger für dieses Massaker. Was passierte zwischen dem Zeitpunkt, als Ilana Frank nach der Statue fragte und niederschlug, und der Ankunft von Ilanas Team auf der Hauptinsel? Wir wissen es nicht, denn in den Folgen zwischen „Tot ist tot“ und der „Vorfall“ taucht Ilanas Team nicht auf und das letzte, was wir von ihnen sahen, war, dass sie sich bewaffneten, Frank ausknockten und den Ajira-Überlebenden einige Angst machten. So ungern ich es auch sage: Für mich sind Jacobs Leute derzeit die Tatverdächtigen Nummer 1.
Was bekommt James noch zu sehen? Auf dem U-Boot gibt es einen stark gesicherten Raum, in dem Widmore irgendetwas oder wohl eher irgendwen versteckt, denn bei einer Waffe, die er vor James verstecken wollen würde, wäre es klüger gewesen die Tür einfach so zu lassen, denn mit dem schweren Schloss fällt sie weit mehr auf. Folglich müsste etwas in der Kammer sein, dass auf keinen Fall rausdarf oder so unvorstellbar ist, dass James lieber etwas ahnen als wissen soll. Wen könnte Charles also da festhalten? Die wahrscheinlichste Möglichkeit wäre wohl Desmond oder gar die komplette Familie von Charles’ Tochter. Aber warum macht Des sich nicht bemerkbar, wenn er da drin ist? Don äußerte schon, es könne Walt sein, und ich finde die Theorie hat was, denn Desmond ist ja nicht so gefährlich, dass man ihn selbst auf der Insel noch wegsperren müsste. Walt hingegen könnte Charles gezielt gegen MiB einsetzen wollen. Aber mir kamen noch vier andere ziemlich abgedrehte Ideen: Mich erinnert das Ganze etwas an die Story um die Kiste mit Johns Leiche. Was wäre, wenn (der echte) Jacob in dem U-Boot wäre? Oder eine andere mächtige Person, die wir für tot halten? Christian? Oder gar John Locke? Ist schon auffällig wie vehement Charles sofort darauf hinweist, John sei tot. Denn da gab es ja mal wegen einer geschnittenen Szene aus „Konturen der Zukunft“ die Theorie, dass das Rad den, der es benutzt hat, irgendwie dupliziert. Das führt mich zu der zweiten abgedrehten Hypothese: In der Kammer sitzt Bens böser/guter Zwilling. Als drittes dachte ich noch an Aaron, aber die wohl merkwürdigste Theorie ist die letzte: In der Kammer ist die Mutter von „Samuel“ (und – vielleicht auch – Jacob) und für die baut Charles das Sonargefängnis und nicht für den Mann in Schwarz. Falls jedoch keine Person hinter dieser Tür ist, was könnte dann so gewaltig sein, dass Charles um jeden Preis verhindern will, dass James es zu Gesicht bekommt? Vielleicht ja ein Spiegel, wenn ihr wisst, was ich meine ;-)
Wo wir schon auf dem U-Boot sind, müssen wir noch einer Frage nachgehen: Auf wessen Seite steht Charles? Was sind seine Ziele? Es scheint im Moment so, als arbeite er gegen den Mann in Schwarz, was jedoch nicht zwangsläufig heißt, dass er für Jacob arbeiten würde. Bram meinte zu Miles doch damals, er habe sich mit Widmore für die falsche Seite entschieden und, dass Bram und Ilana Jacob absolut treu ergeben sind/waren, steht wohl außer Zweifel. Jacob ließ Charles von Ben verbannen und auch sonst passt Charles einfach nicht in Jacobs Schema. Charles Widmore ist egoistisch, machthungrig und absolut rücksichtslos beim Durchsetzen seiner Ziele – alles Aspekte, die eher zum Mann in Schwarz passen. Meine Theorie wäre daher folgende: „Samuel“ machte Charles das selbe Angebot wie Ben. Er versprach Charles Jacobs Nachfolge, wenn er ihn aus dem Wegen räumen würde. Ehe Charles jedoch Gelegenheit dazu hatte, Jacob zu ermorden, verbannte Ben ihn und das ist auch der Grund, warum Charles Ben vorwirft, er habe ihm die Insel weggenommen. Jetzt ist Charles zurück und will MiB entweder zu Rechenschaft ziehen oder ihn töten, um statt Jacobs Platz den von MiB einzunehmen. Es würde auch ins dramaturgische Schema passen, denn Ben tötet seinen „Meister“ für dessen Gegner. Charles ist Bens Gegenpart – so wie MiB Jacobs ist. Aber können wir uns vorstellen, Ben und Charles bei etwas gebratenem Fisch am Strand sitzen zu sehen? Ich weiß nicht, ich weiß nicht...
Da ich auf der Insel jetzt nicht mehr so wirklich etwas von Interesse finden kann, werfen wir doch mal einen Blick auf das Leben von Detective James „Jim“ Ford. Macht ein dämlicher Kuli, denn wirklich so einen Unterschied? Offenbar jagt auch Jim Sawyer/Anthony Cooper und sagt, es habe einen Zeitpunkt in seinem Leben gegeben, an dem er entscheiden musste, ob er Polizist oder Krimineller wird. Erinnert mich schon an Jacob: „Denk dran: Du hast eine Wahl, aber die nehm ich dir zur Vorsicht mal ab!“ Mit Jacob-Faktor wird James ein Betrüger, ein hervorragender Lügner und Stratege. Ohne Jacob-Faktor ist er ein Cop, ein lausiger Lügner und absolut unfähig seinen gegenüber gut einzuschätzen (man denke an die Szene im Motel). Stellt sich nur die Frage, ob Jacob James mehr als einmal in eine bestimmte Richtung geschubst hat.
In Jims Flash Sideways finden wir eine Menge bekannter Gesichter: Miles, der ebenfalls seriös ist und als Polizist arbeitet, Charlotte, die jetzt zur Archäologie gewechselt hat, Liam, der sich tatsächlich um seinen Bruder zu sorgen scheint (eigentlich der größte Schock der kompletten 6. Staffel) und Kate, die von James am Flughafen sogar noch gedeckt wurde und ihm nun doch in die Handschellen läuft. Ferner fallen so schöne Schlüsselwörter wie „con man“, „LaFleur“, „Sawyer“ oder „Anthony Cooper“. Doch wie in jedem Flash Sideway erkennen wir auch hier am Ende: Trotz all der oberflächlichen Unterschiede, hat sich im Grunde rein gar nichts geändert.
Und mehr weiß ich echt nicht zu schreiben... dafür werd’ ich mir bei „Ab Aeterno“ wohl die Finger wund tippen müssen. Also, bis dann...
... ach und eines noch in eigener Sache: Schaut mal im „Omega“-Blog und/oder –Forum vorbei.
Da ich ja immer brutalst ehrlich bin: Ich hätte nicht gedacht, dass mich in dieser Staffel eine Folge nochmal so langweilen könnte wie "What Kate Does" - ich hab mich geirrt. Ich weiß, dass viele diese Meinung nicht teilen werden, doch ich fand die Folge bis auf die Szene im U-Boot komplett absehbar und selbst besagte Szene hat mich jetzt nicht wirklich vom Hocker gehauen. Dennoch möchte ich mit der mal einsteigen. Charles will "Samuel" also töten - da dachte ich so: Schon komisch, oder? Ben tötet Jacob und Charles "Samuel"? Mir kam da vor allem das Zitat in der Übeschrift wieder in den Sinn. Wenn Charles offenbar weiß, was es mit dem "Smoke Thing" auf sich hat, könnte er auch von den Kandidaten gewusst haben und nahm an, er sei als Anführer bestimmt, Jacob zu töten und zu ersetzen. Dann kommt Ben und nimmt ihm den Job weg. Dass Charles nicht wirklich für Jacob oder den MiB kämpft, ist wohl ziemlich wahrscheinlich. Er ist und bleibt halt doch ein sadistisches, egoistisches Schwein, das um seiner Macht Willen sogar seinen Schwiegersohn in ein U-Boot sperren und zurück zur Insel verfrachten würde... oh, da ist mir doch glatt meine Theorie zu der verschlossenen Kammer rausgerutscht. Verdammt!^^ Läuft es nun also doch auf das große Duell zwischen Ben und Charles hinaus, denn das die zwei sich gegen MiB zusammentun, ist etwa so wahrscheinlich wie zweimal auf der selben Insel abzustürzen. Charles will das Spiel beenden, aber wohl kaum für Jacob, sondern für sich. Man wird wohl abwarten müssen, was er mit "Samuel" anstellt, aber der schien weder von Charles Anwesenheit noch von dem extra für ihn angefertigten Gefängnis sonderlich beunruhigt. Ansonsten bemüht sich MiB weiter allen munter Honig ums Maul zu schmieren. James ist also der beste Lügner, den er je getroffen hat? Wenn Ben das hört tickt er wohl endgültig aus, denn im Leute verarschen ist er (zumindest unter den Menschen) immer noch die unanfechtbare Nummer 1. Aber auch Kate versucht er einzulullen und ich frag mich, warum, denn es hätte ihm doch wie gerufen kommen müssen, wenn Claire eine Kandidatin ausm Weg räumt. Dann wäre da noch die geschichte von "Samuels" irrer Mutter. Wer ist oder war sie? Kennen wir sie? Ist es womöglich Claire selbst und MiB ist Aarons zukünftiges Ich? Zumindest zieht er Parallelen zwischen sich und Aaron, was zumindest darauf hindeutet, dass dessen große Stunde bald schlägt. Vielleicht ist Jacob auch "Samuels" Bruder und sollte darauf Acht geben, dass sein durchgeknallter Bruder auf der Insel bleibt. Zu den Flash Sideways: Bis auf ein paar bekannte Gesichter (Miles, Kate, Charlotte, Liam) und gewisse Schlüsselbegriffe (con man, LaFleuer, Anthony cooper, Sawyer) war da nichts wirklich Interessantes bei. Sieht man mal von dem altbekannten Motiv der Entscheidung (Krimineller vs. Polizist) ab. Na ja, ich schau mal, wann ich zur Review komme. Bis dahin euch allen einen schönen Tag und Namaste!
Oh weh, okay, fangen wir mit dem Ende an, denn das hat uns wohl alle am meisten aufgewühlt. Der falsche John bringt James also in eine lustige kleine Höhle mit einer Waage und der vermeintlichen Urliste, die dort an Decke und Wände geschrieben wurde. Die Liste beinhaltet alle Kandidaten und wenn einer stirbt, wird er ausgestrichen. Gleichzeitig scheint sie der Ursprung der Zahlen zu sein, denn die letzten sechs Namen auf der Liste sind:
4 – Locke
8 – Reyes
15 – Ford
16 – Jarrah
23 – Shephard
42 – Kwon
So, man könnte meinen jetzt wäre alles klar. Weit gefehlt, denn es gibt da einige Probleme bei „Samuels“ Erklärung. Oder anders gefragt: „Where’s Kate?“ Würden die verbleibenden Kandidaten tatsächlich aus den Leuten bestehen, die Jacob fern der Insel besuchte, hätten wir da schon mal das erste, große Problem. Aber auch die Namen Alpert, Lapidus und Linus erscheinen nicht auf der Liste, obwohl Richard noch vor James ein Angebot von „Samuel“ gemacht bekommt, es schon vor langer Zeit erhielt und wohl seitdem nicht mehr altert. Ja, ich denke Richard durfte nicht älter werden und nicht sterben, weil er ein Kandidat ist. Um Ben wäre ebenfalls nie so ein Theater mit Tempel, Führungsposition etc. gemacht worden, würde er nicht auf der Liste stehen. Außerdem hätte Jacob ihn nicht im Dunkel gelassen wie Richard und die Losties, sondern ihn eingeweiht wie Dogen oder Ilana, wenn er kein Kandidat wäre. Ilana lässt durchblicken, dass sie Frank für einen Kandidaten hält. Dann wäre da noch die Frage: Ist das tatsächlich Jacobs Liste, wieso weiß Smokey dann, wo er sie findet und ist berechtigt Namen darauf auszustreichen? Ganz abgesehen davon wirken diese Kandidaten bis auf „Reyes“ und „Locke“ nicht gerade wie die Traum-Anwärter für Team Jacob. Das ist nicht Jacobs Liste, sondern „Samuels“. Das sind seine Kandidaten. Locke fällt raus, weswegen er ihn ausstreicht. Reyes? Okay, ein Problemfall. Ford ist bereits im Team Smoke Monster. Jarrah? War stets ein Folterer und Mörder, der gerne auf kleine Kinder schießt, und ist nun sogar von „Samuel“ infiziert. Shephard? Warum denn Jack Shephard? Tauchte nicht Christian Shephard vielerorts auf und tat Dinge, die „Samuel“ zu Pass kamen? Andererseits sagte Danny Pickett, Shephard stünde nicht einmal auf Jacobs Liste. Kwon? „Samuel“ behauptet, er wisse nicht welcher der Kwons. Sun ist nicht gerade eine Traumkandidatin für Jacobs Nachfolge, oder?
Ich denke, dass „Samuel“ seinen Nachfolger sucht und er will auch nicht, dass James mit ihm kommt, sondern seinen Platz einnimmt. Die Kandidaten sind Menschen, die zu Hütern der Insel werden können und es gibt stets zwei. „Samuel“ sagt selbst, er wäre einst ein Mensch gewesen. Er war der Beschützer der Insel und Jacob sein Gegenpart, der nicht bereit war zu gehen und „Samuel“ so ebenfalls auf der Insel festhielt, weil er ewig nach Kandidaten suchte. Nun sind die Kandidaten für beide auf der Insel und im Leuchtturm steht eine zweite Liste und ich gehe davon aus, dass wir auf der die fehlenden Namen finden:
4 – Alpert
8 – Lapidus
15 – Linus
16 – Austen
23 – Shephard (?)
42 – Kwon
Vielleicht stehen oder standen auch Ilana, Aaron, Walt, Desmond, Rose, Bernard, und Claire irgendwo. Auch bei der Reihenfolge will ich mich nicht festlegen.
Da Jacob jedoch alle Kandidaten begutachtet, versucht hat auf seine Seite zu ziehen oder vielleicht auch ein fairer Spieler ist als „Samuel“, hat er sie alle besucht und auf die Insel geholt. Jacob berührt schließlich nicht nur John, Hugo, James, Sayid, Jack und Sun, sondern auch Jin, Kate, Ilana und Ben – wie man es dreht und wendet, sind wir mit dieser Liste noch lange nicht fertig und wäre sie des Rätsels Lösung und würde „Samuel“ die Wahrheit sagen, hätten wir die Liste nicht so früh zu sehen bekommen
Dann sind da noch die Steine, die wir auch bei Adam und Eva finden. Waren die zwei am Ende die Vorgänger von Jacob und „Samuel“? Ist „Samuel“ vielleicht auch so angepisst, weil Jacob ihn in die ganze Sache reingequatscht hat, weil er zum Hüter der Insel wurde und er nun einfach keinen Bock mehr hat? Jacob und „Samuel“ dürfen aber nur gemeinsam gehen und keiner von ihnen darf den anderen oder einen Kandidaten töten und nur die Kandidaten dürfen selbst das Ruder übernehmen? Vielleicht steht ein Nachfolger mit Ben auch schon fest, weil er Jacob getötet hat? Hat Jacob gewollt, dass Ben ihn tötet, weil er so automatisch seinen Posten übernimmt? War er deswegen die ganze Zeit so wichtig?
Dass „Samuel“ lügt erkennt man daran, dass er James gegenüber meint, man müsse die Insel nicht beschützen, denn schließlich sei es nur eine Insel. Klar, deswegen hat er gegenüber Jacob auch so einen Aufstand gemacht, als der die Black Rock zur Insel gelotst hat... nein, klar, Smokey, ich glaub dir jedes Wort.
Ach, ich wollte ja was zu den Steinen auf der Waage sagen: „Samuel“ nimmt den weißen Stein von der Waage und wirft ihn ins Wasser. Er nennt es einen „Insider-Witz“. Stellt sich jedoch die Frage, ob er sich für den Weißen Stein hält, der nun endlich gehen darf, da Jacob tot ist und ihn nicht mehr festhalten kann, um die Insel zu beschützen ODER ist Jacob der Weiße Stein, den er wegnimmt, weil er aus der Gleichung verschwunden ist. Die Konstante unseres Man in Black (obwohl ich dazu neige ihn mittlerweile Man in Locke zu nennen) hat das Gebäude verlassen.
Ihr merkt schon: ich traue dem Braten nicht und sehe in der Liste einen einzigen großen Mindfuck – vielleicht den letzten dieser Größenordnung. Wir haben Antworten, doch die kommen alle von jemandem, dem man noch 108mal weniger trauen kann als Ben und Sun zusammen. „Samuel“ ist nicht offen zu den Menschen. Jacob mag verschwiegen sein, doch „Samuel“ lügt und manipuliert, wirft Jacob vor dies zu tun, weil er so leichteres Spiel mit seinen „Anhängern“ hat. Er ist ein Verführer, ein Versucher. Er ist die Schlange, die James die Frucht der Erkenntnis vor die Nase hält, damit rumwedelt und wartet, dass er zubeißt. Jacob ist wie Gott: er erwartet von den Menschen, dass sie ihm vertrauen, während er ihnen Türen aufzeigt, sie lenkt, aber ihren freien Willen respektiert. Der Man in Black ist wie der Satan, denn er klagt Jacob an, macht ihn vor den Menschen schlecht, um sie dann mit Halbwahrheiten auf seine Seite zu ziehen und so zu seinem Vorteil ins Verderben zu stürzen. Doch jeder Kandidat muss sich für die eine oder andere Seite entscheiden. Ben hat sich unter der Statue entschieden, was das für ihn bedeutet, wissen wir nicht, wir wissen nicht einmal, für welche Seite er sich letztlich entschieden hat. Doch deshalb lässt MiB ihn wohl links liegen und hängt Richard in einen Baum (das kannte Ben ja auch schon aus eigener Erfahrung). Wie sagt Ilana noch gleich? „Er rekrutiert“
Der MiB sucht seine Vertretung („Substitute“), damit er endlich von diesem wundersamen Felsbrocken verschwinden kann und das Spiel von vorne beginnt: Zwei Seiten, zwei Spieler – eine ist hell, die andere dunkel. Apropos zwei Spieler: was ist eigentlich mit Charles? Hatte MiB ihn verführt und Jacob hat mit Bens Hilfe die Reißleine gezogen? Oder sollte das Spiel zunächst mit diesen beiden weitergehen.
Wo wir schon bei „Samuel“ sind, sollten wir uns fragen, wer der blonde Junge ist, der auftaucht, wo er nicht sollte und mahnt, MiB dürfe James (der den Knirps im Gegensatz zu Richard sieht) nicht töten, weil er ein Kandidat ist? Woraufhin bei MiB dann das, was von Locke in ihm gelandet zu sein scheint, durchbricht und er brüllt: „Don’t tell me what I can’t do!“
Wer ist der Junge also? Ist das so eine Art Game-Master? War er es, der Jacob und MiB in diese Position brachte? Ist es jemand, den wir kennen? Der junge Jacob? Aaron? „Samuels“ eigener Vorgänger?
Zumindest mahnt er ihn, er dürfe James nicht töten, was darauf hindeutet, dass er es bei ihm und auch Richard vorhatte. Aber er kann es nicht, weshalb er wohl einst auch vor John und Eko zurückschreckte, bis Eko seine Chance vertan hatte, indem er sich weigerte zu bereuen. Wer weiß schon, ob Kate, und Jack die Monsterattacken gar nicht wegen den Banyanbäumen überlebten, sondern weil sie Kandidaten waren und somit unantastbar für ihn.
Unantastbar ist noch so ein gutes Stichwort. Ilana sammelt Jacobs Asche auf. Asche...tja, das war mal wieder kein Wink mit dem Zaunpfahl, sondern der komplette Sonarzaun, der da aus dem Bildschirm auf einen zuflog. Ist die patentierte Anti-Man-In-Black-Asche vielleicht alles, was von Jacobs Vorgänger übrig ist? Passen würde es.
Der komische Knabe gibt uns zumindest eine Menge Rätsel auf. Seine Kleidung erinnert an die der Anderen in Staffel 2, aber noch mehr an die komischen Typen, die Eko und Jin sahen, als sie nach Michael suchten. Ich denke außerdem, dass der Junge zu denen gehört, die das Flüstern verursachen und er ihr Bote ist, der nun „Samuel“ dazu mahnt, er müsse sich trotz allem, an die Regeln halten. Ist das Zuhause, von dem unser falscher Locke spricht, vielleicht auch die „Dimension“ dieser komischen Flüstertypen (nicht zu verwechseln mit Flüstertüten!)? Wieso hören wir vor dem Erscheinen des Jungen die Smoke-Monster-Geräusche? Von der üblichen Quelle können die kaum kommen, denn „Samuel“ steht ja als Locke im Wald. Der Knabe hat bei seinem ersten Auftritt Wundmale, die mich sehr an Stigmata erinnert haben. Hat „Samuel“ am Ende sogar Jesus gesehen? Wohl eher nicht, denn „Lost“ hat seine eigne Mixed Religion.
Ein letzter Punkt in der Handlung um Smokey, den ich ganz interessant fand, war der Weg mit James zu der Klippe, denn es gab so viele offenkundige Parallelen zu James’ Spaziergang mit Ben in „Jeder für sich“. Wobei ich fast glaube, dass das mehr eine Spielerei von Darlton war, als ein wichtiger Hinweis. Viel bedeutender ist da schon die Szene, in der James Locke mit einer Knarre bedroht und der nicht wirklich beunruhigt scheint. Hat er keine Angst, weil die Kugel an ihm abprallen würde, wie als Bram auf ihn schoss (Der klügere gibt nach – das war jetzt mein Insider-Witz). Wenn meine Theorie bezüglich Ben stimmt und er Jacob töten konnte, weil er ein Kandidat ist und Jacob es deshalb auch zugelassen hat, müsste James auch in der Lage sein, MiB zu erschießen. Doch wenn meine Theorie stimmt, dürfte ihm das keine Sorgen bereiten. Vermutlich wusste er aber, dass James sowieso nicht abdrückt. Wenn James jemanden töten will, denn tut er es einfach. Wenn er jemanden mit einer Knarre bedroht und reden lässt, will er Antworten oder eine Entschuldigung – meist beides.
Jetzt gehen wir aber erst mal munter zur Statue, wo Ilana gerade den Tod von Jacob und ihrem Team betrauert. Ben tritt ein und, als sie ihn befragt, sagt er tatsächlich die Wahrheit, er lügt nicht, er verschweigt lediglich ein unbedeutendes Detail, nämlich, dass er Jacob zweimal ein Messer in die Schulter gerammt hat, ehe Locke ihn ins Feuer getreten hat. Ilana sammelt Jacobs Asche und geht mit Ben nach draußen und hier stellt sich eine Frage: „Where’s Kate?“ – Nein, nicht wirklich, sondern: Wo sind all die Anderen hin? Plötzlich stehen da nur noch vier Leute am Strand, wo zuvor noch Richards Team war. Okay, MiB hat Richard niedergeschlagen, rumgeflucht und ist mit Richard auf der Schulter in den Wald, wo er ihn in einen Baum gehangen hat. Kleine Bemerkung am Rand: Wir erleben Richard das erste Mal wirklich ängstlich und erfahren auch, dass er nie wirklich mehr wusste als Ben oder sonst wer. Jacob hat auch ihn über das meiste im Unklaren gelassen.
Ilana weiß hingegen so einiges, auch über Sun und überzeugt sie so, zum Tempel zu gehen. Doch zuvor muss – da hat Sun ausnahmsweise mal Recht – John beerdigt werden. Ben und Frank tragen ihn zum Friedhof der Losties und heben ein Grab aus. Doch das dicke Ende kommt erst noch: ausgerechnet Ben, John Mörder, hält die Grabrede. Er hat John wohl in der Tat als einziger wirklich gekannt und ich für meinen Teil denke, dass Ben wirklich trauert und meint, was er sagt. Vermutlich hat er schon begriffen, dass „Samuel“ ihn dazu gebracht hat, John zu töten, denn er wirkt auch ein wenig zornig: auf sich, aber auch auf den Man in Black. Frank meint, es sei das skurrilste Begräbnis, auf dem er je war – klar, John liegt im Grab und läuft trotzdem noch im Dschungel rum und der einzige, der wirklich um John trauert, ihn beweint und an seinem Grab spricht, ist sein Mörder. Gleichzeitig beichtet Ben Sun, Ilana, Frank und auch dem Rest der Welt, seine Tat. Er hätte nicht gestehen müssen, dass er John getötet hat, tut es aber, spricht es laut aus und bittet so auch um Vergebung. Ich schätze nur: am Ende mag ihm ein jeder vergeben, außer ihm selbst.
Auf der Insel, in unserer Crash-Timeline, war es das wohl auch, denn aus dem Tempel sehen wir diesmal nichts und bei Sawyers Besäufnis im Dharma-Dorf ist allenfalls interessant, dass eine Textzeile des Songs, den James hört über „the end of the world“ geht, wenn ich recht gehört habe (als John ins Haus kommt). Im Los Angeles einer anderen Realität kommt John daheim an und hat etwas Probleme mit der Rampe seines Wagens, also springt der alte Draufgänger einfach samt Rollstuhl auf den Rasen und legt sich natürlich erst mal lang. Obwohl dann sogar noch der Rasensprenger (vielleicht auch ein Verweis auf die Szene, in der John am Strand saß und, als es zu regnen begann, die Arme ausbreitete und lächelnd gen Himmel blickte) angeht, ist John eher belustigt über seine Schusseligkeit. Ein wenig überraschend ist da schon, wer dann die Tür aufmacht: Helen. Sie und John wollen nächsten Monat heiraten und anscheinend sogar John Vater einladen. Da auch an John Arbeitsplatz ein Bild von Cooper und ihm bei der Jagd hängt, denke ich, dass vor allem Anthony Cooper in dieser Realität ein anderer Mensch ist, was auch James’ aufgeschlosseneres Verhalten in den vergangenen Flash Sideways erklären würde. John dürfte wohl auf anderem Wege im Rollstuhl gelandet sein und vermutlich noch beide Nieren haben oder sie freiwillig an Daddy abgetreten haben. Was uns zu der einen Frage führt: Wer oder was ist Anthony Cooper wirklich ODER wer hat ihn so gemacht, wie er in der uns bekannten Realität war? Hier sind wohl noch einige Fragen offen, die es noch zu beantworten gilt.
Bei der Arbeit wird John erst gefeuert, um dann Hurley über den Weg zu laufen, der – nett wie er in jeder Realität ist – John direkt wieder einstellt. So langsam wird das Ganze dann wirklich skurril, denn wer führt Johns Einstellungsgespräch? Hurleys Wahrsagerin und ihre Chefin ist Rose, die wirklich noch immer Krebs hat, sich aber damit arrangieren konnte und John so hilft, sich auch mit seinen Problemen zu arrangieren, weshalb er Jack nicht anruft und Helen die Visitenkarte von Jack in vier Teile zerreißt. Damit aber nicht genug mit den merkwürdigen Wiedersehen, denn einer fehlt noch und dem scheint es in dieser anderen Realität wirklich besser zu gehen: Als Geschichtslehrer bringt Ben bestimmt keine Leute um (außer sie lassen den Filter in der Kaffeemaschine). Der Beruf passt aber durchaus zu Ben, obgleich er intellektuell wohl etwas unterfordert ist, wissen wir ja, dass er Kinder liebt (und daran hat sich bestimmt nichts geändert) und ohne Jacob im Nacken und die Bürde des Anführers ist er wohl auch ein besserer Mensch. Er bleibt zwar weiter ein wenig wunderlich wie alle Genies, aber er wirkt dennoch zufrieden. Es zeigt sich aber auch, dass Ben und John in jeder Zeitlinie stets etwas verbinden wird, auch wenn John nur die „Vertretung“ bleibt. Mit Ben am Leben und in den Staaten haben wir aber wieder ein sehr eindeutiges Indiz dafür, dass hinter dieser Zeitlinie weit mehr steckt als Jughead.
Falls mir noch was einfällt, werde ich noch eine Ergänzungsreview schreiben, doch mir schien es bei dieser Folge wichtig und richtig, die Review möglichst schnell zu tippen und zu veröffentlichen, um unser aller Gedanken zu ordnen.
Obwohl die Folge „What Kate Does“ heißt, finde ich gerade das, was Kate tut, mit Abstand am unwichtigsten an dieser Folge. Allenfalls die Frage, warum sie wirklich aus dem Tempel und somit aus einer sicheren Zuflucht flieht, ist noch halbwegs interessant. Geht es da wirklich um James oder Claire? Ich denke, der Hauptgrund, warum Kate von irgendwo abhaut, ist stets der gleiche: sie kann nicht lange an einem Ort bleiben, vor allem dann nicht, wenn es nicht ihre freie Entscheidung ist. Der Tempel kommt ihr wie ein Gefängnis vor, also bricht sie aus. Dass sie und Jin dann ausgerechnet von Aldo begleitet werden, zeugt mal wieder von Darltons Neigung zur Ironie des Schicksals. Kate will nicht im Tempel bleiben, obwohl da gerade jetzt einige richtig spannende Dinge vor sich gehen.
Wer dachte Dr. House ginge mit seinen Patienten sadistisch um, kennt Dogen wohl noch nicht – Zauberasche, Elektroschocks und glühende Schürhaken – was für Diagnoseinstrumente. Eines ist hier auf jeden Fall schon mal sicher: Sayid ist Kassenpatient. Dogen will also rausfinden, ob Sayid infiziert ist. Womit? Vermutlich mit der gleichen Seuche, die auch Rousseaus Team befallen hat und von der Danielle glaubte, Ben habe sie übertragen. Aber wurde Ben bei der Heilung genauso infiziert wie Sayid, wieso lassen die Anderen ihn dann leben und machen ihn sogar zum Anführer? Sollte Ben tatsächlich dieses Schicksal ereilt habe, könnte eine mögliche Antwort sein, dass Jacob wollte, dass Ben infiziert, besessen wird, damit er ihn tötet. Das Ganze hat aber so oder so einen Haken: Normalerweise ist die Heilquelle klar und nicht trüb und man kann wohl davon ausgehen, dass die Risiken dieser Infektion nur bei getrübtem Wasser bestehen, denn die Plörre schien Dogen doch ziemlich nervös zu machen. Da das Wasser, aber erst jetzt so aussieht (Dogen und Lennon bemerken die Trübung in „LA X“ ja doch ziemlich überrascht und verwirrt), stellt sich nun die Frage, wie Claire dann infiziert werden konnte. Oder war sie nie im Tempel und infizierte sich auf andere Weise? Was sollte Claire auch im Tempel? Wie sollte sie da rein gekommen sein, sofern Daddy nicht doch ein Anderer ist? Aber wenn Claire nie im Tempel gewesen wäre, würde sich dann wieder die Frage stellen, woher Dogen weiß, dass sie infiziert wurde. Dass Claire sich grundlegend verändert hat, ist nicht von der Hand zu weisen. Sie baut Fallen wie Danielle, schießt auf Menschen (und Aldo) und sieht aus als hätte sie sich das letzte Mal vor vier Monaten gewaschen. Das ist doch nicht mehr unsere liebe, sanftmütige, manchmal etwas hysterische, aber dennoch gutmütige und altruistische Claire, die keiner Fliege was zu Leide tut. Okay, der Verlust Aarons mag sie wie Danielle der Verlust von Alex traumatisiert haben, doch eine so krasse Persönlichkeitsänderung ist damit auch nicht wirklich zu erklären, weshalb man schon davon ausgehen sollte, dass Dogen Jack die Wahrheit über Claire sagt.
Apropos Jack und D(r)ogen: Dogen mixt so eine komische Kräutermischung zusammen und füllt sie dann in eine erschreckend große Hartgelantinekapsel – mein erster Gedanke war nur: Wie soll einer dieses Monstrum runterwürgen? Jack soll Sayid davon überzeugen, dass „Medikament“ zu nehmen. Durch einen Trick bringt Jack Dogen dazu, den Inhalt der Kapsel zu offenbaren: Gift. Warum tötet Dogen Sayid nicht einfach, sondern macht sich so eine Mühe? Einige Fans hatten hier wohl den richtigen Riecher: Sayid ist zwar infiziert, aber auch nicht mehr verwundbar (wohl weniger wegen der Besessenheit als wegen der heilenden Brühe), wie Dogen durch den Schürhaken herausfand. Deshalb muss man Sayid von Innen heraus töten, sprich: vergiften. Jetzt gibt es zumindest eine Hypothese zu der glühenden Eisenpike, aber nicht zur Asche und den Elektroschocks. Wobei die Asche eigentlich noch offensichtlicher ist als der Schürhaken. Die Anderen-Spezial-Anti-Smokey-Asche wirkt auf das Rauchmonster und die damit verknüpfte Seuche wohl ähnlich wie Weihwasser oder Salz auf Dämonen.
Kommen wir zu guter Letzt noch zu James. Der ist ziemlich frustriert und verlässt den Tempel, um ins Dharmadorf zurückzukehren. Wie schon an anderer Stelle erwähnt, halte ich es für ein Gerücht, dass in 30 Jahren keiner diese Pappschachtel mit dem Verlobungsring unter den Dielen gefunden hat. Kate findet Sawyer und beobachtet ihn von der Tür aus wie sie damals auch Jack beim Klavierspielen zusah. In ihrem Gespräch mit James, dürfte Kate wohl klar werden, dass sie Juliet nie mehr ersetzen kann und praktisch keine Chancen mehr bei ihm hat.
Mehr wüsste ich zu der Folge auch nicht zu sagen. Ich denke mal, ich spar mir meine Kapazitäten für „TheSubstitute“
Ich bin ja bekanntermaßen ein brutalehrlicher Mensch und als solcher muss ich sagen, dass mich „What Kate Does“ im Vergleich zu den meisten anderen „Lost“-Folgen etwa so sehr gefesselt hat wie Testbild oder dessen Nachfolger „Die schönsten Bahnstrecken Deutschlands“. Daher tue ich mich mit der Review zu dieser Folge denkbar schwer und hole mal lieber den versprochenen Blick auf die Flash Sideways in „LA X“ nach und hänge ein paar Gedanken zu denen in „What Kate Does“ gleich hinten an.
Jack sitzt also etwas bedeppert dreinblickend am Fenster, als Cindy vorbeikommt. Den anderen Flugzeugtyp verbuche ich jetzt mal unter: Produktionsbedingte Änderung – ebenso die Unterschiede bei Alter und Frisur der Charaktere. Ein beabsichtigter Unterschied ist aber mit Sicherheit, dass Jack nur eine Flasche von Cindy bekommt – die zweite braucht er ja ohne Crash auch nicht mehr. Könnte dies ein Hinweis darauf sein, dass Cindy stets eine Andere war und in der Crash-Timeline wusste, was passieren würde? Klingt zwar zunächst etwas komisch, doch, wenn ich mir überlege, was Jacob so alles im Voraus weiß und wie er seine Anweisungen erteilt, würde es schon Sinn machen.
Das Flugzeug wird anschließend ordentlich durchgerüttelt, doch der Crash bleibt aus, woraufhin sich Jack zu einer sehr bedeutungsschwangeren Äußerung hinreißen lässt: „Looks like we made it.“ („Sieht aus, als hätten wir es geschafft.“) Welcher Jack spricht da jetzt? Von hier an ist der Flug in jedem Fall anders und ich halte es für das beste die Charaktere in der LAX-Timeline mal nacheinander abzuarbeiten, doch zuerst werfen wir einen Blick auf die Insel selbst:
Die befindet sich wie Atlantis auf dem Grund des Meeres, doch sehen wir sowohl Teile des Sonarzauns und des Dharmadorfs als auch den Dharma-Hai und die Statue. Was uns suggeriert werden soll, ist wohl jedem klar: Jacks Plan hat funktioniert und Jughead hat die Insel versenkt. Aber ist das realistisch? Seit wann kann ein Wasserstoffbombenkern eine komplette Insel (eine zeitreisende noch dazu) einfach versenken. Okay, soviel ist sicher: was immer die Insel auf den Meeresgrund hinabgeschickt hat, ist zwischen den 1970ern und 2004 passiert oder es blieb in diesem Zeitraum etwas aus, das sie sonst am Sinken hinderte/gehindert hätte. Wie ich schon äußerte, glaub ich nicht, dass die LAX-Timeline mit Jughead in irgendeinem direkten Zusammenhang steht und weiterhin die Whatever-Happened-Happened-Regel gilt. Es wäre einfach logischer, da sonst viele in der fünften Staffel gelöste Rätsel wieder völlig bedeutungslos wären. Doch hat die alternative Zeitlinie stets existiert und hängt nicht mit Jughead und den Losties zusammen, würde alles passen, denn stürzt das Flugzeug nicht ab, wird die Bombe nie gezündet, aber etwas anderes würde passieren: der Vorfall würde ohne Bombe stattfinden. Lassen wir dieses Szenario mal einen Moment lang zu, dann stellt sich die Frage, ob Jughead nicht tatsächlich die elektromagnetische Energie, die bei der Bohrung entfesselt wurde, bündelte oder sich die Kräfte „aufhoben“ und nur soviel Restenergie beider Arten verblieb, dass der Schwan so konstruiert werden musste, wie er konstruiert wurde. Bleibt die Bombenexplosion aus, wird die elektromagnetische Energie vollends entfesselt und *plopp* – die Insel ist weg. Eine andere Möglichkeit wäre noch das Rad. Es gibt da diese geschnittene Szene aus Staffel 4, in der Ben in bester „The Prestige“-Manier auf seinen eigenen Körper hinübersieht, der in der Wüste liegt. Was wäre, wenn das Rad also nicht nur die Person verdoppelt, die es benutzt, sondern auch die Insel, die versenkt wird, denn daran erinnert die Szene ihres Verschwindens irgendwie – konzentrische Kreise auf der Wasseroberfläche, als hätte man einen Stein ins Wasser geworfen – und gleichzeitig dupliziert wird. Es existiert also noch eine zweite Insel irgendwo da draußen. Soweit die Theorien zur Insel, jetzt aber zu den Charakteren:
Jack: Bei Jack scheint sich in der Zeit vor dem Flug wenig oder gar nichts geändert zu haben. Doch vom Zeitpunkt des ausbleibenden Crashs an ändert sich selbst das, was man in der Originalzeitlinie als feste Größe eines Was-Wäre-Wenn-Szenarios angenommen hätte. Da wäre erst mal sein Verhalten bei den Turbulenzen – nicht er beruhigt Rose, sondern sie beruhigt ihn. Dann geht Jack zur Toilette und bemerkt diese mysteriöse rote Schramme (dunkelblauer, fast schwarzer Anzug, weißes Hemd, roter Fleck – die Farbsymbolik erklärt sich von alleine), die wie aus dem Nichts (oder aus einer anderen Welt) im Spiegel auftaucht und von dem realen Jack, der vor seinem virtuellen Abbild steht, nie bemerkt worden wäre und auch für uns nicht zu sehen ist. Die Schramme befindet sich im toten Winkel der Kamera. Was mit Jack während des Fluges dann noch passiert, hängt weniger mit ihm selbst als mit anderen Charakteren (Desmond, Kate, Charlie) zusammen und wird bei denen abgehandelt. Nach der Landung erfährt Jack, dass sein Vater nicht an Bord war und in Folge dessen kommt es zu einem Gespräch mit John, in dem Jack mal wieder seine Wunderheilerallüren bekommt und meint, Johns irreparable Lähmung operieren zu können. In „What Kate Does“ sehen wir Jack vom Taxi aus telefonierend am Flughafen stehen. Ich finde, es zeigt sich, dass Ben mal wieder recht hatte: Was erwartet Jack in diesem Leben, in das er so unbedingt zurück wollte? Wie sehr er unter den drei Jahren fern der Insel gelitten hat! Gut, jetzt erfährt er nie etwas von der Existenz der Insel und dem anderen Leben, das er hätte führen können, doch wenn sich der Crash-Timeline-Jack einredet, seinem anderen Ich ginge es damit wirklich besser, dann betrügt er sich selbst.
Jacob: Jetzt werdet ihr euch fragen: Warum den als zweites, der war nicht mal im Flugzeug. Ganz einfach: er hat das Leben vieler der anderen Passagiere beeinflusst, sie zu ganz entscheidenden Momenten ihres Lebens aufgesucht und wir müssen uns fragen: Konnte er das dennoch? Ging er mit der Insel unter und wenn ja, wann? Oder braucht er die Insel nicht. Fiel der Jacob-Faktor weg oder nicht? Die Frage müssen wir uns bei einigen Charakteren stellen: Was wäre, wenn Jacob sie nie besucht hätte? Gibt es Anzeichen, dass er sie nie besucht hat oder andersherum Hinweise, dass er es doch hat?
John: Bei John hat sich scheinbar wenig geändert, aber ich glaube das täuscht gewaltig. Er spricht mit Boone über den angeblichen Walkabout, der – nehme ich an – nie stattgefunden hat. Doch viel wichtiger ist wohl die Frage wie John einen Sturz aus dem achten Stock ohne Jacob hätte überleben sollen? Die Antwort ist denkbar einfach: gar nicht. Entweder war Jacob bei John oder er landete auf anderem Wege im Rollstuhl, was mal wieder ein Hinweis auf gewisse Kurskorrekturen des Universums sein könnte. Trotz allem wirkt John irgendwie optimistischer und das war wohl weniger der Jacob-Faktor als der MIB-Faktor (nein, keine Außerirdischen). Warum sollte nur Jacob Einfluss nehmen? Wäre ich „Samuel“, hätte ich John mir schon frühzeitig zurecht gebogen, denn durch Johns Besuch in der Vergangenheit wusste „Samuel“ ja schon, das John eine der beiden Hälften seines Loophole sein würde. Trotz seines schweren Schicksals scheint John mit sich im Reinen zu sein und dennoch wäre es voreilig zu sagen, sein Leben verliefe besser als ohne Insel, denn sein wir mal ehrlich: wirklich glücklich hat man John Locke nur gesehen, wenn er am Strand der Insel saß und er deren Allmacht spürte.
Kate: Als Jack, wenige Minuten nachdem er aufm Klo im Heck war, auf das Klo im Bug muss, steht Edward Mars davor und Kate ist drinnen. Beim Rausstolpern klaut sie Jack einen Stift, den sie später nutzen will, um ihre Handschellen zu knacken. Über ihre Flucht will ich gar kein Wort verlieren. Als Kate die Handschellen los ist und in Claires Tasche sieht, zeigt sich auch in dieser Realität ihre selbstlose Seite und sie hilft Claire. Kate ist wie auf der Insel zugegen, als bei Claire erste Wehen einsetzen. Ihr selbstloses Verhalten gegenüber Claire honoriert diese mit einer Kreditkarte. Gegenüber der Polizei deckt Claire Kate ebenso wie Sawyer wenig zuvor im Aufzug am Flughafen. Ferner gibt Kate Claire gegenüber vor unschuldig zu sein, was uns zu der einen Frage führt: Ist sie es in dieser Realität womöglich? Und weshalb hat sie keinerlei Interesse am Silbernen Koffer?
James: Bei James kann man das Fehlen des Jacob-Faktors durchaus erahnen, denn er wirkt sehr viel altruistischer und weit weniger verbittert. Eine mögliche Antwort könnte sein, dass er den Brief an Sawyer/Cooper nie schrieb und sein Leben nicht von Rachsucht bestimmt wurde. Doch dann stellt sich die Frage, wie es ihn in diesen Flieger verschlagen hat.
Hurley: Auch in dieser Realität hat Hurley im Lotto gewonnen und ist Chef von Mr. Clucks, doch sagt er, die Zahlen hätten ihm Glück gebracht, statt ihn verflucht zu haben, was uns zu zwei entscheidenden Fragen führt: Waren es die selben Zahlen? Und, wenn ja, woher hat er sie? Denn hat er sie auch in dieser Realität von Lennard, müsste der sie auch weiterhin von der Insel haben und das würde Jughead als Auslöser der versunkenen Insel und der alternativen Zeitlinie wohl entgültig ausschließen. Nur wiederholt Lennard die Zahlen ja, weil er sie für die Büchse der Pandora hält und wenn all das in beiden Realitäten gleich wäre, käme ich zu dem Schluss, dass Hurley Lennard nach dem Lottogewinn nie in Santa Rosa aufgesucht hat und die Angst vor den Zahlen stets autosuggestiv war. Ob es Hurley mit diesem Verlauf seines Lebens nun wirklich besser geht, wage ich dennoch zu bezweifeln, denn in der Insel findet er eine Bestimmung und all das Pech, all die Entbehrungen der Crash-Timeline zeigen ihm, was für ihn wirklich wichtig ist und das kann man mit keinem Geld der Welt kaufen. Ein Lottogewinn ersetzt keine Freundschaften – so enge, wie die Insel ihm bescherte, schon gar nicht.
Sayid: Sayid hat einen iranischen und keinen irakischen Pass – was auch immer das bedeuten mag. Außerdem tritt er die Klotür ein, damit Charlie gerettet werden kann. Sayid ist für mich jedoch der größte Anhaltspunkt dafür, dass Jughead keine neue Zeitlinie erschaffen hat. Stürzt Flug 815 nie ab, lernt Sayid Ben nie kennen, wird nicht in Flug 316 sitzen und durch die Zeit reisen. Und selbst wenn es Sayid trotz allem auf die Insel ins Jahr 1977 verschlagen sollte, bleibt dennoch die Motivation aus, auf Ben zu schießen. Wird Ben nie angeschossen, wird er nie zum Tempel gebracht, wird dort nicht geheilt und bleibt somit ein Dharma-Mann. Selbst wenn Ben die Bombenexplosion überlebt, nimmt sein Leben ohne Sayid einen völlig anderen Verlauf. Also hätte Sayid Ben nie im Schwan treffen und später von ihm manipuliert werden können. Sayid und Ben verursachen einen Zirkelschluss, den man nicht mehr auflösen kann.
Ben: Bleiben wir direkt dabei und fragen uns: Was mit dem wohl passiert ist? Entweder ist er mit der Insel untergegangen oder aber sein Leben nahm einen komplett anderen Verlauf, da Sayid ihn nie angeschossen hat. Das wird spannend. Da Bens Leben schon in jungen Jahren grundlegend anders verlaufen sein dürfte, als in der Crash-Timeline, wäre es möglich, dass wir hier einen komplett anderen Menschen zu Gesicht bekommen. Wenn das so wäre, könnte man wirklich sagen, dass Sayid Ben zu dem gemacht hat, was er ist.
Sun: Bislang haben wir keinen Beleg, dass LAX-Sun Englisch spräche oder nicht. Sie belauscht scheinbar Rose und Bernard, doch könnte sie Jin theoretisch die Wahrheit sagen. Ebenso wäre es denkbar, dass sie wirklich nicht versteht, was die Frau von der Flughafensicherheit von ihr will. Ähnelt diese Sun jedoch nur entfernt unserer Sun, dann würde sie eher lügen und Jin vom Zoll auseinandernehmen lassen, ehe sie nur einen kleinen Hinweis darauf gibt, Englisch zu sprechen. Sun scheint in dieser Realität aber nicht mit Jin verheiratet zu sein, da sie als „Miss Paik“ angesprochen wird.
Jin: Obwohl Jin noch nicht mit Sun verheiratet ist, arbeitet er doch für ihren Vater. Das viele Geld in seinem Gepäck könnte ein Verweis auf Suns und Jins ursprünglichen Plan sein, sich in die USA abzusetzen, dort ein neues Leben zu beginnen und auch zu heiraten. Dass Sun und Jin in der LAX-Timeline noch nicht verheiratet sind, könnte mal wieder auf den ausgebliebenen Jacob-Faktor hindeuten, denn schließlich war er in der Crash-Timeline auf der Hochzeit der beiden und steht womöglich in noch engerem Zusammenhang mit ihrer Beziehung... ich sag nur: „Orange!“.
Claire: Bei ihr erleben wir keine wirklichen Überraschungen. Ich überlege nur die ganze Zeit, ob sie auch dieses mal von Malkin in den Flieger gesetzt wurde und wenn ja, warum er das getan haben sollte, sofern er sie nicht stets zu diesem nun getrennten Paar schicken wollte. Aber ist Malkin wirklich ein Hellseher und hat in der Crash-Timeline gewusst, dass Flug 815 abstürzt und wo, dann hat er in dieser Zeitlinie vielleicht auch gewusst, dass das Paar, zu dem er Claire geschickt hat, sich gerade getrennt haben und Claire ihren Sohn in L.A. zur Welt bringen würde. Bemerkenswert ist noch, dass Claire Aarons Namen in einer ähnlichen Situation einer Epiphanie gleich ausspricht, wie es in der Crash-Timeline auch die Mütter von Ben und John bei ihren Söhnen taten.
Boone: „It’s alive!“ Dass er sich mit Locke versteht, scheint hingegen in jeder Realität sein Schicksal zu sein. Wirklich interessant ist wohl die Frage: Wird er auch am Leben bleiben? Oder nimmt das Universum eine Kurskorrektur vor?
Shannon: Ist nicht an Bord des Flugzeuges, weshalb wir nur sagen können, dass sie in Sydney blieb und vermutlich nie mit ihrem Stiefbruder gemacht hat, was sie halt so gemacht haben, bevor sie in den Flieger stiegen. Sofern Shannon nicht dennoch das Zeitliche segnet, hätte sich zumindest für sie etwas verbessert, weil sie eben nicht von einer schießwütigen Ex-Polizistin über den Haufen geballert wird.
Rose: Tja, die hat sich vom Wesen her kaum verändert und mich beschäftigt sie derzeit dennoch am meisten, denn es stellt sich doch die Frage, ob sie auch in dieser Realität an Krebs erkrankt ist und Bernard sie zu Isaac geschleppt hat. Wäre dem so und hätte ihr Leben bis zu diesem 22. September 2004 auch sonst den selben Verlauf genommen, wäre es für sie das Todesurteil und somit zieht sie in jedem Fall Nachteile aus der alternativen Zeitlinie.
Bernard: Er kommt heil vom Klo zurück – sonst hören und sehen wir nicht wirklich viel von ihm. Was man an dieser Stelle noch erwähnen sollte, ist die andere Sitzreihe: 24 statt 23 (gilt natürlich auch für Jack und Rose).
Charlie: „I was supposed to die“ („Ich war bestimmt zu sterben!“) – dem ist nichts hinzuzufügen. Charlie mag in der LAX-Timeline leben, doch alles, was jetzt auf ihn zukommt, hätte er wohl mit Freuden gegen die Wochen auf der Insel und den Heldentod eingetauscht. Er hat sich äußerlich verändert, ist aber auch in dieser Zeitlinie ein Junkie, der jedoch auch auf Entzug so bedeppert ist, dass er die Plastiktüte gleich mitschlucken will: Guten Appetit! Jacks Rettungsversuche weisen gewisse Parallelen zu seiner Ersten Hilfe nach dem Absturz in der Originalzeitlinie und seiner Rettung Charlies nach dessen Begegnung mit Ethan auf.
Desmond: Für Des gab es wohl mitunter die größten Einschnitte und zwar nicht nur, weil er bei der Regatta nie auf der Insel stranden konnte, denn je nachdem, wann die Insel versenkt wurde, starb Charles Widmore wohl dort oder hat sie zuvor verlassen. Nur wenn das Leben von Charles und Eloise anders verläuft, wäre es denkbar, dass Penny nie das Licht der Welt erblickt hat oder auf der Insel aufwuchs. Desmonds mysteriöses Auftauchen und Verschwinden und der Ehering an seinem Finger ließen noch einen anderen Schluss zu: er trifft Jack tatsächlich in einem anderen Leben. Wenn Daniel recht hatte und Desmond die Ausnahme ist und tatsächlich einen Weg gefunden hat, direkt Einfluss auf die verschiedenen Realitäten zu nehmen, könnte dieser Desmond wirklich unser Desmond sein und er wäre dann auch mit Penny verheiratet. Desmond hat in Staffel 3 bereits eine alternative Zeitlinie „bereist“ bzw. durch seine Zeitreise eine geschaffen. Könnte er eine Möglichkeit zur kontrollierten Reise zwischen den Welten gefunden haben?
„Samuel“/Man in Black: Er könnte der Grund sein, warum die Insel wirklich am Meeresgrund liegt: Entweder weil er sie versenkt hat oder weil man sie wegen ihm versenkt hat. Im ersten Fall könnte er nach Hause gegangen sein, im zweiten wurde er wohl daran gehindert. Apropos: Geht es nur mir so, oder erinnert der Heilquell euch auch etwas an ein Becken oder Tank, der gezielt geflutet wird, um ein auf dem Wasser schwimmendes Objekt zu versenken? Also für mich sah das weniger aus, als würde das Wasser natürlich hinein fließen, sondern mehr wie wenn es hinein gepumpt würde bzw. als würde das Becken durch eine Absenkung geflutet.
Michael und Walt: Beide sind nicht an Bord des Fluges, was darauf hinweisen könnte, dass Susan Lloyd noch lebt, doch letztlich wäre alles andere wohl überaus spekulativ.
Juliet Burke: Die kam wohl nie auf die Insel und ist noch bei ihrer Schwester daheim... schätze ich mal. Entscheidend auch hier: wie hätte sie Klein-Bens Leben vor der Detonation von Jughead, die sie überdies ausgelöst hat, retten sollen, wenn sie nie auf der Insel war.
Edward Mars: Der kann einem langsam nur noch leid tun. Jedes Mal wenn er sich Kate gegenüber menschlich verhält, nutzt sie es aus. Man kann es ihr nicht verdenken, doch der Mann hat’s mit ihr echt nicht leicht. Aber er hat in dieser Realität zumindest keinen rostigen Metallsplitter von der Größe eines Pizzatellers in seinen Eingeweiden – auch was wert.
Seth Norris: Der fliegt auch in dieser Zeitlinie Flug 815 und mir stellt sich doch die Frage: kam auch dieser Flug vom Kurs ab, denn wenn nicht, liegt die Insel woanders unter Wasser als sie sonst über Wasser lag. Wir erfahren jedoch nichts von einer unplanmäßigen Kursänderung.
Ethan Goodspeed: Ethan ist Gynäkologe in Los Angeles, ist auch hier Claires Arzt (diesmal jedoch nicht gegen ihren Willen) und... Stop! Moment mal! Wenn Jughead tatsächlich Auslöser der alternativen Zeitlinie wäre und die Insel wirklich versenkt hätte, wie kommt Ethan dann bitte – und dazu unverstrahlt und an einem Stück – nach Los Angeles? Habt ihr Amy irgendwann nur in der Nähe der Galaga gesehen? Was sollte sich für Ethan geändert haben, dass er in der Crash-Timeline da blieb und in der LAX-Timeline die Insel verlassen hat. Ist der Vorfall die Astgabelung und hat Jughead die neue Zeitlinie ausgelöst und die Insel versenkt, müsste Ethan zu diesem Zeitpunkt auf der Insel gewesen sein, doch wäre er dann tot. Ethans Erscheinen im Los Angeles der LAX-Timeline ist das bislang stärkste Indiz dafür, dass Jughead allenfalls indirekt mit der versunkenen Insel und der neuen Zeitlinie zu tun hat.
Ana, Libby und Eko: Sind alle drei nirgends zu sehen. Da sie im Heck saßen, könnten sie dennoch an Bord gewesen sein, ohne dass wir sie zu Gesicht bekommen haben.
Christian: Christian war nicht an Bord von Flug 815, doch wissen wir bis heute nicht sicher, ob er das in der Crash-Timeline war, obgleich es wahrscheinlich wirkt, denn letztlich gibt es für sein Erscheinen auf der Insel nur zwei logische Erklärungen: Jacob oder der Heilquell haben ihn wie John bzw. Ben und Sayid ins Leben zurückgebracht ODER „Samuel“ hat wie bei Yemi, Alex und John die Leiche benutzt, um sich Christians Gestalt anzueignen, denn genau wie Yemi und Alex verschwand auch Christian spurlos. Aber wo ist er in der LAX-Timeline... Ja, John, ich weiß: woher soll man wissen, wo er ist? Ich meine jetzt aber Sarg und vor allem Leiche und ich denke mal, ich bin nicht der einzige, der mutmaßt, dass jemand, der im Lagerraum gehockt hätte, einen Sarg in weißem Licht verschwinden gesehen hätte.
Frank: Auch in dieser Zeitlinie ist er nicht Pilot von Flug 815.
Charles: Was mag mit dem wohl passiert sein? Also so viel ist sicher: Hat diese neue Zeitlinie schon immer existiert, hat Ben ihn in ihr nie abgelöst – könnte das in Zusammenhang damit stehen, dass die Insel auf Tauchstation gegangen ist?
Leslie Arzt: Dr. Arzt hat sich selbst wohl nicht verändert, aber zumindest wird er sich jetzt nicht mit schwitzendem Dynamit in die Luft jagen. Schade für uns (wegen dem hohen Unterhaltungswert^^) – wünschenswert für ihn!
Miles: Der hat die Insel kurz vor dem Vorfall verlassen, weshalb sein Leben wohl erst später einen signifikant anderen Verlauf nimmt.
Daniel: Der zieht wohl immer die Arschkarte. Entweder sein Plan hat funktioniert und Jughead ist der Auslöser, dann wurde er nie geboren. Haben die Zeitlinien eine andere Astgabel, wird er in der Crash-Timeline stets sterben und in der anderen... das weiß wohl Jacob allein.
Charlotte: Die hat in jedem Fall ein besseres Leben, denn es dauert nun wohl erheblich länger.
Richard: Der hat „sie sterben sehen“ – wieder ein Indiz für zwei unabhängige Zeitlinien. Wäre dem nicht so, müsste Richard außerdem derjenige sein, der tot ist.
Ich hoffe mal, dass ich es noch vor Dienstag schaffe ein bisschen was zu der Inseln-Handlung von „What Kate Does“ zu Papier zu bringen. In jedem Fall wünsche ich all den Jecken einen schönen Rosenmontag und dem noch zurechnungsfähigen Rest (man merkt, wie sehr ich die Karnevalszeit „liebe“), dass er irgendeinen sicheren Ort (Luftschutzkeller, Sonarzaun, Aschekreis, Panicroom, Dharma-Station etc.) findet, wo man sich gut vor den narren verstecken kann... tätäh – tätäh – tätäh!
Endlich ist es soweit. Ich weiß, „Lost“ war auch schon vor Ben die beste Serie aller Zeiten, aber da wusste man ja noch nicht wie es erst mal mit ihm ist. „Lost“ ohne Ben ist wie Pizza ohne Knoblauch.., manche mögen’s so lieber, aber für die meisten geht’s ohne praktisch nicht, obgleich es auch so schmeckt. Falls ihr euch jetzt fragt, wer dann Käse, Tomatensauce und Oregano sind...: Okay, also Jack eindeutig der Käse, allein schon weil er selbigen ständig redet. Außerdem ist er verdammt zäh und zuviel davon liegt einem noch Stunden später schwer im Magen. Locke ist die Tomatensauce... wäre „Samuel“ dann Ketchup? Okay, ich geb’s zu, ich sollte mir derartige Vergleiche in Zukunft schenken. Also keine Metaphern á la „Wenn du ein Lebensmittel wärst, welches Lebensmittel wärst du dann?“ mehr, stattdessen lieber eine Review zu einer Folge mit sehr viel Tomatensauce.... keine Tomatensauce mehr! Schluss mit der Tomatensauce! Heute wird Filmblut ja auch anders gemacht als früher. 1960 war es noch Schokosauce, die die Dusche hinab in den in den Ausguss lief, heute macht man das anders – mit Gelatine und Lebensmittelfarbe und... ach, egal ich schweife schon ab, bevor ich überhaupt angefangen habe. Also ab auf die Insel, wo Ben schon in einem Netz von einem Baum baumelt, und in den Irak, wo mittlerweile ja mal wieder Krieg herrscht, aber hier ist es noch ein Flashback in die Zeit des Ersten Golfkriegs.
Ich habe recht lange hin- und herüberlegt, wie ich diese Folge am besten angehe, denn sie ist so anders als die anderen Folgen. Versteckte Hinweise gibt es praktisch nicht (von ein paar Erwähnungen der Zahlen – Gale sei 4 Monate auf der Insel, Sayid war beim ersten Golfkrieg 23 – mal abgesehen), dennoch gibt es viel Subtext und somit eine Menge Dinge, die analysiert sein wollen. Die Handlung der Folge ist wohl allen mehr als geläufig und zwar relativ einfach strukturiert aber nichtsdestotrotz spannend. Wirklich interessant sind die Verknüpfungen zwischen den einzelnen Handlungsfäden, die Parallelen zwischen den Charakteren und die Verweise auf die spätere Entwicklung der Beziehung zwischen Ben und Sayid, denn die hat es – wie wir alle wissen – in sich. In fast allen Sayid-zentrischen Folgen, die auf diese noch folgen, spielt Ben eine ähnliche große Rolle wie in dieser.
Der Subtext beginnt ja schon beim Titel „One of Them“/„Einer von Ihnen“. Ohne Frage denken die meisten da zuerst an Ben. Dabei erfahren wir in dieser Folge doch noch gar nicht, ob „Henry Gale“ denn nun tatsächlich einer von Ihnen ist. Sayid hingegen ist für jeden in dieser Folge stets „einer von Ihnen“: für Danielle ist er einer der Losties, für Inman und Austen einer der Iraker, ironischerweise für Tariq wohl einer der Amis und für Ben ist er ebenfalls einer der Losties, der Überlebenden, der anderen. Ben selbst fragt daher genau wie Sayid, als er in Danielles Gefangenschaft war: „Welche Anderen?“ Und die Frage ist nicht mal gelogen, denn wie Locke richtig feststellt, ist dieser Terminus mehr als relativ. Für Ben sind schließlich die Losties „die Anderen“. Wir haben uns so daran gewöhnt Jacobs Anhänger als „Andere“ zu bezeichnen, dass wir es als ihren Namen verinnerlicht haben, obgleich die Anderen von sich selbst bestimmt anders sprechen; was die nicht uninteressante Frage aufwirft, ob sie sich selbst jemals einen Namen gaben oder ob sie schon so lange da sind, dass sie nie auf den Gedanken kamen, sich vom Rest der Welt abzuheben, weil sie einfach zuerst da waren, vor allen anderen – seit Anbeginn der Zeit.
Nicht zum Anbeginn der Zeit, sondern in den frühen Neunzigern beginnt diese Episode und zwar in einem Militärbunker, wo ein paar Irakische Soldaten Papiere schreddern wie Anlagebetrüger vor der Steuerprüfung. Was sie da vernichten, das in den Bomben nicht eh’ untergegangen wäre und auch noch für irgendwen von Interesse wäre, sei jetzt mal dahingestellt. Viel mehr beschäftigt mich die Frage, woher Sayid so gut Englisch kann? Ob es Schicksal ist, dass er so sich und einem anderen Soldaten das Leben retten kann? Kurz darauf behauptet er, es sei kein kommandierender Offizier vor Ort, denn der sei nach Hila geflohen – Tatsache ist jedoch, dass Tariq nur wenige Sekunden, bevor die Amerikaner den Raum stürmen, bekräftigt hat, dass der Soldat seinen Anweisungen folgen solle, weil er nun einmal der kommandierende Offizier sei.
Es gibt in dieser Folge viele Querverbindungen: In Sayids Rückblenden treffen wir sowohl Sam Austen (Kates Vater) wieder als auch Kelvin Inman, der später mit Desmond im Schwan leben und arbeiten wird, ehe er von diesem getötet wird. Mein Mitleid für Inman hält sich allerdings in Grenzen, da er im Begriff ist ein Monster zu erschaffen, das seinerseits jenes Monster wecken wird, das ihm auf der Insel für sein eigenes Empfinden in dieser Folge erstmals begegnen wird. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Weder ist Sayid ein Monster noch Ben, doch in beiden wird ein Monster kreiert, das sich beizeiten seinen Weg nach draußen kämpft. Das macht sie auch so unberechenbar und gleichzeitig so ambivalent wie tragisch. Es ist daher wohl endlich an der Zeit den Vergleich zwischen diesen beiden Charakteren anzugehen, die sich viel ähnlicher sind, als sie wahrhaben wollen.
Als Ben Sayid das erste Mal begegnet, ist Sayid ein Gefangener der Dharma-Initiative, den sowohl Ben als auch die meisten Dharma-Leute für einen der Feinde halten. Dumm für Ben, denn die sogenannten Feinde haben ihn bislang besser behandelt als sein eigener Vater – da gehört zugegeben auch nicht viel dazu. Sayid wird in seiner Gefangenschaft von Ben umsorgt. Ben bringt ihm Essen, leistet ihm Gesellschaft und verhilft ihm letztlich sogar zur Flucht. Was ist der Dank dafür? Sayid versucht, Ben zu erschießen. Sayid will die einzige Person auf dieser Insel töten, die bereit war, ihm zu helfen – ein unschuldiges Kind. Ein unschuldiges Kind? Was war es noch gleich, das Sayid dazu brachte, Tariq zu foltern, ihn an die Amis zu verraten? Ein Video und die Behauptung, Tariq habe militärische Test mit Saringas an unschuldigen Frauen und Kindern durchgeführt – eine Massenvernichtungswaffe, wie es auch eine Wasserstoffbombe ist. Man könnte bald sagen, Sayid sei zu dem geworden, was er jagte – er wäre nicht der erste. Saringas ist ein Nervengas, ein Giftgas – also durchaus vergleichbar mit jenem Stoff, den Charles Widmore nutzte, um die Dharma auszulöschen: eine weitere Parallele zwischen Ben und Sayid – beide befolgten sie Befehle eines Monsters, das um ein Vielfaches sadistischer war, als sie selbst. Charles und Tariq bringen beide die Qualitäten zum Massenmörder und Demagogen mit und würden sich gewiss als Diktatoren recht gut machen – Ben und Sayid befinden sich zu diesem Zeitpunkt noch in einer Position, wo sie nur Befehle befolgen oder verweigern können. Beide wagen es ihre Befehle zu verweigern, doch aus anderen Gründen und aus einer anderen Situation heraus. Sayid verweigert Tariqs Befehle erst, als dieser eh’ nichts mehr zu befehlen hat und Sayid selbst nicht nur Rückendeckung durch die Amis erhält, sondern darüber hinaus sogar deren Befehle entgegennimmt. Sayid verhält sich also mehr als opportunistisch. Und Ben? Ben macht das Befolgen oder Verweigern eines Befehles mit seinem Gewissen aus. Vermutlich hat er oft genug „Königreich der Himmel“ gesehen: „Ein König mag einen Mann fordern, aber seine Seele gehört ihm allein.“ Gegenüber Charles rebelliert Ben vehement und stürzt ihn am Ende sogar. Wir wissen nicht, inwieweit er sich da schon über Jacobs Rückendeckung bewusst war.
Ben wurde in Folge seiner Begegnung mit Sayid verändert. Juliet, Kate, James und Richard wollen Bens Leben retten, doch Richard weiß um den Nachteil: er wird einer von Ihnen werden. Ben wird sein Mitgefühl genommen. Als Ben aus dem Tempel kommt, ist er kein normaler Mensch mehr, er wird etwas anderes: ein einsames, verbittertes Häufchen Elend, das in dem festen Glauben lebt, dass nichts wichtiger ist als der Schutz der Insel. Dieser Aufgabe, dieser Pflicht muss sich alles andere unterordnen – auch er selbst. Die Art und Weise wie Richard hervorhebt, Ben sei, wenn er gerettet würde, ohne Mitleid und ewig einer von Ihnen, suggeriert doch, dass die vollwertigen Anderen sich von normalen Menschen dadurch unterscheiden, dass sie weit rationaler und nicht nach emotionalen Gesichtspunkten handeln. Das würde auch das Verhalten gegenüber den Losties erklären: Sie haben kein Mitleid mit den Losties, weil diese Emotion für sie nicht existiert, nicht existieren darf. Für sie gelten nur Logik und ihr Besitzrecht. Das Problem ist nur: Ben ist offenkundig keine willfährige Maschine – auch nach der Rettung im Tempel nicht. Er empfindet Mitleid, Reue und Einsamkeit. Wie hat er sich also verändert, als er aus dem Tempel kam? Vielleicht liegt genau da das Problem. Denn eines ist offenkundig: seine emotionale Entwicklung findet überhaupt nicht mehr statt. Ben kommt nicht mehr über den Status des einsamen, gequälten und von allen enttäuschten Jungen hinaus, der sich nichts mehr wünscht als Anerkennung und eine Vaterfigur, die ihm ebendiese entgegenbringt. Sowohl Jacob als auch „Samuel“ verstehen diese Schwäche für sich nutzbar zu machen und somit Ben zu instrumentalisieren, ihn zu einer Waffe zu formen, die es ihnen ermöglicht, unerkannt zu blieben. Sie halten die Fäden in der Hand und machen sich so nicht die Finger schmutzig. Die Drecksarbeit darf ein anderer erledigen. Hass und Zorn der Menschen auf der Insel zieht nun Ben auf sich und Jacobs Weste bleibt weiß. Jacob kann der gütige Beschützer bleiben, der allen ihren freien Willen lässt, das Leben bejaht und keiner Menschenseele etwas zu Leide tun würde. Letztlich bleibt eine Frage berechtigter Weise im Raum stehen: „Was ist mit mir?“ Ja, Ben, du bist der Fußabtreter der gesamten Menschheit, Jacobs Opferlamm, sein Prügelknabe und Sündenbock. Wundert einen da Ben Zorn und Verbitterung noch? „Samuel“ hat schon ganz recht: „Die Frage ist doch, Ben: Warum solltest du Jacob nicht töten wollen?“
Aber wie begegnet nun Sayid Ben, als er ihn das erste Mal trifft? Ganz anders als Ben Sayid – so viel ist klar. Aber schauen wir uns doch erst mal an, wie es überhaupt zur Begegnung der beiden kommt: Ana hat Danielle im Wald gesehen und – und das ist wohl wahrlich Ironie des Schicksals – sie hält die verrückte Franzosentussi für eine Andere. Dabei würden Ana und Danielle gut zusammenpassen: beide schießwütig und absolut durchgeknallt; beide haben sie ihr Kind verloren und beide sind sie nicht gut auf die Anderen zu sprechen. Ana sucht nach Jack und findet Wohl oder Übel Sayid. Das ist wohl gleich die nächste Schicksalsfügung dieser Folge. Aber die Aneinanderreihung mysteriöser „Zufälle“ (von denen wissen wir ja: die gibt es, wo Jacob in der Nähe ist, nicht einmal) nimmt damit keineswegs einen Abbruch, denn gleich als nächstes spricht Sayid Danielle auf sein mangelndes Vertrauen an und sie tut genau das, was Locke tat, als er Sayids Vertrauen gewinnen wollte: sie gibt ihm ihre Waffe. Warum Sayid Danielle nicht auch erwidert, dass beweise nur ihre Anpassungsfähigkeit, lass ich mal unbeantwortet im Raum stehen, da ich keine Antwort habe.
Und dann ist endlich Benry-Time. Ben ist gefangen in einem Netz (was für eine hübsche Metapher). Danielle hat Sayid gegenüber behauptet, sie hätte nie einen Anderen gesehen. Komisch, dass der sonst so misstrauische Sayid nicht mal kritisch nachfragt, wie Danielle sich so sicher sein kann, dass „Henry Gale“ einer von Ihnen ist. Wir wissen mittlerweile, dass Ben der einzige Andere ist, den sie je zu Gesicht bekam. Was Ben für sie und Alex getan und riskiert hat, hat sie nie erfahren und wird sie auch nie erfahren. Man kann es Danielle also keineswegs verübeln, dass sie „Henry Gale“ an Sayid übergibt, damit der eine ganz bestimmte Information aus Ben herausholt, die Danielle dereinst von Sayid wollte. Sayid ist ein besserer Folterknecht als Danielle selbst – das ist der einzige Grund, warum Ben nicht auf dem elektrischen Bett (bei ausreichender Voltzahl durchaus eine etwas bequemere Alternative zum elektrischen Stuhl) gelandet ist. Aber zumindest landet ein Pfeil in seiner Schulter – ein Pfeil, der sich im Laufe der Folge noch als erstaunlich biegsam erweisen wird.
Ben verliert das Bewusstsein und Sayid trägt ihn weg. Schnitt: Zwei Soldaten tragen Sayid weg. Ja, in der Folge verstehen es Darlton (die haben die Folge sogar selbst geschrieben) und Stephen Williams (der Regisseur dieser Episode) virtuos mit Bildern, Parallelen und der Gegenüberstellung der beiden Hauptakteure zu spielen.
Inman zeigt Sayid nun das bereits erwähnte Video von den Saringastests. Man sieht auf dem Video wenig und letztlich kann man nur darüber mutmaßen, ob Tariq getan hat, was Inman ihm unterstellt. Zuzutrauen wäre es Tariq zweifelsohne. Allerdings würde ich Inman keine 50cent borgen, denn er ist etwa so vertrauenswürdig wie ein sizilianischer Gebrauchtwarenhändler auf ’ner Bohrinsel (bitte keine Hass-Mails! Ich weiß, es gibt auch zahlreiche Sizilianer, die nicht kriminell sind, sondern nur für die Mafia arbeiten ;-) Spaß beiseite: es ist nur ein dummes Klischee, dessen Gebrauch man mir bitte verzeihen möge). Nichtsdestotrotz sagt Inman etwas sehr interessantes zu Sayid: „Loyalty is a virtue. But unquestioning loyalty – I don't think that's you.“ („Loyalität ist eine Tugend. Aber bedingungslose (bzw. nicht hinterfragende) Loyalität – ich denke nicht, dass das zu dir passt.“)
Willkommen in der Show: Weisheiten, die man auch Ben hätte sagen können! Beschreibt das nicht genau das, was Ben dazu brachte Jacob zu töten? Ben war bedingungslos loyal gegenüber Jacob und dann kam dieser gefakte Glatzkopf und riet ihm, seine Loyalität in Zweifel zu ziehen, zu überdenken, ob Jacob diese Loyalität verdient hätte. Ben und Sayid teilen sich dieses Problem: Loyal sein oder das richtige tun. Bei beiden reichte nur ein falsches Wort von einem Feind und sie kippten um. Die Loyalität vor ihrem eigenen Gewissen galt plötzlich mehr als die Loyalität gegenüber ihrem Befehlshaber. Letztlich spricht das Bände darüber, dass sie gute Menschen in einer schlechten Situation sind/waren. Weder hat Ben es genossen für Jacob Menschen zu entführen oder zu töten, noch hat Sayid es genossen zu foltern und zu morden. Der Unterschied jedoch ist: Ben zweifelt bei jeder dieser Handlungen aufs Neue, während Sayid einem Weg geradlinig folgt, wenn er ihn einmal eingeschlagen hat, bis sich ein Hindernis (etwa Nadia) in den weg stellt. Ben hingegen bleibt in seinem Handeln loyal, weil er ein Treffen mit Jacob anstrebt und die Insel beschützen will. In seinen Gedanken ist Ben jedoch längst nicht so loyal wie man meinen könnte. Wie oft hat er schon gezögert, Jacob zuwider gehandelt oder ihn in Zweifel gezogen? Im Endergebnis tut er aber, was ihm aufgetragen wird – selbst wenn das bedeutet, der Insel den Rücken zu kehren, alles aufzugeben, was ihm wichtig ist und die Chance auf ein Treffen mit Jacob womöglich für immer zu verspielen.
Ob Ben nun wirklich auf Jacobs (vermeintliches) Geheiß im Schwan landet oder es ihm einzig und allein um eine OP (er ist offenkundig Kassenpatient) geht, kann man nur mutmaßen. Er weiß aber, wen er mit Sayid vor sich hat, soviel ist sicher, denn Ben hat seine Hausaufgaben stets gemacht. Er weiß immer alles über Freund und Feind, was sich zu wissen lohnt, weshalb er wohl schon ahnen dürfte, was ihm blüht. Das demonstriert sowohl seine Willensstärke als auch seine Verzweiflung... okay, vielleicht ist er auch einfach ein Masochist und fühlt sich an Daddy erinnert, wenn ihm mal wieder einer das Gesicht zu Brei schlägt oder ihm ’ne Bierdose an die Rübe semmelt. Offen bleibt wohl die Frage, an was aus dieser Zeit er sich überhaupt noch erinnert. Er hat drei Jahre mit Juliet und Sawyer Tür an Tür gelebt, wenn diese drei Jahre weg wären, wäre praktisch alles, was ihm vor seinem Besuch im Tempel auf der Insel passiert ist, futsch. Ist das wahrscheinlich? Nein, ist es nicht. An was kann er sich also alles erinnern? Auf jeden Fall an mehr als er zugibt. Ganz abgesehen davon, vergisst man nie ganz. Dinge, die man verdrängt hat oder die im Unterbewusstsein schlummern, sind dennoch da. Das Gehirn speichert alles, nur können wir auf das wenigste davon gezielt zugreifen (wie bei einem PC: das Meiste landet im Papierkorb, der allerdings in diesem Falle nie geleert wird), was jedoch nicht bedeutet, das unser Unterbewusstsein es nicht wüsste. So gab es schon Fälle, wo selbst Erlebnisse aus der Zeit im Mutterleib Phobien auslösten. Ein Teil von Ben erinnert sich also auf jeden Fall an Sayid.
Bens Talent zu Planung und Improvisation gleichermaßen demonstriert er hier von Anfang an eindrucksvoll. So baut er auch die von Danielle immer wieder erwähnte Seuche in seine Geschichte ein und behauptet, dass seine Frau krank geworden und gestorben sei. Als man ihn nach den Anderen fragt, lautet seine Antwort: „Other? What?“ („Anderer? Was?“). Auch im weiteren Verlauf bleibt er bei seiner Geschichte und schmückt sie durch viele Halbwahrheiten aus. Ich sag mal so: das, was Ben Sayid erzählt, klingt objektivgesehen überzeugender als der zusammengestammelte Kram, den Sayid Danielle damals auftischte – die Pointe dürfte bekannt sein. Folglich stellt Locke auch fest: „I think he's pretty convincing.“ („Ich finde, er ist recht überzeugend.“)
Locke mutmaßt auch, Sayid suche vielleicht nur jemanden, an dem er seine Aggressionen für Shannons Tod auslassen kann („If you're angry – looking for someone to punish...“) – Ben ist also so eine Art lebender Punchingball, oder was? Mit Zorn wiederum kennt Locke sich ja bestens aus. Am Ende der Folge wird offenbar, dass Locke mit seiner Vermutung ganz recht hatte.
Sayid suggeriert Locke, was er vor hat, und meint, dass Locke ihm helfen solle, das überaus fragwürdige Vorhaben in die Tat umzusetzen. Sayid sagt: „And I think we both know that Jack will have issues with what must be done in order to get it.“ („Und ich denke, dass wir uns beide darüber im Klaren sind, dass Jack Einwände haben dürfte bei dem, was getan werden muss, um sie [die Gewissheit] zu erlangen.“) „Issues“? Das als Euphemismus zu bezeichnen, wäre selbst einer. Die reden über eine geplante Folter wie übers Kaffeekochen. Dass Jack nach dem, was mit Sawyer passiert ist, Einwände haben dürfte, überrascht kaum. Mich überrascht vielmehr, dass Locke keine hat. Immerhin reden wir hier von dem wohl Verachtenswertesten, das ein Mensch einem anderen antun kann, obendrein lediglich gestützt auf die Aussage einer völlig durchgeknallten Französin. Wir wissen zwar, dass sie recht hatte, aber das mildert die Tat in keinster Weise ab. Grundlegend war Sayid dazu bereit einen womöglich unschuldigen Mann zu foltern, weil er vielleicht zu einer Gruppe von Menschen gehören könnte, über deren wahre Motive und Absichten er nicht einmal etwas weiß. Ganz abgesehen davon, ist Folter prinzipiell nur schwerlich zu rechtfertigen, da sie einzig und allein den Zweck verfolgt, den Gegenüber leiden zu lassen, um etwas von ihm zu erfahren, von dem man mutmaßt, er wisse es – folglich ist es nicht einmal eine unmittelbare Prävention. Sayids Vermutung ist aber mit Sicherheit kein ausreichender Grund und ein abgestürzter Helikopter genauso wenig. Sayid bezeichnet das, was er tut, als er erst mal mit Ben allein ist als „was getan werden muss“. Muss? Wieso muss das getan werden? Jetzt mal ehrlich: was hat Sayid, was hat irgendwer davon, dass Sayid Ben foltert? Selbst wenn Ben zugibt, was Sayid hören will, ist dadurch doch nichts gewonnen. John rechtfertigt die Tat vor Jack mit dem Krieg, für den sich Jack und Ana rüsten wollen. Ja...öhm...und weiter? Das Wissen darum, dass Ben ein Anderer ist, wäre nur sinnvoll, wenn man im gleichen Stil weitermachen würde, um ihm irgendwelche nützlichen Informationen zu entlocken. Allerdings gibt es nichts wirklich nützliches, das Ben ihnen sagen könnte, was sie dann auch glauben würden.
Sayid ist also mit Ben allein und Jack versucht die Waffenkammer zu öffnen. Er scheitert und fragt John: „Why isn't this combination working, John? Did you change it?“ („Warum funktioniert die Kombination nicht, John? Hast du sie geändert?“) Boah, wat’n Schnellmerker! Wiedereinmal geht der Preis für die dümmste Frage der heutigen Folge an Jack! Ebenfalls nominiert waren: „Sayid, hey, what the hell are you doing?“ („Sayid, hey, was zur Hölle machst du da?“) – ebenfalls ein klassischer Jack, weshalb sich hier auch „You think I'm stupid?“ („Hältst du mich für bescheuert?“) anschließt (nein, Jack, denn das würde voraussetzen, dass wir es lediglich vermuten) – und außerdem „You would risk everyone's lives?“ („Du würdest eines jeden Leben riskieren?“) – fast schon prophetisch, dass John Jack das fragt.
Ben sagt ein paar Mal durchaus die Wahrheit während des „Verhörs“. So entgegnet er Sayid etwa: „Look, whatever you think I am, I'm not.“ („Guck mal, was immer du glaubst, das ich bin, ich bin es nicht.“). Stimmt von einem gewissen Standpunkt aus sogar und wird ewig stimmen. Sayid hält Ben stets für etwas, das er nicht ist: ein Monster. Man könnte echt meinen, Ben hätte einen Spiegel vorm Gesicht.
Interessant ist auch, dass das, was Sayid Ben über sich erzählt, in groben Zügen auch auf Ben selbst zutrifft. Sayid sagt, er sei ein guter Mensch gewesen und der Krieg habe in ihm das schlimmste zum Vorschein gebracht. Bei Ben war es ein schießwütiger Iraker, der seine dunkle Seite weckte.
Der Alarm geht los und Jack sieht seine Chance (übrigens hört man Ben und Sayid die ganze Zeit im Hintergrund, ist mir vorher nie so aufgefallen). Obgleich Jack mit dem, was er beabsichtigt, absolut recht hat, sind seine Methoden, um an sein Ziel zu kommen, typisch erpresserisch und obendrein lebensmüde. Aber es funktioniert: John öffnet die Tür zur Waffenkammer und stürmt in den Dom. Er vertippt sich – mal wieder. Der Zähler hat die Null erreicht und die erste Hieroglyphe erscheint. Letztlich bekommen wir drei der fünf Zeichen zu sehen: eine Feuerstelle/Flamme (Jacob lässt grüßen), ein Schmutzgeier und zu guter letzt der Determinativ (ein stummes Zusatzzeichen zur Unterscheidung von Wörtern mit gleichem Konsonantenbestand, da die Vokale im Altägyptischen nicht wiedergegeben werden) für Tod, der entfernte Ähnlichkeit mit stilisierten Darstellung des Haupts eines Schakals hat – ein Zufall? Ich glaube nicht an Zufälle. Für alle, die es gerade nicht auf dem Schirm haben: der Schakal ist das Schutztier des Anubis, also der Hüter der Unterwelt.
Jack zieht Sayid aus der Waffenkammer und Ben wirft Sayid einen bedeutungsschwangeren Blick zu. Runde Eins geht an Ben – alle noch folgenden Runden aber auch^^. Jetzt spricht Jack den entscheidenden Knackpunkt aus: „I think that Rousseau thought that about you once, Sayid. If I'm not mistaken she strapped you down, she shocked you, all because she thought you were one of Them.“ („Ich denke, dass Rousseau einst das Gleiche über dich dachte, Sayid. Wenn ich mich nicht irre, band sich dich fest, setzte dich unter Strom, alles weil sie dachte, du wärest einer von Ihnen.“) Hätte man kaum besser sagen können. Jack bringt es auf den Punkt: Ob Ben ein Anderer ist oder nicht, ist bedeutungslos – in dubio pro reo! Der Zweifel genügt, um Ben in Frieden zu lassen. Leider verhält sich Jack viel zu selten nach diesem Grundsatz, aber in Sachen Folter hat er seine Lektion wohl gelernt. Aber das Problem ist ja, Sayid will seine Zweifel durch die Folter ausräumen. Das ist zugegeben ein Dilemma. Aber es bleibt auch hier weiterhin die Frage, was Sayid von der Sicherheit hätte. Denn ginge es ihm nur darum, seine Zweifel auszuräumen, hätte Ben es ja gefahrlos zugeben können, dass er einer von Ihnen ist. Sayid belügt sich wiedereinmal selbst. Er kann Ana nicht für Shannons Tod verprügeln, also sucht er sich wen anders. Ganz abgesehen davon, dass er Nadias Unglück auf Shannon projiziert hat und Ben nun für beide bluten muss. Das ist wohl Bens Schicksal: Nicht nur für die eigenen Fehler Prügel kassieren, sondern auch für die anderer. Wie bereits gesagt: der Sündenbock.
Ehe wir von dem folternden Iraker zum folternden Baumfrosch übergehen, reisen wir noch ein letztes Mal in den Irak. Eigentlich eine interessante Kulisse. Um es mit den Worten des von mir sehr verehrten Volker Pispers zu sagen: das Arschloch bleibt im Wandschrank. Sam Austen zeigt ein Bild von Klein-Katie rum, als der LKW hält. Jetzt offenbart sich, dass Inman Sayid gar nicht gebraucht hätte, denn er spricht fließend Arabisch. Apropos: Ben spricht nicht nur fließend Arabisch, sondern auch Türkisch, Latein und höchstwahrscheinlich Deutsch, Französisch und Portugiesisch (sonst würden seine geheimen Identität nicht viel nützen, um unterzutauchen). Inman zumindest hätte Sayid nicht gebraucht, er hat ihn also aus einem anderen Grund, dazu gebracht Tariq zu foltern. Was also veranlasste Inman dazu, Sayid so zu formen? Das Problem ist: ich könnte nicht einmal sagen, ob diese Lehrstunde in Folter nun zu Sayids Vor- oder Nachteil war.
Kommen wir aber nun wie versprochen zum Folter-Forsch. Sawyer hat also mal wieder Ärger mit einem der tierischen Ureinwohner. Vermutlich ist der Baumfrosch die Reinkarnation irgendeines Typen, den James mal abgezockt hat ;-). Okay, es könnte auch einfach nur ein Baumfrosch sein. Auf der Suche nach der kleinen Nervensäge deckt Sawyer Hurleys geheimes Laster auf. Wobei so geheim war es nun auch nicht, denn Hurley ist – wie er selbst sagt – nun einmal: „Fat, fat, fat, fat, fat. You think I don't know that?“ (Fett, fett, fett, fett, fett. Glaubst du denn das weiß ich nicht?“) Ich kann Hurley so gut verstehen. Auch wenn ich bestimmt 42kg weniger auf die Waage bringe, kenn ich das Problem mit Leuten, die meinen, sie müssten einen auf etwas so offensichtliches hinweisen. „Eye, du bist dick!“ – „Ach, echt? Ist mir noch gar nicht aufgefallen. Jetzt versteh ich endlich, warum ich es so schwer hab passende Klamotten zu finden. Danke!“ Als Sawyer den Frosch dann hat, macht er auch gleich kurzen Prozess mit ihm.
Und da kann man nur sagen, dass diese Aussage auf die Losties mindestens genauso zutrifft wie auf die Anderen, wenn nicht gar noch mehr: „That these people – these Others – are merciless, and can take any one of us whenever they choose“ („Dass diese Leute – die Anderen – mitleidlos sind und jeden von uns nehmen können, wann immer sie wollen.“)