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Dienstag, 13. April 2010

Once Upon a Time... - Review zu "Happily Ever After"

Ich hab mich gerade echt gewundert, dass meine Word-Rechtschreibprüfung mir zwar „Happily“ und „Ever“ unterkringelt, „After“ aber nicht – dann fiel mir ein: Das Wort gibt’s ja auch im Deutschen^^. Nach diesem etwas unschönen Start in die Review, starte ich lieber noch mal von Neuen und zwar so, dass es auch zum Titel der Folge passt:

Es war einmal auf einer fernen Insel, in einem fernen Land ein Schotte ohne Schottenrock, der hatte einen bösen Schwiegervater, aber keine bösen Stiefschwestern (sonst ja Mindestanforderung für jede Märchenfigur). Nachdem ihn der große, böse Wolf angeschossen hatte und der Schotte, den man übrigens bei dem Namen Desmond rief, erst im Hospiz gewesen war, hatte sein Schwiegervater ihn auf die Insel gebracht... .

Desmond wacht also in der Hydra auf und denkt er wäre noch im Krankenhaus (der Mann braucht dringend ’ne Brille... oder er fürchtet, die Ärzten hätten festgestellt, dass er Kassenpatient ist, und ihn deshalb verlegt), bis Charles ihm eröffnet, er sei wieder auf der Insel – was streng genommen nicht einmal den Tatsachen entspricht, denn NOCH ist Desmond ja auf der kleinen Nachbarinsel. Nichtsdestotrotz beginnt Desmond seinem Schwiegervater auf die unbehaarte Rübe einzudreschen. Charles pfeift seine Männer, die Desmond prompt angreifen, überraschender Weise zurück.

In den nächsten Minuten dieser Folge wird klar, dass die elektromagnetischen Felder auf der Insel ein entscheidender Faktor im Kampf mit MiB darstellen. Da er an den Sonarzäunen scheitert und auch auf der Insel festsitzt, würde ich fast vermuten, dass da ein Zusammenhang besetzt und „Samuel“ prinzipiell so seine Probleme mit derartigen Kraftfeldern hat. Bereits in „The Package“ fragt Zoe Jin nach den elektromagnetischen Feldern auf der Insel. Nun hat Widmores Team eine komische Apparatur mit zwei riesigen Elektromagnetspulen, die wohl noch aus Tagen der Dharma stammt, rekonstruiert oder repariert. Das Teil sieht aus wie eine Kreuzung aus dem Raptorentransportkäfig aus der Eröffnungssequenz von „Jurassic Park“ und dem Intrinsic Field Subtractor in „Watchmen“, der Jon Osterman grillt und zu Dr. Manhattan macht. Ich denke besonders die zweite Analogie ist durchaus beabsichtigt und soll ein Verweis auf Desmonds Fähigkeiten sein, denn auch Dr. Manhatten begreift die Zeit – sofern es sein eigenes Erleben betrifft – mehr als Reihenfolge der Ereignisse, die für ihn irgendwie gleichzeitig und doch nacheinander geschehen. Es ist ja nicht die erste Anspielung auf „Watchmen“ in „Lost“. Auch die Teleportation nach Benuzung des Rades spielt auf „Watchmen“ an, denn sowohl Laurie als auch Ben und John müssen sich nach der Teleportation (stets) übergeben. Auch der Unfall, der Desmonds „Reise“ voran geht hat große Ähnlichkeit mit dem Ostermans.

Nachdem also einer von Charles’ Arbeitern in der Kammer „vergessen“ und gegrillt wurde, stecken sie Desmond in die überdimensionale Mikrowelle und ketten ihn an einen alten Holzstuhl (IKEA-Modell „Jåcöb“ – derzeit läuft da ein Sonderangebot und man bekommt beim Kauf von zwei dieser Stühle einen Tisch BëňLıňǘş gratis obendrauf). Widmore kündigt Des bereits an, er werde ihn um ein Opfer bitten, wenn der Test vorbei wäre. Desmond fragt provozierend, was Charles schon von „Opfern“ wisse (ja, kommt uns bekannt vor die Frage => Eloise vor dem Krankenhaus), worauf Charles erwidert, sein Sohn sei zum Schutz der Insel hier gestorben, seine Tochter – Desmonds Frau – würde ihn hassen und seinen Enkel habe er nicht einmal kennen gelernt. Auf der einen Seite interessant, wie Charles sich mal wieder in Selbstmitleid suhlt, wenn ich so dran denke, was etwa Ben, Jacob, Ilana, Richard oder Desmond bereits für die Insel opfern mussten, auf der anderen Seite aufschlussreich, wenn man die Beziehung zwischen Desmond und Charles bedenkt und den Vergleich zu den Flash Sideways (die kommen ja gleich) zieht. Es scheint nun wahrscheinlicher denn je, dass Charles Desmond nie wirklich gehasst hat, sondern ihn einfach in eine bestimmte Richtung schubsen musste. Seitdem Desmond auf der Insel war, behandelt Charles ihn schließlich mit ausgesprochen viel Respekt und so wäre es nur logisch, dass die Show, die er zuvor abzog, ein notwendiges Übel war. Nichtsdestotrotz ist Charles weiterhin nicht gerade vertrauenswürdig und man sollte alles, was er so von sich gibt, mit viel Vorsicht genießen. Denn eines ist mittlerweile offensichtlich: er weiß sehr viel mehr als sein Nachfolger je wusste, was allerdings eher ein Argument für als gegen dessen Sonderstellung ist. Wer außer Jacob selbst kann schon sagen, was in dem Konflikt zwischen Charles und Ben Teil des Plans war und was nicht?

Desmond zieht nun zumindest so eine Nummer durch wie Jodie Foster in „Contact“ und verschwindet für sehr lange Zeit, obwohl auf der Insel nur Sekunden verstreichen. Desmond reist aber nicht zu einem Strandspaziergang mit Dad, sondern in die LAX-Timeline. Anders als bei seinen Zeitreisen scheint er hier aber keinen Einfluss auf das Geschehen nehmen zu können, sondern wird zum Zuseher seines anderen Lebens, sieht – zumindest scheint es so – die Alternative Realität durch die Augen seines Alter Ego. Sofern uns das nur suggeriert werden sollte und Desmond während seiner Zeit zwischen den Psycho-Magnetspulen etwas ganz anderes erlebt hat, stellt sich die Frage, was das gewesen sein könnte. So oder so wird es nun Zeit für das (bisher) längste Flash Sideway in der Geschichte von „Lost“ – warum auch nicht? Desmond war ja schließlich auch der erste, der praktisch eine komplette Episode für seine Rückblende bekam.

Wir befinden uns wieder am LAX und es ist der 22.September 2004 – Oceanic Flug 815 ist soeben gelandet und Hurley teilt Desmond mit, wo sie ihre Koffer abholen müssen; Gepäckkarussell VIER (es läuft im Kreis, bis alle Teile ausgesiebt sind – ist der Leuchtturm also ein astrales Gepäckkarussell?). Hier trifft Des gleich auf noch einen alten Bekannten oder besser gesagt eine alte Bekannte...oder noch besser eine Alt-Bekannte^^. Er redet kurz mit Claire und meint, als sie sich trennen, das Kind werde ein Junge. Schlägt hier jetzt der Desmond aus der Crash-Timeline durch oder ist diese Vorahnung ein erstes Anzeichen dafür, dass Desmond diese andere Realität (also für uns ja eigentlich die Originalzeitlinie – aber das ist wohl wie so vieles eine Frage des Blickwinkels) einzuholen beginnt? Desmond wird von Minkowski am Flughafen aufgegabelt und zu Charles Widmore gefahren, dessen Adjutant Desmond in dieser Zeitlinie ist. Da drängen sich doch einige Fragen auf. Allen voran: Warum ist Charles überhaupt in LA und nicht auf der Insel? – Ja, ich weiß, weil sie untergegangen ist. Aber wenn Charles noch lebt, muss er sie zuvor verlassen haben. Da Ben in dieser Zeitlinie aber eindeutig nicht der Anführer der Anderen ist und es wohl nicht einmal zur Säuberung kam, muss man sich doch fragen, was Charles zum Gehen bewegt haben sollte und in welchem Verhältnis er zu der Insel steht. Ebenso merkwürdig ist es, dass sich in seinem Leben auf den ersten Blick nicht viel geändert hat. Da schließt sich gleich die nächste Frage an: Wenn Desmond Charles nicht über dessen Tochter kennen lernte, wie dann? Eloise gibt uns hierauf später eine mögliche Antwort: Desmond wollte Charles’ Wohlwollen und Anerkennung. Es scheint also wirklich so, dass die Alternative Zeitlinie den Losties das, was sie sich vermeintlich/oberflächlich am meisten gewünscht haben, erfüllt: Kate ist frei, Jack hat einen Sohn und kann seine Vaterqualitäten unter Beweis stellen, Ben kann sich für Alex und gegen Macht entscheiden und kommt ferner mit seinem Vater klar, James ist ein rechtschaffener Mann, Miles ebenso, Hurley hat Glück und kein Pech, Sayid konnte Nadia wohlauf wiedersehen, Sun und Jin sind gemeinsam in die USA geflohen, John hat Helen & seinen Vater, Desmond hat Charles’ Anerkennung, Dogen hat seinen Sohn, Claire hat Aaron, Charlie lebt und ist noch immer ein Rockstar, Daniel ist Musiker und kein Physiker, Charlotte kehrte nie auf die Insel zurück, Charles hat Penny, Eloise und Daniel, Cindy behält ihren Gary.... nur Rose, Keamy, Mikhail und Omar sind weiterhin dem Tode geweiht. Doch wie Charlie feststellt, ist dieses Glück nicht echt, falsch – die Welt ist anders als sie seien sollte. Aber dazu später mehr. Bleiben wir zuvor noch einen Moment in Charles’ Büro, denn dort hängt ein Bild von „Samuels“ Waage mit dem schwarzen und weißen Stein in ein abstraktes Farbenwirrwarr verpackt. Allerdings würde ich dieses Gemälde mal unter Easteregg verbuchen und das nicht zuletzt, weil Ostern gerade mal eine Woche her ist ;-). Weitaus symbolträchtiger und wichtiger ist da wohl der Whisky, von dem Charles Desmond in dieser Realität etwas anbietet: „Nothing's too good for you.“ („Für dich is’ nichts zu schade!“). In der Crash-Timeline klang das noch ganz anders – wir erinnern uns: „This is a 60 year MacCutcheon, named after Anderson MacCutcheon[...]. Admiral MacCutcheon was a great man, Hume. [...] To share it with you would be a waste, and a disgrace to the great man who made it – because you, Hume, will never be a great man.“ („Dies ist 60 Jahre alter MacCutcheon, benannt nach Anderson MacCutcheon[...]. Admiral MacCutcheon war ein großer Mann, Hume. [...] Ihn mit Ihnen zu teilen, wäre eine Verschwendung und eine Schändung das großen Mannes, der ihn gemacht hat – denn Sie, Hume, werden nie ein großer Mann sein.“) Wie bereits angedeutet, könnte dieses damalige Gebaren Schau gewesen sein, denn betrachten wir die jüngsten Geschehnisse auf der Insel, so wäre Charles wohl der erste, der Desmond attestieren würde, zu Großem bestimmt zu sein. Letztlich führt es uns wieder zu der Frage: Was weiß Charles wirklich?

Jetzt will er vor allem, dass Desmond Charlie aus dem Knast auslöst und zu einer Party bringt, wo er mit Daniel zusammen spielen soll. Charlie scheint einen ungewöhnlich großen Todeswunsch zu verspüren, denn er watschelt, kaum ist er frei, quer über die starkbefahrene Straße und verschwindet in einer Kneipe, wo er Desmond anvertraut, wieso er nicht mehr sonderlich am Leben hängt bzw. sich nach dem Tod verzehrt. Grund ist die Nahtoderfahrung, die er im Flugzeug hatte, denn die ermöglichte ihm einen kurzen Blick auf sein Leben auf der Insel: er sah Claire. Charlie hat also eine Idee von dem bekommen, wie es sein sollte und ist somit der erste, der erkennt, dass ihm in der Alternativen Zeitlinie etwas fehlt: die Liebe. Doch hier stehen wir vor einem Problem, denn Locke etwa hat seine große Liebe nur in der LAX-Timeline. Ben hat in der Originalzeitlinie nichts, was er wirklich missen könnte. Komisch, dass es gerade diese beiden sind, denen es ohne Insel in diesen Punkten besser geht. Aber sind sie erfüllt? Ben und John sind wohl einfach an anderen Dingen interessiert als der Normalität. Ferner wissen wir bei Ben nicht, ob er in der LAX-Timeline je mehr von der wahren Liebe sah als auf der Insel. Doch Desmond, Charlie, Daniel, James, Kate, Claire, Juliet, Charlotte, Jack, Sayid, Charles, Jin und Sun müssen in der LAX-Timeline im weitesten Sinne auf ihre wahre Liebe verzichten.

Wenn man dem Tod nahe ist (oder in einen Spiegel guckt), scheint sich aber so etwas wie ein Fenster in die andere Realität zu öffnen, das durchaus in beide Richtungen funktioniert. So wie LAX-Charlie Claire sah, so sah Crash-Juliet auch irgendetwas, das sie zu der Überzeugung veranlasste, es habe funktioniert. Da Desmond Charlie aber nicht glaubt, dass die Dinge anders verlaufen sind, als sie es sollten, und dass es Zeit für eine kleine Kurskorrektur wird, beschließt Charlie zumindest den Kurs von Desmonds Wagen zu ändern – zuvor stellt er Desmond vor die Wahl: aussteigen oder sich zeigen lassen, was ihn auf der anderen Seite erwarten würde. Wie bei jenen Alternativen, die Desmond Charlie in der Bar vorschlug, oder Entscheidungen, vor die Jacob die Leute gerne stellt, existiert nicht wirklich eine Entscheidungsmöglichkeit und so gehen Des, Charlie und das Auto baden. Desmond entkommt aus dem sinkenden Wagen, taucht aber, kaum dass er an der Oberfläche war, wieder unter. Charlie versucht nicht einmal, aus dem Auto zu entkommen. Stattdessen presst er die Hand an die Fensterscheibe und prompt hat Desmond ein merkwürdiges Déjà-Vu, das ihn an „NOT PENNY’S BOAT“ erinnert und somit auch an Penny.

Desmond und Charlie kommen – wie sollte es auch anders sein – ins St. Sebastian Krankenhaus, wo Desmond unter anderem gefragt wird, ob er irgendwelche Halluzinationen hatte – Gute Frage, nächste Frage. Des wird zum MRT überstellt. Und hier muss ich die Lost-Macher mal wieder loben, dass sie dieses unsägliche MRT-Prozedere fast originalgetreu wiedergeben. Jeder, der schon mal in der Röhre war, weiß, dass es da drin eng und laut ist und man diesen lustigen Panikknopf bekommt, auf den man drücken soll, wenn etwas nicht stimmt. Was bei „Lost“ fehlte ist folgendes: Obwohl man den blöden Knopf hat, fragen die einen alle paar Minuten – und zwar immer dann, wenn man sich gerade eben so einigermaßen entspannt hat und trotz Geräuschen und Enge abschalten konnte – über die Kopfhörer: „Alles in Ordnung?“ Man ist immer versucht zu antworten: „Bis gerade eben schon, du dumme Kuh!“ (bei mir war es eine Krankenschwester). Bemerkenswert ist auch, dass das Rattern des MRT eine gewisse Ähnlichkeit mit einem der Geräusche von Smokey hat. Zumindest lösen die Magnetwellen auch in dieser Zeitlinie einen Flash bei Desmond aus (erinnerte mich sehr an den Film „The Jacket“ mit Adrien Brody und Keira Knightley): er sieht und hört Penny, drückt den Panikknopf und rennt nur mit einem Nachthemd bekleidet quer durch die Klinik und sucht Charlie. Dabei läuft er dann noch mal kurz Jack über den Weg, ehe er Charlie findet, der ihm rät, doch endlich nicht mehr über ihn zu grübeln, sondern Penny zu suchen.

Charlie verschwindet und Desmond soll nun Eloise Widmore (!) beibringen, dass das geplante Konzert nicht stattfinden kann. Desmonds Gespräch mit Eloise gestaltet sich dann jedoch als unerwartet und ausgesprochen merkwürdig: Er erzählt ihr, dass Drive Shaft nicht kommen werde, um mit Daniel zu spielen. Er entschuldigt sich, übernimmt die Verantwortung. Er macht sich schon auf ein riesiges Donnerwetter gefasst, doch Eloise nimmt’s gelassen und erwidert ihm dann: „Oh, not at all dear. What[ever] happened, happened. Thank you so much, Mr. Hume, for coming and telling me in person. A pleasure meeting you.“ („Oh, nicht doch, mein Lieber. Was [auch immer] passiert, passiert. Vielen Dank, Mr. Hume, dass Sie selbst hergekommen sind und es mir persönlich mitgeteilt haben. Es war mir ein Vergnügen Sie kennenzulernen.“) Okay, dieses rausgerutschte „What happened, happened“ könnte bloßer Zufall gewesen sein. Aber dann hört Desmond zufällig mit, als zwei Männer vom Catering die Gästeliste durchgehen, und da fällt auch der Name „Penny“ – die übrigens allein kommt. Desmond will daraufhin die Gästeliste einsehen, wird aber von Eloise daran gehindert, die zwei Männer zur Herausgabe zu nötigen. Sie stellt ihn unter vier Augen zur Rede:

Eloise: „Someone has clearly affected the way you see things. This is a serious problem. It is, in fact, a violation. So, whatever you’re doing, whatever it is you think you’re looking for...You need to stop looking for it.“ („Jemand hat offenkundig die Art und Weise, wie Sie Dinge sehen, beeinflusst. Das ist ein ernstes Problem. Es ist – tatsächlich sogar – ein Verstoß. Also, was auch immer Sie tun, was auch immer Sie glauben zu suchen... Sie müssen aufhören danach zu suchen.“)

Desmond: „Do you, do you know what I'm looking for, Mrs. Widmore?“ („Wissen Sie... wissen Sie, wonach ich suche, Mrs. Widmore?“)

Eloise: „I don't know why you're looking for anything? You have the perfect life. On top of it, you’ve managed to attain the thing you wanted more than anything: my husband's approval.“ („Ich weiß nicht einmal, warum Sie überhaupt noch nach etwas suchen? Sie haben doch das perfekte Leben. Als Krönung haben Sie es geschafft zu erlangen, was Sie mehr wollten als alles andere: das Wohlwollen meines Mannes.“)

Okay, ich denke, jedem dürfte hier eines sofort klar werden: die Frau weiß noch weit mehr als sie sagt und selbst das ist schon mehr, als alle anderen sich nur erträumen könnten. Wie schon bei seiner Zeitreise tritt Eloise Desmond gegenüber als eine Art Gralshüterin des Raum-Zeit-Kontinuums auf. Damals erklärte Sie ihm: „And if you don't do those things, Desmond David Hume, every single one of us is dead.“ („Und wenn Sie all diese Dinge nicht tun, Desmond David Hume, wird jeder einzelne von uns sterben.“) Darauf läuft es wohl immer hinaus: Tust du das und das nicht, geht die Welt unter. Besonders Desmond und Ben wurden wohl stets in dem Bewusstsein gehalten, dass sie nicht aufbegehren dürfen, weil sonst die Welt untergeht. Auch jetzt sagt Charles Desmond ja, dass er tun muss, worum er gebeten wird, weil sonst alles vorbei ist.

Eloise in der LAX-Timeline sagt zwar nicht, die Welt könne untergehen, sondern „nur“, dass Desmond nicht an dieser Realität zweifeln solle, denn sie sei doch so, wie er wollte. Man kommt sich langsam vor wie bei „Matrix“ und wartet nur darauf, dass Eloise die Agenten ruft oder Morpheus ins Zimmer marschiert kommt und Desmond sagt: „Hattest du mal einen Traum, der dir vollkommen real schien?“ Wie die Matrix scheint auch diese Realität ihre Lücken zu haben und nur das zu sein, was ein Wesen, das für die WAHREN Bedürfnisse der Menschen völlig unempfänglich ist, sich unter einer perfekten Welt vorstellen würde. Stellt sich nur die Frage, wenn Eloise das Orakel ist (und das ist sie zweifelsohne – Teil des Systems und der Kontrolle und dennoch menschlich), wer ist dann der Architekt. Am wahrscheinlichsten scheint der Mann in Schwarz, doch ist der ja doch recht einsichtig, was menschliche Bedürfnisse angeht, versteht die Menschen eigentlich sogar besser als Jacob. Ist am Ende vielleicht Jacob der Urheber und er wollte nach dem Sieg über MiB den Menschen geben, was sie sich wünschten und muss nun feststellen, dass er es nicht kann, weil der Mensch nie glücklich mit dem ist, was er sich zu ersehnen glaubt? Letztlich ist der Mensch doch so gestrickt: Im Sommer beschwert er sich, es sei zu heiß und er will, dass Winter wird, und ist der Winter da, nörgelt der Mensch, es sei zu kalt und solle endlich Sommer werden. Die Alternative Zeitlinie scheint nicht vom Bösen beherrscht zu sein, so wie es sein müsste, wenn der Mann in Schwarz geflohen wäre. Vielmehr packt diese Zeitlinie die Menschen in Watte, gaukelt ihnen Glück vor, doch das ist oberflächlich. Denn so wie das Böse sie nicht mehr erreicht, so erreicht sie auch das Gute nicht mehr. Letztlich ist das wohl der große Fehler in den Ansätzen von Jacob und „Samuel“: sie wollen nicht wahrhaben, dass das eine nicht ohne das andere kann. Die Waage ist nur im Gleichgewicht, wenn beide Kräfte da sind und sich bekämpfen und deshalb kann es auch nie enden, denn hat es einmal geendet, wird es von ganz alleine wieder von Neuem beginnen, denn der Mensch kann mit vollkommenem Glück auch nicht zufrieden sein, da er die Kehrseite nicht kennt.

Eloise sagt Desmond auch, er sei nicht bereit. Wir müssen uns also wirklich fragen, was diese Frau weiß und woher. Sie ist ganz eindeutig mehr als Jacobs andere Anhänger, denn selbst Richard, Ilana, Ben und Charles wissen zusammen nicht so genau Bescheid wie Eloise es wohl tut. Ich schätze nur, dass alle Theorien dazu im Moment noch recht viele „Wenn“’s und derart viele hypothetische Annahmen enthielten, dass ich mir das im Moment lieber spare. Eloise weiß offenkundig mehr, aber das Warum und Woher sind derzeit nur schwerlich zu erahnen und der Versuch, es doch zu tun, würde in einem heillosen Durcheinander der wildesten Theorien enden – das möchte ich uns allen ersparen.

Als Desmond gerade saufender Weise wegfahren will (das ist der Vorteil an einem Chauffeur), klopft Daniel ans Fenster. Auch der hat seinen Nachnamen gegen Widmore getauscht und bittet Desmond nun um ein Gespräch über etwas, wovon beide keine Ahnung haben: Quantenphysik. Okay, vorher kommt noch das übliche „Ich-hab-die-Liebe-meines-Lebens-gesehen-aber-ich-kenn-sie-nur-aus-einem-anderen-Leben“-Gebrabbel. Aber dann geht es um wirre Träume und Aufzeichnungen aus diesem anderen Leben, die dieses erst ermöglicht haben. Diese Szene läuft wie das ganze Flash Sideway letztlich auf zwei Dinge hinaus, die sich beide im Stadion zutragen, und eine Erkenntnis, die für den Desmond in der Mikrowelle bestimmt ist.

Kommen wir mal vorab zu den Ereignissen im Stadion:

1. Desmond trifft Penny und begreift, dass dieses andere Leben keine bloße Einbildung ist.

2. Desmond will die Zeitlinie erneut ändern oder zumindest all jenen, die damit in Zusammenhang stehen, die andere Seite zeigen und er beschließt bei Flug 815 anzufangen, denn das ist die bislang einzige Gemeinsamkeit mit Charlie, Desmonds einziger Anhaltspunkt. Ironischerweise war Desmond in der anderen Zeitlinie nie an Bord dieses Fliegers, sondern hat ihn runtergeholt.

Auf der Insel erwacht Desmond zwischen den zwei riesigen Magnetspulen und hat eine entscheidende Erkenntnis gewonnen, die alle Überredungsversuche von Charles schon im Vorfeld überflüssig macht. Desmond wird Charles helfen und ich schätze, dass er sich deshalb auch bereitwillig Sayid anschließt: er will auf die andere Insel, er will zum Mann in Schwarz.

Zu guter Letzt noch ein paar Worte zum Titel: „Happily Ever After“ (Frei übersetzt: „Letztlich glücklich für immer“) ist die englische Entsprechung für „Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute“. Es ist also das klassische Märchenende und deshalb freu ich mich jetzt schon wie Bolle auf den deutschen Episodentitel, der bestimmt auf dem Niveau von „Taxi in die Freiheit“ – wenn nicht sogar noch darunter – liegen dürfte... „Magnetspule in ein anderes Leben“ oder „14 Tage im Leben einer Stunde“ (Inside-Joke). Aber wie kann man diesen Titel nun auffassen? Denn wirklich glücklich sind die Losties in dem anderen Leben ja nicht, obwohl sie es sein sollten. Ich denke, der Titel will uns sagen: Wenn etwas zu schön ist, um wahr zu sein, dann ist es das auch nicht. Wenn alles scheint wie aus einem Märchen, dann ergeht es einem wie Alice im Wunderland und man will irgendwann dann doch nur noch aufwachen... „Nichts kann der Mensch so schlecht vertragen, wie eine Reihe von guten Tagen!“

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute... Namaste!

Sonntag, 14. Februar 2010

"See ya in another life, brotha!" - LAX-Timeline-Review der ersten drei Folgen:

Ich bin ja bekanntermaßen ein brutalehrlicher Mensch und als solcher muss ich sagen, dass mich „What Kate Does“ im Vergleich zu den meisten anderen „Lost“-Folgen etwa so sehr gefesselt hat wie Testbild oder dessen Nachfolger „Die schönsten Bahnstrecken Deutschlands“. Daher tue ich mich mit der Review zu dieser Folge denkbar schwer und hole mal lieber den versprochenen Blick auf die Flash Sideways in „LA X“ nach und hänge ein paar Gedanken zu denen in „What Kate Does“ gleich hinten an.

Jack sitzt also etwas bedeppert dreinblickend am Fenster, als Cindy vorbeikommt. Den anderen Flugzeugtyp verbuche ich jetzt mal unter: Produktionsbedingte Änderung – ebenso die Unterschiede bei Alter und Frisur der Charaktere. Ein beabsichtigter Unterschied ist aber mit Sicherheit, dass Jack nur eine Flasche von Cindy bekommt – die zweite braucht er ja ohne Crash auch nicht mehr. Könnte dies ein Hinweis darauf sein, dass Cindy stets eine Andere war und in der Crash-Timeline wusste, was passieren würde? Klingt zwar zunächst etwas komisch, doch, wenn ich mir überlege, was Jacob so alles im Voraus weiß und wie er seine Anweisungen erteilt, würde es schon Sinn machen.

Das Flugzeug wird anschließend ordentlich durchgerüttelt, doch der Crash bleibt aus, woraufhin sich Jack zu einer sehr bedeutungsschwangeren Äußerung hinreißen lässt: „Looks like we made it.“ („Sieht aus, als hätten wir es geschafft.“) Welcher Jack spricht da jetzt? Von hier an ist der Flug in jedem Fall anders und ich halte es für das beste die Charaktere in der LAX-Timeline mal nacheinander abzuarbeiten, doch zuerst werfen wir einen Blick auf die Insel selbst:

Die befindet sich wie Atlantis auf dem Grund des Meeres, doch sehen wir sowohl Teile des Sonarzauns und des Dharmadorfs als auch den Dharma-Hai und die Statue. Was uns suggeriert werden soll, ist wohl jedem klar: Jacks Plan hat funktioniert und Jughead hat die Insel versenkt. Aber ist das realistisch? Seit wann kann ein Wasserstoffbombenkern eine komplette Insel (eine zeitreisende noch dazu) einfach versenken. Okay, soviel ist sicher: was immer die Insel auf den Meeresgrund hinabgeschickt hat, ist zwischen den 1970ern und 2004 passiert oder es blieb in diesem Zeitraum etwas aus, das sie sonst am Sinken hinderte/gehindert hätte. Wie ich schon äußerte, glaub ich nicht, dass die LAX-Timeline mit Jughead in irgendeinem direkten Zusammenhang steht und weiterhin die Whatever-Happened-Happened-Regel gilt. Es wäre einfach logischer, da sonst viele in der fünften Staffel gelöste Rätsel wieder völlig bedeutungslos wären. Doch hat die alternative Zeitlinie stets existiert und hängt nicht mit Jughead und den Losties zusammen, würde alles passen, denn stürzt das Flugzeug nicht ab, wird die Bombe nie gezündet, aber etwas anderes würde passieren: der Vorfall würde ohne Bombe stattfinden. Lassen wir dieses Szenario mal einen Moment lang zu, dann stellt sich die Frage, ob Jughead nicht tatsächlich die elektromagnetische Energie, die bei der Bohrung entfesselt wurde, bündelte oder sich die Kräfte „aufhoben“ und nur soviel Restenergie beider Arten verblieb, dass der Schwan so konstruiert werden musste, wie er konstruiert wurde. Bleibt die Bombenexplosion aus, wird die elektromagnetische Energie vollends entfesselt und *plopp* – die Insel ist weg. Eine andere Möglichkeit wäre noch das Rad. Es gibt da diese geschnittene Szene aus Staffel 4, in der Ben in bester „The Prestige“-Manier auf seinen eigenen Körper hinübersieht, der in der Wüste liegt. Was wäre, wenn das Rad also nicht nur die Person verdoppelt, die es benutzt, sondern auch die Insel, die versenkt wird, denn daran erinnert die Szene ihres Verschwindens irgendwie – konzentrische Kreise auf der Wasseroberfläche, als hätte man einen Stein ins Wasser geworfen – und gleichzeitig dupliziert wird. Es existiert also noch eine zweite Insel irgendwo da draußen. Soweit die Theorien zur Insel, jetzt aber zu den Charakteren:

Jack: Bei Jack scheint sich in der Zeit vor dem Flug wenig oder gar nichts geändert zu haben. Doch vom Zeitpunkt des ausbleibenden Crashs an ändert sich selbst das, was man in der Originalzeitlinie als feste Größe eines Was-Wäre-Wenn-Szenarios angenommen hätte. Da wäre erst mal sein Verhalten bei den Turbulenzen – nicht er beruhigt Rose, sondern sie beruhigt ihn. Dann geht Jack zur Toilette und bemerkt diese mysteriöse rote Schramme (dunkelblauer, fast schwarzer Anzug, weißes Hemd, roter Fleck – die Farbsymbolik erklärt sich von alleine), die wie aus dem Nichts (oder aus einer anderen Welt) im Spiegel auftaucht und von dem realen Jack, der vor seinem virtuellen Abbild steht, nie bemerkt worden wäre und auch für uns nicht zu sehen ist. Die Schramme befindet sich im toten Winkel der Kamera. Was mit Jack während des Fluges dann noch passiert, hängt weniger mit ihm selbst als mit anderen Charakteren (Desmond, Kate, Charlie) zusammen und wird bei denen abgehandelt. Nach der Landung erfährt Jack, dass sein Vater nicht an Bord war und in Folge dessen kommt es zu einem Gespräch mit John, in dem Jack mal wieder seine Wunderheilerallüren bekommt und meint, Johns irreparable Lähmung operieren zu können. In „What Kate Does“ sehen wir Jack vom Taxi aus telefonierend am Flughafen stehen. Ich finde, es zeigt sich, dass Ben mal wieder recht hatte: Was erwartet Jack in diesem Leben, in das er so unbedingt zurück wollte? Wie sehr er unter den drei Jahren fern der Insel gelitten hat! Gut, jetzt erfährt er nie etwas von der Existenz der Insel und dem anderen Leben, das er hätte führen können, doch wenn sich der Crash-Timeline-Jack einredet, seinem anderen Ich ginge es damit wirklich besser, dann betrügt er sich selbst.

Jacob: Jetzt werdet ihr euch fragen: Warum den als zweites, der war nicht mal im Flugzeug. Ganz einfach: er hat das Leben vieler der anderen Passagiere beeinflusst, sie zu ganz entscheidenden Momenten ihres Lebens aufgesucht und wir müssen uns fragen: Konnte er das dennoch? Ging er mit der Insel unter und wenn ja, wann? Oder braucht er die Insel nicht. Fiel der Jacob-Faktor weg oder nicht? Die Frage müssen wir uns bei einigen Charakteren stellen: Was wäre, wenn Jacob sie nie besucht hätte? Gibt es Anzeichen, dass er sie nie besucht hat oder andersherum Hinweise, dass er es doch hat?

John: Bei John hat sich scheinbar wenig geändert, aber ich glaube das täuscht gewaltig. Er spricht mit Boone über den angeblichen Walkabout, der – nehme ich an – nie stattgefunden hat. Doch viel wichtiger ist wohl die Frage wie John einen Sturz aus dem achten Stock ohne Jacob hätte überleben sollen? Die Antwort ist denkbar einfach: gar nicht. Entweder war Jacob bei John oder er landete auf anderem Wege im Rollstuhl, was mal wieder ein Hinweis auf gewisse Kurskorrekturen des Universums sein könnte. Trotz allem wirkt John irgendwie optimistischer und das war wohl weniger der Jacob-Faktor als der MIB-Faktor (nein, keine Außerirdischen). Warum sollte nur Jacob Einfluss nehmen? Wäre ich „Samuel“, hätte ich John mir schon frühzeitig zurecht gebogen, denn durch Johns Besuch in der Vergangenheit wusste „Samuel“ ja schon, das John eine der beiden Hälften seines Loophole sein würde. Trotz seines schweren Schicksals scheint John mit sich im Reinen zu sein und dennoch wäre es voreilig zu sagen, sein Leben verliefe besser als ohne Insel, denn sein wir mal ehrlich: wirklich glücklich hat man John Locke nur gesehen, wenn er am Strand der Insel saß und er deren Allmacht spürte.

Kate: Als Jack, wenige Minuten nachdem er aufm Klo im Heck war, auf das Klo im Bug muss, steht Edward Mars davor und Kate ist drinnen. Beim Rausstolpern klaut sie Jack einen Stift, den sie später nutzen will, um ihre Handschellen zu knacken. Über ihre Flucht will ich gar kein Wort verlieren. Als Kate die Handschellen los ist und in Claires Tasche sieht, zeigt sich auch in dieser Realität ihre selbstlose Seite und sie hilft Claire. Kate ist wie auf der Insel zugegen, als bei Claire erste Wehen einsetzen. Ihr selbstloses Verhalten gegenüber Claire honoriert diese mit einer Kreditkarte. Gegenüber der Polizei deckt Claire Kate ebenso wie Sawyer wenig zuvor im Aufzug am Flughafen. Ferner gibt Kate Claire gegenüber vor unschuldig zu sein, was uns zu der einen Frage führt: Ist sie es in dieser Realität womöglich? Und weshalb hat sie keinerlei Interesse am Silbernen Koffer?

James: Bei James kann man das Fehlen des Jacob-Faktors durchaus erahnen, denn er wirkt sehr viel altruistischer und weit weniger verbittert. Eine mögliche Antwort könnte sein, dass er den Brief an Sawyer/Cooper nie schrieb und sein Leben nicht von Rachsucht bestimmt wurde. Doch dann stellt sich die Frage, wie es ihn in diesen Flieger verschlagen hat.

Hurley: Auch in dieser Realität hat Hurley im Lotto gewonnen und ist Chef von Mr. Clucks, doch sagt er, die Zahlen hätten ihm Glück gebracht, statt ihn verflucht zu haben, was uns zu zwei entscheidenden Fragen führt: Waren es die selben Zahlen? Und, wenn ja, woher hat er sie? Denn hat er sie auch in dieser Realität von Lennard, müsste der sie auch weiterhin von der Insel haben und das würde Jughead als Auslöser der versunkenen Insel und der alternativen Zeitlinie wohl entgültig ausschließen. Nur wiederholt Lennard die Zahlen ja, weil er sie für die Büchse der Pandora hält und wenn all das in beiden Realitäten gleich wäre, käme ich zu dem Schluss, dass Hurley Lennard nach dem Lottogewinn nie in Santa Rosa aufgesucht hat und die Angst vor den Zahlen stets autosuggestiv war. Ob es Hurley mit diesem Verlauf seines Lebens nun wirklich besser geht, wage ich dennoch zu bezweifeln, denn in der Insel findet er eine Bestimmung und all das Pech, all die Entbehrungen der Crash-Timeline zeigen ihm, was für ihn wirklich wichtig ist und das kann man mit keinem Geld der Welt kaufen. Ein Lottogewinn ersetzt keine Freundschaften – so enge, wie die Insel ihm bescherte, schon gar nicht.

Sayid: Sayid hat einen iranischen und keinen irakischen Pass – was auch immer das bedeuten mag. Außerdem tritt er die Klotür ein, damit Charlie gerettet werden kann. Sayid ist für mich jedoch der größte Anhaltspunkt dafür, dass Jughead keine neue Zeitlinie erschaffen hat. Stürzt Flug 815 nie ab, lernt Sayid Ben nie kennen, wird nicht in Flug 316 sitzen und durch die Zeit reisen. Und selbst wenn es Sayid trotz allem auf die Insel ins Jahr 1977 verschlagen sollte, bleibt dennoch die Motivation aus, auf Ben zu schießen. Wird Ben nie angeschossen, wird er nie zum Tempel gebracht, wird dort nicht geheilt und bleibt somit ein Dharma-Mann. Selbst wenn Ben die Bombenexplosion überlebt, nimmt sein Leben ohne Sayid einen völlig anderen Verlauf. Also hätte Sayid Ben nie im Schwan treffen und später von ihm manipuliert werden können. Sayid und Ben verursachen einen Zirkelschluss, den man nicht mehr auflösen kann.

Ben: Bleiben wir direkt dabei und fragen uns: Was mit dem wohl passiert ist? Entweder ist er mit der Insel untergegangen oder aber sein Leben nahm einen komplett anderen Verlauf, da Sayid ihn nie angeschossen hat. Das wird spannend. Da Bens Leben schon in jungen Jahren grundlegend anders verlaufen sein dürfte, als in der Crash-Timeline, wäre es möglich, dass wir hier einen komplett anderen Menschen zu Gesicht bekommen. Wenn das so wäre, könnte man wirklich sagen, dass Sayid Ben zu dem gemacht hat, was er ist.

Sun: Bislang haben wir keinen Beleg, dass LAX-Sun Englisch spräche oder nicht. Sie belauscht scheinbar Rose und Bernard, doch könnte sie Jin theoretisch die Wahrheit sagen. Ebenso wäre es denkbar, dass sie wirklich nicht versteht, was die Frau von der Flughafensicherheit von ihr will. Ähnelt diese Sun jedoch nur entfernt unserer Sun, dann würde sie eher lügen und Jin vom Zoll auseinandernehmen lassen, ehe sie nur einen kleinen Hinweis darauf gibt, Englisch zu sprechen. Sun scheint in dieser Realität aber nicht mit Jin verheiratet zu sein, da sie als „Miss Paik“ angesprochen wird.

Jin: Obwohl Jin noch nicht mit Sun verheiratet ist, arbeitet er doch für ihren Vater. Das viele Geld in seinem Gepäck könnte ein Verweis auf Suns und Jins ursprünglichen Plan sein, sich in die USA abzusetzen, dort ein neues Leben zu beginnen und auch zu heiraten. Dass Sun und Jin in der LAX-Timeline noch nicht verheiratet sind, könnte mal wieder auf den ausgebliebenen Jacob-Faktor hindeuten, denn schließlich war er in der Crash-Timeline auf der Hochzeit der beiden und steht womöglich in noch engerem Zusammenhang mit ihrer Beziehung... ich sag nur: „Orange!“.

Claire: Bei ihr erleben wir keine wirklichen Überraschungen. Ich überlege nur die ganze Zeit, ob sie auch dieses mal von Malkin in den Flieger gesetzt wurde und wenn ja, warum er das getan haben sollte, sofern er sie nicht stets zu diesem nun getrennten Paar schicken wollte. Aber ist Malkin wirklich ein Hellseher und hat in der Crash-Timeline gewusst, dass Flug 815 abstürzt und wo, dann hat er in dieser Zeitlinie vielleicht auch gewusst, dass das Paar, zu dem er Claire geschickt hat, sich gerade getrennt haben und Claire ihren Sohn in L.A. zur Welt bringen würde. Bemerkenswert ist noch, dass Claire Aarons Namen in einer ähnlichen Situation einer Epiphanie gleich ausspricht, wie es in der Crash-Timeline auch die Mütter von Ben und John bei ihren Söhnen taten.

Boone: „It’s alive!“ Dass er sich mit Locke versteht, scheint hingegen in jeder Realität sein Schicksal zu sein. Wirklich interessant ist wohl die Frage: Wird er auch am Leben bleiben? Oder nimmt das Universum eine Kurskorrektur vor?

Shannon: Ist nicht an Bord des Flugzeuges, weshalb wir nur sagen können, dass sie in Sydney blieb und vermutlich nie mit ihrem Stiefbruder gemacht hat, was sie halt so gemacht haben, bevor sie in den Flieger stiegen. Sofern Shannon nicht dennoch das Zeitliche segnet, hätte sich zumindest für sie etwas verbessert, weil sie eben nicht von einer schießwütigen Ex-Polizistin über den Haufen geballert wird.

Rose: Tja, die hat sich vom Wesen her kaum verändert und mich beschäftigt sie derzeit dennoch am meisten, denn es stellt sich doch die Frage, ob sie auch in dieser Realität an Krebs erkrankt ist und Bernard sie zu Isaac geschleppt hat. Wäre dem so und hätte ihr Leben bis zu diesem 22. September 2004 auch sonst den selben Verlauf genommen, wäre es für sie das Todesurteil und somit zieht sie in jedem Fall Nachteile aus der alternativen Zeitlinie.

Bernard: Er kommt heil vom Klo zurück – sonst hören und sehen wir nicht wirklich viel von ihm. Was man an dieser Stelle noch erwähnen sollte, ist die andere Sitzreihe: 24 statt 23 (gilt natürlich auch für Jack und Rose).

Charlie: „I was supposed to die“ („Ich war bestimmt zu sterben!“) – dem ist nichts hinzuzufügen. Charlie mag in der LAX-Timeline leben, doch alles, was jetzt auf ihn zukommt, hätte er wohl mit Freuden gegen die Wochen auf der Insel und den Heldentod eingetauscht. Er hat sich äußerlich verändert, ist aber auch in dieser Zeitlinie ein Junkie, der jedoch auch auf Entzug so bedeppert ist, dass er die Plastiktüte gleich mitschlucken will: Guten Appetit! Jacks Rettungsversuche weisen gewisse Parallelen zu seiner Ersten Hilfe nach dem Absturz in der Originalzeitlinie und seiner Rettung Charlies nach dessen Begegnung mit Ethan auf.

Desmond: Für Des gab es wohl mitunter die größten Einschnitte und zwar nicht nur, weil er bei der Regatta nie auf der Insel stranden konnte, denn je nachdem, wann die Insel versenkt wurde, starb Charles Widmore wohl dort oder hat sie zuvor verlassen. Nur wenn das Leben von Charles und Eloise anders verläuft, wäre es denkbar, dass Penny nie das Licht der Welt erblickt hat oder auf der Insel aufwuchs. Desmonds mysteriöses Auftauchen und Verschwinden und der Ehering an seinem Finger ließen noch einen anderen Schluss zu: er trifft Jack tatsächlich in einem anderen Leben. Wenn Daniel recht hatte und Desmond die Ausnahme ist und tatsächlich einen Weg gefunden hat, direkt Einfluss auf die verschiedenen Realitäten zu nehmen, könnte dieser Desmond wirklich unser Desmond sein und er wäre dann auch mit Penny verheiratet. Desmond hat in Staffel 3 bereits eine alternative Zeitlinie „bereist“ bzw. durch seine Zeitreise eine geschaffen. Könnte er eine Möglichkeit zur kontrollierten Reise zwischen den Welten gefunden haben?

„Samuel“/Man in Black: Er könnte der Grund sein, warum die Insel wirklich am Meeresgrund liegt: Entweder weil er sie versenkt hat oder weil man sie wegen ihm versenkt hat. Im ersten Fall könnte er nach Hause gegangen sein, im zweiten wurde er wohl daran gehindert. Apropos: Geht es nur mir so, oder erinnert der Heilquell euch auch etwas an ein Becken oder Tank, der gezielt geflutet wird, um ein auf dem Wasser schwimmendes Objekt zu versenken? Also für mich sah das weniger aus, als würde das Wasser natürlich hinein fließen, sondern mehr wie wenn es hinein gepumpt würde bzw. als würde das Becken durch eine Absenkung geflutet.

Michael und Walt: Beide sind nicht an Bord des Fluges, was darauf hinweisen könnte, dass Susan Lloyd noch lebt, doch letztlich wäre alles andere wohl überaus spekulativ.

Juliet Burke: Die kam wohl nie auf die Insel und ist noch bei ihrer Schwester daheim... schätze ich mal. Entscheidend auch hier: wie hätte sie Klein-Bens Leben vor der Detonation von Jughead, die sie überdies ausgelöst hat, retten sollen, wenn sie nie auf der Insel war.

Edward Mars: Der kann einem langsam nur noch leid tun. Jedes Mal wenn er sich Kate gegenüber menschlich verhält, nutzt sie es aus. Man kann es ihr nicht verdenken, doch der Mann hat’s mit ihr echt nicht leicht. Aber er hat in dieser Realität zumindest keinen rostigen Metallsplitter von der Größe eines Pizzatellers in seinen Eingeweiden – auch was wert.

Seth Norris: Der fliegt auch in dieser Zeitlinie Flug 815 und mir stellt sich doch die Frage: kam auch dieser Flug vom Kurs ab, denn wenn nicht, liegt die Insel woanders unter Wasser als sie sonst über Wasser lag. Wir erfahren jedoch nichts von einer unplanmäßigen Kursänderung.

Ethan Goodspeed: Ethan ist Gynäkologe in Los Angeles, ist auch hier Claires Arzt (diesmal jedoch nicht gegen ihren Willen) und... Stop! Moment mal! Wenn Jughead tatsächlich Auslöser der alternativen Zeitlinie wäre und die Insel wirklich versenkt hätte, wie kommt Ethan dann bitte – und dazu unverstrahlt und an einem Stück – nach Los Angeles? Habt ihr Amy irgendwann nur in der Nähe der Galaga gesehen? Was sollte sich für Ethan geändert haben, dass er in der Crash-Timeline da blieb und in der LAX-Timeline die Insel verlassen hat. Ist der Vorfall die Astgabelung und hat Jughead die neue Zeitlinie ausgelöst und die Insel versenkt, müsste Ethan zu diesem Zeitpunkt auf der Insel gewesen sein, doch wäre er dann tot. Ethans Erscheinen im Los Angeles der LAX-Timeline ist das bislang stärkste Indiz dafür, dass Jughead allenfalls indirekt mit der versunkenen Insel und der neuen Zeitlinie zu tun hat.

Ana, Libby und Eko: Sind alle drei nirgends zu sehen. Da sie im Heck saßen, könnten sie dennoch an Bord gewesen sein, ohne dass wir sie zu Gesicht bekommen haben.

Christian: Christian war nicht an Bord von Flug 815, doch wissen wir bis heute nicht sicher, ob er das in der Crash-Timeline war, obgleich es wahrscheinlich wirkt, denn letztlich gibt es für sein Erscheinen auf der Insel nur zwei logische Erklärungen: Jacob oder der Heilquell haben ihn wie John bzw. Ben und Sayid ins Leben zurückgebracht ODER „Samuel“ hat wie bei Yemi, Alex und John die Leiche benutzt, um sich Christians Gestalt anzueignen, denn genau wie Yemi und Alex verschwand auch Christian spurlos. Aber wo ist er in der LAX-Timeline... Ja, John, ich weiß: woher soll man wissen, wo er ist? Ich meine jetzt aber Sarg und vor allem Leiche und ich denke mal, ich bin nicht der einzige, der mutmaßt, dass jemand, der im Lagerraum gehockt hätte, einen Sarg in weißem Licht verschwinden gesehen hätte.

Frank: Auch in dieser Zeitlinie ist er nicht Pilot von Flug 815.

Charles: Was mag mit dem wohl passiert sein? Also so viel ist sicher: Hat diese neue Zeitlinie schon immer existiert, hat Ben ihn in ihr nie abgelöst – könnte das in Zusammenhang damit stehen, dass die Insel auf Tauchstation gegangen ist?

Leslie Arzt: Dr. Arzt hat sich selbst wohl nicht verändert, aber zumindest wird er sich jetzt nicht mit schwitzendem Dynamit in die Luft jagen. Schade für uns (wegen dem hohen Unterhaltungswert^^) – wünschenswert für ihn!

Miles: Der hat die Insel kurz vor dem Vorfall verlassen, weshalb sein Leben wohl erst später einen signifikant anderen Verlauf nimmt.

Daniel: Der zieht wohl immer die Arschkarte. Entweder sein Plan hat funktioniert und Jughead ist der Auslöser, dann wurde er nie geboren. Haben die Zeitlinien eine andere Astgabel, wird er in der Crash-Timeline stets sterben und in der anderen... das weiß wohl Jacob allein.

Charlotte: Die hat in jedem Fall ein besseres Leben, denn es dauert nun wohl erheblich länger.

Richard: Der hat „sie sterben sehen“ – wieder ein Indiz für zwei unabhängige Zeitlinien. Wäre dem nicht so, müsste Richard außerdem derjenige sein, der tot ist.

Ich hoffe mal, dass ich es noch vor Dienstag schaffe ein bisschen was zu der Inseln-Handlung von „What Kate Does“ zu Papier zu bringen. In jedem Fall wünsche ich all den Jecken einen schönen Rosenmontag und dem noch zurechnungsfähigen Rest (man merkt, wie sehr ich die Karnevalszeit „liebe“), dass er irgendeinen sicheren Ort (Luftschutzkeller, Sonarzaun, Aschekreis, Panicroom, Dharma-Station etc.) findet, wo man sich gut vor den narren verstecken kann... tätäh – tätäh – tätäh!

Namaste und Dharma-Alaaf/-Helau etc. pp. usw.-

Mittwoch, 23. Dezember 2009

Slosties und Frohe Weihnachten!

Da ich ja allen Religionen über offen bin wünsche ich mal den Christen ein Frohes Weihnachtsfest, den Muslimen schönes Aschura (was auch immer das ist?), unseren Mitbürgern jüdischen Glaubens ein wundervolles Chanukka-Fest und den ganzen Heiden, Agnostikern, Atheisten und Anhängern des Alt-Römischen Glaubens wünsche ich besinnliche Saturnalien. Ich hoffe, ich hab jetzt keinen ausgelassen. Feiern Hindus und Buddhisten derzeit irgendwas?
Nun aber zu "Lost" also, die Review zu "Mutterschutz" mach ich noch fertig, aber dann hab ich auch erstmal Weihnachtsferien. Zwar werde ich im Laufe der nächsten Tage noch die Gastbeiträge kurz überarbeiten, aber wieder voll und ganz ans Werk gehe ich erst nächste Woche. So langsam aber sicher stehe ich nämlich kurz vor einem Inselkoller.
Gestern war ich aber nochmal richtig fleißig und hab nicht nur die Review fast fertig geschrieben, sondern auch den vorerst letzten Schwung Slosties gebastelt. Ursprünglich wollte ich Lost-Charaktere mit weihnachtlichem Brauchtum verknüpfen. Dann kam mir aber die Idee, man könnte auch die drei Lost-Macher als Southpark-Charaktere machen. Übrigens sei bei dieser Gelegenheit noch einmal auf die großartige Arbeit der Betreiberin dieser Seite hingewiesen. Langer Rede kurzer Sinn: Da ich mich zwichen den beiden Möglichkieten nicht entscheiden konnte, gibt's jetzt beides.
Zunächst Darlton und J.J.:

Star Trek, Lost, Alias, Cloverfield... der Mann ist überall zu Hause


An dieser Stelle sollte man Carlton wünschen, dass es zu Weihnachten mal wieder ein schönes Stephen-King-Buch gibt...^^


Also Damons Brille hat mich offengestanden an den
Rand der Verzweiflung getrieben, aber dafür ist sie
doch ganz gut geworden.

Jetzt aber zu einer Slostastischen Weihnachtsgeschichte^^:
Gott beschloss, dass es langsam mal an der Zeit wäre, den Menschen ein "Loophole" für ihre Sünden zu gewähren.
"Jetzt tut mal nicht so überrascht"

Gott dachte sich, dass ein Sohn, der die Sünden der Menschen trägt, da eine richtig gute idee war und deshalb schwängerte er eine Jungfrau aus Sydney und sandte ihr seinen Erzengel Ricardos:
"Was heißt 'Ille qui nos omnes servabit' auf Aramäisch?"


"Ich bin schwanger? Wie konnte das denn nun wieder passieren?"

Die "Jungfrau" hatte auch einen Mann, der total gläubig war und kein Problem damit hatte, das Kind von einem Anderen großzuziehen, wenn dieser Andere Gott/Jacob war:
"This was never the way I planned, not my intention"

Und irgendwann (am 25.12.) kam dann klein Aaron Christus zur Welt... oder wie sein Ziehvater ihn nannte: "Der heilige Rübenkopf"
Er kann zwar Wasser in Milch verwandeln, aber
mit dem Sprechen haperts noch etwas.

Ricardos ging aber auch zu den Hirten (Achtung!: Wortspiel) auf den Weiden und rief sie zur Dharma-Station "Die Krippe":
Und dann waren da natürlich noch die drei Weisen, die einen Stern sahen und ihm zur Krippe folgten. Sie brachten dem Kind Geschenke dar: Gold,
"Ich bin Mr. Caspar und bringe das Gold, weil Belchior mich mit dem Weihrauch nicht allein lassen wollte."

Weihrauch und
"Also nee, Jacob, ich mach ja viel Scheiß mit,
aber so haben wir nicht gewettet. Es wraen sowieso
'Die drei Weisen' und nicht 'Die heiligen drei Könige'"

.... ein Jagdmesser?
"Mit Myrrhe kann so ein Kind doch gar nichts anfangen!"


Aber auch folkloristisches hab ich im Angebot. So zum Beispiel: Radzinsky the Red-Nosed Reindeer:
"Das ist ein Rentier! Erschießt es! Erschießt es!"
(So ist das mit dem Fleck an der Decke also passiert....)


Und noch ein ganz spezieller Grinch, der immer noch ein Loophole sucht, um sich vor dem Weihnachtsfest zu drücken:


Also FROHE WEIHNACHTEN!!!

"WALT?!"

Sonntag, 13. Dezember 2009

Gastbeitrag von Furya: The Long Con

Hi Leute,
ihr kennt das Verfahren ja mittlerweile: kursiv gedruckte Passagen sind für gewöhnlich von Anubis2705 (also von mir) und der weitaus größere Rest vom Autor des Gastbeitrages, welcher heute Furya heißt. Ich denke mal, die meisten kennen Furya von den zahlreichen Comments hier und auch im Lostpedia-Blog, weshalb ich mir weitere Vorreden auch spare:

„The Long Con“, oder zu deutsch „Langer Atem“ - wieder mal ein Beweis dafür, dass die Übersetzer wohl Boggle spielen, wenn sie die Episodennamen ins deutsche übertragen. Das eine hat ja mit dem anderen nicht wirklich was zu tun. Gut, "Der lange Betrug" klingt auch nicht sonderlich gut, aber wenigstens wird hier gleich klar, um was es geht. Naja, los geht’s:

Diese Folge beginnt mit dem Traumpaar der Insel: Jack und Locke. Beide sind im Schwan und begutachten die Waffenkammer. Jack stellt die Pistolen des Marshals mit zu den anderen Waffen und beide einigen sich darauf, dass nur sie beide die Kombination kennen. Als Jack John jedoch danach fragt, antwortet der nur widerwillig, denn er weiß wie wir ja, dass Jack eine Armee gründen will. Und was wäre eine Armee ohne Waffen? John wird sich also denken, dass Jack über kurz oder lang die Waffen aus der Kammer holen und damit eigenmächtig Jagd auf die Anderen machen wird. Der Deal der beiden lautet letztlich, dass beide nur mit Einverständnis des jeweils anderen die Waffenkammer betreten. Interessant dabei sind einige Dinge, die die beiden so sagen. Locke zum Beispiel sagt, dass er keine 7 Statuen der Jungfrau Maria zerbrechen wolle, da er abergläubig sei („I'm superstitious.“). Jetzt lassen wir einmal das "Aber-" weg und schon wissen wir, was John wirklich ist. Desweiteren meint John, dass Jack die Kombination nur will, weil er ja von einer Klippe fallen könnte und das kein „issue of trust“ (Frage des Vertrauens) sei. Hier beginnt also schon das, was sich in späteren Episoden noch weiter verstärken und sich eigentlich bis zu Benthams Tod durchziehen wird: Jack misstraut John. Doch tut er das auch berechtigter Weise? Meiner Meinung nach schon, denn wir wissen immer noch nicht, was John denn genau da im Dschungel gesehen hat, als er in Staffel 1 das Wildschwein gejagt hat. Ich denke, er wurde dort schon sehr stark von einer Macht der Insel beeinflusst und handelt nicht mehr nur nach seinem Gewissen, obwohl es für ihn so scheint. Ich würde nicht soweit gehen, dass er schon hier besessen war oder ein anderer seinen Körper übernommen hat. Aber eine starke Beeinflussung, stärker als es den Anschein hat, hat auf jeden Fall stattgefunden. Auch sehr interessant finde ich, wie schnell sich doch Jack die Kombination merken kann. Wenn man nicht gerade ein Gedächtnisexperte ist, denke ich, hätte sich jeder Mensch diese Kombination ein zweites Mal angehört. Doch Jack sagt sofort, dass er sich die Kombination gemerkt hat. Wieder ein Indiz für die Zeitschleifen-Theorie. Aber auch interessant ist, dass John nachfragt, ob Jack sie ein zweites Mal hören will. Ich in Lockes Position hätte sie durchaus sofort ein zweites Mal angesagt, er fragt jedoch nach. Vielleicht ahnt ja John, dass Jack viel mehr weiß, als er zugibt.

Aber nun endlich zu Sawyer, denn schließlich ist er die zentrierte Person dieser Episode: Er macht sich ein wenig über Charlie lustig, der ja aufgrund seiner Taten in "Feuer + Wasser" umziehen muss. Charlie hingegen macht Sawyer erst einmal darauf aufmerksam, dass Jack sein Zelt durchwühlt. Dieser will nämlich die medizinischen Vorräte zu den Waffen packen und sucht daher alle zusammen, die von Sawyer aus dem Schwan gestohlen wurden. Dieser sieht die Besitzansprüche jedoch ein wenig anders, er denkt nämlich, dass Jack sie zuvor aus seinem Besitz gestohlen hat. Nur weil er auf dem Floß war und über die halbe Insel gewandert ist, ist das ja nun auch wirklich kein Freibrief zum plündern der zusammen geplünderten Sachen von Sawyer. Sawyer droht Jack, dass etwas Schlimmes passieren wird, wenn er nicht sofort aufhört. Als Jack weg geht, hätte wohl jeder gedacht, dass Sawyer ihn sofort verprügelt. Deutet man Sawyers Blick, so hätte man wohl mindestens ein weiteres Grab benötigt. Doch Sawyer wäre nicht ein meisterhafter Betrüger, wenn er nicht ein wirklich genialen Plan hätte. Aber bevor wir zu dessen Durchführung kommen, werde ich eben die Flashbacks zusammenfassen.

Hier sehen wir Sawyer und Cassidy zusammen im Bett. James hat einen "Termin" und macht sich eilig auf den Weg, doch der Koffer mit dem Geld geht auf und so will Sawyer allem Anschein nach seinen üblichen Betrug durchziehen. Bin ich eigentlich der einzige, der findet das Con einfach mal viel besser klingt, als Betrug? [ausnahmsweise kam das Kursivgedruckte hier mal nicht von Anubis, sondern vom Verfasser selbst]. Cassidy ist aber nicht dumm und durchschaut Sawyer sehr schnell. Sie sagt außerdem, dass es bei ihr nichts zu holen gäbe, da sie aus ihrer Scheidung kein Geld bekommen hat. Sawyer spielt mit, aber mal ehrlich, selbst wenn er nicht gewusst hätte, dass Cassidy echt reich ist, jede Frau, die einen reichen Mann hat und sich in den USA von ihm scheiden lässt, zieht Gewinn daraus - zumindest, wenn es keinen Ehevertrag gibt. James weiß natürlich sowieso , dass Cassidy Geld hat. Die will jedoch bei ihm in die Lehre gehen, quasi der Anakin für Sawyer. Schade eigentlich, dass Trickbetrüger kein anerkannter Ausbildungsberuf ist [das war jetzt wiederum Anubis].

Das nächste Flashback zeigt dann, wie Sawyer und Cassidy zwei junge Männer betrügen. Sie verkaufen ihnen gefälschte Goldketten, an denen jedoch echt hohe Preise stehen. Dass der Verkaufspreis bei Sawyer natürlich viel geringer ist, versteht sich von selbst. Wie das Ganze abläuft dürfte jedem bekannt sein, deshalb verzichte ich hier darauf, das zu beschreiben. Als nächstes sieht man die beiden im Badezimmer, wo Cassidy endlich einen „big Con“ (großen Betrug) machen möchte. Sawyer berichtig sie, bringt aber ein Gegenargument: Man braucht Geld dafür. Jetzt sagt Cassidy endlich die Wahrheit, nämlich dass sie $600.000 aus der Scheidung erhalten hat. Sawyer stimmt nun also dem „Long Con“ zu. Dass der längst läuft, ahnt Cassidy hier noch nicht.

Als nächstes sehen wir Sawyer in einem Truck-Stop (oder was auch immer es ist - vielleicht ja ein "Pit-Stop" [Anubis]) sitzen und Biertrinken. Die Kellnerin ist übrigens die Mutter von Kate, was wieder einmal zeigt, dass sich die Losties schon vor dem Absturz öfters über den Weg gelaufen sind... Sein „Freund“ Gordy kommt dazu und fragt Sawyer nach dem Geld von Cassidy. Er sagt, er habe es alles, aber das gibt er nur widerwillig zu. Er hat sich halt irgendwie in Cassidy verliebt. Als Sawyer dann sagt, er wolle den Job nicht zu Ende bringen, will Gordy ihm oder Cassidy (das würfelt er dann wohl noch aus) eine Kugel in den Gehörgang schicken - das geht aber nicht, dann hören die ja nichts mehr [ihr wisst schon ;-)]. Es stellt sich mir hier die Frage, ob Sawyer ohne das Drängen von Gordy vielleicht mit Cassidy so einen großen Betrug durchgezogen hätte, dass er sich dann tatsächlich zur Ruhe hätte setzen können. Hätte er mit Cassidy eine Familie gegründet? Hätte er seine Suche nach dem echten Sawyer aufgegeben, um mit seiner Liebe zusammen zu bleiben? Ich glaube schon, denn Sawyer ist im Grunde seines Herzens ein guter Mensch, der vor allem von seiner Außenwelt dazu gedrängt wird, böses zu tun. Sicher ist er zu grausamen Taten fähig, aber viele tut er nur, weil andere ihn vorher ungerecht behandelt haben.

Das Ende des Liedes ist eigentlich ziemlich traurig. Sawyer kommt aufgeregt zu Cassidy nach Hause und gesteht ihr alles. Er sagt, dass sein Freund Gordy draußen wartet und beide töten wird, wenn sie nicht in 2 Minuten mit dem Geld draußen sind. Sawyer wäre aber nicht Sawyer, wenn er nicht einen Plan hätte. Er packt das Geld vom Aktenkoffer, mit dem er gleich das Haus verlassen muss, in eine kleine Tasche, die er dann Cassidy in die Hand drückt. Die soll verschwinden, die beiden würden sich später in einem Hotel wieder treffen. Cassidy verlässt das Haus und Sawyer geht mit dem Koffer durch die Vordertür. Er setzt sich in das Auto, zählt große amerikanische Flüsse und geht dann wieder hinein. Hier zeigt sich, dass er die Tasche von Cassidy vorher mit einer gleichartigen ausgetauscht hat und nun im Besitz des Geldes ist. So funktioniert also ein großer Betrug, also falls ihr auch mal wollt (Ich rate davon ab, die Polizei sieht sowas nicht gern - Na, toll, das sagst du mir jetzt! Wo soll ich jetzt mit der Sporttasche hin? Super, echt super [Anubis, ehemals angehender Trickbetrüger]). Wenn Sawyer dann das Haus endgültig verlässt, sieht er ein Foto von sich und Cassidy. Er legt es auf den Tisch, weil er den Anblick nicht ertragen kann. Das zeigt mir, dass er wirklich Gefühle für Cassidy hatte. Doch gefesselt in dem Verhalten, das er seit Jahren an den Tag legt, hat er das geopfert für gerade einmal $600.000, von denen er wahrscheinlich nur einen Bruchteil behalten kann. Was mir aber an dem Foto noch aufgefallen ist, ist die frappierende Ähnlichkeit zu einem anderen, oft gesehenen Foto. Hier einmal der direkte Vergleich:

Die beiden Fotos sehen sich wirklich ziemlich ähnlich. Das kann natürlich nur Zufall sein, schließlich haben viele Paare solche Fotos voneinander. Aber wir sind ja hier bei Lost, und da ist nichts Zufall. Was könnte man uns also damit sagen wollen? Dass zwischen Cassidy und Sawyer eine ähnliche Beziehung besteht, wie zwischen Penny und Desmond? Wohl kaum, denn wir wissen, dass Cassidy James nicht wirklich leiden kann. Cassidy könnte Sawyers Konstante sein, das halte ich sogar für sehr wahrscheinlich. Aber wieso nimmt eigentlich Cassidy Desmonds Position ein? Könnte sie vielleicht auch schon einmal auf der Insel gewesen sein? Könnte sie ebenso eine Ausnahme der Regel sein? Oder geht es weniger um die Personen auf den Fotos als vielmehr um deren Nachwuchs? Immerhin sind Clementine, Charlie (Hume), Ji Yeon und Aaron etwa in einem Alter. Vielleicht wird sich bei ihnen das Schicksal wiederholen und sie alle gemeinsam auf die Insel führen.

So, jetzt sind wir fertig mit dem ersten Betrug, kommt doch gleich der Nächste. Denn auf der Insel spielt Sawyer auch sein Spielchen. Angestachelt von Jack beginnt er also, die Räder in Bewegung zu setzen (interessante Wortwahl^^ [Anubis]). Sawyer ordnet gerade seine Sachen, nachdem diese von Jack durchwühlt wurden, als Kate kommt und ihm ein Frauenmagazin bringt. Er würde es gern lesen, hat aber die Brille auf dem Floß verloren. Kate soll ihm vorlesen und sucht sich einen Artikel über sensible Männer heraus. Da kommt Locke und geht zu Claire. oraufhin Sawyer meint, Locke habe auch Bedürfnisse. Aber ob Claire wirklich die richtige Zielgruppe ist, das bezweifle ich mal ganz stark. Auf jeden Fall bringt Sawyer dann Jack und Ana ins Gespräch, die ja ihre Armee gründen wollen. Kate wusste davon nichts und so zieht Sawyer sie mit auf seine Seite.

Sayid foltert unterdessen ein paar wehrlose Kokosnüsse. Unser (Lieblings-)Iraker hat momentan echt Wut im Bauch, verständlich nach dem Tod von Shannon. Das er es an Nüssen auslässt ist trotzdem nicht fair (praktisch, dass nächste Folge eine gar nicht so hohle Nuss zum verprügeln vorbeischaut [Anubis]). Hurley kommt zu ihm und will ihm das Funkgerät von Bernard geben, doch Sayid sagt, dass es sowieso keinen Sinn hat, da Rousseaus Signal alle blockiert. Dass es nicht nur der Funkturm ist, sondern auch der Spiegel, kann natürlich keiner wissen. Hurley lässt Sayid das Ding trotzdem da und geht.

Ana versucht unterdessen mit Jack zu reden. Ana möchte nämlich gern die Kombination für die Waffenkammer aber Jack rückt die nicht heraus. Das hat er Locke schließlich versprochen. Jack fehlt der Grund, die Armee wirklich auf zu stellen. Den bekommt er aber in Form von Sun geliefert (Sun ist in der Tat immer ein guter Grund, um eine Armee aufzustellen^^ [Anubis...mal wieder]). Die ist gerade im Garten und pflegt ihre Pflanzen, als es im Gebüsch raschelt. Es ist aber „nur“ Vincent, der sich dann auch gleich wieder davon macht. Der Hund ist echt immer da, wo es Ärger gibt. Dann fängt es auch noch an zu regnen (ein weiteres Zeichen für das drohende Unheil) und plötzlich hat Sun einen Sack auf dem Kopf und wird in den Dschungel geschleift. Kate und Sawyer hören Suns Geschrei am Strand und helfen ihr. Besonders Sawyer legt sich hier richtig ins Zeug, obwohl er ja der eigentliche Drahtzieher der Geschichte ist. Er liefert Kate sogar die Beweise für seine Tat, ohne dabei sich als Verdächtigen zu präsentieren. Denn der Sack ist tatsächlich anders als einer von den Anderen und die hätten Sun auch nicht liegen gelassen. Sawyer lenkt den Verdacht geschickt auf Ana und Jack, die so angeblich Losties für ihre Armee gewinnen wollen.

Jack, John und Ana debatieren unterdessen darüber, ob man sich bewaffnen sollte oder nicht. Locke ist strikt dagegen, weil er sich noch gut an Shannon erinnern kann. Jack scheint das vergessen zu haben und Ana denkt eh' nur daran, die Anderen über den Haufen zu schießen. Interessant ist, dass Locke den Anderen nicht zutraut, dass sie die Grenze überschreiten würden, seinen eigenen Leuten jedoch genau das zutraut. Er vertraut den Anderen, den Losties hingegen nicht. Hier wird schon gezeigt, wohin Lockes Reise führt.

Locke kriegt dann auch noch Besuch von Kate, die ihm Sawyers Zweifel weiter gibt. Dass Locke schon ganz ähnlich gedacht hat, tut sein Übriges und Locke kommt zu dem Schluss, dass die Waffen nicht mehr sicher sind, solange Jack weiß, wo sie verwahrt werden. Kate geht nun auch zu Jack und hegt bei ihm auch Zweifel an Anas Aufrichtigkeit. Der fragt sofort nach und bekommt nicht wirklich eine klare Antwort. Alles deutet also auf Ana als Entführerin hin.

Sun wacht nun endlich auf und kann nichts zu dem Vorfall sagen (wieder eine sehr interessante Wortwahl^^ [Anubis]). Sie hat nichts gesehen (wie auch mit 'nem Sack auf dem Kopf) und so bleibt das Ganze weiterhin sehr mysteriös. Jin will nun zu allem Überfluss auch noch eine Pistole, um seinen privaten Krieg mit den Anderen zu führen. Kate geht zu Sawyer und der macht sich über die Situation lustig. Er hat ja nichts damit zu tun und will auch nichts damit zu tun haben. Kate bittet ihn aber, zu Locke zu gehen und diesen zu warnen. Der sieht keinen Grund dazu, doch Kate überzeugt ihn letztlich doch. Sawyers Vorgehen ist wirklich einmalig, er hätte es auch als Schauspieler geschafft, wenn er kein Verbrecher geworden wäre.

Im Schwan durchsucht Locke unterdessen die Bücher, wahrscheinlich auf der Suche nach weiteren Schnipseln des Orienitierungsfilms. Sawyer berichtet ihm von Jacks Vorhaben und Locke will die Waffen verstecken, während Sawyer auf den Knopf drücken soll. Sawyer erklärt sich widerwillig bereit dazu. Jack kommt später auch in den Schwan, um die Waffen zu holen, findet jedoch eine leere Waffenkammer vor. Ist doch jetzt ein prima Gästezimmer, oder? Er fragt Sawyer, wo die Waffen sind, der gibt aber vor, nichts zu wissen. Jack geht also zu Locke an den Strand. Es ist mittlerweile Nacht geworden und am Lagerfeuer kommt es also zur Konfrontation zwischen John und Jack. Sie streiten sich, wer denn nun ihren Pakt gebrochen hat doch dann zerreißen Schüsse die Lagerfeuerstimmung. Sawyer kommt mit einer Awtomat Kalaschnikowa, obrasza 47 (orig. Автомат Калашникова образца 47) aus dem Dschungel und legt seinen Betrug endlich offen. Doch jetzt ist es zu spät, er hat die Waffen und ist der „new sheriff in town“ (der neue Sheriff in der Stadt). Kates Blick zeigt, dass sie genau weiß, dass Sawyer sie dazu benutzt hat, seinen Plan durchzuführen. Doch das ändert nichts daran, dass Sawyer es geschafft hat, die Differenzen zwischen Locke und Jack zu seinem Vorteil zu nutzen. Später kommt Kate zu Sawyer und fragt ihn aus, wie er es denn angestellt hat, die Waffen zu bekommen. Doch Sawyer verrät nichts. Kate bringt unterdessen den Sinn dieses Betrugs ans Licht. Denn um die Waffen ging es Sawyer bestimmt nicht und um die Macht am aller wenigsten. Ihm ging es wirklich nur darum, dass die Leute ihn hassen, mehr als jeden anderen. Diesen Posten hatte er nämlich durch Charlie verloren, der war in der Zwischenzeit wirklich von vielen gehasst. Und wenn die Losties wüssten, was Charlie mit Sun gemacht hat, er wäre wohl noch ein Stück weiter am Strand angesiedelt worden.

Doch trotz all des Streits gibt es wieder etwas Gutes am Strand zu sehen. Sayid hat nämlich den Empfänger von Bernard repariert und sucht nun mit Hurley nach einem Signal. Erst empfangen sie nur Rousseaus Nachricht, doch dann empfangen sie einen Radiosender. Hurley freut sich, doch Sayid klärt ihn auf. Die Radiowellen sind von der Atmosphäre reflektiert worden, weshalb das Radiosignal von irgendwoher kommen könnte. „Or, anytime. -- Just kidding, dude.“ (Oder irgendwann – Ich mach nur Spaß, Alter [wurde mir so vom Wörterbuch übersetzt]) Irgendwann? Hugo, das ist kein Spaß, das ist wirklich möglich. Dieser Scherz von Hugo zeigt, dass Darlton wirklich schon wussten, wo das Ganze einmal hinführt.

Charlie und Sawyer haben zum Schluss nun auch noch ein Gespräch, in dem letztlich nur geklärt wird, dass die beiden die Entführung von Sun inszeniert haben. Sawyer gibt Charlie eine der Statuen, doch Charlie sagt, er hätte das alles nur getan, damit Locke blöd da steht. Applaus dafür, das hat er geschafft. Doch als Charlie fragt, warum Sawyer das getan hat, bekommt er nicht wirklich eine Antwort. Sawyer sagt nur, dass er kein guter Mensch sei, dass er nie etwas Gutes im Leben getan hat. Hier muss ich ihm einfach widersprechen. Immerhin hat er für Clementine ein Konto eingerichtet mit einer Menge Kohle darauf. Ansonsten war Sawyer zwar in der Tat wirklich nicht gerade Mutter Theresa, aber nur Böses hat er nicht getan. Und ein schlechter Mensch ist er auch nicht, auch wenn er das bis jetzt nicht sehr oft gezeigt hat. So, das war es jetzt für meine erste Review, ich hoffe es hat euch gefallen, ihr lest mich dann zu „Die ganze Wahrheit“ wieder.


Now it's my turn ;-):

Wie immer zunächst ein paar kleine Bemerkungen zu der Review selbst, die durchaus sehr gelungen war, aber irgendwas findet sich ja immer und bei jedem, wo man mal noch was ergänzen oder anmerken kann. Bei der Sache mit dem Aberglauben möchte ich noch hinzufügen, dass es schon auf Johns wahren Glauben hinweist, wenn er christliche Symboliken als Aberglauben einstuft, denn normalerweise werden ja irgendwelche Mythen aus dem Volksglauben von christlicher Seite als Aberglaube (also falscher Glaube) eingestuft. Da John aber an die Macht der Insel glaubt, ist es für ihn wohl tatsächlich abergläubisch, auch christliche Symbole nicht zu zerstören. Er ahnt noch nicht, dass Insel-Papst Benjamin I. durchaus auch an Gott glaubt und sich Christentum und Insel keines Wegs ausschließen.

Bei der Stelle mit der Kombination widerspreche ich mal ein wenig: ich an Johns Stelle hätte nicht einmal nachgefragt, ob Jack es aufschreiben will, sondern gehofft, dass er sie wirklich vergisst und dann wieder zu überheblich ist, nochmal nachzufragen.

Bezüglich Kates Mutter meintest du ja, die Losties seien sich alle vorher schonmal begegnet. Streng genommen gibt es aber ja nur Verbindungen über eine oder mehr Ecken. "Lost" greift hier folglich die Six-degrees-of-separation-Regel auf. Diese auch als Kleine-Welt-Phänomen bekannte "Regel" besagt, dass alle Menschen über maximal sechs andere Menschen miteinander verknüpft sind. Das dazugehörige Experiment wurde von Stanley Milgram durchgeführt. Milgram? Ja, jetzt dürfte mal wieder bei so manchem das Glöckchen Sturm klingeln. Es ist tatsächlich eben DER Milgram, der auch das berühmt-berüchtigte Milgram-Experiment durchführte. Das führt mich wieder zu Jacob: Wie sehr sind die Anderen bereit seine Befehle auszuführen, auch wenn sie anderen dadurch schaden? Könnte Bens Mord am Experimentleiter nicht auch bedeuten, dass die Menschen sich gegen die göttliche Autorität aufzulehnen beginnen, anstatt weiter gegeneinander zu kämpfen. Gewinnt Jacob so das Spiel? Er lässt zu, dass Ben ihn tötet, weil das bedeutet, dass Ben seine Autorität nun ablehnt und so beweist, dass er seinem Gewissen mehr verpflichtet ist als Jacob. Ben beweist erstmals, als er den Auftrag bekommt Danielle zu töten, dass er sich gegen Autoritäten auflehnt, wenn sie Dinge von ihm verlangen, die er nicht mehr mit seinem Gewissen vereinbaren kann, weil sie grundlos grausam sind. Wenn Ben Jacob sagt, er hätte nie etwas hinterfragt und getan, was ihm aufgetragen wurde, stimmt das nicht. Ben hat immer hinterfragt, obgleich er das wenigste davon laut ausgesprochen hat. Ben ist Jacobs eigenes "Loophole", da "Samuel" von Ben glaubt er wäre seines. Doch wie könnte man besser beweisen, dass die Menschen gut sind, als wenn man ihnen alle Regeln, Gesetze und Autoritäten nimmt und zusieht, was passiert. Ein guter Mensch ist ja nicht nur der, der entgegen einer Autorität nach seinem Gewissen handelt, sondern vor allem der, der ohne jegliche Autoritäten und nur seinem Gewissen verpflichtet anderen keinen Schaden zufügt.

Damit bin ich auch schon bei Sawyer. Du sagtest er sei ein guter Mensch. Dem würde ich durchaus zustimmen - keine Sorge. Ich will hier nur mal noch das Zauberwort Materialismus in den Raum werfen. Sawyer wird von den äußeren Gegebenheiten in seine Rolle gezwängt und entscheidet sich (zunächst) nicht bewusst dafür, was einem materialistischen Menschenbild entspricht. Der Gegensatz Idealismus gegen Materialismus wird uns in nächster Zeit noch sehr oft begegnen, weshalb ich es jetzt erstmal hierbei belassen möchte.

Zu den Lost-Kids sag ich nur: die werden bestimmt noch wichtig. Gerade Aaron war schon so oft Gegenstand der Handlung und auch die anderen Kinder werden noch Bedeutung erlangen. Davon ist wohl auszugehen.

Mich wundert es etwas, dass die Losties die V-For-Vendetta-Säcke der Anderen so gut kennen. Okay, Kate wurde mal in einen gesteckt, aber das war nachts und abgesehen davon guckt man sich den ollen Beutel doch so genau nicht an. Prinzipiell war es aber sehr angenehm, dass Sun mal eine Tüte überm Kopf hatte^^

Mein nächster Punkt wären die hypothetischen Grenzüberschreitungen. Wir wissen ja nur zu gut, dass zumindest ein Anderer, als John und Jack noch darüber streiten, schon im Begriff war, die Grenze zu überschreiten. Grundsätzlich würde ich John aber zustimmen: Für gewöhnlich stehen die Anderen zu ihrem Wort. Wenn sie eine Abmachung treffen, halte sie die auch ein: Als Michael mit Walt von der Insel wollte oder auch als Kate half Ben zu befreien. Man mag ihre Methoden anzweifeln, aber Ehre haben sie mehr als die Losties, denn die halten sich - wie diese Folge wieder wunderbar demonstriert - nicht einmal an Abmachungen, die sie untereinander treffen.

Du hast auch erwähnt, dass das Signal nicht nur von Danielles Funksignal überlagert, sondern auch vom Spiegel geblockt würde. Allerdings hat Ben das Teil im Spiegel erst aktivieren lassen, als er einen Grund dazu hatte alle ein- und ausgehenden Funksignale zu blockieren und das war nach der Implosion des Schwans. Das Signal drang nach außen (allein deshalb kann der Spiegel noch gar nicht aktiv gewesen sein) und gab sowohl Charles als auch Penny Aufschluss über die ungefähre Position der Insel, woraufhin Ben verhindern musste, dass die Insel nur noch einen Mucks von sich gibt.

Kommen wir zu guter Letzt zu Sawyers Motiven. Mich wunderte etwas, dass du das offensichtlichste - nämliche Rache - nicht so richtig angeführt hast. Vielleicht eben weil es so offensichtlich war? Zumindest würde ich eines mal definitiv sagen: Letzten Endes war es gut, dass Sawyer die Waffen gestohlen hat, denn er geht damit weitaus gewissenhafter um als Jack. Jack muss sie sich am Ende ja durch Erpressung zurückholen und zeigt in der Situation einmal mehr, was für ein menschenverachtendes Arschloch er manchmal sein kann, denn Sawyer in gewisser Weise die Pistole auf die Brust zu setzen und sinngemäß zu sagen "Entweder lässt du Libby leiden oder ich krieg die Waffen" ist schon verdammt kalt und berechnend - haben ein paar Tage mit Ben im Schwan schon so abgefärbt, dass er ihn hier schon übertreffen muss?

Ich hab noch ein paar Zitate, die ich nicht unerwähnt lassen möchte, denn Hurleys "Or, anytime. Just kidding, dude. " war nicht das einzige, was mich aufhorchen ließ. Aber ich lass die mal weitdesgehend unkommentiert stehen:

"...and all we got was the French woman's message on a loop." (Sayid)

"You're not scared enough" (Ana-Lucia)

"It's all in the details" (Sawyer - sowohl im Flashback als auch auf der Insel)

"Well, hell baby, with kind of money let's go find an island somewhere and sit on a beach drinking Mojitos 'til we go toes up. " (Sawyer)

Faszinierend finde ich ja mal wieder, dass aus "Who put da line in da ccoconut" in der deutschen Fassung mal ganz schnell "'Wer hat die Kokosnuss - wer hat die Kokosnuss - wer hat die Kokosnuss geklaut?' Die ganze Affenband brüllt" wird. Traut man den dummen deutschen zuschauern mal wieder nicht zu einen englischen Songtext zu kennen?

Und was ist eigentlich mit den Höhlen, zu denen Charlie dereinst unbedingt ziehen wollte? Seitdem die Luke das ist wohnen wohl wieder alle am Strand, oder was?

Dann möchte ich Sun einmal darauf hinweisen, dass der Hund kein Koreanisch spricht!

Ach und als aller letztes noch zu dem "Betrug" mit den Ketten: Eigentlich ist das ja nicht einmal Betrug. Sawyer sagt nicht einmal, sie wären geklaut und auch nicht, dass sie wert seien, was draufsteht. Er suggeriert etwas und die "Opfer" glauben das. Es sind ihre eigenen Fehlannahmen, die sie auf die falsche Fährte bringen.... so fühl ich mich beim "Lost"-Gucken auch immer^^