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Sonntag, 14. Februar 2010

"See ya in another life, brotha!" - LAX-Timeline-Review der ersten drei Folgen:

Ich bin ja bekanntermaßen ein brutalehrlicher Mensch und als solcher muss ich sagen, dass mich „What Kate Does“ im Vergleich zu den meisten anderen „Lost“-Folgen etwa so sehr gefesselt hat wie Testbild oder dessen Nachfolger „Die schönsten Bahnstrecken Deutschlands“. Daher tue ich mich mit der Review zu dieser Folge denkbar schwer und hole mal lieber den versprochenen Blick auf die Flash Sideways in „LA X“ nach und hänge ein paar Gedanken zu denen in „What Kate Does“ gleich hinten an.

Jack sitzt also etwas bedeppert dreinblickend am Fenster, als Cindy vorbeikommt. Den anderen Flugzeugtyp verbuche ich jetzt mal unter: Produktionsbedingte Änderung – ebenso die Unterschiede bei Alter und Frisur der Charaktere. Ein beabsichtigter Unterschied ist aber mit Sicherheit, dass Jack nur eine Flasche von Cindy bekommt – die zweite braucht er ja ohne Crash auch nicht mehr. Könnte dies ein Hinweis darauf sein, dass Cindy stets eine Andere war und in der Crash-Timeline wusste, was passieren würde? Klingt zwar zunächst etwas komisch, doch, wenn ich mir überlege, was Jacob so alles im Voraus weiß und wie er seine Anweisungen erteilt, würde es schon Sinn machen.

Das Flugzeug wird anschließend ordentlich durchgerüttelt, doch der Crash bleibt aus, woraufhin sich Jack zu einer sehr bedeutungsschwangeren Äußerung hinreißen lässt: „Looks like we made it.“ („Sieht aus, als hätten wir es geschafft.“) Welcher Jack spricht da jetzt? Von hier an ist der Flug in jedem Fall anders und ich halte es für das beste die Charaktere in der LAX-Timeline mal nacheinander abzuarbeiten, doch zuerst werfen wir einen Blick auf die Insel selbst:

Die befindet sich wie Atlantis auf dem Grund des Meeres, doch sehen wir sowohl Teile des Sonarzauns und des Dharmadorfs als auch den Dharma-Hai und die Statue. Was uns suggeriert werden soll, ist wohl jedem klar: Jacks Plan hat funktioniert und Jughead hat die Insel versenkt. Aber ist das realistisch? Seit wann kann ein Wasserstoffbombenkern eine komplette Insel (eine zeitreisende noch dazu) einfach versenken. Okay, soviel ist sicher: was immer die Insel auf den Meeresgrund hinabgeschickt hat, ist zwischen den 1970ern und 2004 passiert oder es blieb in diesem Zeitraum etwas aus, das sie sonst am Sinken hinderte/gehindert hätte. Wie ich schon äußerte, glaub ich nicht, dass die LAX-Timeline mit Jughead in irgendeinem direkten Zusammenhang steht und weiterhin die Whatever-Happened-Happened-Regel gilt. Es wäre einfach logischer, da sonst viele in der fünften Staffel gelöste Rätsel wieder völlig bedeutungslos wären. Doch hat die alternative Zeitlinie stets existiert und hängt nicht mit Jughead und den Losties zusammen, würde alles passen, denn stürzt das Flugzeug nicht ab, wird die Bombe nie gezündet, aber etwas anderes würde passieren: der Vorfall würde ohne Bombe stattfinden. Lassen wir dieses Szenario mal einen Moment lang zu, dann stellt sich die Frage, ob Jughead nicht tatsächlich die elektromagnetische Energie, die bei der Bohrung entfesselt wurde, bündelte oder sich die Kräfte „aufhoben“ und nur soviel Restenergie beider Arten verblieb, dass der Schwan so konstruiert werden musste, wie er konstruiert wurde. Bleibt die Bombenexplosion aus, wird die elektromagnetische Energie vollends entfesselt und *plopp* – die Insel ist weg. Eine andere Möglichkeit wäre noch das Rad. Es gibt da diese geschnittene Szene aus Staffel 4, in der Ben in bester „The Prestige“-Manier auf seinen eigenen Körper hinübersieht, der in der Wüste liegt. Was wäre, wenn das Rad also nicht nur die Person verdoppelt, die es benutzt, sondern auch die Insel, die versenkt wird, denn daran erinnert die Szene ihres Verschwindens irgendwie – konzentrische Kreise auf der Wasseroberfläche, als hätte man einen Stein ins Wasser geworfen – und gleichzeitig dupliziert wird. Es existiert also noch eine zweite Insel irgendwo da draußen. Soweit die Theorien zur Insel, jetzt aber zu den Charakteren:

Jack: Bei Jack scheint sich in der Zeit vor dem Flug wenig oder gar nichts geändert zu haben. Doch vom Zeitpunkt des ausbleibenden Crashs an ändert sich selbst das, was man in der Originalzeitlinie als feste Größe eines Was-Wäre-Wenn-Szenarios angenommen hätte. Da wäre erst mal sein Verhalten bei den Turbulenzen – nicht er beruhigt Rose, sondern sie beruhigt ihn. Dann geht Jack zur Toilette und bemerkt diese mysteriöse rote Schramme (dunkelblauer, fast schwarzer Anzug, weißes Hemd, roter Fleck – die Farbsymbolik erklärt sich von alleine), die wie aus dem Nichts (oder aus einer anderen Welt) im Spiegel auftaucht und von dem realen Jack, der vor seinem virtuellen Abbild steht, nie bemerkt worden wäre und auch für uns nicht zu sehen ist. Die Schramme befindet sich im toten Winkel der Kamera. Was mit Jack während des Fluges dann noch passiert, hängt weniger mit ihm selbst als mit anderen Charakteren (Desmond, Kate, Charlie) zusammen und wird bei denen abgehandelt. Nach der Landung erfährt Jack, dass sein Vater nicht an Bord war und in Folge dessen kommt es zu einem Gespräch mit John, in dem Jack mal wieder seine Wunderheilerallüren bekommt und meint, Johns irreparable Lähmung operieren zu können. In „What Kate Does“ sehen wir Jack vom Taxi aus telefonierend am Flughafen stehen. Ich finde, es zeigt sich, dass Ben mal wieder recht hatte: Was erwartet Jack in diesem Leben, in das er so unbedingt zurück wollte? Wie sehr er unter den drei Jahren fern der Insel gelitten hat! Gut, jetzt erfährt er nie etwas von der Existenz der Insel und dem anderen Leben, das er hätte führen können, doch wenn sich der Crash-Timeline-Jack einredet, seinem anderen Ich ginge es damit wirklich besser, dann betrügt er sich selbst.

Jacob: Jetzt werdet ihr euch fragen: Warum den als zweites, der war nicht mal im Flugzeug. Ganz einfach: er hat das Leben vieler der anderen Passagiere beeinflusst, sie zu ganz entscheidenden Momenten ihres Lebens aufgesucht und wir müssen uns fragen: Konnte er das dennoch? Ging er mit der Insel unter und wenn ja, wann? Oder braucht er die Insel nicht. Fiel der Jacob-Faktor weg oder nicht? Die Frage müssen wir uns bei einigen Charakteren stellen: Was wäre, wenn Jacob sie nie besucht hätte? Gibt es Anzeichen, dass er sie nie besucht hat oder andersherum Hinweise, dass er es doch hat?

John: Bei John hat sich scheinbar wenig geändert, aber ich glaube das täuscht gewaltig. Er spricht mit Boone über den angeblichen Walkabout, der – nehme ich an – nie stattgefunden hat. Doch viel wichtiger ist wohl die Frage wie John einen Sturz aus dem achten Stock ohne Jacob hätte überleben sollen? Die Antwort ist denkbar einfach: gar nicht. Entweder war Jacob bei John oder er landete auf anderem Wege im Rollstuhl, was mal wieder ein Hinweis auf gewisse Kurskorrekturen des Universums sein könnte. Trotz allem wirkt John irgendwie optimistischer und das war wohl weniger der Jacob-Faktor als der MIB-Faktor (nein, keine Außerirdischen). Warum sollte nur Jacob Einfluss nehmen? Wäre ich „Samuel“, hätte ich John mir schon frühzeitig zurecht gebogen, denn durch Johns Besuch in der Vergangenheit wusste „Samuel“ ja schon, das John eine der beiden Hälften seines Loophole sein würde. Trotz seines schweren Schicksals scheint John mit sich im Reinen zu sein und dennoch wäre es voreilig zu sagen, sein Leben verliefe besser als ohne Insel, denn sein wir mal ehrlich: wirklich glücklich hat man John Locke nur gesehen, wenn er am Strand der Insel saß und er deren Allmacht spürte.

Kate: Als Jack, wenige Minuten nachdem er aufm Klo im Heck war, auf das Klo im Bug muss, steht Edward Mars davor und Kate ist drinnen. Beim Rausstolpern klaut sie Jack einen Stift, den sie später nutzen will, um ihre Handschellen zu knacken. Über ihre Flucht will ich gar kein Wort verlieren. Als Kate die Handschellen los ist und in Claires Tasche sieht, zeigt sich auch in dieser Realität ihre selbstlose Seite und sie hilft Claire. Kate ist wie auf der Insel zugegen, als bei Claire erste Wehen einsetzen. Ihr selbstloses Verhalten gegenüber Claire honoriert diese mit einer Kreditkarte. Gegenüber der Polizei deckt Claire Kate ebenso wie Sawyer wenig zuvor im Aufzug am Flughafen. Ferner gibt Kate Claire gegenüber vor unschuldig zu sein, was uns zu der einen Frage führt: Ist sie es in dieser Realität womöglich? Und weshalb hat sie keinerlei Interesse am Silbernen Koffer?

James: Bei James kann man das Fehlen des Jacob-Faktors durchaus erahnen, denn er wirkt sehr viel altruistischer und weit weniger verbittert. Eine mögliche Antwort könnte sein, dass er den Brief an Sawyer/Cooper nie schrieb und sein Leben nicht von Rachsucht bestimmt wurde. Doch dann stellt sich die Frage, wie es ihn in diesen Flieger verschlagen hat.

Hurley: Auch in dieser Realität hat Hurley im Lotto gewonnen und ist Chef von Mr. Clucks, doch sagt er, die Zahlen hätten ihm Glück gebracht, statt ihn verflucht zu haben, was uns zu zwei entscheidenden Fragen führt: Waren es die selben Zahlen? Und, wenn ja, woher hat er sie? Denn hat er sie auch in dieser Realität von Lennard, müsste der sie auch weiterhin von der Insel haben und das würde Jughead als Auslöser der versunkenen Insel und der alternativen Zeitlinie wohl entgültig ausschließen. Nur wiederholt Lennard die Zahlen ja, weil er sie für die Büchse der Pandora hält und wenn all das in beiden Realitäten gleich wäre, käme ich zu dem Schluss, dass Hurley Lennard nach dem Lottogewinn nie in Santa Rosa aufgesucht hat und die Angst vor den Zahlen stets autosuggestiv war. Ob es Hurley mit diesem Verlauf seines Lebens nun wirklich besser geht, wage ich dennoch zu bezweifeln, denn in der Insel findet er eine Bestimmung und all das Pech, all die Entbehrungen der Crash-Timeline zeigen ihm, was für ihn wirklich wichtig ist und das kann man mit keinem Geld der Welt kaufen. Ein Lottogewinn ersetzt keine Freundschaften – so enge, wie die Insel ihm bescherte, schon gar nicht.

Sayid: Sayid hat einen iranischen und keinen irakischen Pass – was auch immer das bedeuten mag. Außerdem tritt er die Klotür ein, damit Charlie gerettet werden kann. Sayid ist für mich jedoch der größte Anhaltspunkt dafür, dass Jughead keine neue Zeitlinie erschaffen hat. Stürzt Flug 815 nie ab, lernt Sayid Ben nie kennen, wird nicht in Flug 316 sitzen und durch die Zeit reisen. Und selbst wenn es Sayid trotz allem auf die Insel ins Jahr 1977 verschlagen sollte, bleibt dennoch die Motivation aus, auf Ben zu schießen. Wird Ben nie angeschossen, wird er nie zum Tempel gebracht, wird dort nicht geheilt und bleibt somit ein Dharma-Mann. Selbst wenn Ben die Bombenexplosion überlebt, nimmt sein Leben ohne Sayid einen völlig anderen Verlauf. Also hätte Sayid Ben nie im Schwan treffen und später von ihm manipuliert werden können. Sayid und Ben verursachen einen Zirkelschluss, den man nicht mehr auflösen kann.

Ben: Bleiben wir direkt dabei und fragen uns: Was mit dem wohl passiert ist? Entweder ist er mit der Insel untergegangen oder aber sein Leben nahm einen komplett anderen Verlauf, da Sayid ihn nie angeschossen hat. Das wird spannend. Da Bens Leben schon in jungen Jahren grundlegend anders verlaufen sein dürfte, als in der Crash-Timeline, wäre es möglich, dass wir hier einen komplett anderen Menschen zu Gesicht bekommen. Wenn das so wäre, könnte man wirklich sagen, dass Sayid Ben zu dem gemacht hat, was er ist.

Sun: Bislang haben wir keinen Beleg, dass LAX-Sun Englisch spräche oder nicht. Sie belauscht scheinbar Rose und Bernard, doch könnte sie Jin theoretisch die Wahrheit sagen. Ebenso wäre es denkbar, dass sie wirklich nicht versteht, was die Frau von der Flughafensicherheit von ihr will. Ähnelt diese Sun jedoch nur entfernt unserer Sun, dann würde sie eher lügen und Jin vom Zoll auseinandernehmen lassen, ehe sie nur einen kleinen Hinweis darauf gibt, Englisch zu sprechen. Sun scheint in dieser Realität aber nicht mit Jin verheiratet zu sein, da sie als „Miss Paik“ angesprochen wird.

Jin: Obwohl Jin noch nicht mit Sun verheiratet ist, arbeitet er doch für ihren Vater. Das viele Geld in seinem Gepäck könnte ein Verweis auf Suns und Jins ursprünglichen Plan sein, sich in die USA abzusetzen, dort ein neues Leben zu beginnen und auch zu heiraten. Dass Sun und Jin in der LAX-Timeline noch nicht verheiratet sind, könnte mal wieder auf den ausgebliebenen Jacob-Faktor hindeuten, denn schließlich war er in der Crash-Timeline auf der Hochzeit der beiden und steht womöglich in noch engerem Zusammenhang mit ihrer Beziehung... ich sag nur: „Orange!“.

Claire: Bei ihr erleben wir keine wirklichen Überraschungen. Ich überlege nur die ganze Zeit, ob sie auch dieses mal von Malkin in den Flieger gesetzt wurde und wenn ja, warum er das getan haben sollte, sofern er sie nicht stets zu diesem nun getrennten Paar schicken wollte. Aber ist Malkin wirklich ein Hellseher und hat in der Crash-Timeline gewusst, dass Flug 815 abstürzt und wo, dann hat er in dieser Zeitlinie vielleicht auch gewusst, dass das Paar, zu dem er Claire geschickt hat, sich gerade getrennt haben und Claire ihren Sohn in L.A. zur Welt bringen würde. Bemerkenswert ist noch, dass Claire Aarons Namen in einer ähnlichen Situation einer Epiphanie gleich ausspricht, wie es in der Crash-Timeline auch die Mütter von Ben und John bei ihren Söhnen taten.

Boone: „It’s alive!“ Dass er sich mit Locke versteht, scheint hingegen in jeder Realität sein Schicksal zu sein. Wirklich interessant ist wohl die Frage: Wird er auch am Leben bleiben? Oder nimmt das Universum eine Kurskorrektur vor?

Shannon: Ist nicht an Bord des Flugzeuges, weshalb wir nur sagen können, dass sie in Sydney blieb und vermutlich nie mit ihrem Stiefbruder gemacht hat, was sie halt so gemacht haben, bevor sie in den Flieger stiegen. Sofern Shannon nicht dennoch das Zeitliche segnet, hätte sich zumindest für sie etwas verbessert, weil sie eben nicht von einer schießwütigen Ex-Polizistin über den Haufen geballert wird.

Rose: Tja, die hat sich vom Wesen her kaum verändert und mich beschäftigt sie derzeit dennoch am meisten, denn es stellt sich doch die Frage, ob sie auch in dieser Realität an Krebs erkrankt ist und Bernard sie zu Isaac geschleppt hat. Wäre dem so und hätte ihr Leben bis zu diesem 22. September 2004 auch sonst den selben Verlauf genommen, wäre es für sie das Todesurteil und somit zieht sie in jedem Fall Nachteile aus der alternativen Zeitlinie.

Bernard: Er kommt heil vom Klo zurück – sonst hören und sehen wir nicht wirklich viel von ihm. Was man an dieser Stelle noch erwähnen sollte, ist die andere Sitzreihe: 24 statt 23 (gilt natürlich auch für Jack und Rose).

Charlie: „I was supposed to die“ („Ich war bestimmt zu sterben!“) – dem ist nichts hinzuzufügen. Charlie mag in der LAX-Timeline leben, doch alles, was jetzt auf ihn zukommt, hätte er wohl mit Freuden gegen die Wochen auf der Insel und den Heldentod eingetauscht. Er hat sich äußerlich verändert, ist aber auch in dieser Zeitlinie ein Junkie, der jedoch auch auf Entzug so bedeppert ist, dass er die Plastiktüte gleich mitschlucken will: Guten Appetit! Jacks Rettungsversuche weisen gewisse Parallelen zu seiner Ersten Hilfe nach dem Absturz in der Originalzeitlinie und seiner Rettung Charlies nach dessen Begegnung mit Ethan auf.

Desmond: Für Des gab es wohl mitunter die größten Einschnitte und zwar nicht nur, weil er bei der Regatta nie auf der Insel stranden konnte, denn je nachdem, wann die Insel versenkt wurde, starb Charles Widmore wohl dort oder hat sie zuvor verlassen. Nur wenn das Leben von Charles und Eloise anders verläuft, wäre es denkbar, dass Penny nie das Licht der Welt erblickt hat oder auf der Insel aufwuchs. Desmonds mysteriöses Auftauchen und Verschwinden und der Ehering an seinem Finger ließen noch einen anderen Schluss zu: er trifft Jack tatsächlich in einem anderen Leben. Wenn Daniel recht hatte und Desmond die Ausnahme ist und tatsächlich einen Weg gefunden hat, direkt Einfluss auf die verschiedenen Realitäten zu nehmen, könnte dieser Desmond wirklich unser Desmond sein und er wäre dann auch mit Penny verheiratet. Desmond hat in Staffel 3 bereits eine alternative Zeitlinie „bereist“ bzw. durch seine Zeitreise eine geschaffen. Könnte er eine Möglichkeit zur kontrollierten Reise zwischen den Welten gefunden haben?

„Samuel“/Man in Black: Er könnte der Grund sein, warum die Insel wirklich am Meeresgrund liegt: Entweder weil er sie versenkt hat oder weil man sie wegen ihm versenkt hat. Im ersten Fall könnte er nach Hause gegangen sein, im zweiten wurde er wohl daran gehindert. Apropos: Geht es nur mir so, oder erinnert der Heilquell euch auch etwas an ein Becken oder Tank, der gezielt geflutet wird, um ein auf dem Wasser schwimmendes Objekt zu versenken? Also für mich sah das weniger aus, als würde das Wasser natürlich hinein fließen, sondern mehr wie wenn es hinein gepumpt würde bzw. als würde das Becken durch eine Absenkung geflutet.

Michael und Walt: Beide sind nicht an Bord des Fluges, was darauf hinweisen könnte, dass Susan Lloyd noch lebt, doch letztlich wäre alles andere wohl überaus spekulativ.

Juliet Burke: Die kam wohl nie auf die Insel und ist noch bei ihrer Schwester daheim... schätze ich mal. Entscheidend auch hier: wie hätte sie Klein-Bens Leben vor der Detonation von Jughead, die sie überdies ausgelöst hat, retten sollen, wenn sie nie auf der Insel war.

Edward Mars: Der kann einem langsam nur noch leid tun. Jedes Mal wenn er sich Kate gegenüber menschlich verhält, nutzt sie es aus. Man kann es ihr nicht verdenken, doch der Mann hat’s mit ihr echt nicht leicht. Aber er hat in dieser Realität zumindest keinen rostigen Metallsplitter von der Größe eines Pizzatellers in seinen Eingeweiden – auch was wert.

Seth Norris: Der fliegt auch in dieser Zeitlinie Flug 815 und mir stellt sich doch die Frage: kam auch dieser Flug vom Kurs ab, denn wenn nicht, liegt die Insel woanders unter Wasser als sie sonst über Wasser lag. Wir erfahren jedoch nichts von einer unplanmäßigen Kursänderung.

Ethan Goodspeed: Ethan ist Gynäkologe in Los Angeles, ist auch hier Claires Arzt (diesmal jedoch nicht gegen ihren Willen) und... Stop! Moment mal! Wenn Jughead tatsächlich Auslöser der alternativen Zeitlinie wäre und die Insel wirklich versenkt hätte, wie kommt Ethan dann bitte – und dazu unverstrahlt und an einem Stück – nach Los Angeles? Habt ihr Amy irgendwann nur in der Nähe der Galaga gesehen? Was sollte sich für Ethan geändert haben, dass er in der Crash-Timeline da blieb und in der LAX-Timeline die Insel verlassen hat. Ist der Vorfall die Astgabelung und hat Jughead die neue Zeitlinie ausgelöst und die Insel versenkt, müsste Ethan zu diesem Zeitpunkt auf der Insel gewesen sein, doch wäre er dann tot. Ethans Erscheinen im Los Angeles der LAX-Timeline ist das bislang stärkste Indiz dafür, dass Jughead allenfalls indirekt mit der versunkenen Insel und der neuen Zeitlinie zu tun hat.

Ana, Libby und Eko: Sind alle drei nirgends zu sehen. Da sie im Heck saßen, könnten sie dennoch an Bord gewesen sein, ohne dass wir sie zu Gesicht bekommen haben.

Christian: Christian war nicht an Bord von Flug 815, doch wissen wir bis heute nicht sicher, ob er das in der Crash-Timeline war, obgleich es wahrscheinlich wirkt, denn letztlich gibt es für sein Erscheinen auf der Insel nur zwei logische Erklärungen: Jacob oder der Heilquell haben ihn wie John bzw. Ben und Sayid ins Leben zurückgebracht ODER „Samuel“ hat wie bei Yemi, Alex und John die Leiche benutzt, um sich Christians Gestalt anzueignen, denn genau wie Yemi und Alex verschwand auch Christian spurlos. Aber wo ist er in der LAX-Timeline... Ja, John, ich weiß: woher soll man wissen, wo er ist? Ich meine jetzt aber Sarg und vor allem Leiche und ich denke mal, ich bin nicht der einzige, der mutmaßt, dass jemand, der im Lagerraum gehockt hätte, einen Sarg in weißem Licht verschwinden gesehen hätte.

Frank: Auch in dieser Zeitlinie ist er nicht Pilot von Flug 815.

Charles: Was mag mit dem wohl passiert sein? Also so viel ist sicher: Hat diese neue Zeitlinie schon immer existiert, hat Ben ihn in ihr nie abgelöst – könnte das in Zusammenhang damit stehen, dass die Insel auf Tauchstation gegangen ist?

Leslie Arzt: Dr. Arzt hat sich selbst wohl nicht verändert, aber zumindest wird er sich jetzt nicht mit schwitzendem Dynamit in die Luft jagen. Schade für uns (wegen dem hohen Unterhaltungswert^^) – wünschenswert für ihn!

Miles: Der hat die Insel kurz vor dem Vorfall verlassen, weshalb sein Leben wohl erst später einen signifikant anderen Verlauf nimmt.

Daniel: Der zieht wohl immer die Arschkarte. Entweder sein Plan hat funktioniert und Jughead ist der Auslöser, dann wurde er nie geboren. Haben die Zeitlinien eine andere Astgabel, wird er in der Crash-Timeline stets sterben und in der anderen... das weiß wohl Jacob allein.

Charlotte: Die hat in jedem Fall ein besseres Leben, denn es dauert nun wohl erheblich länger.

Richard: Der hat „sie sterben sehen“ – wieder ein Indiz für zwei unabhängige Zeitlinien. Wäre dem nicht so, müsste Richard außerdem derjenige sein, der tot ist.

Ich hoffe mal, dass ich es noch vor Dienstag schaffe ein bisschen was zu der Inseln-Handlung von „What Kate Does“ zu Papier zu bringen. In jedem Fall wünsche ich all den Jecken einen schönen Rosenmontag und dem noch zurechnungsfähigen Rest (man merkt, wie sehr ich die Karnevalszeit „liebe“), dass er irgendeinen sicheren Ort (Luftschutzkeller, Sonarzaun, Aschekreis, Panicroom, Dharma-Station etc.) findet, wo man sich gut vor den narren verstecken kann... tätäh – tätäh – tätäh!

Namaste und Dharma-Alaaf/-Helau etc. pp. usw.-

Freitag, 4. Dezember 2009

Slosties: Heeere's Johnny!

Keine Sorge, die Review kommt heute. Immer wenn ich denke, jetzt hast du mal Zeit in Ruhe zu schreiben, kommt prinzipiell was dazwischen. Aber ich bin fast fertig, also wird sie im Laufe des Vormittages online stehen. Nun aber zu unseren Slosties mit der freundlichen Unterstützung von http://www.sp-studio.de/ - das kann man gar nicht oft genug sagen. Heute steht John Locke bereit und damit er sich nicht so einsam fühlt kommt Boone gleich mit:

Mit Daddy auf der Jagd


Eines von 400 Messern (Wildschweinjagd)


Wildschweine und Eisbären aufgepasst.


Don't tell him, what he can't do!


"It was my fault"


„He was your responsibility but you gave him away, Claire"


Feurschutztüren haben halt so ihre Tücken


Immer dieser Linus^^


Boone Carlyle

Mittwoch, 25. November 2009

“We wouldn't want to spoil ourselves, now would we?”

Abandoned:

Ich muss gestehen: Mich hat der Tod Shannons von allen Toden in der Geschichte von „Lost“ bis heute immer noch am meisten getroffen. Gar nicht so sehr, weil sie einer meiner Lieblingscharaktere gewesen wäre – Daniel und John mochte ich etwa lieber als Shannon – sondern vor allem, wegen der Art und Weise wie sie starb. Für gewöhnlich hatte es einen tieferen Sinn, wenn wir uns von einem unserer Hauptcharaktere verabschieden mussten. So sind Boone, Charlie, John, Eko, Michael, Daniel, Juliet oder Jacob ja nicht umsonst gestorben. Shannon hat auch nicht wie Ethan oder Keamy irgendetwas getan, was ihren Tod rechtfertigen könnte. Sie lief durch den Wald und wurde über den Haufen geschossen. Einfach so! Scheinbar willkürlich! Ferner hatte man sie gerade erst liebgewonnen, als sie starb. Durch die Flashbacks in dieser Episode wird einem klar, dass sie die verwöhnte Zicke nur spielt, um ihre eigene Unsicherheit und Verzweiflung zu kaschieren. Sie möchte andere Menschen auf Abstand halten, weil sie den Schmerz nicht erträgt, ein weiteres Mal hintergangen zu werden, wie es ihr in der Vergangenheit schon so oft passierte.

Shannons Vergangenheit! Ein gutes Stichwort für die Flashbacks möchte ich meinen. Also starten wir heute doch zur Abwechslung mal wieder mit den Rückblenden. Ich muss gestehen rein optisch gehört Ballett für mich zu den fünf dümmlichsten Sportarten (im weitesten Sinne), die der Mensch bislang erfunden hat – zusammen mit Gehen, Nordic Walking (im Prinzip das gleiche, nur dass man außerdem einen Weg gefunden hat Ski-Langlauf-Stöcke auch im Sommer zu verkaufen), Extrembügeln (nein, das ist kein Scherz, das gibt es tatsächlich) und Synchronschwimmen. Nichtsdestotrotz passt dieser Tanz zu Shannon und sie wird einem doch prompt sympathischer als sie dem kleinen Mädchen versichert, ihr Daddy habe bestimmt zugeguckt, obwohl der gerade versucht Shannons Kollegin abzuschleppen. Dann kommt der Anruf und wir sehen Shannon und ihre Hexe von Stiefmutter im St. Sebastian. Huch, ach guck mal einer an, wer da durchs Bild läuft? „Walt?!“ Nein, Herr Gott! Wenn das mal nicht der Herr Dr. Shephard ist. Shannon, guck ihn dir gut an: der hat deinen Vater NICHT gerettet... deshalb ist er jetzt auch tot. Was für ein unsensibles und gefühlkaltes Biest Sabrina Carlyle ist, beweist sie uns auch hier, indem sie ausdrücklich darauf hinweist, dass Shannon nur ihre Stieftochter ist, obwohl sie damit Adam als einziger Mensch näher gestanden hat als Sabrina, schließlich ist sie seine leibliche Tochter.

Auf Adams Beerdigung gibt es für uns dann ein Wiedersehen mit einem Charakter, der mittlerweile selbst schon unter der Erde liegt: Boone (vermutlich dachten einige, jetzt kommt mal wieder „Walt?!“, aber wir wollen den Runninggag nicht überreizen). Boone und Shannon versuchen sich dann in Shannons Zimmer aus den Teetassen ihres Puppenservices zu besaufen – das dürfte eine zeitaufwendige Angelegenheit werden, denn in diese fingerhutgroßen Tässchen passt ja nicht mal so viel wie in ein normales Schnapsglas. Wobei ich mich auch frage, warum Boone was zum Saufen in der Tasche hat bzw. das zu einer Beerdigung mitbringt? Wenn es bei Leichenschmaus etwas außer Schnittchen in rauen Mengen gibt, sind das doch Alkohol. Warum also hat Boone einen Flachmann mit Scotch dabei? Die einzige logische Erklärung wäre, dass er ihn nicht für die Beerdigung eingesteckt hat, sondern sowieso damit außer Haus geht. Wenn dem so wäre, sollten wir nun nicht nur für Christian, Jack und Charles, sondern auch für Boone die Alkoholismusglocke läuten. Was ich auch komisch finde ist, dass Shannon auf die Frage nach dem Poster damit argumentiert, sie sei nun 18, während Boone gerade Scotch in eine Spielzeugtasse neben einem Puppenhaus gießt. Entweder verbannt man alles aus Kindertagen aus seinem Zimmer oder man steht zu seinen infantilen Anwandlungen. Was eigentlich ja auch nicht schlimm ist, oder? Wie Locke bewahre ich mir das sogar, man wird sonst zu verbissen. Etwas nicht mehr zu besitzen oder bestimmte Dinge nicht mehr zu tun, nur weil es nicht altersgemäß erscheint, bedeutet doch letztlich nur eine Unterwerfung unter gesellschaftliche Normen – letztlich geht unsere Gesellschaft an ihren eigenen Normvorstellungen langsam aber sicher zu Bruch. Man tötet den Individualismus stetig weiter ab. Bei Shannon könnte man diesen Widerspruch aber ebenso symbolisch deutet wie den Scotch in der Puppentasse selbst: sie hängt zwischen Erwachsenendasein und Kindheit fest. Shannon ist in gewisser Weise eine ewig Pubertierende, die zum einen ernstgenommen werden will und zu anderen Halt sucht. Sie will als erwachsen wahrgenommen werden, obwohl sie sich manchmal mehr wie ein Kind fühlt und auch gibt.

Über Boones Mutter sagt sie in dieser Szene alles, was wir über sie wissen müssen: „She hates me.“ („Sie hasst mich“). Wie sehr ahnt Shannon zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Sabrina wird Shannons gesamte Zukunft mutwillig zerstören. Nach sechs Monaten des Wartens erhält Shannon die Zusage für die Martha Graham Dance Company. Sie selbst sagt, dass es eine Chance von 3000:1 wäre, an dieser renommierten Akademie angenommen zu werden. Es ist etwas völlig normales, dass Eltern die Ausbildung ihrer Kinder (mit)finanzieren, eben damit sie in der Lage sind später auf eigenen Füßen zu stehen. Umso schwachsinniger ist Sabrinas Argumentation, Adam habe gewollt, dass Shannon lerne für sich selbst zu sorgen. Es ist mehr als offensichtlich, dass Sabrina die Naivität ihres verstorbenen Gatten ausnutzt, um Shannon zu demütigen, denn Adam dürfte es für selbstverständlich erachtet haben, dass Sabrina das gemeinsame Vermögen auch nutzt, um Shannon Ausbildung zu bezahlen. Hätte Adam nur in Erwägung gezogen, dass Sabrina Shannon jegliche Unterstützung verweigern würde, hätte er mit Sicherheit Shannon einen Großteil des Vermögens vererbt, doch Liebe macht ja bekanntlich blind. Es geht aber nicht nur darum, Shannon die finanzielle Unterstützung zu versagen, sondern vor allem darum, dass Sabrina Shannon ihre Nutzlosigkeit aufzeigen will. Sie will das Shannon sich wertlos fühlt – „The only thing I've ever seen you do 16 hours a day straight is sleep.“ („Das einzige, das ich dich jemals 16 Stunden am Tag habe machen sehen, ist Schlafen.“) Als Shannon versichert: „I really want this, Sabrina. I can do this.“ („Ich möchte das unbedingt, Sabrina. Ich kann das.“), erwidert Sabrina heuchlerisch: „I'm sorry, Shannon. You're on your own.“ („“Es tut mir leid Shannon. Du bist auf die allein gestellt.“)

Wenn man oft genug gesagt bekommt, man müsse sich selbst hassen, weil man nichts darstelle und nutzlos wäre, glaubt man es irgendwann auch. Deshalb verweigert sie später auch Boones Hilfe, denn sie will einerseits zeigen, dass sie es alleine schafft, andererseits will sie auch Unterstützung, jedoch nur die, von der sie der Ansicht ist, dass sie ihr zustünde. Auch hier zeigt sich wieder wie sehr sie zwischen Kindheit und Erwachsenendasein hängt – Ja, Nein, Doch, Vielleicht, wenn Mittwoch die Sonne scheint... . Shannon will ihr Geld, nicht Boones. Andererseits hatte sie gehofft bei Boone wohnen zu können. Schon ein komischer Zufall, dass Boone von seiner Mutter mit einem Job-Angebot (soviel zum Thema: Kinder sollen selbst klar kommen) aus New York genau dann weggeholt wird, wenn Shannon ihn dort gebraucht hätte.

Wenn wir aus diesem Flashback in die Gegenwart auf der Insel zurückkehren, lehnt Shannon Sayids Hilfe ebenso ab wie Boones. Sie schlägt die Hilfe aus, weil sie keine Hilfe will, nur weil jemand nicht an sie glaubt. Aber gehen wir zunächst einmal ein paar Stunden zurück: Sayid führt Shannon zu einem Zelt, das mich persönlich sehr an Rousseaus Lager in „Dead is dead“/“Tot ist tot“ erinnert.

Sayid trägt eine Waffe bei sich und als Shannon ihn fragt, ob er die Pistole die ganze Zeit bei sich tragen müsse, erwidert Sayid: „I only carry it because I have someone to protect.“ („Ich trage sie nur, weil ich jemand zu beschützen habe.“) Komisch, Sayid, denn als Charlie von dir eine Waffe haben wollte, um Claire zu beschützen, galt das Argument nicht. Ach, entschuldige, mir fällt gerade ein, dass Charlie, als er das letzte Mal eine Waffe hatte, ja wen erschossen hat, während du, Sayid, die Waffe ja nur trägst und nie benutzt. Du würdest ja niemals einen Menschen umbringen... was für ein alberner Gedanke. Außerdem muss Shannon auch viel mehr beschützt werden, weil sie ja bereits einmal entführt wurde und ihr Kind auch... ach, nein, stimmt nicht, das war Claire. Ich bin heue aber auch durcheinander. Aber mal eine letzte Frage an Sayid: Hat die Waffe dir geholfen, Shannon zu beschützen? Oder war es nicht vielmehr euer nicht sehr umsichtiger Umgang mit diesen Dingern, der sie getötet hat? Und wieso hat Jack die Waffe von Sayid anders als von Sawyer damals eigentlich nicht zurückgefordert und wieder in seinen netten Koffer geschlossen? Muss wohl wirklich an Sayids einwandfreiem Leumund liegen.

Sayid taugt aber auch zum Wasserträger, wenn Shannon statt der Zigarette danach lieber das Wasser danach möchte. Kaum hat Sayid das Zelt verlassen, erlischt das Feuer und Walt erscheint. Jetzt könnte man einfach sagen, dass die erlischende Flamme ein simpler dramaturgischer Kniff ist, der schon so oft gebraucht wurde, dass man es mittlerweile fast als Naturgesetz empfindet, dass stets, ehe etwas merkwürdiges passiert, zuerst sämtliche Lichtquellen ausgehen müssen. Doch eigentlich sind derart plumpe Stimmungsmacher unter dem Niveau der Lost-Macher – besonders dann, wenn sie keinen Sinn ergeben. Oder ergibt es doch Sinn? Ja, es würde sogar sehr viel Sinn machen, wenn wir weiterhin davon ausgehen, dass Jacob durch Feuer repräsentiert wird, denn dann würde Walt oder dessen Erscheinung, die ich bereits beim letzten Mal (in der Review zu „Man of Science, Man of Faith“) mit „Samuel“ in Verbindung brachte, Jacob aussperren. Was hat Walt Shannons diesmal mitzuteilen? Der letzte Ratschlag war ja schon so unglaublich brillant. Diesmal sagt er: "They're coming and they're close." („Sie kommen und sie sind nah.“) Kommt euch das auch so bekannt vor? Also vor allem der erste Teil... . Zufälle gibt’s, nich’ wahr? Erst Jacob aussperren und ihn dann teilweise zitieren, ehe er überhaupt gesagt hat, was da zitiert wird. Aber hey, mit Zukunft, Vergangenheit und Gegenwart nehmen wir es auf dieser Insel eh’ nicht so genau. Wieder stehen wir aber vor der Frage: Wer sind sie? Ich denke mal, dass man davon ausgehen kann, dass hier zur Abwechslung mal nicht die Anderen gemeint sind, sondern jene „Sie“, vor denen auch Jacob warnte, oder aber schlichtweg die Tailies. Betrachtet man die Transcripte anderer Flüsterer (finden sich im englischen Lostpedia) scheinen jene Entitäten, die das Flüstern verursachen, die Losties zu beobachten und sich uneins darüber zu sein, ob sie mit ihnen direkt reden sollen oder nicht. Allerdings sollte ich das Flüstern wohl besser ein andermal genauer unter die Lupe nehmen. Vielleicht widme ich ihm auch mal einen eigenen Artikel.

Nachdem Walt wieder verschwunden ist, kommt es zwischen Sayid und Shannon zum Streit. Wie einst bei Claire, die nun auch dazu stößt, wird das Geschehen als bloßer Traum abgetan. Wutentbrannt fragt Shannon Sayid: „Do you believe me?“ (Glaubst du mir?“) Sayid antwortet nicht, aber keine Antwort ist bekanntlich auch ’ne Antwort.

Am nächsten Morgen sehen wir Hurley, der Rose bei der Wäsche hilft. Hurley fragt Rose, weshalb sie nicht den Trockner in der Station nutze, woraufhin Rose ihm erklärt, sie möge die Station nicht und außerdem bräuchte man keinen Trockner, wenn man Sonne hat. Eine ungewöhnlich stationsfeindliche Haltung hat Rose da, wenn man bedenkt, dass es vermutlich die Energiefelder im Schwan waren, die ihren Krebs heilten. Ob Ben sich deshalb hat so leicht gefangen nehmen lassen? An John wäre er auch anders ran gekommen, aber so saß er mehrere Folgen direkt neben der Krebsheilenergiequelle.

Shannon stößt zu Rose und Hurley und fragt nach den Sachen von Walt und Michael. Hurley meint, dass die Sachen vermutlich noch in deren Zelt liegen. Als Shannon geht, äußert Rose: „Poor thing, it can't be easy losing the one person you love on the Island.“ („Armes Ding, es ist kaum einfach, die einzige Person zu verlieren, die man auf dieser Insel geliebt hat.“) Es ist schon bemerkenswert, dass ausgerechnet Rose das sagt und dann auch noch in Hurleys Gegenwart. Schließlich gingen vom ersten Tag an alle davon aus, dass Rose selbst diejenige wäre, die einen geliebten Menschen durch den Absturz verloren hat. Ferner ist es Hurley, der als nächster den einzigen Menschen, den er liebt, verlieren wird: Libby. Und Shannon? Tja, durch ihren Tod wird Sayid bald den einzigen Menschen auf der Insel verlieren, der ihm etwas bedeutete. Starben Libby, Boone und Shannon weil einer der Anderen sie getötet hätte? Nein, das Handeln der Überlebenden selbst bringt jedem von ihnen den Tod, doch es ist leichter mit dem Finger auf Andere zu zeigen, als auf sich selbst oder die eigene Gruppe.

Shannon durchsucht Walts Sachen und lässt Vincent daran schnüffeln, damit er Walts Fährte aufnimmt. Doch zu wem führt Vincent Shannon? „Walt?!“ Nein, eben nicht! Vincent bringt Shannon zu Boones Grab. Warum tut er das? Was soll Shannon sehen oder erkennen, was sollen wir sehen oder erkennen? Wenn es unter den Losties einen gibt, der nichts ohne Grund tut, dann ist es der Hund – überhaupt der einzige auf dieser Insel voller Bekloppter, der noch rund läuft. Was hat Walts Erscheinen mit dem Friedhof und Boones Grab zu tun? Ist Walt tot? Besteht eine Verbindung zu Boone? Zumindest stimmt irgendetwas an Walt nicht – er erscheint pitschepatschenass an Orten, an denen er nicht sein sollte, brabbelt komisches Zeug (das nicht immer vorwärts) und ist von großem Interesse für Jacob und die Anderen.. Boone erscheint nach seinem Tod John als Führer (ich verkneife mir trotz Boones beizeiten verdächtigen Scheitels sämtliche Hitler-Witze und ihr bitte auch – danke) in der Schwitzhütte. Wo besteht also die Verbindung? Wieder einmal deuten alle Finger auf die üblichen Verdächtigen: Jacob und Keyser Söze. Und schon wieder hat „Samuel“ einen neuen Spitznamen weg. Da die Anderen Walt zu fürchten beginnen, könnten wir wohl davon ausgehen, dass „Samuel“ sich seiner Gestalt bedienen kann, um sich den Losties zu zeigen. Oder aber Jacob bedient sich Walts Gestalt, denn was Walt Shannon in dieser Folge mitteilt würde ebenso wie Walts Erscheinung am Massengrab und der Umstand, dass der echte Walt wohl noch lebt, dazu passen, dass es nicht „Samuel“ ist. Was aber wenn Vincent Shannon zum Grab führt, um ihr damit zu sagen: „Du suchst einen Toten“? Nehmen wir mal an Walt ist bereits beim Absturz gestorben und „Samuel“ hätte seine Gestalt angenommen oder aber „Samuel“ ist das Monster und hat sich Walts Körper bemächtigt wie Danielles Team. Würde das nicht irgendwie Sinn machen? Denn würde John bereits zu dem Mord an Naomi nicht von Jacob, sondern von dessen Rivalen getrieben, würde das fast schon zu gut passen und auch erklären, weshalb Jacob Walt untersucht haben wollte, obwohl er offenkundig eher eine düstere Natur hat.

Sayid nimmt hingegen an, Shannon sitze an Boones Grab, weil es dessen Tod ist, der sie so aufwühlt. Shannon erwidert: „You really think that this is all about Boone? I saw Walt, Sayid.“ („Glaubst du wirklich, bei alldem ginge es um Boone? Ich sah Walt, Sayid.“) Ich glaube: das lass ich mal genauso unkommentiert stehen wie folgende Antwort auf die Frage, wohin Shannon gehe: „To find Him.“ („Ihn finden“ oder aber „Um Ihn zu finden.“) Ach, ich liebe es, wenn alle so schön vage und doppeldeutig ist und bleibt. Shannon wandert also weiter mit Vincent über die Insel und sucht nach Walt, von dem sie annimmt, dass er irgendwo ganz alleine über die Insel streift und Hilfe benötigt. Die Annahme finde ich nun wieder recht wirsch, aber sei’s drum. Zumindest sind wir nun wieder da angekommen, wo ich vorhin nach der Rückblende angesetzt habe und noch mal zurückgesprungen bin.

Shannon will weniger, dass Sayid ihr glaubt, als dass er vor allem an sie glaubt, denn das tat niemals jemand zuvor („Why don't you believe me? I need you to believe in me.“ | „Warum glaubst du mir nicht? Ich brauche es, dass du an mich glaubst.“). Shannon schüttet Sayid ihr Herz aus, offenbart all ihre Selbstzweifel und ihre Zweifel an Sayids Aufrichtigkeit. Doch prompt gibt Sayid bestimmt zu „I believe you.“ („Ich glaube dir.“), erscheint wer mitten im Dschungel? „Walt?!“ Ja, genau der. Beide sehen sie ihn. Jetzt wissen wir zumindest schon mal eines: Walt ist keine Einbildung. Bevor wir nun alle Fäden zusammenlaufen lassen, müssen wir erst mal den anderen Faden unter die Lupe nehmen, doch dazu muss ich den erst mal wiederfinden... Moment... er war rot, soviel weiß ich noch... wo hab ich den denn nur? Das ich auch immer den roten Faden verliere. Ah, da isser ja! Nein doch nicht, das ist der rote Faden von der letzten Folge. Den hab ich überall gesucht. Prompt hört man mal auf zu suchen, findet er sich von alleine. Bei Jacob! Ah, jetzt hab ich ihn. Jetzt muss ich den nur noch etwas entwirren und den Anfang finden, dann kann’s weiter gehen... So, auf geht es:

„She is lost!“ – „I’m not lost!“ Ja, das ist eindeutig der richtige Faden. Aber Ana weiß wirklich nicht wo sie sind oder wo sie lang müssen. Doch Ana-Lucia wäre nicht Ana-Lucia, wenn sie die Schuld nicht schnell auf irgendwen anders schieben würde, der vorzugsweise nicht anwesend ist. Zum Glück erscheint Mr. Eko prompt (wenn man vom „Samuel“/Teufel spricht) und berichtet „Sie“ gesehen zu haben. Die Tailies, Michael, Jin und der Typ mit dem Loch im Arm brechen auf. Als sie so über die Insel wandern, kann man übrigens einmal ziemlich deutlich die Hydra-Insel im Hintergrund erkennen und als hätte James geahnt, dass er da bald hin muss, bricht er erst mal zusammen. Libby – ganz die Psychiaterin – beginnt daraufhin Fragen zu stellen, denn das können Psychiater echt gut: „How'd you get shot, anyway?“ („Wie wurdest du überhaupt angeschossen?“) – „With a gun?!“ („Mit einer Pistole?!“) Das nenn ich Galgenhumor! Viel erstaunlicher ist aber was Michael sagt: „He got shot when they took my kid.“ („Er wurde angeschossen, als sie mein Kind entführten.“) Nicht nur, dass das die erste Äußerung Michaels ohne „Walt?!“ seit acht Folgen war, nein, es heißt durch die Blume an Sawyer gerichtet etwa so viel wie: „Eye, Mann, tut mir leid, dass ich mich so doof benommen hab. Danke, dass du versucht hast, meinen Sohn zu beschützen.“

Sawyers Verwundung wird bald zum Streitpunkt zwischen Ana und Eko, der durch den Dschungel gehen will und nicht – wie Ana – entlang der Küste. Wie menschenverachtend Ana in ihrem Egoismus und ihrer Furcht werden kann, offenbart sich hier in aller Deutlichkeit: „You're doing this to get the cowboy back faster, aren't you? You would risk our lives to help him?“ („Du tust das, um den Cowboy schneller zurückzubringen, oder etwa nicht? Du würdest unsere Leben riskieren, um seines zu retten?“) Zu so einer Äußerung fällt einem doch echt nichts mehr ein. Und eben weil mir nichts dazu einfällt, kommen wir direkt zu Anas nächster Äußerung: „I liked you better when you weren't talking.“ („Ich mochte dich lieber, als du nicht gesprochen hast.“) In „S.O.S.“ sagt Bernard etwas vergleichbares zu Eko: „I think I liked you better when you just hit people with your stick.“ („Ich glaub, ich mochte dich lieber, als du noch Leute mit deinem Stock verprügelt hast.“)

Auch auf dem Rest der Wanderschaft zeigt sich Anas Paranoia in immer extremeren Formen. Sie verbietet ihren Begleitern den Mund und vermutet hinter jedem Busch einen Anderen, der gleich hervorspringt und sie mit seinem bloßen Blick in Stücke reißt. Sie vergleicht die Anderen mit cleveren Tieren, die jederzeit und an jedem Ort auftauchen können. Ferner meint sie auch, dass eine Waffe und eine Kugel die Anderen nicht aufhalten könnten („And if you think that one gun and one bullet is going to stop them – think again“). Da fragt an sich doch: Warum schießt sie dann irgendwo wahllos in den Busch? Wenn sie so überzeugt davon ist, dass ihre Waffe eh’ nichts ausrichten kann, macht es nicht wirklich Sinn auf Verdacht ins Gebüsch zu ballern und so womöglich die einzige Kugel, die sie noch hat, zu verschwenden. Aber man wäre ja froh, wenn sie die Kugel nur verschwendet hätte! Es kommt letztlich sogar noch weit schlimmer und Ana erschießt eine Unschuldige.

Aber beinahe wäre Shannon nicht der einzige Lostie gewesen, den Ana auf dem Gewissen gehabt hätte, denn Sawyer will sie, als dieser entgültig zusammenklappt, am liebsten zum Sterben zurücklassen. Mehr will ich auf die Szene auch nicht eingehen... schon allein davon, dass ich an die Szene zurückdenke, werde ich ganz aggressiv.

Als die Gruppe Sawyer dann die Böschung hochhievt, indem sie ihn nach oben durchreichen, verschwindet Cindy dann spurlos. Und mal wieder hat mein spezieller Liebling etwas richtig nettes dazu zu sagen: „This is all your [Eko’s] fault. We never should have gone through the jungle. You risked our lives to save him and he's already dead. This one's on you.“ („Das ist alles deine [Ekos] Schuld. Wir hätten niemals durch den Dschungel gehen sollen. Du hast unsere Leben riskiert, um seines zu retten und dabei ist er schon tot. Das geht auf deine Kappe.“) Man hört das Flüstern, Ana zieht die Waffe und... sagen wir so: Shannon war zur falschen zeit am falschen Ort. Obwohl...?! Walt hat sie ja direkt in den Tod geführt. Und weshalb bleibt Sayid erst auf der Lichtung zurück und springt dann plötzlich auf und rennt ihr hinterher, als sei ihm gerade eingefallen, dass die schießwütige, hysterische Kuh ja mit ’ner Knarre im Wald steht und auf alles ballert, das sich bewegt. Apropos: Guckt euch mal an wie Ana guckt, als ihr klar wird, was sie angerichtet hat.

Kommen wir zum Abschluss noch zu etwas erfreulicherem: der Nebenhandlung um Claire und Charlie, die sich nach ein paar Wochen auf Psycho-Island schon verhalten wie ein altes Ehepaar. John hilft Claire mit dem Baby und später bietet sie ihm dafür an Aaron einen Moment zu halten. Als Charlie dazukommt reagiert er gewohnt eifersüchtig – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes: er ist süchtig danach zu eifern. Außerdem verrät Claire John in dieser Folge versehentlich von Charlies geheimen Heroinvorrat.

Okay, ich denke das reicht für heute und diese Folge. Die nächste ist ein Gastbeitrag, den ich aber noch mal Korrektur lesen und am Ende ggf. um ein paar Punkte ergänzen werde. Ein letztes hab ich noch: Da sie in dieser Folge nicht vorkommt, muss ich der Ordnung halber jetzt aber doch noch mal nachfragen: „Where’s Kate?“

Dienstag, 20. Oktober 2009

"I saw Kate in the jungle!"

Tag 26 – 17.10.2009:

„Schade nicht“ ist so eine Folge, bei der man den grausigen deutschen Titel erst kapiert, wenn man den englischen kennt: „Do no harm“ – „Richte keinen Schaden an“. Ist doch erschreckend, dass irgendwo ein Mensch sitzt, der Geld dafür bekommen hat, diese Übersetzungsarbeit zu leisten, wenn jeder Achtklässler mit einer Vier in Englisch es besser hinbekommen hätte. Ich kenne niemanden, der den deutschen Titel las oder von mir gesagt bekam und nicht gesagt hätte: „Häh? Was soll das denn bedeuten?“

Viel schreiben kann man über diese Folge allerdings nicht, denn sie stammt aus einer Zeit, in der Hauptcharaktere noch eine ganze Folge Zeit zum Sterben gelassen wurde. Ja, das waren noch Zeiten. Mittlerweile werden Charaktere auf deren Auftritt man 100 Folgen warten durfte, kaum, dass sie sich einmal in der Gegenwartshandlung blicken ließen, in eine Feuerstelle getreten. Da kann Boone schon fast froh sein, so früh draufgegangen zu sein, denn dadurch war der Abtritt einer der dramatischsten in der Geschichte von „Lost“ allenfalls noch geschlagen von Libby und John, dessen Tod ja ewig bekannt war und dann immer mal wieder wackelte und eigentlich wissen wir wohl erst im Mai, ob er denn auch tot bleibt, was ich nicht hoffen will. Ich musste schon bei „Heroes“ erfahren, dass mein Lieblingscharakter meinen zweitliebsten Charakter umbringen würde* – vor der Folge hab ich aufgehört die Folgen auf Englisch zu gucken. Schlimm genug das einmal auf Deutsch aushalten zu müssen. Kommen wir nun aber zum sehr langsamen Tod von Boone und gleichzeitig zur vierten Jack-zentrischen Folge in einer Staffel. Das gab es aus gutem Grund auch nur dieses eine Mal, denn eigentlich sind die Rückblenden bereits in dieser Folge mit nichtssagend überaus wohlwollend beschrieben. Es gibt nichts, was wir in den Rückblenden dieser Folge über Jack erfahren, was man nicht auch aus anderen Folgen erfahren hätten: er kann Klavier spielen, er hat Probleme loszulassen („...just not good in letting go!“), er hat Sarah wundersamer Weise geheilt („I didn’t fix you – you fixed me!“) und heiratet sie jetzt.

Überhaupt fällt wie immer in Jack-zentrischen Folgen ausgesprochen oft die Phrase „fix it“ („es wieder hinbekommen“). Dennoch erdreistet sich Jack auch noch locke dessen Stammzitat zu klauen: „Don't tell me what I can't do!“ („Sag mir nicht, was ich nicht tun kann!“). Das meiste von dem, was ich finden konnte, sind ähnlich belanglose Kleinigkeiten: Jack führt bei Boone eine Pleurapunktion durch, als sich Boones Lunge mit Flüssigkeit füllt – Boone selbst schlug Jack nach dem Absturz vor einen Luftröhrenschnitt zu machen, um Rose zu retten. Wenn es hart auf hart kommt, lässt Sawyer nicht den egoistischen Kotzbrocken raushängen und gibt Kate ohne Widerworte seinen gesamten Alkohol.

Der Rest dieser Episode wird mal wieder stark von einem Gegensatzpaar dominiert – in diesem Fall: Leben und Tod; Boone stirbt, während Claire Aaron zur Welt bringt. Überaus symbolträchtig! Jack würde eigentlich an beiden Orten gebraucht, doch stattdessen bringt die Frau das Kind mit zur Welt, die es später drei Jahre lang wie ihr eigenes großziehen wird: Kate. Jin, der auch in dieser Folge wie in „Ji Yeon“ zu einer Geburt eilt, die nicht die seines Kindes ist, kommt durch diese Ereignisse Sun wieder etwas näher. Die Sprache, die beide entzweite, zwingt sie in dieser Notsituation wieder miteinander zu reden und es erweist sich als nützlich, dass Sun Englisch kann. Shannon ist, als Boone stirbt, mit Sayid an jenem Strand, zu dem auch Hurley mit Libby gehen wollen wird, kurz bevor auch diese einem schier endlosen Todeskampf erliegt. Doch Shannons eigener Tod ähnelt Libbys noch viel mehr, denn sie beide werden „aus Versehen“ erschossen – sofern man jemanden überhaupt aus Versehen erschissen kann.

Am Ende der Folge bleibt nur eine Frage offen: Was sollte Jack Shannon von Boone sagen?





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*SPOILER für „Heroes“: Sylar wird Elle umbringen – wieso? Ausgerechnet! Konnte er nicht endlich Angela töten – die geht mir schon seit der ersten Folge auf den Keks.

Ein Opfer, das die Insel verlangt hat

Tag 25 – 16.10.2009:

Zeit für den Deus Ex Machina. Aber was ist eigentlich ein Deus Ex Machina? Ich schätze mal, dass die wenigsten, die nicht Latein hatten und sich überdies mit Germanistik bzw. der Dramatik als Literaturform beschäftigt haben, das wissen. Als die Episode das erste Mal lief, wusste ich es auch noch nicht, daher halte ich eine kurze Erklärung des Begriffs mal für angebracht – zunächst zur Übersetzung: „Deus“ = „Gott“ – taucht heute noch oft in Kirchenliedern auf oder auch in der weiblichen Form „Dea“ im Namen einer Tankstellenkette, deren Namen ich wegen der Schleichwerbung natürlich nicht direkt ansprechen kann^^. „Ex“ (oder einfach nur „e“) heißt nicht wie einige jetzt meinen könnten „ehemalig“, sondern „heraus“ – wie etwa in „explodieren“, „emigrieren“ („auswandern“) oder „exzerpieren“ („herausziehen“). Okay, was „Machina“ bedeutet kann sich wohl wirklich jeder denken. Der Deus Ex Machina ist also der „Gott aus der Maschine“. Gemeint ist damit aber heutzutage eine nicht sehr elegante, aber häufig verwendete Erzähltechnik. In den antiken griechischen Tragödien wurde ein nicht mehr zu lösendes Problem am Ende oft dadurch gelöst, dass einer der Götter auftrat und das Problem aus der Welt schaffte. Oder aber er trat auf um der Geschichte eine plötzliche, überraschende Wendung zu geben. Um den Gott jedoch als solchen kenntlich zu machen und von den anderen Figuren abzuheben, ließ man ihn meist mit Hilfe einer Maschine auf die Bühne „schweben“. In modernen Dramen, aber auch Filmen und Serien bezeichnet Deus Ex Machina also ganz allgemein einen gegen Ende auftauchenden Charakter, der entweder die Problematik auflöst oder der Story eine überraschende Wendung gibt, oder eine nicht zu erahnende Wendung selbst. „Lost“ bildet wohl einige der wenigen Ausnahmen im Gebrauch dieser Erzähltechnik, da sie hier wirklich geschickt genutzt wird ohne ironisch gemeint zu sein (ein berühmtes Beispiel für einen satirischen Deus Ex Machina findet man in Brechts „Dreigroschenoper“). Zumeist ist ein Deus Ex Machina mehr eine aus der Verzweiflung geborene Figur nicht sonderlich talentierter Autoren. Ein Lost-Charakter hat sich den Titel Deus Ex Machina mehr als redlich verdient und wir haben keine Ahnung, was er durchmachen musste, um dahin zu kommen.

Warum die „Lost“-Autoren nun ausgerechnet dieser Folge den Titel „Deus Ex Machina“ gaben, sei mal dahingestellt, denn mir würden etliche Episoden einfallen, wo der Titel mehr zugetroffen hätte. Aber auf unseren Deus Ex Machina (könnte generell ein neuer Spitzname für Jacobs Gegenspieler werden – denn er hat ja bisher so wenige) gibt es in dieser Folge wieder einige Querverweise, denn es geht mal wieder um Betrug, Verrat, Geduld, Fallen und natürlich auch um Schlupflöcher. Es scheint mir sinnig, die Handlungsfäden komplett getrennt voneinander zu betrachten, obgleich sowohl Insel- als auch Flashback-Handlung in dieser Folge gleichwertig brisant sind wie sonst nur in Folgen, die einen der Anderen zentrieren – okay, jetzt werden einige sagen: „Tut die doch!“ Aber ihr wisst, dass es vor allem darum geht, dass man sonst eigentlich nur dann derart den Atem anhält, wenn die Flashbacks auch die Geschichte der Insel aufdecken.

Also ab in einen Spielwarenladen – überhaupt eine sehr angenehme Location (außer kurz vor Weihnachten): Locke erklärt hier den Kampf zwischen Jacob und „Sam... mein, Fehler! Natürlich erklärt Locke lediglich das Spiel „Mouse Trap“. Gaaaaaaanz zufällig ist das auch Johns Lieblingsspiel. Konnte er schon mal für die Insel üben, denn so groß ist der Unterschied zwischen Wildschweinen und Mäusen nun auch nicht, außerdem funktioniert es aber auch mit annähernd glatzköpfigen Spielwarenverkäufern, die eine Niere zuviel haben, reichen Ehefrauen, deren Männer ein paar Millionen zu viel haben, und natürlich mit teppichknüpfenden „Göttern“, die eine ganze Menge Selbstvertrauen zu viel haben. Letztlich bleibt festzuhalten, dass wir nun das dritte Spiel gefunden haben, das eine Analogie zur Handlung von „Lost“ darstellt: Backgammon, Schach und nun „Maus reiß aus!“ (da haben sich die deutschen Übersetzer – anders als meine Wenigkeit – mal wieder nicht die Mühe gemacht, zu recherchieren wie das Spiel bei uns nun wirklich heißt und es einfach „Fang die Maus“ getauft). Was haben all diese Spiele gemeinsam? Zunächst einmal gibt es zwei Seiten – „eine ist hell, eine dunkel“. Während Schach jedoch rein strategisch ist, beinhalten die anderen beiden durch den Würfel auch ein Zufallselement. Verbleiben wir mal kurz bei diesen drei Spielen und ihrem Bezug zu „Lost“ – beginnen wir mit dem wohl präsentesten und treffendsten: Schach.

Der Kampf zwischen Jacob und „Samuel“ kommt einem Schachspiel eigentlich am nächsten. Die beiden Könige sind nicht in der Lage sich selbst zu schlagen, weil man sich mit dem eigenen König ins Schach begeben müsste, um in Schlagweite zu kommen. Es ist also mindestens eine weitere Figur von Nöten, um den gegnerischen König matt zu setzen. Des weiteren wird kein Schachspieler widersprechen, wenn ich sage: manchmal können es sogar die eigenen Figuren sein, die einem zum Verhängnis werden, weil sie entweder dem Gegner Deckung geben oder einem selbst im Weg stehen – ist zwar selten, kommt aber vor. Vor allem ist Schach aber ein Spiel, bei dem man seinen Gegner einschätzen können muss. Man muss mögliche Züge gegnerischer Figuren lange im Voraus berechnen und jeden noch so kleinen Bauern genau im Blick behalten. Die denkwürdigste Schachpartie bei „Lost“ bekam sogar ihre eigene Mobisode und wiedereinmal verlangt Ben uns Respekt ab, denn wer es schafft beim Schach zu bescheißen, hat es schon wieder verdient zu gewinnen, denn so einen Gegner muss man auch erst mal finden. Ferner muss Locke den Schachcomputer der Flamme schlagen, um die Station zu sprengen. Aber auch Mathias und Henrik spielen Schach.

Backgammon, was ich offengestanden noch nie gespielt habe, ist eine Mischung aus Glücks- und Strategiespiel und beinhaltet somit auch die beiden in „Lost“ immer wieder thematisierten Faktoren: Schicksal und freier Wille. Aber was ist nun mit „Maus reiß aus!“? Wie uns Locke hier erklärt, muss man in diesem Spiel aus mehreren Einzelteilen eine Falle konstruieren und deren Auslösung exakt timen, um den Gegner zu besiegen. Die Parallelen zum Kampf zwischen Jacob und „Samuel“ braucht man da wohl schon nicht mehr aufdröseln.

Bereits in dieser Szene wird John von der Therapeutin aus „Eiskalte Engel“ (falls ihr euch gefragt habt, warum euch die Schauspielerin so bekannt vorkommt) angesprochen und nach Bällen gefragt. Auf dem Parkplatz steht sie dann wieder rum und als John ihr hinterher will, wird er angefahren. Auch das ist mittlerweile ja keine Seltenheit mehr bei „Lost“: Michael, Nadia (vermutlich kein Unfall) und zwei Andere (bei denen war es aber definitiv kein Unfall). Wirklich interessant wird es aber erst, als John mit Emily einen Kaffee trinken geht und sie ihm eröffnet, sie sei seine Mutter. Jetzt wissen wir zwar, dass alles, was sie ihm so erzählt, dem einen Zweck folgt, Anthony eine Niere zu besorgen, damit der ihr Geld gibt. Echt klasse Eltern hat unser John da... mal wieder etwas, das er mit Ben, aber auch Daniel, Penny, Sun, Kate, Boone und Shannon gemein hat. Doch würden wir nur für einen Moment mal annehmen, es sie kein Vorwand und sie würde die Wahrheit sagen, dann würden wir hier einige bemerkenswerte Hinweise erhalten. Emily bezeichnet John als „special“ („besonders“) und meint ihr Zusammentreffen, sei ein Vorbote großer Ereignisse. Sie behauptet sogar, John sei eine unbefleckte Empfängnis gewesen. Obgleich ich persönlich nicht viel von der Theorie halte, John könnte Jacobs Sohn sein, wäre das ein Indiz, was dafür spräche, da hier ein ganz klarer Bezug zu Jesus Christus aufgebaut wird, den wir in so eindeutiger Form allenfalls noch bei Ben, Aaron oder Jacob selbst finden können. Cooper meint über die Story mit der unbefleckten Empfängnis selbstgefällig: „Really? Well, I guess that makes me god, huh?“ („Wirklich? Tja, dann schätze ich, dass macht mich dann wohl zu Gott, hä?“). Selbstverständlich spricht aber der Rest dieser Episode gegen Jacob als Johns Vater, denn wäre John Jacobs Sohn, wäre er kaum der Idealspender für Anthony Cooper.

Der muss seinen Sohn allerdings erst einmal ordentlich einlullen und braucht dazu einen verdammt langen Atem (gut für ihn, dass er’s an der Niere und nicht an der Lunge hat^^). Von Anthony Cooper lernt John zumindest eines, was ihm und anderen auf der Insel mehr als nützlich sein wird: das Jagen. Vielsagend ist hier vor allem die Szene mit den Vögeln: Erst müssen sie aufgescheucht werden, ehe man sie erlegen kann. Dass Cooper eine Niere von John will, bringt er natürlich nicht selbst zur Sprache – ganz im Gegenteil: er gibt sogar vor, seine Erkrankung vor John verstecken zu wollen. Ferner sagt er vor der OP zu John: „See you on the other side, son.“ („Ich seh’ dich auf der anderen Seite, Sohn“) Später einmal wird John froh sein, dass ihm eine Niere fehlt. Allerdings stellt sich da bis heute die Frage, ob Ben in Kenntnis von John Krankengeschichte auf die Entfernung nicht absichtlich dahin geschossen haben könnte, um John einem letzten Test zu unterziehen, denn wie sagte Ben: „Dann wollen wir hoffen, dass er jetzt dir hilft!“ Als John Coopers perfiden Plan durchschaut, ist es schon zu spät und John läuft wie ein Panter im Käfig vor dem Zufahrtsgitter von Coopers Villa auf und ab. Er ist so rasch aus dem Krankenhaus abgehauen, dass die Wunde von der OP nicht richtig verheilt war – man sieht einen Blutfleck an Johns Rücken. Auch am Ende der Inselhandlung sehen wir John verzweifelt, wütend und mit Blut am Rücken um Einlass flehend. Doch ehe er fluchend gegen die Luke hämmert, ist noch einiges passiert.

Die Inselhandlung beginnt mit John und Boone beim Bau eines Trebuchets (ihr seht: da ist ein „T“ am Ende – zumindest im Nominativ, da das jetzt ein Genitiv ist, ist eigentlich ein „s“ am Ende, aber wir wollen ja nicht kleinlich sein). Mich wundert irgendwie, dass aus dem Inneren der Luke – also von Desmond – so gar keine Reaktion kommt und auch später nie davon gesprochen wird, dass Locke eine aus Bambus und Wrackteilen gebastelte Blide auf sein Dach krachen ließ. Übrigens ist Boones Einwand gar nicht so verkehrt, denn Katapult ist lediglich der Überbegriff für alle Arten von mechanischen, schweren Wurfapparaturen und –Waffen also auch für Trebuchet/Blide, Balliste, Onager, Warwulf etc.. Bei dem Unfall mit dem Trebuchet verletzt Locke sich das Bein ohne es zu bemerken: er beginnt das Gefühl in den Beinen zu verlieren. Die Mächte der Insel fangen damit an Boones Tod vorzubereiten.

Locke wartet begierig auf ein Zeichen der Insel, doch interpretiert er es falsch – aber das sollte er wohl auch. Wer schickt Locke seine Vision überhaupt? Die Insel selbst? Jacob? „Samuel“? Das Monster? Noch eine andere Kraft? Die Vision enthält Hinweise auf die kommenden Ereignisse. Locke konzentriert sich aber wie so oft nur auf das, was er auch sehen will: Die Beechcraft, deren Absturz er Jahre zuvor selbst miterleben wird. Doch was sagt ihm die Vision wirklich?

Boone ist wütend auf John, der sich und die Insel verteidigt und so seinen Glauben bestätigt. Dann kommt der langersehnte Hinweis, an dem Boone zweifelte, angeflogen. Emily zeigt gen Himmel – Lockes Mutter, in die er Vertrauen setzte und die ihn betrog. Plötzlich ist Boone blutüberströmt und sagt immer wieder: „Theresa falls up the stairs. Theresa falls down the stairs.“ („Theresa fällt die Treppe rauf. Theresa fällt die Treppe runter.“) Locke findet sich handlungsunfähig in seinem Rollstuhl wieder und brüllt: „Don't take it back!“ („Nimm es mir nicht wieder weg!“) Ist das nicht genau das, was an der Beechcraft später passiert? Locke ist unfähig zu klettern, also erklimmt Boone den Felsen und steigt in die Beechcraft, mit der er hinabstürzt und sich lebensgefährlich verletzt. Die Insel hat genau gesagt, was passieren würde, sogar dass er sich an Boones Tod so schuldig fühlen würde, wie jener an Theresas. Dass Theresa von Boone in der Vision erwähnt wird, war weniger dazu da, um Boone zu überzeugen, sondern war vor allem ein Teil der Botschaft an Locke. Warum also nimmt die Insel Locke seine Fähigkeit, wieder zu laufen, kurzzeitig wieder weg? Eben weil er so nicht ins Flugzeug klettern kann und Boone es tun muss. Nachdem die Beechcraft vom Fels gestürzt ist, kann Locke wieder laufen, trägt Boone zu den Höhlen und verschwindet danach binnen Sekunden im Wald, lässt Boone zum Sterben bei Jack zurück, weil der ihn aufgrund von Lockes Lüge falsch behandelt.

In Johns Vision ging es nie darum, ihm einen Weg in die Station unter der Luke zu weisen, sondern einzig und allein darum, dass die Insel mit Boone ein Opfer verlangte. John hat es ihr geliefert. Ob das Ganze nun tatsächlich nur darauf abzielte, Desmond vom Selbstmord abzuhalten, sei mal dahingestellt. Ich denke, dass da noch mehr dahintersteckt. Was werde ich wohl bei „Schade nicht“ näher thematisieren. Es gibt aber auch ein paar eindeutige Hinweise auf spätere Ereignisse in der Handlung von „Lost“, die mit der Beechcraft in Zusammenhang stehen: Der Funkspruch, den Boone absetzt, wird von Bernard beantwortet; als die Beechcraft auf dem Boden auftrifft ist kurz ein hohles, metallischen Geräusch zu vernehmen, weil das Flugzeug auf die Luke zur Perle aufgeprallt ist; die Leichen der Priester sind ein Hinweis auf Eko und Yemi; die Drogen verweisen schon hier auf eine weitere Prüfung für Charlie – ähnlich wie bei Hurley mit dem Essen in „Dave“. Gleichzeitig sind die Statuen mit den Drogen natürlich auch von einer gewissen Ironie geprägt – wie schon Marx sagte: „Religion ist Opium fürs Volk!“ Und machen sich die Mächtigen der Insel nicht genau das zunutze? Zeigen John Visionen, heilen ihn, machen ihn zu einem Gläubigen, indem sie ihm kleine Geschenke geben, um ihn so kontrollieren zu können.

Gucken wir uns zu guter letzt noch mal eben die Story um Sawyers Kopfschmerzen an. Ein paar Dinge sind mir auch da aufgefallen. James erwähnt gegenüber Jack, sein Onkel sei an einem Gehirntumor gestorben – also mal wieder einer mit Krebs. Nur hat man den anders als Ben, Rose und Rachel doch schon längst wieder vergessen. Sawyer braucht also eine Brille. Aber warum zum Teufel hat Jack tatsächlich welche parat? Hat der zusammen mit den Medis jetzt also auch Brillen gehortet, falls mal einer plötzlich an Fehlsichtigkeit erkrankt? Okay, genau das ist passiert, aber genau das ist ja so ungewöhnlich. So was ist ein schleichender Prozess, der nicht nur mit Kopfschmerzen, sondern vor allem mit trockenen, gereizten Augen einhergeht. Und zu Hurleys Kommentar: „Dude, it looks like someone steam rolled Harry Potter.“ („Alter, scheint wohl als stünde einer da voll auf Harry Potter.“) kann ich nur sagen: da kannte er den jungen Ben wohl noch nicht^^.

„Schade nicht“ kommt wohl gegen Abend. Wir lesen uns!