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Donnerstag, 29. April 2010

„See you in another life, brotha!“

The Last Recruit – Review Part II:

Zunächst einmal: Sorry, dass es solange gedauert hat, aber ich war am Wochenende nicht so wirklich auf der Höhe und hab schreibtechnisch Nichts auf die Reihe bekommen: „Omega“ blieb ebenso liegen wie die zweite Hälfte der Review. Aber wir haben ja eh’ eine Woche Pause und so ist es vielleicht gar nicht mal so schlecht, dass sich das nun etwas streckt, verkürzt euch dann hoffentlich wenigstens die Wartezeit auf „The Candidate“.

Bevor ich jetzt zu den Flash Sideways komme, noch mal ein paar Worte zum ersten Teil, wo ja viele ihren Unglauben gegenüber der Jack-Ist-Gestorben-Theorie geäußert haben. Ich selbst bin auch nicht 108%ig davon überzeugt und wäre gewiss nicht happy darüber, aber es scheint mir dann doch irgendwie darauf hinauszulaufen, obwohl es nicht völlig stimmig wäre. Doch wenn uns Staffel 6 eines gelehrt hat, dann doch: auch bei „Lost“ ist nicht immer alles vollkommen logisch... leider passieren auch hier ab und an Schnitzer in der Handlung, die gravierender sind als ein falsches Geburtsjahr. Was mich dann viel mehr stört ist, wenn dann als Lösung zu solchen Fragen immer eine der folgenden fünf Erklärungsmodelle herhalten muss:

1. Jacob war’s.

2. MiB war’s.

3. Die Insel war’s.

4. Es ist eine Halluzination.

5. Die marode Raum-Zeit oder eine alternative Zeitlinie ist schuld.

Der letzte Punkt ist dann auch eine gute Überleitung zu den Flash Sideways, wo Desmond in bester Jacob-Manier lose Enden zusammenfügt und so langsam aber sicher seinen Teppich knüpft. In der letzten Folge sahen wir Desmond zuletzt, als er John nach einem kurzen Plausch mit Ben über den Haufen gefahren hat. Ben sitzt mittlerweile neben John im Krankenwagen und versucht sein Möglichstes dem Sanitäter und Locke zu helfen. Leider kann er nur mit zwei sachdienlichen Informationen aufwarten: John war bereits querschnittsgelähmt UND sein Nachname ist Locke. John kommt zu Bewusstsein und keucht Ben zu, er solle Helen Norwood finden – er habe sie heiraten wollen. Ben erwidert, das werde er auch. Die Ironie dieser ganzen Konstellation muss man wohl kaum noch mal hervorheben, oder?

Sie erreichen das Krankenhaus zeitgleich mit Jin und Sun, die angeschossen auf einer Trage liegt und bei Johns Anblick immer wieder panisch schreit: „It’s Him!“ („Das ist Er!“) – okay, ist eigentlich etwas albern den Untertitel wiederzugeben und dann zu übersetzen, doch diese spezielle Phrase erkennen wir wohl im Englischen bald besser wieder als im Deutschen. Sie erinnert sich offenkundig – aber an wen? Sie sagt keineswegs „Das ist John“, sondern „Das ist Er!“ und jeder von uns weiß mittlerweile, dass, wenn von „Ihm“ die Rede ist, nicht zwangsläufig Jacob gemeint ist (wie man uns lange weismachen wollte), sondern meist der Mann in Schwarz und den glaubt Sun in John nun wiederzuerkennen. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass sie den Mann in Schwarz im Gegensatz zu den meisten (und vor allem zu uns) einzig und allein in der Gestalt John Lockes kennt.

Derweil sitzt Kate nun bei James Ford auf dem Polizeirevier und wieder einmal beweist sie uns, dass sie in Sawyer...ähm in James natürlich lesen kann wie in einem Buch – ungeachtet der Zeitlinie. Mehr als das und die Antwort auf die Frage, warum James Kate am Flughafen laufen ließ, kann uns diese Szene dann auch nicht wirklich bieten. Miles taucht auf und so wird gleich ein weiterer Lebensfaden in den Teppich der Alternativen Zeitlinie eingewoben. Eine gute Gelegenheit mal einen Blick auf die Verknüpfungen der Alt zu werfen. Fassen wir noch einmal zusammen:

· Kate und Claire treffen sich im Taxi, das Kate entführt. Später helfen sie einander, wobei sie unter anderem Ethan treffen.

· Kate trifft nun (in „The last Recruit“ bzw. eigentlich ja schon in „Recon“) erneut auf Detective James Ford (alias Sawyer alias Jim LaFleur), der mit Miles zusammenarbeitet und auf der Jagd nach Lockes Vater ist.

· Die beiden nehmen nun bald Sayid fest, der kurz zuvor Keamy, Omar und Mikhail über den Haufen geschossen und Jin befreit hat, der mit Sun gerade bei dem Krankenhaus ankommt, in dem Jack arbeitet.

· Auch Locke, der jetzt mit Ben und Arzt zusammen an einer Schule arbeitet, nachdem Rose, zu der Hurley John geschickt hatte, ihm nicht so recht weiterhelfen konnte, wird zeitgleich mit Sun dort eingeliefert, weil Desmond ihn umgefahren hat.

· Desmond wiederum arbeitet für Charles, der ihn im Auftrag von Eloise und für Daniel losschickt, um Charlie aufzugabeln.

· Dabei wird er von George gefahren.

· Charlie und Daniel brabbeln etwas von ihrer großen Liebe: Claire bzw. Charlotte.

· Charlotte ihrerseits hatte ein Date mit James.

· Und Claire? Die begegnet Desmond nun zum zweiten Mal (wie zuvor schon Hurley) und trifft bei Anwältin Ilana auf ihren Halbbruder Jack, der kurz darauf weggerufen wird, weil er John operieren soll.

· Jacks Sohn Dave bewirbt sich bei der selben Musikschule wie Dogens Sohn auch.

· Wo wir bei Schulen sind: Ben ist nun der Geschichtslehrer von Alex.

· Außerdem trifft Hurley noch Libby wieder.

Hab ich wen vergessen? Ich hoffe nicht... bis auf Frank sind also alle, die in der Original-Zeitlinie noch leben, und auch der überwiegende Anteil der bereits verstorbenen auch fern des Flughafens wieder miteinander verknüpft. Klar, man könnte jetzt noch bei jeder Begebenheit ganz doll ins Detail gehen, aber im Wesentlichen läuft es doch darauf hinaus, dass sie alle wieder zusammenfinden und wenn es nicht von selbst klappt, hilft Desmond etwas nach – nimmt Kurskorrekturen vor. Apropos Desmond: Mir kommt gerade mal so eine total verrückte Idee: vielleicht hat Sayid ihn in der Original-Zeitlinie ja doch erschossen, aber da für Desmond die Regeln nicht gelten, kann sein Bewusstsein aus der Alt jetzt rüber – was theoretisch auch MiB mit Johns Körper passieren könnte, denn der Locke in ihm schlägt ja immer öfter durch.

Desmond passt Claire in der Alternativen Zeitlinie ab, als die zum Adoptionsbüro unterwegs ist, und schleift sie zu einer Anwältin, die schon händeringend nach einer gewissen Claire Littleton, die im Testament eines ihrer Klienten bedacht wird, sucht: Ilana Verdansky. Wunder gibt es immer wieder – heute oder morgen können sie geschehen – meistens dann, wenn Jacob – in der Nähe ist. Sorry, aber seit ich gestern diese Honda-Werbung im Lokalradio gehört habe, geht mir dieser Song nicht ausm Kopf... . Wo war ich? Oh, ja ganz zufällig taucht auch Jack bald auf, weil er mit David der Testamentseröffnung beiwohnen will. Kaum hat Jack Claire kennen gelernt, wird aber schon ins Krankenhaus gerufen: Ein Notfall – ein glatz- und überaus dickköpfiger Notfall um genau zu sein. Denn wen bekommt Jack da auf den Tisch? Natürlich jenen Mann, den er schon am Flughafen am liebsten gleich vor Ort auf dem Gepäckband operiert hätte – einfach, damit er mal wieder was hinkriegen kann. Man kann schon ahnen worauf das hinausläuft: Dieses Mal ist es keine Insel, die John heilt und ein nicht ganz freiwilliger Eingriff wird ihm auch keine Niere stehlen, sondern die Fähigkeit zu Laufen wiedergeben. Kurzum: Jack’s gonna fix it!

Was noch? Zu Sun im Krankenhaus und Sayids Festnahme kann man wenig sagen. Außer vielleicht: James beweist mal wieder sein Können in Sachen Planung, denn die Nummer mit dem Gartenschlauch war kultverdächtig. Aber damit verbleibe ich wohl dann auch bis nächste Woche zu „The Candidate“, denn letztlich war diese Folge wohl die letzte Bastion vor dem bombastischen Showdown und die zweiwöchige Pause ist – wie Gandalf es nannte: „Das große Luftholen vor dem Sprunge!“ Schönes Schlusswort: Bis zum Kandidaten, der passender Weise kurz vor der Landtagswahl läuft – aber es gibt bekanntlich keine Zufälle!

Mittwoch, 21. April 2010

The Last Recruit – Review Part I

Heute verzichte ich mal auf „erste Eindrücke“ und es kommt direkt die erste Hälfte der Review, denn nach der Folge ist vor allem Gedankenordnen angesagt und so hab ich mich entschlossen, mich sofort um die Inselhandlung zu kümmern.

MiB behauptet gegenüber Jack also, er wäre Christian und ich schätze mal, dass ich nicht der einzige bin, den das derzeit am meisten beschäftigt. Klar, viele haben es geahnt und gemutmaßt und auf den ersten Blick scheint es logisch – auf den zweiten nicht mehr. Warum?

Christian erschien sowohl Michael als auch Jack fern der Insel. MiB schafft es ohne Boot nicht mal zur Hydra und als Jacob noch lebte, dürfte es umso unmöglicher gewesen sein. Wie sollte er also in der Gestalt Christians Jack erscheinen? Claire, die mit MiB ebenso zusammenhängt wie Christian, erschien Kate fern der Insel und warnte sie, sie solle Aaron nicht zurückbringen und das, obwohl Claire annimmt Aaron sei bei den Anderen. Jetzt könnte man mutmaßen: Beides war MiB, der sich irgendwie als Vision in der Losties Köpfe setzt. Das Problem: Kate schlief, Jack und Michael waren wach; Claire lebt, Christian ist/war tot. Dann wäre da Johns Treffen mit Christian am Rad – wie kann es MiB schaffen Christians Gestalt anzunehmen, ehe der gestorben ist, denn Christian/MiB müsste sich sonst vor Bens Eintreffen schon am Rad aufgehalten haben, um so bei der Verschiebung in der Zeitblase des Rads zu sein. So anfällig wie MiB für diese Art von Feldern ist, ist das schwer vorstellbar, denn könnte er in die Nähe des Rades, wäre er damit schon längst geflohen. Aber das Todschlagargument ist ein ganz anderes: Wie soll MiB gleichzeitig bei Sun und Frank im Dharma-Dorf gewesen sein, wenn er als Locke auf der Hydra-Insel ist und sich zwischen den beiden ohne Boot nicht einmal bewegen kann? Ist Christian auf der Insel also wirklich MiB gewesen, so muss ich sagen, dass die Autoren uns dann bitte erklären müssen, warum das möglich war, wenn MiB doch nun in Johns Gestalt gefangen ist. Ganz abgesehen davon, wüsste ich gerne, wieso MiB gegenüber Vincent Jack als seinen Sohn bezeichnen sollte? Außer natürlich MiB wäre Jacks Vater und nicht Christian ;-).

Aber warum sollte MiB lügen? Hier nun also meine Master-Theorie zu MiBs REKRUTEN: Ilana sagt ganz klar, dass MiB jetzt rekrutiert. Anzunehmen, dass er damit die Leute meint, die er um sich versammelt, war wohl ein großer Denkfehler. Rekruten sind Menschen, die gestorben sind und von MiB zurückgeholt werden. Das hat er mit Sayid (im Tempel durch das „verdorbene“ Wasser) und Claire (nach der Explosion – der Sonarzaun war aus und Miles macht im englischen O-Ton bekanntermaßen eine entsprechende Bemerkung, was mal wieder zeigt wie ärmlich die deutsche Synchro ist) gemacht. Wer sagt uns, dass er es nicht auch mit Christian gemacht hat und ihn einsetzte, um Jack zu manipulieren? Anders als bei John, bleibt Christians Leiche verschwunden. Jetzt will MiB die Insel verlassen und würde Jack glauben, dass sein Vater noch da draußen rumläuft, wäre er kaum bereit zu gehen, denn schließlich ist er wegen Christian zurückgekommen. Sofern Jack die Insel verlässt, kann MiB auch gehen. Bleibt Jack, so muss MiB ihn zu einem der Seinen machen und genau das passiert am Ende der Folge – Jack stirbt und MiB holt ihn zurück. Schließlich sagt er Jack nach der Explosion, er gehöre jetzt zu Ihm – wie Claire und Sayid. Jack ist ein Kandidat und somit wäre sein Tod MiB sehr willkommen, weshalb es keinen Sinn machen würde, Jack zu retten, außer er bindet ihn dadurch an sich: Jack ist der letzte Rekrut.

Wie sich jedoch zu zeigen beginnt, kann man sich auch dann noch gegen MiB entscheiden, denn Claire tut offenkundig genau das. Auch Sayid macht Anstalten, sich von MiB abzuwenden, denn wir sehen zwar wie er bei Desmond ist und dann schon zögert, jedoch nicht wie er ihn tötet. Man muss am Anfang der Folge ferner genau aufpassen: MiB lenkt jack zu der Frage hin, oder? Oder weiß er vielleicht wirklich nicht, worauf jack hinaus will. Dann dieses kurze Zögern, um es dann ganz bereitwillig zuzugeben? Dann wäre da noch Claire, die das gespräch belauscht hat und zuvor MiB und ihren Vater ganz klar als zwei verschiedene Individuen kennzeichnete. MiB bemerkt Claire und lässt sie mit jack allein. Was ist es, das Claire fragt? Sie fragt nicht, ob Jack wisse, dass MiB sich als ihr gemeinsamer Vater ausgab, sondern, ob MiB Jack gesagt hätte, dass er vorgegeben habe, Christian zu sein. Das ist keine Bestätigung von MiBs Behauptung, sondern eine Frage nach einer Bestätigung. Ja, es muss nicht einmal bedeuten: „Hat er dir das auch erzählt?“ Es könnte in der Situation ebenso gut heißen: „Hab ich richtig gehört?“ Zumal sie dann erst feststellt, dass sie nie so etwas wie Familie um sich hatte. Das könnte darauf hindeuten, dass ihr hier bewusst wird, wie sehr MiB sie manipuliert hat, was auch erklären würde, wieso sie sich im späteren verlauf der Folge von ihm abwendet. Ferner sagt sie – das wollen wir nicht vergessen – Jack sei nun „with him“ („gehöre nun zu ihm“), weil er ihn (zuerst) habe sprechen lassen („Let him talk to you“). Letztlich hat das wohl jeder schon zu Beginn der Folge bemerkt: MiB richtet sein Wort ganz schnell an Jack und spricht zuerst. Bleibt nur die Frage: Wann ließ Claire MiB zuerst sprechen... ich würde sagen: da klärt sich die noch fehlende Gedächtnislücke nach der Flucht aus dem Stab.

Bleiben noch zwei Problemfälle: Ben und John. John wird ziemlich offenkundig von Jacob zurückgeholt. Und Ben? Ben wird im Tempel gerettet und womöglich ist er dadurch Jacobs Rekrut geworden und war deshalb (neben John) der einzige, der Jacob töten konnte. Jetzt sind Jack, Sayid und Claire diejenigen, die MiB töten könnten, aber sie wissen es nicht.

Bevor mir jetzt wer eine zu einseitige Analyse unterstellt: natürlich gibt es auch Dinge, die für Christian als Gestalt MiBs sprechen: etwa die Tatsache, dass Christians Gruß an Jack, den John ausrichtet, Jack zurückbringt und ihn John mitbringen lässt. Auch die Manipulation von John, Ben und Claire spräche dafür. Nur das hätte Christian auch selbst als MiBs Rekrut tun können. Tja, und dann wäre da noch die Hütte: Wer war bei Christian, wenn nicht MiB? Oder sah Hurley den echten Christian im Stuhl sitzen und die anderen Christians waren MiB? Wie man es also dreht und wendet: das Rätsel um Christian ist noch keineswegs gelöst. Und sein wir mal ehrlich: Was wäre es für ein gelungener Mindfuck diese ja nun schon recht alte Theorie zu bestätigen, nur um sie dann zu widerlegen. Kurzum: Mir ist die Lösung für Lost-Verhältnisse zu billig und hat schlichtweg zu viele Lücken.

Was sich sonst auf der Insel abspielt, bedarf weniger Worte und daher will ich mich da so kurz wie möglich fassen: Von Ben, Richard und Miles erfahren wir nichts, wobei es mich etwas wundert, dass keiner der Anwesenden mal einen Gedanken an die drei verschwendet. Zoe taucht also in MiBs Camp auf, weil der Charles das „Paket“ geklaut (und – wie wir wissen – in einen Brunnen geworfen) hat... soll ja Glück bringen, sofern Des Geld dabei hatte zumindest. Komisch, dass MiB keinen Austausch vorschlägt, wo er doch so besorgt um seinen Smoking-Club ist. In einem scheint MiB aber tatsächlich Recht zu behalten: Alles, was Charles Widmore interessiert, ist Macht, denn wirklich fair spielt auch Charles nicht – was für eine Überraschung! Die ganze Ränkespielchen und die Frage, wer jetzt wieder wen austrickst, sind zwar spannend anzugucken, brauchen aber kaum analysiert zu werden. James handelt endlich wieder wie Sawyer: „Every Man for himself!“ Kate weiß uns aber positiv zu überraschen und nötig James dazu, Claire doch mitzunehmen, denn die scheint langsam zu kapieren, wer wirklich zu ihr steht und das ist Kate und nicht MiB. Sie gibt zwar vor, MiB zu trauen, doch ihr Handeln beweist, dass dieses Vertrauen bröckelt. Eine aus purer Verzweiflung geborene Allianz mit dem Bösen geht zu Bruch und so langsam ist Claire weniger eine Gefahr für die Losties als für ihren Herrn und Meister... Ben Linus wir hörn dir trapsen^^ - das Problem: Im Gegensatz zu MiB ist Jacob ein leichteres Ziel als jede Boxbirne. Aber wir wünschen Claire viel Glück, wenn sie Ihn umbringen will.

Die Losties wollen also mit der Elizabeth zur Hydra-Insel übersetzen, während MiB darauf wartet, dass James ihn und sein Gefolge abholt. Da Jack aber mittlerweile zu einem Mann des Glaubens geworden ist und verstanden hat, dass die Insel noch nicht mit ihm fertig ist, bleibt er. Interessant ist hierbei die Parallele zum Finale von Staffel 4: Damals sprang James aus dem Hubschrauber und kehrte zur Insel zurück, weil er auch nie wirklich gehen wollte, denn es gab ja nichts, was ihn dort draußen erwartete. Jetzt ist es ausgerechnet James, der Jack dazu bringt, von Bord zu springen und zur Insel zurückzuschwimmen. Jack erinnert sich an die Qualen nach seiner ersten Rückkehr von der Insel und an sein einst mit Ben gefasstes Vorhaben, die Insel nie wieder zu verlassen.

Warum Charles nun wieder den Deal mit James bricht, ist im Moment wahrlich schwer zu sagen... es scheint mir nur langsam so, als wolle Charles noch immer, was er schon in Staffel 4 wollte: Die ganze gottverdammte Insel abfackeln – warum sonst sollte er sie mit Lenkraketen beschießen? Apropos: Sollte ihm nicht eigentlich klar sein, dass er alles mögliche mit den Dingern zerstört, aber nicht den Mann in Schwarz? Der zeigt sich von der Explosion ähnlich beeindruckt wie Gothmog von den fliegenden Mauerfragmenten bei der Schlacht auf den Pelennor-Feldern („Der Herr der Ringe – Die Rückkehr des Königs“).

Für den Moment war das erst einmal das, was mir zur Inselhandlung einfällt. Falls ich was vergessen hab, reiche ich das mit der Review der Flash Sideways zusammen nach. Die kommt voraussichtlich noch im Laufe der Woche.

Mittwoch, 17. März 2010

"The Island is mine and always was and it'll be again!" - Erste Eindrücke zu "Recon"

Da ich ja immer brutalst ehrlich bin: Ich hätte nicht gedacht, dass mich in dieser Staffel eine Folge nochmal so langweilen könnte wie "What Kate Does" - ich hab mich geirrt. Ich weiß, dass viele diese Meinung nicht teilen werden, doch ich fand die Folge bis auf die Szene im U-Boot komplett absehbar und selbst besagte Szene hat mich jetzt nicht wirklich vom Hocker gehauen. Dennoch möchte ich mit der mal einsteigen. Charles will "Samuel" also töten - da dachte ich so: Schon komisch, oder? Ben tötet Jacob und Charles "Samuel"? Mir kam da vor allem das Zitat in der Übeschrift wieder in den Sinn. Wenn Charles offenbar weiß, was es mit dem "Smoke Thing" auf sich hat, könnte er auch von den Kandidaten gewusst haben und nahm an, er sei als Anführer bestimmt, Jacob zu töten und zu ersetzen. Dann kommt Ben und nimmt ihm den Job weg. Dass Charles nicht wirklich für Jacob oder den MiB kämpft, ist wohl ziemlich wahrscheinlich. Er ist und bleibt halt doch ein sadistisches, egoistisches Schwein, das um seiner Macht Willen sogar seinen Schwiegersohn in ein U-Boot sperren und zurück zur Insel verfrachten würde... oh, da ist mir doch glatt meine Theorie zu der verschlossenen Kammer rausgerutscht. Verdammt!^^
Läuft es nun also doch auf das große Duell zwischen Ben und Charles hinaus, denn das die zwei sich gegen MiB zusammentun, ist etwa so wahrscheinlich wie zweimal auf der selben Insel abzustürzen. Charles will das Spiel beenden, aber wohl kaum für Jacob, sondern für sich. Man wird wohl abwarten müssen, was er mit "Samuel" anstellt, aber der schien weder von Charles Anwesenheit noch von dem extra für ihn angefertigten Gefängnis sonderlich beunruhigt.
Ansonsten bemüht sich MiB weiter allen munter Honig ums Maul zu schmieren. James ist also der beste Lügner, den er je getroffen hat? Wenn Ben das hört tickt er wohl endgültig aus, denn im Leute verarschen ist er (zumindest unter den Menschen) immer noch die unanfechtbare Nummer 1. Aber auch Kate versucht er einzulullen und ich frag mich, warum, denn es hätte ihm doch wie gerufen kommen müssen, wenn Claire eine Kandidatin ausm Weg räumt.
Dann wäre da noch die geschichte von "Samuels" irrer Mutter. Wer ist oder war sie? Kennen wir sie? Ist es womöglich Claire selbst und MiB ist Aarons zukünftiges Ich? Zumindest zieht er Parallelen zwischen sich und Aaron, was zumindest darauf hindeutet, dass dessen große Stunde bald schlägt. Vielleicht ist Jacob auch "Samuels" Bruder und sollte darauf Acht geben, dass sein durchgeknallter Bruder auf der Insel bleibt.
Zu den Flash Sideways: Bis auf ein paar bekannte Gesichter (Miles, Kate, Charlotte, Liam) und gewisse Schlüsselbegriffe (con man, LaFleuer, Anthony cooper, Sawyer) war da nichts wirklich Interessantes bei. Sieht man mal von dem altbekannten Motiv der Entscheidung (Krimineller vs. Polizist) ab.
Na ja, ich schau mal, wann ich zur Review komme. Bis dahin euch allen einen schönen Tag und Namaste!

Dienstag, 9. März 2010

Catch a Falling Star

Sundown:

Der Vorteil an einer so actionlastigen Folge wie „Sundown“ ist für mich, dass es weniger zu analysieren gibt. Wobei weniger im Falle von „Lost“ immer noch eine Menge ist. Also auf geht’s. Da die Flash Sideways wenig mit der aktuellen Inselhandlung zu tun haben (bis auf eine sehr wichtige Schnittstelle, die wir uns ganz genau ansehen werden), behandeln wir sie mal kurz vorab. Sehr viel gibt es dazu letztlich auch nicht zu sagen, denn es zeigt sich, dass in der anderen Zeitlinie alles irgendwie anders, aber doch beim Alten geblieben ist, denn obwohl Sayids inselfreies Dasein auf den ersten Blick die gewaltigsten Unterschiede zur ursprünglichen Zeitlinie aufweist, wenn man es mit Kate, Jack, Hurley, John oder Claire vergleicht, stellt man bei genauerem Hinsehen fest, dass sich hier letztlich überhaupt nichts geändert hat. Sayid hat Nadia auch in dieser Zeitlinie nicht, weil er glaubt, sie nicht zu verdienen. Omer ist noch immer darauf angewiesen, dass sein hartgesottener Bruder ihm Probleme aus der Welt schafft. Sayid selbst ist ebenso wie in der Crash-Timeline bemüht sein wahres Naturell zu verleugnen. Na ja, und Martin Keamy ist und bleibt ein riesengroßes ******** (dieses Wort darf erst nach 22Uhr geschrieben werden). Einzig überraschend war der Koreaner im Kühlschrank und Keamys Kochkünste, die der Szene im Lokal so einen leichten Hauch vom ersten Auftritt von Linderman bei „Heroes“ geben. Mehr gibt es hier tatsächlich nicht zu sagen, würde ich mal sagen. Daher gehen wir nun gutgelaunt auf die Insel, wo sich ein Unwetter (in Form einer verdammt übelgelaunten, bisweilen glatzköpfigen, Gewitterfront) zusammenbraut.

Vor dem Tempel warten „Samuel“/MiB/der falsche Locke/The Antagonist formaly known as The Smoke Monster und Claire auf besseres Wetter (nein, da ist und war nicht der letzte Gewitterwolken-Witz dieser Review). Da „Samuel“ immer noch Probleme mit Asche und – wie wir später erfahren – Dogens Präsenz hat, schickt er Claire vor, um seine Nachricht zu überbringen. Claire weist „Samuel“ nachdrücklich daraufhin, dass er ihr versprochen hat, sie werde ihren Sohn zurückbekommen, wenn sie da nun reingehe (wir kommen später noch einmal darauf zurück). Dass Claire noch viel Gutes in sich hat, zeigt ihre Sorge um die Menschen im Tempel, denn trotz ihres Zorns und ihres Hasses fragt sie, ob „Samuel“ die Menschen im Tempel töten werde und er erwidert: „Only the ones who won't listen.“ („Nur jene, die nicht zuhören wollen.“)

Im Tempel hat derweil Sayid Dogen zu Rede gestellt und wurde von ihm dann quer durch dessen Büro geprügelt und es ist schon schön zu sehen, dass es auch für Sayid noch jemanden gibt, der ihm die Fresse polieren kann. Doch obwohl er es einst wollte, tötet Dogen Sayid nicht und verbannt ihn stattdessen. Vielleicht durfte er Sayid auch nicht töten, weil der noch immer ein Kandidat ist. Viel interessanter ist aber der Dialog, der dieser radikalen Renovierungsorgie im Tempel vorangeht: Dogen erwähnt hier etwas, das uns durchaus bekannt vorkommt. Er spricht davon, dass sich in der Seele jedes Menschen eine Waage befindet und auf der einen Seite sei das Gute und auf der anderen das Böse. Die komische Diagnoseapparatur mit den Elektroden und dem glühenden Schürhaken verrät Dogen – so sagt er zumindest – welche Waagschale schwerer ist. Bei Sayid dominiere das Böse. Mein lieber Dogen, das Messergebnis hättest du auch ohne Sayids Bad in der heilenden Brühe erhalten, sofern deine Instrumente noch richtig funktionieren. Wir können es nur mutmaßen, aber vermutlich durchliefen Claire und Ben einen ähnlichen Test – zumindest soweit es Ben betrifft, würde das wieder einmal dafür sprechen wie besonders er ist, da er in Jacobs Namen all diese schrecklichen Dinge tun konnte, ohne dass sich die Waage zur falschen Seite neigt. Er ist vermutlich in der Lage seine Aufträge auszuführen, ohne sich von ihnen vereinnahmen zu lassen.

Woran aber erinnert uns diese Metapher von der Waage? Richtig: die Höhle in der Felswand, zu der MiB Sawyer geführt hat. Wessen Waage ist das? Oder innerhalb von was zeigt sie die Verteilung von Gut und Böse an? Bezieht sie sich nur auf das Kräfteverhältnis zwischen MiB und Jacob? Zeigt sie an, wer auf der Insel einflussreicher ist? Oder geht es hier um etwas weit größeres? So oder so: der „Inside Joke“ wird ein weiteres Stückchen mehr zum „Outside Joke“. Ganz abgesehen von den offenkundigen Analogien, die sowohl die Höhlen-Waage als auch Dogens Schilderung zur Waage der Maat oder der Waage beim Jüngsten Gericht haben, kann man das Bild wirklich auf jede Figur, jede Gruppe in „Lost“ übertragen.

Dass Dogen Sayids Tod für besser hielte, illustriert ferner das Verständnis der Anderen von Gut und Böse: einen Menschen zu töten, der Schaden über die Welt bringen wird, ist kein Verbrechen, sondern gerechtfertigt. Dogen verfolgt eine von Ben schon altbekannte Maxim: Im Zweifelsfall heiligt der Zweck die Mittel – eine Regel, nach der auch Jacob selbst zu handeln scheint, wie Dogens eigene Lebensgeschichte uns im späteren Verlauf der Folge aufzeigt.

Sayid will gerade aufbrechen, als Claire erscheint. Sie übermittelt Dogen die Nachricht, dass „er“ ihn sehen wolle und zwar vor dem Tempel. Da Dogen angeblich derjenige ist, der „Samuel“ draußen hält, wäre es nicht nur für ihn selbst, sondern auch für alle anderen das Ende, wenn er sich dem Mann in Schwarz stellen würde. Claire schlägt Dogen vor, er solle jemanden schicken, den „Samuel“ nicht töten würde: also einen Kandidaten. Kate, James und Jin sind schon länger weg. Jack und Hurley wurden von Jacob in Sicherheit gebracht: bleibt nur Sayid. Wie bei Saruman dem Weißen soll Sayid darauf achten, dass MiB nicht das Wort an ihn richten kann – er muss ihn vorher umbringen. Dogen schickt Sayid also mit einem überdimensionalen japanischen Küchenmesser auf Rauchmonsterjagd. Noch ein paar Worte zu Claires Gespräch mit Dogen und ähnlichen Dialogen im Rest der Folge: es wird weiterhin kategorisch vermieden „Ihn“ beim Namen zu nennen. Sie sprechen von „Ihm“ (kommt euch das auch so bekannt vor?) mal als „an angry man“ („ein verbitterter/zorniger Mann“) oder „a man in the jungle“ („Ein Mann im Dschungel“) und dann sogar als „evil incarnate“ („Inkarnation/Personifizierung des Bösen“). Wie immer also der Name dieser Person lautet, er würde uns etwas verraten. Als Grund dafür gibt es zwei Möglichkeiten: der Name ist uns aus der Serie schon längst bekannt und beim Mann in Schwarz handelt es sich keineswegs um einen Unbekannten. Oder: der Name ist historischen oder mythologischen Ursprungs und jeder findige Fan könnte anhand des Namens ein großes Puzzelstück aufdecken. Ich denke nicht, dass es auf so etwas banales wie „Satan“, „Luzifer“ oder „Tod“ hinauslaufen wird. Und selbst wenn „sein“ Name Samael ist, ist er dies wohl eher symbolisch und nicht im Sinne des realen Erzengels und Dämons. Vielleicht handelt es sich bei dem Mann in Schwarz ja auch um Imhotep. Nein, nicht den Knilch aus „Die Mumie“ und „Die Mumie kehrt zurück“. Ich meine die historische Persönlichkeit: ein Baumeister, Schriftgelehrter, Magier und Ratgeber des Pharaos. Später erlangte Imhotep sogar den Status eines Gottes, was einzigartig in der Geschichte ist, da hier tatsächlich ein Mensch aufgrund seiner Leistungen und nicht etwa seiner Abstammung einen Gottstatus erlangte. Ist aber nur so ein Gedanke.

Dogen erwähnt gegenüber Sayid, dass „er“ eingesperrt gewesen sei und nun da Jacob fort sei, wäre „er“ frei. Viele mögen jetzt an die Hütte und den durchbrochenen Aschekreis denken, doch wäre „Samuel“ in der Hütte gefangen gewesen, wer sollte dann das Rauchmonster in den vorigen Staffeln gewesen sein? Außer der Bannkreis war schon längst zerstört als Oceanic Flug 815 abstürzte. Wahrscheinlicher ist aber wohl, dass Jacob oder jene andere Person, die laut Ilana die Hütte benutzt habe, den Bannkreis zog, um MiB draußen zu halten und die Insel selbst das Gefängnis ist.

Sayid geht also los auf Gewitterwolkenjagd und macht falsch, was man nur falsch machen kann: Er lässt „Samuel“ sprechen. Dann greift er ihn mit dem Dolch an und stellt fest, dass bei dem Mann in Schwarz wohl nicht funktioniert, was bei Jacob funktioniert hat. Dies wäre mal wieder ein Indiz dafür, dass Jacob und „Samuel“ doch nicht so recht vom selben Schlag sind. Der Mann in Schwarz behauptet, Dogen habe Sayid geschickt und ihm diesen Auftrag erteilt, weil er gehofft hätte, MiB würde Sayid dann töten, weil er Sayid schließlich schon einmal von jemandem töten lassen wollte (von Jack). Ich denke: sowohl Dogen als auch der Mann in Schwarz sagen teilweise die Wahrheit, verheimlichen beide aber einen ganz entscheidenden Punkt: Sayid ist ein Kandidat und weder Dogen noch der Mann in Schwarz dürfen ihn töten. Würde einer von ihnen es dennoch tun, hätte er gegen die Regeln verstoßen und der Kampf wäre vorbei. Sowohl Dogen als auch „Samuel“ benutzen Sayid in der Hoffnung, der jeweils andere würde ihn töten oder Sayid würde den Gegner ausschalten – egal wie es ausgeht: man hätte gewonnen. Hier zeigt sich aber, dass der Mann in Schwarz um einiges cleverer ist als Dogen, da er Sayid gewisse Informationen offen legt und so eine Vertrauensbasis schafft. Mich erinnert das Ganze etwas an das Gespräch zwischen Charles und John in Tunesien.

„Samuel“ verspricht Sayid, er könne ihm jeden Wunsch erfüllen, wenn er ihm dafür einen Gefallen täte. Hier möchte ich mal etwas nach vorne springen zu dem, was Dogen Sayid später erzählt. Denn daran zeichnen sich sehr klar die Verhandlungsstrategien und –Muster der beiden Kontrahenten Jacob und „Samuel“ ab. Jacob macht ein konkretes Angebot über die Heilung eines geliebten Menschen (Juliet, Dogen) oder der Person selbst (Ilana). An dieses Angebot knüpft er die Bedingung, dass man ihm auf die Insel folgen und sich in seine Dienste stellen muss. Manche Menschen lenkt er aber auch auf die Insel und versucht sie dann für sich einzuspannen (Oceanic-815-Überlebende, Ben). Auf jeden Fall ist Jacob sehr konkret bei seinen Deals, stellt die Menschen vor eine Wahl und bindet an sein Geschenk ein Opfer. Wie so oft heiligt bei Jacob der Zweck die Mittel, denn die sind offenkundig recht fragwürdig, obgleich sie weder den freien Willen ignorieren noch irgendwelche Luftschlösser sind. „Samuel“ hingegen wäre ein guter Politiker, denn er verspricht erst mal alles mögliche ohne daran mehr zu knüpfen als, dass man die Insel mit ihm verlässt: also genau das Gegenteil von dem, was Jacob tut. Jacob will die Menschen auf die Insel holen, „Samuel“ will sie mit ihnen verlassen. Jacob legt die damit verknüpften Folgen offen, „Samuel“ bleibt selbst in der Erfüllung der Wünsche vage und hält sich wie üblich ein Hintertürchen offen. Und jetzt überlegen wir mal, was sich jeder der Kandidaten wohl wünschen würde, wenn er könnte?

Beginnen wir mit Claire und Sayid, denn von denen wissen wir, was sie sich gewünscht haben: Claire will mit Aaron wieder vereint sein und Sayid möchte Nadia lebendig und wohlauf sehen. Was würde Kate sich wünschen? Freiheit. Hurley? Vermutlich für seine Freunde da zu sein. Auch, wenn er tot ist: John? Ein Leben mit Helen und eine gute Beziehung zu seinem Vater. Jack würde sich wohl wünschen, ein besserer Vater zu sein, als es sein eigener war. Sun und Jin wünschen sich einander. Ben würde sich vermutlich einfach Normalität herbeisehnen und James wahrscheinlich auch. Dogen würde mit seinem Sohn vereint sein wollen. Es ist mittlerweile wohl jedem klar, worauf das hinausläuft. All das ist im Flash-Sideways-Szenario erfüllt. Und mehr noch: Die Insel liegt auf dem Meeresgrund und folglich ist kein Mensch auf ihr mehr am Leben. Es ist also klar, was uns suggeriert werden soll: „Samuel“ hat allen ihre Wünsche erfüllt. Aber sind sie damit glücklicher? Nicht wirklich oder denkt hier wer Sayid würde die wenigen Monate mit Nadia gegen ein Leben ohne sie ernsthaft tauschen wollen? Ist Locke damit besser dran, nie auf der Insel gewesen zu sein und noch immer im Rollstuhl zu sitzen? Würde Ben sein Leben als geschichteunterrichtender Kaffeekocher gegen die erfüllte Existenz in Jacobs Dienst wirklich tauschen wollen? „Samuel“ mag ihnen geben, was sie wollen. Jacob gibt ihnen, was sie brauchen. Außer (und das ist kein so unwahrscheinliches „außer“): Darlton wollen uns mal wieder auf eine falsche Fährte LOCKEn und die LAX-Timeline hat mit Smokeys Versprechen soviel zu tun wie ich mit Synchronschwimmen: NICHTS.

Sayid kehrt zumindest mit seiner Botschaft in den Tempel zurück und wiedereinmal geht es um die Entscheidung. Nehmen die Anderen die rote oder die blaue Kapsel... sorry, falscher Film. Nein, die Wahl, vor die sie der MiB stellt, ist: Bleiben sie bis Sonnenuntergang in den vermeintlich sicheren Tempelmauern oder schließen sie sich Smokey an. Dies ist weniger eine Frage des Gewissens als des Glaubens, denn beides könnte tödlich enden: bleiben sie im Tempel sind sie eigentlich in Sicherheit, doch Smokeys Drohung sagt etwas anderes aus. Verlassen sie den Tempel, weil sie Sayids Botschaft Glauben schenken, könnte sich dies als Falle entpuppen, um alle vor die Tür zu locken und dort kalt zu machen. Tatsache ist: „Samuel“ hat mal wieder die Wahrheit gesagt und aus seiner Sicht tut er das wohl recht häufig. Da Jacob ihn gefangenhielt, sieht er in Jacobs Gefolge vielleicht wirklich auch Gefangene. Wer weiß schon, ob der Mann in Schwarz nicht einst ein ganz ähnliches Angebot von Jacob unterbreitet bekam wie Dogen?

Kate ist derweil zurück im Tempel und verlangt vom Klon des verstorbenen Komponisten, Gitarristen und Mundharmonikaspielers der Beatles, er solle sie zu Claire bringen. Die wohnt nun in einem hübschen, adäquaten Erdloch, was bei mir die Frage aufwirft, wo der Psychokiller mit der Körperlotion steckt. Kate erzählt Claire die Wahrheit über Aarons Verbleib und zum Pech aller Kate-Hasser macht Claire ihre Drohung nicht war... könnte allerdings daran liegen, dass sie in einem Erdloch sitzt und da nicht einmal Kabelfernsehen geschweige denn ihre Axt oder eine Knarre hat. Als Kate klarstellt, sie sei zurückgekommen, um Claire zu retten, erwidert diese, während Kate schon von Lennon weggezerrt wird: „I'm not the one that needs to be rescued, Kate. He's coming, Kate! He's coming and they can't stop him!“ („Ich bin es nicht, die gerettet werden muss, Kate. Er kommt, Kate! Er kommt und sie können nichts dagegen tun!“) Zumindest der erste Teil klingt ähnlich wie das, was Juliet zu Jack nach der Rückkehr gesagt hat.

Sayid bringt das Messer zurück, lässt Dogen seine Geschichte erzählen und was dann folgt ist eine der großartigsten Szenen, die ich je gesehen habe. Sayid tötet Dogen und ebnet so dem Rauchmonster den Weg. Wie eine Naturgewalt fegt es alles im Tempel mit sich fort, tötet alle verbleibenden Anderen. Doch dann jagt eine Überraschung die nächste: Claire sagt Kate, sie solle sich mit ihr in der Grube verstecken und rettet ihr so das Leben, obwohl sie doch vor kurzem noch vorhatte, Kate umzubringen. Plötzlich tauchen Ilana, Sun, Frank und Ben im Tempel auf und ausgerechnet Ben, der wahrlich allen Grund hätte, Sayid den Tod zu wünschen, geht in die Höhle des Löwen zurück, um Sayid zu retten. Ben beweist also einmal mehr, dass seine Waage letztlich richtig ausgerichtet ist. Aber Sayid hat seine Wahl getroffen und zu den Klängen von „Catch a Falling Star“ versammelt sich das Heer des Mannes in Schwarz. Jacob hat nur noch wenige, auf die er zählen kann: Hurley, Jack, Ben, Ilana, Frank, Sun, Miles und vermutlich noch Jin und Richard irgendwo da draußen. Ob Kate aber nun im Gefolge des Man in Black bleibt, steht noch in den Sternen – auch in denen, die fallen, und ein fallender Stern ist doch ein vielsagendes Bild, weshalb ich damit auch schließen möchte.

Mittwoch, 3. März 2010

It's "Sundown" for Jacob's Team - Erste Eindrücke zu "Sundown"

Manche Menschen ändern sich wohl nie. Keamy bleibt in jeder denkbaren Realität ein Arschloch und Sayid ist und bleibt ein Killer. Kate rennt noch immer gerne weg und Ben versucht verzweifelt Leute zu retten, die nicht glauben können, dass er überhaupt wen retten will. Der Mann in Schwarz manipuliert munter weiter und Dogen kommandiert bis zu seinem Tod Leute rum. Desmond bleibt verschwunden und Jacob tot.
Diese Folge war der krasse Gegensatz zu den letzten beiden, in denen es wenig Action und viele Enthüllungen gab. "Sundown" hatte jede Menge Action und war in sich auch sehr spannend, bot dafür aber keine großen Überraschungen oder Enthüllungen... außer vielleicht, dass Kate nun bei "Samuel" gelandet ist und Jacob und "Samuel" sich zwar scheinbar in ihrer Verhandlungstaktik ähneln, aber dennoch andere Erwartungen bzw. Bedingungen an ihr Gefolge richten: Während unser Mann in Schwarz sich echt zum Politiker eignen würde und gerne mit tollen Versprechen um sich wirft, stellt Jacob Bedingungen. Er lässt den Menschen die Wahl, verlangt aber in jedem Fall ein Opfer. Quid pro quo! Das erinnert fast an einen Faustschen Pakt und obgleich dies Jacob in einem schlechteren Licht darstehen lässt, hat der Mann in Schwarz uns heute Nacht mal wieder bewiesen, warum einige in ihm das personifizierte Böse sehen. Da mutet es doch etwas merkwürdig an, dass Jacob selbst sich "Samuel" gegenüber nie so verhalten hat, als halte er Ihn für abgrundtief böse und so kommt doch wieder der Eindruck auf, Jacob erzählt auch viel, wenn der Tag lang ist. Dennoch gehen wir aus dieser Folge mit vorerst klaren Fronten:
Team JACOB: Hurley, Jack, Ben, Ilana, Richard, Frank, Sun, Miles und zwei Wasserleichen.
Team MiB: Claire, James, Sayid, Kate, Cindy, Zach, Emma und ein paar andere Tempel-Flüchtlinge.
Die Review kommt wieder im Laufe der Woche. Bis dahin Namaste!

Montag, 1. März 2010

Lighthouse-Review

Es hat etwas gedauert, aber jetzt ist die neue Review da. Bevor ich zu „Lighthouse“ selbst komme, möchte ich noch was anmerken, was mir bei der Free-TV-Ausstrahlung von „Tot ist tot“ wieder eingefallen ist: Die Brühe in Bens Rauchmonstertelefon hat verblüffende Ähnlichkeit mit der im Tempel. Als sie in der Folge dann zum Tempel gehen, sagt Ben, er ahne jetzt, wo sie hingingen: zum Tempel, das sei der Ort wo man ihn als Kind geheilt habe. Deutet das nicht daraufhin, dass Ben den Tempel danach nie wieder von Innen gesehen hat? Wenn er lediglich weiß, dass man ihn dort als Kind geheilt hat und auch keine Kenntnis von Smokeys Kammer in der Mauer hat, dann suggeriert das schon irgendwie, dass er von Jacob auch über den Tempel im Dunkeln gelassen wurde und die Anderen unter seinem Kommando vielleicht auch deshalb im Dharmadorf hausten und er sie später nicht zum Tempel begleitet hat. Das schlägt dann auch die Brücke zu „Lighthouse“, denn es gibt nun, da wir wohl Jacobs eigene Liste kennen und die sich wenig von „Samuels“ unterscheidet, doch einige Hinweise darauf, dass Charles mit „Samuel“ angebandelt hat und deshalb auch jeden Eindringling umnieten wollte. Oder aber Charles erheilt seine Befehle von Jacob und nicht Danielles Team war infiziert, sondern sie und sollte deshalb sterben. Auf der Liste mit den Kandidaten tauchen zumindest eine Menge bekannter Namen auf (hier ein Dank an andere fleißige Lost-Fans, die diese Liste bei Lostpedia zusammengetragen haben), um die ich mich vorab mal kümmern will, da sie sowohl „Lighthouse“ als auch „The Substitute“ betreffen. Fangen wir mit den durchgestrichenen Namen an (zur Erinnerung: nur die, deren Namen auch schon außerhalb der Listen auftauchten):

2 – LACOMBE: War Mitglied von Danielles Expedition und wurde vermutlich auch von ihr getötet, jedoch kann man nicht sagen, ob der Name gestrichen wurde, weil er starb oder ob er starb, weil er gestrichen wurde; oder wurde er gestrichen, weil er infiziert wurde und eine Seite wählte? Der Name ist nur in der Höhle klar zu erkennen.

4 – LOCKE: Höchstwahrscheinlich John Locke, dessen Name von „Samuel“ ausgestrichen wird, als er mit James in der Höhle ist, wodurch zwar suggeriert wird, es habe etwas mit seinem Tod zu tun, was – selbst wenn das in dem Fall wohl stimmt – nicht bedeutet, dass man erst ausgestrichen wird, wenn man tot ist, auch wenn „Samuel“ James das Glauben machen wollte.

10 – MATTINGLEY: dieser Name steht auf einer der gestohlenen US-Uniformen der Feinde im Jahr 1954.

14 – PRYCE: Man kann wohl davon ausgehen, dass es sich um Ryan Pryce handelt und der war unter Bens Kommando so eine Art Polizeichef, ehe er von Hurley überrollt wurde; sein Name erscheint definitiv in beiden Listen, was darauf hindeutet, dass Jacob ihn auf die Insel holte oder durch Ben holen ließ

20 – ROUSSEAU: Da Alex ja nie unter dem Namen gelebt haben dürfte (was einige gerne vergessen), geht es wohl um Danielle Rousseau; der Name ist in beiden Listen durchgestrichen und alles weitere hab ich oben ja schon gesagt

31 – RUTHERFORD: In der Höhle steht der Name als 31, während im Leuchtturm unter 31 TOMS aufgeführt wird; da Adam Rutherford unseres Wissens nach nie auf der Insel war, handelt es sich wohl um Shannon, die auch sehr mysteriöse Weise verschied. Könnte „Samuel“ die Situation, die zu Shannons Tod führte, eingefädelt haben?

32 – RUTHERFORD: Im Leuchtturm erscheint der Name wie oben schon erwähnt unter einer anderen Nummer.

35 – Brennan: Dieser Name ist nur für den Leuchtturm gesichert und bezieht sich vermutlich auf das gleichnamige Mitglied der Wissenschaftsexpedition.

48 – Stanhope: Wohl entweder Goodwin oder Harper, die beide zu Bens Gruppe gehörten und in den Baracken wohnten; der Name erscheint nur im Leuchtturm und man fragt sich auch hier, warum er durchgestrichen wurde; Wenn Goodwin der Kandidat war, könnte das der Grund sein, warum Ben so in die Trickkiste greifen musste, um seinen Rivalen auszuschalten.

58 – Burke: Anscheinend war es wirklich nicht nur Ben, der Juliet nicht gehen lassen wollte, denn, wenn sie eine Kandidatin war, war es auch in Jacobs Interesse, sie festzuhalten; nach Stanhope und Pryce nun der dritte Name eines Anderen aus der Dharmasiedlung.

62 – Inman: nur im Leuchtturm zu sehen und bezieht sich wohl auf Kelvin Joe Inman, auch wenn ich mich frage, wie Jacob den zu irgendetwas in Betracht ziehen konnte... aber das frag ich mich bei Sayid auch.

101 – Faraday: hier handelt es sich wohl um Daniel, dessen Nachname in beiden Listen zu sehen war; das Problem: durch die Zeitreise wurde er vor seiner eigenen Geburt erschossen – wieso also noch aufschreiben bzw. als Kandidat in Betracht ziehen?

102 – Montand: vermutlich der einarmige Bandit aus Danielles Team; auch dieser Name wurde bislang nur im Leuchtturm gesichtet.

104 – Lewis: man kann davon ausgehen, dass es um Charlotte geht, obgleich ich mich da frage, seit wann sie wohl draufsteht, denn sie auf das Rad am Leuchtturm zu schreiben, während sie noch auf der Insel ist, scheint mir etwas albern.

109 – Friendly: Ich schätze mal, dass das auf Tom verweist: noch ein Anderer aus Bens Gruppe, der auf der Liste steht.

117 – LINUS: Steht in beiden Listen und ist durchgestrichen, obwohl er noch lebt (mal ehrlich: wie wahrscheinlich ist es, dass nicht Ben gemeint sein könnte?), was heißen könnte, dass er aus dem Rennen ist oder schon eine Seite gewählt hat, nämlich Jacobs.

124 – Dawson: Erscheint in beiden Listen. Michael war unfähig sich umzubringen, was darauf hindeuten könnte, dass er erst sterben konnte, nachdem sein Name gestrichen worden war – man erinnere sich an Christians Besuch kurz vor Michaels Tod.

171 – STAUME: Um wen es hier geht, können wir uns wohl denken: Miles, der sich eindeutig gegen Jacob entschied, als Bram es ihm anbot. Wie alle Namen mit Zahlen jenseits der 150 ist auch dieser nur in der Höhle zu erkennen, nicht aber im Leuchtturm.

195 – PACE: Und Charlie ist auch da. Ach, wie schön^^.

226 – CARLYLE: Im Leuchtturm nicht zu sehen und verweist wohl auf Boone, dessen Tod die Insel ja angeblich einforderte.

301 – MARS: Da es wohl kaum Veronica Mars („Inside Joke” – Vorsicht, ich werfe gleich ‘nen Stein.) ist, geht es anscheinend wirklich um den Marshall (oder Jacob hat von Apollo zu anderen Schokoriegeln gewechselt), was mich doch etwas überrascht, denn dessen Namen hätte ich wahrlich mit als letzten auf der Liste erwartet; im Leuchtturm ist der Name allerdings auch nicht zu erkennen.

313 – LITTLETON: Könnte auf Claire oder Aaron verweisen. Da Aaron aber weder alt genug ist, um zu wählen, noch sich auf der Insel aufhält, denke ich, dass es um Claire geht. Ferner wuchs Aaron als Kates Sohn auf und lebt daher wohl unter dem Namen Austen und nicht Littleton. Den durchgestrichenen Namen zähle ich als weiteren Hinweis darauf, dass man gestrichen wird, wenn man sich für eine Seite/Option entschieden hat.

317 – CUNNINGHAM: Der Name stand wie Jones oder Mattingley auf Uniformen der US-Armee, die von den Anderen 1954 getragen wurden.

321 – FERNANDEZ: Wenn das Nikki ist, frag ich mich, wie das Monster sie in Spinnengestalt töten konnte, denn das würde ja eigentlich gegen die Regeln verstoßen.

335 – HENDERSON: das ist Rose’ Mädchenname; überraschenderweise durchgestrichen

337 – MARTIN: man kann wohl davon ausgehen, dass es sich um Karl Martin handelt; im übrigen tauchen (ohne erkennbare Nummer) noch weitere Andere aus Bens Gruppe auf: PICKETT und GOODSPEED, wobei letzterer auch auf Horace oder Olivia hindeuten könnte, die wie CHANG (steht ebenfalls an der Höhlenwand) und LINUS zur Dharma gehörten. Ich denke aber mal, dass Ethan oder Amy/Amelia (ist ja vermutlich die selbe Person) gemeint sind, was auch den Seitenwechsel erklären würde. Nun belieben aber doch ein paar Fragen: Hat Jacob die Listen verfasst? Hat er nur Namen, die auch er nur von einer noch höheren Stelle bekam, untersucht? Wer schrieb die Liste in der Höhle? Wer die im Leuchtturm? Wieso stehen Namen auf der Leuchtturmliste, die bereits auf der Insel sind? Wären sie durchgestrichen worden, weil sie schon da sind, fragt sich, wieso „Ford“ nicht durchgestrichen wurde. Und da sind wir auch gleich beim Thema, denn nicht nur FORD (15), REYES (8), JARRAH(16), SHEPHARD(23) und KWON(42) stehen noch da. Übrigens eine Anmerkung zu Kwon: wenn Jacob die Leuchtturm-Liste hauptsächlich geschrieben hat, um zu wissen, wen er unter welcher Nummer/Gradzahl beobachten und aufsuchen muss, kann 42 ohne weiteres für Sun und Jin stehen und die 23 ebenso für Jack, Christian und jeden anderen Shephard, der in dem Haus wohnt oder gewohnt hat. Aber kommen wir zu den übrigen nicht gestrichenen Namen: Da wäre erst mal die Nummer 51 – AUSTEN und da geht es wohl um Kate, auch wenn ich mich frage, wie er der einen festen Ort über Leuchtturm zuordnen konnte. Nur andere Namen wurden ebenfalls nicht gestrichen: 56 – Haasra; 57 – Grimwault und 60 – Kysea. Wohingegen der Name Alpert nirgendwo gesichtet wurde. Lapidus ebenso wenig. Wer aber sind Haasra, Grimwault und Kysea? Ich denke mögliche Kandidaten (hihi, ich steh auf Wortspiele) für diese Nachnamen sind: Ilana, Zach, Emma, Sarah, Bram und vielleicht auch Dogen, wobei ich das eher bezweifle, da er in der Hierarchie unter einem Kandidaten zu stehen scheint. Am wahrscheinlichsten sind aber wohl: Ilana Kysea, Zach und Emma Grimwault und noch wer, den wir vielleicht noch gar nicht kennen.

Alpert und Lapidus sind jedoch nicht die einzigen Namen, die ich vermisse: Was ist mit Hume? Oder Widmore? Namentlich bekannte Tailies tauchen auf der Liste ebenfalls nicht auf, doch das ist, wenn man mal drüber nachdenkt, eher ein Argument für die Verbindlichkeit der Liste, denn wir kennen nur die Namen jener Tailies, die für die Anderen nicht von Interesse waren. Ein Name auf der Liste verdient aber auch noch unsere Aufmerksamkeit: Wallace. Dieser Name ist uns weder geläufig noch zählt er zu den ungestrichenen Namen. Besonders ist seine Zahl und deren Rolle in der Episode „Lighthouse“. Auf dem Arm mit Jacobs Anweisungen steht, Hurley und Jack sollten den Leuchtturm auf 108° ausrichten. Unter dieser Angabe finden wir den Namen „Wallace“. Wer ist Wallace? Warum hat Jacob ihn gestrichen und will dennoch, dass Jack und Hurley ihn (oder vielleicht auch sie) anpeilen? Ganz abgesehen davon handelt es sich bei „Lighthouse“ übrigens um die 108. Lost-Episode überhaupt. Und auf die kommen wir nun endlich konkret zu sprechen:

Die Folge beginnt mit einem Familienfoto: Christian (der sieht da drauf aus wie Christoph Waltz), Jack(der trägt Ted Bucklands Ausgehfrisur auf) und eine Frau, die eindeutig nicht Sarah ist (außer sie trägt ebenfalls eine Perücke und eine Latexmaske), was einen zu der Annahme verleiten könnte, dass es sich hierbei um Davids Mutter handelt. Der LAX-Jack bemerkt vor einem SPIEGEL (!!!) eine Blinddarmnarbe. Hier war ich durch die Kameraführung echt irritiert und glaube fast das war beabsichtigt: ich musste mir die Szene noch mal ansehen, da ich dachte die Narbe wäre auf der falschen Seite. Falls es nicht nur mir so ging, sagt das bitte, denn dann fühl ich mich nicht so alleine^^. Margo ruft an und Jack fragt sie nach der Narbe. Mal ehrlich: Wie glaubhaft ist es, dass ein Chirurg, der obendrein der Sohn eines anderen Chirurgen ist, sich nicht daran erinnern kann, dass ihm mit Acht der Blinddarm entfernt wurde? Ich kann mich an jede wichtige medizinische Maßnahme ab meinem fünften Lebensjahr erinnern und sogar an einige, die noch weiter zurückliegen. Aber ob ich noch meinen Blinddarm habe oder nicht weiß ich doch selbst mit schlechtem Langzeitgedächtnis und bemerke es nicht 23 Jahre später zufällig vorm Spiegel.

Ich muss bei der LAX-Timeline immer öfter an Terry Pratchetts Roman „Gevatter Tod“ denken. Für alle, die den Roman nicht kennen (sehr zu empfehlen, überaus geistreich, lustig und dennoch spannend): Der Tod der Schiebenwelt (wo ja die meisten Romane Pratchetts spielen) möchte einen näheren Einblick in die Welt der Lebenden gewinnen und sucht sich deshalb einen Lehrling, den er zu einer Art Urlaubsvertretung ausbilden will: Mort. Leider hat Mort mit der obersten Regel der „Pflicht“ so seine Probleme, denn er verhindert den Mord an einer Prinzessin, deren Seele er abholen sollte. Doch war das Universum nun einmal auf ihren Tod eingestellt und so läuft einiges schief, denn viele verhalten sich als wäre die Prinzessin wirklich tot, nehmen sie nicht war, fangen sogar – ohne zu wissen warum – an eine Trauerfeier vorzubereiten etc. Das Universum will Morts Fehler ausbügeln und so entsteht eine andere Realität, in der alles planmäßig verlief. Diese Realität nähert sich der fehlerhaften immer mehr an – es existiert sogar eine richtige Grenze zwischen den Universen. Bei „Lost“ korrigiert das Universum – wie wir und Desmond von Eloise Hawking wissen – auch gerne selbst aufgetretene Fehler. Christians verschwundener Sarg, die Begegnungen der Charaktere, Claires Eingebung bezüglich des Namens „Aaron“, Jacks wundersame Verletzungen usw. – könnte das Universum hier versuchen, alles wieder hinzukriegen? Wenn ja, ist eines sicher: Oh Mein Gott, das Universum ist wie Jack!

Jack quatscht also mit Mommy (bitte nicht verwechseln mit „Mummy“ – das ist nur bei Norman Bates das selbe), weil Daddy immer noch futsch ist. Bemerkenswert finde ich wo Jack ihn vermutet: Berlin. Berlin ist die Hauptstadt eines unbedeutenden, kleinen Landes in der EU und würde deshalb eigentlich keinen interessieren. Doch wo hielt sich Ben noch mal gleich in „Der Ökonom“ auf? Wo hat Sayid für besagten Ökonom in Bens Auftrag eine Falle auslegen sollen? In Berlin. Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin! – Aber nicht heute.

Jack verspricht seiner Mutter, er werde ihr bei der Suche nach Christians Testament helfen und würgt sie dann ab, um David abzuholen. David? Desmond David Hume? David Smith (Libbys Ehemann)? David Reyes? David, den Ehemann von Jessica, die was mit James hatte? Oder meine ich vielleicht Dave, Hurleys vermeintlich imaginären Freund? Nein und ich meine auch nicht David Lewis oder David Benson (Chef der Apollo-Candy-Company). Nein, es ist ein neuer David in der Stadt: David Shephard, Jacks Sohn. Seit wann hat Jack einen Sohn? Seit der Jacob-Faktor weg ist... schätze ich mal.

Auf der Insel, in einer anderen Zeit und auch einer anderen Realität, betrachtet Jack sich ebenfalls sein SPIEGELbild und zwar im Wasser eines kleinen Teichs, der zur Tempelanlage gehört. Dogen erscheint und die beiden unterhalten sich. Den einzigen wirklich interessanten Satz dieses Dialogs über sonst recht offenkundige Tatsachen fand ich persönlich: „Everything is an option. But I would have to stop you.“ („Alles ist eine Möglichkeit/Option/Alternative. Aber ich müsste dich aufhalten.“) Das ist so typisch für den Tenor von Team-Jacob: Du hast die freie Wahl, aber wehe du entscheidest dich falsch. Freier Wille: Ja! – Danach leben: Nein! Da ist es schon Ironie, dass ausgerechnet Jacob Jack mit und durch Hurley aus dem Tempel rauslotst, um sie in Sicherheit zu bringen, obwohl Dogen sie im Tempel aus dem selben Grund halten will.

Wo wir schon bei Good Old Jake sind: Hurley hat gerade gegen Miles im Tic-Tac-Toe (ein Spiel, das durchaus gewisse Ähnlichkeit mit Hurleys Lieblingsklapsenspiel 4-Gewinnt hat) einen erneuten Gleichstand erzielt und bekommt – große Überraschung – Hunger. Er geht also auf die Suche nach der Küche und fragt so einen komischen Kerl am verfluchten Heilbrunnen, wo die ist. Hurley erkennt Jacob, der ihm auf die Frage, warum er hier sei, erwidert: „Because I need you“ („Weil ich dich brauche“). Ist Jacob jetzt nicht nur tot, sondern auch schwul? Nein, so meint er das natürlich nicht (hoffe ich zumindest). Jacob will Hurley Anweisungen mitteilen, weil er seine Hilfe benötigt, um jemandem, dem Weg zur Insel zu weisen. Da Jacob von „them“ spricht, muss man wohl davon ausgehen, dass es um mehrere Personen geht oder aber, dass er sich die ganze Story aus den kalten, toten Fingern (nie passte diese Floskeln so gut wie hier) gesogen hat. Allerdings sagt er ja auch zum MiB: „They are Coming“ und das könnte sich durchaus auf die selbe Gruppe von Personen beziehen.

Jetzt fliegen uns erst mal wieder vier altbekannte Buchstaben entgegen und ich denke: nach 108 Folgen bin ich echt froh, dass der Vorspann zu Lost so kurz ist. Wir sind jetzt wieder in der LAX-Timeline und zwar bei Jack daheim. Die Szene ist bis auf die sehr offensichtlichen Anspielungen (Red Sox; Alice im Wunderland => Alice hinter den SPIEGELn) eine recht typische Vater-Sohn-Szene, über die man nicht viel Worte verlieren muss.

Auf der Insel führen Jack und Sayid dafür einen leicht absurden Dialog, denn der beginnt mit: „Jack“ – „Sayid“ Wow, ihr kennt eure Namen, das hätt’ ich nicht gedacht. Hat was von den Bully-und-Rick-Sketchen mit Pitt und Brad. Jack klärt Sayid dann wiederwillig auf (nein, keine Bienchen und Blümchen) und so wird kongenial zu Claire übergeleitet. Obwohl... äußerlich ist es zwar Claire, doch das war es schon. Man kann sie kaum wiedererkennen, denn sie ist zu einer Mischung aus Danielle Rousseau, Rüdiger Nehberg und Norman Bates (zwei Psycho-Anspielungen in einer Review... die Drei kriegen wir noch voll, oder?) mit der Frisur von Gesine Schwan mutiert. Doch es ist wohl noch einiges von unserer lieben Claire übrig, denn Jin gegenüber verhält sie sich durchaus freundschaftlich und ab und an blitzt da doch noch eine liebenswerte Seite auf, was einem doch Hoffnung macht, dass Claire und somit vielleicht auch Sayid zu retten ist. Allerdings wage ich mal die Prognose, dass sich bei Sayid nicht mehr so viel ändern kann durch die „Infektion“, denn er war auch vorher schon alles andere als zimperlich. Claire hingegen war liebevoll, friedfertig, altruistisch und davon ist kaum noch etwas über. Sie scheint gewissenloser als Sayid und Keamy zusammen und das ist schon schockierend... auch wenn sie Ben so endlich aus den Top 10 der Gewissenlosen (die übrigen sieben Plätze: MiB, Jack, Charles, James, Ilana, Anthony Cooper und Danny) schubst.

Hurley ist derweil auf dem letzten Kreuzzug im Königreich des Kristallschädels und jagt im Tempel des Todes nun den verlorenen Schatz – für alle Nicht-Indy-Fans: Er hat sich Jacobs Anweisungen auf den Unterarm gekrickelt (gut, dass Jacob Spicker gestattet) und sucht im Halbdunkeln (Fackeln oder Taschenlampen sind wohl aus) nach dem geheimen Ausgang aus dem Tempel. Er nimmt anscheinend an, diesen gefunden zu haben, als er eine Hieroglyphe an der Wand entdeckt, die V9 der Gardiner-Liste entsprechen dürfte und somit eine leere Kartusche darstellt, einen Determinativ. Nur tauchen Determinative nie alleine auf. Ein Determinativ ist mehr so etwa wie eine Zusatzhieroglyphe, um mehrdeutige Symbole mit einer eindeutigen Bedeutung zu versehen. Apropos Hieroglyphen: Wie ich gerade gesehen hab, hat jemand die Hieroglyphen über dem Heilquell entziffert: „Das urzeitliche Wasser des Nun“. Nun war der Ursprung allen Lebens. Dieses Urgewässer, ein gigantischer im Dunkeln liegender Ozean, war jedoch völlig chaotisch, bis sich eine Entität in Nun bildete: Atum, welcher den Urhügel erschuf, um mit seinem selbstgegebenen Körper darauf stehen zu können. Der Urhügel ist eine sagenumwobene Insel, von der alles Leben ausgeht und ich äußerte schon vor langer Zeit die Theorie die Insel sei der Urhügel. Aber zurück zu Hurley: Als er von Dogen erwischt wird, macht mal wieder der Insel-Obi-Wan seine Aufwartung und rät Hurley, er solle Dogen sagen, er sei ein Kandidat und könne tun und lassen, was er wolle... zumindest solange Jacob nichts anderes sagt. Daraufhin erwidert Dogen auf Japanisch: „Du kannst dich glücklich schätzen, dass ich dich beschützen muss. Wäre dem nicht so, würde ich dir den Kopf abschlagen.“

Um Hurleys freien Willen noch mal zu untermauern, besteht Jacob darauf, dass er Jack um jeden Preis mitnehmen muss, wenn er zum Leuchtturm geht. Um Jack zu überzeugen, muss Hurley ihm nur sagen, dass er es drauf hat („You have what it takes“), weil Christian Jack immer bescheinigte, er habe es nicht drauf. Etwas überraschend ist doch, dass Jack wohl gar kein Problem mehr damit hat, wenn er vom verstorbenen Oberinselaffen zu einer Audienz gebeten wird. Aber er ist wohl so sehr in die Locke-Rolle reingewachsen, dass er nun ganz begierig auf Antworten ist und Jacob deshalb treffen will. Wer würde nicht jede Chance auf ein Treffen mit Jacob wahrnehmen? Bemerkenswert ist ebenfalls, dass nach Ben und John nun auch Jacob selbst die Shephard’sche Vater-Sohn-Beziehung nutzt, um Jack zu manipulieren – obendrein noch mit einer Info, die Jack und uns klar macht: Jacob weiß mehr, als er eigentlich wissen dürfte. Niemand außer Jack und Christian kennt die wahre Bedeutung dieses Satzes, was einem wiedereinmal suggeriert: Christian könnte tatsächlich mit Jacob an einem Strang ziehen und wäre somit nicht eine Gestalt des MiB. Die Tatsache, dass bei Christian – anders als bei Alex, Yemi, John oder den ollen Spinnen – nie bestätigt wurde, dass es sich um eine Erscheinungsform „Samuels“ handelt, deutet für mich daraufhin, dass er es tatsächlich nicht ist. Eine Äußerung Claires bezüglich des Verbleibs ihres Sohnes spricht wieder für eine Verbindung zischen MiB und Christian.

Jin erwacht derweil im Lager von Claire Crousseau, die schon fleißig Dynamit, Paddel, Asche und sonstiges Zeug gehortet hat. In einer Wiege ruht außerdem ein Ersatz-Aaron, der aussieht als sei er der Phantasie von John Carpenter auf LSD entsprungen. Claire kehrt mit Justin zurück und haut ihm erst mal die Kniekehlen ein. Zu Jin meint Claire dann, sie wolle seine Wunde reinigen, denn nichts würde einen hier draußen so sicher umbringen wie eine Infektion – guter Witz. Dass Claires spezieller Freund niemand anderer ist als der Mann in Schwarz (warum immer diese Anglizismen? Bei Mann in Schwarz muss ich wenigstens nicht an Will Smith und Tommy Lee Jones auf Alienjagd denken), hat wohl keinen überrascht. War doch klar, dass der seine geklaute Glatze am Ende der Folge ins Zelt stecken würde, oder? Der Rest der Story um Claire ist wenig ergiebig für eingehendere Analysen. Die Szenen demonstrieren uns einfach eindringlich, was „Samuel“ aus Claire gemacht hat und stellen somit klar, dass er wahrlich der Böse ist und nicht einfach eine Jacob entgegenwirkende Kraft, die ebenso gut oder böse ist wie jener. „Samuels“ Einfluss bringt in jedem Menschen das Schlechteste zum Vorschein. Genau hier könnte Ben wieder interessant für uns werden, denn der hat ja wahrlich das wahre Gesicht des Mannes in Schwarz aus eigenem Antrieb heraus erkannt und ist vielleicht gegen dessen Einfluss immun geworden. Das würde wieder zu den Vergleichen mit einer Infektion passen. Claire zumindest ist absolut irrational, handelt rein emotional und impulsiv. Das ist – wie ich finde – auch ein sehr klares Indiz dafür, dass Ben im Tempel nicht infiziert wurde, denn er ist trotz seinem Hang Leute zu erschießen, dabei doch stets wohl überlegt, handelt aus Notwendigkeiten heraus und bildet somit einen klaren Gegenpol zu dem, wie wir Claire hier erleben. Denn wäre sie noch bei Verstand, würde sie bei Jins Schilderung, die er später aus Angst als Lüge darstellt (Sun war wohl doch ’ne gute Lehrerein), nicht Kate umbringen wollen. Die alte Claire wäre froh gewesen, zu erfahren, dass es ihrem Sohn gut geht, er diese drei Jahre in Sicherheit war und liebevoll großgezogen wurde. Ich denke wir sollten all die Claire-Szenen dieser Episode als Demonstration ihres Zustandes verbuchen und wieder zu Jack und Hurley zurückkehren, die gerade an einer altbekannten Flussbiegung auf eine altbekannte Bekannte treffen, die natürlich – wie in dieser Serie üblich – ihre Knarre zieht und Jack (leider nur) fast über den Haufen ballert. Hätte sie auf ihn geschossen, wäre uns noch so einiges erspart geblieben und dem Leuchtturm auch.

Kate sucht also nach Claire und wir vollen für sie hoffen, dass sie sie nicht findet, doch für alle, die Kate nicht mögen, hoffe ich, dass sie Claire findet und ihr sagt, wo Aaron ist... wie sich Claires Beil wohl so in Kates hübschen Gesicht machen würde?

Jack demonstriert aber mal wieder seine Unfähigkeit anderen Folge zu leisten, als Hurley ihn erinnert, Jacob habe gesagt, dass nur sie beiden gehen sollten. Warum braucht dieser bessere Metzger ständig eine Extrawurst? Ein anderer Jack fährt derweil daheim in seinem Jeep vor... mal ehrlich: das Auto passt so etwas von gar nicht zu Jack. Das bringt mich gerade auf eine Idee: Welches Auto passt zu welchem Lost-Charakter? Okay, bei Hurley passt der Hummer durchaus. Bei Jack könnte ich mehr so eine richtig überkandidelte Protzkarre vorstellen... ein Ferrari oder noch besser ein Maybach. Bei Jacob würde ich sagen: da passt am Besten ein Leichenwagen. Zu Sayid passt weniger ein Auto als ein Panzer. Kate müsste eigentlich einen kleinen Flitzer fahren und James irgendeinen Nachbau einer noblen Marke oder einen Volvo. „Samuel“ empfehle ich einen roten Ford Mustang Cabrio. Und Ben? Ich würde sagen: Das Auto von Columbo oder irgendwas mit sehr vielen Dellen.

Kehren wir aber zu Jack zurück: Margo vergleicht die Suche nach dem Testament mit der nach einer Nadel im Heuhaufen – so geht es Jacob wohl bei der Kandidatensuche auch. Aber warum hat Christian sein Testament nicht seinem Anwalt übergeben, sondern im Bücherregal versteckt? Wirkt für mich doch ein wenig so, als stecke da wieder ein perfider Plan von irgendwem hinter. Interessant ist auch Margos Reaktion, als Jack den Drink ablehnt: „Good for you!“ Weiß sie um den in der Familie liegenden Hang zum Alkoholismus? Weiß sie gar, was Christian in diese Sucht trieb? Auch wird mal wieder die Beziehung zwischen Jack und Christian thematisiert und mit der zwischen Jack und seinem Sohn verglichen. Wobei man da wenig Übereinstimmungen finden kann: Jack war viel stärker fremdbestimmt bzw. wurde von seinem Vater viel stärker kontrolliert und unter Druck gesetzt. Dass zu wenig Druck wohl auch seine Tücken hat, zeigt sich an David, der keine Beziehung mehr zu seinem Vater hat und vielleicht sogar ein stückweit möchte, dass Jack Anforderungen an ihn stellt.

In Christians Testament wird eine gewisse Claire Littleton bedacht, die – wie wir wissen – Christians uneheliche Tochter aus Australien ist, die ganz zufällig gerade in der Stadt ist und sogar im selben Flieger saß wie Jack.

Auf der Insel wandern Jack und Hurley weiter am Fluss lang und es scheint als habe Jack die Idee einer Beziehung mit Kate drangegeben. Die Autoren beweisen mal wieder Ironie, wenn sie Jack ausgerechnet in dieser Folge sagen lassen, er wäre ein grauenhafter Vater geworden. Wenn ich ehrlich bin, gebe ich ihm da zur Abwechslung mal Recht. Jack und Hurley kommen nun an die Höhlen und wir werden hier an ein paar Dinge erinnert, die jeder, der kein Hardcore-Fan ist wohl schon längst vergessen hat. Hurleys Theorien über Adam und Eva erinnern doch sehr an die vieler Fans, weshalb ich davon ausgehe, dass Darlton uns hier durch die Blume sagen, dass diese Theorien nicht stimmen, denn stets, wenn ein Charakter (meist Hurley) eine gängige Theorie in der Serie erwähnte, stimmte diese unter Garantie nicht.

Ehe wir nun den Leuchtturm unter die Lupe nehmen, gehen wir noch mal kurz in das Los Angeles einer anderen Zeitlinie: Als jack zurückkommt ist David weg und es dauert etwas bis Jack ihn wiederfindet: bei einem Vorspiel für eine Musikschule, von dem David nicht wollte, dass sein Vater davon erfährt und zwar aus Angst vor ihm zu versagen. Viel interessanter als das Rumgeklimper (übrigens der fünfte wichtige Charakter mit einem eindeutigen Bezug zum Klavier nach Charlie, Daniel, Ben und Jack selbst) ist wen Jack in der Musikschule trifft: LAX-Dogen, der sich seinen eigenen Sohn ansieht und über David zu jack meint, er sei gesegnet/begabt.

Aber jetzt endlich zum Leuchtturm: Jack tritt die Tür ein, kapiert oben angekommen aber wohl nicht so recht, dass er den Rest vom Turm nicht auch noch kaputt machen soll... oder etwa doch? In den Spiegeln kann man kurz die Kirche, neben der James’ Eltern beigesetzt wurden, und die Pagode, in der Sun und Jin getraut wurden, sehen. Außerdem sieht man Jacks schemenhaftes Spiegelbild, das doch Ähnlichkeit mit Jacob hat (besonders die leicht abstehenden Ohren). Bei 23° sieht Jack dann das Haus, in dem er aufwuchs. Da Jacob nicht da ist und Jack gerade so einen Lauf hat, haut er mal eben die Spiegel kurz und klein. Mir kann keiner erzählen, Jacob hätte das nicht kommen sehen. Aber darum ging es letztlich doch: Jacob wollte, dass Jack begreift, dass er ein Teil des Plans ist, ob es ihm gefällt oder nicht.

Das sagt Jacob auch zu Hurley. Er lässt aber auch durchblicken, dass es noch einen Grund gab, die zwei hier in die Pampa zu schicken: er wollte sie vom Tempel wegholen, denn der wird schon bald von einer angepissten Gewitterwolke heimgesucht werden. Im Tempel ist man also gar nicht in Sicherheit, weshalb es nur gut ist, dass Jack, Hurley, James, Jin, Sun, Ben, Richard, Claire, Ilana und Frank jenseits des Tempels sind. Aber was wird aus Sayid? Dogen? Lennon? Miles? Hat deren letztes Stündlein geschlagen? Vermutlich nicht.

Der Leuchtturm selbst stellt sich also als Leuchtfeuer und auch als Beobachtungsposten Jacobs dar... oder war er gar Jacobs Portal, um die Losties aufzusuchen?

Na ja, ich denke sonst ist alles wichtige gesagt. Freuen wir uns auf Dienstag bzw. Mittwoch.

Namaste!