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Dienstag, 13. April 2010

Once Upon a Time... - Review zu "Happily Ever After"

Ich hab mich gerade echt gewundert, dass meine Word-Rechtschreibprüfung mir zwar „Happily“ und „Ever“ unterkringelt, „After“ aber nicht – dann fiel mir ein: Das Wort gibt’s ja auch im Deutschen^^. Nach diesem etwas unschönen Start in die Review, starte ich lieber noch mal von Neuen und zwar so, dass es auch zum Titel der Folge passt:

Es war einmal auf einer fernen Insel, in einem fernen Land ein Schotte ohne Schottenrock, der hatte einen bösen Schwiegervater, aber keine bösen Stiefschwestern (sonst ja Mindestanforderung für jede Märchenfigur). Nachdem ihn der große, böse Wolf angeschossen hatte und der Schotte, den man übrigens bei dem Namen Desmond rief, erst im Hospiz gewesen war, hatte sein Schwiegervater ihn auf die Insel gebracht... .

Desmond wacht also in der Hydra auf und denkt er wäre noch im Krankenhaus (der Mann braucht dringend ’ne Brille... oder er fürchtet, die Ärzten hätten festgestellt, dass er Kassenpatient ist, und ihn deshalb verlegt), bis Charles ihm eröffnet, er sei wieder auf der Insel – was streng genommen nicht einmal den Tatsachen entspricht, denn NOCH ist Desmond ja auf der kleinen Nachbarinsel. Nichtsdestotrotz beginnt Desmond seinem Schwiegervater auf die unbehaarte Rübe einzudreschen. Charles pfeift seine Männer, die Desmond prompt angreifen, überraschender Weise zurück.

In den nächsten Minuten dieser Folge wird klar, dass die elektromagnetischen Felder auf der Insel ein entscheidender Faktor im Kampf mit MiB darstellen. Da er an den Sonarzäunen scheitert und auch auf der Insel festsitzt, würde ich fast vermuten, dass da ein Zusammenhang besetzt und „Samuel“ prinzipiell so seine Probleme mit derartigen Kraftfeldern hat. Bereits in „The Package“ fragt Zoe Jin nach den elektromagnetischen Feldern auf der Insel. Nun hat Widmores Team eine komische Apparatur mit zwei riesigen Elektromagnetspulen, die wohl noch aus Tagen der Dharma stammt, rekonstruiert oder repariert. Das Teil sieht aus wie eine Kreuzung aus dem Raptorentransportkäfig aus der Eröffnungssequenz von „Jurassic Park“ und dem Intrinsic Field Subtractor in „Watchmen“, der Jon Osterman grillt und zu Dr. Manhattan macht. Ich denke besonders die zweite Analogie ist durchaus beabsichtigt und soll ein Verweis auf Desmonds Fähigkeiten sein, denn auch Dr. Manhatten begreift die Zeit – sofern es sein eigenes Erleben betrifft – mehr als Reihenfolge der Ereignisse, die für ihn irgendwie gleichzeitig und doch nacheinander geschehen. Es ist ja nicht die erste Anspielung auf „Watchmen“ in „Lost“. Auch die Teleportation nach Benuzung des Rades spielt auf „Watchmen“ an, denn sowohl Laurie als auch Ben und John müssen sich nach der Teleportation (stets) übergeben. Auch der Unfall, der Desmonds „Reise“ voran geht hat große Ähnlichkeit mit dem Ostermans.

Nachdem also einer von Charles’ Arbeitern in der Kammer „vergessen“ und gegrillt wurde, stecken sie Desmond in die überdimensionale Mikrowelle und ketten ihn an einen alten Holzstuhl (IKEA-Modell „Jåcöb“ – derzeit läuft da ein Sonderangebot und man bekommt beim Kauf von zwei dieser Stühle einen Tisch BëňLıňǘş gratis obendrauf). Widmore kündigt Des bereits an, er werde ihn um ein Opfer bitten, wenn der Test vorbei wäre. Desmond fragt provozierend, was Charles schon von „Opfern“ wisse (ja, kommt uns bekannt vor die Frage => Eloise vor dem Krankenhaus), worauf Charles erwidert, sein Sohn sei zum Schutz der Insel hier gestorben, seine Tochter – Desmonds Frau – würde ihn hassen und seinen Enkel habe er nicht einmal kennen gelernt. Auf der einen Seite interessant, wie Charles sich mal wieder in Selbstmitleid suhlt, wenn ich so dran denke, was etwa Ben, Jacob, Ilana, Richard oder Desmond bereits für die Insel opfern mussten, auf der anderen Seite aufschlussreich, wenn man die Beziehung zwischen Desmond und Charles bedenkt und den Vergleich zu den Flash Sideways (die kommen ja gleich) zieht. Es scheint nun wahrscheinlicher denn je, dass Charles Desmond nie wirklich gehasst hat, sondern ihn einfach in eine bestimmte Richtung schubsen musste. Seitdem Desmond auf der Insel war, behandelt Charles ihn schließlich mit ausgesprochen viel Respekt und so wäre es nur logisch, dass die Show, die er zuvor abzog, ein notwendiges Übel war. Nichtsdestotrotz ist Charles weiterhin nicht gerade vertrauenswürdig und man sollte alles, was er so von sich gibt, mit viel Vorsicht genießen. Denn eines ist mittlerweile offensichtlich: er weiß sehr viel mehr als sein Nachfolger je wusste, was allerdings eher ein Argument für als gegen dessen Sonderstellung ist. Wer außer Jacob selbst kann schon sagen, was in dem Konflikt zwischen Charles und Ben Teil des Plans war und was nicht?

Desmond zieht nun zumindest so eine Nummer durch wie Jodie Foster in „Contact“ und verschwindet für sehr lange Zeit, obwohl auf der Insel nur Sekunden verstreichen. Desmond reist aber nicht zu einem Strandspaziergang mit Dad, sondern in die LAX-Timeline. Anders als bei seinen Zeitreisen scheint er hier aber keinen Einfluss auf das Geschehen nehmen zu können, sondern wird zum Zuseher seines anderen Lebens, sieht – zumindest scheint es so – die Alternative Realität durch die Augen seines Alter Ego. Sofern uns das nur suggeriert werden sollte und Desmond während seiner Zeit zwischen den Psycho-Magnetspulen etwas ganz anderes erlebt hat, stellt sich die Frage, was das gewesen sein könnte. So oder so wird es nun Zeit für das (bisher) längste Flash Sideway in der Geschichte von „Lost“ – warum auch nicht? Desmond war ja schließlich auch der erste, der praktisch eine komplette Episode für seine Rückblende bekam.

Wir befinden uns wieder am LAX und es ist der 22.September 2004 – Oceanic Flug 815 ist soeben gelandet und Hurley teilt Desmond mit, wo sie ihre Koffer abholen müssen; Gepäckkarussell VIER (es läuft im Kreis, bis alle Teile ausgesiebt sind – ist der Leuchtturm also ein astrales Gepäckkarussell?). Hier trifft Des gleich auf noch einen alten Bekannten oder besser gesagt eine alte Bekannte...oder noch besser eine Alt-Bekannte^^. Er redet kurz mit Claire und meint, als sie sich trennen, das Kind werde ein Junge. Schlägt hier jetzt der Desmond aus der Crash-Timeline durch oder ist diese Vorahnung ein erstes Anzeichen dafür, dass Desmond diese andere Realität (also für uns ja eigentlich die Originalzeitlinie – aber das ist wohl wie so vieles eine Frage des Blickwinkels) einzuholen beginnt? Desmond wird von Minkowski am Flughafen aufgegabelt und zu Charles Widmore gefahren, dessen Adjutant Desmond in dieser Zeitlinie ist. Da drängen sich doch einige Fragen auf. Allen voran: Warum ist Charles überhaupt in LA und nicht auf der Insel? – Ja, ich weiß, weil sie untergegangen ist. Aber wenn Charles noch lebt, muss er sie zuvor verlassen haben. Da Ben in dieser Zeitlinie aber eindeutig nicht der Anführer der Anderen ist und es wohl nicht einmal zur Säuberung kam, muss man sich doch fragen, was Charles zum Gehen bewegt haben sollte und in welchem Verhältnis er zu der Insel steht. Ebenso merkwürdig ist es, dass sich in seinem Leben auf den ersten Blick nicht viel geändert hat. Da schließt sich gleich die nächste Frage an: Wenn Desmond Charles nicht über dessen Tochter kennen lernte, wie dann? Eloise gibt uns hierauf später eine mögliche Antwort: Desmond wollte Charles’ Wohlwollen und Anerkennung. Es scheint also wirklich so, dass die Alternative Zeitlinie den Losties das, was sie sich vermeintlich/oberflächlich am meisten gewünscht haben, erfüllt: Kate ist frei, Jack hat einen Sohn und kann seine Vaterqualitäten unter Beweis stellen, Ben kann sich für Alex und gegen Macht entscheiden und kommt ferner mit seinem Vater klar, James ist ein rechtschaffener Mann, Miles ebenso, Hurley hat Glück und kein Pech, Sayid konnte Nadia wohlauf wiedersehen, Sun und Jin sind gemeinsam in die USA geflohen, John hat Helen & seinen Vater, Desmond hat Charles’ Anerkennung, Dogen hat seinen Sohn, Claire hat Aaron, Charlie lebt und ist noch immer ein Rockstar, Daniel ist Musiker und kein Physiker, Charlotte kehrte nie auf die Insel zurück, Charles hat Penny, Eloise und Daniel, Cindy behält ihren Gary.... nur Rose, Keamy, Mikhail und Omar sind weiterhin dem Tode geweiht. Doch wie Charlie feststellt, ist dieses Glück nicht echt, falsch – die Welt ist anders als sie seien sollte. Aber dazu später mehr. Bleiben wir zuvor noch einen Moment in Charles’ Büro, denn dort hängt ein Bild von „Samuels“ Waage mit dem schwarzen und weißen Stein in ein abstraktes Farbenwirrwarr verpackt. Allerdings würde ich dieses Gemälde mal unter Easteregg verbuchen und das nicht zuletzt, weil Ostern gerade mal eine Woche her ist ;-). Weitaus symbolträchtiger und wichtiger ist da wohl der Whisky, von dem Charles Desmond in dieser Realität etwas anbietet: „Nothing's too good for you.“ („Für dich is’ nichts zu schade!“). In der Crash-Timeline klang das noch ganz anders – wir erinnern uns: „This is a 60 year MacCutcheon, named after Anderson MacCutcheon[...]. Admiral MacCutcheon was a great man, Hume. [...] To share it with you would be a waste, and a disgrace to the great man who made it – because you, Hume, will never be a great man.“ („Dies ist 60 Jahre alter MacCutcheon, benannt nach Anderson MacCutcheon[...]. Admiral MacCutcheon war ein großer Mann, Hume. [...] Ihn mit Ihnen zu teilen, wäre eine Verschwendung und eine Schändung das großen Mannes, der ihn gemacht hat – denn Sie, Hume, werden nie ein großer Mann sein.“) Wie bereits angedeutet, könnte dieses damalige Gebaren Schau gewesen sein, denn betrachten wir die jüngsten Geschehnisse auf der Insel, so wäre Charles wohl der erste, der Desmond attestieren würde, zu Großem bestimmt zu sein. Letztlich führt es uns wieder zu der Frage: Was weiß Charles wirklich?

Jetzt will er vor allem, dass Desmond Charlie aus dem Knast auslöst und zu einer Party bringt, wo er mit Daniel zusammen spielen soll. Charlie scheint einen ungewöhnlich großen Todeswunsch zu verspüren, denn er watschelt, kaum ist er frei, quer über die starkbefahrene Straße und verschwindet in einer Kneipe, wo er Desmond anvertraut, wieso er nicht mehr sonderlich am Leben hängt bzw. sich nach dem Tod verzehrt. Grund ist die Nahtoderfahrung, die er im Flugzeug hatte, denn die ermöglichte ihm einen kurzen Blick auf sein Leben auf der Insel: er sah Claire. Charlie hat also eine Idee von dem bekommen, wie es sein sollte und ist somit der erste, der erkennt, dass ihm in der Alternativen Zeitlinie etwas fehlt: die Liebe. Doch hier stehen wir vor einem Problem, denn Locke etwa hat seine große Liebe nur in der LAX-Timeline. Ben hat in der Originalzeitlinie nichts, was er wirklich missen könnte. Komisch, dass es gerade diese beiden sind, denen es ohne Insel in diesen Punkten besser geht. Aber sind sie erfüllt? Ben und John sind wohl einfach an anderen Dingen interessiert als der Normalität. Ferner wissen wir bei Ben nicht, ob er in der LAX-Timeline je mehr von der wahren Liebe sah als auf der Insel. Doch Desmond, Charlie, Daniel, James, Kate, Claire, Juliet, Charlotte, Jack, Sayid, Charles, Jin und Sun müssen in der LAX-Timeline im weitesten Sinne auf ihre wahre Liebe verzichten.

Wenn man dem Tod nahe ist (oder in einen Spiegel guckt), scheint sich aber so etwas wie ein Fenster in die andere Realität zu öffnen, das durchaus in beide Richtungen funktioniert. So wie LAX-Charlie Claire sah, so sah Crash-Juliet auch irgendetwas, das sie zu der Überzeugung veranlasste, es habe funktioniert. Da Desmond Charlie aber nicht glaubt, dass die Dinge anders verlaufen sind, als sie es sollten, und dass es Zeit für eine kleine Kurskorrektur wird, beschließt Charlie zumindest den Kurs von Desmonds Wagen zu ändern – zuvor stellt er Desmond vor die Wahl: aussteigen oder sich zeigen lassen, was ihn auf der anderen Seite erwarten würde. Wie bei jenen Alternativen, die Desmond Charlie in der Bar vorschlug, oder Entscheidungen, vor die Jacob die Leute gerne stellt, existiert nicht wirklich eine Entscheidungsmöglichkeit und so gehen Des, Charlie und das Auto baden. Desmond entkommt aus dem sinkenden Wagen, taucht aber, kaum dass er an der Oberfläche war, wieder unter. Charlie versucht nicht einmal, aus dem Auto zu entkommen. Stattdessen presst er die Hand an die Fensterscheibe und prompt hat Desmond ein merkwürdiges Déjà-Vu, das ihn an „NOT PENNY’S BOAT“ erinnert und somit auch an Penny.

Desmond und Charlie kommen – wie sollte es auch anders sein – ins St. Sebastian Krankenhaus, wo Desmond unter anderem gefragt wird, ob er irgendwelche Halluzinationen hatte – Gute Frage, nächste Frage. Des wird zum MRT überstellt. Und hier muss ich die Lost-Macher mal wieder loben, dass sie dieses unsägliche MRT-Prozedere fast originalgetreu wiedergeben. Jeder, der schon mal in der Röhre war, weiß, dass es da drin eng und laut ist und man diesen lustigen Panikknopf bekommt, auf den man drücken soll, wenn etwas nicht stimmt. Was bei „Lost“ fehlte ist folgendes: Obwohl man den blöden Knopf hat, fragen die einen alle paar Minuten – und zwar immer dann, wenn man sich gerade eben so einigermaßen entspannt hat und trotz Geräuschen und Enge abschalten konnte – über die Kopfhörer: „Alles in Ordnung?“ Man ist immer versucht zu antworten: „Bis gerade eben schon, du dumme Kuh!“ (bei mir war es eine Krankenschwester). Bemerkenswert ist auch, dass das Rattern des MRT eine gewisse Ähnlichkeit mit einem der Geräusche von Smokey hat. Zumindest lösen die Magnetwellen auch in dieser Zeitlinie einen Flash bei Desmond aus (erinnerte mich sehr an den Film „The Jacket“ mit Adrien Brody und Keira Knightley): er sieht und hört Penny, drückt den Panikknopf und rennt nur mit einem Nachthemd bekleidet quer durch die Klinik und sucht Charlie. Dabei läuft er dann noch mal kurz Jack über den Weg, ehe er Charlie findet, der ihm rät, doch endlich nicht mehr über ihn zu grübeln, sondern Penny zu suchen.

Charlie verschwindet und Desmond soll nun Eloise Widmore (!) beibringen, dass das geplante Konzert nicht stattfinden kann. Desmonds Gespräch mit Eloise gestaltet sich dann jedoch als unerwartet und ausgesprochen merkwürdig: Er erzählt ihr, dass Drive Shaft nicht kommen werde, um mit Daniel zu spielen. Er entschuldigt sich, übernimmt die Verantwortung. Er macht sich schon auf ein riesiges Donnerwetter gefasst, doch Eloise nimmt’s gelassen und erwidert ihm dann: „Oh, not at all dear. What[ever] happened, happened. Thank you so much, Mr. Hume, for coming and telling me in person. A pleasure meeting you.“ („Oh, nicht doch, mein Lieber. Was [auch immer] passiert, passiert. Vielen Dank, Mr. Hume, dass Sie selbst hergekommen sind und es mir persönlich mitgeteilt haben. Es war mir ein Vergnügen Sie kennenzulernen.“) Okay, dieses rausgerutschte „What happened, happened“ könnte bloßer Zufall gewesen sein. Aber dann hört Desmond zufällig mit, als zwei Männer vom Catering die Gästeliste durchgehen, und da fällt auch der Name „Penny“ – die übrigens allein kommt. Desmond will daraufhin die Gästeliste einsehen, wird aber von Eloise daran gehindert, die zwei Männer zur Herausgabe zu nötigen. Sie stellt ihn unter vier Augen zur Rede:

Eloise: „Someone has clearly affected the way you see things. This is a serious problem. It is, in fact, a violation. So, whatever you’re doing, whatever it is you think you’re looking for...You need to stop looking for it.“ („Jemand hat offenkundig die Art und Weise, wie Sie Dinge sehen, beeinflusst. Das ist ein ernstes Problem. Es ist – tatsächlich sogar – ein Verstoß. Also, was auch immer Sie tun, was auch immer Sie glauben zu suchen... Sie müssen aufhören danach zu suchen.“)

Desmond: „Do you, do you know what I'm looking for, Mrs. Widmore?“ („Wissen Sie... wissen Sie, wonach ich suche, Mrs. Widmore?“)

Eloise: „I don't know why you're looking for anything? You have the perfect life. On top of it, you’ve managed to attain the thing you wanted more than anything: my husband's approval.“ („Ich weiß nicht einmal, warum Sie überhaupt noch nach etwas suchen? Sie haben doch das perfekte Leben. Als Krönung haben Sie es geschafft zu erlangen, was Sie mehr wollten als alles andere: das Wohlwollen meines Mannes.“)

Okay, ich denke, jedem dürfte hier eines sofort klar werden: die Frau weiß noch weit mehr als sie sagt und selbst das ist schon mehr, als alle anderen sich nur erträumen könnten. Wie schon bei seiner Zeitreise tritt Eloise Desmond gegenüber als eine Art Gralshüterin des Raum-Zeit-Kontinuums auf. Damals erklärte Sie ihm: „And if you don't do those things, Desmond David Hume, every single one of us is dead.“ („Und wenn Sie all diese Dinge nicht tun, Desmond David Hume, wird jeder einzelne von uns sterben.“) Darauf läuft es wohl immer hinaus: Tust du das und das nicht, geht die Welt unter. Besonders Desmond und Ben wurden wohl stets in dem Bewusstsein gehalten, dass sie nicht aufbegehren dürfen, weil sonst die Welt untergeht. Auch jetzt sagt Charles Desmond ja, dass er tun muss, worum er gebeten wird, weil sonst alles vorbei ist.

Eloise in der LAX-Timeline sagt zwar nicht, die Welt könne untergehen, sondern „nur“, dass Desmond nicht an dieser Realität zweifeln solle, denn sie sei doch so, wie er wollte. Man kommt sich langsam vor wie bei „Matrix“ und wartet nur darauf, dass Eloise die Agenten ruft oder Morpheus ins Zimmer marschiert kommt und Desmond sagt: „Hattest du mal einen Traum, der dir vollkommen real schien?“ Wie die Matrix scheint auch diese Realität ihre Lücken zu haben und nur das zu sein, was ein Wesen, das für die WAHREN Bedürfnisse der Menschen völlig unempfänglich ist, sich unter einer perfekten Welt vorstellen würde. Stellt sich nur die Frage, wenn Eloise das Orakel ist (und das ist sie zweifelsohne – Teil des Systems und der Kontrolle und dennoch menschlich), wer ist dann der Architekt. Am wahrscheinlichsten scheint der Mann in Schwarz, doch ist der ja doch recht einsichtig, was menschliche Bedürfnisse angeht, versteht die Menschen eigentlich sogar besser als Jacob. Ist am Ende vielleicht Jacob der Urheber und er wollte nach dem Sieg über MiB den Menschen geben, was sie sich wünschten und muss nun feststellen, dass er es nicht kann, weil der Mensch nie glücklich mit dem ist, was er sich zu ersehnen glaubt? Letztlich ist der Mensch doch so gestrickt: Im Sommer beschwert er sich, es sei zu heiß und er will, dass Winter wird, und ist der Winter da, nörgelt der Mensch, es sei zu kalt und solle endlich Sommer werden. Die Alternative Zeitlinie scheint nicht vom Bösen beherrscht zu sein, so wie es sein müsste, wenn der Mann in Schwarz geflohen wäre. Vielmehr packt diese Zeitlinie die Menschen in Watte, gaukelt ihnen Glück vor, doch das ist oberflächlich. Denn so wie das Böse sie nicht mehr erreicht, so erreicht sie auch das Gute nicht mehr. Letztlich ist das wohl der große Fehler in den Ansätzen von Jacob und „Samuel“: sie wollen nicht wahrhaben, dass das eine nicht ohne das andere kann. Die Waage ist nur im Gleichgewicht, wenn beide Kräfte da sind und sich bekämpfen und deshalb kann es auch nie enden, denn hat es einmal geendet, wird es von ganz alleine wieder von Neuem beginnen, denn der Mensch kann mit vollkommenem Glück auch nicht zufrieden sein, da er die Kehrseite nicht kennt.

Eloise sagt Desmond auch, er sei nicht bereit. Wir müssen uns also wirklich fragen, was diese Frau weiß und woher. Sie ist ganz eindeutig mehr als Jacobs andere Anhänger, denn selbst Richard, Ilana, Ben und Charles wissen zusammen nicht so genau Bescheid wie Eloise es wohl tut. Ich schätze nur, dass alle Theorien dazu im Moment noch recht viele „Wenn“’s und derart viele hypothetische Annahmen enthielten, dass ich mir das im Moment lieber spare. Eloise weiß offenkundig mehr, aber das Warum und Woher sind derzeit nur schwerlich zu erahnen und der Versuch, es doch zu tun, würde in einem heillosen Durcheinander der wildesten Theorien enden – das möchte ich uns allen ersparen.

Als Desmond gerade saufender Weise wegfahren will (das ist der Vorteil an einem Chauffeur), klopft Daniel ans Fenster. Auch der hat seinen Nachnamen gegen Widmore getauscht und bittet Desmond nun um ein Gespräch über etwas, wovon beide keine Ahnung haben: Quantenphysik. Okay, vorher kommt noch das übliche „Ich-hab-die-Liebe-meines-Lebens-gesehen-aber-ich-kenn-sie-nur-aus-einem-anderen-Leben“-Gebrabbel. Aber dann geht es um wirre Träume und Aufzeichnungen aus diesem anderen Leben, die dieses erst ermöglicht haben. Diese Szene läuft wie das ganze Flash Sideway letztlich auf zwei Dinge hinaus, die sich beide im Stadion zutragen, und eine Erkenntnis, die für den Desmond in der Mikrowelle bestimmt ist.

Kommen wir mal vorab zu den Ereignissen im Stadion:

1. Desmond trifft Penny und begreift, dass dieses andere Leben keine bloße Einbildung ist.

2. Desmond will die Zeitlinie erneut ändern oder zumindest all jenen, die damit in Zusammenhang stehen, die andere Seite zeigen und er beschließt bei Flug 815 anzufangen, denn das ist die bislang einzige Gemeinsamkeit mit Charlie, Desmonds einziger Anhaltspunkt. Ironischerweise war Desmond in der anderen Zeitlinie nie an Bord dieses Fliegers, sondern hat ihn runtergeholt.

Auf der Insel erwacht Desmond zwischen den zwei riesigen Magnetspulen und hat eine entscheidende Erkenntnis gewonnen, die alle Überredungsversuche von Charles schon im Vorfeld überflüssig macht. Desmond wird Charles helfen und ich schätze, dass er sich deshalb auch bereitwillig Sayid anschließt: er will auf die andere Insel, er will zum Mann in Schwarz.

Zu guter Letzt noch ein paar Worte zum Titel: „Happily Ever After“ (Frei übersetzt: „Letztlich glücklich für immer“) ist die englische Entsprechung für „Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute“. Es ist also das klassische Märchenende und deshalb freu ich mich jetzt schon wie Bolle auf den deutschen Episodentitel, der bestimmt auf dem Niveau von „Taxi in die Freiheit“ – wenn nicht sogar noch darunter – liegen dürfte... „Magnetspule in ein anderes Leben“ oder „14 Tage im Leben einer Stunde“ (Inside-Joke). Aber wie kann man diesen Titel nun auffassen? Denn wirklich glücklich sind die Losties in dem anderen Leben ja nicht, obwohl sie es sein sollten. Ich denke, der Titel will uns sagen: Wenn etwas zu schön ist, um wahr zu sein, dann ist es das auch nicht. Wenn alles scheint wie aus einem Märchen, dann ergeht es einem wie Alice im Wunderland und man will irgendwann dann doch nur noch aufwachen... „Nichts kann der Mensch so schlecht vertragen, wie eine Reihe von guten Tagen!“

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute... Namaste!

Mittwoch, 7. April 2010

Call him Dr. Manhattan - erste Eindrücke zu "Happily Ever After"

Also mich würde es nicht wundern, wenn Desmond bald als nackter, blauer Glatzkopf rumläuft und Urlaub aufm Mars macht, denn die Szene, in der Charles ihn auf reisen schickt erinnerte schon etwas an Jon Ostermans Unfall bei "Watchmen". Wobei ich gestehen muss, dass mir auch eine Szene aus "Lost" in den Sinn kam, als sie Desmond auf dem Holzstuhl festschnallten und man noch nicht wusste, wohin die Reise geht... kleiner Tipp: Er hätte bei seinem Ausflug durch Raum und Zeit sicher nach Hilfe rufen können ;-)
Überhaupt hat Desmond in dieser Folge einige Jacob-Allüren, um dich ich mich in der Review eingehender kümmern möchte. Viel wichtiger ist wohl, dass wir nun einen Ausblick darauf erhalten haben, wie die Zeitlinien zusammen fließen bzw. wie sie zusammenhängen. Wenn aber der Tod eine so entscheidende Rolle einnimmt, könnte das auch einen Hinweis auf Juliets letzte Worte und die Fähigkeiten von Miles und Hurley geben. Vielleicht ist die Insel als letzte Bastion vor der Hölle und Ursprung starker elektromagnetischer Energien ja wirklich eine Art Brücke, die einen Blick auf die andere Seite ermöglicht und da wo man ungewöhnliches sieht, erhascht man einen Blick auf die andere Seite. Wer aber auf der Insel ist (oder war) kann jene Seite eher wahrnehmen.
Auf der anderen Seite deutet Eloise an, dass diese andere Realität wirklich den Wünschen der Losties entspringt und Desmond wird ihnen nun bewusst machen müssen, dass es nicht wirklich dem entspricht, was sie wollen. Mein erster Gedanke bei der Szene am Ende im Auto war: Ben war nicht an Bord! Ich denke Desmond und Ben nehmen durchaus auch eine Sonderrolle ein, weil sie eben eine andere Geschichte haben als die Losties. Apropos Ben: Sein Wiedersehen mit Charles dürfte wahrlich interessant werden^^.
Charles selbst scheint wohl wirklich lange geplant zu haben, was da nun abläuft. Er und Ben sind sich halt doch ähnlicher als sie sich je eingestehen würden, denn beide sind bereit alles für die Insel aufzugeben.
Okay, als erster Eindruck soll es das auch gewesen sein. So eine Folge muss ich auch erstmal verarbeiten, ehe ich in die tiefergehende Analyse einsteigen kann.

Dienstag, 6. April 2010

"It's not a what. It's a who. " - Reiew zu "The Package"

The Package:

Ich weiß eigentlich gar nicht so recht, was ich zu der Episode noch groß schreiben soll, denn es kommt mir so vor als erkläre sich alles von selbst oder wäre schon andernorts gesagt worden. Folglich fällt diese Review ausgesprochen kurz aus. Wir haben drei sich an wenigen Schnittstellen berührende Handlungsstränge auf der Insel und die Flash-Sideways-Story. Beginnen wir mal mit der. Hier schließt sich die Lücke zwischen der Ankunft am LAX („LA X“) und Jin im Kühlschrank („Sundown“). Ferner gibt es ein Wiedersehen mit einigen alten Bekannten: Keamy, Omar und Mikhail. Gerade letzterer lädt in dieser Folge mehr als je zuvor zu vielen blöden Wortspielen ein und damit wir es gleich hinter uns bringen: Folgende Sätze werden in der Review nicht vorkommen und ich möchte sie eigentlich auch sonst nirgends lesen:

- Der Schuss hätte ins Auge gehen können.

- Mikhail wirft ein Auge auf Sun.

- Er ist augenscheinlich tot.

- Da passt er einen Augenblick nicht auf und hat schon eine Pistole am Hinterkopf.

- Auf der Insel war er noch Bens Auge und Ohren.

- Er fasst es ins Auge.

- Da heißt es: Auge(n) zu und durch.

- Augenblicklich kommt Mikhail herein.

- Er hütet Sun wie seinen Augapfel.

- (Augen)Klappe! Kamera läuft! Und: Bitte!

- Das kann man mit bloßem Auge gar nicht erkennen.

- Die Kampfszene ist eine Augenweide.

- So nach Augenmaß...

Sun und Jin werden zwar mit der Uhr, aber ohne das Geld am Flughafen entlassen. Dass Sun und Jin nicht verheiratet, aber dennoch ein Paar sind, wird in dieser Folge absolut klar. Ob Sun nun aber tatsächlich kein Englisch spricht, ist für mich immer noch etwas fragwürdig, denn in der Crash-Timeline hat sie ihre Maske auch sehr lange aufrechterhalten, obwohl es – wie nun in den Flash Sideways auch – einige Situationen gab, in denen es für alle Beteiligten besser gewesen wäre, sie hätte es nicht getan. Es scheint zwar wahrscheinlicher, dass sie wirklich kein Englisch spricht, doch auch das Gegenteil traue ich ihr zu und ist daher für mich keineswegs ausgeschlossen. Im Hotel taucht dann nach einem kurzen Striptease und anderen nicht jugendfreien Aktionen Martin Keamy mit Omar im Schlepptau auf. Das Geld ist nicht da, aber Keamy versteht sowieso nichts und kommt sich vor wie in einem Godzilla-Film, weshalb er Mikhail ruft. Eine etwas merkwürdig anmutende Allianz, denn obgleich wir Mikhail stets als loyalen Soldaten kannten, passt er so gar nicht zu einem zwar eloquenten, aber nichtsdestoweniger sadistischen Arschloch wie Keamy. Eloquenz ist nämlich etwas, das Mikhail gänzlich fehlt, doch dafür besitzt er das, was Keamy fehlt: Intelligenz und vor allem ein Gewissen. Nicht das Keamy dumm wäre, aber ein Genie ist er nicht gerade, obgleich er ausgerechnet von Mikhail als Idioten spricht.

Die Ironie an der ganzen Story um das fehlende Geld ist letztlich, dass Sun und Jin fürchten Keamy könnte ihnen etwas antun oder Woo-Jung Paik (so heißt der alte Mistkerl, wie wir in dieser Folge erfahren, mit vollem Namen) könne herausfinden, was Sun und Jin so treiben, wo das fehlende Geld doch Keamys Lohn dafür ist, dass er Jin tötet, weil Paik herausgefunden hat, was zwischen Jin und seiner Tochter läuft. Würde Keamy Jin töten ohne das Geld zu haben, wäre er schön doof. Was ich mich aber frage ist: In der Original-Zeitlinie fängt Jin bei Paik an, um so Sun heiraten zu können. Wenn er und Sun ihre Beziehung aber geheim halten wollen, warum arbeitet Jin dann überhaupt für ihren Vater? Ich fürchte aber mal, dass wir die Antwort zu dieser Frage nicht mehr bekommen. Dass Sun schwanger ist, kommt auch nicht sonderlich überraschend... also alles in allem fügt sich die Flash-Sideways-Story wunderbar ein, ergänzt vermutete Puzzlestücke und gibt wieder etwas mehr Aufschluss über eine potenzielle Welt ohne Jacob-Faktor. Aber obwohl der fehlt, enden Mikhail, Keamy und Omar wie gehabt da, wo man sich die Radieschen von unten ansieht. Ja, sogar Mikhails Todesursache erinnert an die andere Zeitlinie. Mehr gibt es dazu von meiner Warte aus nicht zu sagen, weshalb ich mal munter auf die Insel marschiere:

MiB fragt Jin, ob James ihm von der Höhle erzählt habe. In den Gesprächen in „Samuels“ Lager wird rasch klar, dass er die Insel unbedingt mit den verbleibenden Kandidaten zusammen verlassen muss. Eigentlich ist das ziemlich logisch, wenn man bedenkt, dass der letzte Kandidat, der übrig bleibt, automatisch Jacobs Nachfolger wäre und MiB nur gehen kann, wenn es keinen Wächter mehr gibt. Folglich müssen die Kandidaten sterben oder ihn begleiten. Die anderen Menschen sind ihm vermutlich egal, aber wer würde sich ihm anschließen, wenn er auch Unbeteiligte einfach umbrächte. Ich denke, dass es nur einen Grund gibt, warum er Claire, Cindy, Zach, Emma und Co ebenfalls mitnehmen will: Er würde andernfalls den Beweis liefern, dass er böse ist und sich einen Scheiß um die Menschen kümmert. Okay, bei Claire mag es noch einen anderen Grund geben, aber ihr wisst, worauf ich hinaus will.

Jin geht aber nicht ohne Sun, da MiB sie aber so oder so braucht, macht er sich Richtung Strandlager auf. Kurz vor seinem Aufbruch vertraut Sayid ihm an, er habe keine Gefühle mehr, woraufhin MiB, der zweifelsohne nicht ganz unschuldig an diesem Zustand ist, erwidert, vielleicht sei es besser so, denn es würde ihm helfen das Kommende durchzustehen. MiB geht also, aber auch Jin möchte weg, denn der scheint als einziger zu begreifen, wie gefährlich es ist, sich mit dem Leibhaftigen einzulassen, denn den sieht er offenbar in „diesem Ding“. James will Jin aufhalten, sagt ihm, er habe doch einen Handel mit Widmore und einen Plan, doch ausnahmsweise ist Jin mal der, der klüger ist, mehr durchschaut. James und Kate spielen mit dem Feuer, wenn sie glauben, sie könnten ein Wesen von „Samuels“ Macht und Intelligenz täuschen oder hintergehen. Vermutlich ahnt MiB schon längst, was James plant. Jemand der es geschafft hat, Ben Linus dazu zu bringen, Jacob zu töten, wird sich kaum selbst so leicht hinters Licht führen lassen.

Jin und James werden in ihrem Streit unsanft unterbrochen, denn es hagelt Betäubungspfeile aus dem Hause Widmore. Widmore und seinen Leuten geht es aber nur um Jin, den sie auf die Hydra-Insel verschleppen.

Am Strand wird derweil kartengespielt, gewartet und ein wenig über Essen debattiert. Jack ist immer noch auf dem Weg zum Mann des Glaubens und philosophiert über Tomaten, Sun interessiert sich immer noch für nichts außer Jin, Ilana und Ben zanken weiterhin und Richard ist auch noch weg. Alles in allem hat sich also nicht wirklich was getan. Aber dann taucht MiB auf und will Sun mit zu Jin nehmen. Sun läuft weg und dabei vor einen Baum – schafft außer der Frau auch keiner: sich von einem Baum K.O. schlagen lassen. Sun wird von Ben gefunden, der sie ins Lager zurückbringt. Aber Sun hat vom Baum ihr Sprachzentrum demoliert bekommen und kann zwar noch Englisch verstehen, aber keines mehr sprechen. Ich hätte es ja als echte Wohltat empfunden, wenn ihr Sprachzentrum gänzlich im Eimer gewesen wäre und sie gar nicht mehr hätte, sprechen können...schade, schade!

MiB ist in der Zwischenzeit in sein Lager zurückgekehrt, wo alle etwas benommen sind. „Samuel“ bemerkt Jins Verschwinden und will ihn mit Sayids Hilfe zurückbringen. Ehe MiB erneut aufbrechen kann, fragt Claire ihn, ob ihr und Kates Name an der Höhlenwand stünden. Er behauptet, ihre Namen stünden nicht an der Wand. Wir wissen, dass das nicht ganz der Wahrheit entspricht, denn ihre Namen stehen sehr wohl dort, wurden aber durchgestrichen. Claire lässt durchblicken, dass sie Kate gerne loswerden würde, da sie sie als Konkurrenz gegenüber ihrem Sohn ansieht – eine verständliche , wenn auch unbegründete Angst. MiB gibt daraufhin endlich Preis, warum er an Kate solches Interesse hat, obwohl sie keine Kandidatin mehr ist: er braucht sie, um Jack, Hurley und vielleicht auch Sun zu überzeugen. Wäre das gelungen, passiere, was auch passiere – heißt übersetzt: „Wenn ich die fehlenden Kandidaten habe, kannst du mit ‚Freckles’ machen, was du willst, Claire!“

MiB fährt also mit einem Boot zur Hydra-Insel, während Sayid in River-Kwai-Manier hinschwimmt. Jin selbst wacht derzeit im guten, alten Raum 23 auf und probiert erst mal den „Lichtschalter“ aus. Obwohl er in der Dharma war, wusste Jin wohl gar nichts von diesem Raum, wie auch Zoe, die kurz darauf reinschneit, erstaunt feststellt. Dabei ist Jins Dharma-Vergangenheit doch der Grund, weshalb er verschleppt wurde: Er soll Widmores Leuten nämliche eine lustige Karte erklären, die er mal unterzeichnet hat. Doch Jin stellt eine Bedingung: Er will zuvor mit Charles Widmore reden.

Der ist seinerseits gerade etwas beschäftigt, weil MiB am provisorischen Sonarzaun am Strand steht und ihn wegen Jins Entführung zur Rede stellt. Charles weiß davon aber noch gar nichts und ist ziemlich stinkig, als er von Zoe erfährt, dass die Jin tatsächlich schon Tage vor dem Zeitplan entführt hat. Denn so konnte MiB Charles ein weiteres mal in die Karten schauen – er greift am Sonarzaun etwas auf, das Charles gegenüber Locke äußerte, nämlich, dass ein Krieg kommen werde. So sagt MiB zu Charles: „A wise man once said that war was coming to this Island, I think it just got here“ („Ein weiser Mann sagte einst, dass der Krieg auf diese Insel komme – ich schätze, er hat sie geradeerreicht“). Ich musste hier etwas an die apokalyptischen Reiter denken: Jacob als der in weiß gekleidete Sieger, Widmore der Krieg, der mit seinem Schwert den Frieden von der Welt nimmt, und MiB als der Tod. Fragt sich nur, wer die Hungersnot, der dritte Reiter, ist. Charles geht nach seinem kurzen gespräch mit MiB zur Hydra und findet heraus, dass MiB ihm die Wahrheit gesagt hat. Dass Charles MiB ebenfalls die Wahrheit sagte, als beteuerte, von nichts zu wissen, glaubt der wohl nicht wirklich. Zoe rechtfertigt ihr Handeln, aber Charles erwidert ihr, sie hätte Jin das Lager lieber verlassen lassen sollen, um ihn dann im Dschungel zu schnappen – dann hätte MiB erst Tage später mitbekommen, was Sache ist. Jetzt muss Charles etwas improvisieren und darin ist er wahrlich nicht sehr gut. Aber gut genug:

Er zeigt Jin eine Kamera, die Sun gehörte und die sie im Flugzeug bei sich hatte. Auf dem Speicherchip der Kamera sind einige Fotos von Ji Yeon – und hier stellt sich mal wieder eine interessante Frage: Welcher Mensch hat zig Fotos seiner Tochter aus drei Jahren auf der Kamera und sonst nichts? Jeder normale Mensch nimmt eine Kamera zu bestimmten Anlässen mit, macht Fotos und überspielt die auf PC, USB-Stick, CD oder DVD. Ach, ich bin doof! Wir reden hier schließlich von Sun! Apropos: was macht die eigentlich, während ihr Mann beim Dia-Abend ist?

Sun brabbelt immer noch wirres Zeug... und spricht außerdem Koreanisch. Richard ist auch wieder da und hat den festen Entschluss MiB aufzuhalten, indem er das Flugzeug endgültig in einen flugunfähigen Zustand versetzt. Sun stellt sich mal wieder quer, denn sie will die Insel mit Jin verlassen und ob man dann noch eine Welt braucht, die dann ja nicht gerettet werden könnte, ist ja noch gar nicht erwiesen. Auch Charles will MIB mit allen Mitteln am verlassen der Insel hindern und hat dafür schon seit „Package“ bereit liegen: Desmond David Hume!

Ich hab ja immer mehr den Verdacht, dass Charles das von langer hand geplant hat, dass er wusste wie besonders Des ist oder sein würde und ihn deshalb so erniedrigte, damit er auch ja auf der Insel landet. Nun hat er ihn zurückgebracht und eines ist sicher: Desmond ist ein wichtiger Teil von Charles’ Plan, denn für ihn gelten „die Regeln“ nicht.

Okay, ich denke, mehr kann man zu der Folge echt nichts sagen, was man nicht bei der morgigen eh’ noch mal aufgreifen müsste. Sorry, auch, dass es etwas länger gedauert hat und die Review trotzdem recht kurz ist, aber an Ostern hatte ich auch mal frei ;-)

Montag, 22. März 2010

"Need a pen, son?" - "Recon"-Review

Recon:

„Sie kommen, sie kämpfen, sie zerstören, sie vernichten – und immer endet es gleich.“ Ja wir alle kennen diesen Satz und man ist geneigt, ihn in „Recon“ zu verdrängen oder zumindest zu vergessen. Der Mann in Schwarz scheint ja richtig nett zu sein, spricht mit James, Kate oder Claire wie mit Ebenbürtigen, ist freundlich, hat Verständnis für ihre Sorgen und Probleme. Er zeigt Mitgefühl. Passt das zu der menschenfeindlichen Einstellung, die er gegenüber Jacob äußert? Nicht wirklich und wir können wohl davon ausgehen, dass wenn es jemanden gibt, vor dem sich „Samuel“ nicht verstellen kann oder bräuchte, dann ist es Jacob. Was bezweckt er damit, wenn er so nett zu seinem Gefolge ist? Dass er von ihnen nicht als das gesehen werden möchte, was er ist, zeigt sich schon relativ früh in dieser Folge, denn schließlich gesteht er nur James, er sei das Rauchmonster und habe all die Menschen im Tempel getötet. Sayid scheint es aber zumindest zu ahnen, denn er sieht „Samuel“ recht vorwurfsvoll an, als dieser behauptet, der Rauch habe all die Menschen getötet. Das ist nicht einmal gelogen, aber das entscheidende Detail verschweigt er dennoch. Überhaupt agiert der Mann in Schwarz derzeit zwar erwartungsgemäß und tut meist auch, was er sagt, bleibt in den Äußerungen aber so vage, dass er ebenso gut lügen könnte. Ihr wollte Beispiele? Ihr bekommt sie:

1. Die Insel verlassen: Der Mann in Schwarz verspricht James, er werde mit ihm die Insel verlassen und sagt auch den anderen unter seinen Anhängern, er wolle gehen. Mit keinem Wort erklärt er aber, wie das vonstatten gehen soll. Man hat wohl einiges erwartet: vom Rad, über den Leuchtturm oder sonst ein merkwürdiges Portal bis hin zu einem Versenken der Insel und Ändern der Zeitlinie. Doch was sagt „Samuel“ zu James? Er will das Flugzeug nehmen. Das ist nicht nur erstaunlich gewöhnlich, sondern auch vollkommen unglaubwürdig. Wer soll das Ding fliegen, sofern man schafft, es zu reparieren? Seit wann wagt der Mann in Schwarz sich überhaupt nur in die Nähe von Technologie? Er mag weder die Menschen noch die Zivilisation. Ganz abgesehen davon, scheint er geahnt zu haben, dass das Übersetzen zur Hydra-Insel problematisch werden könnte – andererseits hätte er damit sein Versprechen, die Insel zu verlassen, eigentlich schon erfüllt.

2. Seine Mutter: MiB erzählt Kate von seiner Mutter und bezeichnet sie als verrückt und verwirrt. Er vergleicht sie mit Claire und sich selbst mit Aaron. Aber wenn seine Mutter der Grund allen Übels ist, welche Rolle spielen dann Jacob und die Insel dabei? Oder ist Claire am Ende sogar seine Mutter und Er oder Jacob ist Aarons zukünftiges Ich? In jedem Fall klingt die Story lückenhaft und könnte ebenso gut aus Lockes Erinnerung geklaut oder erfunden sein. Mich erinnern diese Storys, die MiB Kate oder auch James auftischt, an den Joker in „The Dark Knight“, der sich immer wieder eine passende Geschichte für die Herkunft seiner Narben aus den Fingern saugt.

3. Deal mit Ben: Wie sollte Ben Jacobs Nachfolge antreten können, wenn er keiner der Kandidaten mehr ist? Und warum lotst er Ben zur Hydra-Insel? Die Ereignisse in „Dr. Linus“ und „Recon“ passieren wohl annähernd zeitgleich oder überschneiden sich zumindest teilweise. Zwischen Charles Gespräch mit James und der Ankunft des U-Bootes am Ende von „Dr. Linus“ liegen allenfalls ein paar Stunden. Auf jeden Fall war „Samuels“ Truppe, als er Ben aufsuchte, nicht einmal im Ansatz dabei, zur Hydra-Insel überzusetzen. Wäre Ben tatsächlich gegangen, wäre er Charles direkt ins Messer gelaufen und aus dem Gespräch mit James kann man entnehmen, dass „Samuel“ geahnt hat, was sich auf der Hydra-Insel abspielt. Wie man es dreht und wendet: Aufrichtig war MiB zu Ben nicht! Vermutlich hoffte er, Ilana und Ben oder Charles mit einem Mal loszuwerden.

4. Claire: Claire gegenüber hat er ganz offenkundig gelogen, um sie gegen die Anderen zu instrumentalisieren. Das rächt sich in gewisser Weise und Claire attackiert Kate. Man hätte denken können, dies wäre ihm recht, ist Kate doch ein verdammt großer Risikofaktor für Ihn. Nein, „Samuel“ verhindert es, rettet Kate und schlägt Claire und hält ihr danach auch noch eine Standpauke. Dabei scheint es doch sehr wahrscheinlich, dass MiB selbst seine Finger im Spiel hatte, als Claire verschwand – selbst wenn er nicht Christian ist.

5. Jacobs Ersatz: Wieso sollte MiB Jacob töten und dann Ersatz für ihn suchen wollen? Einzig logisch wäre es, dass sie beide einen Ersatz benötigen und nur zusammen gehen können. Jacob wollte nicht gehen, suchte ewig nach Kandidaten – „Samuel“ hatte keinen Bock mehr zu warten, sorgte dafür dass ein (ehemaliger) Kandidat Jacob tötet und will nun runter von der Insel und die Insel muss bis auf zwei Personen leer sein: Die Nachfolger von beiden Jacob UND „Samuel“.

Aber kommen wir zu James. Den schickt MiB nämlich auf die Hydra-Insel zu Widmore, dessen Leute schon einen kleinen Rauchmonsterknast aufbauen. Hier stellt sich vor allem die Frage, wer die Ajira-Überlebenden am langfristigen Überleben gehindert hat. Klar: der erste Verdacht für diesen Mini-Genozid á la Widmore fällt natürlich auch auf selbigen. Wer könnte Parallelen zu der Säuberung von 1992 leugnen? Und wer befindet sich denn noch am Tatort? Wessen Leute laufen da noch durch die Pampa? Wer wollte schon drei Jahre zuvor die ganze Bevölkerung der Insel auslöschen? Wer saß im U-Boot und wollte fortfahren wie geplant, nachdem man ihn auf die Anwesenheit von Menschen am Strand aufmerksam gemacht hatte? Also, zuzutrauen wäre Widmore dieses Verbrechen auf jeden Fall. Ein Motiv hätte er auch, denn das ist bei ihm seit 60 Jahren das selbe. Er hatte die Mittel, die Gelegenheit, das Muster passt zu ihm... und dennoch: ich glaube nicht, dass er es war. In dubio pro reo? Nein! Zunächst einmal hätte Charles keinen Grund James anzulügen, denn der weiß, wozu Charles fähig ist, und zweitens gibt es zwei andere Verdächtige. Zunächst einmal „Samuel“, der offenbar wusste, dass auf der anderen Seite keiner mehr am Leben sein würde. Der Mann in Schwarz sagt selbst, es ginge um töten oder getötet werden und jeder Mensch, ob er ihm folgt oder nicht, ist für ihn ein Risikofaktor und allem Anschein nach hinderlich bei seinem Vorhaben. Bislang hat er jeden umgebracht, der kein Kandidat war und ablehnte, ihm zu folgen. Dennoch ist er nicht mein Hauptverdächtiger für dieses Massaker. Was passierte zwischen dem Zeitpunkt, als Ilana Frank nach der Statue fragte und niederschlug, und der Ankunft von Ilanas Team auf der Hauptinsel? Wir wissen es nicht, denn in den Folgen zwischen „Tot ist tot“ und der „Vorfall“ taucht Ilanas Team nicht auf und das letzte, was wir von ihnen sahen, war, dass sie sich bewaffneten, Frank ausknockten und den Ajira-Überlebenden einige Angst machten. So ungern ich es auch sage: Für mich sind Jacobs Leute derzeit die Tatverdächtigen Nummer 1.

Was bekommt James noch zu sehen? Auf dem U-Boot gibt es einen stark gesicherten Raum, in dem Widmore irgendetwas oder wohl eher irgendwen versteckt, denn bei einer Waffe, die er vor James verstecken wollen würde, wäre es klüger gewesen die Tür einfach so zu lassen, denn mit dem schweren Schloss fällt sie weit mehr auf. Folglich müsste etwas in der Kammer sein, dass auf keinen Fall rausdarf oder so unvorstellbar ist, dass James lieber etwas ahnen als wissen soll. Wen könnte Charles also da festhalten? Die wahrscheinlichste Möglichkeit wäre wohl Desmond oder gar die komplette Familie von Charles’ Tochter. Aber warum macht Des sich nicht bemerkbar, wenn er da drin ist? Don äußerte schon, es könne Walt sein, und ich finde die Theorie hat was, denn Desmond ist ja nicht so gefährlich, dass man ihn selbst auf der Insel noch wegsperren müsste. Walt hingegen könnte Charles gezielt gegen MiB einsetzen wollen. Aber mir kamen noch vier andere ziemlich abgedrehte Ideen: Mich erinnert das Ganze etwas an die Story um die Kiste mit Johns Leiche. Was wäre, wenn (der echte) Jacob in dem U-Boot wäre? Oder eine andere mächtige Person, die wir für tot halten? Christian? Oder gar John Locke? Ist schon auffällig wie vehement Charles sofort darauf hinweist, John sei tot. Denn da gab es ja mal wegen einer geschnittenen Szene aus „Konturen der Zukunft“ die Theorie, dass das Rad den, der es benutzt hat, irgendwie dupliziert. Das führt mich zu der zweiten abgedrehten Hypothese: In der Kammer sitzt Bens böser/guter Zwilling. Als drittes dachte ich noch an Aaron, aber die wohl merkwürdigste Theorie ist die letzte: In der Kammer ist die Mutter von „Samuel“ (und – vielleicht auch – Jacob) und für die baut Charles das Sonargefängnis und nicht für den Mann in Schwarz. Falls jedoch keine Person hinter dieser Tür ist, was könnte dann so gewaltig sein, dass Charles um jeden Preis verhindern will, dass James es zu Gesicht bekommt? Vielleicht ja ein Spiegel, wenn ihr wisst, was ich meine ;-)

Wo wir schon auf dem U-Boot sind, müssen wir noch einer Frage nachgehen: Auf wessen Seite steht Charles? Was sind seine Ziele? Es scheint im Moment so, als arbeite er gegen den Mann in Schwarz, was jedoch nicht zwangsläufig heißt, dass er für Jacob arbeiten würde. Bram meinte zu Miles doch damals, er habe sich mit Widmore für die falsche Seite entschieden und, dass Bram und Ilana Jacob absolut treu ergeben sind/waren, steht wohl außer Zweifel. Jacob ließ Charles von Ben verbannen und auch sonst passt Charles einfach nicht in Jacobs Schema. Charles Widmore ist egoistisch, machthungrig und absolut rücksichtslos beim Durchsetzen seiner Ziele – alles Aspekte, die eher zum Mann in Schwarz passen. Meine Theorie wäre daher folgende: „Samuel“ machte Charles das selbe Angebot wie Ben. Er versprach Charles Jacobs Nachfolge, wenn er ihn aus dem Wegen räumen würde. Ehe Charles jedoch Gelegenheit dazu hatte, Jacob zu ermorden, verbannte Ben ihn und das ist auch der Grund, warum Charles Ben vorwirft, er habe ihm die Insel weggenommen. Jetzt ist Charles zurück und will MiB entweder zu Rechenschaft ziehen oder ihn töten, um statt Jacobs Platz den von MiB einzunehmen. Es würde auch ins dramaturgische Schema passen, denn Ben tötet seinen „Meister“ für dessen Gegner. Charles ist Bens Gegenpart – so wie MiB Jacobs ist. Aber können wir uns vorstellen, Ben und Charles bei etwas gebratenem Fisch am Strand sitzen zu sehen? Ich weiß nicht, ich weiß nicht...

Da ich auf der Insel jetzt nicht mehr so wirklich etwas von Interesse finden kann, werfen wir doch mal einen Blick auf das Leben von Detective James „Jim“ Ford. Macht ein dämlicher Kuli, denn wirklich so einen Unterschied? Offenbar jagt auch Jim Sawyer/Anthony Cooper und sagt, es habe einen Zeitpunkt in seinem Leben gegeben, an dem er entscheiden musste, ob er Polizist oder Krimineller wird. Erinnert mich schon an Jacob: „Denk dran: Du hast eine Wahl, aber die nehm ich dir zur Vorsicht mal ab!“ Mit Jacob-Faktor wird James ein Betrüger, ein hervorragender Lügner und Stratege. Ohne Jacob-Faktor ist er ein Cop, ein lausiger Lügner und absolut unfähig seinen gegenüber gut einzuschätzen (man denke an die Szene im Motel). Stellt sich nur die Frage, ob Jacob James mehr als einmal in eine bestimmte Richtung geschubst hat.

In Jims Flash Sideways finden wir eine Menge bekannter Gesichter: Miles, der ebenfalls seriös ist und als Polizist arbeitet, Charlotte, die jetzt zur Archäologie gewechselt hat, Liam, der sich tatsächlich um seinen Bruder zu sorgen scheint (eigentlich der größte Schock der kompletten 6. Staffel) und Kate, die von James am Flughafen sogar noch gedeckt wurde und ihm nun doch in die Handschellen läuft. Ferner fallen so schöne Schlüsselwörter wie „con man“, „LaFleur“, „Sawyer“ oder „Anthony Cooper“. Doch wie in jedem Flash Sideway erkennen wir auch hier am Ende: Trotz all der oberflächlichen Unterschiede, hat sich im Grunde rein gar nichts geändert.

Und mehr weiß ich echt nicht zu schreiben... dafür werd’ ich mir bei „Ab Aeterno“ wohl die Finger wund tippen müssen. Also, bis dann...

... ach und eines noch in eigener Sache: Schaut mal im „Omega“-Blog und/oder –Forum vorbei.

Mittwoch, 17. März 2010

"The Island is mine and always was and it'll be again!" - Erste Eindrücke zu "Recon"

Da ich ja immer brutalst ehrlich bin: Ich hätte nicht gedacht, dass mich in dieser Staffel eine Folge nochmal so langweilen könnte wie "What Kate Does" - ich hab mich geirrt. Ich weiß, dass viele diese Meinung nicht teilen werden, doch ich fand die Folge bis auf die Szene im U-Boot komplett absehbar und selbst besagte Szene hat mich jetzt nicht wirklich vom Hocker gehauen. Dennoch möchte ich mit der mal einsteigen. Charles will "Samuel" also töten - da dachte ich so: Schon komisch, oder? Ben tötet Jacob und Charles "Samuel"? Mir kam da vor allem das Zitat in der Übeschrift wieder in den Sinn. Wenn Charles offenbar weiß, was es mit dem "Smoke Thing" auf sich hat, könnte er auch von den Kandidaten gewusst haben und nahm an, er sei als Anführer bestimmt, Jacob zu töten und zu ersetzen. Dann kommt Ben und nimmt ihm den Job weg. Dass Charles nicht wirklich für Jacob oder den MiB kämpft, ist wohl ziemlich wahrscheinlich. Er ist und bleibt halt doch ein sadistisches, egoistisches Schwein, das um seiner Macht Willen sogar seinen Schwiegersohn in ein U-Boot sperren und zurück zur Insel verfrachten würde... oh, da ist mir doch glatt meine Theorie zu der verschlossenen Kammer rausgerutscht. Verdammt!^^
Läuft es nun also doch auf das große Duell zwischen Ben und Charles hinaus, denn das die zwei sich gegen MiB zusammentun, ist etwa so wahrscheinlich wie zweimal auf der selben Insel abzustürzen. Charles will das Spiel beenden, aber wohl kaum für Jacob, sondern für sich. Man wird wohl abwarten müssen, was er mit "Samuel" anstellt, aber der schien weder von Charles Anwesenheit noch von dem extra für ihn angefertigten Gefängnis sonderlich beunruhigt.
Ansonsten bemüht sich MiB weiter allen munter Honig ums Maul zu schmieren. James ist also der beste Lügner, den er je getroffen hat? Wenn Ben das hört tickt er wohl endgültig aus, denn im Leute verarschen ist er (zumindest unter den Menschen) immer noch die unanfechtbare Nummer 1. Aber auch Kate versucht er einzulullen und ich frag mich, warum, denn es hätte ihm doch wie gerufen kommen müssen, wenn Claire eine Kandidatin ausm Weg räumt.
Dann wäre da noch die geschichte von "Samuels" irrer Mutter. Wer ist oder war sie? Kennen wir sie? Ist es womöglich Claire selbst und MiB ist Aarons zukünftiges Ich? Zumindest zieht er Parallelen zwischen sich und Aaron, was zumindest darauf hindeutet, dass dessen große Stunde bald schlägt. Vielleicht ist Jacob auch "Samuels" Bruder und sollte darauf Acht geben, dass sein durchgeknallter Bruder auf der Insel bleibt.
Zu den Flash Sideways: Bis auf ein paar bekannte Gesichter (Miles, Kate, Charlotte, Liam) und gewisse Schlüsselbegriffe (con man, LaFleuer, Anthony cooper, Sawyer) war da nichts wirklich Interessantes bei. Sieht man mal von dem altbekannten Motiv der Entscheidung (Krimineller vs. Polizist) ab.
Na ja, ich schau mal, wann ich zur Review komme. Bis dahin euch allen einen schönen Tag und Namaste!

Samstag, 13. März 2010

"I can't think of a better man for the job“ - "Dr. Linus"-Review

Dr. Linus:

Was für eine Folge. Sie lässt einen doch etwas konfus zurück, denn obwohl nun scheinbare Klarheit herrscht, gibt es so einige Details, die einen aufwühlen, über die man noch lange nachsinnt und versucht die versteckte Bedeutung dahinter zu erfassen. Es sind Kleinigkeiten, die wohl noch große Bedeutung erlangen werden. Wir verlassen die Insel am Ende der Folge, nachdem sich nun auch die Heimmannschaft zusammengefunden hat. Die letzte Folge endete bei Nacht, alles war düster und der Mann in Schwarz zog mit seinem Trupp vom Tempel weg. Wie wir nun wissen, hat sich sein Team die Hydra-Insel als Basis auserkoren. „Dr. Linus“ wiederum endet bei Tag am weißen Strand, alles ist licht und hell. Eine kleine Gruppe letzter Getreuer steht beisammen, als ein weiterer Mitspieler eintrifft: Charles Widmore. Ist er der letzte Teilnehmer an diesem finalen Kampf? Wohl kaum, denn wie sagt Eloise zu Desmond? Die Insel ist mit ihm noch nicht fertig. Also ein Spieler fehlt mindestens noch, sofern er nicht bei seinem Schwiegervater im U-Boot hockt, was ich doch zu bezweifeln wage. Wenn dieser letzte Rekrut eingetroffen ist und eine Seite gewählt hat, dürfen wir uns wohl auf einen epischen Kampf freuen: „Zwei Spieler, zwei Seiten – eine ist hell, die andere dunkel.“

Aber wie findet sich Team-Jacob nun? Ironischerweise nimmt ausgerechnet Jacobs Mörder eine zentrale Rolle dabei ein, denn er schlägt, kurz bevor er überführt wird, den späteren Treffpunkt als Lager vor: das Strandlager der Losties. Aber ist Ben wirklich Jacobs Mörder? Ist er nicht vielmehr die Mordwaffe, welche über Jahrzehnte in Jacobs Händen lag und seine fragwürdigen Befehle ausführte, ehe sie der Gegenseite in die Hände fiel und gegen ihren Schöpfer gewendet wurde? Prompt sind wir auch schon im zentralen Thema der Inselhandlung: Jacob und Ben – eine Beziehung die blutig endete und deren Aufarbeitung überfällig ist. Von Richard erfahren wir in dieser Folge, dass die Berührung Jacobs einen überhaupt erst zum vollwertigen Kandidaten und praktisch unsterblich macht. Man kann sich nicht umbringen und auch nur schwerlich von anderen umgebracht werden. Man stirbt erst, wenn Jacob einen lässt – also vermutlich, wenn man von der Liste gestrichen wurde. In zweierlei Hinsicht ein wichtiger Punkt, wenn wir Bens Lebensgeschichte betrachten. Wenn selbst Tom wusste, dass die Insel (also Jacob) einen nicht sterben lässt, bis man seine Aufgabe erfüllt hat, dann wird Ben dies wohl auch gewusst haben. Plötzlich kann man Bens ersten Versuch, Locke zu töten, in einem ganz anderen Licht sehen: Ist er ein Kandidat, überlebt er. Viel bedeutsamer sind Richards Infos aber in Bezug auf Ben selbst, denn was stellt Jacob unmittelbar vor seinem Tod sicher? Genau: Er berührt Ben und geht damit sicher, dass er als letzter Kandidat doch noch im Spiel bleibt. Verknüpfen wir das nun mit Miles Aussage: „Right up until the second time the knife went through his heart, he was hoping he was wrong about you. I guess he wasn't.“ („Kurz bevor das Messer das zweite Mal in sein Herz eindrang, hoffte er, sich in dir getäuscht zu haben. Ich schätze: das hat er nicht.“) Was wird suggeriert? Jacob hofft sich in Ben geirrt zu haben, weil er glaubte Ben würde ihn töten. Doch hat Ben nicht irgendwo recht, wenn er Miles kurz zuvor entgegenhält, Jacob habe es nicht gekümmert, ob er lebt oder stirbt? Letztlich brachte sein Tod Jacob einen großen Vorteil gegenüber dem Mann in Schwarz: sein Gegner weiß nicht, dass er weiterhin die Fäden ziehen kann. Hurley wird zu Jacobs Sprachrohr und so bleibt das Spiel am Laufen. Der von Hurley gezogene Vergleich zwischen Jacob und Obi-Wan Kenobi könnte hier durchaus ein versteckter Hinweis sein, denn auch Obi-Wan lässt sich von seinem einstigen Schüler bereitwillig töten und sorgt so dafür, dass Luke entkommt und seinen Vater läutern kann. Obi-Wans Opfer macht es Vader/Anakin möglich sich aus Sidious’ Einfluss zu befreien und den Kampf zwischen Licht und Schatten endgültig zu beenden. Ferner stirbt Obi-Wan erst, nachdem er Vader gewarnt hat: „Wenn du mich tötest, werde ich mächtiger als du dir nur entfernst vorstellen kannst.“ Das führt uns zu Ben, der in diesem Bild Anakins Rolle einnimmt. Ist er also dazu bestimmt MiB zu töten, diesen ewigen Kampf zu beenden? Hätte Jacob gehofft sich in Ben getäuscht zu haben, weil er ihn für böse hielt, hätte er ihn nicht berührt. Ich denke, dieser „Irrtum“ bezieht sich auf Jacobs Liste. „117 – LINUS“ wurde durchgestrichen. Ein Erklärungsmodell wäre also, dass Jacob hoffte, Ben sei doch zu seiner Nachfolge bestimmt oder halt dazu auch „Samuel“ zu töten.

Doch bedenken wir Jacobs Weitsicht wäre noch ein ganz anderes Szenario vorstellbar: Ahnte er vielleicht, dass Ilana Miles bitten würde, Jacobs Mörder zu entlarven? Ist es nicht vor allem Miles Aussage über Jacobs letzte Gedanken, die Ben dazu bringt, sich für Jacob zu entscheiden. Selbst jetzt noch ist alles, was Ben sucht, Anerkennung. MiB ist bereit ihm diese zu geben und Ben zieht in Erwägung zu ihm zu gehen. „Because he's the only one that'll have me.“ („Weil er der einzige ist, der mich annehmen wird.“) Ist es denn so egoistisch, was Ben sich wünscht? Ist es zuviel verlangt, dass er einmal von irgendeinem Menschen geliebt werden möchte? Bens Streben nach Macht folgte stets dem Wunsch Jacob zu begegnen. Er führte dessen Aufträge aus, um sich seiner Anerkennung sicher sein zu können. Ben wurde stets verwehrt, was sich letztlich jeder Mensch mehr ersehnt als alles andere: die Zuneigung anderer Menschen. Ironischer Weise ist es genau dieses zwanghafte Streben danach, zu gefallen, das ihn bei den meisten Menschen unbeliebt macht: „You make friends easy, don't you?“ („Du machst dir leicht Freunde, oder nicht?“)

Was tut Ben, als Miles ihn entlarvt? Er versucht sich rauszureden, sucht das Gespräch mit Ilana. Die will überhaupt nichts davon hören, ignoriert Ben, vergräbt sich in ihrem Zorn. Sie hätte sich und Ben viel ersparen können, wenn sie bereit gewesen wäre, zuzuhören. Doch auch Ben hat hier einen entscheidenden Fehler gemacht. Wäre er damals aus der Statue gekommen und hätte, nachdem man ihm Lockes Leiche gezeigt hatte, gesagt: „Verflucht! Ich dachte das wäre Locke und er wäre der Auserwählte, der, auf den wir gewartet haben. Die Insel hatte mir aufgetragen JEDER seiner Anordnungen zu folgen. Er hat mich dazu gebracht, Jacob zu töten“, es wäre ihm kaum schlechter ergangen als jetzt. Das ist eine der vielen Lektionen, die Ben dank Jacob nun endlich lernt: Manchmal ist die Wahrheit weitaus ungefährlicher als die Lüge. Nicht nur Ilana verliert mit Jacob den einzigen Menschen, der für sie dem, was man als „Vater“ bezeichnen könnte, je am nächsten kam. Ben leidet unter Jacobs Tod aus dem selben Grund ebenso wie Ilana und da wir nun wissen, dass Jacob all die Kandidaten besuchte und berührte und nur einen zu sehen, verweigerte, drängt sich wieder der Verdacht auf, dass Bens Leid und Jacobs Tod einen tieferen Sinn hatten. Denn Ben lernt daraus, wie diese Folge zeigt.

Am Strand durchwühlt er Sawyers Sachen, unterhält sich mit Frank darüber wie gut er sich an den Tag erinnere, an dem das Flugzeug abstürzte. Als Frank ihm daraufhin erzählt, eigentlich hätte er fliegen sollen, stellt Ben trocken fest, es hätte wohl nichts geändert.

Wie groß Ilanas Zorn ist, zeigt sich bald darauf: Sie zwingt Ben, sein eigenes Grab zu graben. Genau hier wird er endgültig einer der Losties, denn Ilana wählt einen interessanten Platz für Bens letzte Ruhestätte in spe aus: den Friedhof der Losties. Ethan und der Marshall liegen woanders begraben. Alle Menschen, die hier ruhen, waren an Bord von Flug 815, an dessen Absturz sich Ben erinnert, „als sei es gestern gewesen“. Die Anderen existieren nicht mehr, sie sind tot oder haben Jacob verraten, sich dem Mann in Schwarz angeschlossen. Außer Ben ist nur noch ein einziger Anderer übrig: Richard Alpert. Anders als Ben sucht dieser im Dschungel den Tod.

Richard kommt gerade vom Tempel, als er Jack und Hurley begegnet, die auf dem Rückweg vom Leuchtturm sind. Sowohl Hurley als auch Richard wollen verhindern, dass Jack zum Tempel zurückkehrt und am Ende landet das Trio an der Black Rock. Richard hat seinen Glauben verloren und will nun sein schon viel zu lange währendes Leben beenden: „Jacob touched me and when Jacob touches you... well it's considered a gift... except it's not a gift at all. It's a curse.“ („Jacob hat mich berührt und wenn Jacob einen berührt...nun, es wird als Segen betrachtet... nur, dass es letztlich kein Segen ist. Es ist ein Fluch.“)

Jacobs Tod hat ihm die Gewissheit genommen, dass alles einen tieferen Sinn hat. Richard erwidert Jack auf die Frage, warum er sterben will: „I devoted my life – longer than you can possibly imagine – in service of a man who told me that everything was happening for a reason, that he had a plan – plan that I was a part of – and when the time was right that he'd share it with me, and now that man's gone so... Why do I want to die? Because I just found out my entire life had no purpose. Now if I light this myself it won't work, but you can light it for me, Jack. I made the fuse long enough so you'll have time to get out.“ („Ich habe mein Leben – länger als man es sich nur vorstellen kann – einem Mann hingegeben, der mir sagte, alles passiere aus einem bestimmten Grund, er einen Plan habe, einen Plan, von dem ich ein Teil wäre und wenn der rechte Zeitpunkt da wäre, würde er ihn mit mir teilen. Aber jetzt ist dieser Mann fort... Also, warum will ich sterben? Weil ich erkannt habe, dass mein gesamtes Leben ohne Sinn und Zweck war. Wenn ich das jetzt selbst entzünde, würde es nicht funktionieren, aber du könntest es für mich entzünden, Jack. Ich mache die Lunte lang genug, damit du noch Zeit hast rauszugehen.“) Klingt nicht nach dem Richard, den wir kennen, mehr wie John Locke, wenn er mal wieder in Selbstmitleid zerfließt. Richard ist nun an dem Punkt angekommen, an dem Ben sich seit der Statue befindet. Ausgerechnet Jack, der plötzlich seinen bis vor kurzem noch unbenutzten und originalverpackten Glauben zu Jacob entdeckt hat, hilft Richard mit einer echt mutigen Glaubensprüfung aus der Depression. Wer hätte gedacht, dass Jacks Götterkomplex noch mal zu was gut sein Kann? Richtig: Jacob ;-).

Und bevor ich nun zu Ben zurückkehre, sei gesagt, dass mir nicht entgangen ist, dass Richard zwischen den Zeilen durchblicken lässt, mit der Black Rock gekommen zu sein. Ja, ich hab das immer ganz vehement zurückgewiesen... vermutlich, weil es mir zu einfach war. Back To Ben:

Der bekommt beim Buddeln Besuch von Miles und unternimmt einen letzten verzweifelten Versuch, sich freizukaufen – wer könnte es ihm in der Situation verübeln. Da Miles aber von den Leichen zweier Diamantendiebe weiß, was da noch so unter der Erde wartet, interessiert ihn Bens Angebot nicht sonderlich. Doch ein unmoralisches Angebot ist es auch, was Ben letztlich rettet. Plötzlich steht „Samuel“/Locke/MiB vor ihm. Für Ilana ist John nicht zu sehen, da er hinter einem Busch steht... ein Männlein steht im Walde, gar nicht still und stumm. Sag, wer mag das Männlein sein, das da steht im Wald allein... Da MiB gerne unmoralische Angebote macht, versucht er auch Ben für sich einzuspannen. Für Mephisto in Black scheint Benjamin „Faust“ Linus ein offenes Buch zu sein, denn er bietet Ben an, wonach er sich vermeintlich sehnt: Macht, mehr Macht als er sie je hatte. MiB bietet Ben Jacobs Posten an. Warum? Ich denke „Samuel“ glaubt, er habe jetzt endlich einen Dummen gefunden. Oder er weiß etwas über Ben und seine Rolle im Ganzen, was wir noch nicht wissen. Nur hätte er nicht ganz speziell an Ben Interesse, würde er nicht so einen Aufwand betreiben. Ben ist so verzweifelt und einsam, dass er in Erwägung zieht, auf dieses Angebot einzugehen. Er rennt nicht in den Dschungel und macht sich auf den Weg zu „Samuel“, weil er sich davon Jacobs Posten verspricht. Es schmeichelt ihm zwar, dass ihm dieser Posten laut MiB wie auf den Leib geschneidert wäre, doch er geht aus einem völlig anderen Grund: pure Verzweiflung. Er fürchtet um sein Leben, ist einsam und verlassen und der einzige, der bereit ist, sich seiner anzunehmen, ist jener Mann, der ihn in diese Lage brachte und eigentlich sein Feind sein sollte. Ben macht keinen Hehl daraus, dass er wütend auf MiB ist: „Because you talked me into killing Jacob. You see that woman over there eating a mango? She's His bodyguard and she knows what I did. So now you've got what you wanted because she's going to kill me.“ („Weil du mich dazu überredet hast, Jacob zu töten. Siehst du die Frau da drüben, die eine Mango isst? Sie ist Sein Leibwächter und sie weiß, was ich getan habe. Also, jetzt hast du, was du wolltest, denn sie wird mich umbringen.“)

Ben sagt MiB er könne eh’ nicht fort und die Fußschelle öffnet sich wie von Geisterhand (Dazu fällt mir nur ein: „Alter, du warst voll der Jedi-Meister“). „Samuel“ mahnt Ben, er solle nicht zögern, wenn er das Gewehr habe, denn sie würde es auch nicht. Ach? Die wievielte Person ist das jetzt, bei der „Samuel“ versucht Ben in einen Mord reinzuquatschen? Bequeme Methode Ilana loszuwerden, denn sie beschützt für ihren Pseudo-Daddy Jacob die Kandidaten, wie sie Sun in dieser Folge ja eröffnet. Woher kennt sie die Liste? Und warum weiß sie nicht für welchen Kwon Eintrag 42 steht? Und wer ist der sechste Kandidat, wenn 42 nur für einen steht? „There are only six left.“ („Es sind nur noch sechs übrig.“) Wo wir gerade beim Thema sind: Sieht so aus, als hätte MiB in dem Punkt die Wahrheit gesagt. Hat er dies auch, als er Ben das Angebot macht, wissen wir schon, wer der sechste Kandidat ist, doch dann fragt sich, wie Ilana ihn hätte töten sollen.

Ben rennt zumindest in den Dschungel und findet – wie versprochen – ein Gewehr, doch er tötet Ilana nicht. Ben hat mit diesem Leben abgeschlossen: Mord gehört nicht länger zu den Dingen, die er zu tun bereit wäre. Vom Paulus zum Saulus und wieder zurück zum Paulus. Ben ist geläutert, ein für allemal: „I watched my daughter Alex die in front of me. And it was my fault. I had a chance to save her, but I chose the island over her. All in the name of Jacob! I sacrificed everything for him. And he didn't even care. Yeah I stabbed him, I was... so angry...confused...I was terrified that I was about to lose the only thing that had ever mattered to me: my power. But the thing that really mattered was already gone. I'm sorry that I killed Jacob. I am and I do not expect you to forgive me because...I can never forgive myself.“ („Ich habe meine Tochter Alex vor meinen Augen sterben sehen. Und es war meine Schuld. Ich hatte eine Chance sie zu retten, aber ich habe die Insel ihr vorgezogen. All das im Namen Jacobs! Ich habe alles für ihn geopfert. Und ihn hat es nicht einmal interessiert. Ja, ich habe ihn erstochen. Ich war... so wütend... verwirrt... ich hatte Angst, das einzige zu verlieren, was je wichtig für mich war: meine Macht. Aber das, was wirklich wichtig war, war längst fort. Ich bedaure Jacob getötet zu haben. Das tu’ ich und ich erwarte nicht von dir, dass du mir vergibst, weil... Ich werde mir selbst niemals vergeben können.“) Da spricht ein reuiger Sünder. Also hat Jacob sich wohl nicht in ihm getäuscht. Ben hat seine Lektion gelernt, verstanden, dass Macht nicht von Bedeutung ist, wenn einem sonst nichts bleibt. Nun ist er tatsächlich der beste Mann für den Job („I can't think of a better man for the job“). Jetzt da Ben die Macht nicht mehr interessiert und er weiß, was sie aus ihm gemacht hat, scheint es doch so, als sei er nun wahrlich prädestiniert für Jacobs Nachfolge, eben weil er sie nicht mehr möchte. Ilana hat nun erkannt was für ein gebrochener Mann Ben ist und sie könnte mit ihm anstellen, was sie wollte, denn keine Strafe der Welt könnte schlimmer sein als das, was Ben schon erleiden musste. Also nimmt Ilana Ben mit zurück. Dann treffen auch Jack, Hurley und Richard am Strand ein und es kommt zur großen Wiedersehensfeier. Nur einer steht abseits und beobachtet das Szenario: Ben – „Er wandelt unter uns... aber er ist keiner von uns.“

Kommen wir von einer Insel zur nächsten. Die Insel, um die es nun geht, heißt Elba. Die Parallelen, die hier zwischen Ben und Napoleon Bonaparte gezogen werden, sind offenkundig. Für Napoleon war jedoch die Insel das Exil – für Ben hingegen das Festland. Beide besaßen sie unglaubliche Macht, gingen ins Exil, kehrten von dort zurück und schafften es ohne Waffengewalt wieder eine Führungsrolle zu übernehmen, um binnen weniger Tage endgültig bei Null anzukommen. Das war es aber mit den Übereinstimmungen. Napoleon war ein Feldherr, Ben bevorzugt da andere Mittel, um seine Ziele zu erreichen. Was entscheidend ist, ist die Frage nach dem Machtverlust. Macht zu besitzen und zu verlieren ist weitaus schlimmer als sie nie besessen zu haben. Ben lernt auf der Insel (also in der Crash-Timeline) wie unwichtig Macht letztlich ist. Napoleon hat diese Lektion nie gelernt und starb einsam und verbittert in einer Hütte auf St. Helena und das erinnert weniger an Ben als an Jacob und/oder den MiB. Doch treffen wir in der Schule, an der Ben Geschichte unterrichtet, eine Person wie sie Charles Widmore aus Bens anderem Leben kaum ähnlicher sein könnte: Rektor Reynolds. Beide bringen sie Ben in Rage, weil sie ihre Macht missbrauchen, sich nicht mehr um ihre Aufgabe kümmern und er will sie ersetzen. Man kann Ben als Anführer viel nachsagen, doch letztlich war er stets bemüht, im Interesse der Gruppe zu handeln, hat den Kontakt zu jenen, für die er die Verantwortung hatte, nie verloren.

Was LAX-Ben im Gespräch mit Leslie über Reynolds und das Schulsystem äußert, ist eine schwer zu leugnende Wahrheit und wir stellen wieder einmal fest: das Leben der Menschen mag sich ohne Insel und Jacob ändern, aber die Menschen selbst ändern sich nicht wirklich. Ben hat auch in dieser Realität ein gewisses Machtgen, möchte es aber zum Guten nutzen. Seine Maxim ist: der Zweck heiligt die Mittel (ein Erpressungsversuch ist nicht gerade die feine, englische Art). In beiden Zeitlinien liebt Ben Kinder und eines liegt ihm besonders am Herzen: Alex. Eine Sache unterscheidet sich aber ohne Jacob-Faktor dann doch gewaltig: Bens Beziehung zu seinem Vater. Zwar sind auch in dieser Zeitlinie Gefäße mit Gas im Spiel, doch hier, um Roger das Leben zu erleichtern, und nicht, um es zu beenden. Roger sagt Ben, er habe sich für seinen Sohn ein besseres Leben gewünscht und sei deshalb auf die Insel gegangen und der Dharma beigetreten. Was folgern wir aus dieser Aussage? Zunächst einmal etwas, was wir auch so wussten: Ben ist als Geschichtslehrer intellektuell so unterfordert wie es Mozart bei einem Song von Scooter wäre. Und LAX-Roger ist um einiges netter als Crash-Roger. Viel wichtiger aber: In beiden Zeitlinien existierte die Insel und Ben und Roger waren als Mitglieder der Dharma dort. Gab es aber auch in dieser Realität die Explosion, fragt man sich, wie all das zusammenpasst. Die ganzen Erklärungsmodelle aufzureihen, erscheint mir aber wenig sinnvoll.

Wichtiger ist da schon Bens Verhalten, als von Alex kompromittierende Informationen über Reynolds erhält. Von einer Äußerung Lockes angestachelt beginnt Ben, gegen Reynolds zu Felde zu ziehen, doch der erpresst zurück. Ben entscheidet sich für Alex und gegen die Macht – er hat getan, was er auf der Insel nicht tat. Wenn MiB tatsächlich hinter dieser neuen Zeitlinie steckt, könnte Bens Wunsch also eine zweite Chance gewesen sein. Diesmal will er alles richtig machen: seinen Vater umsorgen, der Macht zu Gunsten von Alex entsagen und ein ganz normales Leben führen. Jedoch hatte LAX-Ben die Macht nie inne, es gab nichts, was er aufgeben musste, weil er nie etwas hatte. Aber dieser Wunsch würde zum neuen, geläuterten Ben passen. Ist er damit glücklicher? Nein, glücklich wäre er, wenn er wieder in dme Haus stehen könnte und Keamy Forderung einfach nachkäme. Aber dann hätte er wohl nie begriffen, was er begreifen musste... Whatever happened, happened!

So, ich denke das reicht soweit für diese Woche. Wir lesen uns zu „Recon“. Bis dahin noch ein Schönes Wochenende und

NAMASTE!