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Mittwoch, 12. Mai 2010

"Two players, two sides - one is light, one is dark"

Across the Sea:

Noch ehe ich die Episode gesehen hatte, war mir klar: Entweder du musst sehr viel oder sehr wenig dazu schreiben... ich fürchte stark, es läuft auf „sehr viel“ hinaus, aber ich wollte dennoch direkt nach der Folge beginnen und somit kommt hier die Review zur ersten und einzigen Folge in der Geschichte von „Lost“, die keines der Hauptcastmitglieder enthält (abgesehen von reingeschnittenen Szenen aus Staffel 1), von Anfang bis Ende aus einer zwei Charaktere zentrierenden Rückblende besteht, nach wenigen Sätzen auf Latein komplett ins Englische übersetzt wurde, viele alte Fragen beantwortet ohne dabei doppelt so viele neue aufzuwerfen und – ich sag’s jetzt einfach – schlicht und ergreifend super-mega-ober-affen-geilst ist (okay, das trifft auch auf andere Folgen zu).

Also, Claudia – vermutlich eine Römerin – strandet auf der Insel, wo die Frau lebt und sie beschützt. Die Geburt von Jacob und seinem noch immer namenlosen Bruder weist starke Parallelen zu Ben, John und Aaron auf und das kommt wohl nicht von ungefähr. Ben und John sind beide Frühgeburten und ihre Mutter ruft einer anderen Person zu, wie ihr Sohn heißen soll – dies trifft auch auf Jacob zu. Ferner kommen sowohl Ben als auch Jacob im Wald zur Welt und ihre Mutter stirbt unmittelbar nach der Geburt. Mit Aaron verbindet die beiden vor allem die Geburt auf der Insel und die „Geburtshilfe“ einer einzelnen Frau, die sich der beiden annimmt – so wie es Kate mit Aaron tat. Allerdings hat Kate Claire nicht umgebracht. Die Frau (wobei ich finde, nach dem Ende der Folge, wäre „Eva“ ein sehr passender Nickname) tötet also die Mutter von Jacob und „Samuel“. Somit hat sie ihre beiden Kandidaten.

13 Jahre später findet „Samuel“ am Strand ein Senet. Senet ist das wohl älteste Spiel der Welt und einer alten ägyptischen Legende nach musste Nut im Senet gegen Thot gewinnen, um fünf zusätzliche Tage in jedem Jahr zu erhalten – an diesen Tagen gebar sie ihr fünf Kinder: Osiris, Seth, Nephthys, Isis und Horus den Älteren. Senet gilt ferner als Vorläufer von Schach und Backgammon – „Zwei Spieler, zwei Seiten – eine ist hell, die andere dunkel“. Aus diesem Spiel stammen also die berühmten schwarzen und weißen Steine, die vielerorts auftauchen. Es ist ein Symbol für den ewigen Konkurrenzkampf der beiden Brüder.

Da Jacob im Gegensatz zu „Samuel“ jedoch ein ziemliches Muttersöhnchen und obendrein ein beschissener Lügner ist („Jacob doesn’t know how to lie.““), aber auch weil das Senet von „Eva“ selbst kam, durchschaut sie Jacob rasch, als der heimkommt. Sie sucht „Samuel“ (oder nennen wir ihn jetzt BiB? Adam? Bob? – ich hab in letzter Zeit zu viel „Twin Peaks“ geguckt^^) auf und sagt mal wieder einen dieser Sätze, die wir schon auswendig können (von denen hat sie allerdings ein ganzes Arsenal anzubieten): „May I join you?“ (zugegeben: oft ist es auch: „Mind if I join you?“ – kommt aber aufs Selbe raus) Tja, jetzt sitzen die zwei da und starren aufs Meer. Kommt einem doch echt bekannt vor... Jack und John („Gefühl und Verstand“) , Jacob und MiB („Der Vorfall“), Ben und John/MiB („Der Vorfall“). „Eva“ sagt „Samuel“, er sei „special“ (ach, das konnte ja wieder gar keiner ahnen...). Und an diesem Punkt verlasse ich nun die Ebene der Nacherzählung und versuche lieber die einzelnen Aspekte zu verknüpfen, und so dem großen Ganzen möglichst nahe zu kommen.

Da wäre zunächst einmal das Licht, welches nicht nur von „Eva“, Jacob und „Samuel“, sondern auch von John Locke gesehen wurde – er berichtet Eko und Jack davon, nennt es das Auge der Insel und beschreibt es als „wundervoll“. Ob dieses Licht nun so etwas wie das Portal zur Hölle ist, sei zunächst einmal dahin gestellt. Wichtig ist, dass dieses Licht wohl das selbe ist, das wir auch bei Zeitsprüngen sehen oder das uns im Schwan oder am Rad begegnet, welches wohl von „Samuel“ und den Römern konstruiert wurde. Die Insel liegt also über diesem Licht, der Quelle, welche „Eva“ auch das „Herz der Insel“ nennt, hält es fest und ist dennoch auch eine Art Zugang zur Quelle. Der Kontakt mit der Quelle wird von „Eva“ als „Schicksal schlimmer als der Tod“ bezeichnet – Leben, Tod und (Wieder)Geburt sind darin vereint. Eine Verknüpfung der Quelle mit alten Mythen der Ägypter, Griechen und Römer bildet der Fluss, denn in diesen drei antiken Mythologien fließt ein Fluss (Nil bzw. Styx) in und durch die Unterwelt. Jacob schickt seinen Bruder also lebendig in das Totenreich und da er „Samuel“ wegen ihrer Mutter ebenso wenig töten kann wie „Samuel“ Jacob, stirbt er zwar, aber auch wieder nicht. „Samuel“ wird zu MiB durch Jacobs Handeln. Wir kommen da gleich noch einmal hin zurück.

„Eva“ zieht ihre sogenannten Söhne in dem Glauben auf, es gäbe nur die Insel – ein altbekannter Trick. „Samuel“ besitzt jedoch Hurleys Gabe und erfährt so – wie Ben – von seiner wahren Mutter so einiges. Auffällig ist auch hier wieder dieser Lichtschein, in dem Claudia erscheint – ähnlich wie Isabella oder Emily Linus. „Samuel“ erkennt sogar, dass seine Stiefmutter recht hatte, als sie sagte: „They come, they fight, they destroy, they corrupt“. Ja, er verinnerlicht diesen Grundsatz sogar so sehr, dass wir diesen Satz mit Ihm verbinden wie keinen zweiten. Dennoch lebt „Samuel“ unter diesen Leuten, wandelt unter ihnen, ist aber keiner von ihnen. Wie er auch Desmond gegenüber angedeutet hat, gruben die Römer und „Samuel“ selbst Brunnenschächte, um die elektromagnetischen Felder zu untersuchen. An einem dieser Schächte baute dann irgendwer das Rad fertig. Vielleicht war es sogar MiB selbst, der dann feststellte, dass er gefangen zwischen Leben und Tod als Mörder nicht von der Insel wegkonnte, dort festsitzt wie Michael, und ihm da auch das Rad nicht helfen kann. In dem Mord an „Eva“ offenbart sich dann aber „Samuels“ maßlose Arroganz: er selbst urteilt die Menschen augrund ihrer Verlogenheit und Brutalität ab, wird aber selbst zum Mörder an seiner eigenen Mutter, weil er Rache für deren Verbrechen will. Ihn selbst ereilt dann auch die Lynchjustiz. Doch worüber war „Samuel“ wirklich erbost? Wegen dem Massaker im Lager? Nein, er war sauer, weil ihm die Flucht verwehrt wurde. Jacob hingegen nimmt sein Schicksal unfreiwillig an, obgleich er nie Mamas kleiner Liebling war.

Der Mord ist aber auch eine weitere Parallele zwischen „Samuel“ und Ben, denn so wie „Samuel“ die Hüterin der Insel ermordet, so tötet auch Ben Jacob. Beide Opfer scheinen nicht wirklich besorgt über ihren Tod, „Eva“ bedankt sich sogar. Denn dieser Job scheint nicht gerade der Bringer zu sein und vermutlich war Jacob sogar froh, als „Samuel“ mit Ben bei ihm aufmarschiert ist. Doch da wir nun wissen, was passiert, wenn einer der Brüder den anderen töten will, könnte der Tritt ins Feuer aus Jacob auch ein Wesen zwischen den Welten gemacht haben, das dann ab und an im Wald auftaucht und MiB nervt? Und hoffte Jacob, sich in Ben geirrt zu haben, weil Ben so zu einem „Schicksal schlimmer als der Tod“ verdammt ist? Das Problem ist: wir wissen zwar, was wann passiert ist, aber nicht warum! Was machte „Samuel“ zum Rauchmonster? War es das Licht bzw. die Quelle? Die Unfähigkeit von Jacobs Hand zu sterben? Der Mord an seiner selbsternannten Mutter? Von allem etwas? Was passierte mit Ihm auf der anderen Seite und was kam von dort zurück? Ist das überhaupt noch Jacobs Bruder oder nur etwas, das seine Gestalt ebenso annahm wie später Johns, aber irgendwie Teile dieser anderen Persönlichkeit in sich aufnahm?

Und ist mit Ben, Desmond und John etwas ähnliches passiert, als sie mit dem Licht in Kontakt kamen und sie wissen es (bis auf Desmond) noch gar nicht? Die geschnittene Szene mit Ben aus Staffel 4, wo er seinen eigenen toten Körper am Boden liegen sieht, erinnert doch stark an „Samuels“ Leiche im Wald. Oder ist Desmond nun das Gegenstück zu MiB? Hat MiB auch diese Fähigkeiten? Reiste er durch Raum und Zeit, als Jacob ihn durch die Höhle schubste? Außerdem: wenn man zum Rauchmonster werden kann, könnte es wahrlich mehr als eines geben. Oder hockte das Rauchmonster nur hinter dem Licht der Quelle/Korken und als Jacob seinen Bruder hindurchschickte, öffnete er den Korken ein Stück weit und etwas kam von der anderen Seite hindurch?

Verknüpft man das dann wieder mit Rad, Vorfall, Schwan und der anderen Zeitlinie wird es ganz kompliziert. Hat Jacob am Ende sogar die Insel versenkt, als er „Samuel“ durch das Portal sendete? Überhaupt lernen wir Aspekte Jacobs kennen, die viele Fragen aufwerfen bzw. unbeantwortet lassen. Zunächst einmal ist es doch sehr verwunderlich, dass „Samuel“ bis zu dem Verrat seiner Mutter vollkommen pazifistisch agiert, während Jacob mehr als einmal die Fäuste sprechen lässt. Hier zeigt sich mal wieder wie äquivalent bei „Lost“ selbst die vermeintlichen Inkarnationen von Gut und Böse sein können. Die Fragen, warum Jacob zu „Samuels“ Gegenpart wird, ihn auf der Insel festhält und seinem Bruder beweisen will, dass die Menschen gut sind, bleiben weiterhin offen. Eigentlich rückt die Antwort durch ihre nun erwiesene Menschlichkeit sogar wieder in weite Ferne. „Samuel“ sagt es ja selbst: Auch sie sind Menschen. Ebenso bleibt unklar wie „Eva“ und später Jacob an die Listen mit den Kandidaten kommt. Und hat „Eva“ wie Jacob die Insel zuvor verlassen, um Claudia dorthin zu lotsen? Es ist folglich offenkundig, dass uns diese Folge nur einen Teil der Geschichte von Jacob und MiB erzählt und in den noch verbleibenden zweieinhalb Stunden da noch einiges kommen muss.

Zu der Auflösung des Rätsels um Adam und Eva sollte man wohl auch noch ein paar Sätze sagen: Ich bin ganz ehrlich und gebe zu, dass ich nun erstmals daran zweifle, dass Darlton immer alles genau wussten. Sie sagen uns ja seit Jahren, dass Adam und Eva später ihr beweis dafür sein werden, dass sie alles vorher schon wussten. Ich hab aber langsam doch das Gefühl, die dachten sich: „Eye, lass uns zwei Leichen in die Höhlen legen und zwei Steine in einem Säckchen dazu packen, die zu dem Schwarz-Weiß-Thema passen, und später denken wir uns dann eine Geschichte zu denen aus, damit wir zeigen können, was wir schon alles wussten!“ Die Leichen lagen da wie lange? 2000 Jahre? Mal abgesehen davon, dass sie wohl zwischendurch mal etwas rumgewandert sein müssen, da sich ihre Position verändert hat (oder Jacob hat sie hin- und her gebettet), ist das ganze schon etwas unstimmig. Und was ist mit dem angeblichen Easteregg, das uns Rose und Bernard als Adam und Eva verkaufen sollte. Ich will Darlton nichts unterstellen, doch auf mich wirkt dieser angebliche Kunstgriff doch etwas wackelig.

Nun bleiben noch so ein paar Kleinigkeiten. Die Frage nach dem letztendlichen Erbauer des Rades warf ich ja schon auf. Aber man fragt sich auch, wie diese Leute, von denen ich halt annehme, dass sie Römer sind, überhaupt herausgefunden haben, wie sie die Energiefelder der Insel nutzbar machen können. Wie sollte das Rad konstruiert werden? Wieso steht es später in einem unterirdischen Kühlschrank? Verständlich wird so aber zumindest Jacobs Abneigung gegen Technologie und man kann schon ahnen, wieso MiB die Insel über das Rad nicht verlassen konnte. Wieso er aber überhaupt bleiben muss, ist immer noch nicht klar, denn Jacobs Aufgabe scheint in keinerlei Zusammenhang zu „Samuels“ Schicksal zu stehen.

Ferner bleibt es doch ziemlich unklar wie „Eva“ die ganzen Leute getötet und den Brunnen zugeschüttet hat. Oder war sie es am Ende gar nicht?

Neben den bereits genannten kommen in der Folge aber noch viele andere Eastereggs vor: So knüpft und webt Jacob als junger Mann schon an seinem Teppich. Das Messer, mit dem „Samuel“ seine Stiefmutter tötet, wird über Richard, Jacob und Dogen bei Sayid landen, der damit MiB töten soll. Jacob und „Samuel“ sind Zwillinge, was sowohl ein Verweis auf „Bad Twin“ als auch auf Jakob und Esau ist. Ganz abgesehen davon erinnerte mich das Bild, wie die zwei da so lagen – Jacob ganz friedlich und teilnahmslos, Baby in Black da schon leicht mürrisch – sehr an die Simpsons-Halloween-Folge „Hugo, kleine wesen und Kang“ erinnert, wo Bart und sein böser Zwilling Hugo auch so da liegen.

Der Wein, mit dem Jacob später Richard die Insel erklärt, taucht in dieser Folge erneut auf. Hier dient er dazu, Jacob zum Hüter der Insel zu machen. Es ist wohl überflüssig, die Anspielung auf das Letzte Abendmahl noch großartig zu erklären. Zu guter Letzt möchte ich Jacob zu dem Wein allerdings noch sagen: Auch wenn Wein praktisch unbegrenzt haltbar ist, hätte ich mir nach etwa 2000 Jahren (oder gar noch mehr), glaub ich, doch mal eine neue Flasche gekauft. Wobei auch hier die Frage bleibt: wie soll Jacob einen neuen Kandidaten ernennen, wenn MiB die Flasche kaputt gemacht hat?

Ich denke vorerst war’s das mal und es ist doch weniger als ich eingangs dachte. Falls mir noch etwas einfallen sollte, wird es nachgereicht. Den rest überlasse ich euch und der Kommentarfunktion, denn wirklich alle Ansätze aufzudröseln, wäre ein Fass ohne Boden... „Every answer leads to another question“

Mittwoch, 5. Mai 2010

Welcome to MiB’s Candidate-Elimination-Games

The Candidate:

Oh ha, noch während ich die Folge sah, war mir eines klar: die Review gibt’s heute direkt im Anschluss, denn sonderlich viel kann man zu der Folge – so großartig sie auch war – gar nicht sagen, denn das Allermeiste erklärt sich doch irgendwie von selbst. Aber das Beste an der Folge vorab: zwei meiner absoluten Hass-Charaktere muss ich nicht mehr bis zum Ende ertragen, aber auch Jin und Frank sind tot. Dabei war Frank gar kein Kandidat und MiB hätte ihn eigentlich am Leben lassen können. Der hat aber auch ein Pech!

Aber fangen wir mal mit den Flash Sideways an, die einem immer mehr den Eindruck vermitteln tatsächlich ein Spiegel oder Negativ der anderen Realität darzustellen. Irgendwie ist hier vieles verkehrt herum. Das sind jetzt nur Beispiele, denn alles aufzulisten würde echt den Rahmen sprengen – als erstes sind immer die Flash Sideways aufgeführt in Gegenüberstellung zur Original-Zeitlinie:

· Die Insel ist gesunken – die Insel ist da

· Jack hat Flugangst und nicht Rose – Jack beruhigt Rose

· 815 landet – 815 stürzt auf der Insel ab

· John will nicht aus dem Rollstuhl – John verzweifelt fast an dem Rollstuhl

· Kate erreicht L.A. in Handschellen und wird nach ihrer Flucht erneut geschnappt – Kate ist frei und wird auch vom Gericht unter bestimmten Auflagen in die Freiheit entlassen

· Sun spricht nur Koreanisch und bekommt dadurch in den Staaten arge Probleme – Sun verheimlicht, dass sie Englisch sprechen kann, erreicht aber nie die Staaten

· Nadia und Omer leben verheiratet in den USA, Nadia will Sayid bei der Flucht helfen, was jedoch scheitert – Nadia flieht mit Sayids Hilfe und stirbt kurz nach der gemeinsamen Hochzeit

· Jin arbeitet für Suns Vater und soll deshalb getötet werden – Jin arbeitet für Suns Vater, damit er sie heiraten kann, und soll dann für Paik selbst Menschen umbringen

· Libby überzeugt Hurley von einer anderen Realität – Libby überzeugt Hurley, dass nur eine Realität existiert

· Desmond ist Charles’ rechte Hand – Desmond wird von Charles völlig runtergeputzt und kriegt Penny dennoch

· Ben entscheidet sich gegen Macht und für Alex – Ben verliert das „Wettstarren“ mit Keamy und Alex stirbt

· Ben rettet John – Ben tötet John

· John regt Bens Machtgen an – John und Ben konkurrieren um Macht und Jacobs Gunst

· Ben hält seinen Vater mit Gas am Leben – er tötet Roger mit Gas

· Jack hat Probleme als Vater – Jack hat Probleme mit seinem Vater

· John bringt Anthony Cooper in den Rollstuhl – Cooper bringt Locke in den Rollstuhl

· James ist ein Polizist – Sawyer ist ein Betrüger und Krimineller

· Miles ist ebenfalls Polizist und arbeitet mit James zusammen – Miles und James sind unter falschen Identitäten Sicherheitsleute der Dharma

· Claire sucht Ethan als Arzt auf, nachdem sie erst von Kate entführt wurde und dann Hilfe von ihr erhält – Ethan entführt Claire, um sie zu behandeln; Ethan wird seinerseits von jack, Kate, John und Boone verfolgt

· Shannon bleibt in Australien – Shannon kehrt mit Boone zurück

· Rose hat weiterhin Krebs; Ben ist unseres Wissens nach nie erkrankt – Rose wird geheilt; Ben bekommt Krebs

· John ist laut Jack ein „Kandidat“ – MiB tötet als John die Kandidaten (oder versucht es zumindest, wenn auch mit mäßigem Erfolg)

· Jack sagt John in der aktuellen Folge: „I wish you had believed me“ – John schreibt dies als Abschiednachricht an Jack, ehe er sich umbringen will

· Ben und John sind Männer der Wissenschaft (Lehrer) – sie sind Männer des Glaubens

· Kein Jacob – Jacob (okay, das war offenkundig)

· Helen und John sind zusammen und sie kümmert sich mit um Johns Vater – Cooper bringt Helen und John auseinander

· Claire sagt, sie habe Christian nie getroffen – Christian ist wegen ihr in Australien und hat sie zuvor einmal getroffen

· Christians Leiche verschwindet während des Flugs – Christians Leiche verschwindet nach dem Absturz, aber er wird dennoch gesichtet

· Libby, Shannon, Ana, Eko, Walt, Michael und einige andere sind nicht an Bord von Flug 815 – sie sind an Bord und gehören zu den ersten, die sterben bzw. die Insel verlassen => Boones Tod war ein Opfer, das die Insel verlangte, aber die anderen waren wohl einfach nicht von Nutzen und sind in der LAX-Timeline vielleicht deshalb gar nicht erst im Flieger

· Pierre Chang ist Paläontologe und wohnt in L.A. – wir wissen es nicht

· Mikhail verliert sein Auge im Augenblick des Todes – Mikhail hat nur ein Auge, überlebt aber einiges, was er eigentlich nicht hätte überleben dürfen

· Ben und Arzt sind Kollegen – Arzt hat wie alle Losties Angst vor den Anderen, doch er und Ben begegnen sich nie

· Charlie versucht Desmond durch eine Nahtoderfahrung von der Existenz der anderen Realität zu überzeugen – eine Nahtoderfahrung lässt Desmond hellsichtige Fähigkeiten erlangen, mit deren Hilfe er Charlies Tod mehrfach verhindert

Letztlich ist es wohl vor allem das, was wir aus den Flash Sideways dieser Folge mitnehmen sollen, denn diese Spiegelrealität zeigt sich an den ewigen Antagonisten Jack und John sehr deutlich, wie auf der Insel haben sie beide nur das Beste im Sinn und schaffen es dennoch nicht ansatzweise, am selben Strang zu ziehen.

Hinzukommen natürlich noch die schon aus den vergangenen Folgen vertrauten Erinnerungen wie etwa John, der im Schlaf von der Taste im Schwan brabbelt. Außerdem stellen die auftretenden Losties alle überrascht fest, an Bord von Flug 815 gewesen zu sein, was Desmond bei seiner Mission sehr zu Pass kommen sollte, denn so dürfte es leichter sein, sie zu überzeugen, dass es mit diesem Flug etwas Wichtiges auf sich hat. Ein letztes Detail wäre da noch die Spieluhr, die – wie sollte es anders sein – „Catch a Falling Star“ spielt.

Und direkt weiter auf die Hydra-Insel, wo es viel Action gibt. Genau deshalb kann man da wenig zu sagen: Klar ist wohl, dass MiB Widmores Plan mit dem Flugzeug nur deswegen durchschaut hat bzw. vermeintlich aufgedeckt hat, weil er den selben hatte und so Widmores Vorhaben genutzt hat, um erst wieder Vertrauen aufzubauen und die Kandidaten dann loszuwerden. Eine Explosion hätte Smokey nichts anhaben können, hätte aber die Kandidaten getötet. Weshalb es zwar logisch ist, dass er sie alle ins Flugzeug oder U-Boot LOCKEn wollte, aber aus dem selben Grund scheint noch nicht so ganz klar, was Charles damit hätte bezwecken sollen, außer er ist doch auf Smokeys Seite und die ganze Aktion von Charles war nur eine große Finte, um die Kandidaten für MiB loszuwerden. Das würde zumindest zu seinen ständigen Versuchen, alles Leben auf der Insel auszulöschen, passen. Außerdem scheint MiB eingeweiht gewesen zu sein, denn er nimmt die Uhr, mit der er den Zeitzünder bastelt, vom Handgelenk der toten Wache, BEVOR er ins Flugzeug geht und da drinnen scheint er das C4 regelrecht zu suchen, als habe man es für ihn dort deponiert.

Wobei ich sagen muss: Als ich die Kabel in dem Flugzeug gesehen habe, war mein erster Gedanke: Hey, Ben und Richard waren aber echt fix. Mal ehrlich: Wäre das Flugzeug eine Falle von Charles gewesen, so müsste ich Charles mal sagen: „Schlampige Arbeit! Alter, wenn du Leute heimlich in die Luft jagen willst, dürfen keine Kabel aus dem Gepäckfach hängen!“ Will man aber einfach das Flugzeug zerstören, ist es ziemlich wurscht, ob da Kabel rumbaumeln oder nicht. Ich denke eines ist sicher: MiBs Geschichte stimmt von vorne bis hinten nicht.

So ist das Flugzeug aber immer noch da und intakt... allerdings ist der Pilot jetzt tot. Nichtsdestotrotz wäre es noch eine Fluchtmöglichkeit. Aber wer ist überhaupt noch übrig? Jack, Hurley, Claire, Ben, Richard und Miles dürften wohl soweit okay sein und James und Kate sind zwar ziemlich angeschlagen, aber am Leben. Keine gute Bilanz und es scheint, als könnten jene rechtbehalten, die 2004 scherzten, „Lost“ sei eine Serie über eine Insel voller Bekloppter, die sich bis zum Ende der Serie alle gegenseitig umnieten. Apropos Umnieten: Jack schlägt MiB also nieder und geht wider Willen an Bord, als Charles’ Leute das Feuer eröffnen. Obgleich es vermutlich Claire das Leben gerettet hat, muss ich mal sagen: da hab ich James echt gehasst. Er ist und bleibt nun einmal doch ein Egoist. Okay, er hätte sie gerne mitgenommen, aber er ist nicht bereit, ein unnötiges Risiko für Claire einzugehen und legt ab. Es ist zwar richtig, dass er MiBs Flucht um jeden Preis verhindern muss, aber er hätte sie mitnehmen können, wenn er gewollt hätte. Aber James läuft weiter Amok und zieht entgegen Jacks Warnung (der wohl endlich kapiert hat, was gespielt wird) den Draht aus der Bombe. Jack tut aber vor allem mir einen Gefallen, denn er hat MiBs Plan so schön entwirrt, dass ich mir da jegliche Analyse schenken kann. Wirklich interessant bleibt hier Claire, die zwar von MiB gerettet wird, der er dann aber eröffnet, er werde beenden, was er angefangen habe: die Kandidaten vernichten. Was wird Claire tun? Sie beleibt wie einst Ben das unsichere Zünglein an der Waage.

Mehr fällt mir zu der Episode echt nicht ein, denn sie sollte eindeutig vor allem die Handlung und die Entwicklung der Charaktere (besonders Jack) vorantreiben. Enthüllungen gibt es dann wohl nächste Woche, wenn – Achtung: kleiner Spoiler – Jacob und MiB zu einer Partie Backgammon laden ;-)

Also, bis dann und... ihr wisst schon (fängt mit „N“ an und endet auf „-amaste“)

Donnerstag, 29. April 2010

„See you in another life, brotha!“

The Last Recruit – Review Part II:

Zunächst einmal: Sorry, dass es solange gedauert hat, aber ich war am Wochenende nicht so wirklich auf der Höhe und hab schreibtechnisch Nichts auf die Reihe bekommen: „Omega“ blieb ebenso liegen wie die zweite Hälfte der Review. Aber wir haben ja eh’ eine Woche Pause und so ist es vielleicht gar nicht mal so schlecht, dass sich das nun etwas streckt, verkürzt euch dann hoffentlich wenigstens die Wartezeit auf „The Candidate“.

Bevor ich jetzt zu den Flash Sideways komme, noch mal ein paar Worte zum ersten Teil, wo ja viele ihren Unglauben gegenüber der Jack-Ist-Gestorben-Theorie geäußert haben. Ich selbst bin auch nicht 108%ig davon überzeugt und wäre gewiss nicht happy darüber, aber es scheint mir dann doch irgendwie darauf hinauszulaufen, obwohl es nicht völlig stimmig wäre. Doch wenn uns Staffel 6 eines gelehrt hat, dann doch: auch bei „Lost“ ist nicht immer alles vollkommen logisch... leider passieren auch hier ab und an Schnitzer in der Handlung, die gravierender sind als ein falsches Geburtsjahr. Was mich dann viel mehr stört ist, wenn dann als Lösung zu solchen Fragen immer eine der folgenden fünf Erklärungsmodelle herhalten muss:

1. Jacob war’s.

2. MiB war’s.

3. Die Insel war’s.

4. Es ist eine Halluzination.

5. Die marode Raum-Zeit oder eine alternative Zeitlinie ist schuld.

Der letzte Punkt ist dann auch eine gute Überleitung zu den Flash Sideways, wo Desmond in bester Jacob-Manier lose Enden zusammenfügt und so langsam aber sicher seinen Teppich knüpft. In der letzten Folge sahen wir Desmond zuletzt, als er John nach einem kurzen Plausch mit Ben über den Haufen gefahren hat. Ben sitzt mittlerweile neben John im Krankenwagen und versucht sein Möglichstes dem Sanitäter und Locke zu helfen. Leider kann er nur mit zwei sachdienlichen Informationen aufwarten: John war bereits querschnittsgelähmt UND sein Nachname ist Locke. John kommt zu Bewusstsein und keucht Ben zu, er solle Helen Norwood finden – er habe sie heiraten wollen. Ben erwidert, das werde er auch. Die Ironie dieser ganzen Konstellation muss man wohl kaum noch mal hervorheben, oder?

Sie erreichen das Krankenhaus zeitgleich mit Jin und Sun, die angeschossen auf einer Trage liegt und bei Johns Anblick immer wieder panisch schreit: „It’s Him!“ („Das ist Er!“) – okay, ist eigentlich etwas albern den Untertitel wiederzugeben und dann zu übersetzen, doch diese spezielle Phrase erkennen wir wohl im Englischen bald besser wieder als im Deutschen. Sie erinnert sich offenkundig – aber an wen? Sie sagt keineswegs „Das ist John“, sondern „Das ist Er!“ und jeder von uns weiß mittlerweile, dass, wenn von „Ihm“ die Rede ist, nicht zwangsläufig Jacob gemeint ist (wie man uns lange weismachen wollte), sondern meist der Mann in Schwarz und den glaubt Sun in John nun wiederzuerkennen. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass sie den Mann in Schwarz im Gegensatz zu den meisten (und vor allem zu uns) einzig und allein in der Gestalt John Lockes kennt.

Derweil sitzt Kate nun bei James Ford auf dem Polizeirevier und wieder einmal beweist sie uns, dass sie in Sawyer...ähm in James natürlich lesen kann wie in einem Buch – ungeachtet der Zeitlinie. Mehr als das und die Antwort auf die Frage, warum James Kate am Flughafen laufen ließ, kann uns diese Szene dann auch nicht wirklich bieten. Miles taucht auf und so wird gleich ein weiterer Lebensfaden in den Teppich der Alternativen Zeitlinie eingewoben. Eine gute Gelegenheit mal einen Blick auf die Verknüpfungen der Alt zu werfen. Fassen wir noch einmal zusammen:

· Kate und Claire treffen sich im Taxi, das Kate entführt. Später helfen sie einander, wobei sie unter anderem Ethan treffen.

· Kate trifft nun (in „The last Recruit“ bzw. eigentlich ja schon in „Recon“) erneut auf Detective James Ford (alias Sawyer alias Jim LaFleur), der mit Miles zusammenarbeitet und auf der Jagd nach Lockes Vater ist.

· Die beiden nehmen nun bald Sayid fest, der kurz zuvor Keamy, Omar und Mikhail über den Haufen geschossen und Jin befreit hat, der mit Sun gerade bei dem Krankenhaus ankommt, in dem Jack arbeitet.

· Auch Locke, der jetzt mit Ben und Arzt zusammen an einer Schule arbeitet, nachdem Rose, zu der Hurley John geschickt hatte, ihm nicht so recht weiterhelfen konnte, wird zeitgleich mit Sun dort eingeliefert, weil Desmond ihn umgefahren hat.

· Desmond wiederum arbeitet für Charles, der ihn im Auftrag von Eloise und für Daniel losschickt, um Charlie aufzugabeln.

· Dabei wird er von George gefahren.

· Charlie und Daniel brabbeln etwas von ihrer großen Liebe: Claire bzw. Charlotte.

· Charlotte ihrerseits hatte ein Date mit James.

· Und Claire? Die begegnet Desmond nun zum zweiten Mal (wie zuvor schon Hurley) und trifft bei Anwältin Ilana auf ihren Halbbruder Jack, der kurz darauf weggerufen wird, weil er John operieren soll.

· Jacks Sohn Dave bewirbt sich bei der selben Musikschule wie Dogens Sohn auch.

· Wo wir bei Schulen sind: Ben ist nun der Geschichtslehrer von Alex.

· Außerdem trifft Hurley noch Libby wieder.

Hab ich wen vergessen? Ich hoffe nicht... bis auf Frank sind also alle, die in der Original-Zeitlinie noch leben, und auch der überwiegende Anteil der bereits verstorbenen auch fern des Flughafens wieder miteinander verknüpft. Klar, man könnte jetzt noch bei jeder Begebenheit ganz doll ins Detail gehen, aber im Wesentlichen läuft es doch darauf hinaus, dass sie alle wieder zusammenfinden und wenn es nicht von selbst klappt, hilft Desmond etwas nach – nimmt Kurskorrekturen vor. Apropos Desmond: Mir kommt gerade mal so eine total verrückte Idee: vielleicht hat Sayid ihn in der Original-Zeitlinie ja doch erschossen, aber da für Desmond die Regeln nicht gelten, kann sein Bewusstsein aus der Alt jetzt rüber – was theoretisch auch MiB mit Johns Körper passieren könnte, denn der Locke in ihm schlägt ja immer öfter durch.

Desmond passt Claire in der Alternativen Zeitlinie ab, als die zum Adoptionsbüro unterwegs ist, und schleift sie zu einer Anwältin, die schon händeringend nach einer gewissen Claire Littleton, die im Testament eines ihrer Klienten bedacht wird, sucht: Ilana Verdansky. Wunder gibt es immer wieder – heute oder morgen können sie geschehen – meistens dann, wenn Jacob – in der Nähe ist. Sorry, aber seit ich gestern diese Honda-Werbung im Lokalradio gehört habe, geht mir dieser Song nicht ausm Kopf... . Wo war ich? Oh, ja ganz zufällig taucht auch Jack bald auf, weil er mit David der Testamentseröffnung beiwohnen will. Kaum hat Jack Claire kennen gelernt, wird aber schon ins Krankenhaus gerufen: Ein Notfall – ein glatz- und überaus dickköpfiger Notfall um genau zu sein. Denn wen bekommt Jack da auf den Tisch? Natürlich jenen Mann, den er schon am Flughafen am liebsten gleich vor Ort auf dem Gepäckband operiert hätte – einfach, damit er mal wieder was hinkriegen kann. Man kann schon ahnen worauf das hinausläuft: Dieses Mal ist es keine Insel, die John heilt und ein nicht ganz freiwilliger Eingriff wird ihm auch keine Niere stehlen, sondern die Fähigkeit zu Laufen wiedergeben. Kurzum: Jack’s gonna fix it!

Was noch? Zu Sun im Krankenhaus und Sayids Festnahme kann man wenig sagen. Außer vielleicht: James beweist mal wieder sein Können in Sachen Planung, denn die Nummer mit dem Gartenschlauch war kultverdächtig. Aber damit verbleibe ich wohl dann auch bis nächste Woche zu „The Candidate“, denn letztlich war diese Folge wohl die letzte Bastion vor dem bombastischen Showdown und die zweiwöchige Pause ist – wie Gandalf es nannte: „Das große Luftholen vor dem Sprunge!“ Schönes Schlusswort: Bis zum Kandidaten, der passender Weise kurz vor der Landtagswahl läuft – aber es gibt bekanntlich keine Zufälle!

Mittwoch, 21. April 2010

The Last Recruit – Review Part I

Heute verzichte ich mal auf „erste Eindrücke“ und es kommt direkt die erste Hälfte der Review, denn nach der Folge ist vor allem Gedankenordnen angesagt und so hab ich mich entschlossen, mich sofort um die Inselhandlung zu kümmern.

MiB behauptet gegenüber Jack also, er wäre Christian und ich schätze mal, dass ich nicht der einzige bin, den das derzeit am meisten beschäftigt. Klar, viele haben es geahnt und gemutmaßt und auf den ersten Blick scheint es logisch – auf den zweiten nicht mehr. Warum?

Christian erschien sowohl Michael als auch Jack fern der Insel. MiB schafft es ohne Boot nicht mal zur Hydra und als Jacob noch lebte, dürfte es umso unmöglicher gewesen sein. Wie sollte er also in der Gestalt Christians Jack erscheinen? Claire, die mit MiB ebenso zusammenhängt wie Christian, erschien Kate fern der Insel und warnte sie, sie solle Aaron nicht zurückbringen und das, obwohl Claire annimmt Aaron sei bei den Anderen. Jetzt könnte man mutmaßen: Beides war MiB, der sich irgendwie als Vision in der Losties Köpfe setzt. Das Problem: Kate schlief, Jack und Michael waren wach; Claire lebt, Christian ist/war tot. Dann wäre da Johns Treffen mit Christian am Rad – wie kann es MiB schaffen Christians Gestalt anzunehmen, ehe der gestorben ist, denn Christian/MiB müsste sich sonst vor Bens Eintreffen schon am Rad aufgehalten haben, um so bei der Verschiebung in der Zeitblase des Rads zu sein. So anfällig wie MiB für diese Art von Feldern ist, ist das schwer vorstellbar, denn könnte er in die Nähe des Rades, wäre er damit schon längst geflohen. Aber das Todschlagargument ist ein ganz anderes: Wie soll MiB gleichzeitig bei Sun und Frank im Dharma-Dorf gewesen sein, wenn er als Locke auf der Hydra-Insel ist und sich zwischen den beiden ohne Boot nicht einmal bewegen kann? Ist Christian auf der Insel also wirklich MiB gewesen, so muss ich sagen, dass die Autoren uns dann bitte erklären müssen, warum das möglich war, wenn MiB doch nun in Johns Gestalt gefangen ist. Ganz abgesehen davon, wüsste ich gerne, wieso MiB gegenüber Vincent Jack als seinen Sohn bezeichnen sollte? Außer natürlich MiB wäre Jacks Vater und nicht Christian ;-).

Aber warum sollte MiB lügen? Hier nun also meine Master-Theorie zu MiBs REKRUTEN: Ilana sagt ganz klar, dass MiB jetzt rekrutiert. Anzunehmen, dass er damit die Leute meint, die er um sich versammelt, war wohl ein großer Denkfehler. Rekruten sind Menschen, die gestorben sind und von MiB zurückgeholt werden. Das hat er mit Sayid (im Tempel durch das „verdorbene“ Wasser) und Claire (nach der Explosion – der Sonarzaun war aus und Miles macht im englischen O-Ton bekanntermaßen eine entsprechende Bemerkung, was mal wieder zeigt wie ärmlich die deutsche Synchro ist) gemacht. Wer sagt uns, dass er es nicht auch mit Christian gemacht hat und ihn einsetzte, um Jack zu manipulieren? Anders als bei John, bleibt Christians Leiche verschwunden. Jetzt will MiB die Insel verlassen und würde Jack glauben, dass sein Vater noch da draußen rumläuft, wäre er kaum bereit zu gehen, denn schließlich ist er wegen Christian zurückgekommen. Sofern Jack die Insel verlässt, kann MiB auch gehen. Bleibt Jack, so muss MiB ihn zu einem der Seinen machen und genau das passiert am Ende der Folge – Jack stirbt und MiB holt ihn zurück. Schließlich sagt er Jack nach der Explosion, er gehöre jetzt zu Ihm – wie Claire und Sayid. Jack ist ein Kandidat und somit wäre sein Tod MiB sehr willkommen, weshalb es keinen Sinn machen würde, Jack zu retten, außer er bindet ihn dadurch an sich: Jack ist der letzte Rekrut.

Wie sich jedoch zu zeigen beginnt, kann man sich auch dann noch gegen MiB entscheiden, denn Claire tut offenkundig genau das. Auch Sayid macht Anstalten, sich von MiB abzuwenden, denn wir sehen zwar wie er bei Desmond ist und dann schon zögert, jedoch nicht wie er ihn tötet. Man muss am Anfang der Folge ferner genau aufpassen: MiB lenkt jack zu der Frage hin, oder? Oder weiß er vielleicht wirklich nicht, worauf jack hinaus will. Dann dieses kurze Zögern, um es dann ganz bereitwillig zuzugeben? Dann wäre da noch Claire, die das gespräch belauscht hat und zuvor MiB und ihren Vater ganz klar als zwei verschiedene Individuen kennzeichnete. MiB bemerkt Claire und lässt sie mit jack allein. Was ist es, das Claire fragt? Sie fragt nicht, ob Jack wisse, dass MiB sich als ihr gemeinsamer Vater ausgab, sondern, ob MiB Jack gesagt hätte, dass er vorgegeben habe, Christian zu sein. Das ist keine Bestätigung von MiBs Behauptung, sondern eine Frage nach einer Bestätigung. Ja, es muss nicht einmal bedeuten: „Hat er dir das auch erzählt?“ Es könnte in der Situation ebenso gut heißen: „Hab ich richtig gehört?“ Zumal sie dann erst feststellt, dass sie nie so etwas wie Familie um sich hatte. Das könnte darauf hindeuten, dass ihr hier bewusst wird, wie sehr MiB sie manipuliert hat, was auch erklären würde, wieso sie sich im späteren verlauf der Folge von ihm abwendet. Ferner sagt sie – das wollen wir nicht vergessen – Jack sei nun „with him“ („gehöre nun zu ihm“), weil er ihn (zuerst) habe sprechen lassen („Let him talk to you“). Letztlich hat das wohl jeder schon zu Beginn der Folge bemerkt: MiB richtet sein Wort ganz schnell an Jack und spricht zuerst. Bleibt nur die Frage: Wann ließ Claire MiB zuerst sprechen... ich würde sagen: da klärt sich die noch fehlende Gedächtnislücke nach der Flucht aus dem Stab.

Bleiben noch zwei Problemfälle: Ben und John. John wird ziemlich offenkundig von Jacob zurückgeholt. Und Ben? Ben wird im Tempel gerettet und womöglich ist er dadurch Jacobs Rekrut geworden und war deshalb (neben John) der einzige, der Jacob töten konnte. Jetzt sind Jack, Sayid und Claire diejenigen, die MiB töten könnten, aber sie wissen es nicht.

Bevor mir jetzt wer eine zu einseitige Analyse unterstellt: natürlich gibt es auch Dinge, die für Christian als Gestalt MiBs sprechen: etwa die Tatsache, dass Christians Gruß an Jack, den John ausrichtet, Jack zurückbringt und ihn John mitbringen lässt. Auch die Manipulation von John, Ben und Claire spräche dafür. Nur das hätte Christian auch selbst als MiBs Rekrut tun können. Tja, und dann wäre da noch die Hütte: Wer war bei Christian, wenn nicht MiB? Oder sah Hurley den echten Christian im Stuhl sitzen und die anderen Christians waren MiB? Wie man es also dreht und wendet: das Rätsel um Christian ist noch keineswegs gelöst. Und sein wir mal ehrlich: Was wäre es für ein gelungener Mindfuck diese ja nun schon recht alte Theorie zu bestätigen, nur um sie dann zu widerlegen. Kurzum: Mir ist die Lösung für Lost-Verhältnisse zu billig und hat schlichtweg zu viele Lücken.

Was sich sonst auf der Insel abspielt, bedarf weniger Worte und daher will ich mich da so kurz wie möglich fassen: Von Ben, Richard und Miles erfahren wir nichts, wobei es mich etwas wundert, dass keiner der Anwesenden mal einen Gedanken an die drei verschwendet. Zoe taucht also in MiBs Camp auf, weil der Charles das „Paket“ geklaut (und – wie wir wissen – in einen Brunnen geworfen) hat... soll ja Glück bringen, sofern Des Geld dabei hatte zumindest. Komisch, dass MiB keinen Austausch vorschlägt, wo er doch so besorgt um seinen Smoking-Club ist. In einem scheint MiB aber tatsächlich Recht zu behalten: Alles, was Charles Widmore interessiert, ist Macht, denn wirklich fair spielt auch Charles nicht – was für eine Überraschung! Die ganze Ränkespielchen und die Frage, wer jetzt wieder wen austrickst, sind zwar spannend anzugucken, brauchen aber kaum analysiert zu werden. James handelt endlich wieder wie Sawyer: „Every Man for himself!“ Kate weiß uns aber positiv zu überraschen und nötig James dazu, Claire doch mitzunehmen, denn die scheint langsam zu kapieren, wer wirklich zu ihr steht und das ist Kate und nicht MiB. Sie gibt zwar vor, MiB zu trauen, doch ihr Handeln beweist, dass dieses Vertrauen bröckelt. Eine aus purer Verzweiflung geborene Allianz mit dem Bösen geht zu Bruch und so langsam ist Claire weniger eine Gefahr für die Losties als für ihren Herrn und Meister... Ben Linus wir hörn dir trapsen^^ - das Problem: Im Gegensatz zu MiB ist Jacob ein leichteres Ziel als jede Boxbirne. Aber wir wünschen Claire viel Glück, wenn sie Ihn umbringen will.

Die Losties wollen also mit der Elizabeth zur Hydra-Insel übersetzen, während MiB darauf wartet, dass James ihn und sein Gefolge abholt. Da Jack aber mittlerweile zu einem Mann des Glaubens geworden ist und verstanden hat, dass die Insel noch nicht mit ihm fertig ist, bleibt er. Interessant ist hierbei die Parallele zum Finale von Staffel 4: Damals sprang James aus dem Hubschrauber und kehrte zur Insel zurück, weil er auch nie wirklich gehen wollte, denn es gab ja nichts, was ihn dort draußen erwartete. Jetzt ist es ausgerechnet James, der Jack dazu bringt, von Bord zu springen und zur Insel zurückzuschwimmen. Jack erinnert sich an die Qualen nach seiner ersten Rückkehr von der Insel und an sein einst mit Ben gefasstes Vorhaben, die Insel nie wieder zu verlassen.

Warum Charles nun wieder den Deal mit James bricht, ist im Moment wahrlich schwer zu sagen... es scheint mir nur langsam so, als wolle Charles noch immer, was er schon in Staffel 4 wollte: Die ganze gottverdammte Insel abfackeln – warum sonst sollte er sie mit Lenkraketen beschießen? Apropos: Sollte ihm nicht eigentlich klar sein, dass er alles mögliche mit den Dingern zerstört, aber nicht den Mann in Schwarz? Der zeigt sich von der Explosion ähnlich beeindruckt wie Gothmog von den fliegenden Mauerfragmenten bei der Schlacht auf den Pelennor-Feldern („Der Herr der Ringe – Die Rückkehr des Königs“).

Für den Moment war das erst einmal das, was mir zur Inselhandlung einfällt. Falls ich was vergessen hab, reiche ich das mit der Review der Flash Sideways zusammen nach. Die kommt voraussichtlich noch im Laufe der Woche.