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Mittwoch, 17. Februar 2010

The Substitute

Oh weh, okay, fangen wir mit dem Ende an, denn das hat uns wohl alle am meisten aufgewühlt. Der falsche John bringt James also in eine lustige kleine Höhle mit einer Waage und der vermeintlichen Urliste, die dort an Decke und Wände geschrieben wurde. Die Liste beinhaltet alle Kandidaten und wenn einer stirbt, wird er ausgestrichen. Gleichzeitig scheint sie der Ursprung der Zahlen zu sein, denn die letzten sechs Namen auf der Liste sind:

4 – Locke

8 – Reyes

15 – Ford

16 – Jarrah

23 – Shephard

42 – Kwon

So, man könnte meinen jetzt wäre alles klar. Weit gefehlt, denn es gibt da einige Probleme bei „Samuels“ Erklärung. Oder anders gefragt: „Where’s Kate?“ Würden die verbleibenden Kandidaten tatsächlich aus den Leuten bestehen, die Jacob fern der Insel besuchte, hätten wir da schon mal das erste, große Problem. Aber auch die Namen Alpert, Lapidus und Linus erscheinen nicht auf der Liste, obwohl Richard noch vor James ein Angebot von „Samuel“ gemacht bekommt, es schon vor langer Zeit erhielt und wohl seitdem nicht mehr altert. Ja, ich denke Richard durfte nicht älter werden und nicht sterben, weil er ein Kandidat ist. Um Ben wäre ebenfalls nie so ein Theater mit Tempel, Führungsposition etc. gemacht worden, würde er nicht auf der Liste stehen. Außerdem hätte Jacob ihn nicht im Dunkel gelassen wie Richard und die Losties, sondern ihn eingeweiht wie Dogen oder Ilana, wenn er kein Kandidat wäre. Ilana lässt durchblicken, dass sie Frank für einen Kandidaten hält. Dann wäre da noch die Frage: Ist das tatsächlich Jacobs Liste, wieso weiß Smokey dann, wo er sie findet und ist berechtigt Namen darauf auszustreichen? Ganz abgesehen davon wirken diese Kandidaten bis auf „Reyes“ und „Locke“ nicht gerade wie die Traum-Anwärter für Team Jacob. Das ist nicht Jacobs Liste, sondern „Samuels“. Das sind seine Kandidaten. Locke fällt raus, weswegen er ihn ausstreicht. Reyes? Okay, ein Problemfall. Ford ist bereits im Team Smoke Monster. Jarrah? War stets ein Folterer und Mörder, der gerne auf kleine Kinder schießt, und ist nun sogar von „Samuel“ infiziert. Shephard? Warum denn Jack Shephard? Tauchte nicht Christian Shephard vielerorts auf und tat Dinge, die „Samuel“ zu Pass kamen? Andererseits sagte Danny Pickett, Shephard stünde nicht einmal auf Jacobs Liste. Kwon? „Samuel“ behauptet, er wisse nicht welcher der Kwons. Sun ist nicht gerade eine Traumkandidatin für Jacobs Nachfolge, oder?

Ich denke, dass „Samuel“ seinen Nachfolger sucht und er will auch nicht, dass James mit ihm kommt, sondern seinen Platz einnimmt. Die Kandidaten sind Menschen, die zu Hütern der Insel werden können und es gibt stets zwei. „Samuel“ sagt selbst, er wäre einst ein Mensch gewesen. Er war der Beschützer der Insel und Jacob sein Gegenpart, der nicht bereit war zu gehen und „Samuel“ so ebenfalls auf der Insel festhielt, weil er ewig nach Kandidaten suchte. Nun sind die Kandidaten für beide auf der Insel und im Leuchtturm steht eine zweite Liste und ich gehe davon aus, dass wir auf der die fehlenden Namen finden:

4 – Alpert

8 – Lapidus

15 – Linus

16 – Austen

23 – Shephard (?)

42 – Kwon

Vielleicht stehen oder standen auch Ilana, Aaron, Walt, Desmond, Rose, Bernard, und Claire irgendwo. Auch bei der Reihenfolge will ich mich nicht festlegen.

Da Jacob jedoch alle Kandidaten begutachtet, versucht hat auf seine Seite zu ziehen oder vielleicht auch ein fairer Spieler ist als „Samuel“, hat er sie alle besucht und auf die Insel geholt. Jacob berührt schließlich nicht nur John, Hugo, James, Sayid, Jack und Sun, sondern auch Jin, Kate, Ilana und Ben – wie man es dreht und wendet, sind wir mit dieser Liste noch lange nicht fertig und wäre sie des Rätsels Lösung und würde „Samuel“ die Wahrheit sagen, hätten wir die Liste nicht so früh zu sehen bekommen

Dann sind da noch die Steine, die wir auch bei Adam und Eva finden. Waren die zwei am Ende die Vorgänger von Jacob und „Samuel“? Ist „Samuel“ vielleicht auch so angepisst, weil Jacob ihn in die ganze Sache reingequatscht hat, weil er zum Hüter der Insel wurde und er nun einfach keinen Bock mehr hat? Jacob und „Samuel“ dürfen aber nur gemeinsam gehen und keiner von ihnen darf den anderen oder einen Kandidaten töten und nur die Kandidaten dürfen selbst das Ruder übernehmen? Vielleicht steht ein Nachfolger mit Ben auch schon fest, weil er Jacob getötet hat? Hat Jacob gewollt, dass Ben ihn tötet, weil er so automatisch seinen Posten übernimmt? War er deswegen die ganze Zeit so wichtig?

Dass „Samuel“ lügt erkennt man daran, dass er James gegenüber meint, man müsse die Insel nicht beschützen, denn schließlich sei es nur eine Insel. Klar, deswegen hat er gegenüber Jacob auch so einen Aufstand gemacht, als der die Black Rock zur Insel gelotst hat... nein, klar, Smokey, ich glaub dir jedes Wort.

Ach, ich wollte ja was zu den Steinen auf der Waage sagen: „Samuel“ nimmt den weißen Stein von der Waage und wirft ihn ins Wasser. Er nennt es einen „Insider-Witz“. Stellt sich jedoch die Frage, ob er sich für den Weißen Stein hält, der nun endlich gehen darf, da Jacob tot ist und ihn nicht mehr festhalten kann, um die Insel zu beschützen ODER ist Jacob der Weiße Stein, den er wegnimmt, weil er aus der Gleichung verschwunden ist. Die Konstante unseres Man in Black (obwohl ich dazu neige ihn mittlerweile Man in Locke zu nennen) hat das Gebäude verlassen.

Ihr merkt schon: ich traue dem Braten nicht und sehe in der Liste einen einzigen großen Mindfuck – vielleicht den letzten dieser Größenordnung. Wir haben Antworten, doch die kommen alle von jemandem, dem man noch 108mal weniger trauen kann als Ben und Sun zusammen. „Samuel“ ist nicht offen zu den Menschen. Jacob mag verschwiegen sein, doch „Samuel“ lügt und manipuliert, wirft Jacob vor dies zu tun, weil er so leichteres Spiel mit seinen „Anhängern“ hat. Er ist ein Verführer, ein Versucher. Er ist die Schlange, die James die Frucht der Erkenntnis vor die Nase hält, damit rumwedelt und wartet, dass er zubeißt. Jacob ist wie Gott: er erwartet von den Menschen, dass sie ihm vertrauen, während er ihnen Türen aufzeigt, sie lenkt, aber ihren freien Willen respektiert. Der Man in Black ist wie der Satan, denn er klagt Jacob an, macht ihn vor den Menschen schlecht, um sie dann mit Halbwahrheiten auf seine Seite zu ziehen und so zu seinem Vorteil ins Verderben zu stürzen. Doch jeder Kandidat muss sich für die eine oder andere Seite entscheiden. Ben hat sich unter der Statue entschieden, was das für ihn bedeutet, wissen wir nicht, wir wissen nicht einmal, für welche Seite er sich letztlich entschieden hat. Doch deshalb lässt MiB ihn wohl links liegen und hängt Richard in einen Baum (das kannte Ben ja auch schon aus eigener Erfahrung). Wie sagt Ilana noch gleich? „Er rekrutiert“

Der MiB sucht seine Vertretung („Substitute“), damit er endlich von diesem wundersamen Felsbrocken verschwinden kann und das Spiel von vorne beginnt: Zwei Seiten, zwei Spieler – eine ist hell, die andere dunkel. Apropos zwei Spieler: was ist eigentlich mit Charles? Hatte MiB ihn verführt und Jacob hat mit Bens Hilfe die Reißleine gezogen? Oder sollte das Spiel zunächst mit diesen beiden weitergehen.

Wo wir schon bei „Samuel“ sind, sollten wir uns fragen, wer der blonde Junge ist, der auftaucht, wo er nicht sollte und mahnt, MiB dürfe James (der den Knirps im Gegensatz zu Richard sieht) nicht töten, weil er ein Kandidat ist? Woraufhin bei MiB dann das, was von Locke in ihm gelandet zu sein scheint, durchbricht und er brüllt: „Don’t tell me what I can’t do!“

Wer ist der Junge also? Ist das so eine Art Game-Master? War er es, der Jacob und MiB in diese Position brachte? Ist es jemand, den wir kennen? Der junge Jacob? Aaron? „Samuels“ eigener Vorgänger?

Zumindest mahnt er ihn, er dürfe James nicht töten, was darauf hindeutet, dass er es bei ihm und auch Richard vorhatte. Aber er kann es nicht, weshalb er wohl einst auch vor John und Eko zurückschreckte, bis Eko seine Chance vertan hatte, indem er sich weigerte zu bereuen. Wer weiß schon, ob Kate, und Jack die Monsterattacken gar nicht wegen den Banyanbäumen überlebten, sondern weil sie Kandidaten waren und somit unantastbar für ihn.

Unantastbar ist noch so ein gutes Stichwort. Ilana sammelt Jacobs Asche auf. Asche...tja, das war mal wieder kein Wink mit dem Zaunpfahl, sondern der komplette Sonarzaun, der da aus dem Bildschirm auf einen zuflog. Ist die patentierte Anti-Man-In-Black-Asche vielleicht alles, was von Jacobs Vorgänger übrig ist? Passen würde es.

Der komische Knabe gibt uns zumindest eine Menge Rätsel auf. Seine Kleidung erinnert an die der Anderen in Staffel 2, aber noch mehr an die komischen Typen, die Eko und Jin sahen, als sie nach Michael suchten. Ich denke außerdem, dass der Junge zu denen gehört, die das Flüstern verursachen und er ihr Bote ist, der nun „Samuel“ dazu mahnt, er müsse sich trotz allem, an die Regeln halten. Ist das Zuhause, von dem unser falscher Locke spricht, vielleicht auch die „Dimension“ dieser komischen Flüstertypen (nicht zu verwechseln mit Flüstertüten!)? Wieso hören wir vor dem Erscheinen des Jungen die Smoke-Monster-Geräusche? Von der üblichen Quelle können die kaum kommen, denn „Samuel“ steht ja als Locke im Wald. Der Knabe hat bei seinem ersten Auftritt Wundmale, die mich sehr an Stigmata erinnert haben. Hat „Samuel“ am Ende sogar Jesus gesehen? Wohl eher nicht, denn „Lost“ hat seine eigne Mixed Religion.

Ein letzter Punkt in der Handlung um Smokey, den ich ganz interessant fand, war der Weg mit James zu der Klippe, denn es gab so viele offenkundige Parallelen zu James’ Spaziergang mit Ben in „Jeder für sich“. Wobei ich fast glaube, dass das mehr eine Spielerei von Darlton war, als ein wichtiger Hinweis. Viel bedeutender ist da schon die Szene, in der James Locke mit einer Knarre bedroht und der nicht wirklich beunruhigt scheint. Hat er keine Angst, weil die Kugel an ihm abprallen würde, wie als Bram auf ihn schoss (Der klügere gibt nach – das war jetzt mein Insider-Witz). Wenn meine Theorie bezüglich Ben stimmt und er Jacob töten konnte, weil er ein Kandidat ist und Jacob es deshalb auch zugelassen hat, müsste James auch in der Lage sein, MiB zu erschießen. Doch wenn meine Theorie stimmt, dürfte ihm das keine Sorgen bereiten. Vermutlich wusste er aber, dass James sowieso nicht abdrückt. Wenn James jemanden töten will, denn tut er es einfach. Wenn er jemanden mit einer Knarre bedroht und reden lässt, will er Antworten oder eine Entschuldigung – meist beides.

Jetzt gehen wir aber erst mal munter zur Statue, wo Ilana gerade den Tod von Jacob und ihrem Team betrauert. Ben tritt ein und, als sie ihn befragt, sagt er tatsächlich die Wahrheit, er lügt nicht, er verschweigt lediglich ein unbedeutendes Detail, nämlich, dass er Jacob zweimal ein Messer in die Schulter gerammt hat, ehe Locke ihn ins Feuer getreten hat. Ilana sammelt Jacobs Asche und geht mit Ben nach draußen und hier stellt sich eine Frage: „Where’s Kate?“ – Nein, nicht wirklich, sondern: Wo sind all die Anderen hin? Plötzlich stehen da nur noch vier Leute am Strand, wo zuvor noch Richards Team war. Okay, MiB hat Richard niedergeschlagen, rumgeflucht und ist mit Richard auf der Schulter in den Wald, wo er ihn in einen Baum gehangen hat. Kleine Bemerkung am Rand: Wir erleben Richard das erste Mal wirklich ängstlich und erfahren auch, dass er nie wirklich mehr wusste als Ben oder sonst wer. Jacob hat auch ihn über das meiste im Unklaren gelassen.

Ilana weiß hingegen so einiges, auch über Sun und überzeugt sie so, zum Tempel zu gehen. Doch zuvor muss – da hat Sun ausnahmsweise mal Recht – John beerdigt werden. Ben und Frank tragen ihn zum Friedhof der Losties und heben ein Grab aus. Doch das dicke Ende kommt erst noch: ausgerechnet Ben, John Mörder, hält die Grabrede. Er hat John wohl in der Tat als einziger wirklich gekannt und ich für meinen Teil denke, dass Ben wirklich trauert und meint, was er sagt. Vermutlich hat er schon begriffen, dass „Samuel“ ihn dazu gebracht hat, John zu töten, denn er wirkt auch ein wenig zornig: auf sich, aber auch auf den Man in Black. Frank meint, es sei das skurrilste Begräbnis, auf dem er je war – klar, John liegt im Grab und läuft trotzdem noch im Dschungel rum und der einzige, der wirklich um John trauert, ihn beweint und an seinem Grab spricht, ist sein Mörder. Gleichzeitig beichtet Ben Sun, Ilana, Frank und auch dem Rest der Welt, seine Tat. Er hätte nicht gestehen müssen, dass er John getötet hat, tut es aber, spricht es laut aus und bittet so auch um Vergebung. Ich schätze nur: am Ende mag ihm ein jeder vergeben, außer ihm selbst.

Auf der Insel, in unserer Crash-Timeline, war es das wohl auch, denn aus dem Tempel sehen wir diesmal nichts und bei Sawyers Besäufnis im Dharma-Dorf ist allenfalls interessant, dass eine Textzeile des Songs, den James hört über „the end of the world“ geht, wenn ich recht gehört habe (als John ins Haus kommt). Im Los Angeles einer anderen Realität kommt John daheim an und hat etwas Probleme mit der Rampe seines Wagens, also springt der alte Draufgänger einfach samt Rollstuhl auf den Rasen und legt sich natürlich erst mal lang. Obwohl dann sogar noch der Rasensprenger (vielleicht auch ein Verweis auf die Szene, in der John am Strand saß und, als es zu regnen begann, die Arme ausbreitete und lächelnd gen Himmel blickte) angeht, ist John eher belustigt über seine Schusseligkeit. Ein wenig überraschend ist da schon, wer dann die Tür aufmacht: Helen. Sie und John wollen nächsten Monat heiraten und anscheinend sogar John Vater einladen. Da auch an John Arbeitsplatz ein Bild von Cooper und ihm bei der Jagd hängt, denke ich, dass vor allem Anthony Cooper in dieser Realität ein anderer Mensch ist, was auch James’ aufgeschlosseneres Verhalten in den vergangenen Flash Sideways erklären würde. John dürfte wohl auf anderem Wege im Rollstuhl gelandet sein und vermutlich noch beide Nieren haben oder sie freiwillig an Daddy abgetreten haben. Was uns zu der einen Frage führt: Wer oder was ist Anthony Cooper wirklich ODER wer hat ihn so gemacht, wie er in der uns bekannten Realität war? Hier sind wohl noch einige Fragen offen, die es noch zu beantworten gilt.

Bei der Arbeit wird John erst gefeuert, um dann Hurley über den Weg zu laufen, der – nett wie er in jeder Realität ist – John direkt wieder einstellt. So langsam wird das Ganze dann wirklich skurril, denn wer führt Johns Einstellungsgespräch? Hurleys Wahrsagerin und ihre Chefin ist Rose, die wirklich noch immer Krebs hat, sich aber damit arrangieren konnte und John so hilft, sich auch mit seinen Problemen zu arrangieren, weshalb er Jack nicht anruft und Helen die Visitenkarte von Jack in vier Teile zerreißt. Damit aber nicht genug mit den merkwürdigen Wiedersehen, denn einer fehlt noch und dem scheint es in dieser anderen Realität wirklich besser zu gehen: Als Geschichtslehrer bringt Ben bestimmt keine Leute um (außer sie lassen den Filter in der Kaffeemaschine). Der Beruf passt aber durchaus zu Ben, obgleich er intellektuell wohl etwas unterfordert ist, wissen wir ja, dass er Kinder liebt (und daran hat sich bestimmt nichts geändert) und ohne Jacob im Nacken und die Bürde des Anführers ist er wohl auch ein besserer Mensch. Er bleibt zwar weiter ein wenig wunderlich wie alle Genies, aber er wirkt dennoch zufrieden. Es zeigt sich aber auch, dass Ben und John in jeder Zeitlinie stets etwas verbinden wird, auch wenn John nur die „Vertretung“ bleibt. Mit Ben am Leben und in den Staaten haben wir aber wieder ein sehr eindeutiges Indiz dafür, dass hinter dieser Zeitlinie weit mehr steckt als Jughead.

Falls mir noch was einfällt, werde ich noch eine Ergänzungsreview schreiben, doch mir schien es bei dieser Folge wichtig und richtig, die Review möglichst schnell zu tippen und zu veröffentlichen, um unser aller Gedanken zu ordnen.

Montag, 15. Februar 2010

„What Kate Does“ Review zur Inselhandlung bzw. Crash-Timeline

Obwohl die Folge „What Kate Does“ heißt, finde ich gerade das, was Kate tut, mit Abstand am unwichtigsten an dieser Folge. Allenfalls die Frage, warum sie wirklich aus dem Tempel und somit aus einer sicheren Zuflucht flieht, ist noch halbwegs interessant. Geht es da wirklich um James oder Claire? Ich denke, der Hauptgrund, warum Kate von irgendwo abhaut, ist stets der gleiche: sie kann nicht lange an einem Ort bleiben, vor allem dann nicht, wenn es nicht ihre freie Entscheidung ist. Der Tempel kommt ihr wie ein Gefängnis vor, also bricht sie aus. Dass sie und Jin dann ausgerechnet von Aldo begleitet werden, zeugt mal wieder von Darltons Neigung zur Ironie des Schicksals. Kate will nicht im Tempel bleiben, obwohl da gerade jetzt einige richtig spannende Dinge vor sich gehen.

Wer dachte Dr. House ginge mit seinen Patienten sadistisch um, kennt Dogen wohl noch nicht – Zauberasche, Elektroschocks und glühende Schürhaken – was für Diagnoseinstrumente. Eines ist hier auf jeden Fall schon mal sicher: Sayid ist Kassenpatient. Dogen will also rausfinden, ob Sayid infiziert ist. Womit? Vermutlich mit der gleichen Seuche, die auch Rousseaus Team befallen hat und von der Danielle glaubte, Ben habe sie übertragen. Aber wurde Ben bei der Heilung genauso infiziert wie Sayid, wieso lassen die Anderen ihn dann leben und machen ihn sogar zum Anführer? Sollte Ben tatsächlich dieses Schicksal ereilt habe, könnte eine mögliche Antwort sein, dass Jacob wollte, dass Ben infiziert, besessen wird, damit er ihn tötet. Das Ganze hat aber so oder so einen Haken: Normalerweise ist die Heilquelle klar und nicht trüb und man kann wohl davon ausgehen, dass die Risiken dieser Infektion nur bei getrübtem Wasser bestehen, denn die Plörre schien Dogen doch ziemlich nervös zu machen. Da das Wasser, aber erst jetzt so aussieht (Dogen und Lennon bemerken die Trübung in „LA X“ ja doch ziemlich überrascht und verwirrt), stellt sich nun die Frage, wie Claire dann infiziert werden konnte. Oder war sie nie im Tempel und infizierte sich auf andere Weise? Was sollte Claire auch im Tempel? Wie sollte sie da rein gekommen sein, sofern Daddy nicht doch ein Anderer ist? Aber wenn Claire nie im Tempel gewesen wäre, würde sich dann wieder die Frage stellen, woher Dogen weiß, dass sie infiziert wurde. Dass Claire sich grundlegend verändert hat, ist nicht von der Hand zu weisen. Sie baut Fallen wie Danielle, schießt auf Menschen (und Aldo) und sieht aus als hätte sie sich das letzte Mal vor vier Monaten gewaschen. Das ist doch nicht mehr unsere liebe, sanftmütige, manchmal etwas hysterische, aber dennoch gutmütige und altruistische Claire, die keiner Fliege was zu Leide tut. Okay, der Verlust Aarons mag sie wie Danielle der Verlust von Alex traumatisiert haben, doch eine so krasse Persönlichkeitsänderung ist damit auch nicht wirklich zu erklären, weshalb man schon davon ausgehen sollte, dass Dogen Jack die Wahrheit über Claire sagt.

Apropos Jack und D(r)ogen: Dogen mixt so eine komische Kräutermischung zusammen und füllt sie dann in eine erschreckend große Hartgelantinekapsel – mein erster Gedanke war nur: Wie soll einer dieses Monstrum runterwürgen? Jack soll Sayid davon überzeugen, dass „Medikament“ zu nehmen. Durch einen Trick bringt Jack Dogen dazu, den Inhalt der Kapsel zu offenbaren: Gift. Warum tötet Dogen Sayid nicht einfach, sondern macht sich so eine Mühe? Einige Fans hatten hier wohl den richtigen Riecher: Sayid ist zwar infiziert, aber auch nicht mehr verwundbar (wohl weniger wegen der Besessenheit als wegen der heilenden Brühe), wie Dogen durch den Schürhaken herausfand. Deshalb muss man Sayid von Innen heraus töten, sprich: vergiften. Jetzt gibt es zumindest eine Hypothese zu der glühenden Eisenpike, aber nicht zur Asche und den Elektroschocks. Wobei die Asche eigentlich noch offensichtlicher ist als der Schürhaken. Die Anderen-Spezial-Anti-Smokey-Asche wirkt auf das Rauchmonster und die damit verknüpfte Seuche wohl ähnlich wie Weihwasser oder Salz auf Dämonen.

Kommen wir zu guter Letzt noch zu James. Der ist ziemlich frustriert und verlässt den Tempel, um ins Dharmadorf zurückzukehren. Wie schon an anderer Stelle erwähnt, halte ich es für ein Gerücht, dass in 30 Jahren keiner diese Pappschachtel mit dem Verlobungsring unter den Dielen gefunden hat. Kate findet Sawyer und beobachtet ihn von der Tür aus wie sie damals auch Jack beim Klavierspielen zusah. In ihrem Gespräch mit James, dürfte Kate wohl klar werden, dass sie Juliet nie mehr ersetzen kann und praktisch keine Chancen mehr bei ihm hat.

Mehr wüsste ich zu der Folge auch nicht zu sagen. Ich denke mal, ich spar mir meine Kapazitäten für „The Substitute“

Dienstag, 9. Februar 2010

Ille qui nos omnes servabit

Puh, das war knapp, aber ich hab's geschafft:


LA X – Review, dritter Teil von VIER

Ich erinnere mich daran einmal scherzhaft geäußert zu haben, dass man „What lies in the shadow of the Statue?“ durchaus auch mit „Was lügt im Schatten der Statue?“ übersetzen könnte und der einzige, der im Schatten der Statue lebt, liegt und lügt ja Benjamin Linus wäre. Derzeit ist Ben aber tatsächlich ein sehr wahrscheinlicher Kandidat für die Antwort auf diese Frage, denn im Schatten der Statue halten sich derzeit nur fünf Männer auf, die überhaupt nur ansatzweise in Frage kämen: Jacob, John Locke, Richard Alpert, Benjamin Linus und ein Typ, der aussieht wie John Locke, aber nicht John Locke ist – ich nenne ihn aus Gewohnheit mal weiter „Samuel“, da wir seinen wahren Namen immer noch nicht kennen.

Für Jacob gilt derzeit wahrlich „Asche zu Asche“, denn er ist binnen vier Minuten restlos verbrannt. Hat was von Jedi-Bestattungen, aber auch von der Bestattung von Colleen. Es dürfte wohl einige gute Gründe geben, weshalb die Anderen die Leichen ihrer Toten verbrennen: 1. Bislang scheint „Samuel“ nur Formen von Menschen annehmen zu können, deren Leichname intakt sind und sich auf der Insel befinden. 2. Unter Umständen glauben die Anderen, dass nur so der Weg ins Jenseits sicher ist. Das widerspricht allerdings krass den ägyptischen Totenriten, bei denen der Leichnam als Haus der Seele für die Ewigkeit halten musste. Also, Jacob ist derzeit einigermaßen tot und daher kein sehr wahrscheinlicher Kandidat für den, „der uns alle retten wird“. Obgleich man festhalten sollte: sein Tod könnte ihn mächtiger gemacht haben. Noch etwas, das einen irgendwie an Good Old Ben Kenobi erinnert (mein zweitliebster Ben^^). Jacobs physische Form scheint sich ja wahrlich, restlos in Wohlgefallen aufgelöst zu haben.

Bleiben noch vier Kandidaten. John hat ein ganz ähnliches Handicap wie Jacob: er ist tot und da Jacob auch tot ist, könnte das mit der erneuten Wiederauferstehung (wie nach dem Sturz) problematisch werden. Nichtsdestotrotz schließe ich John nicht gänzlich aus, denn ich denke: er wird noch wichtig werden, auf die ein oder andere Weise.

„Samuel“ wird wohl kaum der sein, der alle rettet, denn im Moment scheint es so, als sei er jener, vor dem man alle retten müsste, was natürlich ein Mindfuck sein könnte.

Also bleiben bei Lichte betrachtet nur: Ben und Ricardus. Ben befindet sich noch unter der Statue und da er ja – wie wir alle wissen – der Adrian Veidt (für alle, die „Watchmen“ nicht gelesen haben: der intelligenteste/klügste Mann der Welt) von „Lost“ ist, ist ihm schon längst aufgefallen, was uns ein knappes Jahr lang beschäftigt hat: Wieso hat Jacob nichts unternommen, um Ben daran zu hindern, ihn zu töten? „Samuels“ Antwort ist wenig zufriedenstellend und entspricht wohl vor allem dem, was er sich selbst einredet, da die Alternative, ihm durchaus Angst machen sollte. Ob „Samuel“ aber seinen größten Fehler schon begriffen hat, ist überaus zweifelhaft: er hat sich den einzigen Menschen zum Feind gemacht, der intelligent und willensstark genug ist, um ihm ernsthaft gefährlich zu werden. Er und Jacob haben mit Ben ein Monster erschaffen, dass sie nicht mehr kontrollieren können. Jacob dürfte eingeplant haben, dass sich seine Schöpfung gegen ihn wendet und es ihm ergeht wie dem „modernen Prometheus“ (ui, eine Review mit mehrdeutigem Subtext... auch mal was neues). Vielleicht ging es Jacob bei Ben mitunter ja sogar darum, dass Ben von „Samuel“ benutzt wird, dies erkennt und Rache nimmt, denn derzeit ist er der einzige, dem ich zutrauen würde „Samuels“ Achillesferse zu finden und auszunutzen. Ein Teil dieser Achillesferse ist es auf jeden Fall, dass er Ben unterschätzt. Ich glaub Ben lässt „Samuel“ ganz bewusst in dem Glauben, er würde auf seiner Seite stehen, denn so beginnt „Samuel“ sich im Verlauf der Episode immer mehr zu verraten. Er vertraut sich Ben an und Ben saugt die Informationen auf wie ein Schwamm und irgendwann wird er sie gegen „Samuel“ verwenden.

„Samuel“ schickt Ben, Richard holen (unter Jacob war das mal andersrum). Der befindet sich derweil in einem hitzigen Streit mit Ilana, die gekommen ist, um Jacob zu retten. Ich würde mal meinen: Die einzigen Bodyguards, die ihren Job je schlechter gemacht haben, waren die von John F. Kennedy. Allerdings wage ich doch stark zu bezweifeln, dass Jacob überhaupt gerettet werden wollte. Nur hätte es den Anschein gehabt, als ob er seinen Tod selbst mitgeplant hätte, wäre „Samuel“ ihm kaum in die Falle gegangen, von der wir ja noch immer annehmen können, dass es sie gibt.

Ilana sagt Richard, dass Jacob sie und ihre Männer eingeladen hätte. Richard erwidert hitzig: „Asking me what's in the shadow of the damn statue doesn't mean you're in charge.“ („Mich zu fragen, was im Schatten der Scheiß-Statue liegt, macht dich nicht zum Chef!“) – „Then who is?“ („Wer ist es dann?“), will Ilana wissen und die Antwort kommt prompt, denn genau in dem Moment taucht Ben auf und ruft: „Richard!?“ Die offensichtliche Deutung wäre, dass Richard nun „in charge“ ist, denn das ist es schließlich, was Ben sagt. Andererseits taucht Ben genau in dem Moment auf, in dem Ilana fragt. Es gibt als letztlich zwei Möglichkeiten den Subtext dieser Szene zu lesen.

Ben sagt Richard und Ilana natürlich nicht die Wahrheit über Jacobs „Zustand“, wobei „Well, of course Jacob's all right.“ („Na schön, natürlich geht es Jacob gut!“) womöglich sogar den Tatsachen entspricht, denn so gesehen, geht es Jacob ja durchaus gut – er macht beim Gespräch mit Hurley doch einen recht munteren Eindruck ;-).

Richard zerrt Ben, als der wiederholt daraufhin weist, dass John ihn sprechen wolle, zu Johns Leiche und Ben ist sichtlich erschrocken – weit mehr als er John auf der Insel quicklebendig an seinem Krankenbett sah.

Ben kehrt gefolgt von Bram und Co unter die Statue zurück. „Samuel“ sagt Bram und seinen Leuten, sie wären doch nun, da Jacob tot ist, frei. Es gäbe nichts mehr für sie zu tun. Daraufhin kommt es zum Kampf zwischen „Samuel“ und Jacobs Bodyguards. Bram kann Smokey durch einen Aschekreis erst noch zurückhalten, doch gelingt es Smokey den Bannkreis zu beschädigen und auch Bram zu töten. Man sagt, der Teufel könne nur über Ecken eindringen – ein Kreis hat keine. Es kann aber kaum an der Kreisform liegen, denn im Tempel wird die Asche nicht in Kreisen ausgelegt, sondern vor den Toren zum Tempel verstreut. Allerdings ist der Tempel bzw. dessen Mauer recht groß... könnte die Mauer zusammen mit der Asche vor den Toren am Ende einen Kreis bilden? Bram könnte den Kreis aber auch gewählt haben, weil es die „einfachste“ Fläche ist, die man auf die Schnelle um sich streuen kann – vermutlich hätte es ein Parallelogramm auch getan.

Bemerkenswert ist auch Smokeys Farbe. Während das Rauchmonster in den ersten drei Staffeln pechschwarz war, wirkte es erstmals in „The Shape of Things to Come“ heller und irgendwie „fluffiger“ – ein Trend, der sich in Staffel 5 fortsetzte. „Samuel“ wirkt in seiner Rauchform nun annähernd weiß. Könnte das bedeuten, dass ich zwar bezüglich der Existenz von zwei Monstern richtig lag, aber nicht „Samuel“ das schwarze und Jacob das weiße ist, sondern umgekehrt? Klar, man würde Jacob eher weiß und „Samuel“ eher schwarz zuordnen wollen, aber: das richtig schwarze Monster tötete definitiv nur Eko, nachdem dieser keine Reue gezeigt hatte. Schwarz ist außerdem die Farbe von Anubis, den wir auf dem Relief in „Dead is Dead“ vor dem Monster sehen. Weiß kann wiederum auch „negative“ Aspekte haben – in einigen Ländern ist Weiß die Farbe des Todes und nicht Schwarz. Die Anderen tragen bei Trauerfeiern ebenfalls weiße Hemden, wie das von Jacob... alles sehrverwirrend.

Zumindest sind Ben und „Samuel“ nun wieder allein unter der Statue und sprechen sich jetzt mal richtig aus... was letztlich bedeutet, dass Ben „Samuel“ reden lässt, während der den klassischen Film-Schurken-Fehler begeht und Teile seines Planes offen legt und auch andere Geheimnisse mitteilt.

Nehmen wir den Dialog mal Satz für Satz auseinander:

„What are you?“ – „I’m not a What, Ben, I’m a Who!“ („Was bist du?“ – „Ich bin kein Was, Ben, sondern ein Wer!“) Schon das erste Missverständnis, würde ich meinen, denn Bens Frage war durchaus richtig: Was ist dieses Wesen? Wer Er im wesentlichen ist, ist Ben, wie seine nächste Äußerung noch mal untermauert, eindeutig bewusst. Ich könnte mir aber denken, dass „Samuel“ Ben falsch verstehen möchte, so lässt er bereits hier eine Schwäche durchblicken, die er im nächsten Satz untermauert: „You’re the monster.“ – „Let's not resort to name-calling.“ („Du bist das Monster.“ – „Lass uns nicht wieder mit Beschimpfungen anfangen.“) Es gefällt „Samuel“ also ganz und gar nicht als „das Monster“ gesehen zu werden. Ben hat also schon einen Schwachpunkt gefunden, den er sich obendrein mit ihm teilt: sie beide hassen es, wie die Menschen sie sehen – als Monstren, die sie nicht sind, nie sein wollten. Ben spricht als nächstes etwas aus, was ihn beinah verrät, doch die Feststellung, der Vorwurf hängt sowieso schon unausgesprochen im Raum: „You used me! You couldn't kill him yourself, so you made me do it.“ („Du hast mich benutzt! Du konntest ihn nicht selbst töten, also hast du mich dazu gebracht, es zu tun.“) Ben spricht offenkundig von Jacob und klagt „Samuel“ an, lässt durchblicken, dass Ben begriffen hat, dass „Samuel“ ihn ebenso ausgenutzt hat wie Jacob – nur mit dem Unterschied, dass „Samuel“ Jacobs Verhalten gegenüber Ben als Vorwand für Ben wählte, Jacob zu töten. Wenn sich da mal einer nicht selbst sein Grab geschaufelt hat. Ben hat ja recht: er ist „Samuels“ Loophole und „Samuel“ hat Ben eiskalt benutzt, ihn die Drecksarbeit machen lassen, wie Jacob zuvor. Doch wirklich interessant wird’s erst jetzt:

„I didn't make you do anything. You should know, he was very confused when you killed him.“ („Ich habe dich zu rein gar nichts gebracht. Du solltest wissen, dass er sehr verwirrt war, als du ihn getötet hast.“) Ups, „Samuel“, ich hoffe mal das war Absicht. Egal, ob „Samuel“ klar war, dass Ben von Jacob sprach oder nicht, jetzt hat er sich verplappert, denn wie er gleich sagt, redet er von John und nicht von Jacob. Doch was sollte Ben auf den Gedanken bringen, “Samuel“ habe ihn dazu gebracht John zu töten? Hat „Samuels“ schlechtes Gewissen ihn hier verraten, weil er in Wahrheit tatsächlich Ben dazu gebracht hat, John zu töten? Es würde ja nur allzu perfekt ins Muster passen. Schließlich hat vor allem „Samuel“ von Johns Tod profitiert und Ben selbst leidet – wie diese Szene wiedereinmal überdeutlich zeigt – sehr unter seiner Tat. Wer oder was könnte Ben außer „Samuel“ zu dem Mord an John bewegt haben? Von wem, wenn nicht von „Samuel“, hätte Ben sonst wissen sollen, dass John sterben musste, damit sie zurückkehren konnten?

Ben geht aber zunächst noch davon aus, es wäre von Jacob die Rede und erwidert: „I seriously doubt that Jacob was ever confused.“ („Ich bezweifle ernsthaft, dass Jacob jemals verwirrt war.“) Dem kann man letztlich nur zustimmen und somit wirkt es noch zweifelhafter, dass Jacob nicht alles genauso geplant haben sollte. „Samuel“ macht nun gegenüber Ben den gleichen Fehler wie gegenüber Jacob: Hybris. Er wiegt sich selbst in Sicherheit, hält sich für überlegen und läuft seinem Gegner so ins offene Messer. Genau wie gegenüber Jacob gibt er Dinge preis, die er lieber für sich behalten hätte, weil er sich einbildet, seinen Gegenüber so einschüchtern zu können:

„I'm not talking about Jacob. I'm talking about John Locke. Do you wanna know what he was thinking while you, choked the life outta him, Benjamin? What the last thought that ran through his head was? ‘I don't understand’. Isn't that just the saddest thing you ever heard? But it's fitting in a way, because when John first came to the Island, he was a very sad man. A victim, shouting at the world for being told what he couldn't do, even though they were right. He was weak, and pathetic, and irreparably broken. But, despite all that, there was something admirable about him. He was the only one of them that didn't wanna leave. The only one, who realized how pitiful the life he'd left behind actually was.“ („Ich rede nicht von Jacob. Ich rede von John Locke. Willst du wissen, was er dachte, während du das Leben aus ihm raus gewürgt hast, Benjamin? Was der letzte Gedanke war, der ihm durch den Kopf schoss? ‚Ich verstehe das nicht’. Ist das nicht das Traurigste, was man je gehört hat? Aber es passt ja irgendwie ins Bild, denn, als John erstmals auf diese Insel kam, war er ein überaus trauriger Mann. Ein Opfer, das die Welt anklagt für das, von dem man ihm sagte, er könne es nicht tun, selbst wenn sie recht hatten. Er war schwach, erbärmlich und irreparabel gebrochen. Aber, abgesehen davon, gab es auch etwas bewundernswertes an ihm. Er war der einzige unter ihnen, der nicht gehen wollte; der einzige, der erkannt hatte, wie leidvoll das Leben war, das er zurückgelassen hatte.“) Bis af die letzten zwei Sätze trifft das wohl auch auf Ben – und vielleicht sogar auf „Samuel“ selbst – zu. Es zeigt sich, dass „Samuel“ für John trotz allem einige Sympathien hegte, ihn aber gleichzeitig für seine Schwächen und sein Selbstmitleid verachtete. Er versucht, Ben ein schlechtes Gewissen zu machen, was aber nicht so recht gelingen will – vermutlich, weil er schon längst eines hat. Zumindest wird überdeutlich, wieso „Samuel“ gerade John ausgewählt hat: weil er schwach war, erbärmlich, frustriert vom Leben. Ben geht ebenso wenig auf „Samuels“ Ausführungen ein wie jener zuvor auf Bens Fragen und sagt daher:

„What do you want?“ („Was willst du?“) Ah, das ist wohl die große Preisfrage. Wollen Sie einen Telefonjoker oder das Publikum befragen?

„Well that's the great irony here, Ben, because, I want the one thing that John Locke didn't: I want to go home.“ („Ja, das ist die große Ironie hier, Ben, denn ich will die eine Sache, die John Locke nicht wollte: ich will nach Hause gehen.“) Soso, der feine Herr, will also nach hause gehen. Unterscheidet ihn das wirklich von John? John hielt die Insel doch irgendwo für sein Zuhause – „Samuel“ hat John wohl nicht so gut verstanden wie er sich einbildet. Vermutlich hat Jacob ihn also daran gehindert nach hause zu gehen, ihn auf der Insel festgehalten oder ihn von einem bestimmten Ort auf der Insel ferngehalten. Es wurde oft gemutmaßt, sein Zuhause wäre der Tempel selbst. Ich denke offengestanden viel eher, dass sein Zuhause durch den Tempel erreicht werden kann und es sich um einen Ort der spirituellen, jenseitigen Welt handelt und die Insel bzw. der Tempel eine Art Portal zwischen Diesseits und Jenseits bildet, aber gleichzeitig auch „Samuels“ Gefängnis war und Jacob sein Wächter. Oder aber Jacob und „Samuel“ wurden mit der Aufgabe betraut, die Insel zu bewachen und „Samuel“ ist es leid. Ich äußerte an anderer Stelle ja bereits, dass mich die beiden etwas an die zwei Engel erinnern, die am Tor des Garten Eden Wache halten, bis die Menschen wieder zurückdürfen. Der Baum des Lebens könnte ja auch durchaus metaphorisch für den Jungbrunnen/Heilquell im Tempel stehen.

Bemerkenswert finde ich auch, dass in der ganzen Doppelfolge (in dem Gespräch zwischen Ben und „Samuel“ wird das besonders deutlich) wie auch schon in der Eröffnungssequenz von „The Incident“ beharrlich vermieden wird, uns „Samuels“ wahren Namen zu offenbaren. Dafür kann es so gesehen nur einen logischen Grund geben: dieser Name würde uns etwas verraten – entweder weil er in der Serie schon fiel oder aber weil er mythologischen Ursprungs ist und uns eine signifikante Information über die wahre Natur „Samuels“ geben würde.

Kommen wir nun zur letzten Szene an der Statue: „Samuel“ zeigt sich wieder am Strand und alle nehmen die Gewehre hoch, doch Richard befielt ihnen, nicht zu schießen. Dann tritt „Samuel“ vor Richard und sagt ihm: „Hello Richard. It's good to see you out of those chains.“ („Hallo, Richard. Tut gut, dich außerhalb dieser Ketten zu sehen.“) Ich habe das zunächst vor allem bildlich verstanden, da ich Richard (einfach aufgrund seiner ethnischen Herkunft) nicht als Sklaven an Bord der Black Rock sehe und außerdem das Gefühl habe, dass Richard schon lange vor der Black Rock auf der Insel war. Es könnte also einfach bedeuten, dass „Samuel“ Richard dazu gratuliert von Jacobs Knechtschaft befreit worden zu sein. Richards Reaktion lässt jedoch einen anderen Schluss zu, da er „Samuel“ nun erkennt und man wohl annehmen kann, dass die beiden sich schon verdammt lange kennen und Richard damals in Ketten lag. Mich beschleicht mittlerweile das Gefühl, dass Jacob, „Samuel“, Richard und auch Dogen den Beginn ihrer Geschichte teilen. Richard und „Samuel“ haben auf jeden Fall eine gemeinsame Vergangenheit.

Zur Feier des Tages haut „Samuel“ Richard mit Spocks Würgegriff (ich weiß der geht anders... und man muss ihn weiter oben ansetzen... „Ja, genau!“) K.O. Danach verkündet er, er sei mit allen sehr unzufrieden. Meint er die Anderen oder vielleicht doch eher die gesamte Menschheit? Mit etwas Glück erfahren wir die Antwort in wenigen Stunden. Deshalb wünsche ich euch schon mal richtig viel Spaß bei dem, was Kate so tut, und sage bis dahin:

NAMASTE!

Montag, 8. Februar 2010

„Er wird sie zu den Quellen führen, aus denen das Wasser des Lebens entspringt.“

LA X – Review, zweiter Teil von VIER


Mit diesem kleinen Zitat aus der Offenbarung des Johannes melde ich mich nun immer noch ungläubig und überdies immer noch krank (erwartet also nicht zu viel), aber dafür wieder ein bisschen bibelfester zurück. Hurley führt nun seine Leute wie das Lamm (auf dieses bezieht sich die Bibelstelle) zu einem wundersamen Heilquell. Wir bekommen um und im Tempel eine Menge wirres Zeug zu sehen und ich bleibe zunächst mal bei der Heilplörre, in die Sayid wie bei einer Taufe getunkt wird. Das Wasser war – wie man den Aussagen der Anderen entnehmen kann – sonst kristallklar, doch nun ist es eine Brühe, die aussieht wie zehn Jahre alter, verwässerter Kaffee. Durch Sayid erfahren wir nun endlich auch, was mit Ben passierte, nachdem er von Sayid angeschossen worden war. Sollte Ben also auch gestorben und wiedergeboren worden sein? Hat jeder Andere so eine „Taufe“ hinter sich gebracht oder nur die Führungsriege? Was genau macht es riskanter das Ritual durchzuführen, wenn das Wasser getrübt ist? Okay, es sieht aus wie aus der Kloake gepumpt und wirkt daher nicht gerade gesundheitsförderlich. Ferner scheint die heilende Wirkung abgeschwächt, da Dogens Hand nicht heilt wie bei Claire Bennett („Heroes“). Weshalb Dogen wissen will, wer Sayid verwundet hat, ist auch nicht ganz klar. Bestehen die Risiken weniger für Sayid als für den Verantwortlichen, wenn etwas schief geht? Könnte das trübe Wasser Sayid nicht nur wie Ben das Mitleid und ein Teil seiner Erinnerung nehmen, sondern ihn noch stärker verändern? Doch wenn tatsächlich eine Verbindung zwischen dem trüben Wasser und Jacobs Ableben besteht, wieso ist Dogen dann so überrascht, als er von Jacobs Tod erfährt? Warum wusste Jacob selbst dann nicht, dass Sayids Rettung problematisch werden dürfte? Oder wusste er es und hat es bewusst verschwiegen?

Einige haben ja gemutmaßt, dass es gar nicht Jacob, sondern „Samuel“/Smokey war, mit dem Hurley im Dschungel sprach. Wäre dem so, müsste „Samuel“ nun zu allem anderen auch noch an mehreren Orten gleichzeitig sein können. Aber dann hätte er ja direkt nach Jacobs Tod im Tempel aufkreuzen können, ehe Dogen und Co gewarnt worden wären. Und er müsste auch nicht verschwinden, ehe er sich Ben unter dem Tempel zeigt („Dead is Dead“).

Deshalb gehe ich mal davon aus, dass Jacob auch wirklich Jacob ist und wir nicht künstlich Mindfucks konstruieren sollten, wo vermutlich keine sind. Sayids Rettung hat vor allem symbolische Bedeutung, da ihn nun noch weniger von Ben unterscheidet. Sayid war schon immer so etwas wie Bens dunkles Spiegelbild (da Ben selbst kein Unschuldslamm ist, hat Sayid wiederum durchaus auch gute Eigenschaften und sieht in Ben das Monster). Die beiden sind miteinander eng verknüpft und vielleicht ist Sayids Überleben auch genau deshalb so wichtig, weil er und Ben zusammengehören, verbunden sind. Langsam drängt sich mir die Vermutung auf, dass Bens Gegenpol gar nicht Charles Widmore ist, sondern Sayid. Aber Ben hat letztlich wohl vier Gegenpole – jeden auf einer anderen Ebene: Charles als sein Vorgänger, John als sein vermeintlicher Nachfolger, Sayid aus bekannten Gründen und letztlich Jack als Anführer der Gegenpartei und ewiger Gegenspieler auf der Insel.

Jacob überlässt Hurley ein Ankh in einem Gitarrenkasten. Das Ankh ist ein Symbol der Reinheit, des Lebens und steht zudem für die Macht der Götter. Ein passenderes Symbol für Jacob gibt es folglich kaum. Dogen muss das Ankh jedoch zerstören, um an Jacobs letzte Liste zu kommen – auch sehr symbolträchtig: Jacobs Tod, die Vernichtung des Lebens, das Zerstören des Ankhs, all das muss geschehen damit andere Dinge bewahrt werden (aus Zerstörung entsteht etwas Neues – ein in Hinduismus und Buddhismus weitverbreiteter Grundsatz). Wir können wohl davon ausgehen, dass diese Liste jenen ähnelt, die Richard an Ben überbrachte. Jetzt da Jacob tot ist und Richard nicht mehr mit ihm kommunizieren kann, tritt Hurley an Richards Stelle und wird zum Boten. Vielleicht war Ben auch deshalb „auserwählt“, weil er Hurleys Gabe besitzt. Richard scheint es ja sehr wichtig, dass Emily nicht auf der Insel starb und Ben sie dennoch sehen konnte. Wenn das Monster nur Gestalten von auf der Insel verstorbenen oder als Leiche auf die Insel gebrachten Menschen annehmen kann, wäre für Richard damit ein Beweis erbracht, dass Ben nicht mit „Samuel“, sondern wirklich mit seiner Mutter gesprochen hat. Dann könnte er Tote sehen und mit Jacob im Falle dessen Ablebens auch weiterhin kommunizieren – wie es Hurley jetzt tut.

Jacob lässt Dogen also eine Liste überbringen, auf der die Namen einiger unserer Losties stehen. Wessen Namen stehen wohl auf der „Ur-Liste“, die vielleicht gar nicht gegenständlich existiert, aber zumindest alle anderen Listen beinhalten muss? Vermutlich die der „Kandidaten“. Nahezu sicher gehören zu diesen Kandidaten: Jack Shephard, Katherine Anne Austen, Sayid Jarrah, Hugo Reyes, James Ford und Jin-Soo Kwon. Ebenfalls sehr wahrscheinlich: Sun-Hwa Kwon, Frank Lapidus, Benjamin Linus, Aaron Austen (bzw. Littleton) und John Locke. Und vielleicht noch: Claire Littleton, Desmond David Hume, Rose und Bernard Nadler und Miles Straume.

Die Kandidaten müssen um jeden Preis gerettet werden, weshalb es auch so wichtig ist, dass Sayid überlebt. Sie werden vermutlich gebraucht, um den Man in Black/“Samuel“ zu besiegen. Die anderen Anderen im Tempel wissen von „Samuel“ offenbar mehr als man zumindest von den Anderen um Ben bisher annehmen konnte. Dass es sich bei Dogen, Lennon und Co um Andere handelt, belegt die Anwesenheit von Cindy, Zach und Emma, die ja zu den Anderen übergelaufen sind. Wobei Dogens Truppe weit mehr Ähnlichkeit mit den schleichenden Gestalten aus „...and Found“ haben, als Bens Leute. Als Hurley Dogen berichtet, dass Jacob tot ist, werden die Anderen verdammt nervös. Bislang schienen sie das Monster zwar zu respektieren und lieber auszusperren, aber nicht wirklich zu fürchten. Ben ruft es ja sogar um Hilfe, als Dharmaville unter Beschuss steht und geht später bei ihm beichten. Also entweder weiß Ben nicht, was Dogen und Richard wissen, oder es interessiert ihn nicht. Dass Ben anscheinend weniger weiß als Dogen, Richard oder Lennon lässt den Schluss zu, dass er eine weit größere Sonderstellung hat als wir bisher annahmen, da er dann zwar Anführer der Anderen wäre, aber weit mehr mit den Losties gemein hätte, die ja auch ungemein wichtig sind und dennoch – oder gerade deswegen – im Unklaren bleiben müssen.

Was tun die Anderen, um Smokey draußen zu halten? Sie verstreuen Asche – wie sie auch im Bannkreis um die Hütte oder von Bram verwendet wird. Sie scheint also ähnlich wie Salz als eine Art Dämonenabwehr zu funktionieren, was den Schluss zuließe, dass es sich um keine normale Asche handelt. Um Jacob und „Samuel“ damit in Verbindung zu bringen: Jacob ist Feuer und „Samuel“ ist Qualm, der genau wie ASCHE als Endprodukt einer Verbrennung von Kohlenstoffverbindungen (also organischen Materialien) entsteht.

Das ist erst mal das Wesentlichste rund um den Tempel, was jedoch nicht heißt, dass ich fertig wäre, da es einige auffällige Kleinigkeiten gibt, die ich noch ansprechen will. Da „What Kate does“ immer näher rückt und ich – wie gesagt – noch nicht wieder fit bin, geht es also nun etwas spartanischer weiter.

Nachdem Sayid aus dem heilsamen Taufbecken gezogen wird und Dogen verkündet, dass er tot wäre, fängt Jack genau wie bei Charlie, nachdem Ethan ihn an einem Baum aufgehängt hatte, mit verzweifelten Wiederbelebungsmaßnahmen an. Wie bei Charlie erfolgt wenig später eine Art Wunderheilung – Jack hat wohl wirklich so etwas wie heilende Hände.

Der Sand in Dogens Sanduhr ist weiß, was ein Verweis auf Jacob sein könnte.

Die Anderen schicken eine Rakete als Warnung aus. Es ist nicht das erste mal, dass auf der Insel mit Raketen kommuniziert wurde: Sayid nutzt Feuerwerkskörper bei der Lokalisierung des Funkturms, eine Leuchtrakete lockte die Anderen zum Floß.

In den Tempelmauern (woher weiß Hurley da überhaupt wo er hin muss) finden die Losties Leichen – eine davon ist Montand. Auch das Loch, durch das Ben gekracht ist, muss überwunden werden.

Sayid hat nach seiner Heilung wohl auch einen teil seiner Erinnerung verloren: „What happened?“ („Was ist passiert?“)

Zu allem anderen habt ihr in den Kommentaren schon so einiges gesagt. Ich denke für das Thema Tempel genügt das für heute. Ich setze mich morgen dann mal noch an die Statue. Die LAX-Timeline werde ich vermutlich für „LA X“ und „What Kate does“ zusammenschmeißen und in einem Aufwasch abhandeln.

Freitag, 5. Februar 2010

In the jungle, the mighty jungle, the Jacob died tonight!!!

LA X – Review erste Teil von VIER


Da ich leider immer noch nicht wieder auf dem Damm bin, sondern weiter davor sitze, hielt ich es für das beste mir diesen Staffelauftakt in vier leicht bekömmliche Häppchen aufzuteilen. Da wir auch vier Schauplätze haben (Dschungel/Schwan-Station, Statue, Oceanic 815 und Tempel) schien mir das auch recht sinnig und um wieder ins Schreiben reinzukommen, fang ich mal mit dem Einfachsten an.

„They are coming!“ – mit diesen Worten schied Jacob aus dem Leben und es gab dazu drei gängige Theorien: er meint die Losties aus 1977, er meint seine Bodyguards, er meint eine Macht noch größer und bedrohlicher als „Samuel“ und er selbst. Was er nun gemeint hat, wissen wir nicht. Was wir aber wissen: viele von uns hatten Recht: Das helle Licht am Ende von „The Incident“ war nicht Jughead (zumindest nicht nur), sondern eine weitere Zeitreise. Trotz alternativer Zeitlinie (ich wollte sie erst Jughead-Timeline nennen, bin dann aber aus offensichtlichen Gründen davon wieder weg und nenn sie mal LAX-Timeline) gilt für die Losties aus der Crash-Timeline (der Name erklärt sich wohl von selbst) weiterhin Whatever-Happened-Happened. Wobei wir ja nicht einmal wissen, ob tatsächlich Jughead (ob nun die Bombe oder ein Chirurg, zu dem dieser Spitzname passen würde, sei mal dahin gestellt) die LAX-Timeline verursacht hat. Ich persönlich glaube ja, dass das der letzte große Mindfuck wird und diese neue Zeitlinie immer schon da war und immer da sein wird und die eigene Zeitlinie sich nie ändern lassen wird. Denn wann hat man schon mal gehört, dass eine Wasserstoffbombe Land praktisch unverändert um einige Meter nach unten verlagert? Uns soll suggeriert werden, dass „es funktionierte“ („it worked“), obwohl es in Wahrheit keinerlei kausalen Zusammenhang gibt. Ganz im Gegenteil: Der Vorfall, die Versiegelung im Schwan, Charlottes und Daniels Tod, Richards Aussage über den Tod der Losties, Bens Sayid-bedingtes Trauma – all das ist Teil der Crash-Timeline. Die Theorie der alternativen Realitäten geht davon aus, dass sich jedes Mal, wenn zwei mögliche Ereignisse gleichberechtigt eintreten könnten, beide eintreten – jedes in seiner Realität. Es existiert eine Zeitlinie, in der Jack die Bombe zündet, die Dharma den Schwan baut, Oceanic 815 auf der Insel abstürzt, Ben das Rad dreht, Ajira 316 ebenfalls abstürzt usw., und es existiert eine, in der die Insel versenkt wurde und Oceanic 815 in L.A. landet. Doch wo bzw. wann sich hier die „Astgabelung“ befindet, wissen wir nicht. Man will uns weiß machen, es wäre der Vorfall, aber vielleicht hatte Miles ja recht und die Bombe löste den Vorfall überhaupt erst aus und es ist die Realität, in der Jack die Bombe nicht reinwirft, in der Oceanic 815 landet – logisch, denn war er nie auf der Insel, kann er auch die Bombe nicht zünden.

Wiedereinmal wurden unsere Losties also durch ein helles Licht durch die Zeit (aber nicht den Raum) geschickt. Mir ist dabei ziemlich schleierhaft, warum auch der Schrott, die Bohröffnung und der Van im Jahr 2007 landen. Eigentlich müsste Juliet ja in die Erde teleportiert werden (ähnlich, wenn auch umgekehrt, wie es John beinahe passierte, als er den Brunnen runter zum Rad wollte), doch das Loch und der ganze Kram darin landen ebenfalls im Krater, der einst Schwan-Station hieß. Außerdem hängt Kate auf einem Baum... also wer immer für diese Zeitreisen verantwortlich ist: derjenige sollte mal etwas Zielen üben.

James, der Jack umbringen will, die sonstigen üblichen Schlägereien, Schuldzuweisungen und hysterischen Anfälle lassen mich offengestanden mittlerweile ziemlich kalt – so etwas blende ich aus. Viel bedeutender scheint mir da schon ein gewisser Mann, der plötzlich mitten im Wald auftaucht und sich Hurleys bedient, um über den Tod hinaus Anweisungen weiterzugeben. Tja, da sind Whoopi Goldberg und Haley Joel Osment wohl bald arbeitslos. Jacob trägt Hurley also auf Sayid zu retten und sagt ihm auch wie und ich muss sagen, da wurde ich erstmals verdammt stutzig.

Was für ein Interesse hat Jacob an Sayid? Das fragt man sich schon länger, aber dass er lieber Sayid als Juliet rettet, irritiert mich schon etwas. Denn Juliet hätte man im Tempel vermutlich auch noch helfen können, wenn man es drauf angelegt hätte. Der Tempel bringt Sayid ja auch zurück, nachdem dieser schon tot war. Interessant sind aber auch hier wieder die Parallelen zwischen Ben und Sayid, denn nachdem Sayid Ben angeschossen hatte, wurde auch Ben zum Tempel gebracht und dort geheilt – vermutlich auf die gleiche Weise und vermutlich ist auch er dabei zunächst gestorben. Aber auch der Weg zur Heilquelle ist ähnlich. Einer der Losties erhält den Hinweis, dass man Ben/Sayid dort retten könnte. Ein Dharma-Van wird daraufhin zum provisorischen Krankenwagen umfunktioniert und man fährt damit relativ nah zur Tempelmauer, wo die Losties von Anderen abgefangen werden. Sowohl Ben als auch Sayid stehen auf Jacobs Liste. In Bens Fall genügt eine Nachfrage Richards, bei Sayid ist eine Botschaft von Jacob selbst von Nöten. Sowohl Richard als auch Dogen warnen vor den Gefahren des Heilungsprozesses, wobei die Gefahren für Sayid wohl noch größer waren.

Jacob verhält sich sonst insgesamt recht aufschlussreich. Er vertraut sich Hurley ungewöhnlich stark an – wiedereinmal. Zuerst ignoriert er ihn noch, vielleicht auch, weil er nicht weiß, was er Hurley antworten sollte. Sein Tod scheint Jacob noch immer nicht überhaupt nur im geringsten zu stören. Er redet von seiner Ermordung wie von einem eingerissenen Fingernagel... also wie ein Mann von einem eingerissenen Fingernagel, denn obgleich ich und meine Geschlechtsgenossen ja sonst die Wehleidigkeit in Person sind, gelten Haarbruch und eingerissene Fingernägel bei uns nicht als ernsthafte Verletzungen. Für Jacob sind aber auch zwei Messerstiche und bei lebendigem Leibe verbrennen eher Lappalien.

Als Jacob Hurley dann sagt, wer er ist, gehen dem ja wahrlich die Augen über. Schließlich ist er der einzige Lostie, der mit diesem Namen etwas anfangen kann und so langsam scheint er zu begreifen, wie wichtig er ist, wenn Jacob gerade ihn als seinen Boten auserwählt und ihn auch sonst über die Maßen ins Vertrauen zieht. So offen sprach Jacob vermutlich nicht mal mit Richard.

Die Story um Juliets Tod und Beerdigung will ich eigentlich nicht vertiefen. Sie muss erzählt werden, damit keine Lücken entstehen oder die Logik auf der Strecke bleibt, doch letztlich beinhaltet die ganze Geschichte nur einen interessanten Satz: „It worked“ Aber was hat funktioniert? Außer dem offensichtlichen gibt es da zu viele Möglichkeiten, dass ich erst gar nicht versuchen will sie aufzuzählen.

Zu der Handlung im Dschungel sollte das eigentlich auch reichen. Ich mach dann im Laufe des Wochenendes hier bzw. eigentlich am Tempel weiter.

Euch allen noch ein Schönes Wochenende, man schreibt sich!

NAMASTE!