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Mittwoch, 19. Mai 2010

Letzte Gedanken vor dem wortwörtlichen ENDE

Wie schon angekündigt fasse ich mich heute mal so kurz wie möglich und die einzigen Charaktere, die in dieser Folge gesonderte Aufmerksamkeit brauchen sind Ben und Jack. Zu erst aber eine kurze Schweigeminute für Richard.... guckt nun also bitte auf einen Chronometer eurer Wahl, ehe ihr weiterest. Ab jetzt!

Minute um? Okay, einige fragen sich nun, warum nicht für Zoe und Charles. Ganz einfach: Ich trauer nur um solche, die es nicht verdient haben, zu sterben. Wo wir auch gleich beim Thema Ben sind. Ich habe das starke Gefühl, der heckt schon wieder was aus. Der beabsichtigt sicher nicht MiB zu helfen, wenn er kurz zuvor noch dessen Flucht vereiteln wollte. Sollten Darlton Ben jetzt tatsächlich an MiBs Seite stellen oder ihn für die Macht Jack und Co töten lassen wollen, wäre das eine größere Enttäuschung als alle ungelösten Mysterien zusammen, denn nach seiner "Läuterung" in "Dr. Linus" würde es vorne und hinten nicht passen. MiB hat ihm alles genommen und ihn mehr als einmal benutzt und das ist Ben klar. Ferner habe ich den Eindruck, dass Jacks Ablösung schon recht bald kommt und Ben heißt. Warum?
1. Miles und Richard weisen noch einmal auf Alex Tod hin.
2. Jacob sagt Kate, er habe sie von der Liste gestrichen, weil sie eine Mutter geworden wäre. Folglich wird er Ben wegen Alex gestrichen haben - wie Kate ist Ben wieder frei.
3. Jacob antwortet auf Jacks Frage, wie lange er denn den Job machen müsse: "So lange wie möglich" - das können auch 108 Minuten sein.
4. Ben lebt noch - die Insel ist nicht mit ihm fertig.
5. Ben wird nie zulassen, dass MiB die Insel versenkt und ist im Moment das, was einem Hüter der Insel am nächsten kommt.
6. MiB hat Ben als einzigen bei den Häusern nicht getötet - vielleicht kann er es nicht
7. MiBs wiederholter Versuch Ben Jacobs Posten anzudrehen, könnte ein Hinweis darauf sein, dass MiB hofft, Ben würde ihn - anders als die anderen Kandidaten gehen lassen.
8. Es wäre die einzige Möglichkeit der Kandidatenfrage im Finale noch eine überraschende Wende zu geben.
Zu der Frage, warum Ben nun Charles erschießt, gibt es drei Möglichkeiten:
1. Wie er gesagt hat, weil er Charles nicht die Chance geben wollte, zu tun, was er nicht konnte: Seine Tochter retten.
2. Weil er verhindern wollte, dass MiB von Charles die entscheidende Information erhält.
3. Aus bloßer Rache, die er erst ausführen konnte, wenn die Insel mit Charles fertig war.

Zu Jack: Der nimmt also Jacobs Posten an. Jacob selbst kann für kurze Zeit ins Leben zurückkehren - bis die Asche vollständig verbrannt ist. Aber warum entscheidet sich Jack für den Posten? Klar, er hat einige Veränderungen durchgemacht, aber man macht nicht von heute auf morgen eine Drehung um 180° und bei Jacob denke ich immer, dass er noch etwas im Hinterkopf hat. Jack ist nun also wie Jacob und folglich müsste es für MiB damit doch gelaufen sein, sofern es ihm halt nicht gelingt, die Insel zu versenken und... Moment mal! Kommt euch das auch so bekannt vor?

Da die Flash Sideways und der Rest sich eigentlich von selbst erklären und ich mich nur noch frage, ob Jacob tatsächlich die Wasser-in-Wein-Nummer durchgezogen hat, vertage ich alles übrige auf Montag und gebe euch lieber die Gelegenheit fleißig die Kommentarfunktion zu bemühen.
Bis dann, Namaste!

Donnerstag, 29. April 2010

„See you in another life, brotha!“

The Last Recruit – Review Part II:

Zunächst einmal: Sorry, dass es solange gedauert hat, aber ich war am Wochenende nicht so wirklich auf der Höhe und hab schreibtechnisch Nichts auf die Reihe bekommen: „Omega“ blieb ebenso liegen wie die zweite Hälfte der Review. Aber wir haben ja eh’ eine Woche Pause und so ist es vielleicht gar nicht mal so schlecht, dass sich das nun etwas streckt, verkürzt euch dann hoffentlich wenigstens die Wartezeit auf „The Candidate“.

Bevor ich jetzt zu den Flash Sideways komme, noch mal ein paar Worte zum ersten Teil, wo ja viele ihren Unglauben gegenüber der Jack-Ist-Gestorben-Theorie geäußert haben. Ich selbst bin auch nicht 108%ig davon überzeugt und wäre gewiss nicht happy darüber, aber es scheint mir dann doch irgendwie darauf hinauszulaufen, obwohl es nicht völlig stimmig wäre. Doch wenn uns Staffel 6 eines gelehrt hat, dann doch: auch bei „Lost“ ist nicht immer alles vollkommen logisch... leider passieren auch hier ab und an Schnitzer in der Handlung, die gravierender sind als ein falsches Geburtsjahr. Was mich dann viel mehr stört ist, wenn dann als Lösung zu solchen Fragen immer eine der folgenden fünf Erklärungsmodelle herhalten muss:

1. Jacob war’s.

2. MiB war’s.

3. Die Insel war’s.

4. Es ist eine Halluzination.

5. Die marode Raum-Zeit oder eine alternative Zeitlinie ist schuld.

Der letzte Punkt ist dann auch eine gute Überleitung zu den Flash Sideways, wo Desmond in bester Jacob-Manier lose Enden zusammenfügt und so langsam aber sicher seinen Teppich knüpft. In der letzten Folge sahen wir Desmond zuletzt, als er John nach einem kurzen Plausch mit Ben über den Haufen gefahren hat. Ben sitzt mittlerweile neben John im Krankenwagen und versucht sein Möglichstes dem Sanitäter und Locke zu helfen. Leider kann er nur mit zwei sachdienlichen Informationen aufwarten: John war bereits querschnittsgelähmt UND sein Nachname ist Locke. John kommt zu Bewusstsein und keucht Ben zu, er solle Helen Norwood finden – er habe sie heiraten wollen. Ben erwidert, das werde er auch. Die Ironie dieser ganzen Konstellation muss man wohl kaum noch mal hervorheben, oder?

Sie erreichen das Krankenhaus zeitgleich mit Jin und Sun, die angeschossen auf einer Trage liegt und bei Johns Anblick immer wieder panisch schreit: „It’s Him!“ („Das ist Er!“) – okay, ist eigentlich etwas albern den Untertitel wiederzugeben und dann zu übersetzen, doch diese spezielle Phrase erkennen wir wohl im Englischen bald besser wieder als im Deutschen. Sie erinnert sich offenkundig – aber an wen? Sie sagt keineswegs „Das ist John“, sondern „Das ist Er!“ und jeder von uns weiß mittlerweile, dass, wenn von „Ihm“ die Rede ist, nicht zwangsläufig Jacob gemeint ist (wie man uns lange weismachen wollte), sondern meist der Mann in Schwarz und den glaubt Sun in John nun wiederzuerkennen. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass sie den Mann in Schwarz im Gegensatz zu den meisten (und vor allem zu uns) einzig und allein in der Gestalt John Lockes kennt.

Derweil sitzt Kate nun bei James Ford auf dem Polizeirevier und wieder einmal beweist sie uns, dass sie in Sawyer...ähm in James natürlich lesen kann wie in einem Buch – ungeachtet der Zeitlinie. Mehr als das und die Antwort auf die Frage, warum James Kate am Flughafen laufen ließ, kann uns diese Szene dann auch nicht wirklich bieten. Miles taucht auf und so wird gleich ein weiterer Lebensfaden in den Teppich der Alternativen Zeitlinie eingewoben. Eine gute Gelegenheit mal einen Blick auf die Verknüpfungen der Alt zu werfen. Fassen wir noch einmal zusammen:

· Kate und Claire treffen sich im Taxi, das Kate entführt. Später helfen sie einander, wobei sie unter anderem Ethan treffen.

· Kate trifft nun (in „The last Recruit“ bzw. eigentlich ja schon in „Recon“) erneut auf Detective James Ford (alias Sawyer alias Jim LaFleur), der mit Miles zusammenarbeitet und auf der Jagd nach Lockes Vater ist.

· Die beiden nehmen nun bald Sayid fest, der kurz zuvor Keamy, Omar und Mikhail über den Haufen geschossen und Jin befreit hat, der mit Sun gerade bei dem Krankenhaus ankommt, in dem Jack arbeitet.

· Auch Locke, der jetzt mit Ben und Arzt zusammen an einer Schule arbeitet, nachdem Rose, zu der Hurley John geschickt hatte, ihm nicht so recht weiterhelfen konnte, wird zeitgleich mit Sun dort eingeliefert, weil Desmond ihn umgefahren hat.

· Desmond wiederum arbeitet für Charles, der ihn im Auftrag von Eloise und für Daniel losschickt, um Charlie aufzugabeln.

· Dabei wird er von George gefahren.

· Charlie und Daniel brabbeln etwas von ihrer großen Liebe: Claire bzw. Charlotte.

· Charlotte ihrerseits hatte ein Date mit James.

· Und Claire? Die begegnet Desmond nun zum zweiten Mal (wie zuvor schon Hurley) und trifft bei Anwältin Ilana auf ihren Halbbruder Jack, der kurz darauf weggerufen wird, weil er John operieren soll.

· Jacks Sohn Dave bewirbt sich bei der selben Musikschule wie Dogens Sohn auch.

· Wo wir bei Schulen sind: Ben ist nun der Geschichtslehrer von Alex.

· Außerdem trifft Hurley noch Libby wieder.

Hab ich wen vergessen? Ich hoffe nicht... bis auf Frank sind also alle, die in der Original-Zeitlinie noch leben, und auch der überwiegende Anteil der bereits verstorbenen auch fern des Flughafens wieder miteinander verknüpft. Klar, man könnte jetzt noch bei jeder Begebenheit ganz doll ins Detail gehen, aber im Wesentlichen läuft es doch darauf hinaus, dass sie alle wieder zusammenfinden und wenn es nicht von selbst klappt, hilft Desmond etwas nach – nimmt Kurskorrekturen vor. Apropos Desmond: Mir kommt gerade mal so eine total verrückte Idee: vielleicht hat Sayid ihn in der Original-Zeitlinie ja doch erschossen, aber da für Desmond die Regeln nicht gelten, kann sein Bewusstsein aus der Alt jetzt rüber – was theoretisch auch MiB mit Johns Körper passieren könnte, denn der Locke in ihm schlägt ja immer öfter durch.

Desmond passt Claire in der Alternativen Zeitlinie ab, als die zum Adoptionsbüro unterwegs ist, und schleift sie zu einer Anwältin, die schon händeringend nach einer gewissen Claire Littleton, die im Testament eines ihrer Klienten bedacht wird, sucht: Ilana Verdansky. Wunder gibt es immer wieder – heute oder morgen können sie geschehen – meistens dann, wenn Jacob – in der Nähe ist. Sorry, aber seit ich gestern diese Honda-Werbung im Lokalradio gehört habe, geht mir dieser Song nicht ausm Kopf... . Wo war ich? Oh, ja ganz zufällig taucht auch Jack bald auf, weil er mit David der Testamentseröffnung beiwohnen will. Kaum hat Jack Claire kennen gelernt, wird aber schon ins Krankenhaus gerufen: Ein Notfall – ein glatz- und überaus dickköpfiger Notfall um genau zu sein. Denn wen bekommt Jack da auf den Tisch? Natürlich jenen Mann, den er schon am Flughafen am liebsten gleich vor Ort auf dem Gepäckband operiert hätte – einfach, damit er mal wieder was hinkriegen kann. Man kann schon ahnen worauf das hinausläuft: Dieses Mal ist es keine Insel, die John heilt und ein nicht ganz freiwilliger Eingriff wird ihm auch keine Niere stehlen, sondern die Fähigkeit zu Laufen wiedergeben. Kurzum: Jack’s gonna fix it!

Was noch? Zu Sun im Krankenhaus und Sayids Festnahme kann man wenig sagen. Außer vielleicht: James beweist mal wieder sein Können in Sachen Planung, denn die Nummer mit dem Gartenschlauch war kultverdächtig. Aber damit verbleibe ich wohl dann auch bis nächste Woche zu „The Candidate“, denn letztlich war diese Folge wohl die letzte Bastion vor dem bombastischen Showdown und die zweiwöchige Pause ist – wie Gandalf es nannte: „Das große Luftholen vor dem Sprunge!“ Schönes Schlusswort: Bis zum Kandidaten, der passender Weise kurz vor der Landtagswahl läuft – aber es gibt bekanntlich keine Zufälle!

Sonntag, 18. April 2010

Review zu "Everybody Loves Hugo" and...

...Hugo loves Chicken... and Libby. Keine Sorge: es geht auf Deutsch weiter. Apropos: Wer hat Lust, Wetten auf den deutschen Titel abzuschließen? „Alle lieben Hugo“? Ach, kommt! So naiv ist doch wohl keiner. Wie wäre es denn mit „Rollstuhl ins Krankenhaus“, „Hühnchengrill in die Psychiatrie“ oder „Hugo liebt alle“ – im Zweifelsfall ginge noch „Am vierten Mai sind wir bei Ihnen“ (Inside-Joke ;-) ).

Die Folge beginnt mit einer wohl vertrauten Stimme... Hand hoch, wer erkannt hat, dass es Pierre Chang ist, bevor man ihn gesehen hat! Komisch nur, dass Pierre uns den Richard macht, denn er ist um keinen Tag gealtert, seit wir ihn zuletzt in 1977 sahen – das sind fast 30 Jahre. Da ich den LOST-Machern einen derart plumpen Fehler nicht so wirklich zutraue, stellt sich also die große Frage, die sich bei der Serie ja ständig stellt: Warum? Hat Jacob ihm auf die Schulter geklopft? Hat er ein Bild von sich malen lassen, das an seiner Statt altert? Ist er ein Klon?

Und noch eine Frage, die mit „Warum“ beginnt: Warum ist der Preis, den Hurley verliehen bekommt, eine matte Plexiglasscheibe in Form eines T-rex mit Haltungsschaden? Oder anders ausgedrückt: Wieso verleiht die paläontologische Abteilung des Naturkundemuseums ihm überhaupt einen Preis? Na ja, halten wir uns nicht damit auf, sondern schreiten in den Flash Sideways weiter voran. Hurleys Mutter schickt ihn zu einem Blind Date, weil er noch immer keine Frau hat. Es gibt halt so Sachen die ändern sich nie und so sind auch in dieser Realität die einzigen „Chicks“, an denen Hurley Interesse hat, die von Mr. Cluck’s.

Statt seiner Verabredung (eine gewisse Rosalita, Tochter des Nachbarn von Hurleys Opa Tito) taucht eine durchgeknallte Blondine an Hurleys Tisch auf. Nein, nicht Paris Hilton! Und auch nicht Britney Spears, Miss Barbie oder Thomas Gottschalk... denn ich würde mich hüten, eine von denen als „durchgeknallt“ zu bezeichnen, denn die haben gutbezahlte Anwälte. Die Rede ist natürlich von Elizabeth „Libby“ Smith, von der man uns seit Jahren weiß machen will, sie sei nicht mehr von Bedeutung für die Story. LAX-Libby war nie an Bord von Flug 815 und hat nie die Psychiatrie verlassen, in der Hurley im Übrigen nie gelandet ist. Doch Santa Rosa selbst ist der entscheidende gemeinsame Nenner beider Libbys – der aus der Original-Zeitlinie und der aus den Flash Sideways. Bislang ist Libby die einzige Person, die sich auch ohne Nahtoderfahrung, Spiegel etc. nicht nur an das andere Leben erinnert, sondern sogar recht genau weiß, was sich da so abgespielt hat. Hurley nur im Fernsehen zu sehen, genügte ihr als Schlüsselreiz. Sie hat also offenkundig eine besondere Verbindung zu der anderen Realität und wird nicht zuletzt deshalb für verrückt gehalten. Da drängt sich doch eine Frage auf: Konnte die andere Libby ebenfalls beide Realitäten wahrnehmen? Und wenn nicht, liegt es dann daran, dass sich diese Realität tatsächlich nicht parallel zu der anderen abspielt, sondern erst danach zuträgt? Denn es ist schon komisch, dass sowohl Charlie als auch Desmond und Libby sich an Ereignisse erinnern, die sich zum gleichen Zeitpunkt in der Crash-Timeline noch gar nicht zugetragen hatten. Desmond erinnert sich mit Charlies Tod und „NOT PENNY’S BOAT“ am 22.9.2004 der LAX-Timeline an ein Ereignis, das sich in der Crash-Timeline erst am 21.12.2004 zuträgt – also ganze drei Monate später. Und da muss man doch bei allen Wurmlöchern, Brücken in andere Realitäten und so weiter fragen: Wie ist das bitte möglich? Einen Blick in ein anderes Leben erhaschen und Erinnerungen daraus mitnehmen ist das eine, sich an etwas zu erinnern, das sich selbst in einem anderen Universum noch gar nicht ereignet hat, ist noch mal was ganz anderes. Zunächst wird Libby aber von Dr. Brooks zurück in den Bus gezerrt, der nach Santa Rosa zurückfährt – oder, um einen meiner Lieblingsfilme zu zitieren: „Schwachsinnige, euer Bus fährt gleich!“ (für alle, die es nicht erkannt haben, hier noch ein paar: „Willst du lieber hier draußen oder im Wagen kotzen?“ – „Ich glaube... BEIDES!“; „Und fahre nie, nie, nie auf Eisenbahnschienen!“; „Sie sind wirklich noch nicht lange dabei, was? Wissen Sie, Menschen mögen auch Blutwurst und so was! Menschen sind Schwachköpfe!“; „Haben Sie manchmal Déjà-Vus, Mrs. Lancester?“ – „Ich glaub nicht, aber ich könnt ja mal in der Küche nachfragen.“). Ich schweife schon wieder ab.

Hurley geht in einem SEINER Lieblingsrestaurants was essen – also in einer Filiale von Mr. Cluck’s Hühnchengrill. Dort trifft er – was für ein ungeheurer Zufall – auf Desmond, der sich nach kurzem Smalltalk zu ihm setzt und feststellt, Hurley habe da eine ganz schöne Menge Hähnchen, woraufhin Hurley erwidert, er esse, wenn er deprimiert sei – so deprimiert kann keiner sein! Außerdem meinte er doch im Flugzeug noch, er sei der glücklichste Kerl der Welt... vermutlich isst er auch, wenn er glücklich ist. Da Desmond ja egal in welcher Realität ein Näschen (okay, in Desmonds Fall: Nase) dafür hat, wenn eine Frau im Spiel ist, fragt er Hurley gerade heraus: „Ah! So what's her name?“ („Ah! Klar, wie ist ihr Name?“) Hurley teilt Des seine Bedenken aufgrund von Libbys Geisteszustand mit und erwähnt dabei auch, sie habe gedacht, sie würden sich schon kennen. Da bei Desmond wohl schon sämtliche Alarmglocken läuten, rät er Hurley, der Sache auf den Grund zu gehen. „42! Order 42!“ – Desmond Hühnchen wartet darauf, gegessen zu werden.

Hurley fährt also nach Santa Rosa und als großzügiger Spender darf er dann auch mal mit Libby reden. Was die ihm erzählt, ist ja bekannt. Nichtsdestotrotz erklärt sich hier auch, warum wir wohl ausgerechnet am Ende von „Dave“ erfuhren, dass auch Libby in Santa Rosa war, denn die Szene mit Hurley und Libby in der alternativen Zeitlinie weist gewisse Parallelen mit „Dave“ auf. Da wäre etwa der Glaube, dass etwas im eigenen Leben nicht stimmt, die Idee es sei ein Traum – Libby überzeugt Hurley an der Klippe davon, dass sie und die Insel sehr wohl real sind. Jetzt überzeugt sie ihn erneut davon – allerdings von der anderen Seite aus. In „Dave“ ist es Hurley, der glaubt Libby bereits zu kennen – nun ist es umgekehrt. Aber es gibt noch eine andere Schnittstelle zwischen den Realitäten und das ist der Typ im Hühnerkostüm. In „Everybody Hates Hugo“ gab es diese bizarre Traumsequenz, in der Hurley nicht nur Jin versteht, sondern in der auch ein Typ im Hühnerkostüm rumsteht – der gleiche Typ, den wir auf einem Foto bei der Preisverleihung sehen (siehe Header). Die offenkundigste Verbindung zur Insel ist natürlich das Picknick, das die zwei nun endlich machen können, was auch in der Insel-Handlung aufgegriffen wird. Hier erinnert sich Hurley dann auch durch einen Kuss (wie romantisch...^^) an die Insel zurück.

Die letzte Flash-Sideways-Szene beschäftigt sich jedoch nicht mit Hurley und Libby, sondern mit Desmond, Ben und John. Die Frage, mit der wir aus der Episode entlassen werden, ist natürlich: Warum wartet Desmond auf John, nur um ihn dann über den Haufen zu fahren? Der offenkundigste Grund wäre wohl, dass er John eine Nahtoderfahrung bescheren wollte, was – wie einige schon anmerkten – wohl auch etwas geschickter bzw. risikofreier möglich gewesen wäre. Auch die Annahme, der Anschlag gelte gar nicht locke, sondern MiB, der Desmond in den Brunnen wirft, stand im Raum. Seit Beginn der fünften Staffel wissen wir ja, wie wirsch Desmonds Erfahrungswelt manchmal ist. Zumindest schlägt Desmond, wenn auch eher unbewusst, zwei Fliegen mit einer Klappe, denn neben John erreicht er auch Ben, der zunächst noch mit Desmond spricht und dann der erste ist, der John zu Hilfe eilt. Beides deutet auf Bens guten Kern hin, den er in der Originalzeitlinie viel zu selten zeigen konnte. Er sieht Desmond im Auto sitzen und geht zu ihm hin, was auf jeden Fall aufmerksam ist, denn neben dem von Ben gemutmaßten und dem von Desmond vorgeschobenen Grund, gäbe es ja noch einen weiteren, warum ein erwachsener Mann alleine im Auto sitzen und die Kinder beobachten könnte. Und so misstrauisch wie Ben zu Beginn des Gespräches noch war, kann man wohl davon ausgehen, dass er auch diese Möglichkeit in betracht gezogen hat. Als John dann am Boden liegt, ist Ben sofort bei ihm, was – in Anbetracht der anderen Zeitlinie – nicht einer gewissen Ironie entbehrt. Nur könnte gerade Bens Anwesenheit der nötige Schlüsselreiz sein, den John braucht, um sich zu erinnern. Gleichzeitig könnte Ben so – ohne je an Bord von Flug 815 gewesen zu sein – wieder involviert werden.

So, jetzt bin ich wahrlich reif für die Insel: Hurley sitzt an Libbys Grab und hier trifft ein Ausspruch, der noch nie treffender war: Es ist Gras über die Sache gewachsen – ein Brüller! Hurley redet also mit Libby und man sollte doch meinen, dass der Typ, der tote Menschen sieht und auch mit ihnen spricht, kein Grab bräuchte, um mit Libby zu kommunizieren. Aber komischer Weise taucht die ja nie in bei Hurley auf – Dave, Charlie, Ana, Eko, Jacob, Isabella und sogar Michael, aber keine Libby und das, obwohl Jacob sagte, Hurleys Gabe ermögliche es ihm doch, mit jenen zu sprechen, die er verloren habe, und sei genau deshalb kein Fluch, sondern ein Segen. Ilana kommt kurz vorbei, um Hurley ihren glorreichen Plan mitzuteilen, und verschwindet sofort danach wieder.

Wie aus dem Nichts taucht Michael auf und warnt Hurley, er müsse Ilanas Vorhaben vereiteln, weil sonst alle sterben werden. Moment mal? Isabella sagt Hurley, er müsse Richard sagen, dass der Mann in Schwarz daran gehindert werden muss, die Insel zu verlassen, weil sonst alle zur Hölle fahren. Auch sonst wird immer wieder klar gestellt: Flieht MiB, geht die Menschheit zugrunde. Und jetzt soll plötzlich der Plan, der MiBs Flucht unterbinden soll, alle umbringen? Wie wir später erfahren, ist Michael genau wie MiB auf der Insel gefangen. Jeder Sünder sitzt hier an der Höllenpforte fest, bis er gesühnt hat...oder aber der Korken aus der Flasche fliegt. Wenn Michael und die Verursacher des Flüsterns (sofern man Michael Angaben und Hurleys Vermutung Glauben schenkt) also wie MiB auf der Insel festsitzen, wäre es da nicht möglich, dass sie ein gewisses Interesse an der Flucht von MiB hätten, da das auch für sie die Freiheit bedeuten würde. Michael ist nun wahrlich nicht für seine Ehrlichkeit und seinen Altruismus bekannt – keine sehr vertrauenswürdige Person, wenn ihr mich fragt. Wäre es wirklich Jacobs Wille, Richards Vorhaben zu vereiteln, käme er persönlich, denn sein sonstiges Vorgehen (bloß nicht einmischen) hat er für Hurley und Richard gleichermaßen schon vor langer Zeit außer Kraft gesetzt. Ich hätte auch Eko, Ana oder Charlie geglaubt, wenn einer von denen bei Hurley aufmarschiert wäre – aber Michael? Man sollte zumindest in Betracht ziehen, dass Michael seine eigenen Interessen verfolgt und die mit „Samuels“ Flucht Hand in Hand gehen, auch wenn Walts Schicksal dabei ungewiss ist, denn Walt ist ja letztlich der einzige Mensch, für den Michael sich – abgesehen von sich selbst – interessiert.

Ilana kommt bald vom Sprengstoffshopping zurück und macht trotz aller Warnungen mal ganz flott den Arzt. Warum nun ausgerechnet Ilana, die nicht unter dem besonderen Schutz der Insel steht (im Gegensatz zu Richard und den Kandidaten), mit dem Dynamitschleppen betraut wird, leuchtet nicht so wirklich ein. Da waren die Losties (allen voran Ilana selbst) nun mal wirklich selten dämlich. Doch bevor Ilana sich selbst über die Insel verteilt, äußert Hugo, Jacob habe ihm nichts über das Sprengen des Flugzeugs gesagt. Mag sein. Aber Jacob hat schon gesagt, Richard wisse, was zu tun ist. Folglich will Jacob zumindest, dass Richard tut, was er zu tun beabsichtigt. Ganz abgesehen davon, hat Jacob auch nie etwas gegenteiliges angeordnet. Er ist es ja nicht, der zu Hurley kommt und ihm aufträgt, Richard zu stoppen. Auch ist es derzeit irrelevant, ob alle anderen, die Insel verlassen können oder nicht. Solange man vom U-Boot nichts weiß, muss man davon ausgehen, dass nur das Flugzeug MiB eine Flucht ermöglichen würde, denn könnte er das Rad benutzen, hätte er es schon längst getan. Ist es aber wirklich das Flugzeug, das der Mann in Schwarz braucht, so drängt sich die Frage auf, ob dann auch er und nicht Jacob den Bau der Lande- und Startbahn anordnete. Denn sollte sie in Jacobs Auftrag entstanden sein, will er wohl wirklich nicht, dass man das Flugzeug zerstört. Aber wie soll man MiB sonst an der Flucht hindern, wenn man nicht in bester John-Locke-Manier alle Fluchtmöglichkeiten endgültig unterbindet: sie also sprengt. Die Taktik funktioniert aber auch andersherum und so sprengt Hurley statt dem Flugzeug den Sprengstoff selbst in die Luft.

Bevor wir aber weiter voranschreiten, sollten wir noch einen Blick auf die vielleicht klügste Aussage der Folge werfen und die kommt – wie sollte es auch anders sein – von Ben: „Ilana. There she was – handpicked by Jacob, trained to come and protect you candidates. No sooner does she tell you who you are, then she blows up. The Island was done with her. Makes me wonder what's gonna happen when it's done with us.“ („Ilana. Da war sie – von Jacob handverlesen, ausgebildet, um her zu kommen und euch Kandidaten zu beschützen. Kaum hat sie euch erklärt, wer ihr seid, wird sie in die Luft gejagt. Die Insel war fertig mit ihr. Da frag ich mich doch, was wohl passiert, wenn sie mit uns fertig ist.“) Es gibt also ganz offenkundig eine Macht, die noch über Jacob und MiB steht und das Ganze lenkt, darauf achtet, dass die Regen eingehalten werden etc.. Ob man diese Macht jetzt in der Insel selbst sieht oder in einer Kraft, die in und auf ihr existiert, wäre bei unserem jetzigen Wissensstand wohl Haarspalterei und wird es vielleicht auch immer bleiben. Sicher ist wohl nur, dass Jacob Ilanas Tod nicht bestimmt oder zugelassen hat, denn er würde sie nicht zum Schutz der Kandidaten ausbilden und auf die Insel holen, nur um sie dann abzuhaken. Ihren Todeszeitpunkt bestimmte die Insel. Ferner sagt Bens Feststellung über ihn selbst, Frank und Miles etwas entscheidendes aus: Die Insel ist noch nicht mit ihnen fertig, denn obwohl sie weder Kandidaten noch von Jacob mit Unsterblichkeit „gesegnete“ sind, bleiben sie am Leben und gerade Ben hat schon Dutzende Situationen überlebt, in denen er ebenso gut hätte sterben können. Daraus folgt also, dass Ben, Frank und Miles auch noch ihren Part zu spielen haben, denn ist es nicht die Insel, die sie am Leben hält, so ist es Jacob und er hat noch etwas mit ihnen vor – denn Richard stirbt nicht, weil er wie die Kandidaten und Ben von Jacob berührt wurde. Wir können also in jedem Fall davon ausgehen, dass jeder der verbleibenden Charaktere noch eine Aufgabe vor sich hat, die er oder sie erfüllen muss, ehe es mit ihm/ihr zuende geht. Ilana starb weil Insel und Autoren sie nicht mehr benötigten und wohl auch, weil es mal wieder Zeit wurde, dass ein Hauptcharakter stirbt.

Hurleys Aktion mit dem Sprengstoff führt zu einer hitzigen Diskussion zwischen Richard und Hurley, die Ben und Jack schon längst als Führungspersönlichkeiten abgelöst haben. Richard will zum Dharma-Dorf zurück, um dort Sprengstoff zu holen (auf die Idee hätte er mal früher kommen können – Ilana hätte das wohl besonders gefreut). Ausgerechnet Jack, der sich sonst so verhielt wie Richard jetzt, will in Ruhe darüber reden. Jacobs Spiegel-Kaputt-Hau-Therapie scheint langsam Früchte zu tragen: Jack vertraut nun auf Jacob und die Insel, er ist ein Mann des Glaubens geworden. Er hat verstanden, dass man manchmal warten muss, wie die Dinge sich entwickeln. Wie der Mann in Schwarz treffender Weise in dieser Folge selbst sagt: „There's a difference between doing nothing and waiting.“ („Es gibt einen Unterschied zischen Nichtstun und Abwarten.“). Hurley insistiert, es sei Jacobs Wille, dass sie mit dem Mann in Schwarz sprechen, woraufhin Ben ihn fragt, ob er vorhabe, sie alle umzubringen. Hurley behauptet, es sei Jacobs und nicht sein Wille. Richard durchschaut den Bluff und zieht mit Ben und Miles Richtung Dharma-Dorf. Ben geht vermutlich mit, weil er wie Richard nicht glaubt, es sei Jacobs Wille, dass sie mit MiB sprechen. Hier zeigt sich mal wieder sehr eindeutig der Unterschied zwischen Jacob und MiB: Jacob lässt den Leuten die Wahl, woran sie glauben wollen, agiert gerade so viel wie eben nötig, gibt nie einen klaren Beweis für seinen Plan. Der Mann in Schwarz hingegen ordnet einfach an. Warum Miles mitgeht erfahren wir im übrigen sehr klar und deutlich von ihm selbst: „I saw that thing in action, man. It doesn't want to talk. Sorry.“ („Ich hab dieses Teil in Aktion gesehen, Alter. Es will nicht reden. Sorry.“). Die anderen schließen sich Hurley an: Sun weil sie Jin wiedersehen und von der Insel weg will, Frank aus einem ähnlichen Grund (also nicht wegen Jin, sondern weil er weg will.. obwohl?! Wer weiß!? ;-) ) und Jack... ? Ja, Jack geht tatsächlich mit, weil er nun an Hurley und Jacob glaubt (Wie gesagt: Spiegel kaputt hauen!). Hurley gesteht Jack aber, er habe einfach behauptet Jacob dort zu sehen, damit ihm alle zuhören. Tja, Hurley, da sind Ben und Richard aber wahrlich das falsche Publikum für, denn den Trick haben die zwei erfunden – Ben hat ihn sich sogar patentieren lassen.

Man hört das altbekannte Flüstern im Dschungel und Hurley hat langsam eine Idee, was das ist und geht tiefer in die Büsche rein, wo er erneut auf Michael trifft. Den Teil hatten wir aber im Wesentlichen schon geklärt: das Flüstern sind Seelen, die wegen ihrer Sünden auf der Insel festsitzen. So viel zum Thema: Die Insel ist nicht das Fegefeuer.. ja, nee, is’ kla’! Michael weist Hurley den Weg zu MiBs Lager und das ist wohl ein guter Zeitpunkt, um auch auf die Story rund um MiB zu sprechen zu kommen.

Zu Beginn der Folge schnitzt „Samuel“ gerade an einem Holzpflock – falls sich Vampire auf die Insel verirren sollten (Michael Emerson bekundete ja schon öfters Interesse an einer Gastrolle in „True Blood“... also, wer weiß). James ist langsam verdammt angepisst, weil sich so gar nichts tut. Insbesondere weil MiB gar nichts tut... nein, er tut durchaus etwas: er wartet. Worauf? Auf besseres Wetter? Darauf, dass der Pflock ihm sagt, dass er ein Pflock werden will? Oder vielleicht auch ein – Achtung, besonders armseliges Wortspiel – Flocke? Nein, er wartet darauf, dass Jack, Sun und Hurley von alleine zu ihm kommen.. was für eine bescheuerte Idee! Na, da kann er lange warten! So dumm sind die nicht... die... die... ach, die tauchen am Ende der Folge ja tatsächlich bei ihm auf. Na dann... Was noch? Oh, stimmt! Mein spezieller Liebling (Sayid) möchte mit meinem anderen speziellen Liebling (MiB) unter vier Augen reden.

Sayid führt MiB also zu Desmond, der, obwohl er aus freien Stücken mit Sayid mitgegangen ist, von dem vorsorglich dennoch an einen Baum gefesselt wurde. Die Szene hat mich sehr an die Szene mit Ben und Sayid in „The Final Episode“ (eine Lost-Parodie mit den Originaldarstellern aus dem Jahre 2007) erinnert. MiB entschuldigt sich für Sayid, dass der Desmond gefesselt habe, aber Sayid habe wohl befürchtet, Des könne fliehen, ehe MiB die Gelegenheit gehabt hätee, mit ihm zu sprechen. Desmond erwiderte: „I have nowhere to run to, brother.“ („Ich habe nichts, wo ich hinfliehen könnte, Bruder.“) – „Well, if that's not the best argument against captivity that I've ever heard, I don't know what is.“ („Na, wenn das nicht das beste Argument gegen Gefangenschaft ist, das ich je gehört habe, dann weiß ich nicht was dann.“) Er muss es ja wissen ;-). Desmond und MiB machen also einen kleinen Spaziergang, bei dem ihnen auch ein gewisser Junge begegnet, dessen Identität uns noch immer nicht bekannt ist. Zumindest nervt er MiB gehörig und noch mehr nervt es ihn, dass Desmond ihn wahrnimmt und trotz seiner strikten Anordnung, den Jungen zu ignorieren, weiter von ihm redet. Ferner erwähnt Desmond bei dem Spaziergang, dass nicht er besonders sei, sondern die Insel einfach für jeden von ihnen etwas bereit hielte. Zu meiner Überraschung stimmt MiB ihm zu, wo er doch allen anderen erzählt, die Insel sei nur ein blöder Felsklotz.

MiB und Desmond erreichen einen (aber nicht den) Brunnen. Tja, und was macht MiB nach etwas Smalltalk? Er schmeißt Desmond in den Brunnen. Ich finde, das Gespräch davor erklärt sich in weiten Teilen von selbst. Interessant wäre allenfalls die Frage, ob MiB und/oder Jacob zu denen gehörten, die Löcher gebuddelt haben und/oder einer der beiden, den anderen befreiten? Da wo Brunnen sind, hat der Korken Löcher, oder?

MiB kehrt also in sein Lager zurück, wo bald darauf Hurley aufkreuzt und der macht in einem Punkt, dann doch etwas richtig: er redet vor MiB. Und ich denke, damit können wir die Review abschließen und „Everybody Loves Hugo“ zu den Akten legen. Wir lesen uns zu „The Last Recruit“. Macht’s bis dahin gut! Oder auch nicht... macht, was ihr gerne machen möchtet.

Mittwoch, 14. April 2010

Everybody Loves LOST - Erste Eindrück zu "Everybody loves Hugo"

"Lost ist zurück!", werden einige heute morgen (oder schon letzte Nacht) gedacht haben. Nach ein paar Folgen, die man mit etwas gemischten Gefühlen sah, geht es nun wohl wirklich aufs große Finale zu. Endlich mal wieder eine Folge mit überraschenden Wendungen, Antworten und neuen Fragen.
Ilana macht also den Arzt und wie Ben messerscharf feststellt wohl, weil die Insel mit ihr fertig war. Ich muss sagen: ich hab mich gleich gewundert, warum ausgerechnet die einzige Person, die unter Garantie nicht unter Jacobs besonderem Schutz steht, mit dem Dynamit, das schon einige Jahre übers Verfallsdatum ist, da rumläuft. Hurley, Jack, Sun oder Richard wäre unter Garantie nichts passiert. Aber vermutlich war es einfach mal wieder Zeit für einen toten Hauptcharakter und da der Rest in jeglicher Hinsicht noch benötigt wird, traf es die Figur, die für Insel und Autoren gleichermaßen entbehrlich ist.
Dass Hurley auf Michael hört, finde ich ziemlich bedenklich, denn warum sollte ausgerechnet der etwas tun, was im Interesse der Losties liegt? Ganz im Gegenteil, denn er sagt selbst, er säße auf der Insel fest für das, was er getan hat. Folglich ist die Insel wohl doch so eine Art Fegefeuer oder Vorhof zur Hölle, denn sie hält nicht nur den Mann in Schwarz fest und dient als "Korken", sondern ist auch Gefängnis für verstorbene Sünder (zumindest solche, die noch zu Lebzeiten mit ihr in Kontakt standen). Wenn dem so ist, dürfte Michael doch sehr daran gelegen sein, dass der Korken aus der Flasche fliegt und MiB die Insel verlässt, denn ist er frei, sind wohl auch die "Flüsterer" frei. Michael spielt MiB ganz eindeutig ins Blatt, denn nun sind die Kandidaten bei Ihm vereint (abzüglich Jin, der vielleicht gar keiner ist). Derzeit laufen auf der Insel nur noch vier Menschen rum, die eindeutig für Jacob spielen: Richard, Ben, Miles und Desmond. Wie ich Jacob kenne, sind die vier aber jetzt genau da, wo er sie haben wollte.
Was MiB über Charles sagt stimmt bis zu einem gewissen Punkt wohl. Aber wie vertrauenwürdig ist jemand, der einen in einen Brunnen wirft? Kann Desmond das überlebt haben? ich sag mal so: Wer wenn nicht Desmond?
Apropos Desmond: Der fährt nach einem kleinen Plausch mit Ben John übern Haufen, aber wie er so am Boden lag, hatte das doch etwas von seinem Fenstersturz. Desmond hat also schon einmal vier Schlüsselfiguren mehr im Visier oder zumindest getroffen: Hurley, Libby, John und Ben. Bei Libby stellt sich die Frage, ob sie in der Original-Zeitlinie wohl auch in der Psychiatrie war, weil sie dieses andere Leben sah, denn sie scheint irgendwie an dieser Grenze zwischen den Welten existieren und könnte deshalb noch wichtig werden. Es scheint fast so, als habe man uns da lange an der Nase herumgeführt, denn in der Alternativen Zeitlinie nimmt Libby neben Desmond derzeit die wichtigste Rolle ein.
Für einen ERSTEN Eindruck ist das wohl genug. Ich hoffe stark, dass ich diese Woche schneller mit der Review durchkomme. hatte letzte Woche nur beschissen viele Termine und einiges anderes zu tun - unter anderem die Mail an den Verlag für "Omega".
Wir lesen uns ;-)...

Dienstag, 13. April 2010

Once Upon a Time... - Review zu "Happily Ever After"

Ich hab mich gerade echt gewundert, dass meine Word-Rechtschreibprüfung mir zwar „Happily“ und „Ever“ unterkringelt, „After“ aber nicht – dann fiel mir ein: Das Wort gibt’s ja auch im Deutschen^^. Nach diesem etwas unschönen Start in die Review, starte ich lieber noch mal von Neuen und zwar so, dass es auch zum Titel der Folge passt:

Es war einmal auf einer fernen Insel, in einem fernen Land ein Schotte ohne Schottenrock, der hatte einen bösen Schwiegervater, aber keine bösen Stiefschwestern (sonst ja Mindestanforderung für jede Märchenfigur). Nachdem ihn der große, böse Wolf angeschossen hatte und der Schotte, den man übrigens bei dem Namen Desmond rief, erst im Hospiz gewesen war, hatte sein Schwiegervater ihn auf die Insel gebracht... .

Desmond wacht also in der Hydra auf und denkt er wäre noch im Krankenhaus (der Mann braucht dringend ’ne Brille... oder er fürchtet, die Ärzten hätten festgestellt, dass er Kassenpatient ist, und ihn deshalb verlegt), bis Charles ihm eröffnet, er sei wieder auf der Insel – was streng genommen nicht einmal den Tatsachen entspricht, denn NOCH ist Desmond ja auf der kleinen Nachbarinsel. Nichtsdestotrotz beginnt Desmond seinem Schwiegervater auf die unbehaarte Rübe einzudreschen. Charles pfeift seine Männer, die Desmond prompt angreifen, überraschender Weise zurück.

In den nächsten Minuten dieser Folge wird klar, dass die elektromagnetischen Felder auf der Insel ein entscheidender Faktor im Kampf mit MiB darstellen. Da er an den Sonarzäunen scheitert und auch auf der Insel festsitzt, würde ich fast vermuten, dass da ein Zusammenhang besetzt und „Samuel“ prinzipiell so seine Probleme mit derartigen Kraftfeldern hat. Bereits in „The Package“ fragt Zoe Jin nach den elektromagnetischen Feldern auf der Insel. Nun hat Widmores Team eine komische Apparatur mit zwei riesigen Elektromagnetspulen, die wohl noch aus Tagen der Dharma stammt, rekonstruiert oder repariert. Das Teil sieht aus wie eine Kreuzung aus dem Raptorentransportkäfig aus der Eröffnungssequenz von „Jurassic Park“ und dem Intrinsic Field Subtractor in „Watchmen“, der Jon Osterman grillt und zu Dr. Manhattan macht. Ich denke besonders die zweite Analogie ist durchaus beabsichtigt und soll ein Verweis auf Desmonds Fähigkeiten sein, denn auch Dr. Manhatten begreift die Zeit – sofern es sein eigenes Erleben betrifft – mehr als Reihenfolge der Ereignisse, die für ihn irgendwie gleichzeitig und doch nacheinander geschehen. Es ist ja nicht die erste Anspielung auf „Watchmen“ in „Lost“. Auch die Teleportation nach Benuzung des Rades spielt auf „Watchmen“ an, denn sowohl Laurie als auch Ben und John müssen sich nach der Teleportation (stets) übergeben. Auch der Unfall, der Desmonds „Reise“ voran geht hat große Ähnlichkeit mit dem Ostermans.

Nachdem also einer von Charles’ Arbeitern in der Kammer „vergessen“ und gegrillt wurde, stecken sie Desmond in die überdimensionale Mikrowelle und ketten ihn an einen alten Holzstuhl (IKEA-Modell „Jåcöb“ – derzeit läuft da ein Sonderangebot und man bekommt beim Kauf von zwei dieser Stühle einen Tisch BëňLıňǘş gratis obendrauf). Widmore kündigt Des bereits an, er werde ihn um ein Opfer bitten, wenn der Test vorbei wäre. Desmond fragt provozierend, was Charles schon von „Opfern“ wisse (ja, kommt uns bekannt vor die Frage => Eloise vor dem Krankenhaus), worauf Charles erwidert, sein Sohn sei zum Schutz der Insel hier gestorben, seine Tochter – Desmonds Frau – würde ihn hassen und seinen Enkel habe er nicht einmal kennen gelernt. Auf der einen Seite interessant, wie Charles sich mal wieder in Selbstmitleid suhlt, wenn ich so dran denke, was etwa Ben, Jacob, Ilana, Richard oder Desmond bereits für die Insel opfern mussten, auf der anderen Seite aufschlussreich, wenn man die Beziehung zwischen Desmond und Charles bedenkt und den Vergleich zu den Flash Sideways (die kommen ja gleich) zieht. Es scheint nun wahrscheinlicher denn je, dass Charles Desmond nie wirklich gehasst hat, sondern ihn einfach in eine bestimmte Richtung schubsen musste. Seitdem Desmond auf der Insel war, behandelt Charles ihn schließlich mit ausgesprochen viel Respekt und so wäre es nur logisch, dass die Show, die er zuvor abzog, ein notwendiges Übel war. Nichtsdestotrotz ist Charles weiterhin nicht gerade vertrauenswürdig und man sollte alles, was er so von sich gibt, mit viel Vorsicht genießen. Denn eines ist mittlerweile offensichtlich: er weiß sehr viel mehr als sein Nachfolger je wusste, was allerdings eher ein Argument für als gegen dessen Sonderstellung ist. Wer außer Jacob selbst kann schon sagen, was in dem Konflikt zwischen Charles und Ben Teil des Plans war und was nicht?

Desmond zieht nun zumindest so eine Nummer durch wie Jodie Foster in „Contact“ und verschwindet für sehr lange Zeit, obwohl auf der Insel nur Sekunden verstreichen. Desmond reist aber nicht zu einem Strandspaziergang mit Dad, sondern in die LAX-Timeline. Anders als bei seinen Zeitreisen scheint er hier aber keinen Einfluss auf das Geschehen nehmen zu können, sondern wird zum Zuseher seines anderen Lebens, sieht – zumindest scheint es so – die Alternative Realität durch die Augen seines Alter Ego. Sofern uns das nur suggeriert werden sollte und Desmond während seiner Zeit zwischen den Psycho-Magnetspulen etwas ganz anderes erlebt hat, stellt sich die Frage, was das gewesen sein könnte. So oder so wird es nun Zeit für das (bisher) längste Flash Sideway in der Geschichte von „Lost“ – warum auch nicht? Desmond war ja schließlich auch der erste, der praktisch eine komplette Episode für seine Rückblende bekam.

Wir befinden uns wieder am LAX und es ist der 22.September 2004 – Oceanic Flug 815 ist soeben gelandet und Hurley teilt Desmond mit, wo sie ihre Koffer abholen müssen; Gepäckkarussell VIER (es läuft im Kreis, bis alle Teile ausgesiebt sind – ist der Leuchtturm also ein astrales Gepäckkarussell?). Hier trifft Des gleich auf noch einen alten Bekannten oder besser gesagt eine alte Bekannte...oder noch besser eine Alt-Bekannte^^. Er redet kurz mit Claire und meint, als sie sich trennen, das Kind werde ein Junge. Schlägt hier jetzt der Desmond aus der Crash-Timeline durch oder ist diese Vorahnung ein erstes Anzeichen dafür, dass Desmond diese andere Realität (also für uns ja eigentlich die Originalzeitlinie – aber das ist wohl wie so vieles eine Frage des Blickwinkels) einzuholen beginnt? Desmond wird von Minkowski am Flughafen aufgegabelt und zu Charles Widmore gefahren, dessen Adjutant Desmond in dieser Zeitlinie ist. Da drängen sich doch einige Fragen auf. Allen voran: Warum ist Charles überhaupt in LA und nicht auf der Insel? – Ja, ich weiß, weil sie untergegangen ist. Aber wenn Charles noch lebt, muss er sie zuvor verlassen haben. Da Ben in dieser Zeitlinie aber eindeutig nicht der Anführer der Anderen ist und es wohl nicht einmal zur Säuberung kam, muss man sich doch fragen, was Charles zum Gehen bewegt haben sollte und in welchem Verhältnis er zu der Insel steht. Ebenso merkwürdig ist es, dass sich in seinem Leben auf den ersten Blick nicht viel geändert hat. Da schließt sich gleich die nächste Frage an: Wenn Desmond Charles nicht über dessen Tochter kennen lernte, wie dann? Eloise gibt uns hierauf später eine mögliche Antwort: Desmond wollte Charles’ Wohlwollen und Anerkennung. Es scheint also wirklich so, dass die Alternative Zeitlinie den Losties das, was sie sich vermeintlich/oberflächlich am meisten gewünscht haben, erfüllt: Kate ist frei, Jack hat einen Sohn und kann seine Vaterqualitäten unter Beweis stellen, Ben kann sich für Alex und gegen Macht entscheiden und kommt ferner mit seinem Vater klar, James ist ein rechtschaffener Mann, Miles ebenso, Hurley hat Glück und kein Pech, Sayid konnte Nadia wohlauf wiedersehen, Sun und Jin sind gemeinsam in die USA geflohen, John hat Helen & seinen Vater, Desmond hat Charles’ Anerkennung, Dogen hat seinen Sohn, Claire hat Aaron, Charlie lebt und ist noch immer ein Rockstar, Daniel ist Musiker und kein Physiker, Charlotte kehrte nie auf die Insel zurück, Charles hat Penny, Eloise und Daniel, Cindy behält ihren Gary.... nur Rose, Keamy, Mikhail und Omar sind weiterhin dem Tode geweiht. Doch wie Charlie feststellt, ist dieses Glück nicht echt, falsch – die Welt ist anders als sie seien sollte. Aber dazu später mehr. Bleiben wir zuvor noch einen Moment in Charles’ Büro, denn dort hängt ein Bild von „Samuels“ Waage mit dem schwarzen und weißen Stein in ein abstraktes Farbenwirrwarr verpackt. Allerdings würde ich dieses Gemälde mal unter Easteregg verbuchen und das nicht zuletzt, weil Ostern gerade mal eine Woche her ist ;-). Weitaus symbolträchtiger und wichtiger ist da wohl der Whisky, von dem Charles Desmond in dieser Realität etwas anbietet: „Nothing's too good for you.“ („Für dich is’ nichts zu schade!“). In der Crash-Timeline klang das noch ganz anders – wir erinnern uns: „This is a 60 year MacCutcheon, named after Anderson MacCutcheon[...]. Admiral MacCutcheon was a great man, Hume. [...] To share it with you would be a waste, and a disgrace to the great man who made it – because you, Hume, will never be a great man.“ („Dies ist 60 Jahre alter MacCutcheon, benannt nach Anderson MacCutcheon[...]. Admiral MacCutcheon war ein großer Mann, Hume. [...] Ihn mit Ihnen zu teilen, wäre eine Verschwendung und eine Schändung das großen Mannes, der ihn gemacht hat – denn Sie, Hume, werden nie ein großer Mann sein.“) Wie bereits angedeutet, könnte dieses damalige Gebaren Schau gewesen sein, denn betrachten wir die jüngsten Geschehnisse auf der Insel, so wäre Charles wohl der erste, der Desmond attestieren würde, zu Großem bestimmt zu sein. Letztlich führt es uns wieder zu der Frage: Was weiß Charles wirklich?

Jetzt will er vor allem, dass Desmond Charlie aus dem Knast auslöst und zu einer Party bringt, wo er mit Daniel zusammen spielen soll. Charlie scheint einen ungewöhnlich großen Todeswunsch zu verspüren, denn er watschelt, kaum ist er frei, quer über die starkbefahrene Straße und verschwindet in einer Kneipe, wo er Desmond anvertraut, wieso er nicht mehr sonderlich am Leben hängt bzw. sich nach dem Tod verzehrt. Grund ist die Nahtoderfahrung, die er im Flugzeug hatte, denn die ermöglichte ihm einen kurzen Blick auf sein Leben auf der Insel: er sah Claire. Charlie hat also eine Idee von dem bekommen, wie es sein sollte und ist somit der erste, der erkennt, dass ihm in der Alternativen Zeitlinie etwas fehlt: die Liebe. Doch hier stehen wir vor einem Problem, denn Locke etwa hat seine große Liebe nur in der LAX-Timeline. Ben hat in der Originalzeitlinie nichts, was er wirklich missen könnte. Komisch, dass es gerade diese beiden sind, denen es ohne Insel in diesen Punkten besser geht. Aber sind sie erfüllt? Ben und John sind wohl einfach an anderen Dingen interessiert als der Normalität. Ferner wissen wir bei Ben nicht, ob er in der LAX-Timeline je mehr von der wahren Liebe sah als auf der Insel. Doch Desmond, Charlie, Daniel, James, Kate, Claire, Juliet, Charlotte, Jack, Sayid, Charles, Jin und Sun müssen in der LAX-Timeline im weitesten Sinne auf ihre wahre Liebe verzichten.

Wenn man dem Tod nahe ist (oder in einen Spiegel guckt), scheint sich aber so etwas wie ein Fenster in die andere Realität zu öffnen, das durchaus in beide Richtungen funktioniert. So wie LAX-Charlie Claire sah, so sah Crash-Juliet auch irgendetwas, das sie zu der Überzeugung veranlasste, es habe funktioniert. Da Desmond Charlie aber nicht glaubt, dass die Dinge anders verlaufen sind, als sie es sollten, und dass es Zeit für eine kleine Kurskorrektur wird, beschließt Charlie zumindest den Kurs von Desmonds Wagen zu ändern – zuvor stellt er Desmond vor die Wahl: aussteigen oder sich zeigen lassen, was ihn auf der anderen Seite erwarten würde. Wie bei jenen Alternativen, die Desmond Charlie in der Bar vorschlug, oder Entscheidungen, vor die Jacob die Leute gerne stellt, existiert nicht wirklich eine Entscheidungsmöglichkeit und so gehen Des, Charlie und das Auto baden. Desmond entkommt aus dem sinkenden Wagen, taucht aber, kaum dass er an der Oberfläche war, wieder unter. Charlie versucht nicht einmal, aus dem Auto zu entkommen. Stattdessen presst er die Hand an die Fensterscheibe und prompt hat Desmond ein merkwürdiges Déjà-Vu, das ihn an „NOT PENNY’S BOAT“ erinnert und somit auch an Penny.

Desmond und Charlie kommen – wie sollte es auch anders sein – ins St. Sebastian Krankenhaus, wo Desmond unter anderem gefragt wird, ob er irgendwelche Halluzinationen hatte – Gute Frage, nächste Frage. Des wird zum MRT überstellt. Und hier muss ich die Lost-Macher mal wieder loben, dass sie dieses unsägliche MRT-Prozedere fast originalgetreu wiedergeben. Jeder, der schon mal in der Röhre war, weiß, dass es da drin eng und laut ist und man diesen lustigen Panikknopf bekommt, auf den man drücken soll, wenn etwas nicht stimmt. Was bei „Lost“ fehlte ist folgendes: Obwohl man den blöden Knopf hat, fragen die einen alle paar Minuten – und zwar immer dann, wenn man sich gerade eben so einigermaßen entspannt hat und trotz Geräuschen und Enge abschalten konnte – über die Kopfhörer: „Alles in Ordnung?“ Man ist immer versucht zu antworten: „Bis gerade eben schon, du dumme Kuh!“ (bei mir war es eine Krankenschwester). Bemerkenswert ist auch, dass das Rattern des MRT eine gewisse Ähnlichkeit mit einem der Geräusche von Smokey hat. Zumindest lösen die Magnetwellen auch in dieser Zeitlinie einen Flash bei Desmond aus (erinnerte mich sehr an den Film „The Jacket“ mit Adrien Brody und Keira Knightley): er sieht und hört Penny, drückt den Panikknopf und rennt nur mit einem Nachthemd bekleidet quer durch die Klinik und sucht Charlie. Dabei läuft er dann noch mal kurz Jack über den Weg, ehe er Charlie findet, der ihm rät, doch endlich nicht mehr über ihn zu grübeln, sondern Penny zu suchen.

Charlie verschwindet und Desmond soll nun Eloise Widmore (!) beibringen, dass das geplante Konzert nicht stattfinden kann. Desmonds Gespräch mit Eloise gestaltet sich dann jedoch als unerwartet und ausgesprochen merkwürdig: Er erzählt ihr, dass Drive Shaft nicht kommen werde, um mit Daniel zu spielen. Er entschuldigt sich, übernimmt die Verantwortung. Er macht sich schon auf ein riesiges Donnerwetter gefasst, doch Eloise nimmt’s gelassen und erwidert ihm dann: „Oh, not at all dear. What[ever] happened, happened. Thank you so much, Mr. Hume, for coming and telling me in person. A pleasure meeting you.“ („Oh, nicht doch, mein Lieber. Was [auch immer] passiert, passiert. Vielen Dank, Mr. Hume, dass Sie selbst hergekommen sind und es mir persönlich mitgeteilt haben. Es war mir ein Vergnügen Sie kennenzulernen.“) Okay, dieses rausgerutschte „What happened, happened“ könnte bloßer Zufall gewesen sein. Aber dann hört Desmond zufällig mit, als zwei Männer vom Catering die Gästeliste durchgehen, und da fällt auch der Name „Penny“ – die übrigens allein kommt. Desmond will daraufhin die Gästeliste einsehen, wird aber von Eloise daran gehindert, die zwei Männer zur Herausgabe zu nötigen. Sie stellt ihn unter vier Augen zur Rede:

Eloise: „Someone has clearly affected the way you see things. This is a serious problem. It is, in fact, a violation. So, whatever you’re doing, whatever it is you think you’re looking for...You need to stop looking for it.“ („Jemand hat offenkundig die Art und Weise, wie Sie Dinge sehen, beeinflusst. Das ist ein ernstes Problem. Es ist – tatsächlich sogar – ein Verstoß. Also, was auch immer Sie tun, was auch immer Sie glauben zu suchen... Sie müssen aufhören danach zu suchen.“)

Desmond: „Do you, do you know what I'm looking for, Mrs. Widmore?“ („Wissen Sie... wissen Sie, wonach ich suche, Mrs. Widmore?“)

Eloise: „I don't know why you're looking for anything? You have the perfect life. On top of it, you’ve managed to attain the thing you wanted more than anything: my husband's approval.“ („Ich weiß nicht einmal, warum Sie überhaupt noch nach etwas suchen? Sie haben doch das perfekte Leben. Als Krönung haben Sie es geschafft zu erlangen, was Sie mehr wollten als alles andere: das Wohlwollen meines Mannes.“)

Okay, ich denke, jedem dürfte hier eines sofort klar werden: die Frau weiß noch weit mehr als sie sagt und selbst das ist schon mehr, als alle anderen sich nur erträumen könnten. Wie schon bei seiner Zeitreise tritt Eloise Desmond gegenüber als eine Art Gralshüterin des Raum-Zeit-Kontinuums auf. Damals erklärte Sie ihm: „And if you don't do those things, Desmond David Hume, every single one of us is dead.“ („Und wenn Sie all diese Dinge nicht tun, Desmond David Hume, wird jeder einzelne von uns sterben.“) Darauf läuft es wohl immer hinaus: Tust du das und das nicht, geht die Welt unter. Besonders Desmond und Ben wurden wohl stets in dem Bewusstsein gehalten, dass sie nicht aufbegehren dürfen, weil sonst die Welt untergeht. Auch jetzt sagt Charles Desmond ja, dass er tun muss, worum er gebeten wird, weil sonst alles vorbei ist.

Eloise in der LAX-Timeline sagt zwar nicht, die Welt könne untergehen, sondern „nur“, dass Desmond nicht an dieser Realität zweifeln solle, denn sie sei doch so, wie er wollte. Man kommt sich langsam vor wie bei „Matrix“ und wartet nur darauf, dass Eloise die Agenten ruft oder Morpheus ins Zimmer marschiert kommt und Desmond sagt: „Hattest du mal einen Traum, der dir vollkommen real schien?“ Wie die Matrix scheint auch diese Realität ihre Lücken zu haben und nur das zu sein, was ein Wesen, das für die WAHREN Bedürfnisse der Menschen völlig unempfänglich ist, sich unter einer perfekten Welt vorstellen würde. Stellt sich nur die Frage, wenn Eloise das Orakel ist (und das ist sie zweifelsohne – Teil des Systems und der Kontrolle und dennoch menschlich), wer ist dann der Architekt. Am wahrscheinlichsten scheint der Mann in Schwarz, doch ist der ja doch recht einsichtig, was menschliche Bedürfnisse angeht, versteht die Menschen eigentlich sogar besser als Jacob. Ist am Ende vielleicht Jacob der Urheber und er wollte nach dem Sieg über MiB den Menschen geben, was sie sich wünschten und muss nun feststellen, dass er es nicht kann, weil der Mensch nie glücklich mit dem ist, was er sich zu ersehnen glaubt? Letztlich ist der Mensch doch so gestrickt: Im Sommer beschwert er sich, es sei zu heiß und er will, dass Winter wird, und ist der Winter da, nörgelt der Mensch, es sei zu kalt und solle endlich Sommer werden. Die Alternative Zeitlinie scheint nicht vom Bösen beherrscht zu sein, so wie es sein müsste, wenn der Mann in Schwarz geflohen wäre. Vielmehr packt diese Zeitlinie die Menschen in Watte, gaukelt ihnen Glück vor, doch das ist oberflächlich. Denn so wie das Böse sie nicht mehr erreicht, so erreicht sie auch das Gute nicht mehr. Letztlich ist das wohl der große Fehler in den Ansätzen von Jacob und „Samuel“: sie wollen nicht wahrhaben, dass das eine nicht ohne das andere kann. Die Waage ist nur im Gleichgewicht, wenn beide Kräfte da sind und sich bekämpfen und deshalb kann es auch nie enden, denn hat es einmal geendet, wird es von ganz alleine wieder von Neuem beginnen, denn der Mensch kann mit vollkommenem Glück auch nicht zufrieden sein, da er die Kehrseite nicht kennt.

Eloise sagt Desmond auch, er sei nicht bereit. Wir müssen uns also wirklich fragen, was diese Frau weiß und woher. Sie ist ganz eindeutig mehr als Jacobs andere Anhänger, denn selbst Richard, Ilana, Ben und Charles wissen zusammen nicht so genau Bescheid wie Eloise es wohl tut. Ich schätze nur, dass alle Theorien dazu im Moment noch recht viele „Wenn“’s und derart viele hypothetische Annahmen enthielten, dass ich mir das im Moment lieber spare. Eloise weiß offenkundig mehr, aber das Warum und Woher sind derzeit nur schwerlich zu erahnen und der Versuch, es doch zu tun, würde in einem heillosen Durcheinander der wildesten Theorien enden – das möchte ich uns allen ersparen.

Als Desmond gerade saufender Weise wegfahren will (das ist der Vorteil an einem Chauffeur), klopft Daniel ans Fenster. Auch der hat seinen Nachnamen gegen Widmore getauscht und bittet Desmond nun um ein Gespräch über etwas, wovon beide keine Ahnung haben: Quantenphysik. Okay, vorher kommt noch das übliche „Ich-hab-die-Liebe-meines-Lebens-gesehen-aber-ich-kenn-sie-nur-aus-einem-anderen-Leben“-Gebrabbel. Aber dann geht es um wirre Träume und Aufzeichnungen aus diesem anderen Leben, die dieses erst ermöglicht haben. Diese Szene läuft wie das ganze Flash Sideway letztlich auf zwei Dinge hinaus, die sich beide im Stadion zutragen, und eine Erkenntnis, die für den Desmond in der Mikrowelle bestimmt ist.

Kommen wir mal vorab zu den Ereignissen im Stadion:

1. Desmond trifft Penny und begreift, dass dieses andere Leben keine bloße Einbildung ist.

2. Desmond will die Zeitlinie erneut ändern oder zumindest all jenen, die damit in Zusammenhang stehen, die andere Seite zeigen und er beschließt bei Flug 815 anzufangen, denn das ist die bislang einzige Gemeinsamkeit mit Charlie, Desmonds einziger Anhaltspunkt. Ironischerweise war Desmond in der anderen Zeitlinie nie an Bord dieses Fliegers, sondern hat ihn runtergeholt.

Auf der Insel erwacht Desmond zwischen den zwei riesigen Magnetspulen und hat eine entscheidende Erkenntnis gewonnen, die alle Überredungsversuche von Charles schon im Vorfeld überflüssig macht. Desmond wird Charles helfen und ich schätze, dass er sich deshalb auch bereitwillig Sayid anschließt: er will auf die andere Insel, er will zum Mann in Schwarz.

Zu guter Letzt noch ein paar Worte zum Titel: „Happily Ever After“ (Frei übersetzt: „Letztlich glücklich für immer“) ist die englische Entsprechung für „Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute“. Es ist also das klassische Märchenende und deshalb freu ich mich jetzt schon wie Bolle auf den deutschen Episodentitel, der bestimmt auf dem Niveau von „Taxi in die Freiheit“ – wenn nicht sogar noch darunter – liegen dürfte... „Magnetspule in ein anderes Leben“ oder „14 Tage im Leben einer Stunde“ (Inside-Joke). Aber wie kann man diesen Titel nun auffassen? Denn wirklich glücklich sind die Losties in dem anderen Leben ja nicht, obwohl sie es sein sollten. Ich denke, der Titel will uns sagen: Wenn etwas zu schön ist, um wahr zu sein, dann ist es das auch nicht. Wenn alles scheint wie aus einem Märchen, dann ergeht es einem wie Alice im Wunderland und man will irgendwann dann doch nur noch aufwachen... „Nichts kann der Mensch so schlecht vertragen, wie eine Reihe von guten Tagen!“

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute... Namaste!

Mittwoch, 7. April 2010

Call him Dr. Manhattan - erste Eindrücke zu "Happily Ever After"

Also mich würde es nicht wundern, wenn Desmond bald als nackter, blauer Glatzkopf rumläuft und Urlaub aufm Mars macht, denn die Szene, in der Charles ihn auf reisen schickt erinnerte schon etwas an Jon Ostermans Unfall bei "Watchmen". Wobei ich gestehen muss, dass mir auch eine Szene aus "Lost" in den Sinn kam, als sie Desmond auf dem Holzstuhl festschnallten und man noch nicht wusste, wohin die Reise geht... kleiner Tipp: Er hätte bei seinem Ausflug durch Raum und Zeit sicher nach Hilfe rufen können ;-)
Überhaupt hat Desmond in dieser Folge einige Jacob-Allüren, um dich ich mich in der Review eingehender kümmern möchte. Viel wichtiger ist wohl, dass wir nun einen Ausblick darauf erhalten haben, wie die Zeitlinien zusammen fließen bzw. wie sie zusammenhängen. Wenn aber der Tod eine so entscheidende Rolle einnimmt, könnte das auch einen Hinweis auf Juliets letzte Worte und die Fähigkeiten von Miles und Hurley geben. Vielleicht ist die Insel als letzte Bastion vor der Hölle und Ursprung starker elektromagnetischer Energien ja wirklich eine Art Brücke, die einen Blick auf die andere Seite ermöglicht und da wo man ungewöhnliches sieht, erhascht man einen Blick auf die andere Seite. Wer aber auf der Insel ist (oder war) kann jene Seite eher wahrnehmen.
Auf der anderen Seite deutet Eloise an, dass diese andere Realität wirklich den Wünschen der Losties entspringt und Desmond wird ihnen nun bewusst machen müssen, dass es nicht wirklich dem entspricht, was sie wollen. Mein erster Gedanke bei der Szene am Ende im Auto war: Ben war nicht an Bord! Ich denke Desmond und Ben nehmen durchaus auch eine Sonderrolle ein, weil sie eben eine andere Geschichte haben als die Losties. Apropos Ben: Sein Wiedersehen mit Charles dürfte wahrlich interessant werden^^.
Charles selbst scheint wohl wirklich lange geplant zu haben, was da nun abläuft. Er und Ben sind sich halt doch ähnlicher als sie sich je eingestehen würden, denn beide sind bereit alles für die Insel aufzugeben.
Okay, als erster Eindruck soll es das auch gewesen sein. So eine Folge muss ich auch erstmal verarbeiten, ehe ich in die tiefergehende Analyse einsteigen kann.

Dienstag, 6. April 2010

"It's not a what. It's a who. " - Reiew zu "The Package"

The Package:

Ich weiß eigentlich gar nicht so recht, was ich zu der Episode noch groß schreiben soll, denn es kommt mir so vor als erkläre sich alles von selbst oder wäre schon andernorts gesagt worden. Folglich fällt diese Review ausgesprochen kurz aus. Wir haben drei sich an wenigen Schnittstellen berührende Handlungsstränge auf der Insel und die Flash-Sideways-Story. Beginnen wir mal mit der. Hier schließt sich die Lücke zwischen der Ankunft am LAX („LA X“) und Jin im Kühlschrank („Sundown“). Ferner gibt es ein Wiedersehen mit einigen alten Bekannten: Keamy, Omar und Mikhail. Gerade letzterer lädt in dieser Folge mehr als je zuvor zu vielen blöden Wortspielen ein und damit wir es gleich hinter uns bringen: Folgende Sätze werden in der Review nicht vorkommen und ich möchte sie eigentlich auch sonst nirgends lesen:

- Der Schuss hätte ins Auge gehen können.

- Mikhail wirft ein Auge auf Sun.

- Er ist augenscheinlich tot.

- Da passt er einen Augenblick nicht auf und hat schon eine Pistole am Hinterkopf.

- Auf der Insel war er noch Bens Auge und Ohren.

- Er fasst es ins Auge.

- Da heißt es: Auge(n) zu und durch.

- Augenblicklich kommt Mikhail herein.

- Er hütet Sun wie seinen Augapfel.

- (Augen)Klappe! Kamera läuft! Und: Bitte!

- Das kann man mit bloßem Auge gar nicht erkennen.

- Die Kampfszene ist eine Augenweide.

- So nach Augenmaß...

Sun und Jin werden zwar mit der Uhr, aber ohne das Geld am Flughafen entlassen. Dass Sun und Jin nicht verheiratet, aber dennoch ein Paar sind, wird in dieser Folge absolut klar. Ob Sun nun aber tatsächlich kein Englisch spricht, ist für mich immer noch etwas fragwürdig, denn in der Crash-Timeline hat sie ihre Maske auch sehr lange aufrechterhalten, obwohl es – wie nun in den Flash Sideways auch – einige Situationen gab, in denen es für alle Beteiligten besser gewesen wäre, sie hätte es nicht getan. Es scheint zwar wahrscheinlicher, dass sie wirklich kein Englisch spricht, doch auch das Gegenteil traue ich ihr zu und ist daher für mich keineswegs ausgeschlossen. Im Hotel taucht dann nach einem kurzen Striptease und anderen nicht jugendfreien Aktionen Martin Keamy mit Omar im Schlepptau auf. Das Geld ist nicht da, aber Keamy versteht sowieso nichts und kommt sich vor wie in einem Godzilla-Film, weshalb er Mikhail ruft. Eine etwas merkwürdig anmutende Allianz, denn obgleich wir Mikhail stets als loyalen Soldaten kannten, passt er so gar nicht zu einem zwar eloquenten, aber nichtsdestoweniger sadistischen Arschloch wie Keamy. Eloquenz ist nämlich etwas, das Mikhail gänzlich fehlt, doch dafür besitzt er das, was Keamy fehlt: Intelligenz und vor allem ein Gewissen. Nicht das Keamy dumm wäre, aber ein Genie ist er nicht gerade, obgleich er ausgerechnet von Mikhail als Idioten spricht.

Die Ironie an der ganzen Story um das fehlende Geld ist letztlich, dass Sun und Jin fürchten Keamy könnte ihnen etwas antun oder Woo-Jung Paik (so heißt der alte Mistkerl, wie wir in dieser Folge erfahren, mit vollem Namen) könne herausfinden, was Sun und Jin so treiben, wo das fehlende Geld doch Keamys Lohn dafür ist, dass er Jin tötet, weil Paik herausgefunden hat, was zwischen Jin und seiner Tochter läuft. Würde Keamy Jin töten ohne das Geld zu haben, wäre er schön doof. Was ich mich aber frage ist: In der Original-Zeitlinie fängt Jin bei Paik an, um so Sun heiraten zu können. Wenn er und Sun ihre Beziehung aber geheim halten wollen, warum arbeitet Jin dann überhaupt für ihren Vater? Ich fürchte aber mal, dass wir die Antwort zu dieser Frage nicht mehr bekommen. Dass Sun schwanger ist, kommt auch nicht sonderlich überraschend... also alles in allem fügt sich die Flash-Sideways-Story wunderbar ein, ergänzt vermutete Puzzlestücke und gibt wieder etwas mehr Aufschluss über eine potenzielle Welt ohne Jacob-Faktor. Aber obwohl der fehlt, enden Mikhail, Keamy und Omar wie gehabt da, wo man sich die Radieschen von unten ansieht. Ja, sogar Mikhails Todesursache erinnert an die andere Zeitlinie. Mehr gibt es dazu von meiner Warte aus nicht zu sagen, weshalb ich mal munter auf die Insel marschiere:

MiB fragt Jin, ob James ihm von der Höhle erzählt habe. In den Gesprächen in „Samuels“ Lager wird rasch klar, dass er die Insel unbedingt mit den verbleibenden Kandidaten zusammen verlassen muss. Eigentlich ist das ziemlich logisch, wenn man bedenkt, dass der letzte Kandidat, der übrig bleibt, automatisch Jacobs Nachfolger wäre und MiB nur gehen kann, wenn es keinen Wächter mehr gibt. Folglich müssen die Kandidaten sterben oder ihn begleiten. Die anderen Menschen sind ihm vermutlich egal, aber wer würde sich ihm anschließen, wenn er auch Unbeteiligte einfach umbrächte. Ich denke, dass es nur einen Grund gibt, warum er Claire, Cindy, Zach, Emma und Co ebenfalls mitnehmen will: Er würde andernfalls den Beweis liefern, dass er böse ist und sich einen Scheiß um die Menschen kümmert. Okay, bei Claire mag es noch einen anderen Grund geben, aber ihr wisst, worauf ich hinaus will.

Jin geht aber nicht ohne Sun, da MiB sie aber so oder so braucht, macht er sich Richtung Strandlager auf. Kurz vor seinem Aufbruch vertraut Sayid ihm an, er habe keine Gefühle mehr, woraufhin MiB, der zweifelsohne nicht ganz unschuldig an diesem Zustand ist, erwidert, vielleicht sei es besser so, denn es würde ihm helfen das Kommende durchzustehen. MiB geht also, aber auch Jin möchte weg, denn der scheint als einziger zu begreifen, wie gefährlich es ist, sich mit dem Leibhaftigen einzulassen, denn den sieht er offenbar in „diesem Ding“. James will Jin aufhalten, sagt ihm, er habe doch einen Handel mit Widmore und einen Plan, doch ausnahmsweise ist Jin mal der, der klüger ist, mehr durchschaut. James und Kate spielen mit dem Feuer, wenn sie glauben, sie könnten ein Wesen von „Samuels“ Macht und Intelligenz täuschen oder hintergehen. Vermutlich ahnt MiB schon längst, was James plant. Jemand der es geschafft hat, Ben Linus dazu zu bringen, Jacob zu töten, wird sich kaum selbst so leicht hinters Licht führen lassen.

Jin und James werden in ihrem Streit unsanft unterbrochen, denn es hagelt Betäubungspfeile aus dem Hause Widmore. Widmore und seinen Leuten geht es aber nur um Jin, den sie auf die Hydra-Insel verschleppen.

Am Strand wird derweil kartengespielt, gewartet und ein wenig über Essen debattiert. Jack ist immer noch auf dem Weg zum Mann des Glaubens und philosophiert über Tomaten, Sun interessiert sich immer noch für nichts außer Jin, Ilana und Ben zanken weiterhin und Richard ist auch noch weg. Alles in allem hat sich also nicht wirklich was getan. Aber dann taucht MiB auf und will Sun mit zu Jin nehmen. Sun läuft weg und dabei vor einen Baum – schafft außer der Frau auch keiner: sich von einem Baum K.O. schlagen lassen. Sun wird von Ben gefunden, der sie ins Lager zurückbringt. Aber Sun hat vom Baum ihr Sprachzentrum demoliert bekommen und kann zwar noch Englisch verstehen, aber keines mehr sprechen. Ich hätte es ja als echte Wohltat empfunden, wenn ihr Sprachzentrum gänzlich im Eimer gewesen wäre und sie gar nicht mehr hätte, sprechen können...schade, schade!

MiB ist in der Zwischenzeit in sein Lager zurückgekehrt, wo alle etwas benommen sind. „Samuel“ bemerkt Jins Verschwinden und will ihn mit Sayids Hilfe zurückbringen. Ehe MiB erneut aufbrechen kann, fragt Claire ihn, ob ihr und Kates Name an der Höhlenwand stünden. Er behauptet, ihre Namen stünden nicht an der Wand. Wir wissen, dass das nicht ganz der Wahrheit entspricht, denn ihre Namen stehen sehr wohl dort, wurden aber durchgestrichen. Claire lässt durchblicken, dass sie Kate gerne loswerden würde, da sie sie als Konkurrenz gegenüber ihrem Sohn ansieht – eine verständliche , wenn auch unbegründete Angst. MiB gibt daraufhin endlich Preis, warum er an Kate solches Interesse hat, obwohl sie keine Kandidatin mehr ist: er braucht sie, um Jack, Hurley und vielleicht auch Sun zu überzeugen. Wäre das gelungen, passiere, was auch passiere – heißt übersetzt: „Wenn ich die fehlenden Kandidaten habe, kannst du mit ‚Freckles’ machen, was du willst, Claire!“

MiB fährt also mit einem Boot zur Hydra-Insel, während Sayid in River-Kwai-Manier hinschwimmt. Jin selbst wacht derzeit im guten, alten Raum 23 auf und probiert erst mal den „Lichtschalter“ aus. Obwohl er in der Dharma war, wusste Jin wohl gar nichts von diesem Raum, wie auch Zoe, die kurz darauf reinschneit, erstaunt feststellt. Dabei ist Jins Dharma-Vergangenheit doch der Grund, weshalb er verschleppt wurde: Er soll Widmores Leuten nämliche eine lustige Karte erklären, die er mal unterzeichnet hat. Doch Jin stellt eine Bedingung: Er will zuvor mit Charles Widmore reden.

Der ist seinerseits gerade etwas beschäftigt, weil MiB am provisorischen Sonarzaun am Strand steht und ihn wegen Jins Entführung zur Rede stellt. Charles weiß davon aber noch gar nichts und ist ziemlich stinkig, als er von Zoe erfährt, dass die Jin tatsächlich schon Tage vor dem Zeitplan entführt hat. Denn so konnte MiB Charles ein weiteres mal in die Karten schauen – er greift am Sonarzaun etwas auf, das Charles gegenüber Locke äußerte, nämlich, dass ein Krieg kommen werde. So sagt MiB zu Charles: „A wise man once said that war was coming to this Island, I think it just got here“ („Ein weiser Mann sagte einst, dass der Krieg auf diese Insel komme – ich schätze, er hat sie geradeerreicht“). Ich musste hier etwas an die apokalyptischen Reiter denken: Jacob als der in weiß gekleidete Sieger, Widmore der Krieg, der mit seinem Schwert den Frieden von der Welt nimmt, und MiB als der Tod. Fragt sich nur, wer die Hungersnot, der dritte Reiter, ist. Charles geht nach seinem kurzen gespräch mit MiB zur Hydra und findet heraus, dass MiB ihm die Wahrheit gesagt hat. Dass Charles MiB ebenfalls die Wahrheit sagte, als beteuerte, von nichts zu wissen, glaubt der wohl nicht wirklich. Zoe rechtfertigt ihr Handeln, aber Charles erwidert ihr, sie hätte Jin das Lager lieber verlassen lassen sollen, um ihn dann im Dschungel zu schnappen – dann hätte MiB erst Tage später mitbekommen, was Sache ist. Jetzt muss Charles etwas improvisieren und darin ist er wahrlich nicht sehr gut. Aber gut genug:

Er zeigt Jin eine Kamera, die Sun gehörte und die sie im Flugzeug bei sich hatte. Auf dem Speicherchip der Kamera sind einige Fotos von Ji Yeon – und hier stellt sich mal wieder eine interessante Frage: Welcher Mensch hat zig Fotos seiner Tochter aus drei Jahren auf der Kamera und sonst nichts? Jeder normale Mensch nimmt eine Kamera zu bestimmten Anlässen mit, macht Fotos und überspielt die auf PC, USB-Stick, CD oder DVD. Ach, ich bin doof! Wir reden hier schließlich von Sun! Apropos: was macht die eigentlich, während ihr Mann beim Dia-Abend ist?

Sun brabbelt immer noch wirres Zeug... und spricht außerdem Koreanisch. Richard ist auch wieder da und hat den festen Entschluss MiB aufzuhalten, indem er das Flugzeug endgültig in einen flugunfähigen Zustand versetzt. Sun stellt sich mal wieder quer, denn sie will die Insel mit Jin verlassen und ob man dann noch eine Welt braucht, die dann ja nicht gerettet werden könnte, ist ja noch gar nicht erwiesen. Auch Charles will MIB mit allen Mitteln am verlassen der Insel hindern und hat dafür schon seit „Package“ bereit liegen: Desmond David Hume!

Ich hab ja immer mehr den Verdacht, dass Charles das von langer hand geplant hat, dass er wusste wie besonders Des ist oder sein würde und ihn deshalb so erniedrigte, damit er auch ja auf der Insel landet. Nun hat er ihn zurückgebracht und eines ist sicher: Desmond ist ein wichtiger Teil von Charles’ Plan, denn für ihn gelten „die Regeln“ nicht.

Okay, ich denke, mehr kann man zu der Folge echt nichts sagen, was man nicht bei der morgigen eh’ noch mal aufgreifen müsste. Sorry, auch, dass es etwas länger gedauert hat und die Review trotzdem recht kurz ist, aber an Ostern hatte ich auch mal frei ;-)