Zunächst einmal: Sorry, dass es solange gedauert hat, aber ich war am Wochenende nicht so wirklich auf der Höhe und hab schreibtechnisch Nichts auf die Reihe bekommen: „Omega“ blieb ebenso liegen wie die zweite Hälfte der Review. Aber wir haben ja eh’ eine Woche Pause und so ist es vielleicht gar nicht mal so schlecht, dass sich das nun etwas streckt, verkürzt euch dann hoffentlich wenigstens die Wartezeit auf „The Candidate“.
Bevor ich jetzt zu den Flash Sideways komme, noch mal ein paar Worte zum ersten Teil, wo ja viele ihren Unglauben gegenüber der Jack-Ist-Gestorben-Theorie geäußert haben. Ich selbst bin auch nicht 108%ig davon überzeugt und wäre gewiss nicht happy darüber, aber es scheint mir dann doch irgendwie darauf hinauszulaufen, obwohl es nicht völlig stimmig wäre. Doch wenn uns Staffel 6 eines gelehrt hat, dann doch: auch bei „Lost“ ist nicht immer alles vollkommen logisch... leider passieren auch hier ab und an Schnitzer in der Handlung, die gravierender sind als ein falsches Geburtsjahr. Was mich dann viel mehr stört ist, wenn dann als Lösung zu solchen Fragen immer eine der folgenden fünf Erklärungsmodelle herhalten muss:
1.Jacob war’s.
2.MiB war’s.
3.Die Insel war’s.
4.Esist eine Halluzination.
5.Die marode Raum-Zeit oder eine alternative Zeitlinie ist schuld.
Der letzte Punkt ist dann auch eine gute Überleitung zu den Flash Sideways, wo Desmond in bester Jacob-Manier lose Enden zusammenfügt und so langsam aber sicher seinen Teppich knüpft. In der letzten Folge sahen wir Desmond zuletzt, als er John nach einem kurzen Plausch mit Ben über den Haufen gefahren hat. Ben sitzt mittlerweile neben John im Krankenwagen und versucht sein Möglichstes dem Sanitäter und Locke zu helfen. Leider kann er nur mit zwei sachdienlichen Informationen aufwarten: John war bereits querschnittsgelähmt UND sein Nachname ist Locke. John kommt zu Bewusstsein und keucht Ben zu, er solle Helen Norwood finden – er habe sie heiraten wollen. Ben erwidert, das werde er auch. Die Ironie dieser ganzen Konstellation muss man wohl kaum noch mal hervorheben, oder?
Sie erreichen das Krankenhaus zeitgleich mit Jin und Sun, die angeschossen auf einer Trage liegt und bei Johns Anblick immer wieder panisch schreit: „It’s Him!“ („Das ist Er!“) – okay, ist eigentlich etwas albern den Untertitel wiederzugeben und dann zu übersetzen, doch diese spezielle Phrase erkennen wir wohl im Englischen bald besser wieder als im Deutschen. Sie erinnert sich offenkundig – aber an wen? Sie sagt keineswegs „Das ist John“, sondern „Das ist Er!“ und jeder von uns weiß mittlerweile, dass, wenn von „Ihm“ die Rede ist, nicht zwangsläufig Jacob gemeint ist (wie man uns lange weismachen wollte), sondern meist der Mann in Schwarz und den glaubt Sun in John nun wiederzuerkennen. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass sie den Mann in Schwarz im Gegensatz zu den meisten (und vor allem zu uns) einzig und allein in der Gestalt John Lockes kennt.
Derweil sitzt Kate nun bei James Ford auf dem Polizeirevier und wieder einmal beweist sie uns, dass sie in Sawyer...ähm in James natürlich lesen kann wie in einem Buch – ungeachtet der Zeitlinie. Mehr als das und die Antwort auf die Frage, warum James Kate am Flughafen laufen ließ, kann uns diese Szene dann auch nicht wirklich bieten. Miles taucht auf und so wird gleich ein weiterer Lebensfaden in den Teppich der Alternativen Zeitlinie eingewoben. Eine gute Gelegenheit mal einen Blick auf die Verknüpfungen der Alt zu werfen. Fassen wir noch einmal zusammen:
·Kate und Claire treffen sich im Taxi, das Kate entführt. Später helfen sie einander, wobei sie unter anderem Ethan treffen.
·Kate trifft nun (in „The last Recruit“ bzw. eigentlich ja schon in „Recon“) erneut auf Detective JamesFord (alias Sawyer alias Jim LaFleur), der mit Miles zusammenarbeitet und auf der Jagd nach Lockes Vater ist.
·Die beiden nehmen nun bald Sayid fest, der kurz zuvor Keamy, Omar und Mikhail über den Haufen geschossen und Jin befreit hat, der mit Sun gerade bei dem Krankenhaus ankommt, in dem Jack arbeitet.
·Auch Locke, der jetzt mit Ben und Arzt zusammen an einer Schule arbeitet, nachdem Rose, zu der HurleyJohn geschickt hatte, ihm nicht so recht weiterhelfen konnte, wird zeitgleich mit Sun dort eingeliefert, weil Desmond ihn umgefahren hat.
·Desmond wiederum arbeitet für Charles, der ihn im Auftrag von Eloise und für Daniel losschickt, um Charlie aufzugabeln.
·Dabei wird er von George gefahren.
·Charlie und Daniel brabbeln etwas von ihrer großen Liebe: Claire bzw. Charlotte.
·Charlotte ihrerseits hatte ein Date mit James.
·Und Claire? Die begegnet Desmond nun zum zweiten Mal (wie zuvor schon Hurley) und trifft bei Anwältin Ilana auf ihren Halbbruder Jack, der kurz darauf weggerufen wird, weil er John operieren soll.
·Jacks Sohn Dave bewirbt sich bei der selben Musikschule wie Dogens Sohn auch.
·Wo wir bei Schulen sind: Ben ist nun der Geschichtslehrer von Alex.
·Außerdem trifft Hurley noch Libby wieder.
Hab ich wen vergessen? Ich hoffe nicht... bis auf Frank sind also alle, die in der Original-Zeitlinie noch leben, und auch der überwiegende Anteil der bereits verstorbenen auch fern des Flughafens wieder miteinander verknüpft. Klar, man könnte jetzt noch bei jeder Begebenheit ganz doll ins Detail gehen, aber im Wesentlichen läuft es doch darauf hinaus, dass sie alle wieder zusammenfinden und wenn es nicht von selbst klappt, hilft Desmond etwas nach – nimmt Kurskorrekturen vor. Apropos Desmond: Mir kommt gerade mal so eine total verrückte Idee: vielleicht hat Sayid ihn in der Original-Zeitlinie ja doch erschossen, aber da für Desmond die Regeln nicht gelten, kann sein Bewusstsein aus der Alt jetzt rüber – was theoretisch auch MiB mit Johns Körper passieren könnte, denn der Locke in ihm schlägt ja immer öfter durch.
Desmond passt Claire in der Alternativen Zeitlinie ab, als die zum Adoptionsbüro unterwegs ist, und schleift sie zu einer Anwältin, die schon händeringend nach einer gewissen Claire Littleton, die im Testament eines ihrer Klienten bedacht wird, sucht: Ilana Verdansky. Wunder gibt es immer wieder – heute oder morgen können sie geschehen – meistens dann, wenn Jacob – in der Nähe ist. Sorry, aber seit ich gestern diese Honda-Werbung im Lokalradio gehört habe, geht mir dieser Song nicht ausm Kopf... . Wo war ich? Oh, ja ganz zufällig taucht auch Jack bald auf, weil er mit David der Testamentseröffnung beiwohnen will. Kaum hat Jack Claire kennen gelernt, wird aber schon ins Krankenhaus gerufen: Ein Notfall – ein glatz- und überaus dickköpfiger Notfall um genau zu sein. Denn wen bekommt Jack da auf den Tisch? Natürlich jenen Mann, den er schon am Flughafen am liebsten gleich vor Ort auf dem Gepäckband operiert hätte – einfach, damit er mal wieder was hinkriegen kann. Man kann schon ahnen worauf das hinausläuft: Dieses Mal ist es keine Insel, die John heilt und ein nicht ganz freiwilliger Eingriff wird ihm auch keine Niere stehlen, sondern die Fähigkeit zu Laufen wiedergeben. Kurzum: Jack’s gonna fix it!
Was noch? Zu Sun im Krankenhaus und Sayids Festnahme kann man wenig sagen. Außer vielleicht: James beweist mal wieder sein Können in Sachen Planung, denn die Nummer mit dem Gartenschlauch war kultverdächtig. Aber damit verbleibe ich wohl dann auch bis nächste Woche zu „The Candidate“, denn letztlich war diese Folge wohl die letzte Bastion vor dem bombastischen Showdown und die zweiwöchige Pause ist – wie Gandalf es nannte: „Das große Luftholen vor dem Sprunge!“ Schönes Schlusswort: Bis zum Kandidaten, der passender Weise kurz vor der Landtagswahl läuft – aber es gibt bekanntlich keine Zufälle!
Da ich ja immer brutalst ehrlich bin: Ich hätte nicht gedacht, dass mich in dieser Staffel eine Folge nochmal so langweilen könnte wie "What Kate Does" - ich hab mich geirrt. Ich weiß, dass viele diese Meinung nicht teilen werden, doch ich fand die Folge bis auf die Szene im U-Boot komplett absehbar und selbst besagte Szene hat mich jetzt nicht wirklich vom Hocker gehauen. Dennoch möchte ich mit der mal einsteigen. Charles will "Samuel" also töten - da dachte ich so: Schon komisch, oder? Ben tötet Jacob und Charles "Samuel"? Mir kam da vor allem das Zitat in der Übeschrift wieder in den Sinn. Wenn Charles offenbar weiß, was es mit dem "Smoke Thing" auf sich hat, könnte er auch von den Kandidaten gewusst haben und nahm an, er sei als Anführer bestimmt, Jacob zu töten und zu ersetzen. Dann kommt Ben und nimmt ihm den Job weg. Dass Charles nicht wirklich für Jacob oder den MiB kämpft, ist wohl ziemlich wahrscheinlich. Er ist und bleibt halt doch ein sadistisches, egoistisches Schwein, das um seiner Macht Willen sogar seinen Schwiegersohn in ein U-Boot sperren und zurück zur Insel verfrachten würde... oh, da ist mir doch glatt meine Theorie zu der verschlossenen Kammer rausgerutscht. Verdammt!^^ Läuft es nun also doch auf das große Duell zwischen Ben und Charles hinaus, denn das die zwei sich gegen MiB zusammentun, ist etwa so wahrscheinlich wie zweimal auf der selben Insel abzustürzen. Charles will das Spiel beenden, aber wohl kaum für Jacob, sondern für sich. Man wird wohl abwarten müssen, was er mit "Samuel" anstellt, aber der schien weder von Charles Anwesenheit noch von dem extra für ihn angefertigten Gefängnis sonderlich beunruhigt. Ansonsten bemüht sich MiB weiter allen munter Honig ums Maul zu schmieren. James ist also der beste Lügner, den er je getroffen hat? Wenn Ben das hört tickt er wohl endgültig aus, denn im Leute verarschen ist er (zumindest unter den Menschen) immer noch die unanfechtbare Nummer 1. Aber auch Kate versucht er einzulullen und ich frag mich, warum, denn es hätte ihm doch wie gerufen kommen müssen, wenn Claire eine Kandidatin ausm Weg räumt. Dann wäre da noch die geschichte von "Samuels" irrer Mutter. Wer ist oder war sie? Kennen wir sie? Ist es womöglich Claire selbst und MiB ist Aarons zukünftiges Ich? Zumindest zieht er Parallelen zwischen sich und Aaron, was zumindest darauf hindeutet, dass dessen große Stunde bald schlägt. Vielleicht ist Jacob auch "Samuels" Bruder und sollte darauf Acht geben, dass sein durchgeknallter Bruder auf der Insel bleibt. Zu den Flash Sideways: Bis auf ein paar bekannte Gesichter (Miles, Kate, Charlotte, Liam) und gewisse Schlüsselbegriffe (con man, LaFleuer, Anthony cooper, Sawyer) war da nichts wirklich Interessantes bei. Sieht man mal von dem altbekannten Motiv der Entscheidung (Krimineller vs. Polizist) ab. Na ja, ich schau mal, wann ich zur Review komme. Bis dahin euch allen einen schönen Tag und Namaste!
Obwohl die Folge „What Kate Does“ heißt, finde ich gerade das, was Kate tut, mit Abstand am unwichtigsten an dieser Folge. Allenfalls die Frage, warum sie wirklich aus dem Tempel und somit aus einer sicheren Zuflucht flieht, ist noch halbwegs interessant. Geht es da wirklich um James oder Claire? Ich denke, der Hauptgrund, warum Kate von irgendwo abhaut, ist stets der gleiche: sie kann nicht lange an einem Ort bleiben, vor allem dann nicht, wenn es nicht ihre freie Entscheidung ist. Der Tempel kommt ihr wie ein Gefängnis vor, also bricht sie aus. Dass sie und Jin dann ausgerechnet von Aldo begleitet werden, zeugt mal wieder von Darltons Neigung zur Ironie des Schicksals. Kate will nicht im Tempel bleiben, obwohl da gerade jetzt einige richtig spannende Dinge vor sich gehen.
Wer dachte Dr. House ginge mit seinen Patienten sadistisch um, kennt Dogen wohl noch nicht – Zauberasche, Elektroschocks und glühende Schürhaken – was für Diagnoseinstrumente. Eines ist hier auf jeden Fall schon mal sicher: Sayid ist Kassenpatient. Dogen will also rausfinden, ob Sayid infiziert ist. Womit? Vermutlich mit der gleichen Seuche, die auch Rousseaus Team befallen hat und von der Danielle glaubte, Ben habe sie übertragen. Aber wurde Ben bei der Heilung genauso infiziert wie Sayid, wieso lassen die Anderen ihn dann leben und machen ihn sogar zum Anführer? Sollte Ben tatsächlich dieses Schicksal ereilt habe, könnte eine mögliche Antwort sein, dass Jacob wollte, dass Ben infiziert, besessen wird, damit er ihn tötet. Das Ganze hat aber so oder so einen Haken: Normalerweise ist die Heilquelle klar und nicht trüb und man kann wohl davon ausgehen, dass die Risiken dieser Infektion nur bei getrübtem Wasser bestehen, denn die Plörre schien Dogen doch ziemlich nervös zu machen. Da das Wasser, aber erst jetzt so aussieht (Dogen und Lennon bemerken die Trübung in „LA X“ ja doch ziemlich überrascht und verwirrt), stellt sich nun die Frage, wie Claire dann infiziert werden konnte. Oder war sie nie im Tempel und infizierte sich auf andere Weise? Was sollte Claire auch im Tempel? Wie sollte sie da rein gekommen sein, sofern Daddy nicht doch ein Anderer ist? Aber wenn Claire nie im Tempel gewesen wäre, würde sich dann wieder die Frage stellen, woher Dogen weiß, dass sie infiziert wurde. Dass Claire sich grundlegend verändert hat, ist nicht von der Hand zu weisen. Sie baut Fallen wie Danielle, schießt auf Menschen (und Aldo) und sieht aus als hätte sie sich das letzte Mal vor vier Monaten gewaschen. Das ist doch nicht mehr unsere liebe, sanftmütige, manchmal etwas hysterische, aber dennoch gutmütige und altruistische Claire, die keiner Fliege was zu Leide tut. Okay, der Verlust Aarons mag sie wie Danielle der Verlust von Alex traumatisiert haben, doch eine so krasse Persönlichkeitsänderung ist damit auch nicht wirklich zu erklären, weshalb man schon davon ausgehen sollte, dass Dogen Jack die Wahrheit über Claire sagt.
Apropos Jack und D(r)ogen: Dogen mixt so eine komische Kräutermischung zusammen und füllt sie dann in eine erschreckend große Hartgelantinekapsel – mein erster Gedanke war nur: Wie soll einer dieses Monstrum runterwürgen? Jack soll Sayid davon überzeugen, dass „Medikament“ zu nehmen. Durch einen Trick bringt Jack Dogen dazu, den Inhalt der Kapsel zu offenbaren: Gift. Warum tötet Dogen Sayid nicht einfach, sondern macht sich so eine Mühe? Einige Fans hatten hier wohl den richtigen Riecher: Sayid ist zwar infiziert, aber auch nicht mehr verwundbar (wohl weniger wegen der Besessenheit als wegen der heilenden Brühe), wie Dogen durch den Schürhaken herausfand. Deshalb muss man Sayid von Innen heraus töten, sprich: vergiften. Jetzt gibt es zumindest eine Hypothese zu der glühenden Eisenpike, aber nicht zur Asche und den Elektroschocks. Wobei die Asche eigentlich noch offensichtlicher ist als der Schürhaken. Die Anderen-Spezial-Anti-Smokey-Asche wirkt auf das Rauchmonster und die damit verknüpfte Seuche wohl ähnlich wie Weihwasser oder Salz auf Dämonen.
Kommen wir zu guter Letzt noch zu James. Der ist ziemlich frustriert und verlässt den Tempel, um ins Dharmadorf zurückzukehren. Wie schon an anderer Stelle erwähnt, halte ich es für ein Gerücht, dass in 30 Jahren keiner diese Pappschachtel mit dem Verlobungsring unter den Dielen gefunden hat. Kate findet Sawyer und beobachtet ihn von der Tür aus wie sie damals auch Jack beim Klavierspielen zusah. In ihrem Gespräch mit James, dürfte Kate wohl klar werden, dass sie Juliet nie mehr ersetzen kann und praktisch keine Chancen mehr bei ihm hat.
Mehr wüsste ich zu der Folge auch nicht zu sagen. Ich denke mal, ich spar mir meine Kapazitäten für „TheSubstitute“
Ich bin ja bekanntermaßen ein brutalehrlicher Mensch und als solcher muss ich sagen, dass mich „What Kate Does“ im Vergleich zu den meisten anderen „Lost“-Folgen etwa so sehr gefesselt hat wie Testbild oder dessen Nachfolger „Die schönsten Bahnstrecken Deutschlands“. Daher tue ich mich mit der Review zu dieser Folge denkbar schwer und hole mal lieber den versprochenen Blick auf die Flash Sideways in „LA X“ nach und hänge ein paar Gedanken zu denen in „What Kate Does“ gleich hinten an.
Jack sitzt also etwas bedeppert dreinblickend am Fenster, als Cindy vorbeikommt. Den anderen Flugzeugtyp verbuche ich jetzt mal unter: Produktionsbedingte Änderung – ebenso die Unterschiede bei Alter und Frisur der Charaktere. Ein beabsichtigter Unterschied ist aber mit Sicherheit, dass Jack nur eine Flasche von Cindy bekommt – die zweite braucht er ja ohne Crash auch nicht mehr. Könnte dies ein Hinweis darauf sein, dass Cindy stets eine Andere war und in der Crash-Timeline wusste, was passieren würde? Klingt zwar zunächst etwas komisch, doch, wenn ich mir überlege, was Jacob so alles im Voraus weiß und wie er seine Anweisungen erteilt, würde es schon Sinn machen.
Das Flugzeug wird anschließend ordentlich durchgerüttelt, doch der Crash bleibt aus, woraufhin sich Jack zu einer sehr bedeutungsschwangeren Äußerung hinreißen lässt: „Looks like we made it.“ („Sieht aus, als hätten wir es geschafft.“) Welcher Jack spricht da jetzt? Von hier an ist der Flug in jedem Fall anders und ich halte es für das beste die Charaktere in der LAX-Timeline mal nacheinander abzuarbeiten, doch zuerst werfen wir einen Blick auf die Insel selbst:
Die befindet sich wie Atlantis auf dem Grund des Meeres, doch sehen wir sowohl Teile des Sonarzauns und des Dharmadorfs als auch den Dharma-Hai und die Statue. Was uns suggeriert werden soll, ist wohl jedem klar: Jacks Plan hat funktioniert und Jughead hat die Insel versenkt. Aber ist das realistisch? Seit wann kann ein Wasserstoffbombenkern eine komplette Insel (eine zeitreisende noch dazu) einfach versenken. Okay, soviel ist sicher: was immer die Insel auf den Meeresgrund hinabgeschickt hat, ist zwischen den 1970ern und 2004 passiert oder es blieb in diesem Zeitraum etwas aus, das sie sonst am Sinken hinderte/gehindert hätte. Wie ich schon äußerte, glaub ich nicht, dass die LAX-Timeline mit Jughead in irgendeinem direkten Zusammenhang steht und weiterhin die Whatever-Happened-Happened-Regel gilt. Es wäre einfach logischer, da sonst viele in der fünften Staffel gelöste Rätsel wieder völlig bedeutungslos wären. Doch hat die alternative Zeitlinie stets existiert und hängt nicht mit Jughead und den Losties zusammen, würde alles passen, denn stürzt das Flugzeug nicht ab, wird die Bombe nie gezündet, aber etwas anderes würde passieren: der Vorfall würde ohne Bombe stattfinden. Lassen wir dieses Szenario mal einen Moment lang zu, dann stellt sich die Frage, ob Jughead nicht tatsächlich die elektromagnetische Energie, die bei der Bohrung entfesselt wurde, bündelte oder sich die Kräfte „aufhoben“ und nur soviel Restenergie beider Arten verblieb, dass der Schwan so konstruiert werden musste, wie er konstruiert wurde. Bleibt die Bombenexplosion aus, wird die elektromagnetische Energie vollends entfesselt und *plopp* – die Insel ist weg. Eine andere Möglichkeit wäre noch das Rad. Es gibt da diese geschnittene Szene aus Staffel 4, in der Ben in bester „The Prestige“-Manier auf seinen eigenen Körper hinübersieht, der in der Wüste liegt. Was wäre, wenn das Rad also nicht nur die Person verdoppelt, die es benutzt, sondern auch die Insel, die versenkt wird, denn daran erinnert die Szene ihres Verschwindens irgendwie – konzentrische Kreise auf der Wasseroberfläche, als hätte man einen Stein ins Wasser geworfen – und gleichzeitig dupliziert wird. Es existiert also noch eine zweite Insel irgendwo da draußen. Soweit die Theorien zur Insel, jetzt aber zu den Charakteren:
Jack: Bei Jack scheint sich in der Zeit vor dem Flug wenig oder gar nichts geändert zu haben. Doch vom Zeitpunkt des ausbleibenden Crashs an ändert sich selbst das, was man in der Originalzeitlinie als feste Größe eines Was-Wäre-Wenn-Szenarios angenommen hätte. Da wäre erst mal sein Verhalten bei den Turbulenzen – nicht er beruhigt Rose, sondern sie beruhigt ihn. Dann geht Jack zur Toilette und bemerkt diese mysteriöse rote Schramme (dunkelblauer, fast schwarzer Anzug, weißes Hemd, roter Fleck – die Farbsymbolik erklärt sich von alleine), die wie aus dem Nichts (oder aus einer anderen Welt) im Spiegel auftaucht und von dem realen Jack, der vor seinem virtuellen Abbild steht, nie bemerkt worden wäre und auch für uns nicht zu sehen ist. Die Schramme befindet sich im toten Winkel der Kamera. Was mit Jack während des Fluges dann noch passiert, hängt weniger mit ihm selbst als mit anderen Charakteren (Desmond, Kate, Charlie) zusammen und wird bei denen abgehandelt. Nach der Landung erfährt Jack, dass sein Vater nicht an Bord war und in Folge dessen kommt es zu einem Gespräch mit John, in dem Jack mal wieder seine Wunderheilerallüren bekommt und meint, Johns irreparable Lähmung operieren zu können. In „What Kate Does“ sehen wir Jack vom Taxi aus telefonierend am Flughafen stehen. Ich finde, es zeigt sich, dass Ben mal wieder recht hatte: Was erwartet Jack in diesem Leben, in das er so unbedingt zurück wollte? Wie sehr er unter den drei Jahren fern der Insel gelitten hat! Gut, jetzt erfährt er nie etwas von der Existenz der Insel und dem anderen Leben, das er hätte führen können, doch wenn sich der Crash-Timeline-Jack einredet, seinem anderen Ich ginge es damit wirklich besser, dann betrügt er sich selbst.
Jacob: Jetzt werdet ihr euch fragen: Warum den als zweites, der war nicht mal im Flugzeug. Ganz einfach: er hat das Leben vieler der anderen Passagiere beeinflusst, sie zu ganz entscheidenden Momenten ihres Lebens aufgesucht und wir müssen uns fragen: Konnte er das dennoch? Ging er mit der Insel unter und wenn ja, wann? Oder braucht er die Insel nicht. Fiel der Jacob-Faktor weg oder nicht? Die Frage müssen wir uns bei einigen Charakteren stellen: Was wäre, wenn Jacob sie nie besucht hätte? Gibt es Anzeichen, dass er sie nie besucht hat oder andersherum Hinweise, dass er es doch hat?
John: Bei John hat sich scheinbar wenig geändert, aber ich glaube das täuscht gewaltig. Er spricht mit Boone über den angeblichen Walkabout, der – nehme ich an – nie stattgefunden hat. Doch viel wichtiger ist wohl die Frage wie John einen Sturz aus dem achten Stock ohne Jacob hätte überleben sollen? Die Antwort ist denkbar einfach: gar nicht. Entweder war Jacob bei John oder er landete auf anderem Wege im Rollstuhl, was mal wieder ein Hinweis auf gewisse Kurskorrekturen des Universums sein könnte. Trotz allem wirkt John irgendwie optimistischer und das war wohl weniger der Jacob-Faktor als der MIB-Faktor (nein, keine Außerirdischen). Warum sollte nur Jacob Einfluss nehmen? Wäre ich „Samuel“, hätte ich John mir schon frühzeitig zurecht gebogen, denn durch Johns Besuch in der Vergangenheit wusste „Samuel“ ja schon, das John eine der beiden Hälften seines Loophole sein würde. Trotz seines schweren Schicksals scheint John mit sich im Reinen zu sein und dennoch wäre es voreilig zu sagen, sein Leben verliefe besser als ohne Insel, denn sein wir mal ehrlich: wirklich glücklich hat man John Locke nur gesehen, wenn er am Strand der Insel saß und er deren Allmacht spürte.
Kate: Als Jack, wenige Minuten nachdem er aufm Klo im Heck war, auf das Klo im Bug muss, steht Edward Mars davor und Kate ist drinnen. Beim Rausstolpern klaut sie Jack einen Stift, den sie später nutzen will, um ihre Handschellen zu knacken. Über ihre Flucht will ich gar kein Wort verlieren. Als Kate die Handschellen los ist und in Claires Tasche sieht, zeigt sich auch in dieser Realität ihre selbstlose Seite und sie hilft Claire. Kate ist wie auf der Insel zugegen, als bei Claire erste Wehen einsetzen. Ihr selbstloses Verhalten gegenüber Claire honoriert diese mit einer Kreditkarte. Gegenüber der Polizei deckt Claire Kate ebenso wie Sawyer wenig zuvor im Aufzug am Flughafen. Ferner gibt Kate Claire gegenüber vor unschuldig zu sein, was uns zu der einen Frage führt: Ist sie es in dieser Realität womöglich? Und weshalb hat sie keinerlei Interesse am Silbernen Koffer?
James: Bei James kann man das Fehlen des Jacob-Faktors durchaus erahnen, denn er wirkt sehr viel altruistischer und weit weniger verbittert. Eine mögliche Antwort könnte sein, dass er den Brief an Sawyer/Cooper nie schrieb und sein Leben nicht von Rachsucht bestimmt wurde. Doch dann stellt sich die Frage, wie es ihn in diesen Flieger verschlagen hat.
Hurley: Auch in dieser Realität hat Hurley im Lotto gewonnen und ist Chef von Mr. Clucks, doch sagt er, die Zahlen hätten ihm Glück gebracht, statt ihn verflucht zu haben, was uns zu zwei entscheidenden Fragen führt: Waren es die selben Zahlen? Und, wenn ja, woher hat er sie? Denn hat er sie auch in dieser Realität von Lennard, müsste der sie auch weiterhin von der Insel haben und das würde Jughead als Auslöser der versunkenen Insel und der alternativen Zeitlinie wohl entgültig ausschließen. Nur wiederholt Lennard die Zahlen ja, weil er sie für die Büchse der Pandora hält und wenn all das in beiden Realitäten gleich wäre, käme ich zu dem Schluss, dass Hurley Lennard nach dem Lottogewinn nie in Santa Rosa aufgesucht hat und die Angst vor den Zahlen stets autosuggestiv war. Ob es Hurley mit diesem Verlauf seines Lebens nun wirklich besser geht, wage ich dennoch zu bezweifeln, denn in der Insel findet er eine Bestimmung und all das Pech, all die Entbehrungen der Crash-Timeline zeigen ihm, was für ihn wirklich wichtig ist und das kann man mit keinem Geld der Welt kaufen. Ein Lottogewinn ersetzt keine Freundschaften – so enge, wie die Insel ihm bescherte, schon gar nicht.
Sayid: Sayid hat einen iranischen und keinen irakischen Pass – was auch immer das bedeuten mag. Außerdem tritt er die Klotür ein, damit Charlie gerettet werden kann. Sayid ist für mich jedoch der größte Anhaltspunkt dafür, dass Jughead keine neue Zeitlinie erschaffen hat. Stürzt Flug 815 nie ab, lernt Sayid Ben nie kennen, wird nicht in Flug 316 sitzen und durch die Zeit reisen. Und selbst wenn es Sayid trotz allem auf die Insel ins Jahr 1977 verschlagen sollte, bleibt dennoch die Motivation aus, auf Ben zu schießen. Wird Ben nie angeschossen, wird er nie zum Tempel gebracht, wird dort nicht geheilt und bleibt somit ein Dharma-Mann. Selbst wenn Ben die Bombenexplosion überlebt, nimmt sein Leben ohne Sayid einen völlig anderen Verlauf. Also hätte Sayid Ben nie im Schwan treffen und später von ihm manipuliert werden können. Sayid und Ben verursachen einen Zirkelschluss, den man nicht mehr auflösen kann.
Ben: Bleiben wir direkt dabei und fragen uns: Was mit dem wohl passiert ist? Entweder ist er mit der Insel untergegangen oder aber sein Leben nahm einen komplett anderen Verlauf, da Sayid ihn nie angeschossen hat. Das wird spannend. Da Bens Leben schon in jungen Jahren grundlegend anders verlaufen sein dürfte, als in der Crash-Timeline, wäre es möglich, dass wir hier einen komplett anderen Menschen zu Gesicht bekommen. Wenn das so wäre, könnte man wirklich sagen, dass Sayid Ben zu dem gemacht hat, was er ist.
Sun: Bislang haben wir keinen Beleg, dass LAX-Sun Englisch spräche oder nicht. Sie belauscht scheinbar Rose und Bernard, doch könnte sie Jin theoretisch die Wahrheit sagen. Ebenso wäre es denkbar, dass sie wirklich nicht versteht, was die Frau von der Flughafensicherheit von ihr will. Ähnelt diese Sun jedoch nur entfernt unserer Sun, dann würde sie eher lügen und Jin vom Zoll auseinandernehmen lassen, ehe sie nur einen kleinen Hinweis darauf gibt, Englisch zu sprechen. Sun scheint in dieser Realität aber nicht mit Jin verheiratet zu sein, da sie als „Miss Paik“ angesprochen wird.
Jin: Obwohl Jin noch nicht mit Sun verheiratet ist, arbeitet er doch für ihren Vater. Das viele Geld in seinem Gepäck könnte ein Verweis auf Suns und Jins ursprünglichen Plan sein, sich in die USA abzusetzen, dort ein neues Leben zu beginnen und auch zu heiraten. Dass Sun und Jin in der LAX-Timeline noch nicht verheiratet sind, könnte mal wieder auf den ausgebliebenen Jacob-Faktor hindeuten, denn schließlich war er in der Crash-Timeline auf der Hochzeit der beiden und steht womöglich in noch engerem Zusammenhang mit ihrer Beziehung... ich sag nur: „Orange!“.
Claire: Bei ihr erleben wir keine wirklichen Überraschungen. Ich überlege nur die ganze Zeit, ob sie auch dieses mal von Malkin in den Flieger gesetzt wurde und wenn ja, warum er das getan haben sollte, sofern er sie nicht stets zu diesem nun getrennten Paar schicken wollte. Aber ist Malkin wirklich ein Hellseher und hat in der Crash-Timeline gewusst, dass Flug 815 abstürzt und wo, dann hat er in dieser Zeitlinie vielleicht auch gewusst, dass das Paar, zu dem er Claire geschickt hat, sich gerade getrennt haben und Claire ihren Sohn in L.A. zur Welt bringen würde. Bemerkenswert ist noch, dass Claire Aarons Namen in einer ähnlichen Situation einer Epiphanie gleich ausspricht, wie es in der Crash-Timeline auch die Mütter von Ben und John bei ihren Söhnen taten.
Boone: „It’s alive!“ Dass er sich mit Locke versteht, scheint hingegen in jeder Realität sein Schicksal zu sein. Wirklich interessant ist wohl die Frage: Wird er auch am Leben bleiben? Oder nimmt das Universum eine Kurskorrektur vor?
Shannon: Ist nicht an Bord des Flugzeuges, weshalb wir nur sagen können, dass sie in Sydney blieb und vermutlich nie mit ihrem Stiefbruder gemacht hat, was sie halt so gemacht haben, bevor sie in den Flieger stiegen. Sofern Shannon nicht dennoch das Zeitliche segnet, hätte sich zumindest für sie etwas verbessert, weil sie eben nicht von einer schießwütigen Ex-Polizistin über den Haufen geballert wird.
Rose: Tja, die hat sich vom Wesen her kaum verändert und mich beschäftigt sie derzeit dennoch am meisten, denn es stellt sich doch die Frage, ob sie auch in dieser Realität an Krebs erkrankt ist und Bernard sie zu Isaac geschleppt hat. Wäre dem so und hätte ihr Leben bis zu diesem 22. September 2004 auch sonst den selben Verlauf genommen, wäre es für sie das Todesurteil und somit zieht sie in jedem Fall Nachteile aus der alternativen Zeitlinie.
Bernard: Er kommt heil vom Klo zurück – sonst hören und sehen wir nicht wirklich viel von ihm. Was man an dieser Stelle noch erwähnen sollte, ist die andere Sitzreihe: 24 statt 23 (gilt natürlich auch für Jack und Rose).
Charlie: „I was supposed to die“ („Ich war bestimmt zu sterben!“) – dem ist nichts hinzuzufügen. Charlie mag in der LAX-Timeline leben, doch alles, was jetzt auf ihn zukommt, hätte er wohl mit Freuden gegen die Wochen auf der Insel und den Heldentod eingetauscht. Er hat sich äußerlich verändert, ist aber auch in dieser Zeitlinie ein Junkie, der jedoch auch auf Entzug so bedeppert ist, dass er die Plastiktüte gleich mitschlucken will: Guten Appetit! Jacks Rettungsversuche weisen gewisse Parallelen zu seiner Ersten Hilfe nach dem Absturz in der Originalzeitlinie und seiner Rettung Charlies nach dessen Begegnung mit Ethan auf.
Desmond: Für Des gab es wohl mitunter die größten Einschnitte und zwar nicht nur, weil er bei der Regatta nie auf der Insel stranden konnte, denn je nachdem, wann die Insel versenkt wurde, starb Charles Widmore wohl dort oder hat sie zuvor verlassen. Nur wenn das Leben von Charles und Eloise anders verläuft, wäre es denkbar, dass Penny nie das Licht der Welt erblickt hat oder auf der Insel aufwuchs. Desmonds mysteriöses Auftauchen und Verschwinden und der Ehering an seinem Finger ließen noch einen anderen Schluss zu: er trifft Jack tatsächlich in einem anderen Leben. Wenn Daniel recht hatte und Desmond die Ausnahme ist und tatsächlich einen Weg gefunden hat, direkt Einfluss auf die verschiedenen Realitäten zu nehmen, könnte dieser Desmond wirklich unser Desmond sein und er wäre dann auch mit Penny verheiratet. Desmond hat in Staffel 3 bereits eine alternative Zeitlinie „bereist“ bzw. durch seine Zeitreise eine geschaffen. Könnte er eine Möglichkeit zur kontrollierten Reise zwischen den Welten gefunden haben?
„Samuel“/Man in Black: Er könnte der Grund sein, warum die Insel wirklich am Meeresgrund liegt: Entweder weil er sie versenkt hat oder weil man sie wegen ihm versenkt hat. Im ersten Fall könnte er nach Hause gegangen sein, im zweiten wurde er wohl daran gehindert. Apropos: Geht es nur mir so, oder erinnert der Heilquell euch auch etwas an ein Becken oder Tank, der gezielt geflutet wird, um ein auf dem Wasser schwimmendes Objekt zu versenken? Also für mich sah das weniger aus, als würde das Wasser natürlich hinein fließen, sondern mehr wie wenn es hinein gepumpt würde bzw. als würde das Becken durch eine Absenkung geflutet.
Michael und Walt: Beide sind nicht an Bord des Fluges, was darauf hinweisen könnte, dass Susan Lloyd noch lebt, doch letztlich wäre alles andere wohl überaus spekulativ.
Juliet Burke: Die kam wohl nie auf die Insel und ist noch bei ihrer Schwester daheim... schätze ich mal. Entscheidend auch hier: wie hätte sie Klein-Bens Leben vor der Detonation von Jughead, die sie überdies ausgelöst hat, retten sollen, wenn sie nie auf der Insel war.
Edward Mars: Der kann einem langsam nur noch leid tun. Jedes Mal wenn er sich Kate gegenüber menschlich verhält, nutzt sie es aus. Man kann es ihr nicht verdenken, doch der Mann hat’s mit ihr echt nicht leicht. Aber er hat in dieser Realität zumindest keinen rostigen Metallsplitter von der Größe eines Pizzatellers in seinen Eingeweiden – auch was wert.
Seth Norris: Der fliegt auch in dieser Zeitlinie Flug 815 und mir stellt sich doch die Frage: kam auch dieser Flug vom Kurs ab, denn wenn nicht, liegt die Insel woanders unter Wasser als sie sonst über Wasser lag. Wir erfahren jedoch nichts von einer unplanmäßigen Kursänderung.
Ethan Goodspeed: Ethan ist Gynäkologe in Los Angeles, ist auch hier Claires Arzt (diesmal jedoch nicht gegen ihren Willen) und... Stop! Moment mal! Wenn Jughead tatsächlich Auslöser der alternativen Zeitlinie wäre und die Insel wirklich versenkt hätte, wie kommt Ethan dann bitte – und dazu unverstrahlt und an einem Stück – nach Los Angeles? Habt ihr Amy irgendwann nur in der Nähe der Galaga gesehen? Was sollte sich für Ethan geändert haben, dass er in der Crash-Timeline da blieb und in der LAX-Timeline die Insel verlassen hat. Ist der Vorfall die Astgabelung und hat Jughead die neue Zeitlinie ausgelöst und die Insel versenkt, müsste Ethan zu diesem Zeitpunkt auf der Insel gewesen sein, doch wäre er dann tot. Ethans Erscheinen im Los Angeles der LAX-Timeline ist das bislang stärkste Indiz dafür, dass Jughead allenfalls indirekt mit der versunkenen Insel und der neuen Zeitlinie zu tun hat.
Ana, Libby und Eko: Sind alle drei nirgends zu sehen. Da sie im Heck saßen, könnten sie dennoch an Bord gewesen sein, ohne dass wir sie zu Gesicht bekommen haben.
Christian: Christian war nicht an Bord von Flug 815, doch wissen wir bis heute nicht sicher, ob er das in der Crash-Timeline war, obgleich es wahrscheinlich wirkt, denn letztlich gibt es für sein Erscheinen auf der Insel nur zwei logische Erklärungen: Jacob oder der Heilquell haben ihn wie John bzw. Ben und Sayid ins Leben zurückgebracht ODER „Samuel“ hat wie bei Yemi, Alex und John die Leiche benutzt, um sich Christians Gestalt anzueignen, denn genau wie Yemi und Alex verschwand auch Christian spurlos. Aber wo ist er in der LAX-Timeline... Ja, John, ich weiß: woher soll man wissen, wo er ist? Ich meine jetzt aber Sarg und vor allem Leiche und ich denke mal, ich bin nicht der einzige, der mutmaßt, dass jemand, der im Lagerraum gehockt hätte, einen Sarg in weißem Licht verschwinden gesehen hätte.
Frank: Auch in dieser Zeitlinie ist er nicht Pilot von Flug 815.
Charles: Was mag mit dem wohl passiert sein? Also so viel ist sicher: Hat diese neue Zeitlinie schon immer existiert, hat Ben ihn in ihr nie abgelöst – könnte das in Zusammenhang damit stehen, dass die Insel auf Tauchstation gegangen ist?
Leslie Arzt: Dr. Arzt hat sich selbst wohl nicht verändert, aber zumindest wird er sich jetzt nicht mit schwitzendem Dynamit in die Luft jagen. Schade für uns (wegen dem hohen Unterhaltungswert^^) – wünschenswert für ihn!
Miles: Der hat die Insel kurz vor dem Vorfall verlassen, weshalb sein Leben wohl erst später einen signifikant anderen Verlauf nimmt.
Daniel: Der zieht wohl immer die Arschkarte. Entweder sein Plan hat funktioniert und Jughead ist der Auslöser, dann wurde er nie geboren. Haben die Zeitlinien eine andere Astgabel, wird er in der Crash-Timeline stets sterben und in der anderen... das weiß wohl Jacob allein.
Charlotte: Die hat in jedem Fall ein besseres Leben, denn es dauert nun wohl erheblich länger.
Richard: Der hat „sie sterben sehen“ – wieder ein Indiz für zwei unabhängige Zeitlinien. Wäre dem nicht so, müsste Richard außerdem derjenige sein, der tot ist.
Ich hoffe mal, dass ich es noch vor Dienstag schaffe ein bisschen was zu der Inseln-Handlung von „What Kate Does“ zu Papier zu bringen. In jedem Fall wünsche ich all den Jecken einen schönen Rosenmontag und dem noch zurechnungsfähigen Rest (man merkt, wie sehr ich die Karnevalszeit „liebe“), dass er irgendeinen sicheren Ort (Luftschutzkeller, Sonarzaun, Aschekreis, Panicroom, Dharma-Station etc.) findet, wo man sich gut vor den narren verstecken kann... tätäh – tätäh – tätäh!
Da wir nicht an Zufälle glauben: Was bedeutet eigentlich SOS? „Save Our Souls“? „Save Our Ships“? „Samuel ohne Schlupfloch“? Nein, nichts von alledem. Es bedeutet schlichtweg absolut und rein gar nichts. SOS hat keinerlei Bedeutung, sondern ist lediglich die in Buchstaben zurückgewandelte Codierung für den einprägsamen Morsecode eines Notsignals: ···---··· (dreimal kurz, dreimal lang, dreimal kurz). Hat schon eine gewisse Ironie, wenn ich bedenke, dass ich seit September kaum etwas anderes mache als irgendwelche Zeichen zu interpretieren und zu analysieren, von denen einige vermutlich – ebenso wie das SOS-Signal – keinerlei Bedeutung haben. Da ich aber nun einmal nicht weiß, was eine Bedeutung hat und was nicht, kommt hier nun die neue Review zu „SOS“ oder „S.O.S.“ (sucht euch eine Schreibweise aus). Da diese Folge ein Sammelsurium kleiner Nebenhandlungsstränge ist, halte ich es für sinnvoll alle Chronologie vollends über Bord (auch wenn die Chronologie dann ein SOS-Signal absetzen sollte) zu werfen und die Themengebiete einfach abzugrasen.
Rose und Bernard sind wohl der lebende Beweis dafür, dass Gegensätze sich gelegentlich tatsächlich anziehen. Damit meine ich keineswegs die Hautfarbe, denn die ist letztlich irrelevant – sie mag bei der Partnerwahl wie alle Äußerlichkeiten zwar eine Rolle spielen, doch in der Beziehung selbst zählt sie letztlich nicht mehr. Rose ist jedoch all das, was Bernard nicht ist und umgekehrt. Die einzigen Gemeinsamkeiten in ihrer Persönlichkeit teilen sie mit der halben Insel: beide sind sie ein wenig bevormundend (wenn auch auf weit angenehmere Art als Jack oder Ana) und im Grunde ihres Wesens wollen sie keinem schaden. Was sie später noch verbindet, aber von den meisten anderen Inselbewohnern krass unterscheidet ist ihr Bestreben, Konflikte ohne Einsatz von Gewalt beizulegen (einige versuchen das zwar auch immer wieder, doch am Ende erwürgen und erschießen sie trotzdem einen gewissen Glatzkopf). Aber noch sind sie nicht die Insel-Gandhis.
Aber kommen wir jetzt zu den Unterschieden: Bernard ist ein ewig Getriebener, jemand, der handeln muss und nicht so wie Rose die Hände in den Schoß legen kann. Obgleich er es nicht so meint, wirken seine Ratschläge oder Anweisungen oft herablassend und überheblich. Im Grunde seines Herzens ist Bernard hilfsbereit und jedem wohlgesonnen und möchte, wenn er jemanden bevormundet, ihm eigentlich nur helfen – das zeigt sich besonders in der Szene mit dem im Schnee festgefahrenen Wagen. Ich glaube sogar, er hat, bis er von Rose und James mit der Nase drauf gestoßen wird, nicht einmal wirklich gemerkt, dass ihn alle hängen lassen, weil es sich die leichtesten Aufgaben rausgepickt und einen recht harschen Befehlston angeschlagen hat. Dazu fehlt es ihm an Feingefühl. Auf den Gedanken, er könne beim Steinetragen helfen, kommt er gar nicht erst, er hat die Initiative ergriffen und Aufgaben verteilt und hat schon eine so genaue Vorstellung, dass er einfach keinem anderen Planungsarbeiten überlassen will. Bernard ist ein Kontrollfreak.
Anders als der hilfsbereite und manchmal etwas begriffsstutzige Besserwisser ist Rose von Natur aus gelassen. Sie vertraut einfach darauf, dass sich alles zum Guten wendet und wenn nicht, hat sie auch damit ihren „Frieden gemacht“. Aber auch sie hat Fehler, die ihr selbst wohl am wenigsten bewusst sind. Bernard ist ein sehr ehrlicher Mensch, wohingegen Rose des öfteren Dinge verschweigt und gerade Bernard belügt. Außerdem mangelt es ihr an seiner bedingungslosen Loyalität: So fällt sie Bernard, als er den Vorschlag macht, das Zeichen zu bauen, ganz schön in den Rücken und stellt ihn vor versammelter Mannschaft bloß. Sie blamiert und beschämt ihn. Ich muss sagen: das war eine der ganz wenigen Stellen, in denen mir Rose ziemlich unsympathisch war. So etwas tut man nicht – schon gar nicht unter den gegebenen Umständen. Bernard mag ja manchmal ein ganz schöner Quälgeist sein und vielleicht wollte sie ihn auch nur vor noch größerem Schaden bewahren, aber trotzdem: das war einfach mies. Rose sagt Bernard dann, er würde diesen Menschen falsche Hoffnung geben. Da merk ich mal wieder, wie weise Christian letztlich ist, denn: auch falsche Hoffnung ist Hoffnung und die stirbt bekanntlich zuletzt. Bernards eigene, beizeiten falsche Hoffnungen spornen ihn letztlich immer wieder an, auch utopisch anmutende Dinge zu probieren und einfach auf das Beste zu hoffen. Obgleich Rose stets Gott vertrauen predigt und Bernard so gar nicht religiös scheint, hat er viel mehr von einem Gläubigen als Rose, denn Rose ergibt sich in Situationen, während Bernard weiß: Wer kämpft, kann verlieren – wer nicht kämpft, hat schon verloren. Er vertraut darauf, dass sich alles zum Guten wendet, wenn man selbst aktiv wirft oder etwas profaner ausgedrückt: Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott. Einfach alles auszusitzen, hat nicht viel mit Gottvertrauen zu tun, doch in dem festen Glauben, alles werde gut, zu handeln, da schon eher.
Bernard hat also seine Idee von einem großen Zeichen – den symbolischen Subtext muss ich wohl nicht wirklich noch mal erläutern, oder? Wir sind alle tief genug in der Lost-Materie drin, um zu wissen, dass da einiger Subtext mitschwingt, wenn eine Folge lang ständig über ein „Zeichen“ geredet wird. Eine zusätzliche Bedeutung bekommt dieses Zeichen dann jedoch in Verbindung mit dem „?“. Denn John zeigt sich, obgleich er permanent an seiner Karte bastelt, recht belustigt, als Rose ihm erzählt, Bernard wolle ein Zeichen machen, dass man vom Himmel aus sehen kann. Locke steht bald vor so einem Zeichen und kann es genau aus dem Grund nicht sehen, weil er sich am Boden befindet.
Bemerkenswert ist auch, womit Bernard sein Zeichen machen will: „Black Rocks“ – Kommentare überflüssig^^! Eine andere eher lustige Randnotiz ist Hurleys Bemerkung: „Hey, um, I can sketch the letters.“ („Eye...ähm...Ich kann die Buchstaben vorzeichnen.“). Tja, weder sind Locke und Jack die einzigen, die Hurley unliebsame Aufgaben auferlegen, nein, Bernard ist auch nicht der einzige, der gerne Rosinen pickt.
Doch wirklich Unterstützung erhält Bernard nicht – er ist halt nicht Jack. Wenn der was sagt, stehen die meisten sofort stramm, wenn Bernard was sagt, gehen die meisten weg. Eko ist „busy“, weil er eine Kirche bauen muss... klar, nichts ist für den Kampf ums Überleben wichtiger. Nicht gegen Glaube als Anker, doch zum beten braucht man keine Holzhütte. Lehrt uns dieser komische Wälzer... irgendwas mit B am Anfang... lehrt der uns nicht, dass Gott über all ist und man keine speziellen Orte oder Bildnisse braucht, um ihn zu verehren? Gott steckt überall und der Teufel wiederum steckt im Detail. Ich kann Bernards Reaktion hier zumindest mal vollends nachempfinden: „I think I liked you better when you just hit people with your stick.“ („Ich glaub, ich mochte dich lieber, als du noch Leute mit deinem Stock verprügelt hast.“) Eko meint, jeder würde die Leute auf seine Weise retten, was doch etwas überheblich auf mich wirkt. Ich meine.... er baut eine Kirche und das Schärfste ist ja: er hört nach den Eckpfeilern auf. Auf so – im Verhältnis zu Steineschleppen – doch recht bescheidene Bitten wie die, ein paar von den Stämmen und Ästen borgen zu können, derart abweisend zu reagieren, entspricht nicht meiner Vorstellung von christlicher Nächstenliebe, denn Bernard wollte sie ja lediglich borgen, um damit seinen Grundriss zu ziehen. Aber Eko: „Nein, ist alles Meins. Ich brauch die... nicht morgen und nicht diese Woche, aber irgendwann brauch ich die!“ Aber solche Leute hatte ich schon immer gefressen, also weiter im Text...
Irgendwann steht Bernard nur noch mit vier statt fünfzehn Helfern da und Rose meint, das läge wohl weniger an ihrer sehr offenen Kritik als vielmehr an seinem Management. Rose wünscht sich, Bernard könnte wie sie selbst die Dinge manchmal einfach auf sich beruhen lassen. Kommt euch das auch so bekannt vor? Rose spricht sich hier doch sehr deutlich für „Whatever happened, happened“ aus, während Bernard ganz klar die Gegenposition vertritt: er nimmt sein Schicksal in die Hand, doch letztlich ist er damit nicht sonderlich erfolgreich. Ganz anders Rose. Bernard ist sich aber nicht darüber im Klaren, dass Rose ihn hinsichtlich ihres Gesundheitszustandes belogen hat und erwidert ihr trotzig: „If I didn't always have to do something you wouldn't be here.“ („Wenn ich nicht stets handeln würde, wärest du jetzt nicht hier.“) was für eine wunderhübsche Überleitung zu den Flashbacks.
Die Schneestraßenszene (was für ein schöner Neologismus^^) überspring ich mal direkt und gehe mit der Kapitelwahl : weiter zu den Niagarafällen. Dort macht Bernard der schon recht kurzhaarigen Rose einen Heiratsantrag und erst jetzt (nach fünf Monaten!!!) rückt Rose mal damit raus, dass sie wie Ben, Diane, Rachel und wie sie alle heißen Krebs hat. Bernard interessiert das jedoch nicht. Für ihn ändert sich dadurch nichts... bis auf eines: er muss einen Weg finden, Rose zu retten.
Deshalb geht ihre Hochzeitsreise auch nicht an den Strand (wobei... später ja doch noch^^ - und ganz abgesehen davon: nach einem Heiratsantrag vor den Niagarafällen sag ich Rose: Ruhe auf den billigen Plätzen!), sondern ins australische Outback, in den Busch, die Wildnis, ins Walkabout-Land, in den größten John-Locke-und-Rüdiger-Nehberg-Freiluft-Fan-Club aller Zeiten, in die Pampa, die Karpaten (wobei die eigentlich in Süd-Ost-Europa liegen... da bei Rumänen, Polen, Slowakei... die Ecke, bei Graf Dracula zuhause... ihr wisst schon...irgendwo da in den Karpaten...verdammt!). Also zumindest irgendwohin, wo man schön im Kreis fahren kann („Driving around in circles in the middle of the Outback.“). Rose kann sich an den Kilometern von Sand ohne dazugehöriges Meer nicht so recht erfreuen und auch der Ayers Rock – oder Uluru wie ihn die Aborigines nennen – kann ihre Meinung nicht wirklich ändern. Ebenso wenig erfreut ist sie, als Bernard ihr das Ziel der Odyssey offenbart: ein Wunderheiler mit dem sagenhaft einfallsreichen Namen Isaac von Uluru. Stolz verkündet Bernard: „We're not lost.“ („Wir haben uns nicht verfahren“ – ihr merkt: lässt sich schwer übersetzen, denn die Doppeldeutigkeit geht verloren). Wer aber genau ist dieser Isaac von Ulululu? Wie heilt er Menschen? Warum hat er sich selbst einen so dämlichen Namen verpasst? Fragen über Fragen.
Isaac klärt Rose darüber auf, er lenke die besonderen Energien dieses Ortes um und heile so die Menschen. Der Uluru ist den Aborigines heilig und man sagt ihm in der Tat wundersame Kräfte nach. Wir kennen alle einen anderen Ort, der solche besonderen Kräfte hat. Vorschläge? – „Der Jungbrunnen?“ – Nein! – „Hogwarts?“ – Was? Nein! – „Walt?!“ – Wer war das... blöde Frage... – „Der Keller von Thomas G. Hornauer?“ – Nein, aber das war sehr kreativ. Ich meine natürlich die Insel.
Laut Isaac haben manche Orte geologische Energie, andere magnetische und wieder andere wieder andere. Laut Isaac hat der Uluru nicht die „richtige“ Energieform, um Rose zu heilen, was jedoch nicht bedeute, dass man sie nicht heilen könne. Die Insel hat diese Energie. Sie heilt sowohl John als auch Rose. Richard sagt zu John, er glaube, Jacob sei der Grund, warum er nicht altere. Folglich ist Richard ein Mensch, denn wäre er keiner, würde er nicht mutmaßen müssen. Ferner gehen wir davon aus, dass Jacob kein Mensch ist. Doch was verleitet uns zu dieser Annahme? Könnte es nicht sein, dass Jacob die Insel entdeckte und wie Isaac im Falle des Uluru einen Weg fand, die Kräfte der Insel zu lenken und zu nutzen. Er lenkte sie auf sich und verlieh sich so selbst Unsterblichkeit. Ist „Samuel“ jedoch kein Mensch, sondern der Beschützer der Insel, dürfte ihm das so gar nicht geschmeckt haben. Dass Jacob – Mensch oder nicht – die Kräfte der Insel zu lenken vermag, daran habe ich keine Zweifel.
Isaac heilt Rose also nicht, sondern Jacob. Sie behält es für sich und anstatt Bernard später die Wahrheit zu sagen, blamiert und demütigt sie ihn lieber... hat ein wenig was von Sun. Doch anders als Sun lügt sie, weil sie die letzte Zeit, die ihr noch bleibt, so angenehm wie möglich verleben will, was man ihr kaum verübeln kann. Ferner gesteht Rose Bernard dann auf der Insel die Wahrheit und er hat kein Problem damit, zu bleiben. Bernard muss sie nicht retten, denn die Insel hat das schon längst getan. Bei Rose’ Geständnis sehen wir dann eine sehr erhellende Rückblende, in der sie Locke – im Rollstuhl – am Flughafen begegnet. Dadurch erklärt sich nun auch, die Szene, in der Rose zu Locke meint, sie wüssten wohl beide, dass Johns Bein schneller genesen werde, als Jack prophezeit habe. Gleichzeitig ist Lockes Heilung durch die Insel auch ein Beweis für sie, dass die Insel diese Macht hat. Wo wir nun ohnehin schon bei Locke sind, können wir da wohl auch bleiben, denn vielmehr gibt es zu Rose und Bernard an dieser Stelle auch kaum zu sagen.
John ist verdammt verzweifelt und fast schon handlungsunfähig, aufgrund seiner Besessenheit von der Karte. Bens Provokationen weckten überdies Zweifel in ihm und gaben ihm so den Rest. Wie gelähmt John ist, zeigt sich besonders deutlich, als der Alarm ertönt und er ihn über drei Minuten komplett ignoriert oder gar überhört. Vielleicht zögert er ihn auch hinaus, denn er wirkt fast von sich selbst enttäuscht, als er dem Alarm und Jack letztlich nachgibt und den Code eintippt. Die Ironie: Die Karte, an der er arbeitet, wird ihn zu einem Ort bringen, an dem er überzeugt wird, die Taste nicht mehr zu drücken, was obendrein ein fataler Fehler ist. Johns Verzweiflung mündet darin, dass er mit „Henry“ sprechen will, doch Ana verweigert ihm den Zugang zur Waffenkammer, weil die einzige Knarre mit Jack auf Reisen ist. Man fragt sich dennoch, was sie befürchtet. Soll Ben sie mit einem Tablett niederschlagen und dann versuchen, sie mit seinen Fesseln zu erwürgen, oder wie? Okay, schlechtes Beispiel.
Locke brüllt also einfach durch die Tür. Ana guckt ziemlich irritiert, doch Ben grinst wie ein Honigkuchenpferd, ob des Zweifels, den er gesät hat. Letztlich ist es doch schon völlig egal, ob Ben die blöde Taste nun gedrückt hat oder nicht, denn John würde so oder so von Zweifeln zerfressen. Er ersehnt sich von Ben eine Antwort, weil er glaubt, so seine Zweifel zerstreuen zu können. Wie naiv! War Ben doch derjenige, der den Zweifel überhaupt erst gesät hat. Er hat John etwas gesagt, was der nicht glauben will. Würde Ben behaupten, er hätte die Taste nicht gedrückt, wäre er damit bei seiner Story geblieben, doch die wollte John von Anfang an nicht glauben. Würde Ben hingegen zugeben, die Taste doch gedrückt zu haben, könnte John ihm nicht glauben, auch wenn er es wollte, denn mindestes einmal hat Ben gelogen. So oder so: Ben ist nicht die Antwort auf Johns Fragen und so geht er spazieren. Kann man eigentlich auch spazieren humpeln?
Am Strand sitzt er dann auf Rose’ Platz und unterhält sich mit ihr. „You’re on my spot“ („Du sitzt auf meinem Platz.“) Auffällig ist, dass das Wort „spot“ auch von Isaac gebraucht wird als er von besonderen Orten („spots“) spricht. Da Rose und John beide von der Insel geheilt wurden, könnte „You’re on my spot“ auch bedeuten: „Das ist meine Heilinsel – such dir ’ne eigene!“
Irgendetwas muss das Gespräch mit Rose aber bewegt haben, denn kurz nachdem er zu Rose noch gesagt hat: „I'm done with the hatch.“ („Ich bin mit der Luke fertig.“), steht er wieder im Schwan. Dort läuft gerade Musik und Ana informiert John: „I pressed your button“ („Ich hab’ deine Taste gedrückt.“) Ui, toooooll.... Willst du dafür eine Urkunde haben, Ana? Oder vielleicht ein Fleißsternchen? John jedoch setzt sich hin und zeichnet seine Karte.
Bleibt noch der fanatische Chirurg. Jack geht zu Ben, der seit geraumer Zeit in den Hunger- und Schweigestreik getreten ist (letzteres dürfte ihm weitaus schwerer fallen). Ben richtet sich erst richtig auf, als die Tür aufgeht, dann aber sehr schnell. Ben will, dass einerseits Jack sieht wie Ben leidet aber andererseits gleichzeitig denkt, Ben wolle nicht, dass er es wisse, und Ben wolle Stärke zeigen. Vermutlich hat er Jack sogar an der Tür gehört, sich bewusst leidend hingesetzt, um sich dann, wenn Jack es sehen kann, wieder aufrecht hinzusetzen. Als Jack dann mit Ben redet, spricht er den Namen „Henry“ mit einem Unterton aus, der mich mal wieder zur Zeitschleifen-Hypothese bringt, denn es klingt einfach so wie: „Klar doch, dein Name ist ‚Henry’, Ben. Von mir aus auch das.“
Als Jack seinen tollen Plan erklärt hat (ich dachte so etwas machen nur Schurken in schlechten Filmen, aber offenbar passiert es auch in guten Serien), erwidert Ben ihm nur eines: „They’ll never give you Walt.“ („Sie werden euch Walt niemals geben.“) Bis zu einem gewissen Punkt hat er damit auch recht und kann Jack obendrein verunsichern. Ben hat mit der Verunsicherungstaktik mit nur einem einzigen Satz weit mehr Erfolg als Jack mit seiner hübsch, brav einstudierten Rede. Gut, dass im Schwan-Badezimmer auch ein Spiegel hängt, denn so konnte Jack wenigstens üben.
Obwohl Jin Bernard unmissverständlich zu verstehen gab, dass es am Strand dieser Insel keine Austern gäbe, pult Kate da gerade was vom Fels ab, was für mich doch ganz verdächtig nach Auster aussieht. Aber Inseln sind auch nur Menschen... sind ihr halt Austern gewachsen. Jack kommt dazu und lädt Kate auf seine Dschungeltour ein, weil Sayid nicht mitwollte. Dass Kate zweite Wahl ist, erfährt sie allerdings erst später – ein Wunder, dass Jack mal so ehrlich ist, es ihr überhaupt zu sagen. Der Grund dafür, dass er sie mitnimmt, ist jedoch ein wunderbarer Trugschluss, denn die Anderen haben sehr wohl Interesse an Jack und Kate – allerdings nur im Rundumsorglospaket zusammen mit James und Hurley. James brauch aber nicht mit, denn Jack hat ja schon eine Wumme. Die hilft Jack und Kate gegen ihre eigene Dummheit allerdings herzlich wenig. Und ich frage mich, wer von den beiden nun der Dümmere ist. Kate, die Jacks Warnungen ignoriert und dennoch zur Puppe geht und so die Falle auslöst? Oder Jack, der auch noch zu Kate hinläuft, damit er auch ja noch mit ins Netz kommt? Wäre Jack einfach da stehen geblieben, wo er stand, hätten sich die beiden eine Menge Ärger ersparen können. Wenigsten hilft die Knarre ihnen aber nun, aus der Falle rauszukommen... immer wenn man R2-D2 mal braucht ist er nicht zur Stelle. Jack trifft also wie durch ein Wunder das Seil... okay, statt auf den Stamm zu schießen, hätte er auch einfach nach oben langen können und auf das sehr viel näher gelegene Seil über sich ballern können, aber hey: Warum einfach, wenn’s auch kompliziert geht? Solche Aktionen sieht man in Filmen ja ständig und mein Favorit ist da das Streichholz in „Das Fünfte Element“, denn da denke ich jedes Mal: Warum entzündest du, selten dämlicher Hornochse, das Ding nicht direkt über dem blöden Stein, statt so eine Schau abzuziehen?! Sorry, aber das musste mal gesagt werden.
Jack und Kate landen also lautstark wieder auf dem Boden der Tatsachen und setzen ihre Pilgerfahrt unbekümmert fort. Als das Gespräch auf die Falle kommt, gesteht Kate Jack, was sie im Stab entdeckt hat. Jacks Reaktion ist mal wieder so etwas von typisch, dass man sich wünscht, Kate hätte ihn in der Fall gelassen: „When were you going to tell me this?“ („Wann hattest du vor mir das zu erzählen?“) Gegenfrage, Jack: Hast du irgendwie einen Kurs an der VHS besucht, wo einem beigebracht wird, ein beschränkter, überheblicher Metzger mit Allmachtsphantasien zu werden? Kate ist hier mal meiner Meinung und überhaupt ist das so eine der Szenen, in der man Kate einfach lieben muss, denn sie erwidert Jack: „When you decided to let me back in the club. What? You can keep one of Them locked up in the hatch for like a week and say nothing…“ („Wenn du dich entschlossen haben würdest, mich in den Klub zurück zu lassen. Was? Du kannst einen von Ihnen für eine Woche oder so in der Luke einsperren ohne einen Ton zu sagen... ?“) Ja, kann er, denn er ist schließlich Jack und er hat sich selbst ewige Immunität gegeben.
Sie erreichen die „Grenze“, doch ist diese ebenso ein Fake wie die Bärte oder der glubschäugige Ballonfahrer. Die Anderen interessiert es nämlich einen Scheiß, ob Jack ihre blöde Grenze überschreitet oder nicht oder ob er in eine Höhle zieht, sich einen Bart wachsen lässt, sich nackt auszieht und Leute mit Scheiße bewirft (wir erinnern uns.... ^^). Dass Jack sich die Seele aus dem Leib brüllt, weil Sie ihn hören (klar doch), interessiert die Anderen auch herzlich wenig. Vermutlich sitzen die meisten gerade gemütlich zuhause oder spielen Billard, während sie literweise Dharmabier vernichten.
Wir bekommen kurz vor Ende der Episode noch einen sehr schönen Rundumblick: John malt an seiner Karte und Eko und Charlie bauen ihre Kirche. Im Schein wärmender Feuer sitzen undliegen Sun und Jin, Claire und Aaron, Libby und Hurley, Sawyer und Vincent (???), Rose und Bernard und auch Jack und Kate. Doch dann taucht ein asthmatischer Fackelläufer aus den Büschen auf, der es noch ganz schnell zu den Olympischen Spielen schaffen will... ach, nein ist nur Michael. Aber ohne „Walt?“