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Sonntag, 18. April 2010

Review zu "Everybody Loves Hugo" and...

...Hugo loves Chicken... and Libby. Keine Sorge: es geht auf Deutsch weiter. Apropos: Wer hat Lust, Wetten auf den deutschen Titel abzuschließen? „Alle lieben Hugo“? Ach, kommt! So naiv ist doch wohl keiner. Wie wäre es denn mit „Rollstuhl ins Krankenhaus“, „Hühnchengrill in die Psychiatrie“ oder „Hugo liebt alle“ – im Zweifelsfall ginge noch „Am vierten Mai sind wir bei Ihnen“ (Inside-Joke ;-) ).

Die Folge beginnt mit einer wohl vertrauten Stimme... Hand hoch, wer erkannt hat, dass es Pierre Chang ist, bevor man ihn gesehen hat! Komisch nur, dass Pierre uns den Richard macht, denn er ist um keinen Tag gealtert, seit wir ihn zuletzt in 1977 sahen – das sind fast 30 Jahre. Da ich den LOST-Machern einen derart plumpen Fehler nicht so wirklich zutraue, stellt sich also die große Frage, die sich bei der Serie ja ständig stellt: Warum? Hat Jacob ihm auf die Schulter geklopft? Hat er ein Bild von sich malen lassen, das an seiner Statt altert? Ist er ein Klon?

Und noch eine Frage, die mit „Warum“ beginnt: Warum ist der Preis, den Hurley verliehen bekommt, eine matte Plexiglasscheibe in Form eines T-rex mit Haltungsschaden? Oder anders ausgedrückt: Wieso verleiht die paläontologische Abteilung des Naturkundemuseums ihm überhaupt einen Preis? Na ja, halten wir uns nicht damit auf, sondern schreiten in den Flash Sideways weiter voran. Hurleys Mutter schickt ihn zu einem Blind Date, weil er noch immer keine Frau hat. Es gibt halt so Sachen die ändern sich nie und so sind auch in dieser Realität die einzigen „Chicks“, an denen Hurley Interesse hat, die von Mr. Cluck’s.

Statt seiner Verabredung (eine gewisse Rosalita, Tochter des Nachbarn von Hurleys Opa Tito) taucht eine durchgeknallte Blondine an Hurleys Tisch auf. Nein, nicht Paris Hilton! Und auch nicht Britney Spears, Miss Barbie oder Thomas Gottschalk... denn ich würde mich hüten, eine von denen als „durchgeknallt“ zu bezeichnen, denn die haben gutbezahlte Anwälte. Die Rede ist natürlich von Elizabeth „Libby“ Smith, von der man uns seit Jahren weiß machen will, sie sei nicht mehr von Bedeutung für die Story. LAX-Libby war nie an Bord von Flug 815 und hat nie die Psychiatrie verlassen, in der Hurley im Übrigen nie gelandet ist. Doch Santa Rosa selbst ist der entscheidende gemeinsame Nenner beider Libbys – der aus der Original-Zeitlinie und der aus den Flash Sideways. Bislang ist Libby die einzige Person, die sich auch ohne Nahtoderfahrung, Spiegel etc. nicht nur an das andere Leben erinnert, sondern sogar recht genau weiß, was sich da so abgespielt hat. Hurley nur im Fernsehen zu sehen, genügte ihr als Schlüsselreiz. Sie hat also offenkundig eine besondere Verbindung zu der anderen Realität und wird nicht zuletzt deshalb für verrückt gehalten. Da drängt sich doch eine Frage auf: Konnte die andere Libby ebenfalls beide Realitäten wahrnehmen? Und wenn nicht, liegt es dann daran, dass sich diese Realität tatsächlich nicht parallel zu der anderen abspielt, sondern erst danach zuträgt? Denn es ist schon komisch, dass sowohl Charlie als auch Desmond und Libby sich an Ereignisse erinnern, die sich zum gleichen Zeitpunkt in der Crash-Timeline noch gar nicht zugetragen hatten. Desmond erinnert sich mit Charlies Tod und „NOT PENNY’S BOAT“ am 22.9.2004 der LAX-Timeline an ein Ereignis, das sich in der Crash-Timeline erst am 21.12.2004 zuträgt – also ganze drei Monate später. Und da muss man doch bei allen Wurmlöchern, Brücken in andere Realitäten und so weiter fragen: Wie ist das bitte möglich? Einen Blick in ein anderes Leben erhaschen und Erinnerungen daraus mitnehmen ist das eine, sich an etwas zu erinnern, das sich selbst in einem anderen Universum noch gar nicht ereignet hat, ist noch mal was ganz anderes. Zunächst wird Libby aber von Dr. Brooks zurück in den Bus gezerrt, der nach Santa Rosa zurückfährt – oder, um einen meiner Lieblingsfilme zu zitieren: „Schwachsinnige, euer Bus fährt gleich!“ (für alle, die es nicht erkannt haben, hier noch ein paar: „Willst du lieber hier draußen oder im Wagen kotzen?“ – „Ich glaube... BEIDES!“; „Und fahre nie, nie, nie auf Eisenbahnschienen!“; „Sie sind wirklich noch nicht lange dabei, was? Wissen Sie, Menschen mögen auch Blutwurst und so was! Menschen sind Schwachköpfe!“; „Haben Sie manchmal Déjà-Vus, Mrs. Lancester?“ – „Ich glaub nicht, aber ich könnt ja mal in der Küche nachfragen.“). Ich schweife schon wieder ab.

Hurley geht in einem SEINER Lieblingsrestaurants was essen – also in einer Filiale von Mr. Cluck’s Hühnchengrill. Dort trifft er – was für ein ungeheurer Zufall – auf Desmond, der sich nach kurzem Smalltalk zu ihm setzt und feststellt, Hurley habe da eine ganz schöne Menge Hähnchen, woraufhin Hurley erwidert, er esse, wenn er deprimiert sei – so deprimiert kann keiner sein! Außerdem meinte er doch im Flugzeug noch, er sei der glücklichste Kerl der Welt... vermutlich isst er auch, wenn er glücklich ist. Da Desmond ja egal in welcher Realität ein Näschen (okay, in Desmonds Fall: Nase) dafür hat, wenn eine Frau im Spiel ist, fragt er Hurley gerade heraus: „Ah! So what's her name?“ („Ah! Klar, wie ist ihr Name?“) Hurley teilt Des seine Bedenken aufgrund von Libbys Geisteszustand mit und erwähnt dabei auch, sie habe gedacht, sie würden sich schon kennen. Da bei Desmond wohl schon sämtliche Alarmglocken läuten, rät er Hurley, der Sache auf den Grund zu gehen. „42! Order 42!“ – Desmond Hühnchen wartet darauf, gegessen zu werden.

Hurley fährt also nach Santa Rosa und als großzügiger Spender darf er dann auch mal mit Libby reden. Was die ihm erzählt, ist ja bekannt. Nichtsdestotrotz erklärt sich hier auch, warum wir wohl ausgerechnet am Ende von „Dave“ erfuhren, dass auch Libby in Santa Rosa war, denn die Szene mit Hurley und Libby in der alternativen Zeitlinie weist gewisse Parallelen mit „Dave“ auf. Da wäre etwa der Glaube, dass etwas im eigenen Leben nicht stimmt, die Idee es sei ein Traum – Libby überzeugt Hurley an der Klippe davon, dass sie und die Insel sehr wohl real sind. Jetzt überzeugt sie ihn erneut davon – allerdings von der anderen Seite aus. In „Dave“ ist es Hurley, der glaubt Libby bereits zu kennen – nun ist es umgekehrt. Aber es gibt noch eine andere Schnittstelle zwischen den Realitäten und das ist der Typ im Hühnerkostüm. In „Everybody Hates Hugo“ gab es diese bizarre Traumsequenz, in der Hurley nicht nur Jin versteht, sondern in der auch ein Typ im Hühnerkostüm rumsteht – der gleiche Typ, den wir auf einem Foto bei der Preisverleihung sehen (siehe Header). Die offenkundigste Verbindung zur Insel ist natürlich das Picknick, das die zwei nun endlich machen können, was auch in der Insel-Handlung aufgegriffen wird. Hier erinnert sich Hurley dann auch durch einen Kuss (wie romantisch...^^) an die Insel zurück.

Die letzte Flash-Sideways-Szene beschäftigt sich jedoch nicht mit Hurley und Libby, sondern mit Desmond, Ben und John. Die Frage, mit der wir aus der Episode entlassen werden, ist natürlich: Warum wartet Desmond auf John, nur um ihn dann über den Haufen zu fahren? Der offenkundigste Grund wäre wohl, dass er John eine Nahtoderfahrung bescheren wollte, was – wie einige schon anmerkten – wohl auch etwas geschickter bzw. risikofreier möglich gewesen wäre. Auch die Annahme, der Anschlag gelte gar nicht locke, sondern MiB, der Desmond in den Brunnen wirft, stand im Raum. Seit Beginn der fünften Staffel wissen wir ja, wie wirsch Desmonds Erfahrungswelt manchmal ist. Zumindest schlägt Desmond, wenn auch eher unbewusst, zwei Fliegen mit einer Klappe, denn neben John erreicht er auch Ben, der zunächst noch mit Desmond spricht und dann der erste ist, der John zu Hilfe eilt. Beides deutet auf Bens guten Kern hin, den er in der Originalzeitlinie viel zu selten zeigen konnte. Er sieht Desmond im Auto sitzen und geht zu ihm hin, was auf jeden Fall aufmerksam ist, denn neben dem von Ben gemutmaßten und dem von Desmond vorgeschobenen Grund, gäbe es ja noch einen weiteren, warum ein erwachsener Mann alleine im Auto sitzen und die Kinder beobachten könnte. Und so misstrauisch wie Ben zu Beginn des Gespräches noch war, kann man wohl davon ausgehen, dass er auch diese Möglichkeit in betracht gezogen hat. Als John dann am Boden liegt, ist Ben sofort bei ihm, was – in Anbetracht der anderen Zeitlinie – nicht einer gewissen Ironie entbehrt. Nur könnte gerade Bens Anwesenheit der nötige Schlüsselreiz sein, den John braucht, um sich zu erinnern. Gleichzeitig könnte Ben so – ohne je an Bord von Flug 815 gewesen zu sein – wieder involviert werden.

So, jetzt bin ich wahrlich reif für die Insel: Hurley sitzt an Libbys Grab und hier trifft ein Ausspruch, der noch nie treffender war: Es ist Gras über die Sache gewachsen – ein Brüller! Hurley redet also mit Libby und man sollte doch meinen, dass der Typ, der tote Menschen sieht und auch mit ihnen spricht, kein Grab bräuchte, um mit Libby zu kommunizieren. Aber komischer Weise taucht die ja nie in bei Hurley auf – Dave, Charlie, Ana, Eko, Jacob, Isabella und sogar Michael, aber keine Libby und das, obwohl Jacob sagte, Hurleys Gabe ermögliche es ihm doch, mit jenen zu sprechen, die er verloren habe, und sei genau deshalb kein Fluch, sondern ein Segen. Ilana kommt kurz vorbei, um Hurley ihren glorreichen Plan mitzuteilen, und verschwindet sofort danach wieder.

Wie aus dem Nichts taucht Michael auf und warnt Hurley, er müsse Ilanas Vorhaben vereiteln, weil sonst alle sterben werden. Moment mal? Isabella sagt Hurley, er müsse Richard sagen, dass der Mann in Schwarz daran gehindert werden muss, die Insel zu verlassen, weil sonst alle zur Hölle fahren. Auch sonst wird immer wieder klar gestellt: Flieht MiB, geht die Menschheit zugrunde. Und jetzt soll plötzlich der Plan, der MiBs Flucht unterbinden soll, alle umbringen? Wie wir später erfahren, ist Michael genau wie MiB auf der Insel gefangen. Jeder Sünder sitzt hier an der Höllenpforte fest, bis er gesühnt hat...oder aber der Korken aus der Flasche fliegt. Wenn Michael und die Verursacher des Flüsterns (sofern man Michael Angaben und Hurleys Vermutung Glauben schenkt) also wie MiB auf der Insel festsitzen, wäre es da nicht möglich, dass sie ein gewisses Interesse an der Flucht von MiB hätten, da das auch für sie die Freiheit bedeuten würde. Michael ist nun wahrlich nicht für seine Ehrlichkeit und seinen Altruismus bekannt – keine sehr vertrauenswürdige Person, wenn ihr mich fragt. Wäre es wirklich Jacobs Wille, Richards Vorhaben zu vereiteln, käme er persönlich, denn sein sonstiges Vorgehen (bloß nicht einmischen) hat er für Hurley und Richard gleichermaßen schon vor langer Zeit außer Kraft gesetzt. Ich hätte auch Eko, Ana oder Charlie geglaubt, wenn einer von denen bei Hurley aufmarschiert wäre – aber Michael? Man sollte zumindest in Betracht ziehen, dass Michael seine eigenen Interessen verfolgt und die mit „Samuels“ Flucht Hand in Hand gehen, auch wenn Walts Schicksal dabei ungewiss ist, denn Walt ist ja letztlich der einzige Mensch, für den Michael sich – abgesehen von sich selbst – interessiert.

Ilana kommt bald vom Sprengstoffshopping zurück und macht trotz aller Warnungen mal ganz flott den Arzt. Warum nun ausgerechnet Ilana, die nicht unter dem besonderen Schutz der Insel steht (im Gegensatz zu Richard und den Kandidaten), mit dem Dynamitschleppen betraut wird, leuchtet nicht so wirklich ein. Da waren die Losties (allen voran Ilana selbst) nun mal wirklich selten dämlich. Doch bevor Ilana sich selbst über die Insel verteilt, äußert Hugo, Jacob habe ihm nichts über das Sprengen des Flugzeugs gesagt. Mag sein. Aber Jacob hat schon gesagt, Richard wisse, was zu tun ist. Folglich will Jacob zumindest, dass Richard tut, was er zu tun beabsichtigt. Ganz abgesehen davon, hat Jacob auch nie etwas gegenteiliges angeordnet. Er ist es ja nicht, der zu Hurley kommt und ihm aufträgt, Richard zu stoppen. Auch ist es derzeit irrelevant, ob alle anderen, die Insel verlassen können oder nicht. Solange man vom U-Boot nichts weiß, muss man davon ausgehen, dass nur das Flugzeug MiB eine Flucht ermöglichen würde, denn könnte er das Rad benutzen, hätte er es schon längst getan. Ist es aber wirklich das Flugzeug, das der Mann in Schwarz braucht, so drängt sich die Frage auf, ob dann auch er und nicht Jacob den Bau der Lande- und Startbahn anordnete. Denn sollte sie in Jacobs Auftrag entstanden sein, will er wohl wirklich nicht, dass man das Flugzeug zerstört. Aber wie soll man MiB sonst an der Flucht hindern, wenn man nicht in bester John-Locke-Manier alle Fluchtmöglichkeiten endgültig unterbindet: sie also sprengt. Die Taktik funktioniert aber auch andersherum und so sprengt Hurley statt dem Flugzeug den Sprengstoff selbst in die Luft.

Bevor wir aber weiter voranschreiten, sollten wir noch einen Blick auf die vielleicht klügste Aussage der Folge werfen und die kommt – wie sollte es auch anders sein – von Ben: „Ilana. There she was – handpicked by Jacob, trained to come and protect you candidates. No sooner does she tell you who you are, then she blows up. The Island was done with her. Makes me wonder what's gonna happen when it's done with us.“ („Ilana. Da war sie – von Jacob handverlesen, ausgebildet, um her zu kommen und euch Kandidaten zu beschützen. Kaum hat sie euch erklärt, wer ihr seid, wird sie in die Luft gejagt. Die Insel war fertig mit ihr. Da frag ich mich doch, was wohl passiert, wenn sie mit uns fertig ist.“) Es gibt also ganz offenkundig eine Macht, die noch über Jacob und MiB steht und das Ganze lenkt, darauf achtet, dass die Regen eingehalten werden etc.. Ob man diese Macht jetzt in der Insel selbst sieht oder in einer Kraft, die in und auf ihr existiert, wäre bei unserem jetzigen Wissensstand wohl Haarspalterei und wird es vielleicht auch immer bleiben. Sicher ist wohl nur, dass Jacob Ilanas Tod nicht bestimmt oder zugelassen hat, denn er würde sie nicht zum Schutz der Kandidaten ausbilden und auf die Insel holen, nur um sie dann abzuhaken. Ihren Todeszeitpunkt bestimmte die Insel. Ferner sagt Bens Feststellung über ihn selbst, Frank und Miles etwas entscheidendes aus: Die Insel ist noch nicht mit ihnen fertig, denn obwohl sie weder Kandidaten noch von Jacob mit Unsterblichkeit „gesegnete“ sind, bleiben sie am Leben und gerade Ben hat schon Dutzende Situationen überlebt, in denen er ebenso gut hätte sterben können. Daraus folgt also, dass Ben, Frank und Miles auch noch ihren Part zu spielen haben, denn ist es nicht die Insel, die sie am Leben hält, so ist es Jacob und er hat noch etwas mit ihnen vor – denn Richard stirbt nicht, weil er wie die Kandidaten und Ben von Jacob berührt wurde. Wir können also in jedem Fall davon ausgehen, dass jeder der verbleibenden Charaktere noch eine Aufgabe vor sich hat, die er oder sie erfüllen muss, ehe es mit ihm/ihr zuende geht. Ilana starb weil Insel und Autoren sie nicht mehr benötigten und wohl auch, weil es mal wieder Zeit wurde, dass ein Hauptcharakter stirbt.

Hurleys Aktion mit dem Sprengstoff führt zu einer hitzigen Diskussion zwischen Richard und Hurley, die Ben und Jack schon längst als Führungspersönlichkeiten abgelöst haben. Richard will zum Dharma-Dorf zurück, um dort Sprengstoff zu holen (auf die Idee hätte er mal früher kommen können – Ilana hätte das wohl besonders gefreut). Ausgerechnet Jack, der sich sonst so verhielt wie Richard jetzt, will in Ruhe darüber reden. Jacobs Spiegel-Kaputt-Hau-Therapie scheint langsam Früchte zu tragen: Jack vertraut nun auf Jacob und die Insel, er ist ein Mann des Glaubens geworden. Er hat verstanden, dass man manchmal warten muss, wie die Dinge sich entwickeln. Wie der Mann in Schwarz treffender Weise in dieser Folge selbst sagt: „There's a difference between doing nothing and waiting.“ („Es gibt einen Unterschied zischen Nichtstun und Abwarten.“). Hurley insistiert, es sei Jacobs Wille, dass sie mit dem Mann in Schwarz sprechen, woraufhin Ben ihn fragt, ob er vorhabe, sie alle umzubringen. Hurley behauptet, es sei Jacobs und nicht sein Wille. Richard durchschaut den Bluff und zieht mit Ben und Miles Richtung Dharma-Dorf. Ben geht vermutlich mit, weil er wie Richard nicht glaubt, es sei Jacobs Wille, dass sie mit MiB sprechen. Hier zeigt sich mal wieder sehr eindeutig der Unterschied zwischen Jacob und MiB: Jacob lässt den Leuten die Wahl, woran sie glauben wollen, agiert gerade so viel wie eben nötig, gibt nie einen klaren Beweis für seinen Plan. Der Mann in Schwarz hingegen ordnet einfach an. Warum Miles mitgeht erfahren wir im übrigen sehr klar und deutlich von ihm selbst: „I saw that thing in action, man. It doesn't want to talk. Sorry.“ („Ich hab dieses Teil in Aktion gesehen, Alter. Es will nicht reden. Sorry.“). Die anderen schließen sich Hurley an: Sun weil sie Jin wiedersehen und von der Insel weg will, Frank aus einem ähnlichen Grund (also nicht wegen Jin, sondern weil er weg will.. obwohl?! Wer weiß!? ;-) ) und Jack... ? Ja, Jack geht tatsächlich mit, weil er nun an Hurley und Jacob glaubt (Wie gesagt: Spiegel kaputt hauen!). Hurley gesteht Jack aber, er habe einfach behauptet Jacob dort zu sehen, damit ihm alle zuhören. Tja, Hurley, da sind Ben und Richard aber wahrlich das falsche Publikum für, denn den Trick haben die zwei erfunden – Ben hat ihn sich sogar patentieren lassen.

Man hört das altbekannte Flüstern im Dschungel und Hurley hat langsam eine Idee, was das ist und geht tiefer in die Büsche rein, wo er erneut auf Michael trifft. Den Teil hatten wir aber im Wesentlichen schon geklärt: das Flüstern sind Seelen, die wegen ihrer Sünden auf der Insel festsitzen. So viel zum Thema: Die Insel ist nicht das Fegefeuer.. ja, nee, is’ kla’! Michael weist Hurley den Weg zu MiBs Lager und das ist wohl ein guter Zeitpunkt, um auch auf die Story rund um MiB zu sprechen zu kommen.

Zu Beginn der Folge schnitzt „Samuel“ gerade an einem Holzpflock – falls sich Vampire auf die Insel verirren sollten (Michael Emerson bekundete ja schon öfters Interesse an einer Gastrolle in „True Blood“... also, wer weiß). James ist langsam verdammt angepisst, weil sich so gar nichts tut. Insbesondere weil MiB gar nichts tut... nein, er tut durchaus etwas: er wartet. Worauf? Auf besseres Wetter? Darauf, dass der Pflock ihm sagt, dass er ein Pflock werden will? Oder vielleicht auch ein – Achtung, besonders armseliges Wortspiel – Flocke? Nein, er wartet darauf, dass Jack, Sun und Hurley von alleine zu ihm kommen.. was für eine bescheuerte Idee! Na, da kann er lange warten! So dumm sind die nicht... die... die... ach, die tauchen am Ende der Folge ja tatsächlich bei ihm auf. Na dann... Was noch? Oh, stimmt! Mein spezieller Liebling (Sayid) möchte mit meinem anderen speziellen Liebling (MiB) unter vier Augen reden.

Sayid führt MiB also zu Desmond, der, obwohl er aus freien Stücken mit Sayid mitgegangen ist, von dem vorsorglich dennoch an einen Baum gefesselt wurde. Die Szene hat mich sehr an die Szene mit Ben und Sayid in „The Final Episode“ (eine Lost-Parodie mit den Originaldarstellern aus dem Jahre 2007) erinnert. MiB entschuldigt sich für Sayid, dass der Desmond gefesselt habe, aber Sayid habe wohl befürchtet, Des könne fliehen, ehe MiB die Gelegenheit gehabt hätee, mit ihm zu sprechen. Desmond erwiderte: „I have nowhere to run to, brother.“ („Ich habe nichts, wo ich hinfliehen könnte, Bruder.“) – „Well, if that's not the best argument against captivity that I've ever heard, I don't know what is.“ („Na, wenn das nicht das beste Argument gegen Gefangenschaft ist, das ich je gehört habe, dann weiß ich nicht was dann.“) Er muss es ja wissen ;-). Desmond und MiB machen also einen kleinen Spaziergang, bei dem ihnen auch ein gewisser Junge begegnet, dessen Identität uns noch immer nicht bekannt ist. Zumindest nervt er MiB gehörig und noch mehr nervt es ihn, dass Desmond ihn wahrnimmt und trotz seiner strikten Anordnung, den Jungen zu ignorieren, weiter von ihm redet. Ferner erwähnt Desmond bei dem Spaziergang, dass nicht er besonders sei, sondern die Insel einfach für jeden von ihnen etwas bereit hielte. Zu meiner Überraschung stimmt MiB ihm zu, wo er doch allen anderen erzählt, die Insel sei nur ein blöder Felsklotz.

MiB und Desmond erreichen einen (aber nicht den) Brunnen. Tja, und was macht MiB nach etwas Smalltalk? Er schmeißt Desmond in den Brunnen. Ich finde, das Gespräch davor erklärt sich in weiten Teilen von selbst. Interessant wäre allenfalls die Frage, ob MiB und/oder Jacob zu denen gehörten, die Löcher gebuddelt haben und/oder einer der beiden, den anderen befreiten? Da wo Brunnen sind, hat der Korken Löcher, oder?

MiB kehrt also in sein Lager zurück, wo bald darauf Hurley aufkreuzt und der macht in einem Punkt, dann doch etwas richtig: er redet vor MiB. Und ich denke, damit können wir die Review abschließen und „Everybody Loves Hugo“ zu den Akten legen. Wir lesen uns zu „The Last Recruit“. Macht’s bis dahin gut! Oder auch nicht... macht, was ihr gerne machen möchtet.

Mittwoch, 31. März 2010

Erste Eindrücke zu "The Package"

Okay, mir fällt gerade kein Zitat oder ein flotter Spruch für die Überschrift ein, aber es geht wohl auch mal ohne. Tja, was soll man sagen: Wir sind wohl wirklich nur noch schwerlich zu überraschen. Die Folge war nicht schlecht, aber die großen Enthüllungen waren für uns schon keine mehr. Dass Desmond in dem U-Boot ist, haben die meisten von uns gemutmaßt. Ebenso war eigentlich schon klar, wieso Jin in dem Kühlraum endete. Ich schätze mal, Darlton sind derzeit einfach dabei, ihre Figuren für das große Finale zu platzieren, und da müssen wir halt etwas Geduld aufbringen. Da ich von Sun-zentrischen Folgen eh' nie sehr viel erwarte, war ich auch nicht enttäuscht. Es war ganz schön, Mikhail nochmal wiederzusehen und es war ebenfalls nett, endlich mal wieder eine Folge mit allen verbleibenden Hauptcharakteren zu sehen zu bekommen. Nichtsdestotrotz rangiert die Folge für mich auf den unteren drei Rängen dieser Staffel (zusammen mit "Recon" und "What Kate Does"). Die sechste Staffel teilt sich wohl wirklich in Enthüllungs- ("LA X", "The Substitute", "Lighthouse", "Ab Aeterno") und Vorbereitungsfolgen ("What Kate Does", "Sundown", "Dr Linus", "Recon", "The Package") auf. In der letzten Kategorie konnten mich nur "Sundown" und "Dr. Linus" wirklich überzeugen - die anderen drei verbucht am besten unter notwendiges Übel^^.

Sonntag, 28. März 2010

„Quis custodiet custodes?“ - "Ab Aeterno"-Review

Ich muss gestehen, dass ich in weiten Teilen der Folge nur Spanisch verstanden habe. Aber zum Glück gibt’s ja Untertitel. „Ab Aeterno“ ist endlich mal eine Folge, die mehr Antworten birgt als neue Fragen. Außerdem gab es endlich mal wieder Flashbacks und die gleich zu drei Charakteren, die bislang allenfalls in Flashbacks von Jacob, Ben, Sayid oder Juliet auftauchten, selbst aber noch keine hatten: Ilana, Richard und „Samuel“/MiB. Klar, im Zentrum steht Richard und das sogar buchstäblich, denn seine überaus lange Rückblende wird von Ilanas und „Samuels“ eingerahmt.

Ilanas Rückblende und die Szene am Strand dienen aber vor allem als Einleitung für die Geschichte um Richard. Neue Fragen stellen sich hier nicht – es werden nur alte wieder aufgeworfen: Woher kennen sich Jacob und Ilana? Wer ist der sechste Kandidat? Und so weiter... .

Richard verlässt den Strand und will nun zu „Samuel“, weil er sich von dem Antworten erhofft und prompt sind wir in der Rückblende, denn alles andere, was in der Gegenwart passiert, macht erst Sinn analysiert zu werden, wenn wir Richards Rückblende unter die Lupe genommen haben.

Socorro, Teneriffa, Kanarische Insel, 1867: Ricardo ist auf dem Ritt nach Hause zu seiner kranken Frau, die ihm, als er zuhause ist und wieder aufbrechen will, um einen Arzt um Hilfe zu bitten, eine Kette mit einem Kreuz gibt, mit der er den Arzt bezahlen soll. Der Mediziner verweigert Ricardo die Hilfe, denn die Kette sei nichts wert und so reiche sein Geld auch mit ihr zusammen nicht für die Medizin. Wie Desmond am 22.9.2004 auf der Insel tötet auch Ricardo in einer Handgreiflichkeit seinen Gegner versehentlich, indem er ihn von sich wegstößt und jener eine tödliche Kopfverletzung erleidet. Das ist aber nicht die einzige Parallele zu Flashbacks anderer Charaktere. Richard tötet jemanden, um einen Menschen zu retten, der ihm am Herzen liegt. Viele Hauptcharaktere schadeten in ihrer Vergangenheit jemandem (oder etwas), um so Schaden von einem geliebten Menschen abzuhalten: Eko mordet, weil er so Yemi schützen kann. Ben verängstigt Danielle, um so sie und Alex zu retten. Sayid dreht einem Huhn den Hals um, damit sein Bruder es nicht machen musste. Im Glauben so ihrer Mutter zu helfen, jagt Kate deren Haus und Wayne in die Luft.

Im Fall von Isabella kommt jedoch jede Hilfe zu spät und so könnte man fast sagen: Ricardo landet umsonst im Gefängnis. Ich habe ja, als Richard dann im Knast war, jeden Moment damit gerechnet, dass Jacob um die Ecke kommt und ihm ein Angebot macht, dass er nicht ablehnen kann. Es stellt sich aber schon die Frage, warum Vater Suarez Ricardo die Absolution verweigert, denn das ist schon sehr ungewöhnlich – erstrecht, wenn der Beichtende kurz davor steht zu sterben und offen bereut. Aber es kommt ja immer anders und vor allem als man denkt: Das Lukas-Evangelium, welches Ricardo auf Englisch liest (eine Parallele zu Jin und Sun, die auch in die USA fliehen wollten – Sun lernte wie Ricardo Englisch), rettet ihm in gewisser Weise das Leben und er landet letztlich als Sklave im Besitz von Jonas Whitfield an Bord der Black Rock, für deren Kapitän Magnus Hanso Whitfield arbeitet. Muss ich jetzt erklären, wer Magnus Hanso ist? Ich glaub nicht, oder? Kleiner Tipp: er ist der Opa von Alvar Hanso^^. Wie Furya bin ich übrigens der Ansicht, dass wir Hanso aus gutem Grund nicht zu sehen bekamen. Ich denke, dass uns sein Gesicht bekannt vorgekommen wäre und es sich um jemanden handelt, der von großer Bedeutung für die Mythologie ist. Ich hatte ja schon mal Christian und Desmond in die Runde geworfen, denn mit Christian ist wohl wirklich noch irgendein Mysterium verknüpft und laut Daniel gelten für Desmond „die Regeln“ nicht, weshalb er noch ein „Loophole“ sein könnte. Ich musste aber auch an Charles Widmore denken, denn dessen genaue Herkunft ist unbekannt, er ist Brite, hatte Interesse an dem Logbuch des ersten Maats, hat geschäftliche Verbindungen zu Hanso Foundation und hat so seine Probleme mit Richard – könnte Jacob oder MiB ihn wiederbelebt haben?

Ganz interessant ist auch, dass der Offizier Jonas heißt... also ich hätte mit dem Vornamen zumindest so meine Probleme mit ausgedehnten Schiffsreisen. Man weiß ja nie, wo sich diese Wale so rumtrieben.

Mein persönlicher Kritikpunkt an diesem Teil von Richards Geschichte kennt ihr schon: Ich empfinde ihn als etwas konstruiert. Die Macher waren sich darüber bewusst, dass unter normalen Umständen ein Mann spanischer Abstammung/ ein Hispanier im 19. Jahrhundert nie als Sklave auf einem Schiff unter europäischer oder amerikanischer Flagge gelandet wäre (in den englischen Kolonien war die Sklaverei seit über 30 Jahren verboten, in den Staaten ab 1865). Viele Fans glaubten aber genau das oder wollten es gerne glauben. Also konstruieren Darlton eine Geschichte, in der es von komischen Zufällen nur so wimmelt und das obwohl Jacob nirgendwo eingreift. Nein, wir erfahren sogar, dass es Richard ist, der Jacob rät, aktiv zu werden und mehr zu tun, als nur Schiffe auf die Insel zu locken und dann abzuwarten, ob sich die Überlebenden die Köppe einschlagen – aber dazu später mehr. „Mehr“/„Meer“ ist aber ein gutes Stichwort:

Auf hoher See gerät die Black Rock des Nachts in einen ziemlich heftigen Sturm und neben Wasser regnet es jetzt auch Ungereimtheiten:

1. In „The Constant“ sagt der Auktionator, die Black Rock sei 1845 auf dem Weg nach Siam verschollen, doch jetzt stellt sich heraus: es war 1867 auf dem Weg in die Staaten.

2. Als Jacob und „Samuel“ die Ankunft der Black Rock beobachten ist es früh am Morgen und die See ist ruhig. Aus Jacobs Äußerungen kann man schließen, dass die Black Rock nicht das erste Schiff ist, das er zur Insel gelotst hat (die Szene mit Jacob und MiB muss vor Ankunft der Black Rock spielen, da die Statue noch intakt ist), weshalb man argumentieren könnte: Dann war es halt ein anderes Schiff, das wir in „The Incident“ gesehen haben. Bei genauerem Überlegen schmeckt mir die Idee aber auch nicht so recht, denn: Wo ist dann das Wrack dieses anderen Schiffes? Man müsste doch zumindest bei Ricardos Ankunft an der Statue noch irgendetwas von diesem Schiff sehen, das wohl kaum erst um die Insel rumfährt, ehe es anlandet oder zerschellt. Da das Schiff ähnlicher Bauart war wie die Black Rock kann es noch nicht so lange her sein, dass es auf die Insel kam.

3. Ein Tsunami ist eine relativ gleichmäßige Welle, die durch ein Seebeben oder abbrechende Landmassen (Klippenabbruch) verursacht wird. Ferner erreicht ein Tsunami erst in der Nähe von Festland, also im niedrigen Wasser der Küstenregionen, diese enormen Höhen, die wir aus Nachrichten und Katastrophenfilmen kennen. Hier sehen wir jedoch einen Sturm und der kann weder Wellen dieser Ausmaße erzeugen (laut Wikipedia: maximal 40m), die ein Schiff Kilometer landeinwärts schleudern, noch eine Statue vernichten – damit sind wir bei Punkt Nummer 4:

4. Die Statue geht als starres Objekt kaputt, weil ein Holzschiff dagegen geschleudert wird? Die Statue steht da seit Jahrtausenden und hat Wind und Wetter getrotzt. Sie ist aus massivem Gestein und ein Segelschiff, das gegen den Kopf geschleudert wird, würde daran zerschellen und nicht die ganze Statue (bis auf den Fuß) abreisen. Und schon gar nicht würde diese Monsterwelle die Statue vernichten, aber alles andere heil lassen. Sorry, Darlton, aber DAS kauf ich euch nicht ab.

Und ich weiß schon jetzt, dass einige von euch sagen werden: „Wie kann man sich in einer Serie, in der ganze Inseln durch Raum und Zeit reisen und Leute mit Toten kommunizieren, an so etwas stören?“ Ganz einfach: Das Rad, Jacob, Das Rauchmonster, der Schwan etc. – all das ist Teil der Mythologie, es passt sich glaubhaft und logisch in die Handlung ein. Andere werden meinen: „Solche Fehler passieren halt. Warst du es nicht, der ich letztens noch über Pingelköpfe, die überall nach Fehlern Ausschau halten, beschwert hat?“ Ja, der war ich und ich suche bei „Lost“ auch keine Fehler und finde Leute grauenvoll, die gezielt Fehler suchen. Aber das ist der springende Punkt.·.·.·. Den Fehler musste ich nicht suchen, denn er war so offenkundig da, dass er mich stört. Hier werden zwei der wichtigsten offenen Fragen zur Geschichte der Insel mit einer völlig hanebüchenen, unlogischen und unglaubwürdigen Erklärung aufgelöst. Sorry, Darlton, aber das war einfach albern und unter eurem Niveau! Das könnt ihr – wie wir alle wissen – tausendmal besser!

Also liegt die Black Rock nun im Dschungel – so kennen wir sie schließlich auch. Aus den Gesprächen an Deck, die Ricardo mithört, erschließt sich, dass Hanso bereits tot ist. Die vier gefangenen Sklaven rufen um Hilfe, doch als Jonas runterkommt, macht er kurzen Prozess und sticht drei von ihnen kaltblütig ab, weil er sich – wie er Ricardo erklärt – sicher ist, die Sklaven würden sich rächen, wenn er sie befreien würde. Ganz abgesehen davon hätten sie nicht die Ressourcen. In gewisser Weise denkt er daher wohl auch, dass er so allen Beteiligten einiges erspart, denn so gesehen ist es zumindest humaner, den Sklaven einen schnellen Tod zu bescheren als sie qualvoll verdursten zu lassen, was zu dieser Zeit wohl die meisten an Jonas’ Statt getan hätten. Jonas ist kein Unmensch – er ist einfach nur Realist. Ach, und er ist ziemlich bald darauf tot, denn ein alter Bekannter macht seine Aufwartung, ehe Jonas auch Ricardo „erlösen“ kann. Smokey killt alle bis auf einen: Ricardo, denn den scannt er nur auf die übliche Weise und verlässt ihn – vorerst!

Nachdem er sich als Mischung aus Tim Taylor und Houdini probiert und mit einem Wildschwein gerungen hat, erscheint Ricardo jemand, der eigentlich tot ist und obendrein nicht auf der Insel starb und dessen Leiche sich auch nicht auf ihr befindet: Isabella. Kommt euch das auch so bekannt vor – Stichwort: Emily Linus? Isabella redet Ricardo ein, er sei tot und in der Hölle und da draußen laufe der leibhaftige Teufel rum und sie habe ihm in die Augen gesehen und alles, was sie sah, war das Böse. Wer ist nun diese Erscheinung? Der Mann in Schwarz? Denkbar, wenn auch problematisch, denn diese Annahme hat doch den ein oder anderen Haken:

1. Bislang nahm er nur die Form von Menschen an, deren Leiche sich auf der Insel befand: Yemi, Alex, Locke und womöglich Christian. Alles andere wurde nie bestätigt (siehe unter 2)

2. Das Rauchmonster kann sich zwar aufteilen („Left behind“), doch das scheint nur solange zu gelten wie es keine menschliche Form annimmt (siehe Bens Treffen mit ihm in „Dead is Dead“, Lockes Erscheinen bei Ben in „Dr. Linus“ oder bei Sayid in „Sundown“), doch wir hören Smokey draußen wüten, während Isabella noch bei Ricardo ist. Okay, ich hör jetzt schon wieder Anis Ben Amor, der in einem künstlichen Husten versteckt „Preis des Lebens“ prustet... also gut: es scheint, als hätte MiB einmal mehrere Gestalten angenommen, doch auch hier fehlt der Beweis, dass es wirklich MiB ist und nicht eine Halluznation oder eine andere Entität war. Das Problem ist einfach: Bei Alex, John und dem Rauch in „Dead is Dead“ wissen wir, dass alle drei MiB waren und da scheint er als Rauch zwar Menschen aus der Vergangenheit projizieren zu können, doch wirklich ihre Gestalt annehmen und in diesen Handeln kann er nicht.

3. Als Isabella erscheint hat sie fast so etwas wie eine Aura um sich, was mich doch sehr an Lockes Äußerung über sein Erlebnis in „Walkabout“ oder den Jungen im Wald erinnert. Klar kann an dem Lichtkegel liegen, in dem sie steht, aber ihre Erscheinung hat dennoch etwas Transzendales an sich.

Doch Jacob würde ich gänzlich ausschließen:

1. Diese Art der Manipulation passt nicht zu ihm.

2. Bislang gibt es keinen Hinweis dafür, dass Jacob eine andere Gestalt annehmen könnte.

3. Er sagt Ricardo, er würde sich nicht einmischen.

4. Warum sollte er Ricardo erzählen er sei tot und in der Hölle, wenn er ihn später eindringlich vom Gegenteil überzeugt.

5. Jacob scheint doch überrascht, als Ricardo am Strand aufkreuzt.

Wer also ist dieses Wesen, das sich hier als Isabella ausgibt? Es muss einfach eine dritte Kraft auf der Insel geben, denn weder Emily noch Isabella oder der Junge im Wald lassen sich durch Smokey und/oder Jacob gänzlich erklären. Oder sagen wir so: Jede Erklärung würde viele Wenn’s und Aber’s enthalten und ich halte es hier einfach mal mit Ockhams Rasiermesser.

Als nächstes taucht „Samuel“ selbst bei Ricardo auf, festigt dessen Glauben, dass die Insel die Hölle und er tot sei, und befreit ihn mit den Worten: „It's good to see you out of those chains.“ Das erklär ich auch nicht weiter, denn jedem, der da keinen Aha-Effekt hatte, ist nicht mehr zu helfen.

Ricardo kommt nun also ins Gespräch mit dem Mann in Schwarz, der ihn dazu überredet, Jacob aufzusuchen und umzubringen. Die drei Gespräche – sowohl die zwischen Ricardo und MiB bzw. Jacob als auch das zwischen Jacob und MiB selbst – laufen für uns als Zuschauer auf drei Ebenen ab: Handlungsebene, Informationsebene und Subtextebene. Die Handlungsebene ist ziemlich offenkundig: sowohl MiB als auch Jacob versuchen Ricardo auf ihre Seite zu zeihen und den anderen als (vermeintlichen) Lügner zu entlarven. MiB möchte, dass Ricardo Jacob in dem Glauben, er sei der Teufel und habe Isabella verschleppt, tötet. Hierbei gibt er Ricardo den gleichen Rat, den Dogen Sayid gab, als der MiB töten sollte: Er dürfe ihn unter keinen Umständen sprechen lassen, sondern müsse ihn zuvor mit einem Messer töten. Merkwürdig, nicht wahr? Mit Ben hat Jacob gesprochen und dennoch hat der ihn getötet. Jacob wiederum streitet die Unterstellungen Ricardos ab und „tauft“ ihn etwas unsanft, um ihn davon zu überzeugen, dass er lebt. Danach klärt er ihn über den Stand der Dinge auf und bietet ihm einen Job an. Später treffen sich MiB und Jacob – hier findet letztlich nicht wirklich viel Handlung statt – die zwei machen einfach reinen Tisch miteinander.

Soweit die Handlungen – doch viel interessanter sind die anderen zwei Ebenen. Ich teile die Informationen, die wir erhalten, und die zugehörigen Analysen mal in Gruppen auf, um es etwas übersichtlicher zu gestalten:

Informationen über MiB:

1. Von ihm selbst: Er gibt zu, er sei der schwarze Rauch. Ferner gibt er auch Ricardo gegenüber vor, Jacob habe ihn betrogen, ihm seine Menschlichkeit und seinen Körper genommen. MiB will die Insel verlassen und braucht Ricardos Hilfe dabei.

2. Von Jacob: Jacob sagt, der Mann in Schwarz glaube, dass jeder Mensch korrumpierbar sei und es in seiner Natur liege, zu sündigen („That man who sent you to kill me believes that everyone is corruptable because it's in their very nature to sin.“) Dieser Information können wir vertrauen, denn es entspricht exakt dem, was MiB gegenüber Jacob selbst sagt („They come, they fight, they destroy, they corrupt – it always ends the same“). Letztlich widerspricht das der Annahme, dass MiB böse wäre, denn dann würde ihn das Böse an den Menschen nicht stören. Er hält die Menschen aber für unmoralisch, egoistisch und destruktiv. Wenn der Korken aus der Flasche gezogen würde, wäre das Böse entfesselt und MiB könnte beweisen, dass die Menschen alle korrumpierbar sind, wenn keiner von ihnen dem Bösen widerstehen könnte. Anders als Jacob greift er aktiv ein, wie Ricardo richtig feststellt, aber MiB kann das auch, denn er will ja nicht beweisen, dass die Menschen nie gut handeln, sondern nur, dass jeder von ihnen sündigt, wenn die Situation es erfordert und Ricardo ist da ein ideales Versuchsobjekt, denn er tat etwas, von dem er selbst MiB gegenüber sagt, dass er weiß, dass es falsch ist/war, um Isabella zu retten: er hat gemordet.

3. Als Subtext aus den Handlungen und Gesprächen der beiden miteinander: Er bittet stets, lässt die Wahl und gibt keine Anweisungen – passt eher zu Jacob, oder? Ebenso passen auch der Vorwurf „der Teufel“ habe ihm seinen Körper geraubt und der Deal mit Dogen, von dem der Sayid erzählte, eher zu „Samuel“ als zu Jacob. So unwahrscheinlich es auch ist, so würde ich mich ärgern, diese Hypothese nicht in den Raum gestellt zu haben: Hat MiB Jacobs Körper genommen und ihn in seinem eingeschlossen? Ich wüsste auch noch nicht wie sich das ins große Ganze einfügen sollte, aber der Verdacht liegt nahe.

Zurück zu dem, was wir über MiB aus dem Subtext erfahren: Er will die Insel verlassen und zwar um jeden Preis, selbst wenn er dafür Jacob und alle Kandidaten töten muss – das Problem: er selbst kann nicht Hand an sie legen. Warum aber hält Jacob ihn fest? Es scheint weniger so zu sein, dass der Mann in Schwarz gehen will, um die Menschen zu korrumpieren und ihnen zu schaden. Er klingt mehr wie jemand, der das alles einfach leid ist. Er hat schlichtweg keinen Bock mehr, Babysitter für die Insel zu spielen. So langsam glaub ich deshalb auch, dass MiB die Insel beschützen soll und Jacob wiederum aufpasst, dass er genau dieser Aufgabe auch nachkommt: „Quis autem custodiat ipsos custodes?“ (Juvenal) = „Wer aber soll die Bewacher selbst bewachen?“ Auch bekannt als: „Quis custodiet custodes?“ oder Englisch: „Who watches the Watchmen?“

Eine andere Möglichkeit wäre noch, dass MiB tatsächlich die Inkanation alles Bösen ist und sein Zuhause nur erreichen kann, wenn er zuvor die Flasche öffnet oder den Korken in ihr versenkt.

Informationen über Jacob:

1. Von MiB: MiB behauptet von Jacob, er sei der Teufel und habe ihn, also MiB, ausgetrickst, ihm Körper und Menschlichkeit genommen und hielte ihn hier in der Hölle fest. Auch gibt er vor, gesehen zu haben, wie Jacob Isabella verschleppte. Als Ricardo nach seinem Treffen mit Jacob zu „Samuel“ zurückkehrt, gesteht dieser Ricardo zu, Jacob könne sehr überzeugend sein („I understand. He can be very ... convincing.“).

2. Von Jacob selbst: Jacob stellt sich Ricardo mit seinem Namen vor. Er erklärt Ricardo die Insel (s.u.) am Beispiel einer Weinflasche (s.u.) und offenbart, dass er Menschen – so wie auch Ricardo und die Crew der Black Rock – auf die Insel hole, um zu beweisen, dass MiB falsch liege. Will er das beweisen, kann er nicht eingreifen, denn Sinn und Zweck des Unterfangens ist es ja, die Menschen an einen Ort zu bringen, wo sie ohne jegliche gesellschaftliche und rechtliche Normen und Vorgaben neu beginnen können. Auf der Insel ist man einzig und allein dem eigenen Gewissen verpflichtet und so zeigt sich, wie die Menschen wirklich sind. Sobald Jacob ihnen sagen würde, was sie zu tun und zu lassen haben, wäre wieder eine höhere Macht/Autorität da, die alles regelt. Jacob stupst die Menschen zwar mal an, um sie auf die Insel zu bringen, aber dort angekommen, sehen die Menschen ihn – mit Ausnahme von Richard – nicht wieder. Hat er deshalb zugelassen, dass „Samuel“ ihn tötet, weil er erkannt hat, dass er nur gewinnen kann, wenn er gar nichts mehr beeinflusst und die Menschen aus eigenem Antrieb den Versuchungen „Samuels“ widerstehen? Jacob nimmt eine Funktion wie Gott ein: Er ist da, lässt den Menschen aber den freien Willen. Er sagt niemandem, was er zu tun oder zu lassen hat. Dann wäre MiB der Satan (im talmudischen und nicht im christlichen Sinne), denn er verführt die Menschen, will belegen, dass sie böse sind.

3. Als Subtext aus den Handlungen und Gesprächen der beiden miteinander: Jacob ist da, damit MiB nicht gehen kann. Anscheinend verhindert er damit aber auch, dass der Korken aus der Flasche fliegt, also dass das Böse entfesselt wird. Wie schon gesagt: „Quis custodiet custodes?“ Jacob scheint, keinen direkten Einfluss auf den Korken auszuüben, sondern lediglich indirekt über die Kontrolle über „Samuel“ den Wein am Entfleuchen zu hindern. Außerdem erfahren wir über Jacob durch sein Handeln, dass er, wäre er nicht Inselhüter geworden, auch eine Karriere als Kickboxer hätte anstreben können.

Informationen über die Insel:

1. Von MiB: Die Insel selbst ist – laut MiB – die Hölle und somit ein Gefängnis. Der Teufel (Jacob) ist der Gefängniswärter, der MiB nun hier festhält. Aussagen wie „alle sind tot“ und „die Insel ist die Hölle“ haben wir schon allzu oft gehört – nur komisch, dass wir sie nun ausgerechnet von Ricardo zu hören bekommen, was wohl beweist, wie erschüttert sein Glauben in Jacob ist.

2. Von Jacob: Laut Jacob ist die Insel selbst nicht die Hölle, sondern der Hölle nur sehr nahe, da sie die letzte Bastion vor der Welt des Chaos ist. Der Vergleich mit dem Wein brachte mich aber wieder auf einen Gedanken zurück, den ich vor langer Zeit schon hatte: Die Alten Ägypter gingen ja davon aus, dass vor allem anderen das chaotische Gewässer Nun, der Urozean, existierte, der dann von Atum an den Rand aller Existenz verdrängt wurde, als er die Welt schuf. Diese Schöpfung beginnt mit einer Insel: dem Urhügel, der sich als Erstes aus den Tiefen des Nun erhob. Und jetzt denkt mal an den Tempel zurück: Über dem Heilquell steht in Hieroglyphen „das urzeitliche Wasser des Nun“ und dieses Wasser verfärbt sich nach Jacobs Tod, wird trübe. Hat der Korken mit Jacobs Tod ein Leck und das Chaos des Nun beginnt hinauszuströmen? Dann wäre da noch das Relief unter dem Tempel mit dem Rauchmonster und Anubis. Meine Theorie wäre daher nun folgende: Die Insel ist der Urhügel, der sich aus Nun erhob bzw. von Atum erhoben wurde. Hier befindet sich der Eingang zurück in die Welt des Chaos, in die Unterwelt, Hölle, Duat, Thartaros, Nun – nennt es wie ihr wollt – und deshalb muss der Hügel bewacht werden. Die Frage ist nur, ob Jacob nun selbst Anubis ist oder dessen Nachfolger (wer sagt uns, dass vor Jacob nicht schon andere diesen Job hatten, wenn auch er ersetzt werden kann). Oder ist das Monster Anubis und Jacob ist Atum/Ra, der in verpflichtete, zu wachen?

3. Als Subtext aus... na, ihr wisst schon: Auch wenn Jacob es nie so direkt ausspricht, so scheint die Insel doch, eine Art Testgelände oder Spielfeld zu sein.

4. Aus Ricardos eigenen Erlebnissen und Erkenntnissen: Ricardo hat dem Mann in Schwarz wohl nie gänzlich geglaubt, sonst hätte er bei Jacob nicht solche Angst gehabt, sterben zu können. Aber ihm ist auch klar, dass die Insel ein ungewöhnlicher Ort ist und hier Dinge jenseits der Vorstellungskraft geschehen. Er steht nur vor dem selben Dilemma wie wir auch: Wem glaube ich? Um es mit den Worten von Volker Pispers zu sagen: „Die können nicht beide Recht haben. Aber sie können beide Unrecht haben – das ist es, was mich dann wiederum beruhigt!“

Sonstiges:

1. Der Stein: Unser guter alter Inside-Joke. So ganz hat noch keiner kapiert, was das sollte – vermutlich nicht einmal Jacob und „Samuel“ selbst^^ Nein, natürlich wissen die, was das zu bedeuten hat und vielleicht stehen diese Steine ja nicht nur für Jacob oder „Samuel“ als Individuen. Der weiße Stein könnte einfach für Jacobs Position stehen. Unklar sind in diesem Zusammenhang auch immer noch die Herkunft von Adam und Eva und die Bedeutung der Steine bei den beiden. Zumindest symbolisiert der weiße Stein wohl Jacob (oder zumindest seine Position) und der schwarze MiB. Als Ricardo MiB den weißen Stein gibt, soll ihn das wohl an irgendetwas erinnern. Aber was? Ganz ehrlich: ich habe keine Ahnung.

2. Der Wein: Muss ich jemandem die symbolische Bedeutung von Wein erklären? Sagen wir mal so: auf Hochzeiten ist Jacob mit seiner Wein-Story der absolute Bringer ;-). Nur erinnert der Wein in dieser alten Flasche mich wie schon gesagt auch an den Heilquell im Tempel. Unklar ist, woher MiB die symbolische Bedeutung des Weins kennt, wenn er die Flasche am Ende der Folge zerschmettert.

3. Die Gabe: Jacob lügt Ricardo scheinbar nicht an, doch wirkt es etwas verwunderlich, dass er angeblich nicht im Stande ist, ihm Isabella zurückzugeben, denn bei Dogens Sohn und Locke schien das ja geklappt zu haben. Auch kann er ihm keine Absolution erteilen, was daran liegen könnte, dass Ricardo – wie Jacob kurz zuvor andeutet – auf der Insel frei von Sünde ist und einen Neuanfang geschenkt bekommt. Auf der Insel wird man automatisch eine Tabula Rasa. Letztlich deutet aber vieles daraufhin, dass Jacob Ricardo diese Wünsche gar nicht erfüllen will, sondern er auf den dritten Wunsch wartet, mit dem er Ricardo an sich bindet – das nenn’ ich Ben’sche Verhandlungsstrategie.

4. Schicksal gegen freier Wille: Sowohl Jacob als auch „Samuel“ weisen immer wieder auf die Wahlmöglichkeiten hin. Es ist also ganz offenkundig von entscheidender Bedeutung, dass sie zwar lenken und manipulieren, jedoch niemanden zu etwas zwingen dürfen.

5. Einmischung und Nichteinmischung: Hier kommt wieder das Gott-Satan-Motiv sehr klar zum Vorschein. Gott agiert über Boten (Engel) und Satan greift selbst ins Geschehen ein, um die Menschen zu prüfen, was er teilweise sogar in Gottes Auftrag tut. Jacob hat auch seine Boten/Engel: Ben agiert wie Michael – er ist Jacobs oberster Vollstrecker und führt jeden Auftrag gewissenhaft aus, ohne ihn zu hinterfragen. Richard (und später Hurley) nimmt im weitesten Sinne die Rolle Gabriels ein und fungiert als Gottes Mittler zwischen ihm und den Menschen oder anderen Engeln/Boten. Ilanas Aufgabe ist es zu beschützen, was sie mit Raphael vergleichbar macht. MiB wiederum ist der gefallene Engel, welcher sich von Gott/Jacob betrogen fühlt und ihm beweisen will, dass die Menschen schlecht sind.

6. Magic Box: Die fiel mir gerade wieder ein, denn irgendwie sind Jacob und MiB ja genau das, was Ben mit seiner „Magic Box“ beschreibt: Man wünscht sich etwas und es wird wahr.

So, ich denke bezüglich der Flashbacks war es das im Wesentlichen. Bliebe noch Richards Wanderschaft zu jenem Lagerplatz, wo er einst Isabellas Kette, die MiB ihm zurück gab, vergraben hat. Er will das Angebot, das er bereits zweimal ausschlug, nun doch annehmen. Doch vor MiB erscheint Hurley auf der Bildfläche. Der hat sich schon am Strand mit jemandem auf Spanisch unterhalten. Jack nahm an, es wäre Jacob, doch wie wir nun erfahren war es – Surprise! Surprise!: Isabella. Wo ich gerade den Anfang des Transcripts noch mal lese: Irgendwie komisch, dass ausgerechnet Jack meint, Richard habe den Verstand verloren... wer im Glashaus sitzt...ihr wisst schon.

Zumindest sagt Hurley Ricardo alles, was Isabella so sagt und fungiert dabei als Dolmetscher für uns und Medium für Isabella und Richard zugleich. Doch dann erklärt Hurley, sollte Richard keinen Weg finden, den Mann in Schwarz aufzuhalten, werden alle zur Hölle fahren.

Und mit dieser herrlich morbiden Vorstellung verabschiede ich mich für diese Woche erst mal. Schönen Sonntag! Jenen unter euch, für die das zutrifft, wünsche ich ferner schöne Osterferien!

Namaste!

Mittwoch, 24. März 2010

Wie der Korken aus der Flasche kommt - Erste Eindrücke zu "Ab Aeterno"

Oh, Mann!
Die Folge werd' ich auch ersteinmal verarbeiten müssen. Obwohl sie insgeamt großartig war, muss ich sagen, dass ich sie stellenweise etwas konstruiert fand, denn dieser zwanghafte Wunsch Ricardo als Sklaven auf die Black Rock zu schicken, kam mir persönlich etwas weit hergeholt vor. Ganz ähnlich ergeht es mir bei der Zerstörung der Statue: Ein hölzernes Schiff soll eine Statue aus massivem Stein zerstören? Ich weiß nicht... .
Überrascht hat mich vor allem, dass Jacob sagt, er könne Ricardos Frau nicht zurückbringen. Schön fand ich es aber, den Man in Black wieder in seiner wahren Gestalt zu sehen und gerade das Ende war subtil, aber brillant. Es ist also klar, was er will: die Kandidaten töten oder daran hindern, Jacobs Platz einzunehmen, damit er gehen kann. Wenn das passiert wird das Höllentor, Portal zum Duat (nennt es wie ihr wollt) geöffnet und... ja, am treffendsten wäre wohl: die Büchse der Pandora ist offen.
Wie gesagt: ich muss die Folge auch erst verdauen, ehe ich mich an die Review mache. Bei so vielen neuen Erkenntnissen sollte man erstmal seine Gedanken ordnen.

Namaste!

P.S.: Endlich wieder Flashbacks^^

Samstag, 13. März 2010

"I can't think of a better man for the job“ - "Dr. Linus"-Review

Dr. Linus:

Was für eine Folge. Sie lässt einen doch etwas konfus zurück, denn obwohl nun scheinbare Klarheit herrscht, gibt es so einige Details, die einen aufwühlen, über die man noch lange nachsinnt und versucht die versteckte Bedeutung dahinter zu erfassen. Es sind Kleinigkeiten, die wohl noch große Bedeutung erlangen werden. Wir verlassen die Insel am Ende der Folge, nachdem sich nun auch die Heimmannschaft zusammengefunden hat. Die letzte Folge endete bei Nacht, alles war düster und der Mann in Schwarz zog mit seinem Trupp vom Tempel weg. Wie wir nun wissen, hat sich sein Team die Hydra-Insel als Basis auserkoren. „Dr. Linus“ wiederum endet bei Tag am weißen Strand, alles ist licht und hell. Eine kleine Gruppe letzter Getreuer steht beisammen, als ein weiterer Mitspieler eintrifft: Charles Widmore. Ist er der letzte Teilnehmer an diesem finalen Kampf? Wohl kaum, denn wie sagt Eloise zu Desmond? Die Insel ist mit ihm noch nicht fertig. Also ein Spieler fehlt mindestens noch, sofern er nicht bei seinem Schwiegervater im U-Boot hockt, was ich doch zu bezweifeln wage. Wenn dieser letzte Rekrut eingetroffen ist und eine Seite gewählt hat, dürfen wir uns wohl auf einen epischen Kampf freuen: „Zwei Spieler, zwei Seiten – eine ist hell, die andere dunkel.“

Aber wie findet sich Team-Jacob nun? Ironischerweise nimmt ausgerechnet Jacobs Mörder eine zentrale Rolle dabei ein, denn er schlägt, kurz bevor er überführt wird, den späteren Treffpunkt als Lager vor: das Strandlager der Losties. Aber ist Ben wirklich Jacobs Mörder? Ist er nicht vielmehr die Mordwaffe, welche über Jahrzehnte in Jacobs Händen lag und seine fragwürdigen Befehle ausführte, ehe sie der Gegenseite in die Hände fiel und gegen ihren Schöpfer gewendet wurde? Prompt sind wir auch schon im zentralen Thema der Inselhandlung: Jacob und Ben – eine Beziehung die blutig endete und deren Aufarbeitung überfällig ist. Von Richard erfahren wir in dieser Folge, dass die Berührung Jacobs einen überhaupt erst zum vollwertigen Kandidaten und praktisch unsterblich macht. Man kann sich nicht umbringen und auch nur schwerlich von anderen umgebracht werden. Man stirbt erst, wenn Jacob einen lässt – also vermutlich, wenn man von der Liste gestrichen wurde. In zweierlei Hinsicht ein wichtiger Punkt, wenn wir Bens Lebensgeschichte betrachten. Wenn selbst Tom wusste, dass die Insel (also Jacob) einen nicht sterben lässt, bis man seine Aufgabe erfüllt hat, dann wird Ben dies wohl auch gewusst haben. Plötzlich kann man Bens ersten Versuch, Locke zu töten, in einem ganz anderen Licht sehen: Ist er ein Kandidat, überlebt er. Viel bedeutsamer sind Richards Infos aber in Bezug auf Ben selbst, denn was stellt Jacob unmittelbar vor seinem Tod sicher? Genau: Er berührt Ben und geht damit sicher, dass er als letzter Kandidat doch noch im Spiel bleibt. Verknüpfen wir das nun mit Miles Aussage: „Right up until the second time the knife went through his heart, he was hoping he was wrong about you. I guess he wasn't.“ („Kurz bevor das Messer das zweite Mal in sein Herz eindrang, hoffte er, sich in dir getäuscht zu haben. Ich schätze: das hat er nicht.“) Was wird suggeriert? Jacob hofft sich in Ben geirrt zu haben, weil er glaubte Ben würde ihn töten. Doch hat Ben nicht irgendwo recht, wenn er Miles kurz zuvor entgegenhält, Jacob habe es nicht gekümmert, ob er lebt oder stirbt? Letztlich brachte sein Tod Jacob einen großen Vorteil gegenüber dem Mann in Schwarz: sein Gegner weiß nicht, dass er weiterhin die Fäden ziehen kann. Hurley wird zu Jacobs Sprachrohr und so bleibt das Spiel am Laufen. Der von Hurley gezogene Vergleich zwischen Jacob und Obi-Wan Kenobi könnte hier durchaus ein versteckter Hinweis sein, denn auch Obi-Wan lässt sich von seinem einstigen Schüler bereitwillig töten und sorgt so dafür, dass Luke entkommt und seinen Vater läutern kann. Obi-Wans Opfer macht es Vader/Anakin möglich sich aus Sidious’ Einfluss zu befreien und den Kampf zwischen Licht und Schatten endgültig zu beenden. Ferner stirbt Obi-Wan erst, nachdem er Vader gewarnt hat: „Wenn du mich tötest, werde ich mächtiger als du dir nur entfernst vorstellen kannst.“ Das führt uns zu Ben, der in diesem Bild Anakins Rolle einnimmt. Ist er also dazu bestimmt MiB zu töten, diesen ewigen Kampf zu beenden? Hätte Jacob gehofft sich in Ben getäuscht zu haben, weil er ihn für böse hielt, hätte er ihn nicht berührt. Ich denke, dieser „Irrtum“ bezieht sich auf Jacobs Liste. „117 – LINUS“ wurde durchgestrichen. Ein Erklärungsmodell wäre also, dass Jacob hoffte, Ben sei doch zu seiner Nachfolge bestimmt oder halt dazu auch „Samuel“ zu töten.

Doch bedenken wir Jacobs Weitsicht wäre noch ein ganz anderes Szenario vorstellbar: Ahnte er vielleicht, dass Ilana Miles bitten würde, Jacobs Mörder zu entlarven? Ist es nicht vor allem Miles Aussage über Jacobs letzte Gedanken, die Ben dazu bringt, sich für Jacob zu entscheiden. Selbst jetzt noch ist alles, was Ben sucht, Anerkennung. MiB ist bereit ihm diese zu geben und Ben zieht in Erwägung zu ihm zu gehen. „Because he's the only one that'll have me.“ („Weil er der einzige ist, der mich annehmen wird.“) Ist es denn so egoistisch, was Ben sich wünscht? Ist es zuviel verlangt, dass er einmal von irgendeinem Menschen geliebt werden möchte? Bens Streben nach Macht folgte stets dem Wunsch Jacob zu begegnen. Er führte dessen Aufträge aus, um sich seiner Anerkennung sicher sein zu können. Ben wurde stets verwehrt, was sich letztlich jeder Mensch mehr ersehnt als alles andere: die Zuneigung anderer Menschen. Ironischer Weise ist es genau dieses zwanghafte Streben danach, zu gefallen, das ihn bei den meisten Menschen unbeliebt macht: „You make friends easy, don't you?“ („Du machst dir leicht Freunde, oder nicht?“)

Was tut Ben, als Miles ihn entlarvt? Er versucht sich rauszureden, sucht das Gespräch mit Ilana. Die will überhaupt nichts davon hören, ignoriert Ben, vergräbt sich in ihrem Zorn. Sie hätte sich und Ben viel ersparen können, wenn sie bereit gewesen wäre, zuzuhören. Doch auch Ben hat hier einen entscheidenden Fehler gemacht. Wäre er damals aus der Statue gekommen und hätte, nachdem man ihm Lockes Leiche gezeigt hatte, gesagt: „Verflucht! Ich dachte das wäre Locke und er wäre der Auserwählte, der, auf den wir gewartet haben. Die Insel hatte mir aufgetragen JEDER seiner Anordnungen zu folgen. Er hat mich dazu gebracht, Jacob zu töten“, es wäre ihm kaum schlechter ergangen als jetzt. Das ist eine der vielen Lektionen, die Ben dank Jacob nun endlich lernt: Manchmal ist die Wahrheit weitaus ungefährlicher als die Lüge. Nicht nur Ilana verliert mit Jacob den einzigen Menschen, der für sie dem, was man als „Vater“ bezeichnen könnte, je am nächsten kam. Ben leidet unter Jacobs Tod aus dem selben Grund ebenso wie Ilana und da wir nun wissen, dass Jacob all die Kandidaten besuchte und berührte und nur einen zu sehen, verweigerte, drängt sich wieder der Verdacht auf, dass Bens Leid und Jacobs Tod einen tieferen Sinn hatten. Denn Ben lernt daraus, wie diese Folge zeigt.

Am Strand durchwühlt er Sawyers Sachen, unterhält sich mit Frank darüber wie gut er sich an den Tag erinnere, an dem das Flugzeug abstürzte. Als Frank ihm daraufhin erzählt, eigentlich hätte er fliegen sollen, stellt Ben trocken fest, es hätte wohl nichts geändert.

Wie groß Ilanas Zorn ist, zeigt sich bald darauf: Sie zwingt Ben, sein eigenes Grab zu graben. Genau hier wird er endgültig einer der Losties, denn Ilana wählt einen interessanten Platz für Bens letzte Ruhestätte in spe aus: den Friedhof der Losties. Ethan und der Marshall liegen woanders begraben. Alle Menschen, die hier ruhen, waren an Bord von Flug 815, an dessen Absturz sich Ben erinnert, „als sei es gestern gewesen“. Die Anderen existieren nicht mehr, sie sind tot oder haben Jacob verraten, sich dem Mann in Schwarz angeschlossen. Außer Ben ist nur noch ein einziger Anderer übrig: Richard Alpert. Anders als Ben sucht dieser im Dschungel den Tod.

Richard kommt gerade vom Tempel, als er Jack und Hurley begegnet, die auf dem Rückweg vom Leuchtturm sind. Sowohl Hurley als auch Richard wollen verhindern, dass Jack zum Tempel zurückkehrt und am Ende landet das Trio an der Black Rock. Richard hat seinen Glauben verloren und will nun sein schon viel zu lange währendes Leben beenden: „Jacob touched me and when Jacob touches you... well it's considered a gift... except it's not a gift at all. It's a curse.“ („Jacob hat mich berührt und wenn Jacob einen berührt...nun, es wird als Segen betrachtet... nur, dass es letztlich kein Segen ist. Es ist ein Fluch.“)

Jacobs Tod hat ihm die Gewissheit genommen, dass alles einen tieferen Sinn hat. Richard erwidert Jack auf die Frage, warum er sterben will: „I devoted my life – longer than you can possibly imagine – in service of a man who told me that everything was happening for a reason, that he had a plan – plan that I was a part of – and when the time was right that he'd share it with me, and now that man's gone so... Why do I want to die? Because I just found out my entire life had no purpose. Now if I light this myself it won't work, but you can light it for me, Jack. I made the fuse long enough so you'll have time to get out.“ („Ich habe mein Leben – länger als man es sich nur vorstellen kann – einem Mann hingegeben, der mir sagte, alles passiere aus einem bestimmten Grund, er einen Plan habe, einen Plan, von dem ich ein Teil wäre und wenn der rechte Zeitpunkt da wäre, würde er ihn mit mir teilen. Aber jetzt ist dieser Mann fort... Also, warum will ich sterben? Weil ich erkannt habe, dass mein gesamtes Leben ohne Sinn und Zweck war. Wenn ich das jetzt selbst entzünde, würde es nicht funktionieren, aber du könntest es für mich entzünden, Jack. Ich mache die Lunte lang genug, damit du noch Zeit hast rauszugehen.“) Klingt nicht nach dem Richard, den wir kennen, mehr wie John Locke, wenn er mal wieder in Selbstmitleid zerfließt. Richard ist nun an dem Punkt angekommen, an dem Ben sich seit der Statue befindet. Ausgerechnet Jack, der plötzlich seinen bis vor kurzem noch unbenutzten und originalverpackten Glauben zu Jacob entdeckt hat, hilft Richard mit einer echt mutigen Glaubensprüfung aus der Depression. Wer hätte gedacht, dass Jacks Götterkomplex noch mal zu was gut sein Kann? Richtig: Jacob ;-).

Und bevor ich nun zu Ben zurückkehre, sei gesagt, dass mir nicht entgangen ist, dass Richard zwischen den Zeilen durchblicken lässt, mit der Black Rock gekommen zu sein. Ja, ich hab das immer ganz vehement zurückgewiesen... vermutlich, weil es mir zu einfach war. Back To Ben:

Der bekommt beim Buddeln Besuch von Miles und unternimmt einen letzten verzweifelten Versuch, sich freizukaufen – wer könnte es ihm in der Situation verübeln. Da Miles aber von den Leichen zweier Diamantendiebe weiß, was da noch so unter der Erde wartet, interessiert ihn Bens Angebot nicht sonderlich. Doch ein unmoralisches Angebot ist es auch, was Ben letztlich rettet. Plötzlich steht „Samuel“/Locke/MiB vor ihm. Für Ilana ist John nicht zu sehen, da er hinter einem Busch steht... ein Männlein steht im Walde, gar nicht still und stumm. Sag, wer mag das Männlein sein, das da steht im Wald allein... Da MiB gerne unmoralische Angebote macht, versucht er auch Ben für sich einzuspannen. Für Mephisto in Black scheint Benjamin „Faust“ Linus ein offenes Buch zu sein, denn er bietet Ben an, wonach er sich vermeintlich sehnt: Macht, mehr Macht als er sie je hatte. MiB bietet Ben Jacobs Posten an. Warum? Ich denke „Samuel“ glaubt, er habe jetzt endlich einen Dummen gefunden. Oder er weiß etwas über Ben und seine Rolle im Ganzen, was wir noch nicht wissen. Nur hätte er nicht ganz speziell an Ben Interesse, würde er nicht so einen Aufwand betreiben. Ben ist so verzweifelt und einsam, dass er in Erwägung zieht, auf dieses Angebot einzugehen. Er rennt nicht in den Dschungel und macht sich auf den Weg zu „Samuel“, weil er sich davon Jacobs Posten verspricht. Es schmeichelt ihm zwar, dass ihm dieser Posten laut MiB wie auf den Leib geschneidert wäre, doch er geht aus einem völlig anderen Grund: pure Verzweiflung. Er fürchtet um sein Leben, ist einsam und verlassen und der einzige, der bereit ist, sich seiner anzunehmen, ist jener Mann, der ihn in diese Lage brachte und eigentlich sein Feind sein sollte. Ben macht keinen Hehl daraus, dass er wütend auf MiB ist: „Because you talked me into killing Jacob. You see that woman over there eating a mango? She's His bodyguard and she knows what I did. So now you've got what you wanted because she's going to kill me.“ („Weil du mich dazu überredet hast, Jacob zu töten. Siehst du die Frau da drüben, die eine Mango isst? Sie ist Sein Leibwächter und sie weiß, was ich getan habe. Also, jetzt hast du, was du wolltest, denn sie wird mich umbringen.“)

Ben sagt MiB er könne eh’ nicht fort und die Fußschelle öffnet sich wie von Geisterhand (Dazu fällt mir nur ein: „Alter, du warst voll der Jedi-Meister“). „Samuel“ mahnt Ben, er solle nicht zögern, wenn er das Gewehr habe, denn sie würde es auch nicht. Ach? Die wievielte Person ist das jetzt, bei der „Samuel“ versucht Ben in einen Mord reinzuquatschen? Bequeme Methode Ilana loszuwerden, denn sie beschützt für ihren Pseudo-Daddy Jacob die Kandidaten, wie sie Sun in dieser Folge ja eröffnet. Woher kennt sie die Liste? Und warum weiß sie nicht für welchen Kwon Eintrag 42 steht? Und wer ist der sechste Kandidat, wenn 42 nur für einen steht? „There are only six left.“ („Es sind nur noch sechs übrig.“) Wo wir gerade beim Thema sind: Sieht so aus, als hätte MiB in dem Punkt die Wahrheit gesagt. Hat er dies auch, als er Ben das Angebot macht, wissen wir schon, wer der sechste Kandidat ist, doch dann fragt sich, wie Ilana ihn hätte töten sollen.

Ben rennt zumindest in den Dschungel und findet – wie versprochen – ein Gewehr, doch er tötet Ilana nicht. Ben hat mit diesem Leben abgeschlossen: Mord gehört nicht länger zu den Dingen, die er zu tun bereit wäre. Vom Paulus zum Saulus und wieder zurück zum Paulus. Ben ist geläutert, ein für allemal: „I watched my daughter Alex die in front of me. And it was my fault. I had a chance to save her, but I chose the island over her. All in the name of Jacob! I sacrificed everything for him. And he didn't even care. Yeah I stabbed him, I was... so angry...confused...I was terrified that I was about to lose the only thing that had ever mattered to me: my power. But the thing that really mattered was already gone. I'm sorry that I killed Jacob. I am and I do not expect you to forgive me because...I can never forgive myself.“ („Ich habe meine Tochter Alex vor meinen Augen sterben sehen. Und es war meine Schuld. Ich hatte eine Chance sie zu retten, aber ich habe die Insel ihr vorgezogen. All das im Namen Jacobs! Ich habe alles für ihn geopfert. Und ihn hat es nicht einmal interessiert. Ja, ich habe ihn erstochen. Ich war... so wütend... verwirrt... ich hatte Angst, das einzige zu verlieren, was je wichtig für mich war: meine Macht. Aber das, was wirklich wichtig war, war längst fort. Ich bedaure Jacob getötet zu haben. Das tu’ ich und ich erwarte nicht von dir, dass du mir vergibst, weil... Ich werde mir selbst niemals vergeben können.“) Da spricht ein reuiger Sünder. Also hat Jacob sich wohl nicht in ihm getäuscht. Ben hat seine Lektion gelernt, verstanden, dass Macht nicht von Bedeutung ist, wenn einem sonst nichts bleibt. Nun ist er tatsächlich der beste Mann für den Job („I can't think of a better man for the job“). Jetzt da Ben die Macht nicht mehr interessiert und er weiß, was sie aus ihm gemacht hat, scheint es doch so, als sei er nun wahrlich prädestiniert für Jacobs Nachfolge, eben weil er sie nicht mehr möchte. Ilana hat nun erkannt was für ein gebrochener Mann Ben ist und sie könnte mit ihm anstellen, was sie wollte, denn keine Strafe der Welt könnte schlimmer sein als das, was Ben schon erleiden musste. Also nimmt Ilana Ben mit zurück. Dann treffen auch Jack, Hurley und Richard am Strand ein und es kommt zur großen Wiedersehensfeier. Nur einer steht abseits und beobachtet das Szenario: Ben – „Er wandelt unter uns... aber er ist keiner von uns.“

Kommen wir von einer Insel zur nächsten. Die Insel, um die es nun geht, heißt Elba. Die Parallelen, die hier zwischen Ben und Napoleon Bonaparte gezogen werden, sind offenkundig. Für Napoleon war jedoch die Insel das Exil – für Ben hingegen das Festland. Beide besaßen sie unglaubliche Macht, gingen ins Exil, kehrten von dort zurück und schafften es ohne Waffengewalt wieder eine Führungsrolle zu übernehmen, um binnen weniger Tage endgültig bei Null anzukommen. Das war es aber mit den Übereinstimmungen. Napoleon war ein Feldherr, Ben bevorzugt da andere Mittel, um seine Ziele zu erreichen. Was entscheidend ist, ist die Frage nach dem Machtverlust. Macht zu besitzen und zu verlieren ist weitaus schlimmer als sie nie besessen zu haben. Ben lernt auf der Insel (also in der Crash-Timeline) wie unwichtig Macht letztlich ist. Napoleon hat diese Lektion nie gelernt und starb einsam und verbittert in einer Hütte auf St. Helena und das erinnert weniger an Ben als an Jacob und/oder den MiB. Doch treffen wir in der Schule, an der Ben Geschichte unterrichtet, eine Person wie sie Charles Widmore aus Bens anderem Leben kaum ähnlicher sein könnte: Rektor Reynolds. Beide bringen sie Ben in Rage, weil sie ihre Macht missbrauchen, sich nicht mehr um ihre Aufgabe kümmern und er will sie ersetzen. Man kann Ben als Anführer viel nachsagen, doch letztlich war er stets bemüht, im Interesse der Gruppe zu handeln, hat den Kontakt zu jenen, für die er die Verantwortung hatte, nie verloren.

Was LAX-Ben im Gespräch mit Leslie über Reynolds und das Schulsystem äußert, ist eine schwer zu leugnende Wahrheit und wir stellen wieder einmal fest: das Leben der Menschen mag sich ohne Insel und Jacob ändern, aber die Menschen selbst ändern sich nicht wirklich. Ben hat auch in dieser Realität ein gewisses Machtgen, möchte es aber zum Guten nutzen. Seine Maxim ist: der Zweck heiligt die Mittel (ein Erpressungsversuch ist nicht gerade die feine, englische Art). In beiden Zeitlinien liebt Ben Kinder und eines liegt ihm besonders am Herzen: Alex. Eine Sache unterscheidet sich aber ohne Jacob-Faktor dann doch gewaltig: Bens Beziehung zu seinem Vater. Zwar sind auch in dieser Zeitlinie Gefäße mit Gas im Spiel, doch hier, um Roger das Leben zu erleichtern, und nicht, um es zu beenden. Roger sagt Ben, er habe sich für seinen Sohn ein besseres Leben gewünscht und sei deshalb auf die Insel gegangen und der Dharma beigetreten. Was folgern wir aus dieser Aussage? Zunächst einmal etwas, was wir auch so wussten: Ben ist als Geschichtslehrer intellektuell so unterfordert wie es Mozart bei einem Song von Scooter wäre. Und LAX-Roger ist um einiges netter als Crash-Roger. Viel wichtiger aber: In beiden Zeitlinien existierte die Insel und Ben und Roger waren als Mitglieder der Dharma dort. Gab es aber auch in dieser Realität die Explosion, fragt man sich, wie all das zusammenpasst. Die ganzen Erklärungsmodelle aufzureihen, erscheint mir aber wenig sinnvoll.

Wichtiger ist da schon Bens Verhalten, als von Alex kompromittierende Informationen über Reynolds erhält. Von einer Äußerung Lockes angestachelt beginnt Ben, gegen Reynolds zu Felde zu ziehen, doch der erpresst zurück. Ben entscheidet sich für Alex und gegen die Macht – er hat getan, was er auf der Insel nicht tat. Wenn MiB tatsächlich hinter dieser neuen Zeitlinie steckt, könnte Bens Wunsch also eine zweite Chance gewesen sein. Diesmal will er alles richtig machen: seinen Vater umsorgen, der Macht zu Gunsten von Alex entsagen und ein ganz normales Leben führen. Jedoch hatte LAX-Ben die Macht nie inne, es gab nichts, was er aufgeben musste, weil er nie etwas hatte. Aber dieser Wunsch würde zum neuen, geläuterten Ben passen. Ist er damit glücklicher? Nein, glücklich wäre er, wenn er wieder in dme Haus stehen könnte und Keamy Forderung einfach nachkäme. Aber dann hätte er wohl nie begriffen, was er begreifen musste... Whatever happened, happened!

So, ich denke das reicht soweit für diese Woche. Wir lesen uns zu „Recon“. Bis dahin noch ein Schönes Wochenende und

NAMASTE!