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Dienstag, 6. April 2010

"It's not a what. It's a who. " - Reiew zu "The Package"

The Package:

Ich weiß eigentlich gar nicht so recht, was ich zu der Episode noch groß schreiben soll, denn es kommt mir so vor als erkläre sich alles von selbst oder wäre schon andernorts gesagt worden. Folglich fällt diese Review ausgesprochen kurz aus. Wir haben drei sich an wenigen Schnittstellen berührende Handlungsstränge auf der Insel und die Flash-Sideways-Story. Beginnen wir mal mit der. Hier schließt sich die Lücke zwischen der Ankunft am LAX („LA X“) und Jin im Kühlschrank („Sundown“). Ferner gibt es ein Wiedersehen mit einigen alten Bekannten: Keamy, Omar und Mikhail. Gerade letzterer lädt in dieser Folge mehr als je zuvor zu vielen blöden Wortspielen ein und damit wir es gleich hinter uns bringen: Folgende Sätze werden in der Review nicht vorkommen und ich möchte sie eigentlich auch sonst nirgends lesen:

- Der Schuss hätte ins Auge gehen können.

- Mikhail wirft ein Auge auf Sun.

- Er ist augenscheinlich tot.

- Da passt er einen Augenblick nicht auf und hat schon eine Pistole am Hinterkopf.

- Auf der Insel war er noch Bens Auge und Ohren.

- Er fasst es ins Auge.

- Da heißt es: Auge(n) zu und durch.

- Augenblicklich kommt Mikhail herein.

- Er hütet Sun wie seinen Augapfel.

- (Augen)Klappe! Kamera läuft! Und: Bitte!

- Das kann man mit bloßem Auge gar nicht erkennen.

- Die Kampfszene ist eine Augenweide.

- So nach Augenmaß...

Sun und Jin werden zwar mit der Uhr, aber ohne das Geld am Flughafen entlassen. Dass Sun und Jin nicht verheiratet, aber dennoch ein Paar sind, wird in dieser Folge absolut klar. Ob Sun nun aber tatsächlich kein Englisch spricht, ist für mich immer noch etwas fragwürdig, denn in der Crash-Timeline hat sie ihre Maske auch sehr lange aufrechterhalten, obwohl es – wie nun in den Flash Sideways auch – einige Situationen gab, in denen es für alle Beteiligten besser gewesen wäre, sie hätte es nicht getan. Es scheint zwar wahrscheinlicher, dass sie wirklich kein Englisch spricht, doch auch das Gegenteil traue ich ihr zu und ist daher für mich keineswegs ausgeschlossen. Im Hotel taucht dann nach einem kurzen Striptease und anderen nicht jugendfreien Aktionen Martin Keamy mit Omar im Schlepptau auf. Das Geld ist nicht da, aber Keamy versteht sowieso nichts und kommt sich vor wie in einem Godzilla-Film, weshalb er Mikhail ruft. Eine etwas merkwürdig anmutende Allianz, denn obgleich wir Mikhail stets als loyalen Soldaten kannten, passt er so gar nicht zu einem zwar eloquenten, aber nichtsdestoweniger sadistischen Arschloch wie Keamy. Eloquenz ist nämlich etwas, das Mikhail gänzlich fehlt, doch dafür besitzt er das, was Keamy fehlt: Intelligenz und vor allem ein Gewissen. Nicht das Keamy dumm wäre, aber ein Genie ist er nicht gerade, obgleich er ausgerechnet von Mikhail als Idioten spricht.

Die Ironie an der ganzen Story um das fehlende Geld ist letztlich, dass Sun und Jin fürchten Keamy könnte ihnen etwas antun oder Woo-Jung Paik (so heißt der alte Mistkerl, wie wir in dieser Folge erfahren, mit vollem Namen) könne herausfinden, was Sun und Jin so treiben, wo das fehlende Geld doch Keamys Lohn dafür ist, dass er Jin tötet, weil Paik herausgefunden hat, was zwischen Jin und seiner Tochter läuft. Würde Keamy Jin töten ohne das Geld zu haben, wäre er schön doof. Was ich mich aber frage ist: In der Original-Zeitlinie fängt Jin bei Paik an, um so Sun heiraten zu können. Wenn er und Sun ihre Beziehung aber geheim halten wollen, warum arbeitet Jin dann überhaupt für ihren Vater? Ich fürchte aber mal, dass wir die Antwort zu dieser Frage nicht mehr bekommen. Dass Sun schwanger ist, kommt auch nicht sonderlich überraschend... also alles in allem fügt sich die Flash-Sideways-Story wunderbar ein, ergänzt vermutete Puzzlestücke und gibt wieder etwas mehr Aufschluss über eine potenzielle Welt ohne Jacob-Faktor. Aber obwohl der fehlt, enden Mikhail, Keamy und Omar wie gehabt da, wo man sich die Radieschen von unten ansieht. Ja, sogar Mikhails Todesursache erinnert an die andere Zeitlinie. Mehr gibt es dazu von meiner Warte aus nicht zu sagen, weshalb ich mal munter auf die Insel marschiere:

MiB fragt Jin, ob James ihm von der Höhle erzählt habe. In den Gesprächen in „Samuels“ Lager wird rasch klar, dass er die Insel unbedingt mit den verbleibenden Kandidaten zusammen verlassen muss. Eigentlich ist das ziemlich logisch, wenn man bedenkt, dass der letzte Kandidat, der übrig bleibt, automatisch Jacobs Nachfolger wäre und MiB nur gehen kann, wenn es keinen Wächter mehr gibt. Folglich müssen die Kandidaten sterben oder ihn begleiten. Die anderen Menschen sind ihm vermutlich egal, aber wer würde sich ihm anschließen, wenn er auch Unbeteiligte einfach umbrächte. Ich denke, dass es nur einen Grund gibt, warum er Claire, Cindy, Zach, Emma und Co ebenfalls mitnehmen will: Er würde andernfalls den Beweis liefern, dass er böse ist und sich einen Scheiß um die Menschen kümmert. Okay, bei Claire mag es noch einen anderen Grund geben, aber ihr wisst, worauf ich hinaus will.

Jin geht aber nicht ohne Sun, da MiB sie aber so oder so braucht, macht er sich Richtung Strandlager auf. Kurz vor seinem Aufbruch vertraut Sayid ihm an, er habe keine Gefühle mehr, woraufhin MiB, der zweifelsohne nicht ganz unschuldig an diesem Zustand ist, erwidert, vielleicht sei es besser so, denn es würde ihm helfen das Kommende durchzustehen. MiB geht also, aber auch Jin möchte weg, denn der scheint als einziger zu begreifen, wie gefährlich es ist, sich mit dem Leibhaftigen einzulassen, denn den sieht er offenbar in „diesem Ding“. James will Jin aufhalten, sagt ihm, er habe doch einen Handel mit Widmore und einen Plan, doch ausnahmsweise ist Jin mal der, der klüger ist, mehr durchschaut. James und Kate spielen mit dem Feuer, wenn sie glauben, sie könnten ein Wesen von „Samuels“ Macht und Intelligenz täuschen oder hintergehen. Vermutlich ahnt MiB schon längst, was James plant. Jemand der es geschafft hat, Ben Linus dazu zu bringen, Jacob zu töten, wird sich kaum selbst so leicht hinters Licht führen lassen.

Jin und James werden in ihrem Streit unsanft unterbrochen, denn es hagelt Betäubungspfeile aus dem Hause Widmore. Widmore und seinen Leuten geht es aber nur um Jin, den sie auf die Hydra-Insel verschleppen.

Am Strand wird derweil kartengespielt, gewartet und ein wenig über Essen debattiert. Jack ist immer noch auf dem Weg zum Mann des Glaubens und philosophiert über Tomaten, Sun interessiert sich immer noch für nichts außer Jin, Ilana und Ben zanken weiterhin und Richard ist auch noch weg. Alles in allem hat sich also nicht wirklich was getan. Aber dann taucht MiB auf und will Sun mit zu Jin nehmen. Sun läuft weg und dabei vor einen Baum – schafft außer der Frau auch keiner: sich von einem Baum K.O. schlagen lassen. Sun wird von Ben gefunden, der sie ins Lager zurückbringt. Aber Sun hat vom Baum ihr Sprachzentrum demoliert bekommen und kann zwar noch Englisch verstehen, aber keines mehr sprechen. Ich hätte es ja als echte Wohltat empfunden, wenn ihr Sprachzentrum gänzlich im Eimer gewesen wäre und sie gar nicht mehr hätte, sprechen können...schade, schade!

MiB ist in der Zwischenzeit in sein Lager zurückgekehrt, wo alle etwas benommen sind. „Samuel“ bemerkt Jins Verschwinden und will ihn mit Sayids Hilfe zurückbringen. Ehe MiB erneut aufbrechen kann, fragt Claire ihn, ob ihr und Kates Name an der Höhlenwand stünden. Er behauptet, ihre Namen stünden nicht an der Wand. Wir wissen, dass das nicht ganz der Wahrheit entspricht, denn ihre Namen stehen sehr wohl dort, wurden aber durchgestrichen. Claire lässt durchblicken, dass sie Kate gerne loswerden würde, da sie sie als Konkurrenz gegenüber ihrem Sohn ansieht – eine verständliche , wenn auch unbegründete Angst. MiB gibt daraufhin endlich Preis, warum er an Kate solches Interesse hat, obwohl sie keine Kandidatin mehr ist: er braucht sie, um Jack, Hurley und vielleicht auch Sun zu überzeugen. Wäre das gelungen, passiere, was auch passiere – heißt übersetzt: „Wenn ich die fehlenden Kandidaten habe, kannst du mit ‚Freckles’ machen, was du willst, Claire!“

MiB fährt also mit einem Boot zur Hydra-Insel, während Sayid in River-Kwai-Manier hinschwimmt. Jin selbst wacht derzeit im guten, alten Raum 23 auf und probiert erst mal den „Lichtschalter“ aus. Obwohl er in der Dharma war, wusste Jin wohl gar nichts von diesem Raum, wie auch Zoe, die kurz darauf reinschneit, erstaunt feststellt. Dabei ist Jins Dharma-Vergangenheit doch der Grund, weshalb er verschleppt wurde: Er soll Widmores Leuten nämliche eine lustige Karte erklären, die er mal unterzeichnet hat. Doch Jin stellt eine Bedingung: Er will zuvor mit Charles Widmore reden.

Der ist seinerseits gerade etwas beschäftigt, weil MiB am provisorischen Sonarzaun am Strand steht und ihn wegen Jins Entführung zur Rede stellt. Charles weiß davon aber noch gar nichts und ist ziemlich stinkig, als er von Zoe erfährt, dass die Jin tatsächlich schon Tage vor dem Zeitplan entführt hat. Denn so konnte MiB Charles ein weiteres mal in die Karten schauen – er greift am Sonarzaun etwas auf, das Charles gegenüber Locke äußerte, nämlich, dass ein Krieg kommen werde. So sagt MiB zu Charles: „A wise man once said that war was coming to this Island, I think it just got here“ („Ein weiser Mann sagte einst, dass der Krieg auf diese Insel komme – ich schätze, er hat sie geradeerreicht“). Ich musste hier etwas an die apokalyptischen Reiter denken: Jacob als der in weiß gekleidete Sieger, Widmore der Krieg, der mit seinem Schwert den Frieden von der Welt nimmt, und MiB als der Tod. Fragt sich nur, wer die Hungersnot, der dritte Reiter, ist. Charles geht nach seinem kurzen gespräch mit MiB zur Hydra und findet heraus, dass MiB ihm die Wahrheit gesagt hat. Dass Charles MiB ebenfalls die Wahrheit sagte, als beteuerte, von nichts zu wissen, glaubt der wohl nicht wirklich. Zoe rechtfertigt ihr Handeln, aber Charles erwidert ihr, sie hätte Jin das Lager lieber verlassen lassen sollen, um ihn dann im Dschungel zu schnappen – dann hätte MiB erst Tage später mitbekommen, was Sache ist. Jetzt muss Charles etwas improvisieren und darin ist er wahrlich nicht sehr gut. Aber gut genug:

Er zeigt Jin eine Kamera, die Sun gehörte und die sie im Flugzeug bei sich hatte. Auf dem Speicherchip der Kamera sind einige Fotos von Ji Yeon – und hier stellt sich mal wieder eine interessante Frage: Welcher Mensch hat zig Fotos seiner Tochter aus drei Jahren auf der Kamera und sonst nichts? Jeder normale Mensch nimmt eine Kamera zu bestimmten Anlässen mit, macht Fotos und überspielt die auf PC, USB-Stick, CD oder DVD. Ach, ich bin doof! Wir reden hier schließlich von Sun! Apropos: was macht die eigentlich, während ihr Mann beim Dia-Abend ist?

Sun brabbelt immer noch wirres Zeug... und spricht außerdem Koreanisch. Richard ist auch wieder da und hat den festen Entschluss MiB aufzuhalten, indem er das Flugzeug endgültig in einen flugunfähigen Zustand versetzt. Sun stellt sich mal wieder quer, denn sie will die Insel mit Jin verlassen und ob man dann noch eine Welt braucht, die dann ja nicht gerettet werden könnte, ist ja noch gar nicht erwiesen. Auch Charles will MIB mit allen Mitteln am verlassen der Insel hindern und hat dafür schon seit „Package“ bereit liegen: Desmond David Hume!

Ich hab ja immer mehr den Verdacht, dass Charles das von langer hand geplant hat, dass er wusste wie besonders Des ist oder sein würde und ihn deshalb so erniedrigte, damit er auch ja auf der Insel landet. Nun hat er ihn zurückgebracht und eines ist sicher: Desmond ist ein wichtiger Teil von Charles’ Plan, denn für ihn gelten „die Regeln“ nicht.

Okay, ich denke, mehr kann man zu der Folge echt nichts sagen, was man nicht bei der morgigen eh’ noch mal aufgreifen müsste. Sorry, auch, dass es etwas länger gedauert hat und die Review trotzdem recht kurz ist, aber an Ostern hatte ich auch mal frei ;-)

Mittwoch, 31. März 2010

Erste Eindrücke zu "The Package"

Okay, mir fällt gerade kein Zitat oder ein flotter Spruch für die Überschrift ein, aber es geht wohl auch mal ohne. Tja, was soll man sagen: Wir sind wohl wirklich nur noch schwerlich zu überraschen. Die Folge war nicht schlecht, aber die großen Enthüllungen waren für uns schon keine mehr. Dass Desmond in dem U-Boot ist, haben die meisten von uns gemutmaßt. Ebenso war eigentlich schon klar, wieso Jin in dem Kühlraum endete. Ich schätze mal, Darlton sind derzeit einfach dabei, ihre Figuren für das große Finale zu platzieren, und da müssen wir halt etwas Geduld aufbringen. Da ich von Sun-zentrischen Folgen eh' nie sehr viel erwarte, war ich auch nicht enttäuscht. Es war ganz schön, Mikhail nochmal wiederzusehen und es war ebenfalls nett, endlich mal wieder eine Folge mit allen verbleibenden Hauptcharakteren zu sehen zu bekommen. Nichtsdestotrotz rangiert die Folge für mich auf den unteren drei Rängen dieser Staffel (zusammen mit "Recon" und "What Kate Does"). Die sechste Staffel teilt sich wohl wirklich in Enthüllungs- ("LA X", "The Substitute", "Lighthouse", "Ab Aeterno") und Vorbereitungsfolgen ("What Kate Does", "Sundown", "Dr Linus", "Recon", "The Package") auf. In der letzten Kategorie konnten mich nur "Sundown" und "Dr. Linus" wirklich überzeugen - die anderen drei verbucht am besten unter notwendiges Übel^^.

Sonntag, 20. Dezember 2009

Slosties: Jin ist jetzt auch dabei!

Mir fiel heute auf, dass ich Jin bald vergessen hätte. Aber der ist für heute optimal, da er nicht so viele grundverschiedene Outfits bzw. Looks hatte und ich heute jetzt auch nicht nochmal eine Riesenmenge produzieren wollte. Sieben Jins sind's nun aber dann doch geworden. Hoffe sie gefallen euch:


"Hoffentlich kommt keiner mit Blasenschwäche vorbei!"


"Mein alter Job gefiel mir besser - trotz diesem dämlichen Hut"


"빨리 이 곳을 떠나고 싶어. 응"


"Speer oder Angel - das ist hier die Frage?"


"Bachbolt und Steuelbolt"


"Guckt mal! Jetzt hab ich 'nen Rucksack auf!"


"Drei Jahre Dharma - besser als jeder Englischkurs!"

Sonntag, 22. November 2009

"Same way anything lost gets found - I stopped looking."

...And Found:

Ich dachte ja immer, mir wäre Ana-Lucia nicht zuletzt wegen dieser grauenhaften, deutschen Synchron-Stimme so auf den Keks gegangen, aber jetzt muss ich feststellen: Die englische Originalstimme ist bald noch schlimmer. Da offenbar nur einer/eine von euch Ana mag, traue ich mich jetzt mal offen zu sagen: Bei der Folge hätte ich sie mehr als einmal erwürgen können. Wenn man sich schon über John, Jack oder Ben als Anführer aufregt, muss man der doch echt die Schweinegrippe an den Hals wünschen. Kleiner Insel-Diktator! So, das musste mal gesagt werden... und vermutlich war es auch nicht das letzte Mal, dass ich es gesagt habe. Die Ana-Lucia-Fans mögen mir bitte vergeben, aber mir geht sie auf den Wecker. Aber wo ich gerade einen Blick auf die Umfrage werfen: Ben und Sawyer ziehen dem Rest langsam aber sicher davon – was sagt das über uns? Wir mögen offenbar Typen, die wie manipulative, egoistische Mistkerle wirken, aber in Wahrheit völlig kaputte, unreife, hochintelligente und individualistische Autodidakten sind, die nicht zugeben können, dass sie nichts nötiger hätten, als eine Schulter, an der sie sich ausweinen können. Nachdem gewohnten Vorwort mit den Gedanken des Tages, kommen wir nun zu „Lost and Found“, einer Episode, in der ich mich überhaupt viel mit meinen zwei speziellen Lieblingen auseinandersetzen muss. Wären Jin und Eko nicht, ich glaub ich hätte mir ein Kabel besorgt und mich in meinem Zimmer aufgehangen... oder Ben angerufen, damit der das mit dem Kabel und dem Erwürgen übernimmt.

Meine Gedankengänge führten mich irgendwie schon in der ersten Szene zu Jacob. Nicht weil Jacob seine Wäsche im Eimer wäscht, wenn das Meer vier Meter weiter ist. Das wissen wir nicht. Vielleicht wäscht der seine Wäsche auch gar nicht, sondern zaubert sie weiß oder er hat Locke nur auf die Insel geholt, weil er dachte, der wäre wirklich Meister Proper und der Weiße Riese in einer Person. Man weiß es nicht... . Nein, was mich zu Jacob brachte war der Ehering, denn den bekommt man bei der Hochzeit und wo hat Jacob Sun und Jin getroffen? Genau, bei deren Hochzeit. Aber nicht nur das: Jin Ehering wird Sun als Beweis von Ben gebracht, dass Jin noch lebt. Sun wäre zum Zeitpunkt von Jacobs Tod gar nicht auf der Insel ohne die Eheringe. Die Verkettungen, die man wohl als Ironie des Schicksals bezeichnen sollte, gehen noch weiter. Sun und Jin finden einander, weil sie beide aufgehört haben nach einem Partner zu suchen: das Schicksal führt sie zusammen. Ebenso findet Sun den Ehering mit Kate, als sie aufgehört hat danach zu suchen. Locke hatte das praktisch vorausgesehen (die Szene analysiere ich später noch mal dezidierter). Doch auch in Bezug auf Jacob fiel mir was ein/auf: und zwar geht es öfters in dieser Episode darum, dass Jin „nur“ ein Fischer sei und Jacob sehen wir in der ersten Szene von „Der Vorfall“ auf ähnliche Weise Fisch fangen wie Jin in dieser Folge – Jin tut es mit einem Netz, Jacob mit einer Art Korb (war nie Fischen/Angeln, keine Ahnung wie so etwas im Fachchinesisch oder in dem Fall wohl eher Fachkoreanisch heißt). Zumindest fiel mir da ein anderer überaus berühmter Fischer aus der Bibel ein: Simon, besser bekannt als der Fels (lat.: „Petrus“), auf dem Jesus seine Kirche bauen wollte. Ich habe ja schon irgendwann einmal erwähnt, dass ich den biblischen Bezug bei Jacob weniger in Jakob dem Stammvater der Israeliten suchen würde, als unter den Jüngern Jesu, von denen zwei den Namen Jakobus trugen, der sich genau wie Jakob, Jacob oder auch James vom Hebräischen "Ya'akov" (יעקב) ableitet. Da wäre einmal Jakobus der Ältere, der Schutzpatron der Pilger, nach dem auch der Jakobsweg benannt wurde. Der andere Jakobus hat fünf Beinamen, die theoretisch auf drei einzelne Personen hinweisen könnten, doch werden sie für gewöhnlich gleichgesetzt: Jakobus der Gerechte/Jakobus, Bruder des Herrn; Jakobus der Kleine und Jakobus der Jüngere/ Jakobus, Sohn des Alphäus. Gerade Jakobus den Gerechten (im Englischen meist James The Just) finde ich hier sehr interessant, denn er und Simon Petrus gelten als so etwas wie die Nachfolger/Stellvertreter Jesu. Während Jesu Bruder Jakobus in Jerusalem verblieb, ging Simon bekanntermaßen nach Rom in die Höhle des Löwen, wo er auf dem Kopf gekreuzigt wurde. Ohne Kaiser Konstantin wäre wohl nicht Rom, sondern Jerusalem das Zentrum der christlichen Welt geworden – da kann man Konstantin fast dankbar sein, dass die Christen in diesem Hexenkessel derzeit nicht auch noch mitmischen.

Man hat bei „Jacob“ natürlich als erstes den Patriarchen dieses Namens im Kopf und Esau als sein Gegenstück. Doch scheinen „Samuel“ und Jacob ja als von einer höheren Macht eingesetzt darum zu kämpfen, wer mit seiner These, Auslegung Recht hat. Bemerkenswert ist auch der Name des Mannes, er die Steinigung von Jakobus anordnete: Hanan ben Hanan. Ich weiß, ich weiß – „Ben“ bedeutet in erster Linie „Der Sohn von“. Aber es ist ungewöhnlich, dass es normal als Teil des Namens mitgeführt wird. Hinzukommt dann noch die Bedeutung von „Hanan“ = „Der Mitfühlende“. Auch wenn ich mich davor hüten würde Jacob mit Jakobus, Jakob oder gar Simon Petrus gleichzusetzen, sollte man solche Parallelen nie unbeachtet lassen – das gilt für diese christlichen ebenso wie für die ägyptischen Einflüsse. Interessant würde es allerdings werden, wenn sich herausstellt, dass „Samuels“ richtiger Name Simon ist^^. Kommen wir nun mal weg von wilden Hypothesen und Bibelstunde für Fortgeschrittene.

Das Floß ist nun also vier Tage weg und Sun sucht überall nach ihrem Ehering. Sie redet unter anderem mit Claire, Jack, Hurley, John und Kate darüber. Jack erklärt sie weinerlich: „ I lost my wedding ring!“ („Ich habe meinen Ehering verloren!“) Jack erzählt daraufhin eine Geschichte, in der es wie so oft um Betrug geht, denn nichts anderes ist es, wenn man den Ehering verliert und einfach einen neuen anfertigen lässt. Es hat wohl auch etwas sehr symbolträchtiges, dass die Ehe von Jack und Sarah wenig später in die Brüche gehen sollte. Sun und Jin hingegen kommen auf der Insel wieder näher zusammen, halten später sogar durch die Eheringe über Raum und Zeit hinweg Kontakt miteinander – andere brauchen für so was ’nen Extra-Briefkasten. Mit Hurley wartet Sun dann darauf, dass Vincent mal muss – was für eine schöne Freizeitbeschäftigung. Vergesst Theater, Kino, die Oper und Musicals – das ist Entertainment... Oh Gott, mir wird gerade bewusst: RTL2 würde ich so eine „Doku-Soap“ zutrauen. Wenigstens wäre da die Behauptung „Die senden nichts als Scheiße!“ mal keine Verunglimpfung des Formats, sondern eine Tatsache. Wobei „Wetten Dass...!“ ging ja jüngst schon in eine ähnliche Richtung. Was ist nur mit dem Fernsehen passiert? Wenn man sich überlegt, dass man sich früher schon über Krawall-Talkshows und „BigBrother“ aufgeregt hat... Da kannten wir 9live und die ganzen Doku-Soaps (alternativ auch Reality-Soaps, Soap-Dokus, Reality-Shows, Doku-Shows oder gequirlter Dreck) ja noch nicht näher. Wo war ich, ach, ja im Dschungelcamp oder „Ich bin ein Lostie, holt mich hier raus!“

Wir erfahren aus dem Gespräch zwischen Sun und Hurley, dass Sun und Jin aus dem „guten“ Korea kommen und, dass Suns zerknautschter Flohteppich Bpo Bpo heißt, was „ein Kuss“ bedeutet. Aber was bedeutet denn bitte „gutes Korea“ – hätte ein Nordkoreaner gesagt, er käme aus dem „bösen Korea“? Wohl kaum! Wieder einmal ein Paradebeispiel für die Frage: Wie definiere ich Gut und Böse? Oder ist es nicht vielmehr eine Frage des Blickwinkels? Und wo wir gerade bei Blickwinkeln sind, kommt auch schon Locke aus den Büschen gelatscht, als Sun gerade durch ihren Garten tobt wie ein tollwütiger Chihuahua auf Kokain. Sun fragt Locke: „Did you see me?“ („Hast du mich gesehen?“ bzw. in dem Fall wo mehr soviel wie: „Hast du es gesehen?“ oder „Wie lange stehst du schon da?“) Und John erwidert: „Nein, Sir, ich habe nicht gesehen, dass Sie mal wieder mit Ihren Puppen spielen!“ Ach, ne.. falscher Film, immer diese Instand-Kassetten da kommt man ganz durcheinander. Locke sagt natürlich: „Rip apart your garden? No.“ („Wie du deinen Garten auseinander nimmst? Nein.“) Na ja, kommt ja fast aufs gleiche raus. Sun meint, als John sagt, manchmal wünsche er sich einen Garten zum Wüten, dass sie ihn noch nie wütend erlebt habe. John gesteht früher oft wütend gewesen zu sein – ebenso wie Sun, weil er auf der Suche war („I'm not lost anymore.“). Auch wenn er nicht fand, was er sucht, so hat es doch ihn gefunden. Er brauchte nur aufhören zu suchen („How did you do that?“ – „Same way anything lost gets found – I stopped looking.“). Wir wissen mittlerweile nur zu gut, dass Locke auch zornig sein kann, wie fast alle Losties ist er beizeiten sogar überaus wütend, aggressiv und gar jähzornig. In den meisten Fällen ist es Verlust, der unsere Losties wütend werden lässt oder aber ihren Verstand ausschaltet und sie impulsiv handeln lässt. Gerade jene, die die Insel verloren haben, sie suchen oder im Begriff sind, sie zu verlieren, sind kaum wiederzuerkennen. Verlust („loss“) lässt die Hemmungen vergessen. Locke etwa ist selbst auf der Insel nur so lange besonnen, bis er das Gefühl hat, seine Verbindung zur Insel bräche ab. Shannon will über den Verlust ihres Bruders John erschießen. Ben rastet in der Serie nur dreimal richtig aus und jedes Mal geht es um einen Verlust: Er will Ana-Lucia erwürgen (okay, wer will das nicht?), weil sie zwei seiner Leute umgebracht hat (so egal war Goodwin ihm wohl doch nicht); er lässt Goodwins Tod zu und verliert gegenüber Juliet die Fassung, weil sie sich ihm verweigert; als Ben Keamy ermordet läuft er regelrecht Amok, verhält sich wie ein wildgewordener Irrer und brüllt, laut, während er wieder und wieder auf Keamy einsticht – warum? Er hat Alex verloren und weiß, dass er in wenigen Minuten die Insel verlassen wird – vermutlich für immer. Michael tickt in dieser Folge mal wieder vollends aus, weil er Walt verloren hat – und das nicht zum ersten Mal. Ein Stück weit könnte das Jacobs Schlüssel zum Erfolg sein: Er gibt ihnen allen zurück, was sie verloren haben und nimmt ihnen so den Grund zu ihrem aggressiven Verhalten. Würde auch zu dem mehrdeutigen Titel der Serie passen – das, was verloren ist, ist das letzte Puzzelteil. Schließlich heißt „lost“ ja nichts anderes als „verloren“.

Zu guter letzt ist es Kate, die Sun hilft den Ehering wieder zufinden und dabei selbst nach etwas sucht. Wir erfahren nie, ob Kate ihren Brief suchte oder den, den Sawyer verfasst hat, wir merken aber, wie sehr sie es bereut nicht da gewesen zu sein, als das Floß ablegte: „We didn't, uh... I didn't say goodbye.“ („Wir haben uns nicht, ähm... Ich habe nicht Lebewohl gesagt.“) Das verbindet Sun und Kate und trennt sie auch wieder: sowohl Jin als auch Sawyer haben die Insel mit dem Floß verlassen und sie sorgen sich um sie, doch während Sun sich von ihrem Ehemann verabschieden konnte, ihn sogar am gehen hindern wollte, so hat Kate nie auf wiedersehen gesagt und kurz zuvor sogar noch versucht sich Sawyers Platz auf dem Boot zu erschleichen. Sun und Kate haben beide etwas verloren, sind beide auf der Suche. Kate findet den Brief, den sie sucht nicht, findet dafür jedoch, was Sun suchte: den Ehering. Sowohl Locke als auch Hurley hatten recht mit ihren Tipps: zurückverfolgen, was man zuvor getan hat ODER aufhören zu suchen – das eine hätte Sun zum Erfolg geführt, das andere hat zum Erfolg geführt.

Gehen wir nun ein paar Kilometerchen weiter zu den Tailies, denn die sind mit ihrem Drill Sergeant Ana-Lucia Cortez gerade im Aufbruch inbegriffen. Ana macht das, was sie am besten kann: Aufträge verteilen und Leute runterputzen. Jin macht sie dann beim Fischen gleich schief von der Seite an, weil er nicht so fischt, wie sie es erwartet hat. Er erwidert ihr etwas, doch Ana versteht nur Chinesisch...oder...also zumindest kein Koreanisch, denn: „Does it look like I speak Korean?“ („Seh’ ich so aus, als ob ich Koreanisch spräche?“) Gegenfrage: Sieht Jin so aus, als spräche er Englisch?

Michael versucht derweil herauszufinden, warum die Tailies so verängstigt sind. Komisch, gerade er sollte die Antwort doch kennen und kaum hat Libby ihm gesagt wo „Sie“ herkommen („Because that's where They come from.“), macht er sich schon auf den Weg. Derweil machen sich Eko und Sawyer bekannt, wobei beide nicht ihren richtigen Namen nennen, denn weder heißt Eko Tunde „Mr. Eko“ noch heißt James Ford „Sawyer“.

Also, Michael ist weg und sucht nach...? Na? „Where’s Kate?“ Nein, Jack, du nicht! Michael! Jetzt führ ich schon Dialoge mit Seriencharakteren, die gar nicht da sind... also wen sucht Michael? „Walt!?“ Röööchtisch! Warum denn nicht gleich so? Also Michael sucht nach... „Walt?!“ ich kann ja nur hoffen, dass ihr das im Kopf auch so schön illustrieren könnte wie ich, denn ich hör Michael im Kopf tatsächlich rufen... das sollte ich mal untersuchen lassen... Also Michael ist weg und sucht nach „Walt?!“, woraufhin Jin los will und nach Michael suchen möchte. Eko will ihn nicht gehen lassen, doch auf dieser Insel regelt man solche Probleme ja immer auf die gleiche Weise: da gibt’s auf die Fresse. Obwohl ich Pazifist bin, muss ich Jin ja irgendwie große Bewunderung aussprechen: einem Schrank wie Eko eine zu zimmern, erfordert Mut. Eko haut natürlich zurück und Jin geht zu Boden. Ja, da sind zwei mal wieder so richtig liebenswürdig zueinander (Insider für Asterix-Fans). Der Vorteil ist: eine Faust im Gesicht bedeutet in Korea und Nigeria das Selbe. Ihr merkt: es fällt mir schwer bei dieser Folge mit dem nötigen Ernst bei der Sache zu bleiben. Aber dennoch will ich mich darum bemühen. Eko und Jin gehen also Michael suchen, der seinerseits „Walt?!“ sucht.

Kurz nachdem Jin einen unsanften Zusammenstoß mit einem Wildschwein hatte, stoßen Eko und Jin auf Goodwins Leiche (Ich glaub bald, der Typ ist als Leiche in mehr Folgen dabei als lebendig). Praktischerweise hat Jin zumindest das Wort „Others“ (aus seinem Mund klingt zwar mehr wie „Adders“, aber egal...) schon gelernt, obgleich er es vermutlich für einen Eigennamen hält und nicht weiß, dass es sich auch um ein normales, englisches Wort handelt. Eko und Jin unterhalten sich also in einigen, wenigen Schlüsselwörtern und mit Zeichensprache. So scheint etwa ein Hitlergruß vor der Brust das internationale Gebärdensprachenzeichen für „Flugzeug“ zu sein – das lässt einen die deutsche Geschichte doch plötzlich mit ganz anderen Augen sehen.

Außerdem entdeckt Eko Jins Ehering und fragt ihn, so gut es möglich ist, nach Sun. Schließlich ist so ein Ehering auch eine Art der Kommunikation, denn er symbolisiert den Ehepartnern „Wir gehören zusammen“ und Außenstehenden überdies noch „Bin vergeben!“.

Doch dann kommen Sie. Jin und Eko verstecken sich in den Büschen und vorüberziehen ein paar Gestalten, die allesamt barfuß sind, keine Lau von sich geben und überdies keine Spuren hinterlassen. Vielleicht kam dem ein oder anderen ja der gleiche Satz in den Sinn wie mir: „They are coming“ Was bringt uns zu der Annahme, dass es sich bei diesem Trupp nicht um andere Andere handelt als die Anderen, die wir kennen? Von offizieller Seite wurde bestätigt, dass es sich bei dem Kind mit dem Teddybär weder um Zach noch um Emma handle. Was wäre also, wenn diese Personen nicht zu Bens Leuten gehörten? Denn eigentlich haben sie mehr mit Jacob und Samuel gemein. Die Anderen tragen ihre Dschungelkluft nur zur Tarnung. Doch durch wen inspiriert? Jacob und „Samuel“ haben beide einfache Hemden und Hosen an, die sie vermutlich selbst angefertigt haben. Als Gürtel dient eine Kordel, festes Schuhwerk tragen sie nicht. Vor ein paar Tagen noch kam die Theorie auf, dass Jacob „Samuel“ warnen wollte, als er sagt: „Sie kommen!“ Was also, wenn wir mit Jacob und „Samuel“ immer noch nicht die Spitze erreicht haben. Wie sagte Ben noch gleich? „But everyone answers to someone and the leader answers to Jacob.“ („Aber jeder muss sich vor jemandem verantworten und der Anführer verantwortet sich vor Jacob.“) So und jetzt betrachten wir die zurückliegenden Staffeln mal. Staffel 1: da hieß das Duell Jack gegen John – Anführer der Losties. Staffel 2: Henry/Ben und die Anderen gegen die Losties als Kollektiv – stärkere Macht auf der Insel. Staffel 3: Ben gegen John – Herrschaft über die Anderen als Wächter der Insel. Staffel 4: Ben gegen Charles – Kampf um die Insel zwischen zwei Menschen. Staffel 5: Jacob und „Samuel“ – Kampf um die Menschheit mit der Insel als Versuchslabor. Staffel 6: Bewohner der Insel gegen „Sie“??? Kann es nicht sein, dass „Sie“ die Macht sind, vor der sich nun wieder Jacob und „Samuel“ verantworten müssen? Wäre es möglich, dass Jacob und sein grauhaariger Gegenspieler nicht die einzigen ihrer Art auf der Insel sind? Ganz im Gegenteil: es wäre sogar recht wahrscheinlich, dass sie nicht die einzigen ihrer Art sind. Auch wenn ich es langsam etwas verquer fände, wenn es immer noch eine dunkle Macht gibt, die schlimmer ist als die bisher bekannte, würde ich es nicht ausschließen, denn eines ist klar: Ein Krieg wird kommen! Doch gegen wen? Der König ist tot und sein Rivale hat nicht einen echten Anhänger auf seiner Seite.

Jin findet Michael später dann, als er gerade mal nicht sucht , sondern am Bach sitzt und sich wäscht. Wieder einmal wird also etwas bzw. (in diesem Fall) jemand gefunden, als man gerade aufgehört hatte, danach zu suchen. Vielleicht würde Michael so auch Walt finden, aber stattdessen macht er das, was er am besten kann... und jetzt alle zusammen auf Drei: Eins...Zwei...Drei – „Walt?!“ Das müssen wir aber noch mal üben... tststststs.

Als letztes werfen wir dann noch einen kurzen Blick ins Flashback. Sun wird von ihrer Mutter gesagt, sie sei nun Silber und solle nicht warten, bis sie Bronze geworden ist, während Jins Freund Tai ihm vorhersagt, die Frau seines Lebens sei orange. Auch wenn ich mich bei den Rückblenden dieser Folge vor der viel zu inflationär gebrauchten Floskel „Andere Länder – andere Sitten“ fernhalten wollte, gelingt es mir nicht so recht, denn darauf läuft es hinaus. Sun wird von ihren Eltern gedrängt, zu heiraten, ehe sie nicht mehr gut genug ist – Gammelfleisch, wenn man so will. Jin will hingegen einer Partnerschaft aus dem Weg gehen, weil er glaubt, nichts darzustellen im Leben. Beim Vorstellungsgespräch wird Jin von oben herabbehandelt, weil er „nur“ der Sohn eines Fischers ist. Ironie: Auf der Insel wird er von Ana solange von oben herabbehandelt, bis er sich durch seine Kenntnisse als Fischer ihren Respekt verdient. Aber auch das soziale Gefälle wird hier (wie in der vorangegangenen Episode) thematisiert – Menschen werden darüber beurteilt, wo sie herkommen, was sie verdienen, wie viel Macht und Einfluss sie haben und in Suns Fall auch noch wie sie aussehen. Dass Sun studiert hat, gereicht ihr – laut ihrer Mutter – sogar zum Nachteil. Ginge man nach dieser Einteilung wären viele Menschen so gut wie gar nichts wert. Ich zum Beispiel bin übergewichtig (bevor wir uns falsch verstehen: in Übergrößengeschäften muss ich noch nicht einkaufen...^^), sehe auch sonst nicht besonders gut aus, verdiene praktisch nichts und habe obendrein auch noch Abitur und eine ganz gute Allgemeinbildung. Irgendwo erschreckend, dass man so in unserer Gesellschaft (denn das ist ja weiß Gott nicht nur in Korea so) weniger wert ist als ein Supermodel mit Hauptschulabschluss und dem IQ einer Topfpflanze. Aber genau darauf läuft es hinaus. Jae Lee und Sun sind beide durch die westliche Kultur mitgeprägt und dennoch verfallen sie rasch wieder in dieses Muster und bilden sich ein, sich ernsthaft von ihren Eltern und deren Vorstellungen abzuheben, was das Ganze um so erbärmlicher macht.

Jin reicht die gesellschaftliche Rangfolge nicht wirklich zum Vorteil, obwohl sie es hätte tun sollen: denn hätte Jins Chef gewusst, dass Jin bei seinem Chef (denn nichts anderes ist Jae Lee: der Chef von Jins Chef) wegen der Blume noch einen gut hat, hätte er Jin wohl anders behandelt. Das Zauberwort heißt schließlich auch hier Vitamin B.

Was gibt es zu dieser Folge sonst noch zu sagen? Ein paar Kleinigkeiten: Sun gesteht gegenüber dem unsensiblen Holzkopf Jae Lee zwar nicht, dass sie sich Hoffnungen gemacht hatte, gibt dafür aber zu, auch gerne nach Amerika ziehen zu wollen – kommt euch das auch so bekannt vor? Dann wird Jin von dem Vater des kleinen Jungen mit der schwachen Blase als „guter Mensch“ bezeichnet. Und das letzte, was bleibt ist die Frage: Wie um alles in der Welt hat Sun es geschafft, ein Studium in Kunstgeschichte zu bewältigen?

Dienstag, 13. Oktober 2009

"Folks down on the beach might have been doctors and accountants a month ago, but it's Lord of the Flies time, now. "

Tag 20 – 11.10.2009:

Hab jetzt „Lost in Translation“ geguckt. Was soll man dazu noch sagen? Einfach genial – eine saukomische Lektion in Sachen Völkerverständigung und Aufeinanderprallen der Kulturen. Besonders das mit dem Fisch... da kann ich mich jedes Mal drüber schlapp lachen: „Wir nehmen zweimal ‚Sieht doch eh’ alles gleich aus’!“ Bill Murrays bester Film nach „Und täglich grüßt das Murmeltier“.

Während ich mich nun frage, wer tatsächlich auf diesen kleinen Mindfuck meinerseits reingefallen ist, gehe ich mal zu der gleichnamigen Lost-Episode „...in Translation“ über: Viel notiert habe ich nicht – genau genommen sogar: So wenig wie noch nie. Vor vier Jahren noch hatte diese Folge fast erleuchtenden Charakter für uns: Es zeigte sich, dass Jin kein schlechter Mensch ist, vermutlich sogar ein besserer als Sun, obgleich er zuvor zwielichtig, fast böse rüberkam. Da wir das vor allem aus der Rückblende erfahren, steig ich da gleich mal ein. Jin beginnt also für Mr. Paik zu arbeiten und verleugnet bereits im Vorstellungsgespräch erstmals seinen Vater. Auf der Hochzeit tut er dies erneut. Gut, dass wir nun auch endlich wissen, warum wir von der Hochzeit nie die Trauung gesehen haben^^. Jin verspricht Sun in dieser Szene jedenfalls, dass sie in einem halben Jahr ihre Flitterwochen haben werden, wenn er erst einmal etwas für Suns Vater gearbeitet hat. Ihre Flitterwochen werden sie dank des Crashs in gewisser Weise tatsächlich bekommen. Die viel größere Ironie an der gemeinsamen Reise der beiden ist aber eine ganz andere: Jin plante – wie wir aus dem Gespräch mit seinem Vater erfahren – sich in den USA mit Sun abzusetzen. Sun wiederum wollte Jin eigentlich verlassen, um sich dann ebenfalls in den USA zu verstecken.

In der Geschichte um Han (nicht Solo!!!) ist mir eine gewisse Parallele zwischen Jin und Ben aufgefallen. Jin wird beauftragt eine „Nachricht“ zu überbringen und beim zweiten Mal schlägt er Han zusammen und sagt ihm: „Ich habe gerade Ihr Leben gerettet!“ Etwas ähnliches macht Ben, als Charles ihn schickt um Danielle zu töten: er fügt ihr Schaden zu, damit er sie vor noch größerem Schaden bewahren kann. Sowohl Ben als auch Jin werden für das verachtet, was sie im Namen von jemand anders tun. Jin sagt zu seinem Vater: „In einer guten Welt würde sie ihn hassen – nicht mich“ Genauso müsste man viele von Bens Taten eigentlich Jacob anlasten – Ben und Richard sind nur Überbringer der Befehle bzw. selbst Befehlsempfänger. Woran sich dann auch mal wieder zeigt, dass Jacob in all seiner Weitsicht ein verdammt selbstgerechter und bisweilen scheinheiliger Mistkerl sein kann, was wohl auch „Samuels“ Hass mitbegründet.

Aber auch Sun fügt in dieser Folge jemandem Schaden zu, um ihn vor noch größerem zu bewahren: Michael. In der Annahme, Jin sei fähig zu morden, ohrfeigt sie Michael am Strand, weil sie um sein Leben fürchtet. Später schützt sie aber auch Jin vor Michael, indem sie ihr „Schweigen“ bricht. Insofern ist diese Folge schon etwas besonderes: Sun handelt tatsächlich altruistisch und das gleich zweimal. Jin hat aber durchschaut, dass Sun Michael nur geschlagen hat, um eine Eskalation des Konflikts zu vermeiden. Eifersucht keimt in ihm hoch, die durch seine damalige Feindschaft zu Michael nur bestärkt wird.

Als sich Sun mit Kate von Frau zu Frau am Lagerfeuer unterhält, wird das Floß angezündet (und wieder mal brennt es bei „Lost“). Wir wissen mittlerweile, dass es Walt war und er es getan hat, weil sein Vater ihm von New York vorschwärmte, während er sich wünschte, auf der Insel zu bleiben. Das verbindet Locke und Walt und ist wohl auch der Grund, weshalb John Walt deckt: Beide wollen verhindern, dass jemand die Insel verlässt, aus Angst, sie selbst verlassen zu müssen. Um dieses Ziel zu erreichen vernichten sie die Fluchtmöglichkeiten der anderen Losties. Bemerkenswert ist auch Walts Verhalten beim Brand, denn es erinnert einen wieder daran, dass er ein Kind ist: Während die anderen sich schon darüber streiten, ob Jin der Täter ist, läuft Walt zum Floß und wirft etwas Sand ins Feuer. Da hätte er sich auch bald neben das brennende Floß stellen, den Kopf in den Nacken legen und zu pfeifen beginnen können. Das wäre ähnlich subtil gewesen.

Zu Jins eigenem Pech, hat er selbst sogar versucht das Floß zu löschen und sich dabei die Flossen verbrannt. Sun bemerkt dies. Wiedereinmal eine nette Parallele zwischen Inselhandlung und Flashback: Denn in einer der Rückblenden kommt Jin mit blutverschmierten Händen nach Hause, die er vor Sun zu verstecken sucht.

Dennoch schützt Sun Jin am Ende, doch ihr Vertrauensmissbrauch lässt Jin die Höhlen verlassen. Während Jin sich gegenüber seinem Vater noch wünschte: „I wish I could start over.“ („Ich wünschte, ich könnte noch einmal von vorne beginnen!“), erwidert er Sun, als diese fragt: „Can't we… just start all over?“(„Können wir nicht... einfach von vorne beginnen!“) „It's too late.“ („Dafür ist es zu spät.“) Danach hilft er Michael das neue Floß zu bauen: aus Feinden werden Freunde....und aus Freunden Feinde. Sun scheint außerstande zu verstehen, weshalb Jin wütend ist. Sie hat es nie verstanden. Erst als sie ihn für tot hält, wird ihr klar: das Problem war stets ihr Vater, niemals Jin. Jin befand sich in einer auswegslosen Situation und hat versucht das Beste aus seiner misslichen Lage herauszuholen. Da zeigt sich wiedereinmal wie selbstbezogen Sun selbst in ihrer Liebe zu Jin noch ist. Sie will ihn für sich haben, ihn besitzen, doch gleichzeitig müsste ihr klar sein, dass dies nie möglich sein wird, wenn er nicht für ihren Vater arbeitet. Sun und Walt tragen letztlich die Schuld an all den Miseren dieser Episode. Auch wenn Locke also sagt: „Everyone gets a new life on this Island!“ („Auf dieser Insel bekommt jeder ein neues Leben!“), so verspielen Sun und Walt ihren Anspruch darauf, wie je mehr sie sich daran klammern.

Mir ist aber noch ein wiederkehrender Satz im Gespräch zwischen Mr. Kwon und seinem Sohn aufgefallen: „...then walk away!“ Das gleiche sagen Charlie und Liam mehrere Male in den Rückblenden von „Der Nachtfalter“, wenn es um die Zukunft von DriveShaft geht. Da nur mal so am Rande ;-). Ich will ja nichts unterschlagen. Apropos „schlagen“: Sayids verhalten bei dem Kampf zwischen Michael und Jin ist ja auch mal wieder zu typisch. Der biegt sich die regeln wohl echt zurecht wie er sie gerade braucht. Da ist es also „ihre Sache“, aber wenn er Leute foltert, mit denen andere im Klinsch liegen, ist das okay.

Nun aber zu John Locke: ich frage mich, wann Locke wohl herausgefunden hat, dass Walt das Floß angezündet hat? Oder hat er es von irgendwem erfahren? Wenn man die erste Staffel so betrachtet scheint Locke sehr oft mehr zu wissen als er eigentlich wissen dürfte. Die Frage ist nur von wem? Jacob? „Samuel“? Smokey? Der Insel? Problematisch bliebe aber, selbst wenn wir es wüssten, ob das nun die „richtige Seite“ ist. Wir gehen zwar davon aus, dass Jacob der Gute ist, aber wissen wir es? Denn „Samuel“ hat schon irgendwo recht, mit dem was er über Jacob sagt. Ben ist das beste Beispiel dafür! Doch stellt sich da die Frage, ob Ben nicht der Hiob von Jacobs und „Samuels“ Duell ist. Nehmen wir mal an, dass „Samuel“ Satan darstellen soll und Jacob Gott. Man lässt Ben also zum Anführer der Anderen werden, gibt ihm Macht, Gesundheit und Leben und dann nimmt man ihm alles wieder weg, um seinen Glauben zu prüfen: er erkrankt an Krebs, seine Tochter wird vor seinen Augen erschossen, man verbannt ihn und als all das nicht ausreicht, bearbeitet „Samuel“ ihn so lange, bis er sich gegen Jacob wendet. Das Blöde ist nur: er wendet sich zwar gegen Jacob, aber nicht gegen die Insel und unter Umständen ist genau das Jacobs eigenes „Loophole“.

Locke zumindest ist ein Werkzeug dieses Kampfes. Die Seele um die es Jacob und „Samuel“ geht ist er jedoch nicht: das ist Ben. John bekommt mehr und mehr fast schon prophetische Züge in dieser Episode. Seine Rede am Strand hat aber noch einen anderen Nutzen als den streit zu schlichten. Locke sagt, dass es doch irrational wäre zu glauben, einer von ihnen würde, einen Fluchtversuch von der Insel unterbinden wollen. Doch genau das hat er selbst ja getan, obgleich er im Herzen schon damals ein Anderer war. Er lenkt nicht nur den Verdacht weg von Jin (oder auch Walt), sondern vor allem von sich selbst.

WOCHE 4

Tag 21 - 23 – 12.10.2009 – 14.1.0.2009:

Ist jetzt gerade Dienstag (13.10.2009) Mittag und soeben hab ich die Review zu „...In Translation“ fertiggestellt. Das war es für heute erst einmal. Ich brauche jetzt mal ein oder zwei Lost-Review-freie Tage, denn ihr werdet es schon gemerkt haben, dass die letzten Zusammenfassungen etwas fahriger waren als die am Anfang. Ehe ich also noch die Lust verliere, will ich mal bis morgen Abend ein bisschen was anderes machen. Das bedeutet nicht, dass ich jetzt so gar nichts sinnvolles mache, aber ich brauche etwas Abstand vom Schreiben, ehe es mir lästig wird. Letztlich denke ich, dass das wohl auch in eurem Sinne ist. Lieber mal zwei Tage Pause und danach bin ich wieder in Hochform, als das ich nach Staffel 1 den Nerv verliere. Also: morgen kommt nichts. Donnerstag geht’s wieder weiter. Das Staffelfinale wird ich übrigens in einer kompletten Review bearbeiten.

Vermutlich werde ich mich morgen aber mal um die „Read-more“-Funktion kümmern und mich an ein anderes gleiches Gimmick für das Blog setzen.