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Mittwoch, 6. Januar 2010

Gastbeitrag von Furya: "Lockdown"/"Verriegelt"

Moin, mojn, während ich noch an dem ersten Teil meiner Review zu "The Incident" rumdoktor hat Furya es nun geschafft "Lockdown" fertig zu bekommen und ich hab mich natürlich sofort an die Überarbeitung gemacht. Also auf, auf:

Lockdown

Ohne große Umschweife fang ich auch direkt mit dieser durchaus interessanten Folge an. Zu Beginn erblicken wir Locke, wie er einen Picknickkorb zusammen packt, und wir sehen auch gleich den Ring, mit dem er sich an Helen binden will. Beim Schauen musste ich unweigerlich an Desmond denken, obwohl ich mich dann beim zweiten Rewatch gefragt habe wieso. Zwar will der Penny mit einem ganz ähnlichen Ring einen Antrag machen, aber die Umstände sind doch irgendwie anders. Naja sei's drum, die gute Helen kommt dann direkt auch dazu und fragt, ob sie helfen kann. Eine echt Gute is' das. In diesem ersten Dialog sagt Locke dann ein Wort, was mich ein wenig aufhorchen ließ: „fella“. Es ist mir bis jetzt noch nie bei Locke aufgefallen und Helen anscheinend auch nicht, denn sie wird genauso stutzig wie ich. Also hab ich mich mal ein wenig in die Weiten des Internets gestürzt und recherchiert. Das Wort kommt, natürlich, aus dem englischen, wo es von dem Wort „fellow“ abstammt. Ich hatte zunächst gedacht, dass es etwas mit dem Wort „follow“, also folgen zu tun hat. Schon deswegen fand ich die Wortwahl interessant. Denn Locke, nein, Flocke werden später viele Menschen und Richard folgen. Doch „fella“ hat eine gänzlich andere Bedeutung, was noch interessanter ist. Ein „fella“ ist ein Gleichgestellter, ein Kumpane. Er ist im Rang dem Gesprächspartner ebenbürtig. Und eigentlich trifft das nicht nur auf Helen zu, sondern viel mehr noch auf Locke. Schon durch dieses eine Wort wird die völlig andere Politik von Locke im Gegensatz Jack deutlich: Er sieht alle als gleichgestellt an, bevorzugt keinen und stellt sich selbst nicht über die Gruppe. Das wird vor allem in Staffel 3 deutlich, als er im Camp fragt, wer denn gern mit zur Perle kommen möchte. Er setzt zwar auch später seinen eigenen Willen durch, zwingt jedoch niemanden, ihm zu folgen. Er lässt jedem die Wahl. So und jetzt analysieren wir das nächste Wort. Kleiner Scherz, so penibel bin ich dann doch nicht. Aber einen Satz kann man in diesem Dialog durchaus noch finden, der interessant ist. „ I’ll take care of everything“ ("Ich kümmer mich um alles"). Auch das trifft voll und ganz zu. Locke kümmert sich um den Knopf im Schwan, um "Henry" in der Waffenkammer, später dann um das Zurückbringen der Oceanic 6. Er kümmert sich wirklich um alles. Als letztes heißt es dann noch, dass Cooper tot sei, doch dazu später mehr.

Ich möchte nur kurz anmerken, dass "fella" in der deutschen Synchronfassung durchaus korrekt mit "Bursche" übersetzt wurde, doch ist die Konnotation von Bursche ganz im Gegenteil zu "fella" ja eher die eines Untertans, denn ein Bursche ist ja nicht nur ein junge, sondern auch ein Gehilfe wie in: Stallbursche, Laufbursche etc.

Auf der Insel befinden wir uns genau da, wo wir in „The Whole Truth“ aufgehört haben: "Henry" hat nach Milch gefragt. Andererseits stellt sich hier die Situation für Locke völlig anders dar. Er ist der, der nur zusieht, während Jack versucht mal wieder alles irgendwie wieder hinzubekommen. Er will unbedingt, dass "Henry" ihm die gleiche Karte zeichnet, die er auch Ana gemalt hat. Locke ist hier jedoch sehr viel intelligenter als Jack. Denn er hat die Uhr im Kopf. Ana ist schon ewig unterwegs. Selbst wenn es einen Hinterhalt geben würde, so würde Jack nie rechtzeitig ankommen, um sie zu retten. Doch Jacks Dummheit geht finde ich noch viel weiter. Denn selbst wenn er rechtzeitig ankommen würde, so wäre er allein ja mal so überhaupt nicht in der Lage, die Anderen in die Flucht zu schlagen (also mich würde als Anderer seine bloße Anwesenheit schon in die Flucht schlagen^^). Aber andere einweihen, dass kann Jack auch nicht. Damit würde ihm ja vielleicht die Kontrolle entgleiten und das kann er auf keinen Fall zulassen. Aber man kann das Ganze sogar noch anders betrachten, wodurch Jack sogar noch verblendeter wirkt. Denn wenn "Henry", so wie er es am Ende der letzten Episode gesagt hat, wirklich eine falsche Karte gezeichnet hat, eine Karte, die zu einem Hinterhalt führt, wieso sollte er denn Jack bitte die selbe Karte zeichnen? Er könnte Jack zu irgendeinem anderen Ort auf der Insel leiten und ihn dadurch vielleicht auch noch in einen Hinterhalt locken. Wenn "Henry" also wirklich einer der Anderen ist, so kann Jack ihm nicht trauen. Traut er ihm aber, so gibt er fast schon zu, dass Henry die Wahrheit sagt und wirklich nur abgestürzt ist. "Henry" redet sich natürlich ziemlich gut aus der Affäre, indem er sagt, es sei alles nur ein Scherz gewesen. Und hier wieder das Dilemma. Wenn man ihm traut, ist er kein Anderer, naja zumindest keine Gefahr. Wenn man ihm nicht traut, so kann man ihm auch nicht diese Aussage abnehmen. Jack hat also wirklich ein Problem. Aber weniger mit "Henry", als mit sich selbst, denn er ist einfach machtlos in dieser Situation. Das macht den guten Onkel Doktor natürlich wütend und er stellt Locke eine interessante Frage: „So, what's done is done?“ – „That's right.“ ("Was passiert ist, ist also passiert?" – "Das ist richtig") Da der Subtext dieser Aussage echt eindeutig ist, erspare ich mir mal die Ausführungen bezüglich Zeitreisen. Interessanter ist es jedoch mit der Theorie der Zeitschleifen. Denn dann wäre Jack zur absoluten Machtlosigkeit gezwungen. Denn wenn alles, was passiert ist, immer schon so passiert ist und man nichts ändern kann, selbst wenn man die Möglichkeit hätte, dann ist Jack nichts weiter als ein Zuschauer in einem Theaterstück, das er schon zum mindestens zweiten Mal sieht. Das soll jetzt nicht heißen, dass ich gegen die Zeitschleife bin, im Gegenteil. Denn hier spielen die Variablen eine gewisse Rolle, wie es schon ein gewisser Herr Faraday in den 70ern gesagt hat. In diesem Fall wäre nicht nur Desmond eine Ausnahme der Regel, sondern auch Jack. Denn ich bin mir sicher, wenn er in einer Zeitschleife steckt, so kann er Dinge ändern. Jack verabschiedet sich aber jetzt vorerst von den beiden (Jacob sei Dank!!!^^), nicht ohne Locke zu sagen, dass der "Henry" wieder einsperren soll. Locke will den guten aber erst mal zu Ende frühstücken lassen. Aber "Henry" ist ja nicht dumm (ganz im Gegenteil) und er bemerkt in dem Gespräch mit John und Jack, dass die beiden ihre Differenzen haben. Und er wäre nicht der Inselmanipulator, wenn er das nicht zu seinem Vorteil nutzen wöllte. So stößt er Johns Gesicht mit voller Wucht in den Kackahaufen von Jacks Macht. Aber selbst John lässt sich nicht alles gefallen und auch der flippt hier einmal aus. Er sperrt den kleinen "Henry" ohne Essen in die Waffenkammer und macht noch ein wenig Unordnung im Schwan. Doch auf wen ist Locke sauer? Sicher ist er auf Jack sauer, da der entgegen Lockes Überzeugungen handelt. Aber das ist nicht der Grund für den Ausraster. Vielmehr ist Locke auf sich selbst sauer. Denn er hat die Kontrolle verloren, er hat sich nicht um alles gekümmert. Parallele zum Flashback, ich hör dir trapsen. (Ok, der Spruch ist geklaut, sorry Anubis - kann man abgewandelte Redensarten überhaupt klauen?) Aber vorerst genug von Meister Propper (war das jetzt auch geklaut? Ich hab den Überblick verloren). Ich bin fast am Ende der ersten von 6 Seiten Notizen und da gehört es sich, einen Blick auf Sayid, Ana und Charlie zu werfen.

Die Suchen nämlich immer noch eifrig nach dem Ballon und dem Grab. Der Foltermeister steht also im Regen und hat so'nen Hals. Okay, das wirkt mal überhaupt nicht ohne Geste. Na gut, weiter im Text. Sayid steht also im Regen und er will "Henry" mit aller Macht nicht glauben und misstraut ihm. Was mich hier sehr gestört hat war, dass Ana bei weitem nicht so hasserfüllt war, wie eben Sayid. Der erinnert hier schon fast an Rousseau. Ana glaubt "Henry" zwar auch noch nicht so recht, jedoch lässt sie sich spätestens von Charlies Fund zumindest etwas überzeugen. Der hat nämlich ein Grab gefunden, zumindest schon mal etwas. Und als Ana dann bemerkt, dass es am Grab nicht regnet, wird auch endlich der Ballon gefunden. Ende gute alles gut.

Kleiner Scherz, ich bin noch lange nicht fertig. Was aber will uns diese Szene zeigen, außer das Sayid ein echtes Wutproblem hat. Ich finde hier das Symbol des Regens sehr interessant gesetzt. Denn Regen war bisher bei LOST nie ein gutes Zeichen. Ethan, Shannon, Walt-Visionen, irgendwas muss in dem Wasser sein, damit so was passiert. Nein, jetzt mal Ernst. Regen war bisher immer der Vorbote von schlechten Dingen, von Gewalt, von Unheil. Man könnte also als aufmerksamer Zuschauer darauf tippen, dass es wirklich einen Hinterhalt gibt. Erst als der Regen aufhört, scheint wirklich alles gut zu sein. Dass Sayids Paranoia da noch ein Wörtchen mit zu reden hat, erfahren wir aber erst später.

Als Boone und John die Luke finden, regnet es auch. Aber ist das nicht vielmehr ein ganz klassisches, filmisches Stilmittel? In den ersten zwei "Jurassic Park"-Filmen regnet es beim ersten T-rex-Angriff, in "Psycho" regnet es als Marion Crane das Motel erreicht, im letzten "Pirates of the Caribbean"-Film schüttet es bei der finalen "Schlacht" (okay, wohl eher ein "Schlächtchen") wie aus Eimern und im Herrn der Ringe könnte man meinen Helms Klamm stünde in irgendeinem Monsungebiet.

Erstmal geht’s zurück zu Jack. Der fragt Hurley nach Ana und Sayid, doch Hurley weiß überhaupt nicht, was überhaupt los ist. Er ärgert sich über die schlechte Informationspolitik. Hier mal der Dialog.

HURLEY: Well, that would, like, assume that anyone actually tells me anything.

Maybe if I were in the loop I could be more helpful.

JACK: There is no loop, Hurley.

Mir sind die Augen fast rausgefallen, als ich das gehört hab (nicht eher die Ohren?^^). Ich musste es mir ganz ehrlich auch mehrfach anhören, um wirklich den Dialog zu kapieren. Es ist schon verblüffend, dass in Staffel 2 schon Wörter fallen, die erst mit dem Staffel-5-Finale so richtig wirken. Vor dem Vorfall war es nur ein ganz normaler Dialog, jetzt kann man soviel hinein interpretieren. Hurley wäre also gern im „loop“. Man könnte das jetzt mal ganz wörtlich übersetzen und sagen, Hurley möchte in die (Zeit-)schleife. Jack sagt jedoch, dass es keine (Zeit-)schleife gibt. Wem sollen wir hier glauben? Ich finde das leugnen von Jack deutet eindeutig auf das Vorhandensein einer solchen Zeitschleife hin. Denn wir alle kennen Jack und seine Art, die Gruppe zu führen. Keiner darf etwas Wichtiges wissen, nur er. Doch warum sollte Hurley in die Zeitschleife hinein wollen? Was könnte Hurley verhindern wollen? Sicherlich das Öffnen der Luke durch Locke. Das hat er ja schon beim ersten Mal versucht. Sicher würde er auch Libbys Tod verhindern wollen. Aber würde er verhindern wollen, auf die Insel zu kommen? Denn auf der Insel geht es Hurley eigentlich besser als zu Hause. Er ist sein verfluchtes Geld los, er findet neue Freunde und sogar die Liebe. Es läuft also gar nicht so schlecht für Hurley. Wenn Jack aber in einer Schleife steckt, so will er sicher nichts sehnlicher, als alles zu beenden. Und das kann nur passieren, wenn er nie auf die Insel kommt. Da wäre der Ärger doch schon vorprogrammiert. Aber weiter im Kontext.

Claire kommt noch mit Aaron im Arm hinzu. Der scheint aber schon auf dem Weg der Besserung zu sein, es gibt also keinen Grund zur Sorge. Hurley verabschiedet sich unterdessen mit den Worten „Loop, dude. Loop.“ ("Schleife, Alter, Schleife." [Ok, das is ne echt beschissene Übersetzung von mir. Hier mal das Original - "Es gibt sie.. Auserwählte. "]) Wenn man mal das Komma weglässt und die beiden Wörter zusammenfasst, na was kommt da wohl raus? Richtig der Loopdude. Und zu wem sagt Hurley das? Richtig, zu Jack. Ich nenn Jack jetzt also nur noch Loopdude, einfach weil das so schön passt. Ne, mal wieder ernst, wenn man nur flüchtig hinhört, klingt es wirklich wie Loopdude. Und das ist auch wieder mal ein kleines Indiz auf die Zeitschleifentheorie.

Nach kurzem Gespräch mit Claire und der später hinzukommenden Libby (die ist, wie auch Hurley in Berührung mit einem Seeigel gekommen – Autsch) schaut Jack zu Sawyer. Der spielt nämlich gerade eine Runde Poker mit Kate und Hurley. Da hat sich der gute Hugo aber wirklich beeilt (spätestens seit "Verfluchte Zahlen" wissen wir doch: er ist "flink"). Die Drei spielen um Mangos, Papayas und Bananen.

Im Schwan sehen wir "Henry", wie er liest. Viel mehr kann er ja sowieso nicht machen. Locke radelt sich unterdessen den Frust weg. Er wirkt hier sehr nachdenklich, er sinniert wohl über die momentane Lage und sein Verhältnis zu Jack. Doch John wird abrupt aus seinen Gedanken gerissen, als eine Stimme ertönt. Erst kann man sie nicht so recht hören, die Musik ist zu laut. Locke stellt also den Plattenspieler aus und sucht dann nach der Quelle des Geräuschs. Erst schaut er im Dom nach, doch hier ist alles normal (seit wann?! ;-)). Wieder undefinierbare Geräusche und Locke findet endlich deren Ursprung: Ein Lautsprecher, der leise vor sich hin rauscht. Heimwerkerkönig John Locke (ich dachte Sayid wäre unser Heimwerkerkönig) schnappt sich einen Schraubendreher und versucht den Lautsprecher damit zu reparieren und tatsächlich wirkt es und der Lautsprecher erhebt schlagartig seine Stimme. „17 Minutes to Lockdown“ ("17 Minuten bis zur Verriegelung" - oder: "17 Minuten bis Locke am Boden ist!"). Durch die erhebliche höhere Lautstärke wird Locke verschreckt und Henry aufmerksam. Er fragt Locke noch schnell, was das denn gewesen sei, ehe wir auch schon am Grab von Anthony Cooper stehen.

Aber außer Locke, Helen und dem Priester ist nicht wirklich jemand da. „For we who are alive, who are left, will be caught up together with them in the clouds to meet the Lord in the air. And so we will live with the Lord forever.“ ("Und die, die wir am Leben sind und zurückbleiben, wir vereinen uns mit denen in den Wolken, denn wir treffen den Herrn in der Höhe. Und unser Leben ist mit dem des Herrn für immer verbunden.") Wir treffen uns also mit denen, die wir verloren haben, im Himmel beim Herrn wieder. Und wo trifft John Cooper irgendwann einmal wieder? Richtig, auf der Insel. Nun bezweifle ich ganz stark, dass die Insel der Himmel ist, ebenso wenig die Hölle, wie Cooper ja vermutet. Doch wenn wir den Ort mal außen vor lassen, so treffen sie sich beim Herrn wieder. Und das hört sich doch schon arg nach unserer Insel an. Der Herr Jacob hat nämlich schon etwas Göttliches an sich, immerhin altert er nicht. Locke und Helen sitzen also an Coopers Grab und Locke entdeckt die beiden schmierigen Gesellen, die zu ihm schauen. Als der Priester dann das Wort an John gibt, sagt dieser, dass er seinem Vater vergibt. Nette Geste, auch wenn ich das wohl nicht gesagt hätte. Aber gut, ich bin ja auch nicht John. Der bemerkt unterdessen übrigens eine silberne Limousine, die jetzt doch recht schnell den Friedhof verlässt.

Zurück im Schwan nervt "Henry" John mit seiner ewigen Fragerei. Dabei weiß der gute doch längst, was hier los ist. Immerhin hat er viele Jahre in der DI verbracht und er kennt auch die Perle und deren Funktion. Und da Inman und vor allem Radzinsky den Lockdown sehr oft herbeigeführt haben, sollte Benry das doch wissen. Ja, aber Ben würde doch ganz schön aus der Rolle fallen, wenn er nicht fragen würde, oder? [Anm. d. Red.]. Locke versucht unterdessen zu verstehen, was die Stimme ihm sagen will, doch "Henrys" Geplärr stört ihn dabei erheblich. Wir als Zuschauer verstehen jedoch, was da aus den Lautsprechern kommt, es ist ein Countdown. Und ehe Locke klar wird, was denn hier passiert, ist er auch schon von der Außenwelt abgeschnitten. Er schafft es gerade noch ein Brecheisen unter eine der Brandschutztüren zu schieben.

Am Strand unterdessen ist das Pokerspiel gerade auf dem Höhepunkt. Sawyer zieht Hurley und Kate ordentlich ab und der freut sich schon riesig auf den Obstsalat. Aber er hat nicht mit dem Loopdude gerechnet. Jack kann nämlich nicht nur super Golf spielen, er kann auch Pokern. Das hat er in Phuket gelernt. Was er dort noch so alles erlebt hat, erfahren wir erst in Staffel 3, aber auf jeden Fall kann er ziemlich gut Gedanken lesen. Oder aber er braucht nicht seine Psychokräfte, um die Karten zu kennen, da sie bereits in seinem Gedächtnis sind. Diese Szene ist wieder ein Indiz für die Schleife, denn Jack kennt die Karten von Sawyer und Hurley. Ich spiele selbst ab und zu Poker und bin auch gar nicht so ganz schlecht. Aber ohne im Spiel zu sein und ohne die jeweiligen Strategien des anderen zu kennen ist es verdammt schwer, das Blatt des Gegners zu erkennen. Jack hat aber vielleicht die Blätter schon einmal gesehen, weshalb er sich hier so sicher ist. Sawyer gefällt das natürlich gar nicht, denn der will Früchte. Also fordert er Jack heraus, der natürlich die Gelegenheit nutzt, um Sawyer Eins auszuwischen. Dass er dadurch nicht in den verriegelten Schwan kann, ist natürlich ziemlich blöd für Locke. Da er verriegelt ist, dürfte das mit dem Reinkommen so oder so problematisch sein.

Der weiß nämlich immer noch nicht so richtig, was denn hier vor sich geht. Die Lichter flackern und er ist durch ziemlich dicke Brandschutztüren vom Dom abgeschnitten. Warum er nicht selbst durch den Lüftungsschacht klettert um in den Dom zu gelangen, das ist eine Frage, die wir wohl nie beantwortet bekommen. Kein Bratöl zur Hand? Meine Theorie wäre: Ben und Kate sind beide klein, schmal und schmächtig und Locke ist doch ein ziemlich breitschultriger Brocken, der es im Lüftungsschacht schwer haben dürfte. Außerdem: Ich würde auch erstmal alle anderen Optionen ausschöpfen, bevor ich mich durch diese Rohre zwänge, denn da bekommt wohl jeder früher oder später Platzangst.

Im nächsten Flashback sehen wir Locke, wie er ein Haus untersucht. Irgendwie musste ich hier an Ethan denken, wie er am Anfang der dritten Staffel unter Juliets Haus heraus kommt. Eine gewisse Parallele gibt es hier schon. Nun ja, Locke ist zurzeit also ein Hausinspektor und untersucht gerade das zukünftige Haus von Noor Abed Jazeem, oder einfacher Nadia. Die will sich nämlich in L.A. (oder Umgebung) niederlassen. Das zeigt uns zumindest schon einmal, dass die FBI-Agenten Sayid nicht angelogen haben, denn Nadia ist tatsächlich in LA. Locke sagt ihr, dass mit dem Haus alles in Ordnung ist und das Nadia und ihr Mann nichts falsch machen, wenn sie das Haus kaufen. Nadia sagt, dass wenn sie einen Mann hätte, es ihm sicher gefallen würde. Locke entdeckt dann das gleiche silberne Auto, welches er schon auf dem Friedhof gesehen hat. Er geht hinüber und die Scheibe der Fahrertür geht runter. Und … *trommelwirbel* tada, es ist Anthony Cooper. Der ist nämlich gar nicht tot, zumindest noch nicht (zumindest das liegt in der Familie^^). Er hat das alles nur vorgetäuscht, um sich vor den Leuten zu schützen, die er betrogen hat. Hätte der das gar nicht erst gemacht, hätte er sich auch nicht umbringen müssen. Ums nochmal anzusprechen, Betrug ist böse und ein Verbrechen. Also, Anubis, nicht machen ;)

Wieso sagst du mir das? Ich krieg ja schon Schweißausbrüche, wenn ich mir nicht sehr legale Streams von "Lost", "Heroes" oder "Supernatural" vor der deutschen Veröffentlichung im Netz ansehe.

Die beiden trinken einen zusammen in einer netten kleinen Bar. Die Szene hat mich irgendwie an die Szene mit Sawyer und Christian in Sydney erinnert (also mich erinnert das mehr hieran). Überhaupt gibt es relativ viele Parallelen zu anderen Szenen in dieser Episode. Gut, das gibt es generell häufig be LOST, aber hier fällt es mir gerade besonders auf. Aber zurück zu Cooper. Der will, dass Locke das Geld aus der Bank holt und ihm so hilft. Ich konnte mich hier nicht des Eindrucks erwehren, dass Cooper irgendwie einen Nachfolger sucht. Er will Locke dazu bringen, ihm zu helfen und verspricht ihm dafür eine ordentliche Stange Geld. Bei einem andern als Locke hätte es vielleicht funktioniert. Der hätte sich von dem Geld einlullen lassen und vielleicht mehr gewollt. Doch nicht so John Locke. Der will nur, dass Cooper endlich aus seinem Leben verschwindet, so dass er selbst mit Helen in Frieden leben kann. Dass Cooper aber schon einen Nachfolger im Geiste hat, den er selbst erschaffen hat, weiß er zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht. Und Sawyer selbst weiß auch nicht mehr als den Namen desjenigen, der ihn zu dem gemacht hat, was er jetzt ist. In einem gewissen Sinne ist Cooper der Sayid für Sawyer. Sayid hat Ben zu dem gemacht, der er ist und Cooper Sawyer ebenso. Ohne die Taten von Sayid oder Cooper wären Ben und Sawyer vielleicht komplett andere Menschen geworden. Gut, Bens Fall ist sicher noch ganz anders geartet als Sawyers, schließlich wissen wir nicht, was genau mit ihm im Tempel passiert ist. Aber eine gewisse Parallele gibt es zwischen den beiden.

Unterdessen klärt Locke im Schwan "Henry" über die Verriegelung auf. Er bittet ihn um Hilfe, da er es allein nicht schafft, die Brandschutztür zu öffnen. "Henry" tut das aber nicht ohne Gegenleistung (da wär' er auch schön blöd). Er verlangt von Locke, dass er ihm verspricht, dass „seine“ Leute ("your people") ihm nichts tun. Genau das sagt übrigens auch Mr. Friendly zu Jack, als diese Michael verfolgen. Ein eindeutiges Indiz, das "Henry" nicht wirklich der ist, für den er gehalten wird. Aber das wissen wir ja längst. Aber "Henry" verlangt sogar noch mehr von Locke. „So I'm going to need your word that you'll protect me, no matter what.” ("Ich brauche also dein Wort, dass du mich beschützt, egal was passiert.") Wo wir wieder bei Staffel 5 wären. Denn da ist die Situation genau anders herum. Prinzipiell könnte "Henry" alles von Locke verlangen, um in Sicherheit zu sein, selbst seine eigene Freilassung. In Staffel 5 tut Flocke genau das gleiche mit Ben. Er zwingt in dazu, alles zu tun, was er ihm sagt. Denn das die Erscheinung von Alex mit Flocke etwas zu tun hat (wenn es nicht sogar die gleiche Person war) steht für mich eigentlich fest. Es passt einfach zu perfekt in den Plan.

Am Strand spielen Sawyer, Jack, Hurley und Kate unterdessen das Pokerspiel ihres Lebens. Sawyer kauft Jack seine Siegessicherheit nicht ab, er hat ja selbst auch wirklich kein schlechtes Blatt. Ein Damen-Drilling sollte eigentlich gewinnen. Aber das Wörtchen "eigentlich" ist schon ein kleines Miststück, denn es lässt immer die Option auf eben das Gegenteil bestehen. Und genau das tritt ein, denn Sawyers drei Damen haben gegen Jacks drei Könige nichts zu melden (das gilt aber auch nur beim Poker^^). Somit hat Jack alle Früchte gewonnen und Sawyer kann keinen Obstsalat machen. Da der den aber unbedingt haben will, erhöht er den Einsatz. Jack möchte gern um die medizinischen Vorräte spielen und Sawyer willigt ein. Und so geht das Spiel in die nächste Runde, diesmal ohne Hurley und Kate. Aber mit Jacks Siegessicherheit. Generell finde ich, dass Jack ein wirklich erhöhtes Selbstbewusstsein hat, wenn es um dieses Pokerspiel geht. Indiz für die Zeitschleife? Kates Schlussatz sollte hier auch erwähnt werden, könnte er doch sehr gut die Situation auf der Insel beschreiben. „Let's go leave these boys to their sandbox.“ ("Lass uns gehen und die Jungs im Sandkasten spielen.") Jetzt muss ich dazu sagen, bin ich auf diese Idee nur durch meine Leidenschaft für Computer gekommen. Es gibt sogenannte Programme, die Sandbox genannt werden. Diese stellen eine sterile Umgebung dar, in der einzelne Programme ausgeführt werden können. So kann ein eventueller Virusbefall des gesamten Systems verhindert werden. Die Sandbox ist vom eigentlichen System völlig abgegrenzt. Das ist die Insel in einem gewissen Sinne auch. Sie ist losgelöst von der Welt was Raum und Zeit angeht und es ist verdammt schwer, von der Insel zu kommen oder sie von der Außenwelt aufzuspüren. Es ist also eine Sandbox in unserer Welt. Eine andere Idee, die ich bei diesem Satz hatte war die der spielenden Jungen. Das ich da jetzt nicht an Jack und Sawyer sondern vielmehr an Jacob und "Samuel" gedacht habe, sollte doch jedem klar sein. Beide spielen ein Spiel und die Insel ist ihr Sandkasten, die Losties, die Anderen, einfach jeder Mensch auf der Insel, egal in welcher Zeit, ist eine der Spielfiguren in diesem Sandkasten. Man denke auch an ben, der John später sagt, selbst Gott wisse nicht, was auf der Insel vor sich ginge.

Im Schwan versuchen es "Henry" und Locke unterdessen zu zweit. Und es funktioniert. Sie schaffen es, die Brandschutztür soweit zu öffnen, dass man einen Werkzeugkasten (aus Blech!!! - der silberne Koffer hätte da endlich mal zu was gut sein können... wo ist der eigentlich abgeblieben?) unter die ziemliche dicke Stahltür schieben kann. Eine absolut blöde Idee. Und dass das so ist, wird Locke auch direkt selbst erfahren, denn als er versucht, sich unter der Tür durch zu schieben, gibt der Kasten nach und Locke bekommt einen der Bolzen der Tür in den Oberschenkel. Er hat verdammtes Glück, dass die Oberschenkelarterie nicht verletzt wird, denn dann wär's das jetzt gewesen. Ja, er hat vor allem mehr Glück als Verstand, denn wer kriecht unter so einem Dingen auch noch da durch, wo so ein Bolzen ist...? "Henry" versucht ihn noch heraus zu ziehen, aufgrund des Bolzens funktioniert das aber auch nicht. Er stapelt schnell ein paar Gewichte unter die Tür, so dass der Druck von Lockes Bein genommen wird. Auf die Idee hätte man mal vorher kommen können ;-) [Anm. d. Red.] Dann zeigt sich wieder einmal, wie sehr Locke doch mittlerweile "Henry" vertraut. Der meint nämlich, sie sollten einfach auf jemanden warten, es wird ja schon irgendwann jemand kommen. Locke meint nur, dass dafür keine Zeit wäre, ehe es in den nächsten Flashback geht.

Und dieser Flashback ist wohl mit einer der entscheidendsten in John Lockes Leben. Sicher nicht der entscheidendste, der Fenstersturz und auch Richards Besuche sind wohl noch wichtiger, aber was Locke in diesem Flashback tut, wird er wohl für immer bereuen. Locke kommt von der Bank, in der er gerade das Schließfach 1516 geräumt hat, wieder nach Hause und ist überglücklich. Helen hingegen ist eher schockiert, denn die beiden Männer, die in ihrem Haus sind, sind nicht gerade vertrauenserweckend. Jimmy Bane und sein Schläger wollen nämlich von Locke wissen, ob er seinen Vater gesehen hätte, nachdem der gestorben ist (als ob das möglich wäre - Wieso? ich hab John auch gesehen, nachdem er gestorben ist ;-) ). Bane denkt, Locke wüsste etwas, was die Welt nicht weiß, denn er war wirklich nicht sonderlich traurig auf der Beerdigung. Dafür hätte er aber nun auch wirklich keinen Grund, weshalb auch Helen sofort erklärt, warum sie eigentlich bei der Beerdigung waren. Nämlich um über Cooper hinwegzukommen, um mit ihrem Leben weiter zu machen. Bane gibt sich letztlich auch damit zufrieden, will aber noch wissen, was in Johns Tasche ist. Das ist nämlich ebenso eine Tasche, wie er sie in der Bank mithatte. Locke sagt jetzt zur Abwechslung mal die Wahrheit und meint, es wären nur seine Arbeitssachen darin. Bane lehrt dann den Schreibkram und alles weitere auf dem Tisch aus und verabschiedet sich höflich von den beiden. Helen fragt direkt, ob John gelogen hat, was dieser verneint. Wie dumm kann ein Mensch sein. Ich meine, er will die Frau heiraten, sich mit ihr eine Zukunft aufbauen, den Rest seines Lebens mit ihr verbringen und er lügt ihr mitten ins Gesicht über eine Sache, die ihre Beziehung schon einmal fast beendet hat. Hätte er ihr die Wahrheit erzählt, nämlich dass Cooper noch lebt und er einen Deal mit ihm gemacht hat, wäre Helen zwar sicher nicht glücklich gewesen, aber ich denke sie hätte ihn verstanden und ihm auch in dieser Situation geholfen. Immerhin wäre Cooper dann endgültig aus ihrem Leben verschwunden. Doch so lügt Locke Helen mitten ins Gesicht und zerstört so alles, was er im Leben noch hatte. Aber schnell zu Jack, bevor ich mich hier zu sehr aufrege und mein Blutdruck unter die Decke geht. Der lässt sich nämlich nicht von Sawyers Geschwätz ablenken und bemerkt, dass der die Karten nicht korrekt gibt. Interessant ist vielleicht, dass Jack hier das erste Mal Phuket erwähnt, jedoch nicht wirklich auf Sawyers Fragen eingeht. Ich hatte hier das Gefühl, dass Jack das nicht nur wegen Sawyers versuchtem Betrug macht, sondern vor allem auch, weil er nicht gern über das redet, was in Phuket passiert ist. Ich mein, wer redet schon gern davon, wie er von ein paar minderwüchsigen Asiaten vermöbelt wurde?

Ich hab aber noch eine Anmerkung zu Johns Lüge: Vielleicht war ihm das ja eine Lehre und er ist deshalb dagegen wichtige Informationen vor der Gruppe zu verheimlichen.

Im Schwan wird’s unterdessen langsam knapp mit der Zeit. Genau aus diesem Grund soll "Henry" nun durch den Lüftungsschacht in den Dom klettern und die Zahlen eingeben. Ich bin ja immer noch der Meinung, dass Locke das lieber hätte selbst machen sollen, und zwar bevor er "Henry" raus lässt, aber egal. Sonst hätten wir ja die Karte auf der Brandschutztür nie gesehen (und John ebenfalls nicht). "Henry" geht also in den Vorratsraum und klettert über das Regal nach oben zum Lüftungsschachtgitter. "Henry" stürzt ab, "Henry" ist ohnmächtig, der Alarm beginnt zu piepen. Schnitt.

Jack und Sawyer sind nun mittlerweile in der entscheidenden Phase des Spiels, in der die beiden auch schon einige Zuschauer haben. Hurley meint nur so, dass Jack und Sawyer sich endlich gegenseitig fertig machen („beat each other up“). Dass das schon längst, nämlich im Jahr 1977 passiert ist, weiß der gute Hurley ja noch nicht, denn für ihn liegt das Ganze ja noch gute 3 Jahre in der Zukunft. Blöde Sache, diese Zeitreisen. Jack geht unterdessen All-In und zwingt Sawyer quasi dazu, mit zu gehen. Denn Jack weiß um Sawyers Schwäche, nicht einstecken zu können. Wenn Sawyer jetzt nicht mitgeht, wirkt er ängstlich und feige, und dass kann er nicht zulassen, nicht vor dem Publikum (vor allem nicht vor Katie - das Testosteron trieft ja regelrecht vom improvisierten Pokertisch^^). Also geht Sawyer mit und verliert gegen Jacks Paar Neunen. Jack freut sich und will schon gehen, als Sawyer ihn fragt, warum er nicht die Waffen wollte. „When I need the guns, I’ll get the guns.“ ("Wenn ich die Waffen brauche, dann bekomm ich die Waffen.") Sehr selbstsicher, der gute Jack. Es sei den, er weiß jetzt schon, wie er einmal an die Waffen kommen wird und hat deswegen auch die medizinischen Vorräte vorgezogen. Vielleicht ein Indiz für die Zeitschleife, vielleicht aber auch nur für Jacks ärztliches Selbstvertrauen.

Im Schwan kommt "Henry" zu sich und klettert erneut hinauf zum Lüftungsschacht. Diesmal stürzt er nicht und ist dann mal weg. Locke versucht unterdessen erneut, sich zu befreien, was aber wieder nicht funktioniert. Flashback. Locke geht zu Cooper ins Motel und übergibt das Geld. Er sagt noch einmal, dass er es nicht für seine Entlohnung gemacht hat, als es auch schon an der Tür klopft. Helen steht davor, verpasst Cooper eine ordentliche Ohrfeige und verschwindet wutentbrannt. Locke rennt natürlich sofort hinterher und versucht es zu erklären. Doch Helen ist zutiefst gekränkt, denn Locke hat sie nun einmal angelogen. Der macht noch schnell den Antrag, der abgelehnt wird und Helen ist weg. Und auch Cooper verschwindet und Locke bleibt allein und traurig zurück. Mitleid hab ich aber keins mit ihm, denn er ist selbst dran schuld. Hätte er mal gleich die Karten auf den Tisch gelegt, dann wäre das Ganze sicher anders ausgegangen. Locke hat's aber versaut.

Im Schwan unterdessen tönt der Alarm. Locke schreit nach "Henry", doch keine Antwort. Als dann der Alarm stoppt und man den Counter hört, wie er blättert, scheint alles in Ordnung, bis das Licht ausgeht. Den Rest kennt man, UV-Licht, ein völlig perplexer Locke und eine mysteriöse Karte auf der Brandschutztür unter der Locke liegt. Ich denke auch, ich kann mir den Großteil der Erläuterungen zur Brandschutztür sparen, das sollte auch so ziemlich jedem hier bekannt sein. Was mich nur ein wenig stutzig gemacht hat, war das Fragezeichen in der Mitte. Dass das für die Perle steht, ist sicher, aber warum wusste Radzinsky nichts davon? Immerhin hatte er doch einige Macht in der Dharma und selbst im Schwan sollte er doch die Möglichkeit zur Kommunikation mit dem Rest der Dharma gehabt haben. Denn ihm kann man nicht vortäuschen, dass draußen eine Quarantänezone ist. Er kann also, vielleicht ähnlich wie Inman, vortäuschen, im Schutzanzug herauszugehen, um seinen Mitdrücker zu täuschen. Also, warum wusste Radzinsky nichts von der Perle? Ich denke, dass man ihm nach dem Vorfall viele seiner Rechte entzogen hat. Er durfte zwar vielleicht mit dem Rest der Dharma kommunizieren (obwohl auch das fraglich ist), aber eingeweiht hat man ihn in nichts mehr. Nur so kann auch das psychologische Experiment in der Perle funktionieren. Auch interessant ist vielleicht, dass auf der Karte verschiedene Dinge auf Latein stehen. Dies ist bekanntlich die Sprache der Anderen, was also hat die auf einer Brandschutztür in einer Dharma-Station zu tun? Das wären jetzt die zwei Sachen, die mir noch einmal wichtig waren, bei der Karte zu erwähnen, alles Weitere würde den Rahmen hier doch erheblich sprengen. Vielleicht wäre es sinnvoll, die Karte noch einmal gesondert zu behandeln, denn es gibt durchaus noch einige Dinge darauf, die sehr interessant sind. Aber noch bin ich nicht ganz fertig mit dieser Szene. Jetzt kommen wir einmal zu John Locke. Elli (ich glaube es war elli) hat vor kurzem einmal die Theorie in den Raum gestellt, dass vielleicht mehrere Personen in einer Zeitschleife stecken, unter anderem auch John Locke. Durchaus berechtigt, so etwas zu vermuten, denn wieso sollte Jack allein in so etwas gefangen sein? Doch warum glaube ich nicht, dass John Locke in einer Zeitschleife steckt? Ganz einfach, die Antwort ist der Schwan. Naja, eigentlich alles, was Dharma angeht. Und auch seine Begegnung mit einem Etwas in Wildschweinjagd. Was haben nun diese Dinge mit einander gemeinsam? Nichts, und genau das ist ja der Punkt. Nehmen wir an, Locke ist in einer Schleife, so würde er sich an Dinge erinnern. Sicher nicht an alles, doch an gewisse Dinge, vielleicht ähnlich wie Desmond in Staffel 3. Das, an was er sich erinnern würde, hätte eine gewisse Wichtigkeit. So zum Beispiel gewisse Dinge, die die Insel betreffen. Und über solche Dinge scheint John wirklich eine Menge zu wissen, mehr als jeder andere der Losties. Er scheint das Wesen der Insel verstanden zu haben. Doch auch andere wichtige Ereignisse müssten ihm bekannt vorkommen. Der Schwan, die Karte auf der Brandschutztür, die Perle, die Flamme, … Doch genau hier wirkt er immer so, als ob er nichts weiß. Erinnern wir uns, wie er als erstes in den Schwan geht. Er schaut sich um, voller Neugier. Auch das Orientierungsvideo muss er sich erneut anschauen (im Gegensatz zu Jack) um es wirklich zu begreifen. Die Karte auf der Brandschutztür schaut er völlig entsetzt an. Und wieso hat er die Perle nicht direkt beim ersten Besuch der Beachcraft untersucht? Es gibt also Dinge, die selbst John Locke auf der Insel überraschen. Und es sind immer Dinge, die die Dharma gebaut hat und somit nicht in Verbindung zum spirituellen, natürlichen Konstrukt der Insel stehen, mit dem John ja vor allem anderen verbunden ist. Und diese Dinge spielen eine sehr wichtige Rolle in Johns Inselleben. Es wäre also unlogisch, wenn er sich an solche Dinge nicht erinnern kann. Was also könnte John sein Wissen bezüglich der Insel gegeben haben? Nun, da sind wir uns denke ich alle einig, es war eben dieses Etwas in Wildschweinjagd. Was es war, ist bis heute noch ungeklärt, doch glaube ich daran, dass es „Samuel“ war, vielleicht sogar in seiner ursprünglichen Form. Deshalb klang Lockes Beschreibung auch anders als Ekos, denn der hat Smokey gesehen. Und auch wenn „Samuel“ und Smokey ein und dasselbe sind, so glaube ich sind beides doch nur Formen eines Wesens, dessen ursprüngliche Form wir noch nicht kennen. Es könnte natürlich auch Jacob sein, dessen Smokey-Form Locke gesehen hat. Das würde durchaus auch sehr gut passen, da Jacob der Weiße ist und "Samuel" der Schwarze. Locke beschreibt das Wesen als ein helles Licht, was ja nun so gar nicht auf den Smokey zutrifft, den wir kennen. Es könnte also einfach Jacobs Smokey-Form gewesen sein. Dagegen spricht jedoch meiner Meinung nach Jacobs Verhalten auf der Insel. Denn hier ist er sehr passiv, lässt die Menschen machen, will sehen, wie sie sich verhalten. Nur Richard gibt er Anweisungen. Ein aktives Eingreifen in das Inselgeschehen haben wir von ihm noch nicht gesehen. Nur abseits der Insel rekrutiert er die Menschen, zumindest scheint es so. Deshalb denke ich, ist die „Samuel“-Hypothese einfach passender.

Von dieser Erscheinung hat Locke also sein Wissen über die Insel. Doch Smokey weiß eben auch nicht alles, vor allem die Dinge nicht, die vom Menschen stammen. Und die Dharma hat zu dem sehr gut gewusst sich gegen Smokey zu verteidigen, wodurch es nur logisch erscheint, dass er nichts weiß. Locke weiß nur Dinge über das Wesen der Insel und hat eine Verbindung zu dieser. Das wird auch in seinen Visionen deutlich, wie sonst sollte er zum Beispiel von der Beachcraft wissen. Das würde bedeuten, dass "Samuel" hier schon einen Einfluss auf Locke hatte, der nicht unerheblich war. Er hat ihn gelenkt, ihm im richtigen Moment seine Paralyse wieder gegeben, so dass Boone stirbt. Er hat ihm in der Hütte gesagt, dass er die Insel bewegen muss, und so weiter. Lockes natürliche Neugier und seine Abenteuerlust helfen „Samuel“ dabei natürlich ungemein, so zeigt er nur die Richtung und Locke geht den Weg allein weiter. Für mich klingt das logisch und die Übernahme von Lockes Körper am Ende der 5ten Staffel erscheint nur als logische Konsequenz dessen. Nun gut, so viel zu Locke für den Moment, machen wir weiter mit der eigentlichen Review.

Wir haben also gerade die Karte auf der Brandschutztür gesehen, doch nur kurz. Denn schon nach wenigen Sekunden geht das normale Licht wieder an und die Türen öffnen sich. Schmerzhaft für Locke, der sich aber gleich kriechend auf die Suche nach "Henry" macht. Er kommt in den Dom, sieht den Timer bei 107 Minuten, aber keinen "Henry". Der erscheint aber gleich hinter Locke (ist wohl durch den Lüftungsschacht zurück geklettert) und hilft ihm auf die Beine. Er tut wirklich alles um Lockes Vertrauen zu erringen und somit wenigstens einen „Freund“ unter den Losties zu haben.

Jack ist nun mittlerweile auch auf dem Weg in den Schwan, wird aber von Kate aufgehalten. Die will sich mal wieder duschen, doch Jack lügt sie an, von wegen Wasserrohrbruch und so. Schade dass kein Klempner unter den Überlebenden ist. Aber ehe Kate sich richtig verarschen lässt, sieht sie ein Blinklicht. Die beiden gehen darauf zu (was sonst macht man auf einer Insel, auf der es ein Monster und böse Andere gibt mitten in der Nacht ohne Waffe) und entdecken die Warenlieferung für den Schwan, den eigentlichen Grund für die Verriegelung. Nahrung und sonstige Vorräte en masse und dazu ein Drogensüchtiger, ein Folterknecht und eine nette Polizistin. Ach ne, die kommen ja erst später dazu. Aber noch immer erfahren wir nicht, was denn nun wirklich noch so alles am Ballon passiert ist.

Das wird erst im Schwan aufgeklärt, in dem "Henry" mittlerweile Locke hilft, das Bein hoch zu legen. "Henry" erzählt noch schnell, was er angeblich im Dom gemacht hat, nämlich den Code eingegeben. Doch als Jack kommt, schlägt die Stimmung rasch um, denn der ist nicht sehr gut auf "Henry" zu sprechen, genauso wie Sayid. Aber der hat nun wirklich allen Grund dazu, denn in seiner Paranoia hat er das Grab geöffnet, das sie unter dem Ballon gefunden hatten und darin den echten Henry Gale gefunden. "Henry", obwohl, jetzt können wir ihn ja auch Ben nennen, steht nun vor den Ruinen seiner Lügengeschichte. Und da noch irgendetwas zu retten, wird die nächste Aufgabe unseres Inseldiktators sein. Dass erzählt euch dann aber der liebe Onkel Anubis.

Wer erzählt uns das? Kenn ich nicht!

Also Brandschutztür...: Ich denke mal die beste Version der Karte ist diese. Da ihr nicht noch länger auf diese Review warten solttet, nehme ich mir die eingehende Analyse der Karte mal fürs Wochenende vor. Zuvor gibt es vermutlich noch den ersten Teil der Incident-Review zur Thematik Jacob und "Samuel". Falls ihr denkt, dass da kaum was neues kommt, versichere ich euch: Ihr irrt (wahrscheinlich^^). Ich hab' nämlich einige interessante Sachen entdeckt, die mir noch halbwegs neu waren.

Jetzt aber zu meinen "normalen" Anmerkungen:


Also wenn es einen Loopdude gibt, dann ist das doch wohl Jacob und "Samuel" ist der Loopeholedude. Und schon wieder ein neuer Spitzname - man sollte mal eine Sammlung seiner Spitznamen aufmachen (sagt mir, wenn ich einen vergessen habe): Samuel, Man in Black (ist euch eigentlich mal aufgefallen, dass sein Hemd dunkelblau ist?), Esau, man#2, Rumpelstilzchen, Mr. Loophole, Deus Ex Machina, Keyser Söze, Loopholedude, Flocke, Fake-Locke, Shapeshifter, Nemesis, Der-schon-wieder, Ihr-wisst-schon-wer, Moses, [Achtung: Kleiner "Supernatural-Staffel-5-Spoiler] der Typ, der genauso aussieht wie einer der apokalyptischen Reiter bei "Supernatural" (was ich sehr verwirrend finde, da der Teufel aussieht wie Jacob) [Spoiler Ende] und, wenn man glaubt, dass er das Monster ist, kommen noch hinzu: Cerberus, Smokey, Monster, Rauchmonster, schwergestörte Giraffe und mein persönlicher Liebling: psychopathische Gewitterwolke. Sollte "Samuel" jemals James ford über den Weg laufen, kommen vermutlich nochmal genausoviele dazu.

Zu Furyas text hab ich sonst keine direkten Ergänzungen mehr, also zur Folge. Was ich bei der Frühstücksszene noch bemerkenswert fand, war, dass Ben zu John sagt: "Why do you let him talk to you like that? " ("Warum lässt du ihn so mit dir reden?") Für mich hatte das schon ein bisschen was von: "Eye, du bist der neue Inselkönig und Jack nur egozentrischer Skalpellschwinger." Da fällt mir ein, dass überhaupt Jacks dramaturgische Relevanz ein weiteres Indiz auf die Zeitschleife darstellt, denn gibt es sie nicht, wäre Jack doch eigentlich ziemlich unwichtig - verglichen mit John, Ben, Desmond, Richard, Charlie, Hurley, Eko, Aaron oder Claire, die fest mit der Insel verwoben sind.

Da der Ballon in dieser Folge gefunden wird, ist es wohl auch an der Zeit mal über den guten alten "Wizard of Oz" zu sprechen. Henry Gale ist in diesem amerikanischen Märchen der Onkel von Dorothy Gale, die es ins wundersame Land Oz verschlägt. Der Zauberer von Oz wiederum stürzte dort mit seinem Ballon ab. Dass Ben oft mit dem Zauberer von Oz, dem Mann hinter dem Vorhang in Verbindung gebracht wird, ist ja nichts neues, doch die wahren Männer hinter dem Vorhang sind letztlich zwei andere, die uns über ihre wahren Absichten, ihre Herkunft und die Fülle ihrer Macht auch weiterhin im Dunkeln lassen. Beizeiten sollten wir die Bezüge zwischen "Lost" und diesem literarischen Werk wohl nochmal ein wenig mehr aufdröseln. Doch genau wie die Brandschutztür ist das wohl ein Thema, dass man gesondert behandeln und betrachten sollte. Also verbleiben wir ersteinmal bei dem Hinweis auf diese Parallelen.

Ansonsten hab ich noch so ein paar Kleinigkeiten:

  • Als John auf dem Hometrainer sitzt, hört man nur einen einzigen Wortfetzen ganz klar heraus und zwar "Lock-". Zwar ist es ein Teil des Wortes "Lockdown" ("Verriegelung"), aber akustisch gibt es keinen unterschied zu "Locke"... da ist selbst unser guter, alter John verwirrt: Die Station ruft ihn jetzt schon beim Namen.
  • Ben ruft John, unmittelbat bevor die Türen runtergehen, zu, er sollte vielleicht lieber Jack holen. Diese kleine Stichelei von Ben rettet letztlich der ganzen Menschheit den Arsch, denn hätte Ben nicht gerufen und John dazu veranlasst vom Stuhl runter in Richtung Waffenkammer zu stürmen, hätte John vermutlich alleine auf dem Flur gestanden! Von da aus hätte er weder Ben aus der Waffenkammer lassen noch selbst zum Computer gelangen können.
  • Eine Frage bleibt für mich bestehen: Warum wird die Verriegelung im Orientierungsfilm mit keinem Wort erwähnt? Wäre doch eine nicht gerade unwichtige Information, zu wissen, dass man wenn der Lautsprecher rauscht, besser ganz flott zum Computer geht. Chang erklärt doch sonst jede Kleinigkeit so detailliert, dass man sich wundert, warum er nicht die Funktionsweise der Toilette erläutert (im Zweischichtbetrieb versteht sich^^). Wurde die Verriegelung erst installiert, als der Orientierungsfilm schon fertig war?
  • Ben sagt gegenüber John, die Losties gäben ihm die Schuld für Dinge, für die er nicht die Verantwort trägt. Klingt für mich fast nach Bens Leben in einem Satz, denn letztlich macht er zwar eine Menge Fehler, ist und bleibt aber auch für alles andere der Sündenbock.
  • Sawyer erwähnt Tallahassee und deutet an, sich dort eine Geschlechtskrankheit eingefangen zu haben - danach fragte Jack sogar in Staffel 1
  • Helen fragt Anthony Cooper: "Are you Him?" - die Antwort ist "Nein", oder?
Das war's jetzt auch von mir. Im Laufe des Tages kommen aber wohl noch ein paar Infos und News ;-)

Donnerstag, 12. November 2009

You don't even know what you're running from!

Orientation:

Es hat nun doch etwas länger gedauert, doch das resultiert schlichtweg aus der Fülle an Querverweisen in dieser Episode. Ich habe einfach unheimlich viel gefunden, was es zu analysieren galt. Außerdem musste ich auch einiges recherchieren, nachlesen und überprüfen. Ich habe wirklich sehr viel Zeit in diese Review investiert und ich denke: es hat sich gelohnt. Also auf zur „Orientation“/„Orientierung“ – also zu dem, was ich nur in den seltensten Fällen habe.

Bei der ersten Rückblendenszene kann ich schon wieder aus eigener Erfahrung sprechen. Es ist ja mittlerweile kein Geheimnis mehr, dass ich mit Angststörungen, Depressionen und ähnlichem Dreck zu kämpfen habe. Wenn man so etwas hat, probiert man ja früher oder später alles mal aus, wenn die Verzweiflung nur groß genug ist. Das Bild, welches hier in „Lost“ gezeigt wird, entspricht meinen Erfahrungen weit mehr als sonstige Darstellungen solcher Veranstaltungen in Film und Fernsehen. Selbsthilfe? Selbstmitleid! Jammergruppen sind das! Ich bin auch nur vier mal hingegangen, weil es nur zwei Typen von Menschen gibt, die sich bei so etwas lange halten: Welche, die anderen was volljammern wollen und einen Konkurrenzkampf darum führen, wem es denn nun am beschissensten geht, und solche, die den anderen vorschreiben wollen, wie sie ihr Leben zu führen haben. Ach nein, Moment, es gibt noch einen dritten Typus: Die ersten beiden zusammen. Das sind die allerschlimmsten – selbst nichts gebacken kriegen, aber altkluge Weisheiten verteilen. Insofern kann ich Johns Reaktion mehr als gut nachempfinden – nachvollziehen sowieso!

Ungewollt hat er denen aber vermutlich wirklich geholfen, denn einige hat er mit seinem Ausbruch bestimmt wachgerüttelt. Wie groß die eigenen Probleme sind, hängt immer damit zusammen, an wem man sich selbst misst. Vergleiche ich meinen dicken Bauch mit dem Sixpack von Brad Pitt oder der Wampe von Rainer Calmund? Im einen Fall möchte man sich beim Blick in den Spiegel erschießen, bei dem anderen denkt man: och, so schlimm ist es gar nicht. Das verhält sich hier ähnlich: Natürlich ist es nicht schön, von den eigenen Eltern beklaut zu werden, aber es macht doch einen Unterschied, ob es nun 30$ oder eine Niere ist, um die man beschissen wird.

Das Modell lässt sich wohl auf alle Charaktere der Serie übertragen. Vergleiche ich etwa Charlies Leben mit Jacks (Sohn eines gutverdienenden Chefarztes und auch selbst ein virtuoser Chirurg; einige Jahre glücklich verheiratet – die Ehe selbst in die Grütze geritten) oder mit Bens (Mutter bei der Geburt gestorben, vom Vater misshandelt, mit 12 Jahren beinahe erschossen, an Krebs erkrankt, vereinsamt) – dann muss ich doch sagen: Im Vergleich zu Jack hatte Charlie ein Schießleben, im Vergleich zu Ben hat er es noch ganz gut getroffen. Wobei man sagen muss: Jack hat eigentlich von allen Losties am wenigsten Grund ein Pessimist zu sein und ist dennoch der größte Schwarzmaler auf diesem verrückten Eiland. John hingegen hatte noch mehr Pech im Leben als Ben und ist ein hoffnungsloser Optimist. Das sagt aber weniger über die beiden, als über die Menschen an und für sich aus. Jack hat noch nicht viel schlimmes durchgemacht und für ihn ist der Absturz im Vergleich dazu eine Katastrophe. Ganz abgesehen davon: derart pessimistisch sein, kann nur, wer es sich leisten kann. Hätte John Jacks Lebenseinstellung, hätte er sich schon viel eher freiwillig aus dem Fenster gestürzt – da hätte keiner mehr nachhelfen müssen.

Auch bei der Selbsthilfegruppe ist John das Schicksal mal wieder gewogen: er lernt Helen kennen. Für uns zunächst ein ziemlicher Mindfuck, da einem zu diesem Zeitpunkt noch nicht so recht klar ist, dass diese Helen nicht die Helen vom Telefon ist. Selbst heute haben wir keine 100%ige Garantie, obgleich es nahe liegt, dass John die Telefon-Helen wohl nur wegen der Namensübereinstimmung kontaktiert hat. Über jene Helen wissen wir nichts definitives, wir können nur Vermutungen anstellen und die wahrscheinlichste ist wohl: es handelt sich um eine Telefonsexhotline (immer dran denken: „Telefonsex ist AIDS-sicher!“ – Thomes G. Hornauer), die John, einsam wie er ist, anruft, weil die Frau auf der anderen Seite (angeblich) Helen heißt. Ein weiteres Kapitel in der traurigen Lebensgeschichte von John Locke.

Diese Helen hingegen steht total auf Typen mit Glatze – „I'm not bald.“ – „I can wait.“ („Ich hab keine Glatze!“ – „Ich kann warten.“). Sie kann warten – mal wieder ein Verweis auf das Thema Geduld. In der Nacht bricht John auf und fährt wieder zum Haus seines „Vaters“ Anthony Cooper. Jener steigt zu John ins Auto und erklärt ihm: „There is no ‘Why’. Do you think you're the first person that ever got conned? You needed a father-figure and I needed a kidney, and that's what happened. Get over it. And John, don't come back – you're not wanted.“ („Da gibt es kein ‚Warum’. Glaubst du denn, du wärest die erste Person, die man jemals reingelegt hätte? Du brauchtest eine Vaterfigur und ich brauchte eine Niere. Das ist alles. Komm drüber weg. Und John, komm nicht wieder her – du bist unerwünscht.“) Kennen wir da nicht noch jemanden, dessen verzweifelte Suche nach einer Vaterfigur ausgenutzt wurde? Tja, John, du hast mit Ben nun einmal weit mehr gemein, als du wahr haben möchtest! Ben und John werden beide von ihrem Vater behandelt wie Müll und wenden sich darauf einer neuen Vaterfigur zu: Jacob.

Oder? Ist schon komisch, dass Anthony Cooper „Vaterfigur“ und nicht einfach „Vater“ sagt. Obgleich ich mich auch weiterhin gegen diese Möglichkeit sträube, könnte das ein weiterer Hinweis darauf sein, dass Johns Vater nicht Anthony Cooper, sondern Jacob ist. Oder aber er ist – und das wäre weitaus verrückter, aber ebenso logisch – „Samuels“ Sohn. Wie man es dreht und wendet, bleibt eines sicher: sowohl Ben als auch John sind auf ihrer verzweifelten Suche nach jemandem, der ihnen auf die Schulter klopft und ihnen gut zuredet, in ihrer Entwicklung irgendwie stehen geblieben. Wie Helen sagt: „He's not coming out of this house, John, because he doesn't care. I know why you're here – why you keep coming here. You're scared. You're scared of moving forward – with me, with us. You're going to have to choose: Him or me.“ („Er wir nicht aus dem Haus kommen, John, denn er kümmert sich nicht drum. Ich weiß, wieso du hier bist und weshalb du weiterhin hierher kommst. Du hast Angst. Du hast Angst einen Schritt nach vorn zu machen – mit mir, mit uns. Du wirst dich entscheiden müssen: Er oder ich!“). John kann (oder will) nicht über den Status quo hinaus. Er kann nicht loslassen. Doch warum kann er das nicht? Ist es denn wirklich die Niere, die er zurück will? Johns Problem liegt doch vielmehr in dem Betrug, in dem Gefühl nichts wert zu sein, das ihn auf der Insel auch so verbissen darauf hinarbeiten lässt Jacobs Auserwählter zu werden. Wie Ben geht es John nicht um die Macht, sondern um die Anerkennung, das Gefühl etwas darzustellen. Ben erkennt jedoch durch John etwas, was dieser selbst nicht zu erkennen bereit ist, obwohl er es bereits am eigenen Leib erfahren hat: Wenn Menschen (oder auch Inseln und komische Entitäten) einem sagen, man wäre etwas besonderes, dann meistens nur, um Vertrauen aufzubauen, damit es leichter wird, einem das Messer in den Rücken zu rammen. Ben hat das erkannt: Solange John nicht da war, war er gut genug und wird dann entsorgt – entweder von Jacob selbst, der Insel oder „Samuel“.

Ben verbringt 35 Jahre mit warten. Ebenso droht auch John sein Leben zu verpassen. Helen möchte ihn davor bewahren, ihn von seinem Vater befreien. Sie verlangt von ihm, dass er ihr verspricht, auch wirklich zu bleiben, wenn er sagt, er bliebe. Ich kenn da noch einen Ort, an dem man bleiben muss, wenn man einmal da ist... sonst kommt man früher oder später zurück. Helen hat aber nicht die Macht John von Anthony Cooper zu befreien – John benötigt dazu die Hilfe anderer: Richard, Ben und James. Helen kann John nur helfen, indem sie ihm den Glauben an sich selbst zurückgibt und ihm zur Seite steht. „You don’t have to be alone!“ („Du musst das nicht alleine durchstehen!“ bzw. „Du musst nicht einsam sein!“)

Ehe wir nun in den Schwan zurückkehren und uns den interessantesten Handlungsfaden dieser Episode anschauen, noch ein paar Worte zu dem, was Michael, Jin und James widerfährt: Die Ironie im Aufeinandertreffen von Losties und Tailies ist offenkundig, denn beide halten die jeweils anderen für die Anderen. Als Ana in die Grube kommt und nicht nur behauptet, sie sei an Bord von Flug 815 gewesen, sondern habe sich außerdem die ganze Zeit alleine durch den Dschungel geschlagen, merkt man schon wie Sawyer seine Zweifel an der Geschichte kommen. Zu seinem Pech hört er aber nicht auf seine innere Stimme und so fragt Ana Sawyer erst aus, schlägt ihn anschließend nieder und nimmt ihm dann die Waffe ab, ehe sie nach oben entschwindet. Wie jemand, der so eine Nummer durchzieht, den Anderen ihre Täuschung und ihr Misstrauen gegenüber Eindringlingen vorhalten kann, ist mir rational nicht so ganz begreiflich, obwohl ich das Misstrauen der Tailies an und für sich verstehen kann.

Jetzt aber ab unter die Erde.. okay, die Grube ist so gesehen auch unter der Erde...öhm...ja... also zumindest gehen wir nun in den Schwan und dürfen uns nun zum dritten Mal angucken, wie Desmond John eine Knarre an den Kopf hält und dann den Lüftungsschacht abknallt. Außerdem fragt Jack zum dritten Mal dusseliges Zeug – darunter auch sein All-Time-Favorite: „Where’s Kate?“ Und wo ist Kate denn nu’? Die ist weiter im Lüftungsschacht rumgekrabbelt und in der Waffenkammer gelandet. Aus irgendeinem Grund kommt mir jetzt die Simpsons-Folge „Freund oder Feind“ in den Sinn... da hat der Schotte sich allerdings ausgezogen, eingeölt und ist dann selbst in den Lüftungsschacht...

Zumindest findet Kate in der Waffenkammer etwas, das man da so gar nicht vermuten würde: Waffen. Schließlich nutzt man Waffenkammern auf dieser Insel viel lieber als Depot für in Madonnenstatuen versteckte Drogen oder als Behelfsknast für manipulative Hobbits. Bislang dachte ich aber auch Kate würde immer vorgeben nicht zu wissen, wie man eine Schusswaffe gebraucht, doch hier belehrt sie mich eines besseren: Sie weiß es wirklich nicht und benutzt das Ding daher als Knüppel. Sie schlägt Desmond nieder und der erschießt daraufhin den Computer und das obwohl es kein Windowsrechner war. Wobei ich glaube, hätten die im Schwan Windows als Betriebssystem, hätte Desmond am 22.9.2004 da wohl ein Pop-Up-Fenster mit folgender Nachricht vorgefunden:

Desmond und Jack haben definitiv schon mal eines gemeinsam: sie sind die totalen Pessimisten, weshalb Desmond kaum, dass er den Computer erschossen hat, meint: „We are all gonna die!“ („Wir werden alle draufgehen!“) Jacks wirklich ätzendes Benehmen in dieser Folge möchte ich später gesondert analysieren, denn entweder er verhält sich völlig unverständlich oder einfach wie ein Arsch. Kümmern wir uns erst einmal um die Schwan-Station selbst, den Orientierungsfilm und Desmond, ehe wir uns dann Locke und zum Schluss Jack vornehmen. Desmond lebt in dem Glauben, er würde jedes Mal, wenn er die Taste drückt, so die Welt retten bzw. ihren Untergang verhindern. Dieser „Auftrag“ wird auf der Insel sehr häufig vermittelt – immer geht es gleich um die ganze Welt, die gerettet werden muss. Das spricht doch wahrlich Bände über die Bedeutung der Insel. Sie ist das Spielbrett auf dem ein Konflikt ausgetragen wird, der um so vieles größer ist als alle, die daran teilhaben. Fällt die Insel, fällt die Menschheit.

Die ganze zweite Staffel über wird die Frage im Raum stehen, ob das, was im Schwan passiert, nur ein Experiment ist. Wir gingen vor drei Jahren aus der zweiten Staffel in dem Glauben heraus, dass der Schwan echt und die Perle das Experiment sei. Aber stimmt das? Kommt es nicht vielmehr darauf an, in welcher Relation wir das Ganze betrachten? Denn letztlich ist die ganze Insel doch ein einziges Experiment, ein Test, ein Spiel. Testet Jacob Ben nicht jeden Tag seines Lebens, ob er die Taste auch weiterhin drückt? Wenn Ben versucht, Jacob zu töten (er bringt es ja nicht zuende – das besorgt jemand anders), ist es doch nichts anderes, als würde Desmond aufhören, die Taste zu drücken. Man lässt es drauf ankommen, testet aus, ob wirklich alles endet, wenn man die Autorität über einem in Frage stellt. Funktioniert man einfach nur oder ist man ein freier Mensch, der selbst über sein Schicksal entscheidet? Ben tötet Menschen, weil man ihm sagt, dass es nötig wäre, um die Insel zu beschützen. Die Insel muss wiederum beschützt werden, weil sonst die gesamte Menschheit zu Grunde geht. Alle Menschen, die Jacob auf die Insel holt sind Laborratten und die Insel ist das Versuchslabor. Jacob und „Samuel“ sind wie zwei konkurrierende Wissenschaftler, die das Experiment zu ihren Gunsten manipulieren, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen. Wir kommen darauf nachher zwangsläufig noch ein paar mal zurück.

Desmond sagt Jack und John, sie sollten den Film ansehen, er stünde hinter „The Turn of the Screw“. Worum geht es denn in dieser Novelle von Henry James? Gut, dass wir in einer Zeit mit Wikipedia leben. „Das Durchdrehen der Schraube“ ist eine Geistergeschichte über Kontrollzwang, Halluzinationen und andere Wahnvorstellungen – es ist also alles andere als ein Zufall, dass die Filmrolle ausgerechnet hinter diesem Buch steht. Kleine Randnotiz: Falls einer von euch das Buch gelesen hat oder Lust hätte es zu lesen, würde ich mich sehr über einen Gastbeitrag freuen, der Inhalt und Bezug zu „Lost“ aufdröselt. Das gilt übrigens ganz allgemein für literarische Werke, die in „Lost“ vorkommen. Der Orientierungsfilm selbst ist, anders als die der anderen Stationen, keine Videokassette, sondern eine Filmrolle. Warum? Ganz einfach: Videokassetten nutzen Magnetaufzeichnung und die dann neben einem riesigen Magneten aufzubewahren ist etwa so, als wenn man einen Brand mit hochprozentigem Alkohol löscht: kontraproduktiv.

Betrachten wir zunächst einmal die harten Daten und Fakten, die wir aus dem Film bekommen: Der Film ist auf das Jahr 1980 datiert – also drei ganze Jahre nach dem Vorfall. Außerdem wird der Schwan als dritte von sechs Stationen der Initiative aufgeführt und bereits hier wird’s problematisch, denn wir können uns nicht nur an allen zehn Fingern ausrechnen, dass es mehr als sechs Stationen gibt, sondern auch, dass der Schwan als eine der letzten Stationen errichtet wurde. Die Stationen 6 (Orchidee) und 4 (Flamme) existierten definitiv vor dem Schwan, ebenso wie Station 2 (Pfeil). Nur die fünfte Station (die Perle) wurde höchstwahrscheinlich nach dem Schwan errichtet. Jetzt könnte man ja argumentieren: Die haben nur sechs geplant und deshalb steht da „3 von 6“, obwohl es mehr Stationen gibt. Allerdings wurden auch Hydra, Stab, Spiegel, Laternenmast, Sturm und die Sicherheitsstation definitiv VOR dem Schwan gebaut. Hydra und Spiegel werden 1977 bereits erwähnt und die Sicherheitsstation sehen wir sogar nur im Jahre ’77. Sturm und Stab sind notwendige Versorgungsstationen, die ebenfalls bereits existiert haben müssen und der Laternenmast hat die Dharma überhaupt erst zur Insel geführt und müsste folglich die älteste Station und somit 1970 (laut dem Orientierungsfilm das Gründungsjahr der Dharma) oder 1971 (bereits 1972 kam Ben im Alter von acht Jahren auf die Insel) gebaut worden sein. Okay, jetzt kann man mutmaßen, dass nur Forschungsstationen gezählt würden und das wären dann immer noch: Schwan (Elektromagnetismus), Orchidee (Zeitreisen, Elektromagnetismus, Gewächshaus), Hydra (Zoologie), Perle (Psychologie), Pfeil (Verteidigung), Sturm (Meteorologie, Stromerzeugung, Giftgasspeicher) und Laternenmast (Wie finde ich die Insel?). Das sind aber immer noch sieben und die Kommunikationsstation „Die Flamme“ ist nicht dabei, hat aber dennoch eine Nummer. Selbst wenn man also den Sturm weglässt, weil er vielleicht nur als Versorgungsstation gewertet wurde, und den Laternenmast als externe Station nicht mitzählt, käme es vorne und hinten nicht hin, denn wenn die Flamme zählt, müsste der Spiegel auch zählen. Ganz abgesehen davon, dass wir nicht einmal wissen, ob denn die Station mit der Nummer 1 die Hydra ist?

Chang, der sich hier aus einem uns bislang noch immer unbekannten Grund als Dr. Marvin Candle ausgibt, erwähnt auch den Vorfall und dass man die Station ursprünglich entwickelt hätte, um das elektromagnetische Feld zu erforschen. Laut Chang wäre es zum Vorfall gekommen, NACHDEM die Forschungen begonnen hätten. Wir wissen: der Bau am Schwan hatte nicht einmal richtig angefangen, als es zum Vorfall kam. Schon sind wir bei zwei echten Wissenschaftlern, die miteinander in Konkurrenz stehen: Stuart Radzinsky und Dr. Pierre Chang. Warum sollte Radzinsky, der Jahre in der Dharma tätig war und den Schwan entwickelte, am Orientierungsfilm rumschneiden müssen? Und für wen? Was hat Radzinsky damit bezweckt? Dass Chang und Radzinsky in den seltensten Fällen einer Meinung gewesen sein dürften, liegt wohl auf der Hand – der eine ein hitzköpfiger, paranoider Egozentriker, der andere ein ruhiger, bisweilen vielleicht etwas launischer, aber dennoch besonnener Philanthrop. Bis auf ihren enormen Intellekt und ihre Dickköpfigkeit haben die beiden so gut wie nichts gemein. Aber was passierte nach dem Vorfall, dass Radzinsky zwar Dienst im Schwan hatte, aber sonst kein Mitspracherecht mehr besaß. Ich denke hier gibt es noch einige große Lücken, die Staffel 6 füllen sollte, denn bislang ist kein nachvollziehbarer Grund zu erkennen, weshalb Radzinsky etwas davon gehabt hätte, wenn im Orientierungsfilm nicht mehr darauf hingewiesen würde, dass man den Computer nur zur Codeeingabe gebrauchen darf. Der Code selbst wiederum wird im Orientierungsfilm nicht einmal erwähnt. Der Zuschauer wird mit Informationen nur so bombardiert, aber den Code „4 8 15 16 23 42“ nennt man ihm nicht, obwohl das doch das wichtigste ist. Wobei sich da dann gleich die Frage anschließt, weshalb dieser Code überhaupt notwendig ist? Würde es nicht genügen, einfach einen Knopf zu drücken und gut ist? Das ist aber noch lange nicht die letzte Ungereimtheit rund um den Film.

So wird etwa das Foto von Alvar Hanso laut Lostpedia von der Hanso Foundation selbst auf 2003 datiert – 23 Jahre nachdem der Film entstanden sein soll. Wieso erfahren wir aber überhaupt davon? Wusste Chang, dass der Schwan länger existieren würde als die Dharma? Denn in keinem anderen Orientierungsfilm wird etwas über die Hintergründe der Initiative erklärt. Wobei auch diese Hintergründe eine Menge weiterer Fragen aufwerfen: Das Bild, was uns hier von der Dharma geschildert wird, hat mit dem, was wir auf der Insel sehen, nur wenig zu tun, denn von einer weltweit operierenden Gemeinschaft aus Forschern und Freidenkern ist wenig zu erkennen, wenn die Losties im Jahr 1977 landen. Die Lehren Burrhus Frederic Skinners wiederum treffen eher auf die Anderen zu als auf die Dharma. Zwar sind der Raum 23 und die Käfige der Hydra mit Skinners Forschungsergebnissen und Experimenten in Verbindung zu bringen, doch seine soziologischen Gedankengänge treffen auf die Dharma eher weniger zu, obgleich sowohl Dharma als auch Skinner auf dem Gebiet der Utopischen Sozialwissenschaften forschten. Doch eine „gerechte“ Gesellschaft, in der wie in Skinners Roman „Walden Two“ durch Manipulation Herrschaft ausgeübt wird, findet sich ganz klar bei den Anderen und nicht bei der Dharma. Das sind Bens Methoden, nicht die der DeGroots. Die Dharma ist eindeutig eine hierarchisch gegliederte Gesellschaft mit einer festen Aufgabenteilung, vergleichbar mit dem Gesellschaftssystem der Alten Ägypter.

Die anderen genannten Forschungsfelder lassen sich in den Stationen auf der Insel wiederfinden. Schwan und Orchidee beschäftigten sich beide mit Elektromagnetismus, die Perle mit Psychologie und Überwachung, die Hydra diente für Zoologische Forschung und Meteorologie kann man so ziemlich überall studieren, obgleich der Sturm hier eine naheliegende Möglichkeit wäre. Bliebe noch die Parapsychologie und die... sagen wir mal so: die ganze Insel ist eine einzige parapsychologische Forschungseinrichtung.

Finanziert wird der ganze Mumpitz von Alvar Hanso. Aber wer ist eigentlich Alvar Hanso? Ja, ja, ich weiß: „ein dänischer Industrieller und Rüstungsmagnat“. Aber das ist ja längst nicht alles! Zunächst einmal ist er der Enkel von Magnus Hanso, dem Kapitän der Black Rock und der ist höchstwahrscheinlich verwandt mit Tovard Hanso, der das Hauptbuch der Black Rock versteigern ließ. Es wechselte in den Besitz von Charles Widmore, der wiederum Chef der Widmore Corporation ist, die unmittelbar mit der Hanso Foundation und Paik Heavy Industries zusammenarbeitet. Tja, und da kommt man doch erstmals ins Stocken. Zunächst einmal muss man eine Frage in den Raum werfen: Wie konnte Charles Widmore in weniger als 12 Jahren vom Anführer der Buschmenschen zu einem der einflussreichsten und wohlhabendsten Geschäftsmänner der Welt werden? Diese Lücke in Charles Biographie wird von Staffel 6 zu füllen sein. Wer weiß, am Ende schloss er einen Faustischen Pakt mit „Samuel“? Zuzutrauen wäre es ihm. Oder aber Charles hatte dieses Vermögen schon vorher? Denn dann hätte er wie Darth Sidious bei „Star Wars“ auf beiden Seiten die Fäden in der Hand gehalten. Sowohl in der Dharma als auch bei den Feinden hätte er in der Chefetage gesessen oder zumindest großen Einfluss auf sie gehabt.

Welche Rolle spielt aber Alvar Hanso selbst. Es ist gewiss kein Zufall, dass die Beziehung seiner Familie zur Insel bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht. Ferner soll Alvar Hanso 112 Jahre alt sein, sieht aber nicht wirklich so aus. Kommt einem doch irgendwie bekannt vor... Nicht viel ist über Alvar Hansos Leben sonst noch bekannt. Man könnte meinen das es nicht zusammenpasst Rüstungsmagnat und Philanthrop zu sein, doch hier stimmt es wohl, da Hansos Waffenexporte währen des zweiten Weltkrieges an Widerstandbewegungen gegen die Nazis gingen und er im Kalten Krieg für Nato und UNO defensive Waffensysteme konstruierte. Man kann nur hoffen, dass Staffel 6 diese mysteriöse Figur noch einmal aufgreift, denn sonst wären Inhalt der Lost Experience und des Orientierungsfilmes ziemlich zusammenhangslos und einfach in den Äther gebrabbelt.

Nachdem Locke, Jack und wir nun einiges über die Dharma wissen und somit alle Klarheiten restlos beseitigt sind, kommt Chang/Candle/Wickmund/Halowax/Miles’ Daddy nun endlich zum Wesentlichen. Eigentlich sollte jedes Zweierteam 540 Tage in der Station sein – Des, Kelvin und Radzinsky waren definitiv länger da. Warum kamen Essenslieferungen, aber keine Ablösung? Was ist passiert? Okay, Charles Widmore ist passiert, schon klar, aber irgendwer von der Dharma ist ja noch da draußen und schickt mit Rosinenbombern Carepakete. Nur wer?

Ähnliche Fragen stellt Jack auch Desmond, währen sich Locke den Film ein zweites Mal ansieht. Er fragt nach der Initiative, Essenlieferungen und dem Absturz – Desmond gibt entweder zu verstehen, die Antwort nicht zu kennen, oder er weicht der Frage aus. Darauf, dass er Jack wiedererkannt hat, geht er auch nicht mehr ein. Vermutlich ist er sich zu diesem Zeitpunkt nicht einmal sicher von wann und wo er Jack kennt. Als Desmond den vermeintlich reparierten Computer wieder anstartet, fliegt ihm der Kasten um die Ohren. Obgleich er noch 49 Minuten übrig hätte, das Teil zu reparieren, flieht er. „It’s over!“ („Es ist gelaufen!“). Der gibt aber schnell auf! Jack folgt Desmond, der in Richtung Elizabeth unterwegs ist, und lässt John im Schwan zurück. Warum verlässt Desmond die Station so rasch? Zum einen natürlich aus Angst. Er will soweit von der Insel weg sein wie möglich, wenn sie hopsgeht. Aber er sieht auch eine Chance endlich aus der Verpflichtung, die Taste zu drücken, rauszukommen, denn wenn Sayid den Computer repariert bekommt, haben die Losties ein Interesse daran bewiesen, die Taste selbst weiter zu drücken. Wenn Desmond dann nicht mehr anwesend ist, ist er aus dem Schneider.

Nachdem Jack John im Schwan alleine zurückgelassen hat, tickt der total aus. Wieder zeigt sich John Ungeduld und Wut. Den Test der Insel, mit dieser Situation besonnen umzugehen, besteht John nicht. Er wird wütend, klagt die Insel an: „Why is this happening like this? What do you want? What do you... What am I supposed to do?!“ („Warum passiert das so? Was erwartest du ? Was willst... Was bin ich bestimmt zu tun?“) Hier zeigt sich mal wieder auf was für wackeligen Füßen Johns Glaube doch steht. Hatte er Charlie nicht einmal gesagt, dass die Insel ihn leiden ließe, damit er stark wird? Johns Überzeugung beginnt sofort zu bröckeln, sobald er vor einer Aufgabe steht, die von ihm verlangt, sich selbst etwas einfallen zu lassen. Vergleichen wir John nun mit Ben, müssen wir doch sagen: Bens Glauben ist weitaus gefestigter. Er hinterfragt zwar, was die Insel ihm aufträgt, aber geht dennoch gefestigt seinen Weg. John ist fanatisch, so fanatisch, dass er glaubt, er selbst müsse nicht selbst aktiv werden. Ben hingegen hat als einzige Maßgabe die Insel zu schützen, ob sie ihm nun hilft oder nicht. Selbst als sie sich komplett von ihm abwendet, ist er nicht bereit sie zu verraten. Mehr noch: er hilft, Jacob zu ermorden, weil er glaubt, dass es der Wille der Insel ist. Ben ist in seinem Glauben unerschütterlich ohne dabei seinen Verstand auszuschalten und fanatisch zu werden. John hingegen kommt sofort ins Wanken, wenn jemand oder etwas an seinem Glauben kratzt bzw. sich die Dinge anders entwickeln, als er angenommen, geglaubt hat. John ist so voll von Zweifeln, dass es ihm schwer fällt zu glauben, obwohl er es möchte – „It has never been ‚easy’!“ („Es war niemals ‚leicht’!“). Er präsentiert seinen Glauben, kehrt ihn nach außen und versteckt so seine Zweifel, vor sich selbst, vor der Insel und vor allem vor Jack. Und damit sind wir nun auch endlich bei Jack angekommen:

In dieser Folge gibt es wieder eine Menge Hinweise darauf, dass Jack mehr weiß und daher auch etwas anderes meint, als wir und auch John, Des und Kate daraus lesen. Seine Aussagen gehen über das hinaus, was offenkundig ist. Zunächst verhält sich Jack nur herrisch, unausstehlich: „Don’t tell me what to do!“ („Sag mir nicht, was ich tun soll!“) Doch wieso ist er so erpicht darauf, dass John und Des aufhören, die Taste zu drücken, den Zähler auf Null laufen lassen. Jacks Verhalten beginnt merkwürdig zu werden, als er und John den Film ansehen. Obgleich Jack sagt, dass er nichts von alledem glaubt, ist er weitaus nervöser als John. Den Film guckt er nur widerwillig, ein zweites Mal will er ihn nicht sehen. Warum? Wäre es denkbar, dass er den Film schon kannte? Wenn Jack in einer Zeitschleife festhängt und weiß, was es mit dem Schwan auf sich hat, will er Desmond und John vielleicht wirklich davon überzeugen, den Zähler auf Null laufen zu lassen, um so die Zeitschleife zu unterbrechen: denn der Schwan ist der Dreh- und Angelpunkt von Jacks Schicksal. Was hat Jack zu verlieren, wenn John die Taste drückt? Warum ist es ihm so wichtig John von seinem Weg abzubringen? Aber auch Desmond will er vom Gegenteil überzeugen. Doch vielleicht ist das Spiel, von dem Jack spricht, gar nicht die Taste, sondern die Insel selbst. Jack agiert hier wie „Samuel“ als eine Art Verführer, jemand, der die beiden Gläubigen von ihrem Pfad abbringen will.

Jack lässt John alleine („We do nothing!“) und folgt Desmond, der, als Jack ihn einholt, denkt, er sei ihm wegen dem Code gefolgt. Mit einer unverständlichen Wut und Überzeugung brüllt Jack: „Nothing is going to happen!“ („Nichts wird passieren“) Doch sehr viel faszinierender ist noch der bedeutungsschwangere Ausbruch: „Why are you running? You don't even know what you're running from!“ („Warum läufst du davon? Du weißt doch nicht einmal wovor du davon läufst!“) Die Art und Weise wie er das sagt, klingt fast wie: „Ich weiß es, du aber nicht! Ich weiß es, weil ich die Bombe gezündet habe, wegen der es zu dem Vorfall kam! Ich weiß es, weil ich schon miterlebt habe, was passiert, wenn der Zähler auf Null springt! Und weißt du was? Ich will, dass es passiert, damit all das endlich ein Ende hat!“

Desmonds Fragen weicht er aus, entgegnet ständig: „It doesn’t matter“ („Es spielt keine Rolle“). Doch Desmond trifft zielsicher nicht nur Jacks Achillesferse, sondern auch das, was sie beide gemein haben. Sie beide haben die Frau, die sie geliebt haben, verloren, ehe sie auf der Insel strandeten. Das schlimmste daran ist: Sie beide sind selbst schuld daran! Desmond verlässt Jack, der weinend zusammensackt, mit den Worten: „See ya in a another life, yeah?“

Sayid hat derweil den Computer repariert und John tippt den Code ein: 4 8 15 16 23 32. „It’s not 32, it’s 42!“ („Es ist nicht die 32, es ist die 42!“), sagt Jack, als er den Schwan erreicht, kurz bevor John die Taste drücken kann. Jack ist sich sicher. Hat der sich die Zahlen aber schnell gemerkt, obwohl er sie gar nicht wissen wollte... faszinierend!

Aber der Rest dieser Szene ist dann schon fast etwas gruselig, so viel Subtext fließt da mit ein. Jack ist völlig verzweifelt, hat Tränen in den Augen. Hier geht es nicht mehr nur um den Knopf. Wenn Jack weiß was passiert, dann ist er so fertig, weil er nicht die Kraft hatte, es passieren zu lassen. Er will nicht noch einmal nachgeben, den Kreislauf nicht auch noch selbst im Spiel halten. Doch wenn er nicht weiß, was passiert, wenn es wirklich eine Frage des Glaubens ist, dann ist er über seinen eigenen Zweifel erbost. Und John? John geht es auch nicht nur um die Taste, es geht darum, Jacks Glauben zu prüfen. John will herausfinden, ob Jack in der Lage ist zu glauben. Dabei hat Jack schon längst bewiesen, dass er das Zeug zum Fanatiker hat, allerdings in der entgegengesetzten Richtung. Dann fällt der alles entscheidende Satz, die Frage, die die Beziehung zwischen John und Jack auf den Punkt bringt: „Why do you find it so hard to believe?“ („Warum fällt es dir so schwer, daran zu glauben?“) Was antwortet Jack? „Why do you find it so easy?“ („Warum fällt es dir so leicht?“) Wenn Jack in einer Zeitschleife steckt, könnte er hier versucht haben, John zu retten. Letztlich ist es nämlich genau dieser fanatische Glaube, der John tötet und somit auch zu Jacobs Tod führt. Es geht schon längst nicht mehr um die Taste, es geht um Autorität und Glaube, aber auch darum, wer bereits ist zu zweifeln. John erwidert Jack: „It's never been ‘easy’!“ („Es war niemals ‚leicht’!“) John legt Jack seine Zweifel offen und bittet ihn um Hilfe. Er will, dass Jack mitzieht, weil er jemanden sucht, der bereit ist, mit ihm zu glauben: „I can't do this alone, Jack. I don't want to. It's a leap of faith, Jack.“ („Ich kann das nicht alleine tun, Jack. I will es nicht. Es ist eine Frage des Glaubens, Jack.“)

Dienstag, 20. Oktober 2009

Ein Opfer, das die Insel verlangt hat

Tag 25 – 16.10.2009:

Zeit für den Deus Ex Machina. Aber was ist eigentlich ein Deus Ex Machina? Ich schätze mal, dass die wenigsten, die nicht Latein hatten und sich überdies mit Germanistik bzw. der Dramatik als Literaturform beschäftigt haben, das wissen. Als die Episode das erste Mal lief, wusste ich es auch noch nicht, daher halte ich eine kurze Erklärung des Begriffs mal für angebracht – zunächst zur Übersetzung: „Deus“ = „Gott“ – taucht heute noch oft in Kirchenliedern auf oder auch in der weiblichen Form „Dea“ im Namen einer Tankstellenkette, deren Namen ich wegen der Schleichwerbung natürlich nicht direkt ansprechen kann^^. „Ex“ (oder einfach nur „e“) heißt nicht wie einige jetzt meinen könnten „ehemalig“, sondern „heraus“ – wie etwa in „explodieren“, „emigrieren“ („auswandern“) oder „exzerpieren“ („herausziehen“). Okay, was „Machina“ bedeutet kann sich wohl wirklich jeder denken. Der Deus Ex Machina ist also der „Gott aus der Maschine“. Gemeint ist damit aber heutzutage eine nicht sehr elegante, aber häufig verwendete Erzähltechnik. In den antiken griechischen Tragödien wurde ein nicht mehr zu lösendes Problem am Ende oft dadurch gelöst, dass einer der Götter auftrat und das Problem aus der Welt schaffte. Oder aber er trat auf um der Geschichte eine plötzliche, überraschende Wendung zu geben. Um den Gott jedoch als solchen kenntlich zu machen und von den anderen Figuren abzuheben, ließ man ihn meist mit Hilfe einer Maschine auf die Bühne „schweben“. In modernen Dramen, aber auch Filmen und Serien bezeichnet Deus Ex Machina also ganz allgemein einen gegen Ende auftauchenden Charakter, der entweder die Problematik auflöst oder der Story eine überraschende Wendung gibt, oder eine nicht zu erahnende Wendung selbst. „Lost“ bildet wohl einige der wenigen Ausnahmen im Gebrauch dieser Erzähltechnik, da sie hier wirklich geschickt genutzt wird ohne ironisch gemeint zu sein (ein berühmtes Beispiel für einen satirischen Deus Ex Machina findet man in Brechts „Dreigroschenoper“). Zumeist ist ein Deus Ex Machina mehr eine aus der Verzweiflung geborene Figur nicht sonderlich talentierter Autoren. Ein Lost-Charakter hat sich den Titel Deus Ex Machina mehr als redlich verdient und wir haben keine Ahnung, was er durchmachen musste, um dahin zu kommen.

Warum die „Lost“-Autoren nun ausgerechnet dieser Folge den Titel „Deus Ex Machina“ gaben, sei mal dahingestellt, denn mir würden etliche Episoden einfallen, wo der Titel mehr zugetroffen hätte. Aber auf unseren Deus Ex Machina (könnte generell ein neuer Spitzname für Jacobs Gegenspieler werden – denn er hat ja bisher so wenige) gibt es in dieser Folge wieder einige Querverweise, denn es geht mal wieder um Betrug, Verrat, Geduld, Fallen und natürlich auch um Schlupflöcher. Es scheint mir sinnig, die Handlungsfäden komplett getrennt voneinander zu betrachten, obgleich sowohl Insel- als auch Flashback-Handlung in dieser Folge gleichwertig brisant sind wie sonst nur in Folgen, die einen der Anderen zentrieren – okay, jetzt werden einige sagen: „Tut die doch!“ Aber ihr wisst, dass es vor allem darum geht, dass man sonst eigentlich nur dann derart den Atem anhält, wenn die Flashbacks auch die Geschichte der Insel aufdecken.

Also ab in einen Spielwarenladen – überhaupt eine sehr angenehme Location (außer kurz vor Weihnachten): Locke erklärt hier den Kampf zwischen Jacob und „Sam... mein, Fehler! Natürlich erklärt Locke lediglich das Spiel „Mouse Trap“. Gaaaaaaanz zufällig ist das auch Johns Lieblingsspiel. Konnte er schon mal für die Insel üben, denn so groß ist der Unterschied zwischen Wildschweinen und Mäusen nun auch nicht, außerdem funktioniert es aber auch mit annähernd glatzköpfigen Spielwarenverkäufern, die eine Niere zuviel haben, reichen Ehefrauen, deren Männer ein paar Millionen zu viel haben, und natürlich mit teppichknüpfenden „Göttern“, die eine ganze Menge Selbstvertrauen zu viel haben. Letztlich bleibt festzuhalten, dass wir nun das dritte Spiel gefunden haben, das eine Analogie zur Handlung von „Lost“ darstellt: Backgammon, Schach und nun „Maus reiß aus!“ (da haben sich die deutschen Übersetzer – anders als meine Wenigkeit – mal wieder nicht die Mühe gemacht, zu recherchieren wie das Spiel bei uns nun wirklich heißt und es einfach „Fang die Maus“ getauft). Was haben all diese Spiele gemeinsam? Zunächst einmal gibt es zwei Seiten – „eine ist hell, eine dunkel“. Während Schach jedoch rein strategisch ist, beinhalten die anderen beiden durch den Würfel auch ein Zufallselement. Verbleiben wir mal kurz bei diesen drei Spielen und ihrem Bezug zu „Lost“ – beginnen wir mit dem wohl präsentesten und treffendsten: Schach.

Der Kampf zwischen Jacob und „Samuel“ kommt einem Schachspiel eigentlich am nächsten. Die beiden Könige sind nicht in der Lage sich selbst zu schlagen, weil man sich mit dem eigenen König ins Schach begeben müsste, um in Schlagweite zu kommen. Es ist also mindestens eine weitere Figur von Nöten, um den gegnerischen König matt zu setzen. Des weiteren wird kein Schachspieler widersprechen, wenn ich sage: manchmal können es sogar die eigenen Figuren sein, die einem zum Verhängnis werden, weil sie entweder dem Gegner Deckung geben oder einem selbst im Weg stehen – ist zwar selten, kommt aber vor. Vor allem ist Schach aber ein Spiel, bei dem man seinen Gegner einschätzen können muss. Man muss mögliche Züge gegnerischer Figuren lange im Voraus berechnen und jeden noch so kleinen Bauern genau im Blick behalten. Die denkwürdigste Schachpartie bei „Lost“ bekam sogar ihre eigene Mobisode und wiedereinmal verlangt Ben uns Respekt ab, denn wer es schafft beim Schach zu bescheißen, hat es schon wieder verdient zu gewinnen, denn so einen Gegner muss man auch erst mal finden. Ferner muss Locke den Schachcomputer der Flamme schlagen, um die Station zu sprengen. Aber auch Mathias und Henrik spielen Schach.

Backgammon, was ich offengestanden noch nie gespielt habe, ist eine Mischung aus Glücks- und Strategiespiel und beinhaltet somit auch die beiden in „Lost“ immer wieder thematisierten Faktoren: Schicksal und freier Wille. Aber was ist nun mit „Maus reiß aus!“? Wie uns Locke hier erklärt, muss man in diesem Spiel aus mehreren Einzelteilen eine Falle konstruieren und deren Auslösung exakt timen, um den Gegner zu besiegen. Die Parallelen zum Kampf zwischen Jacob und „Samuel“ braucht man da wohl schon nicht mehr aufdröseln.

Bereits in dieser Szene wird John von der Therapeutin aus „Eiskalte Engel“ (falls ihr euch gefragt habt, warum euch die Schauspielerin so bekannt vorkommt) angesprochen und nach Bällen gefragt. Auf dem Parkplatz steht sie dann wieder rum und als John ihr hinterher will, wird er angefahren. Auch das ist mittlerweile ja keine Seltenheit mehr bei „Lost“: Michael, Nadia (vermutlich kein Unfall) und zwei Andere (bei denen war es aber definitiv kein Unfall). Wirklich interessant wird es aber erst, als John mit Emily einen Kaffee trinken geht und sie ihm eröffnet, sie sei seine Mutter. Jetzt wissen wir zwar, dass alles, was sie ihm so erzählt, dem einen Zweck folgt, Anthony eine Niere zu besorgen, damit der ihr Geld gibt. Echt klasse Eltern hat unser John da... mal wieder etwas, das er mit Ben, aber auch Daniel, Penny, Sun, Kate, Boone und Shannon gemein hat. Doch würden wir nur für einen Moment mal annehmen, es sie kein Vorwand und sie würde die Wahrheit sagen, dann würden wir hier einige bemerkenswerte Hinweise erhalten. Emily bezeichnet John als „special“ („besonders“) und meint ihr Zusammentreffen, sei ein Vorbote großer Ereignisse. Sie behauptet sogar, John sei eine unbefleckte Empfängnis gewesen. Obgleich ich persönlich nicht viel von der Theorie halte, John könnte Jacobs Sohn sein, wäre das ein Indiz, was dafür spräche, da hier ein ganz klarer Bezug zu Jesus Christus aufgebaut wird, den wir in so eindeutiger Form allenfalls noch bei Ben, Aaron oder Jacob selbst finden können. Cooper meint über die Story mit der unbefleckten Empfängnis selbstgefällig: „Really? Well, I guess that makes me god, huh?“ („Wirklich? Tja, dann schätze ich, dass macht mich dann wohl zu Gott, hä?“). Selbstverständlich spricht aber der Rest dieser Episode gegen Jacob als Johns Vater, denn wäre John Jacobs Sohn, wäre er kaum der Idealspender für Anthony Cooper.

Der muss seinen Sohn allerdings erst einmal ordentlich einlullen und braucht dazu einen verdammt langen Atem (gut für ihn, dass er’s an der Niere und nicht an der Lunge hat^^). Von Anthony Cooper lernt John zumindest eines, was ihm und anderen auf der Insel mehr als nützlich sein wird: das Jagen. Vielsagend ist hier vor allem die Szene mit den Vögeln: Erst müssen sie aufgescheucht werden, ehe man sie erlegen kann. Dass Cooper eine Niere von John will, bringt er natürlich nicht selbst zur Sprache – ganz im Gegenteil: er gibt sogar vor, seine Erkrankung vor John verstecken zu wollen. Ferner sagt er vor der OP zu John: „See you on the other side, son.“ („Ich seh’ dich auf der anderen Seite, Sohn“) Später einmal wird John froh sein, dass ihm eine Niere fehlt. Allerdings stellt sich da bis heute die Frage, ob Ben in Kenntnis von John Krankengeschichte auf die Entfernung nicht absichtlich dahin geschossen haben könnte, um John einem letzten Test zu unterziehen, denn wie sagte Ben: „Dann wollen wir hoffen, dass er jetzt dir hilft!“ Als John Coopers perfiden Plan durchschaut, ist es schon zu spät und John läuft wie ein Panter im Käfig vor dem Zufahrtsgitter von Coopers Villa auf und ab. Er ist so rasch aus dem Krankenhaus abgehauen, dass die Wunde von der OP nicht richtig verheilt war – man sieht einen Blutfleck an Johns Rücken. Auch am Ende der Inselhandlung sehen wir John verzweifelt, wütend und mit Blut am Rücken um Einlass flehend. Doch ehe er fluchend gegen die Luke hämmert, ist noch einiges passiert.

Die Inselhandlung beginnt mit John und Boone beim Bau eines Trebuchets (ihr seht: da ist ein „T“ am Ende – zumindest im Nominativ, da das jetzt ein Genitiv ist, ist eigentlich ein „s“ am Ende, aber wir wollen ja nicht kleinlich sein). Mich wundert irgendwie, dass aus dem Inneren der Luke – also von Desmond – so gar keine Reaktion kommt und auch später nie davon gesprochen wird, dass Locke eine aus Bambus und Wrackteilen gebastelte Blide auf sein Dach krachen ließ. Übrigens ist Boones Einwand gar nicht so verkehrt, denn Katapult ist lediglich der Überbegriff für alle Arten von mechanischen, schweren Wurfapparaturen und –Waffen also auch für Trebuchet/Blide, Balliste, Onager, Warwulf etc.. Bei dem Unfall mit dem Trebuchet verletzt Locke sich das Bein ohne es zu bemerken: er beginnt das Gefühl in den Beinen zu verlieren. Die Mächte der Insel fangen damit an Boones Tod vorzubereiten.

Locke wartet begierig auf ein Zeichen der Insel, doch interpretiert er es falsch – aber das sollte er wohl auch. Wer schickt Locke seine Vision überhaupt? Die Insel selbst? Jacob? „Samuel“? Das Monster? Noch eine andere Kraft? Die Vision enthält Hinweise auf die kommenden Ereignisse. Locke konzentriert sich aber wie so oft nur auf das, was er auch sehen will: Die Beechcraft, deren Absturz er Jahre zuvor selbst miterleben wird. Doch was sagt ihm die Vision wirklich?

Boone ist wütend auf John, der sich und die Insel verteidigt und so seinen Glauben bestätigt. Dann kommt der langersehnte Hinweis, an dem Boone zweifelte, angeflogen. Emily zeigt gen Himmel – Lockes Mutter, in die er Vertrauen setzte und die ihn betrog. Plötzlich ist Boone blutüberströmt und sagt immer wieder: „Theresa falls up the stairs. Theresa falls down the stairs.“ („Theresa fällt die Treppe rauf. Theresa fällt die Treppe runter.“) Locke findet sich handlungsunfähig in seinem Rollstuhl wieder und brüllt: „Don't take it back!“ („Nimm es mir nicht wieder weg!“) Ist das nicht genau das, was an der Beechcraft später passiert? Locke ist unfähig zu klettern, also erklimmt Boone den Felsen und steigt in die Beechcraft, mit der er hinabstürzt und sich lebensgefährlich verletzt. Die Insel hat genau gesagt, was passieren würde, sogar dass er sich an Boones Tod so schuldig fühlen würde, wie jener an Theresas. Dass Theresa von Boone in der Vision erwähnt wird, war weniger dazu da, um Boone zu überzeugen, sondern war vor allem ein Teil der Botschaft an Locke. Warum also nimmt die Insel Locke seine Fähigkeit, wieder zu laufen, kurzzeitig wieder weg? Eben weil er so nicht ins Flugzeug klettern kann und Boone es tun muss. Nachdem die Beechcraft vom Fels gestürzt ist, kann Locke wieder laufen, trägt Boone zu den Höhlen und verschwindet danach binnen Sekunden im Wald, lässt Boone zum Sterben bei Jack zurück, weil der ihn aufgrund von Lockes Lüge falsch behandelt.

In Johns Vision ging es nie darum, ihm einen Weg in die Station unter der Luke zu weisen, sondern einzig und allein darum, dass die Insel mit Boone ein Opfer verlangte. John hat es ihr geliefert. Ob das Ganze nun tatsächlich nur darauf abzielte, Desmond vom Selbstmord abzuhalten, sei mal dahingestellt. Ich denke, dass da noch mehr dahintersteckt. Was werde ich wohl bei „Schade nicht“ näher thematisieren. Es gibt aber auch ein paar eindeutige Hinweise auf spätere Ereignisse in der Handlung von „Lost“, die mit der Beechcraft in Zusammenhang stehen: Der Funkspruch, den Boone absetzt, wird von Bernard beantwortet; als die Beechcraft auf dem Boden auftrifft ist kurz ein hohles, metallischen Geräusch zu vernehmen, weil das Flugzeug auf die Luke zur Perle aufgeprallt ist; die Leichen der Priester sind ein Hinweis auf Eko und Yemi; die Drogen verweisen schon hier auf eine weitere Prüfung für Charlie – ähnlich wie bei Hurley mit dem Essen in „Dave“. Gleichzeitig sind die Statuen mit den Drogen natürlich auch von einer gewissen Ironie geprägt – wie schon Marx sagte: „Religion ist Opium fürs Volk!“ Und machen sich die Mächtigen der Insel nicht genau das zunutze? Zeigen John Visionen, heilen ihn, machen ihn zu einem Gläubigen, indem sie ihm kleine Geschenke geben, um ihn so kontrollieren zu können.

Gucken wir uns zu guter letzt noch mal eben die Story um Sawyers Kopfschmerzen an. Ein paar Dinge sind mir auch da aufgefallen. James erwähnt gegenüber Jack, sein Onkel sei an einem Gehirntumor gestorben – also mal wieder einer mit Krebs. Nur hat man den anders als Ben, Rose und Rachel doch schon längst wieder vergessen. Sawyer braucht also eine Brille. Aber warum zum Teufel hat Jack tatsächlich welche parat? Hat der zusammen mit den Medis jetzt also auch Brillen gehortet, falls mal einer plötzlich an Fehlsichtigkeit erkrankt? Okay, genau das ist passiert, aber genau das ist ja so ungewöhnlich. So was ist ein schleichender Prozess, der nicht nur mit Kopfschmerzen, sondern vor allem mit trockenen, gereizten Augen einhergeht. Und zu Hurleys Kommentar: „Dude, it looks like someone steam rolled Harry Potter.“ („Alter, scheint wohl als stünde einer da voll auf Harry Potter.“) kann ich nur sagen: da kannte er den jungen Ben wohl noch nicht^^.

„Schade nicht“ kommt wohl gegen Abend. Wir lesen uns!