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Mittwoch, 6. Januar 2010

Gastbeitrag von Furya: "Lockdown"/"Verriegelt"

Moin, mojn, während ich noch an dem ersten Teil meiner Review zu "The Incident" rumdoktor hat Furya es nun geschafft "Lockdown" fertig zu bekommen und ich hab mich natürlich sofort an die Überarbeitung gemacht. Also auf, auf:

Lockdown

Ohne große Umschweife fang ich auch direkt mit dieser durchaus interessanten Folge an. Zu Beginn erblicken wir Locke, wie er einen Picknickkorb zusammen packt, und wir sehen auch gleich den Ring, mit dem er sich an Helen binden will. Beim Schauen musste ich unweigerlich an Desmond denken, obwohl ich mich dann beim zweiten Rewatch gefragt habe wieso. Zwar will der Penny mit einem ganz ähnlichen Ring einen Antrag machen, aber die Umstände sind doch irgendwie anders. Naja sei's drum, die gute Helen kommt dann direkt auch dazu und fragt, ob sie helfen kann. Eine echt Gute is' das. In diesem ersten Dialog sagt Locke dann ein Wort, was mich ein wenig aufhorchen ließ: „fella“. Es ist mir bis jetzt noch nie bei Locke aufgefallen und Helen anscheinend auch nicht, denn sie wird genauso stutzig wie ich. Also hab ich mich mal ein wenig in die Weiten des Internets gestürzt und recherchiert. Das Wort kommt, natürlich, aus dem englischen, wo es von dem Wort „fellow“ abstammt. Ich hatte zunächst gedacht, dass es etwas mit dem Wort „follow“, also folgen zu tun hat. Schon deswegen fand ich die Wortwahl interessant. Denn Locke, nein, Flocke werden später viele Menschen und Richard folgen. Doch „fella“ hat eine gänzlich andere Bedeutung, was noch interessanter ist. Ein „fella“ ist ein Gleichgestellter, ein Kumpane. Er ist im Rang dem Gesprächspartner ebenbürtig. Und eigentlich trifft das nicht nur auf Helen zu, sondern viel mehr noch auf Locke. Schon durch dieses eine Wort wird die völlig andere Politik von Locke im Gegensatz Jack deutlich: Er sieht alle als gleichgestellt an, bevorzugt keinen und stellt sich selbst nicht über die Gruppe. Das wird vor allem in Staffel 3 deutlich, als er im Camp fragt, wer denn gern mit zur Perle kommen möchte. Er setzt zwar auch später seinen eigenen Willen durch, zwingt jedoch niemanden, ihm zu folgen. Er lässt jedem die Wahl. So und jetzt analysieren wir das nächste Wort. Kleiner Scherz, so penibel bin ich dann doch nicht. Aber einen Satz kann man in diesem Dialog durchaus noch finden, der interessant ist. „ I’ll take care of everything“ ("Ich kümmer mich um alles"). Auch das trifft voll und ganz zu. Locke kümmert sich um den Knopf im Schwan, um "Henry" in der Waffenkammer, später dann um das Zurückbringen der Oceanic 6. Er kümmert sich wirklich um alles. Als letztes heißt es dann noch, dass Cooper tot sei, doch dazu später mehr.

Ich möchte nur kurz anmerken, dass "fella" in der deutschen Synchronfassung durchaus korrekt mit "Bursche" übersetzt wurde, doch ist die Konnotation von Bursche ganz im Gegenteil zu "fella" ja eher die eines Untertans, denn ein Bursche ist ja nicht nur ein junge, sondern auch ein Gehilfe wie in: Stallbursche, Laufbursche etc.

Auf der Insel befinden wir uns genau da, wo wir in „The Whole Truth“ aufgehört haben: "Henry" hat nach Milch gefragt. Andererseits stellt sich hier die Situation für Locke völlig anders dar. Er ist der, der nur zusieht, während Jack versucht mal wieder alles irgendwie wieder hinzubekommen. Er will unbedingt, dass "Henry" ihm die gleiche Karte zeichnet, die er auch Ana gemalt hat. Locke ist hier jedoch sehr viel intelligenter als Jack. Denn er hat die Uhr im Kopf. Ana ist schon ewig unterwegs. Selbst wenn es einen Hinterhalt geben würde, so würde Jack nie rechtzeitig ankommen, um sie zu retten. Doch Jacks Dummheit geht finde ich noch viel weiter. Denn selbst wenn er rechtzeitig ankommen würde, so wäre er allein ja mal so überhaupt nicht in der Lage, die Anderen in die Flucht zu schlagen (also mich würde als Anderer seine bloße Anwesenheit schon in die Flucht schlagen^^). Aber andere einweihen, dass kann Jack auch nicht. Damit würde ihm ja vielleicht die Kontrolle entgleiten und das kann er auf keinen Fall zulassen. Aber man kann das Ganze sogar noch anders betrachten, wodurch Jack sogar noch verblendeter wirkt. Denn wenn "Henry", so wie er es am Ende der letzten Episode gesagt hat, wirklich eine falsche Karte gezeichnet hat, eine Karte, die zu einem Hinterhalt führt, wieso sollte er denn Jack bitte die selbe Karte zeichnen? Er könnte Jack zu irgendeinem anderen Ort auf der Insel leiten und ihn dadurch vielleicht auch noch in einen Hinterhalt locken. Wenn "Henry" also wirklich einer der Anderen ist, so kann Jack ihm nicht trauen. Traut er ihm aber, so gibt er fast schon zu, dass Henry die Wahrheit sagt und wirklich nur abgestürzt ist. "Henry" redet sich natürlich ziemlich gut aus der Affäre, indem er sagt, es sei alles nur ein Scherz gewesen. Und hier wieder das Dilemma. Wenn man ihm traut, ist er kein Anderer, naja zumindest keine Gefahr. Wenn man ihm nicht traut, so kann man ihm auch nicht diese Aussage abnehmen. Jack hat also wirklich ein Problem. Aber weniger mit "Henry", als mit sich selbst, denn er ist einfach machtlos in dieser Situation. Das macht den guten Onkel Doktor natürlich wütend und er stellt Locke eine interessante Frage: „So, what's done is done?“ – „That's right.“ ("Was passiert ist, ist also passiert?" – "Das ist richtig") Da der Subtext dieser Aussage echt eindeutig ist, erspare ich mir mal die Ausführungen bezüglich Zeitreisen. Interessanter ist es jedoch mit der Theorie der Zeitschleifen. Denn dann wäre Jack zur absoluten Machtlosigkeit gezwungen. Denn wenn alles, was passiert ist, immer schon so passiert ist und man nichts ändern kann, selbst wenn man die Möglichkeit hätte, dann ist Jack nichts weiter als ein Zuschauer in einem Theaterstück, das er schon zum mindestens zweiten Mal sieht. Das soll jetzt nicht heißen, dass ich gegen die Zeitschleife bin, im Gegenteil. Denn hier spielen die Variablen eine gewisse Rolle, wie es schon ein gewisser Herr Faraday in den 70ern gesagt hat. In diesem Fall wäre nicht nur Desmond eine Ausnahme der Regel, sondern auch Jack. Denn ich bin mir sicher, wenn er in einer Zeitschleife steckt, so kann er Dinge ändern. Jack verabschiedet sich aber jetzt vorerst von den beiden (Jacob sei Dank!!!^^), nicht ohne Locke zu sagen, dass der "Henry" wieder einsperren soll. Locke will den guten aber erst mal zu Ende frühstücken lassen. Aber "Henry" ist ja nicht dumm (ganz im Gegenteil) und er bemerkt in dem Gespräch mit John und Jack, dass die beiden ihre Differenzen haben. Und er wäre nicht der Inselmanipulator, wenn er das nicht zu seinem Vorteil nutzen wöllte. So stößt er Johns Gesicht mit voller Wucht in den Kackahaufen von Jacks Macht. Aber selbst John lässt sich nicht alles gefallen und auch der flippt hier einmal aus. Er sperrt den kleinen "Henry" ohne Essen in die Waffenkammer und macht noch ein wenig Unordnung im Schwan. Doch auf wen ist Locke sauer? Sicher ist er auf Jack sauer, da der entgegen Lockes Überzeugungen handelt. Aber das ist nicht der Grund für den Ausraster. Vielmehr ist Locke auf sich selbst sauer. Denn er hat die Kontrolle verloren, er hat sich nicht um alles gekümmert. Parallele zum Flashback, ich hör dir trapsen. (Ok, der Spruch ist geklaut, sorry Anubis - kann man abgewandelte Redensarten überhaupt klauen?) Aber vorerst genug von Meister Propper (war das jetzt auch geklaut? Ich hab den Überblick verloren). Ich bin fast am Ende der ersten von 6 Seiten Notizen und da gehört es sich, einen Blick auf Sayid, Ana und Charlie zu werfen.

Die Suchen nämlich immer noch eifrig nach dem Ballon und dem Grab. Der Foltermeister steht also im Regen und hat so'nen Hals. Okay, das wirkt mal überhaupt nicht ohne Geste. Na gut, weiter im Text. Sayid steht also im Regen und er will "Henry" mit aller Macht nicht glauben und misstraut ihm. Was mich hier sehr gestört hat war, dass Ana bei weitem nicht so hasserfüllt war, wie eben Sayid. Der erinnert hier schon fast an Rousseau. Ana glaubt "Henry" zwar auch noch nicht so recht, jedoch lässt sie sich spätestens von Charlies Fund zumindest etwas überzeugen. Der hat nämlich ein Grab gefunden, zumindest schon mal etwas. Und als Ana dann bemerkt, dass es am Grab nicht regnet, wird auch endlich der Ballon gefunden. Ende gute alles gut.

Kleiner Scherz, ich bin noch lange nicht fertig. Was aber will uns diese Szene zeigen, außer das Sayid ein echtes Wutproblem hat. Ich finde hier das Symbol des Regens sehr interessant gesetzt. Denn Regen war bisher bei LOST nie ein gutes Zeichen. Ethan, Shannon, Walt-Visionen, irgendwas muss in dem Wasser sein, damit so was passiert. Nein, jetzt mal Ernst. Regen war bisher immer der Vorbote von schlechten Dingen, von Gewalt, von Unheil. Man könnte also als aufmerksamer Zuschauer darauf tippen, dass es wirklich einen Hinterhalt gibt. Erst als der Regen aufhört, scheint wirklich alles gut zu sein. Dass Sayids Paranoia da noch ein Wörtchen mit zu reden hat, erfahren wir aber erst später.

Als Boone und John die Luke finden, regnet es auch. Aber ist das nicht vielmehr ein ganz klassisches, filmisches Stilmittel? In den ersten zwei "Jurassic Park"-Filmen regnet es beim ersten T-rex-Angriff, in "Psycho" regnet es als Marion Crane das Motel erreicht, im letzten "Pirates of the Caribbean"-Film schüttet es bei der finalen "Schlacht" (okay, wohl eher ein "Schlächtchen") wie aus Eimern und im Herrn der Ringe könnte man meinen Helms Klamm stünde in irgendeinem Monsungebiet.

Erstmal geht’s zurück zu Jack. Der fragt Hurley nach Ana und Sayid, doch Hurley weiß überhaupt nicht, was überhaupt los ist. Er ärgert sich über die schlechte Informationspolitik. Hier mal der Dialog.

HURLEY: Well, that would, like, assume that anyone actually tells me anything.

Maybe if I were in the loop I could be more helpful.

JACK: There is no loop, Hurley.

Mir sind die Augen fast rausgefallen, als ich das gehört hab (nicht eher die Ohren?^^). Ich musste es mir ganz ehrlich auch mehrfach anhören, um wirklich den Dialog zu kapieren. Es ist schon verblüffend, dass in Staffel 2 schon Wörter fallen, die erst mit dem Staffel-5-Finale so richtig wirken. Vor dem Vorfall war es nur ein ganz normaler Dialog, jetzt kann man soviel hinein interpretieren. Hurley wäre also gern im „loop“. Man könnte das jetzt mal ganz wörtlich übersetzen und sagen, Hurley möchte in die (Zeit-)schleife. Jack sagt jedoch, dass es keine (Zeit-)schleife gibt. Wem sollen wir hier glauben? Ich finde das leugnen von Jack deutet eindeutig auf das Vorhandensein einer solchen Zeitschleife hin. Denn wir alle kennen Jack und seine Art, die Gruppe zu führen. Keiner darf etwas Wichtiges wissen, nur er. Doch warum sollte Hurley in die Zeitschleife hinein wollen? Was könnte Hurley verhindern wollen? Sicherlich das Öffnen der Luke durch Locke. Das hat er ja schon beim ersten Mal versucht. Sicher würde er auch Libbys Tod verhindern wollen. Aber würde er verhindern wollen, auf die Insel zu kommen? Denn auf der Insel geht es Hurley eigentlich besser als zu Hause. Er ist sein verfluchtes Geld los, er findet neue Freunde und sogar die Liebe. Es läuft also gar nicht so schlecht für Hurley. Wenn Jack aber in einer Schleife steckt, so will er sicher nichts sehnlicher, als alles zu beenden. Und das kann nur passieren, wenn er nie auf die Insel kommt. Da wäre der Ärger doch schon vorprogrammiert. Aber weiter im Kontext.

Claire kommt noch mit Aaron im Arm hinzu. Der scheint aber schon auf dem Weg der Besserung zu sein, es gibt also keinen Grund zur Sorge. Hurley verabschiedet sich unterdessen mit den Worten „Loop, dude. Loop.“ ("Schleife, Alter, Schleife." [Ok, das is ne echt beschissene Übersetzung von mir. Hier mal das Original - "Es gibt sie.. Auserwählte. "]) Wenn man mal das Komma weglässt und die beiden Wörter zusammenfasst, na was kommt da wohl raus? Richtig der Loopdude. Und zu wem sagt Hurley das? Richtig, zu Jack. Ich nenn Jack jetzt also nur noch Loopdude, einfach weil das so schön passt. Ne, mal wieder ernst, wenn man nur flüchtig hinhört, klingt es wirklich wie Loopdude. Und das ist auch wieder mal ein kleines Indiz auf die Zeitschleifentheorie.

Nach kurzem Gespräch mit Claire und der später hinzukommenden Libby (die ist, wie auch Hurley in Berührung mit einem Seeigel gekommen – Autsch) schaut Jack zu Sawyer. Der spielt nämlich gerade eine Runde Poker mit Kate und Hurley. Da hat sich der gute Hugo aber wirklich beeilt (spätestens seit "Verfluchte Zahlen" wissen wir doch: er ist "flink"). Die Drei spielen um Mangos, Papayas und Bananen.

Im Schwan sehen wir "Henry", wie er liest. Viel mehr kann er ja sowieso nicht machen. Locke radelt sich unterdessen den Frust weg. Er wirkt hier sehr nachdenklich, er sinniert wohl über die momentane Lage und sein Verhältnis zu Jack. Doch John wird abrupt aus seinen Gedanken gerissen, als eine Stimme ertönt. Erst kann man sie nicht so recht hören, die Musik ist zu laut. Locke stellt also den Plattenspieler aus und sucht dann nach der Quelle des Geräuschs. Erst schaut er im Dom nach, doch hier ist alles normal (seit wann?! ;-)). Wieder undefinierbare Geräusche und Locke findet endlich deren Ursprung: Ein Lautsprecher, der leise vor sich hin rauscht. Heimwerkerkönig John Locke (ich dachte Sayid wäre unser Heimwerkerkönig) schnappt sich einen Schraubendreher und versucht den Lautsprecher damit zu reparieren und tatsächlich wirkt es und der Lautsprecher erhebt schlagartig seine Stimme. „17 Minutes to Lockdown“ ("17 Minuten bis zur Verriegelung" - oder: "17 Minuten bis Locke am Boden ist!"). Durch die erhebliche höhere Lautstärke wird Locke verschreckt und Henry aufmerksam. Er fragt Locke noch schnell, was das denn gewesen sei, ehe wir auch schon am Grab von Anthony Cooper stehen.

Aber außer Locke, Helen und dem Priester ist nicht wirklich jemand da. „For we who are alive, who are left, will be caught up together with them in the clouds to meet the Lord in the air. And so we will live with the Lord forever.“ ("Und die, die wir am Leben sind und zurückbleiben, wir vereinen uns mit denen in den Wolken, denn wir treffen den Herrn in der Höhe. Und unser Leben ist mit dem des Herrn für immer verbunden.") Wir treffen uns also mit denen, die wir verloren haben, im Himmel beim Herrn wieder. Und wo trifft John Cooper irgendwann einmal wieder? Richtig, auf der Insel. Nun bezweifle ich ganz stark, dass die Insel der Himmel ist, ebenso wenig die Hölle, wie Cooper ja vermutet. Doch wenn wir den Ort mal außen vor lassen, so treffen sie sich beim Herrn wieder. Und das hört sich doch schon arg nach unserer Insel an. Der Herr Jacob hat nämlich schon etwas Göttliches an sich, immerhin altert er nicht. Locke und Helen sitzen also an Coopers Grab und Locke entdeckt die beiden schmierigen Gesellen, die zu ihm schauen. Als der Priester dann das Wort an John gibt, sagt dieser, dass er seinem Vater vergibt. Nette Geste, auch wenn ich das wohl nicht gesagt hätte. Aber gut, ich bin ja auch nicht John. Der bemerkt unterdessen übrigens eine silberne Limousine, die jetzt doch recht schnell den Friedhof verlässt.

Zurück im Schwan nervt "Henry" John mit seiner ewigen Fragerei. Dabei weiß der gute doch längst, was hier los ist. Immerhin hat er viele Jahre in der DI verbracht und er kennt auch die Perle und deren Funktion. Und da Inman und vor allem Radzinsky den Lockdown sehr oft herbeigeführt haben, sollte Benry das doch wissen. Ja, aber Ben würde doch ganz schön aus der Rolle fallen, wenn er nicht fragen würde, oder? [Anm. d. Red.]. Locke versucht unterdessen zu verstehen, was die Stimme ihm sagen will, doch "Henrys" Geplärr stört ihn dabei erheblich. Wir als Zuschauer verstehen jedoch, was da aus den Lautsprechern kommt, es ist ein Countdown. Und ehe Locke klar wird, was denn hier passiert, ist er auch schon von der Außenwelt abgeschnitten. Er schafft es gerade noch ein Brecheisen unter eine der Brandschutztüren zu schieben.

Am Strand unterdessen ist das Pokerspiel gerade auf dem Höhepunkt. Sawyer zieht Hurley und Kate ordentlich ab und der freut sich schon riesig auf den Obstsalat. Aber er hat nicht mit dem Loopdude gerechnet. Jack kann nämlich nicht nur super Golf spielen, er kann auch Pokern. Das hat er in Phuket gelernt. Was er dort noch so alles erlebt hat, erfahren wir erst in Staffel 3, aber auf jeden Fall kann er ziemlich gut Gedanken lesen. Oder aber er braucht nicht seine Psychokräfte, um die Karten zu kennen, da sie bereits in seinem Gedächtnis sind. Diese Szene ist wieder ein Indiz für die Schleife, denn Jack kennt die Karten von Sawyer und Hurley. Ich spiele selbst ab und zu Poker und bin auch gar nicht so ganz schlecht. Aber ohne im Spiel zu sein und ohne die jeweiligen Strategien des anderen zu kennen ist es verdammt schwer, das Blatt des Gegners zu erkennen. Jack hat aber vielleicht die Blätter schon einmal gesehen, weshalb er sich hier so sicher ist. Sawyer gefällt das natürlich gar nicht, denn der will Früchte. Also fordert er Jack heraus, der natürlich die Gelegenheit nutzt, um Sawyer Eins auszuwischen. Dass er dadurch nicht in den verriegelten Schwan kann, ist natürlich ziemlich blöd für Locke. Da er verriegelt ist, dürfte das mit dem Reinkommen so oder so problematisch sein.

Der weiß nämlich immer noch nicht so richtig, was denn hier vor sich geht. Die Lichter flackern und er ist durch ziemlich dicke Brandschutztüren vom Dom abgeschnitten. Warum er nicht selbst durch den Lüftungsschacht klettert um in den Dom zu gelangen, das ist eine Frage, die wir wohl nie beantwortet bekommen. Kein Bratöl zur Hand? Meine Theorie wäre: Ben und Kate sind beide klein, schmal und schmächtig und Locke ist doch ein ziemlich breitschultriger Brocken, der es im Lüftungsschacht schwer haben dürfte. Außerdem: Ich würde auch erstmal alle anderen Optionen ausschöpfen, bevor ich mich durch diese Rohre zwänge, denn da bekommt wohl jeder früher oder später Platzangst.

Im nächsten Flashback sehen wir Locke, wie er ein Haus untersucht. Irgendwie musste ich hier an Ethan denken, wie er am Anfang der dritten Staffel unter Juliets Haus heraus kommt. Eine gewisse Parallele gibt es hier schon. Nun ja, Locke ist zurzeit also ein Hausinspektor und untersucht gerade das zukünftige Haus von Noor Abed Jazeem, oder einfacher Nadia. Die will sich nämlich in L.A. (oder Umgebung) niederlassen. Das zeigt uns zumindest schon einmal, dass die FBI-Agenten Sayid nicht angelogen haben, denn Nadia ist tatsächlich in LA. Locke sagt ihr, dass mit dem Haus alles in Ordnung ist und das Nadia und ihr Mann nichts falsch machen, wenn sie das Haus kaufen. Nadia sagt, dass wenn sie einen Mann hätte, es ihm sicher gefallen würde. Locke entdeckt dann das gleiche silberne Auto, welches er schon auf dem Friedhof gesehen hat. Er geht hinüber und die Scheibe der Fahrertür geht runter. Und … *trommelwirbel* tada, es ist Anthony Cooper. Der ist nämlich gar nicht tot, zumindest noch nicht (zumindest das liegt in der Familie^^). Er hat das alles nur vorgetäuscht, um sich vor den Leuten zu schützen, die er betrogen hat. Hätte der das gar nicht erst gemacht, hätte er sich auch nicht umbringen müssen. Ums nochmal anzusprechen, Betrug ist böse und ein Verbrechen. Also, Anubis, nicht machen ;)

Wieso sagst du mir das? Ich krieg ja schon Schweißausbrüche, wenn ich mir nicht sehr legale Streams von "Lost", "Heroes" oder "Supernatural" vor der deutschen Veröffentlichung im Netz ansehe.

Die beiden trinken einen zusammen in einer netten kleinen Bar. Die Szene hat mich irgendwie an die Szene mit Sawyer und Christian in Sydney erinnert (also mich erinnert das mehr hieran). Überhaupt gibt es relativ viele Parallelen zu anderen Szenen in dieser Episode. Gut, das gibt es generell häufig be LOST, aber hier fällt es mir gerade besonders auf. Aber zurück zu Cooper. Der will, dass Locke das Geld aus der Bank holt und ihm so hilft. Ich konnte mich hier nicht des Eindrucks erwehren, dass Cooper irgendwie einen Nachfolger sucht. Er will Locke dazu bringen, ihm zu helfen und verspricht ihm dafür eine ordentliche Stange Geld. Bei einem andern als Locke hätte es vielleicht funktioniert. Der hätte sich von dem Geld einlullen lassen und vielleicht mehr gewollt. Doch nicht so John Locke. Der will nur, dass Cooper endlich aus seinem Leben verschwindet, so dass er selbst mit Helen in Frieden leben kann. Dass Cooper aber schon einen Nachfolger im Geiste hat, den er selbst erschaffen hat, weiß er zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht. Und Sawyer selbst weiß auch nicht mehr als den Namen desjenigen, der ihn zu dem gemacht hat, was er jetzt ist. In einem gewissen Sinne ist Cooper der Sayid für Sawyer. Sayid hat Ben zu dem gemacht, der er ist und Cooper Sawyer ebenso. Ohne die Taten von Sayid oder Cooper wären Ben und Sawyer vielleicht komplett andere Menschen geworden. Gut, Bens Fall ist sicher noch ganz anders geartet als Sawyers, schließlich wissen wir nicht, was genau mit ihm im Tempel passiert ist. Aber eine gewisse Parallele gibt es zwischen den beiden.

Unterdessen klärt Locke im Schwan "Henry" über die Verriegelung auf. Er bittet ihn um Hilfe, da er es allein nicht schafft, die Brandschutztür zu öffnen. "Henry" tut das aber nicht ohne Gegenleistung (da wär' er auch schön blöd). Er verlangt von Locke, dass er ihm verspricht, dass „seine“ Leute ("your people") ihm nichts tun. Genau das sagt übrigens auch Mr. Friendly zu Jack, als diese Michael verfolgen. Ein eindeutiges Indiz, das "Henry" nicht wirklich der ist, für den er gehalten wird. Aber das wissen wir ja längst. Aber "Henry" verlangt sogar noch mehr von Locke. „So I'm going to need your word that you'll protect me, no matter what.” ("Ich brauche also dein Wort, dass du mich beschützt, egal was passiert.") Wo wir wieder bei Staffel 5 wären. Denn da ist die Situation genau anders herum. Prinzipiell könnte "Henry" alles von Locke verlangen, um in Sicherheit zu sein, selbst seine eigene Freilassung. In Staffel 5 tut Flocke genau das gleiche mit Ben. Er zwingt in dazu, alles zu tun, was er ihm sagt. Denn das die Erscheinung von Alex mit Flocke etwas zu tun hat (wenn es nicht sogar die gleiche Person war) steht für mich eigentlich fest. Es passt einfach zu perfekt in den Plan.

Am Strand spielen Sawyer, Jack, Hurley und Kate unterdessen das Pokerspiel ihres Lebens. Sawyer kauft Jack seine Siegessicherheit nicht ab, er hat ja selbst auch wirklich kein schlechtes Blatt. Ein Damen-Drilling sollte eigentlich gewinnen. Aber das Wörtchen "eigentlich" ist schon ein kleines Miststück, denn es lässt immer die Option auf eben das Gegenteil bestehen. Und genau das tritt ein, denn Sawyers drei Damen haben gegen Jacks drei Könige nichts zu melden (das gilt aber auch nur beim Poker^^). Somit hat Jack alle Früchte gewonnen und Sawyer kann keinen Obstsalat machen. Da der den aber unbedingt haben will, erhöht er den Einsatz. Jack möchte gern um die medizinischen Vorräte spielen und Sawyer willigt ein. Und so geht das Spiel in die nächste Runde, diesmal ohne Hurley und Kate. Aber mit Jacks Siegessicherheit. Generell finde ich, dass Jack ein wirklich erhöhtes Selbstbewusstsein hat, wenn es um dieses Pokerspiel geht. Indiz für die Zeitschleife? Kates Schlussatz sollte hier auch erwähnt werden, könnte er doch sehr gut die Situation auf der Insel beschreiben. „Let's go leave these boys to their sandbox.“ ("Lass uns gehen und die Jungs im Sandkasten spielen.") Jetzt muss ich dazu sagen, bin ich auf diese Idee nur durch meine Leidenschaft für Computer gekommen. Es gibt sogenannte Programme, die Sandbox genannt werden. Diese stellen eine sterile Umgebung dar, in der einzelne Programme ausgeführt werden können. So kann ein eventueller Virusbefall des gesamten Systems verhindert werden. Die Sandbox ist vom eigentlichen System völlig abgegrenzt. Das ist die Insel in einem gewissen Sinne auch. Sie ist losgelöst von der Welt was Raum und Zeit angeht und es ist verdammt schwer, von der Insel zu kommen oder sie von der Außenwelt aufzuspüren. Es ist also eine Sandbox in unserer Welt. Eine andere Idee, die ich bei diesem Satz hatte war die der spielenden Jungen. Das ich da jetzt nicht an Jack und Sawyer sondern vielmehr an Jacob und "Samuel" gedacht habe, sollte doch jedem klar sein. Beide spielen ein Spiel und die Insel ist ihr Sandkasten, die Losties, die Anderen, einfach jeder Mensch auf der Insel, egal in welcher Zeit, ist eine der Spielfiguren in diesem Sandkasten. Man denke auch an ben, der John später sagt, selbst Gott wisse nicht, was auf der Insel vor sich ginge.

Im Schwan versuchen es "Henry" und Locke unterdessen zu zweit. Und es funktioniert. Sie schaffen es, die Brandschutztür soweit zu öffnen, dass man einen Werkzeugkasten (aus Blech!!! - der silberne Koffer hätte da endlich mal zu was gut sein können... wo ist der eigentlich abgeblieben?) unter die ziemliche dicke Stahltür schieben kann. Eine absolut blöde Idee. Und dass das so ist, wird Locke auch direkt selbst erfahren, denn als er versucht, sich unter der Tür durch zu schieben, gibt der Kasten nach und Locke bekommt einen der Bolzen der Tür in den Oberschenkel. Er hat verdammtes Glück, dass die Oberschenkelarterie nicht verletzt wird, denn dann wär's das jetzt gewesen. Ja, er hat vor allem mehr Glück als Verstand, denn wer kriecht unter so einem Dingen auch noch da durch, wo so ein Bolzen ist...? "Henry" versucht ihn noch heraus zu ziehen, aufgrund des Bolzens funktioniert das aber auch nicht. Er stapelt schnell ein paar Gewichte unter die Tür, so dass der Druck von Lockes Bein genommen wird. Auf die Idee hätte man mal vorher kommen können ;-) [Anm. d. Red.] Dann zeigt sich wieder einmal, wie sehr Locke doch mittlerweile "Henry" vertraut. Der meint nämlich, sie sollten einfach auf jemanden warten, es wird ja schon irgendwann jemand kommen. Locke meint nur, dass dafür keine Zeit wäre, ehe es in den nächsten Flashback geht.

Und dieser Flashback ist wohl mit einer der entscheidendsten in John Lockes Leben. Sicher nicht der entscheidendste, der Fenstersturz und auch Richards Besuche sind wohl noch wichtiger, aber was Locke in diesem Flashback tut, wird er wohl für immer bereuen. Locke kommt von der Bank, in der er gerade das Schließfach 1516 geräumt hat, wieder nach Hause und ist überglücklich. Helen hingegen ist eher schockiert, denn die beiden Männer, die in ihrem Haus sind, sind nicht gerade vertrauenserweckend. Jimmy Bane und sein Schläger wollen nämlich von Locke wissen, ob er seinen Vater gesehen hätte, nachdem der gestorben ist (als ob das möglich wäre - Wieso? ich hab John auch gesehen, nachdem er gestorben ist ;-) ). Bane denkt, Locke wüsste etwas, was die Welt nicht weiß, denn er war wirklich nicht sonderlich traurig auf der Beerdigung. Dafür hätte er aber nun auch wirklich keinen Grund, weshalb auch Helen sofort erklärt, warum sie eigentlich bei der Beerdigung waren. Nämlich um über Cooper hinwegzukommen, um mit ihrem Leben weiter zu machen. Bane gibt sich letztlich auch damit zufrieden, will aber noch wissen, was in Johns Tasche ist. Das ist nämlich ebenso eine Tasche, wie er sie in der Bank mithatte. Locke sagt jetzt zur Abwechslung mal die Wahrheit und meint, es wären nur seine Arbeitssachen darin. Bane lehrt dann den Schreibkram und alles weitere auf dem Tisch aus und verabschiedet sich höflich von den beiden. Helen fragt direkt, ob John gelogen hat, was dieser verneint. Wie dumm kann ein Mensch sein. Ich meine, er will die Frau heiraten, sich mit ihr eine Zukunft aufbauen, den Rest seines Lebens mit ihr verbringen und er lügt ihr mitten ins Gesicht über eine Sache, die ihre Beziehung schon einmal fast beendet hat. Hätte er ihr die Wahrheit erzählt, nämlich dass Cooper noch lebt und er einen Deal mit ihm gemacht hat, wäre Helen zwar sicher nicht glücklich gewesen, aber ich denke sie hätte ihn verstanden und ihm auch in dieser Situation geholfen. Immerhin wäre Cooper dann endgültig aus ihrem Leben verschwunden. Doch so lügt Locke Helen mitten ins Gesicht und zerstört so alles, was er im Leben noch hatte. Aber schnell zu Jack, bevor ich mich hier zu sehr aufrege und mein Blutdruck unter die Decke geht. Der lässt sich nämlich nicht von Sawyers Geschwätz ablenken und bemerkt, dass der die Karten nicht korrekt gibt. Interessant ist vielleicht, dass Jack hier das erste Mal Phuket erwähnt, jedoch nicht wirklich auf Sawyers Fragen eingeht. Ich hatte hier das Gefühl, dass Jack das nicht nur wegen Sawyers versuchtem Betrug macht, sondern vor allem auch, weil er nicht gern über das redet, was in Phuket passiert ist. Ich mein, wer redet schon gern davon, wie er von ein paar minderwüchsigen Asiaten vermöbelt wurde?

Ich hab aber noch eine Anmerkung zu Johns Lüge: Vielleicht war ihm das ja eine Lehre und er ist deshalb dagegen wichtige Informationen vor der Gruppe zu verheimlichen.

Im Schwan wird’s unterdessen langsam knapp mit der Zeit. Genau aus diesem Grund soll "Henry" nun durch den Lüftungsschacht in den Dom klettern und die Zahlen eingeben. Ich bin ja immer noch der Meinung, dass Locke das lieber hätte selbst machen sollen, und zwar bevor er "Henry" raus lässt, aber egal. Sonst hätten wir ja die Karte auf der Brandschutztür nie gesehen (und John ebenfalls nicht). "Henry" geht also in den Vorratsraum und klettert über das Regal nach oben zum Lüftungsschachtgitter. "Henry" stürzt ab, "Henry" ist ohnmächtig, der Alarm beginnt zu piepen. Schnitt.

Jack und Sawyer sind nun mittlerweile in der entscheidenden Phase des Spiels, in der die beiden auch schon einige Zuschauer haben. Hurley meint nur so, dass Jack und Sawyer sich endlich gegenseitig fertig machen („beat each other up“). Dass das schon längst, nämlich im Jahr 1977 passiert ist, weiß der gute Hurley ja noch nicht, denn für ihn liegt das Ganze ja noch gute 3 Jahre in der Zukunft. Blöde Sache, diese Zeitreisen. Jack geht unterdessen All-In und zwingt Sawyer quasi dazu, mit zu gehen. Denn Jack weiß um Sawyers Schwäche, nicht einstecken zu können. Wenn Sawyer jetzt nicht mitgeht, wirkt er ängstlich und feige, und dass kann er nicht zulassen, nicht vor dem Publikum (vor allem nicht vor Katie - das Testosteron trieft ja regelrecht vom improvisierten Pokertisch^^). Also geht Sawyer mit und verliert gegen Jacks Paar Neunen. Jack freut sich und will schon gehen, als Sawyer ihn fragt, warum er nicht die Waffen wollte. „When I need the guns, I’ll get the guns.“ ("Wenn ich die Waffen brauche, dann bekomm ich die Waffen.") Sehr selbstsicher, der gute Jack. Es sei den, er weiß jetzt schon, wie er einmal an die Waffen kommen wird und hat deswegen auch die medizinischen Vorräte vorgezogen. Vielleicht ein Indiz für die Zeitschleife, vielleicht aber auch nur für Jacks ärztliches Selbstvertrauen.

Im Schwan kommt "Henry" zu sich und klettert erneut hinauf zum Lüftungsschacht. Diesmal stürzt er nicht und ist dann mal weg. Locke versucht unterdessen erneut, sich zu befreien, was aber wieder nicht funktioniert. Flashback. Locke geht zu Cooper ins Motel und übergibt das Geld. Er sagt noch einmal, dass er es nicht für seine Entlohnung gemacht hat, als es auch schon an der Tür klopft. Helen steht davor, verpasst Cooper eine ordentliche Ohrfeige und verschwindet wutentbrannt. Locke rennt natürlich sofort hinterher und versucht es zu erklären. Doch Helen ist zutiefst gekränkt, denn Locke hat sie nun einmal angelogen. Der macht noch schnell den Antrag, der abgelehnt wird und Helen ist weg. Und auch Cooper verschwindet und Locke bleibt allein und traurig zurück. Mitleid hab ich aber keins mit ihm, denn er ist selbst dran schuld. Hätte er mal gleich die Karten auf den Tisch gelegt, dann wäre das Ganze sicher anders ausgegangen. Locke hat's aber versaut.

Im Schwan unterdessen tönt der Alarm. Locke schreit nach "Henry", doch keine Antwort. Als dann der Alarm stoppt und man den Counter hört, wie er blättert, scheint alles in Ordnung, bis das Licht ausgeht. Den Rest kennt man, UV-Licht, ein völlig perplexer Locke und eine mysteriöse Karte auf der Brandschutztür unter der Locke liegt. Ich denke auch, ich kann mir den Großteil der Erläuterungen zur Brandschutztür sparen, das sollte auch so ziemlich jedem hier bekannt sein. Was mich nur ein wenig stutzig gemacht hat, war das Fragezeichen in der Mitte. Dass das für die Perle steht, ist sicher, aber warum wusste Radzinsky nichts davon? Immerhin hatte er doch einige Macht in der Dharma und selbst im Schwan sollte er doch die Möglichkeit zur Kommunikation mit dem Rest der Dharma gehabt haben. Denn ihm kann man nicht vortäuschen, dass draußen eine Quarantänezone ist. Er kann also, vielleicht ähnlich wie Inman, vortäuschen, im Schutzanzug herauszugehen, um seinen Mitdrücker zu täuschen. Also, warum wusste Radzinsky nichts von der Perle? Ich denke, dass man ihm nach dem Vorfall viele seiner Rechte entzogen hat. Er durfte zwar vielleicht mit dem Rest der Dharma kommunizieren (obwohl auch das fraglich ist), aber eingeweiht hat man ihn in nichts mehr. Nur so kann auch das psychologische Experiment in der Perle funktionieren. Auch interessant ist vielleicht, dass auf der Karte verschiedene Dinge auf Latein stehen. Dies ist bekanntlich die Sprache der Anderen, was also hat die auf einer Brandschutztür in einer Dharma-Station zu tun? Das wären jetzt die zwei Sachen, die mir noch einmal wichtig waren, bei der Karte zu erwähnen, alles Weitere würde den Rahmen hier doch erheblich sprengen. Vielleicht wäre es sinnvoll, die Karte noch einmal gesondert zu behandeln, denn es gibt durchaus noch einige Dinge darauf, die sehr interessant sind. Aber noch bin ich nicht ganz fertig mit dieser Szene. Jetzt kommen wir einmal zu John Locke. Elli (ich glaube es war elli) hat vor kurzem einmal die Theorie in den Raum gestellt, dass vielleicht mehrere Personen in einer Zeitschleife stecken, unter anderem auch John Locke. Durchaus berechtigt, so etwas zu vermuten, denn wieso sollte Jack allein in so etwas gefangen sein? Doch warum glaube ich nicht, dass John Locke in einer Zeitschleife steckt? Ganz einfach, die Antwort ist der Schwan. Naja, eigentlich alles, was Dharma angeht. Und auch seine Begegnung mit einem Etwas in Wildschweinjagd. Was haben nun diese Dinge mit einander gemeinsam? Nichts, und genau das ist ja der Punkt. Nehmen wir an, Locke ist in einer Schleife, so würde er sich an Dinge erinnern. Sicher nicht an alles, doch an gewisse Dinge, vielleicht ähnlich wie Desmond in Staffel 3. Das, an was er sich erinnern würde, hätte eine gewisse Wichtigkeit. So zum Beispiel gewisse Dinge, die die Insel betreffen. Und über solche Dinge scheint John wirklich eine Menge zu wissen, mehr als jeder andere der Losties. Er scheint das Wesen der Insel verstanden zu haben. Doch auch andere wichtige Ereignisse müssten ihm bekannt vorkommen. Der Schwan, die Karte auf der Brandschutztür, die Perle, die Flamme, … Doch genau hier wirkt er immer so, als ob er nichts weiß. Erinnern wir uns, wie er als erstes in den Schwan geht. Er schaut sich um, voller Neugier. Auch das Orientierungsvideo muss er sich erneut anschauen (im Gegensatz zu Jack) um es wirklich zu begreifen. Die Karte auf der Brandschutztür schaut er völlig entsetzt an. Und wieso hat er die Perle nicht direkt beim ersten Besuch der Beachcraft untersucht? Es gibt also Dinge, die selbst John Locke auf der Insel überraschen. Und es sind immer Dinge, die die Dharma gebaut hat und somit nicht in Verbindung zum spirituellen, natürlichen Konstrukt der Insel stehen, mit dem John ja vor allem anderen verbunden ist. Und diese Dinge spielen eine sehr wichtige Rolle in Johns Inselleben. Es wäre also unlogisch, wenn er sich an solche Dinge nicht erinnern kann. Was also könnte John sein Wissen bezüglich der Insel gegeben haben? Nun, da sind wir uns denke ich alle einig, es war eben dieses Etwas in Wildschweinjagd. Was es war, ist bis heute noch ungeklärt, doch glaube ich daran, dass es „Samuel“ war, vielleicht sogar in seiner ursprünglichen Form. Deshalb klang Lockes Beschreibung auch anders als Ekos, denn der hat Smokey gesehen. Und auch wenn „Samuel“ und Smokey ein und dasselbe sind, so glaube ich sind beides doch nur Formen eines Wesens, dessen ursprüngliche Form wir noch nicht kennen. Es könnte natürlich auch Jacob sein, dessen Smokey-Form Locke gesehen hat. Das würde durchaus auch sehr gut passen, da Jacob der Weiße ist und "Samuel" der Schwarze. Locke beschreibt das Wesen als ein helles Licht, was ja nun so gar nicht auf den Smokey zutrifft, den wir kennen. Es könnte also einfach Jacobs Smokey-Form gewesen sein. Dagegen spricht jedoch meiner Meinung nach Jacobs Verhalten auf der Insel. Denn hier ist er sehr passiv, lässt die Menschen machen, will sehen, wie sie sich verhalten. Nur Richard gibt er Anweisungen. Ein aktives Eingreifen in das Inselgeschehen haben wir von ihm noch nicht gesehen. Nur abseits der Insel rekrutiert er die Menschen, zumindest scheint es so. Deshalb denke ich, ist die „Samuel“-Hypothese einfach passender.

Von dieser Erscheinung hat Locke also sein Wissen über die Insel. Doch Smokey weiß eben auch nicht alles, vor allem die Dinge nicht, die vom Menschen stammen. Und die Dharma hat zu dem sehr gut gewusst sich gegen Smokey zu verteidigen, wodurch es nur logisch erscheint, dass er nichts weiß. Locke weiß nur Dinge über das Wesen der Insel und hat eine Verbindung zu dieser. Das wird auch in seinen Visionen deutlich, wie sonst sollte er zum Beispiel von der Beachcraft wissen. Das würde bedeuten, dass "Samuel" hier schon einen Einfluss auf Locke hatte, der nicht unerheblich war. Er hat ihn gelenkt, ihm im richtigen Moment seine Paralyse wieder gegeben, so dass Boone stirbt. Er hat ihm in der Hütte gesagt, dass er die Insel bewegen muss, und so weiter. Lockes natürliche Neugier und seine Abenteuerlust helfen „Samuel“ dabei natürlich ungemein, so zeigt er nur die Richtung und Locke geht den Weg allein weiter. Für mich klingt das logisch und die Übernahme von Lockes Körper am Ende der 5ten Staffel erscheint nur als logische Konsequenz dessen. Nun gut, so viel zu Locke für den Moment, machen wir weiter mit der eigentlichen Review.

Wir haben also gerade die Karte auf der Brandschutztür gesehen, doch nur kurz. Denn schon nach wenigen Sekunden geht das normale Licht wieder an und die Türen öffnen sich. Schmerzhaft für Locke, der sich aber gleich kriechend auf die Suche nach "Henry" macht. Er kommt in den Dom, sieht den Timer bei 107 Minuten, aber keinen "Henry". Der erscheint aber gleich hinter Locke (ist wohl durch den Lüftungsschacht zurück geklettert) und hilft ihm auf die Beine. Er tut wirklich alles um Lockes Vertrauen zu erringen und somit wenigstens einen „Freund“ unter den Losties zu haben.

Jack ist nun mittlerweile auch auf dem Weg in den Schwan, wird aber von Kate aufgehalten. Die will sich mal wieder duschen, doch Jack lügt sie an, von wegen Wasserrohrbruch und so. Schade dass kein Klempner unter den Überlebenden ist. Aber ehe Kate sich richtig verarschen lässt, sieht sie ein Blinklicht. Die beiden gehen darauf zu (was sonst macht man auf einer Insel, auf der es ein Monster und böse Andere gibt mitten in der Nacht ohne Waffe) und entdecken die Warenlieferung für den Schwan, den eigentlichen Grund für die Verriegelung. Nahrung und sonstige Vorräte en masse und dazu ein Drogensüchtiger, ein Folterknecht und eine nette Polizistin. Ach ne, die kommen ja erst später dazu. Aber noch immer erfahren wir nicht, was denn nun wirklich noch so alles am Ballon passiert ist.

Das wird erst im Schwan aufgeklärt, in dem "Henry" mittlerweile Locke hilft, das Bein hoch zu legen. "Henry" erzählt noch schnell, was er angeblich im Dom gemacht hat, nämlich den Code eingegeben. Doch als Jack kommt, schlägt die Stimmung rasch um, denn der ist nicht sehr gut auf "Henry" zu sprechen, genauso wie Sayid. Aber der hat nun wirklich allen Grund dazu, denn in seiner Paranoia hat er das Grab geöffnet, das sie unter dem Ballon gefunden hatten und darin den echten Henry Gale gefunden. "Henry", obwohl, jetzt können wir ihn ja auch Ben nennen, steht nun vor den Ruinen seiner Lügengeschichte. Und da noch irgendetwas zu retten, wird die nächste Aufgabe unseres Inseldiktators sein. Dass erzählt euch dann aber der liebe Onkel Anubis.

Wer erzählt uns das? Kenn ich nicht!

Also Brandschutztür...: Ich denke mal die beste Version der Karte ist diese. Da ihr nicht noch länger auf diese Review warten solttet, nehme ich mir die eingehende Analyse der Karte mal fürs Wochenende vor. Zuvor gibt es vermutlich noch den ersten Teil der Incident-Review zur Thematik Jacob und "Samuel". Falls ihr denkt, dass da kaum was neues kommt, versichere ich euch: Ihr irrt (wahrscheinlich^^). Ich hab' nämlich einige interessante Sachen entdeckt, die mir noch halbwegs neu waren.

Jetzt aber zu meinen "normalen" Anmerkungen:


Also wenn es einen Loopdude gibt, dann ist das doch wohl Jacob und "Samuel" ist der Loopeholedude. Und schon wieder ein neuer Spitzname - man sollte mal eine Sammlung seiner Spitznamen aufmachen (sagt mir, wenn ich einen vergessen habe): Samuel, Man in Black (ist euch eigentlich mal aufgefallen, dass sein Hemd dunkelblau ist?), Esau, man#2, Rumpelstilzchen, Mr. Loophole, Deus Ex Machina, Keyser Söze, Loopholedude, Flocke, Fake-Locke, Shapeshifter, Nemesis, Der-schon-wieder, Ihr-wisst-schon-wer, Moses, [Achtung: Kleiner "Supernatural-Staffel-5-Spoiler] der Typ, der genauso aussieht wie einer der apokalyptischen Reiter bei "Supernatural" (was ich sehr verwirrend finde, da der Teufel aussieht wie Jacob) [Spoiler Ende] und, wenn man glaubt, dass er das Monster ist, kommen noch hinzu: Cerberus, Smokey, Monster, Rauchmonster, schwergestörte Giraffe und mein persönlicher Liebling: psychopathische Gewitterwolke. Sollte "Samuel" jemals James ford über den Weg laufen, kommen vermutlich nochmal genausoviele dazu.

Zu Furyas text hab ich sonst keine direkten Ergänzungen mehr, also zur Folge. Was ich bei der Frühstücksszene noch bemerkenswert fand, war, dass Ben zu John sagt: "Why do you let him talk to you like that? " ("Warum lässt du ihn so mit dir reden?") Für mich hatte das schon ein bisschen was von: "Eye, du bist der neue Inselkönig und Jack nur egozentrischer Skalpellschwinger." Da fällt mir ein, dass überhaupt Jacks dramaturgische Relevanz ein weiteres Indiz auf die Zeitschleife darstellt, denn gibt es sie nicht, wäre Jack doch eigentlich ziemlich unwichtig - verglichen mit John, Ben, Desmond, Richard, Charlie, Hurley, Eko, Aaron oder Claire, die fest mit der Insel verwoben sind.

Da der Ballon in dieser Folge gefunden wird, ist es wohl auch an der Zeit mal über den guten alten "Wizard of Oz" zu sprechen. Henry Gale ist in diesem amerikanischen Märchen der Onkel von Dorothy Gale, die es ins wundersame Land Oz verschlägt. Der Zauberer von Oz wiederum stürzte dort mit seinem Ballon ab. Dass Ben oft mit dem Zauberer von Oz, dem Mann hinter dem Vorhang in Verbindung gebracht wird, ist ja nichts neues, doch die wahren Männer hinter dem Vorhang sind letztlich zwei andere, die uns über ihre wahren Absichten, ihre Herkunft und die Fülle ihrer Macht auch weiterhin im Dunkeln lassen. Beizeiten sollten wir die Bezüge zwischen "Lost" und diesem literarischen Werk wohl nochmal ein wenig mehr aufdröseln. Doch genau wie die Brandschutztür ist das wohl ein Thema, dass man gesondert behandeln und betrachten sollte. Also verbleiben wir ersteinmal bei dem Hinweis auf diese Parallelen.

Ansonsten hab ich noch so ein paar Kleinigkeiten:

  • Als John auf dem Hometrainer sitzt, hört man nur einen einzigen Wortfetzen ganz klar heraus und zwar "Lock-". Zwar ist es ein Teil des Wortes "Lockdown" ("Verriegelung"), aber akustisch gibt es keinen unterschied zu "Locke"... da ist selbst unser guter, alter John verwirrt: Die Station ruft ihn jetzt schon beim Namen.
  • Ben ruft John, unmittelbat bevor die Türen runtergehen, zu, er sollte vielleicht lieber Jack holen. Diese kleine Stichelei von Ben rettet letztlich der ganzen Menschheit den Arsch, denn hätte Ben nicht gerufen und John dazu veranlasst vom Stuhl runter in Richtung Waffenkammer zu stürmen, hätte John vermutlich alleine auf dem Flur gestanden! Von da aus hätte er weder Ben aus der Waffenkammer lassen noch selbst zum Computer gelangen können.
  • Eine Frage bleibt für mich bestehen: Warum wird die Verriegelung im Orientierungsfilm mit keinem Wort erwähnt? Wäre doch eine nicht gerade unwichtige Information, zu wissen, dass man wenn der Lautsprecher rauscht, besser ganz flott zum Computer geht. Chang erklärt doch sonst jede Kleinigkeit so detailliert, dass man sich wundert, warum er nicht die Funktionsweise der Toilette erläutert (im Zweischichtbetrieb versteht sich^^). Wurde die Verriegelung erst installiert, als der Orientierungsfilm schon fertig war?
  • Ben sagt gegenüber John, die Losties gäben ihm die Schuld für Dinge, für die er nicht die Verantwort trägt. Klingt für mich fast nach Bens Leben in einem Satz, denn letztlich macht er zwar eine Menge Fehler, ist und bleibt aber auch für alles andere der Sündenbock.
  • Sawyer erwähnt Tallahassee und deutet an, sich dort eine Geschlechtskrankheit eingefangen zu haben - danach fragte Jack sogar in Staffel 1
  • Helen fragt Anthony Cooper: "Are you Him?" - die Antwort ist "Nein", oder?
Das war's jetzt auch von mir. Im Laufe des Tages kommen aber wohl noch ein paar Infos und News ;-)

Freitag, 4. Dezember 2009

Kate, Horses and a videotape

What Kate Did:

Ja, jetzt bin ich mal wieder selbst am Drücker. Nach den ersten beiden sehr ordentlichen Gastbeiträgen von Elli, kümmer’ ich mich jetzt um das, was Kate getan hat. Allerdings hat Kate verdammt viel getan und dementsprechend sieht auch mein Notizheft aus: voll, voll, voll... . Da darf man keine Zeit verlieren. Die Episode beginnt aber nicht einmal mit Kate, sondern mit Jin. Wir wollen hier nicht ins Detail gehen, denn wie Hurley erkennen wir auch so: Ji-Yeon ist nun unterwegs. Jetzt hab ich es sogar geschafft das Kind nicht beim Namen zu nennen, indem ich das Kind beim Namen nenne. Wieso ist es aber von Bedeutung, dass in dieser Nacht höchstwahrscheinlich Ji-Yeon gezeugt wurde? Ganz einfach: Zeitgleich hebt Sayid Shannons Grab aus. Noch eindeutiger wurde der Gegensatz zwischen Leben und Tod nur in „Schade nicht“ aufgebaut.

Sawyer wird derweil von Jack umsorgt und nennt bei seiner Frage nach Kate das Kind zwar nicht beim Namen, aber das muss er auch nicht: „Where is she?“ („Wo ist sie?“) reicht. Jack weiß sofort, dass es um Kate geht, vermutlich weil er eine vergleichbare Frage auch täglich stellt. Also „Where’s Kate?“ Kate klettert mal wieder auf Bäumen rum und sammelt Obst – ich spare mir hier niveaulose Kalauer über Pferdeäpfel. Doch dann taucht Kate ihr Pferd auf. Wenn man es sich recht überlegt, ist das jetzt aber nichts so verwunderliches, oder? Hätte das Pferd nun vor ’ne Apotheke gekotzt oder aufm Flur gestanden, okay, das wäre zugegebenermaßen merkwürdig. Aber Fury steht nur so da und glotzt Löcher in die Luft (jetzt wissen wir auch, warum es sich mit Kate so gut versteht: sie haben das gleiche Hobby). Muss dieses Pferd denn eine übernatürliche Erscheinung sein? Wir wissen mittlerweile, dass es Pferde auf der Insel gibt: Die Feinde haben sie zur Fortbewegung genutzt. Zwischen Rindern, Kaninchen, Hunden, Hurley-Vögeln, schwergestörten Giraffen, Eisbären, Wildschweinen, Spinnen, Fröschen, Haien, Hühnern und dem berühmtberüchtigten Elefanten im Raum soll uns ein Pferd noch wundern? Man sollte zumindest in Betracht ziehen, dass die einzig übernatürliche Kraft, die hier am Werk ist, das Schicksal ist und nicht die Insel, Jacob, Smokey und/oder „Samuel“ (wobei die letzten beiden vermutlich eh’ ein- und derselbe sind). Natürlich will ich nichts ausschließen, aber man sollte die Möglichkeit, dass dieses Pferd einfach nur ein Pferd ist, genauso wenig ausschließen wie das Gegenteil.

Doch wieso das Pferd für Kate nun wichtig ist, erfährt der Zuschauer ja erst viel später. In der ersten Rückblende spielt Kate mal wieder mit dem Feuer(zeug). Da Wayne beim Betreten des Hauses, obwohl er sternhagelvoll ist (vermutlich ein Dauerzustand), bemerkt, dass es komisch riecht („What the hell is that smell?“), können wir wohl davon ausgehen, dass Kate bereits auf ihn gewartet hat. Alles ist vorbereitet: Das Haus müffelt nach Gas, Kate hat das Feuerzeug im Anschlag und die Versicherungspolice in der Tasche. Der Plan ist gefasst und wird auch ausgeführt. Keine Ahnung wie es euch geht, aber mir kommt da jemand anders in den Sinn, der auch erst nett zu seinem Vater war, nur damit der nicht erkennt, dass alles vorbereitet ist, um sich seiner zu entledigen. Da wurden auch Holzpuppe, Giftgaspatrone und Gasmaske sicher verstaut und dann zischte man mit Daddy noch ein Bierchen, ehe man ihn nach 28 Jahren der Erniedrigung über den Jordan (falls ihr euch da in eurer Religionsfreiheit tangiert fühlt, von mir aus auch über den: Nil, Styx, Ganga oder was weiß ich) schickte. Irgendwie scheint langsam jeder der Losties mit Ben eine Erfahrung, einen Schicksalsschlag zu teilen. Bei den meisten sind die Parallelen nicht so deutlich wie bei John, Kate oder Sawyer, aber sie sind da. Aber es ist ja nichts Neues, dass die Fäden bei Glubschauge und/oder Glatzkopf irgendwie immer zusammenlaufen.

Ein nettes Detail dieser Rückblende bedarf da schon viel größerer Beachtung. Als Kate Wayne ins Haus bringt fährt die Kamera kurz sehr dicht an einer Regalwand vorbei. Hauptsächlich stehen hier Familienfotos mit gestellten, glücklichen Erinnerungen. Aber hier steht auch eine sehr naturalistische Schnitzerei (oder für die Kunstliebhaber: eine hölzerne Skulptur mit einem sehr hohen Ikonizitätsgrad) eines Pferdes. Eines Pferdes? Da war doch was.....? Stimmt, da war ein schwarzes Pferd im Dschungel und später – Achtung Spoiler^^ – auf der Landstraße. Dieses Pferd endet wie Wayne und das Haus mit einer großen Explosion in Jacobs liebstem Element: dem Feuer.

Kate fährt danach zu ihrer Mutter (die genau wie der US-Marshal und Jacob erstaunliche Ähnlichkeit mit einem Charakter aus „Supernatural“ hat) und erstmals erkennen wir hier schon wie Diane gestrickt ist. Im Nachhinein will ich hier mal Winston Churchill zitieren: „Ich glaub wir haben das falsche Schwein geschlachtet!“ Denn sein wir mal ehrlich: Wie kann man sich der eigenen Tochter, die einem sogar noch helfen wollte, gegenüber so verhalten? Denken wir mal an Jins Vater, der vermutlich nicht einmal sein Vater ist und sagte, dass Jin immer sein Sohn bliebe und er ihn liebe, egal was er getan habe, dreht sich einem bei dieser Mutter doch mal wieder der Magen um. Eltern, die nicht zu ihren Kindern stehen, haben bei „Lost“ ja Tradition und Kates Eltern haben es zumindest in meine Top-5 der größten Rabeneltern (also jetzt mal nur leibliche Eltern) in der Geschichte von „Lost“ gebracht. Falls es wen interessiert: Lockes Eltern (vor allem Anthony) stehen natürlich unanfechtbar auf Platz 1, Roger Linus ist ein sehr klarer zweiter Platz, dicht gefolgt von Eloise Hawking auf Platz 3 (über Charles kann man wenig positives sagen, aber er liebt seine Kinder, wenn auch auf eine komische Weise) und den fünften Platz konnte der alte Paik sich sichern... wäre mal wieder ein Thema für ’ne neue Umfrage, fällt mir grade auf. Ach, die steht ja mittlerweile schon da... was ein Zufall. Da könnt ihr zwei Dinge dran sehen: ich sitze tatsächlich schon seit Tagen an dieser Review UND ich lese immer noch mal alles Kontrolle und besser so manches ein – so wie jetzt gerade.

Wir kehren nun aber gutgelaunt auf die Insel zurück. Jack bricht zur Beerdigung auf und Krankenschwester Kate (es ist deshalb übrigens auch ein Spin-Off mit dem Titel „Für alle Fälle Katherine“ geplant) bleibt bei Sawyer. Jack mahnt Kate noch: „Don’t forget the button!“ („Vergiss die Taste nicht!“). Als ob man die vergessen könnte, bei dem lautstarken Alarm, den sie jedes Mal schlägt, wenn mal wieder 104 Minuten um sind. Außer natürlich man würde Hals über Kopf aus der Station fliehen... . Faszinierend was dieser Jack so alles erahnen kann, oder? Aber seit wann interessiert er sich überhaupt für diesen ollen Knopf? Er glaubt doch angeblich nicht einmal dran. Zeitschleife ich hör dir trapsen.

Am Strand richtet Ana gerade einen Pfahl hin (frei nach Edmund Stoiber^^), als Eko zu ihr kommt, um mit ihr über das Begräbnis zu sprechen. Ana bleibt – Gott sei’s getrommelt und gepfiffen – weg, obgleich Eko ihr gut zuspricht: „I think most of them realize it was an accident, Ana.“ („Ich glaube die meisten von ihnen haben verstanden, dass es ein Unfall war, Ana.“) Mag sein – die meisten von uns haben aber auch verstanden, dass Ana eine schießwütige Irre ist. So versteht jeder irgendetwas, aber am Ende nicht wirklich viel. So versteh ich zum Beispiel nicht, dass Ana noch lebt, wenn ich daran denke, was mit Leuten passiert, von denen man glaubt, sie hätten einen Inhalator versteckt. Da scheint mir das Rechtssystem der Anderen doch irgendwie konsequenter und gerechter, obgleich der Chef auch bei denen ein Veto einlegen kann. Bei den Losties geschieht das aber eher stillschweigend.

Sayid hat zumindest Shannon verloren – die Insel gibt es, die Insel nimmt es. Jacob scheint ihn zum Einzelkämpfer bestimmt zu haben. Schließlich wissen wir, dass Jacob an Nadias Tod nicht gänzlich unbeteiligt sein wird und Shannon stirbt ebenso durch den Einfluss übernatürlicher Mächte (Flüstern, Walts Erscheinung). Überhaupt ist mir Jacobs Interesse an dem Knaben schleierhaft. Will er Sayid vom Saulus zum Paulus machen – so wie „Samuel“ Ben vom Paulus zum Saulus machte? Okay, würde es Jacob gelingen Sayid zum Pazifisten zu machen, würde ich die Wette mal als gewonnen ansehen. Aber eigentlich ist Sayid doch eher jemand, der in „Samuels“ Denkmuster passt: Gewalt als Mittel der Wahl. John, Jack, Kate, James, Hurley, Sun, Jin, Claire, Ben, Charlie, Boone... leuchten mir alle ein – aber Sayid? Sayid hat auch gute Eigenschaften, das steht völlig außer Frage, aber er ist doch wohl eher kontraproduktiv, wenn man beweisen will, dass der Mensch nicht von Natur aus destruktiv ist. Jack ist ein Arzt und Philanthrop, jemand, der Menschen helfen möchte. Obgleich er manchmal arrogant und fanatisch ist, ist er im Grunde ein guter Mensch. Kate mag eine Mörderin sein, doch wie wir in dieser Folge sehen und hören, hatte sie einen verdammt guten Grund. Selbst Edward Mars gesteht ein: „If that don't make a person want to kill somebody I don't know what does.“ („Wenn das einen Menschen nicht dazu bringt, einen anderen umbringen zu wollen, dann weiß ich nicht was dann.“) John und Ben sind gebrochene Menschen, die bei der Insel und Jacob Halt suchen und im Kampf für die Insel erst zu Mördern werden. James mag von seiner Rache getrieben sein, aber er wurde so gemacht – in Wahrheit ist er ein guter Mensch, dem schlimmes widerfahren ist. Charlie ist nur in Extremsituationen gewalttätig. Eigentlich ist er überaus heroisch, integer, selbstlos und aufrichtig. Über Hurley, Claire, Boone, Rose, Bernard und Co muss man gar kein Wort verlieren, dass Jacobs Interesse erklären würde. Aber irgendetwas wird es an Sayid schon geben, oder? Oder hat Jacob Nadias Tod nur herbeigeführt (oder zumindest zugelassen/ billigend in Kauf genommen), weil er wusste, dass Ben ihn braucht, um Jacobs Feinde auszuschalten, „Samuel“ zu schwächen?

Zumindest landet Shannon jetzt unter der Erde und auch wir gehen wieder unter die Erde, wo Kate nun erst mal etwas Musik (Patsy Kline – was sonst?) auflegt und dann Sawyer mit matschigem Obstsalat füttert. Okay, sie füttert ihn nicht wirklich, denn er liegt ja im Delirium, aber sie panscht halt mit den Mangos rum und brabbelt vor sich hin, erzählt ihm einen vom Pferd im Dschungel und meint dann, dass so was wohl passiere, wenn man nicht schläft. Da Sawyer aber nun mal nicht nicht schläft, sondern rammdösig in der Ecke liegt und vor sich hin murmelt, bekommt er von Kates Gefasel wohl nicht allzu viel mit. Der Glückliche! Bei dem, was dann kommt, musste ich lachen, obwohl es eigentlich nicht zum Lachen ist. Aber irgendwie hat mich Sawyer in dieser Szene sehr an den dieses zwischen den Zähnen hervorgepresste Brummen von Batman in den Christopher-Nolan-Batman-Filmen erinnert. Da versteht man auch kein Wort, aber es klingt schön bedrohlich und keiner käme darauf, dass Bruce Wayne Batman ist. Bruce Wayne ist Batman? Ja, ich weiß, keine alten Wunden aufreißen – da regt Homer Simpson sich nur wieder auf. Zumindest brummt Sawyer: „Why did you kill me?“ („Warum hast du mich getötet?“) Eine berechtigte Frage! Jedenfalls war sie es, als Locke, der nicht Locke war, Ben das fragte. Aber hier? Jetzt gibt’s zwei Möglichkeiten: Entweder James ist tatsächlich vom Geist von Wayne (nicht Bruce Wayne – der andere Wayne) besessen oder er redet im Fieber wirres Zeug. Mal kurz überlegen: Was ist wahrscheinlicher? Auf dieser Insel: Besessenheit. Ach, überhaupt! Leute, die im Fieberwahn fantasieren und komisches Zeug brabbeln – was ein Stuss! Auf dieser Insel ist es nie ein Pferd, sondern stets ein Zebra, wenn man Hufgetrappel hört... okay, schlechtes Beispiel^^.

Jack und John erreichen die Station, als Patsy Kline schon durch das lautstarke Dröhnen des Alarms übertönt wird. Übrigens faszinierend, dass Jack und John erst, als sie in der Station drin sind, ganz überrascht feststellen: „It's the alarm.“ („Es ist der Alarm.“) Das hört man ja im Schacht noch nicht ;-) ! Der Countdownzähler steht also bei 23 Sekunden und während Jack noch „Kate! Kate!“ („Kate! Kate!“ – es soll nie wieder ein Name in einer deutschen Übersetzung fehlen.) brüllt, erreicht John den Dom. John gibt also ein „4 8 15 16 22“ stellt fest, dass er sich vertippt hat und korrigiert in „23 42“. Ist das erwähnenswert? Ja, ist es. Was sind Zahlen? Zahlen sind logisch, unveränderbar, universell – die einzig absolute Wahrheit, denn eine 23 ist immer eine 23. Man mag sie anders nennen, anders schreiben, doch man kann ihren Wert nicht ändern. Es ist das zweite Mal, dass John beinahe eine dieser Zahlen falsch eingegeben hätte. Wenn Zahlen aber für etwas ganz und gar unveränderliches stehen, gewinnt dieser Tippfehler plötzlich Bedeutung. Überhaupt sollte man sich vielleicht gar nicht so sehr Gedanken über die einzelnen Zahlen machen, sondern mehr überlegen, worin die symbolische Bedeutung von Zahlen im Allgemeinen liegt. Dann kommt man zu dem Schluss: Zahlen und Mathematik sind die perfekte Ordnung, absolut logisch und rational, immer objektiv – ausgerechnet etwas, das so klar der Verstand-Fraktion zuzuordnen ist, prüft hier den Glauben der Losties. Und mehr noch: Betrachten wir mal wieder unsere beiden Spezialisten, dann würden die Zahlen doch eindeutig zu „Samuel“ gehören – geordnet, frei von Emotionen, logisch, perfekt, vollendet. Ich tendiere überhaupt immer mehr dazu, nicht „Samuel“ als die chaotische Kraft zu sehen, denn eigentlich ist der Tod, doch sehr viel ordentlicher als das Leben. Fortschritt ist chaotisch, wohingegen Ordnung zumeist auch Stillstand bedeutet. Jacob ist der Rebell, der chaotische Geist, der alles über den Haufen werfen will und nicht bereit ist zig Gegenbeweise zu akzeptieren. In der Mathematik reicht ein Gegenbeispiel, um klar zu machen, dass eine Rechenoperation nicht allgemeingültig ist. Doch zu beweisen, dass eine bestimmte Formel immer und überall anwendbar ist, ist sehr viel schwieriger. Aber das gilt nur in der Mathematik. Lösen wir uns von den nackten Zahlen, kann man nur Regelfälle oder Durchschnittswerte ermitteln, denn Ausnahmen von der Regel wird es immer geben. In Naturwissenschaften, Gesellschaftswissenschaften und Religion gibt es keine Sicherheiten, nur Vermutungen, Theorien und Wahrscheinlichkeiten. Die Mathematik wird oft als Naturwissenschaft eingestuft, dabei ist sie doch viel eher eine Geisteswissenschaft, der Gegenpol zu Philosophie und Religion, die nie zu einem Ergebnis kommen können. Douglas Adams brachte es fertig Religion mit Logik und Philosophie mit Mathematik zu kombinieren und hat so die Unwegbarkeit dieses Unterfangens ziemlich offenkundig belegt.

In aller letzter Sekunde gibt John den Code ein und der Zähler springt von Null auf 108 zurück. John geht zu Jack, der Sawyer ins Bett zurückhievt. John ist einigermaßen irritiert und fragt Jack: „Where’s Kate?“ Nein, John, nicht du auch noch! Das ist Jacks Text und das reicht auch. Jetzt fängt der Glatzkopf auch noch damit an... ich krieg zuviel.

Okay, wo war ich? Ach, ja: Wo ist eigentlich Kate? Die ist im Dschungel und hat prompt Berufsklette Charlie am Rockzipfel hängen. Charlie macht Smalltalk und erklärt: „A few of them came.“ („Einige von ihnen kamen“) Da er wohl merkt, dass „them“ („sie“) nicht gerade präzise ist, ergänzt er „the new people“ („die neuen Leute“). Auch wenn ich jetzt nicht weiß, warum drei von vier Leuten „a few“ sind, finde ich es viel interessanter, dass Charlie uns hier unbewusst auf ein sprachliches Problem hinweist: Wer sind eigentlich „sie“? Wenn man von einer Gruppe von Menschen als „sie“/„ihnen“ spricht, heißt das zunächst einmal „nicht wir“/„keine von uns“. Die Tailies sprechen sowohl von den Losties als auch von den Anderen (ebenso ein problematisches Wort) als „Sie“. Charlie bezeichnet hier wiederum die Tailies selbst so. Es kommt aber auf den Blickwinkel an, denn je nach dem, zu welcher Gruppe man selbst gehört, sind immer die jeweils anderen „sie“, „die Anderen“ oder gar „die Feinde“. Als John Charles fragt, ob er mit „I was their leader“ („Ich war ihr Anführer“) die Anderen meint, erwidert Charles: „They're not ‘the Others’ to me. They're my people“ („Für mich sind sie nicht ‚die Anderen’. Es sind meine Leute.“) Damit trifft er den Nagel auf den Kopf. Genauso gut könnten doch Bens Leute auch von den Losties als „den Anderen“ sprechen, oder etwa nicht? Streng genommen hätten Jacobs Anhänger sogar viel eher einen Grund von anderen Menschen auf der Insel als „Andere“ oder „Feinde“ zu sprechen, schließlich waren sie zuerst da.

Nachdem Kate Charlie gefragt hat, ob er denn vielleicht Pferde auf der Insel gesehen hätte, geht es mal wieder in der Zeit zurück. Kate ist am Busbahnhof und will nach Tallahassee. Ob sie wohl den Mann von da besuchen will? Zum ersten Mal treffen Kate und Edward Mars nun aufeinander. Er rät ihr noch, nicht wegzulaufen, aber da Kate aus Prinzip stets wegläuft, ist das ein ziemlich dämlicher Rat – etwa so als würde man einem, der von ’ner Klippe springt, raten, mit dem Fallen aufzuhören.

Jack trifft Charlie am Strand und fragt: „Have you seen Kate?“ („Hast du Kate gesehen?“) Na, immerhin variiert er jetzt mal. Charlie erzählt Jack von seiner letzten Begegnung mit Kate im Dschungel und Jack verschwindet ebenfalls im Dschungel. Schon wieder wechselt die Szene: Back to the Swan. Dort wird Jin gerade von seiner Handschelle befreit, während Michael die Feuerschutztüren entdeckt und unter die Lupe nimmt. Er spricht John darauf an, doch der hatte sie bislang wohl nicht einmal bemerkt. Allerdings sollte er in der Nähe dieser Dinger mal lieber auf sein Bein aufpassen, wenn ihr mich fragt... aber das tut ja keiner. Aber jetzt holen wir erst mal das Dharma-Popkorn raus und gucken einen Film.

Jack hat Kate derweil endlich gefunden. Es kommt zu einem kleinen Streit und Kate sagt Jack etwas, was ihm schon lange mal jemand hätte sagen sollen (in der Szene wird sie einem mal so richtig sympathisch): „Yeah, I'm sorry. I'm sorry that I am not as perfect as you! I'm sorry that I'm not as good!“ („Jep, es tut mir leid. Es tut mir leid, dass ich nicht so vollkommen bin wie du! Es tut mit leid, dass ich nicht so gut bin!“) Boah, das war ja mal so was von überfällig! Jetzt macht Jack aber gleich den nächsten Fehler und hält Kate gewaltsam fest und das kann Kate ja so gar nicht ab. Was tut sie? Sie geht in die Offensive, sie sorgt dafür, dass er sich wünscht nie geboren worden zu sein, sie...sei...sie...küsst ihn? Okay, die Frau ist irre. Gut zu wissen.

Locke, Eko und Michael gucken derweil einen Film. Als ich die drei da so sitzen sah, war ich ja echt froh, dass wir in keiner Sitcom sind, sonst hätten wir bestimmt mal wieder das Schwarze-im-Kino-Klischee über uns ergehen lassen müssen: „Mach nicht die Luke auf! Eye, geh da bloß nicht rein! Da ist ein Magnetfeld drin!“ Aber wenn sich die drei dann so über den Film unterhalten, fragt man sich doch, ob die wirklich noch über den Film reden. So fragt Michael etwa: „What about all the missing pieces?“ („Was ist mit den ganzen fehlenden Teilen?“) Woraufhin Locke meint, das wäre wohl nichts von Bedeutung. Meine Erfahrung mit fehlenden Teilen bei „Lost“ ist eine andere. So fehlten uns über Jahre folgende Teile: Jack bei seiner ersten eigenen OP, bei der einen Fehler macht und bis fünf zählt, um die Angst zu besiegen; die Hochzeit von Sun und Jin; die Ankunft der Black Rock; der Tod von Nadia; die Beerdigung von Sawyers Eltern und wie Locke den Sturz aus dem achten Stock überleben konnte.

Kate hat ihre Odyssey derweil zu Shannons Grab geführt. Hier laufen zwei Ebenen parallel ab, die ich beide getrennt untersuchen will. Beginnen wir mit dem, was getan wird: Sayid hängt eine Art Rosenkranz an das Kreuz über Shannons Grab. Hier zeigt sich eine der wenigen Eigenschaften, die mir an Sayid überaus sympathisch sind. Er selbst ist Moslem, praktiziert aber christliche Rieten, da er Shannons Religionszugehörigkeit ebenso achtet wie seinen eigenen Glauben. Überhaupt mahnt er sehr oft zu religiöser Toleranz, was ja im krassen Widerspruch zu dem Bild steht, das uns sonst in den Medien von Menschen aus dem arabischen Raum präsentiert wird (hier also auch ein dickes Lob an die Autoren). Gerade die richtige Form der Bestattung scheint für Sayid eine besondere Rolle zu spielen. Er protestiert so etwa, als Jack das Wrack und die Leichen verbrennen will. Außerdem hätte er nie an Bord von Flug 815 gesessen, wenn er sich nicht um Essams Bestattung hätte kümmern wollen. Letztlich unterstreichen diese und ähnliche Umstände Sayids symbolische Verbindung mit dem Tod.

Die Ebene dessen, was gesagt wird, beschäftigt sich vor allem damit, dass alle Charaktere sich mehr und mehr damit konfrontiert sehen, dass die Insel mehr ist als nur eine Insel. John war das von Anfang an klar und er stellte Jack gegenüber schon früh fest, dass die anderen es nur verleugnen würden, weil es sie ängstige, obwohl ihnen durchaus bewusst wäre, dass dieser Ort anders ist. Jeder der Losties wird mit seiner Vergangenheit konfrontiert. Die Insel blickt in ihr Innerstes und zwingt sie dazu, sich ihren Dämonen zu stellen. Oft nehmen Entitäten der Insel sogar die Gestalt von Personen oder Wesen aus ihrer Vergangenheit an, um die Menschen auf der Insel zu konfrontieren. Doch gibt es dabei dann doch gewisse Unterschiede in Form und Intensität dieser Konfrontationen und Offenbarungen. Doch sollten wir zunächst einmal sehen, wie es mit Kate und ihrem Pferd endet, ehe wir einen Vergleich anstreben und Parallelen und Unterschiede bei den einzelnen Erscheinungen herausarbeiten. Doch bereits hier erwähnt Sayid eine jener Parallelen zwischen zwei Erscheinungen, wenn er Kates vermeintliche Einbildung eines Pferdes mit Walts Erscheinen im Dschungel vergleicht. Komisch auch, dass er diese Begebenheit wohl zum letzten Mal erwähnt hat, obgleich sie überaus bedeutend ist, bedenkt man, dass Walt tatsächlich entführt wurde und Michael noch in dieser Folge einen folgenschweren Fehler begehen wird. Apropos folgenschwere Fehler: zurück zu Kate und dem US-Marshal... .

Ich habe offengestanden keine Lust den Subtext des Dialoges zwischen Kate und Mars zu analysieren, weil er einfach so offensichtlich ist, dass man ihn schon gar nicht mehr als Subtext bezeichnen kann. Und ich denke auch es würde euch wohl ebenfalls eher langweilen. Einzig die Frage, wann ein Mord nachvollziehbar, vertretbar sein könnte, bleibt im Raum stehen und letztlich ist auch die Antwort auf diese Frage rasch gefunden: Nur wenn man so noch größeres Leid für sich oder andere abwenden kann. Obgleich ich persönlich es mit Gandhi halte: Es gibt Dinge für die ich bereit bin zu sterben, aber nichts, wofür ich bereit wäre zu töten.

Interessant finde ich aber die Parallelen zwischen dem Autounfall und dem Absturz von Oceanic 815: ein unerwartetes Ereignis, während Mars und Kate sich unterhalten, Mars wird ausgeknockt und Kate klaut ihm die Schlüssel, um sich der Handschellen zu entledigen (John macht so etwas mit einem Werkzeugkasten und Michael mit ’ner Axt). Am Ende ist Kate beide Male nach der Verhaftung wieder in Freiheit. Das Pferd hat Kate gerettet und es bleibt die Frage zurück: Welches Pferd ist auch wirklich ein Pferd, welches eine Erscheinung, eine Reinkarnation? Wann war es Schicksal und wann Zufall? Kann es hier und auf der Insel nicht der gleiche Grund gewesen sein? Hat die Insel Kate das Pferd geschickt, weil es bereits eines in ihrer Vergangenheit gab. War eines der Pferde Wayne? „Samuel“? Cerberus? Oder gar Jacob Höchstselbst? Oder waren die Pferde schlichtweg nur Pferde.

Im Schwan wird’s langsam richtig interessant. Denn dort schleppt Eko gerade eine Bibel an. Juhu! Bibelstunde! U-S-A! U-S-A! Okay, für uns wohl eher: B-R-D! B-R-D! Im Moment fragt Michael Locke aber noch, warum er den Code nicht jetzt (23 Minuten vor dem nächsten Alarm) eingeben würde, woraufhin Locke erklärt, die Tastatur würde erst vier Minuten vor Ablauf der Zeit freigegeben. Er demonstriert es auch, indem ein paar Tasten drückt – nichts passiert.

Okay... jetzt frag ich mich gerade, welche Freudsche Fehlleistung mich dazu gebracht hat „Eko gibt Walt den Film“ zu notieren? Ob das ein Zeichen einer höheren Macht ist? Oder werd’ ich nur langsam verrückt? Oh, mein Gott! Jetzt red’ ich schon wie Kate! Also schnell zurück zu Eko, der aufm Gang steht und von Walt...ähm Locke... Locke! Locke! Locke! Also Eko wird von Locke gegrüßt mit: „Hello again!“ du, isch möchte disch heut noch seh’n. Isch will dir gegenübersteh’n, viel zu lang war die Zeit...ja...ähm...ich schweife mal wieder ab – in voller Länge, gibt’s das hier. Wie Eko möchte ich am Anfang beginnen und erst mal fragen: „Where’s Kate?“ Nein, das war es nicht, sondern: Wer ist überhaupt dieser Joschija oder Josiah (im englischen Sprachraum geläufiger), von dem Eko John hier erzählt? Joschija war der Sohn Amons und wurde nach dem Tod seines Vaters im Alter von acht Jahren zum König von Juda (übrigens nicht zu verwechseln mit Judäa). Amon? Amon? Da war doch was! Ja, Amon ist der Name einer überaus bedeutenden und mächtigen altägyptischen Gottheit: dem Herrn der Winde und des Himmels. In der Tat sind die Ägypter in Bezug auf Joschija nicht unwichtig, doch bleiben wir noch mal bei seinem alten Herrn. Amons Regentschaft dauerte gerade mal zwei Jahre. Dann wurde er ermordet. Der Grund dafür dürfte wohl gewesen sein, dass er sich von JHWH (יהוה‎; auch: Jahwe, ist der hebräische Name Gottes und wird „Jachweh“ ausgesprochen – gelegentlich findet man auch YHWH; Lateinisch: Iehovah bzw. im Deutschen für gewöhnlich Jehova) abwandte und jenem Götzendienst, den sein Großvater noch versucht hatte abzuwehren, zuwandte. Obgleich Amons Mörder der Lynchjustiz des erbosten Volkes zum Opfer fielen, gilt sein Tod als gottgewollte Strafe für die Blasphemie. Danach kam also sein noch unmündiger Sohn Joschija auf den Thron. Die Geschichte, die Eko erzählt und die ich gleich noch auf Parallelen zu „Lost“ untersuchen möchte, soll sich relativ früh, im 18. Jahr von Joschijas Herrschaft, zugetragen haben. Aber kommen wir zuvor zu den Ägyptern, mit denen er sich zunächst noch gegen Babylon verbündet hatte und von deren Pharao Necho II. Joschija 609 v. Chr. in der Schlacht bei Megiddo getötet wurde. Joschija verfolgte eine Politik der Einigung Israels und war bemüht auch zugewanderte Stämme zu integrieren. Außerdem begann unter ihm wohl die genau Dokumentation, Sammlung und Redaktion biblischer Schriften. Auch dem letzten dürfte mittlerweile wohl aufgefallen sein, dass es sowohl zu Ben als auch zu Jacob einige Parallelen gibt. Nehmen wir mal an, dass Charles nicht nur verbannt wurde, weil er die Regeln der Insel brach, sondern auch weil er sich von Jacob abwandte und mit „Samuel“ verbündete, so würde Ben wie Joschija einem Ketzer auf den Thron folgen. Bedenkt man wie Charles gestrickt ist, passt er nicht wirklich in das von Jacob gesuchte Muster – in das seines Rivalen schon. Charles Bestreben die Insel um jeden Preis zu schützen, selbst wenn er jeden Menschen darauf töten müsste, teilt er mit „Samuel“. Da „Samuel“ die Menschen als unwürdig ansieht, wäre es nicht verwunderlich, wenn er sich einige von ihnen zu Nutze macht – sei es nun, um seine Befehle auszuführen oder auch um Jacob einen Gegenbeweis zu liefern. Ben aber ist Jacob und vor allem der Insel treu ergeben und versucht gute Menschen, die auf die Insel kommen, in die Gesellschaft seiner Leute einzugliedern, anstatt sie wie Charles töten zu lassen.

Nach Jacobs Tod wird der Glaube in ihn erschüttert sein und es dürfte schwer werden, seine Prinzipien aufrecht zu erhalten. Wie also den Tempel wieder aufbauen, wenn nicht mit einem „ancient book“, mit den Glaubenslehren Jacobs – vielleicht festgehalten auf dem Wandteppich? Könnte dieser Tempel, den es zu errichten gilt [Achtung winziger Staffel-6-Spoiler] womöglich das „Lighthouse“ sein [Spoiler-Ende]. Aufgehorcht habe ich allerdings, als Eko das Buch als „Book of Law“ bezeichnete, denn genau das stand auf dem Cover jenes antiken Buches, das Richard John zeigte, als er ihn im Alter von sechs Jahren besuchte. Hätte John dieses Buch auswählen müssen, da es seine Aufgabe ist, den Tempel Jacobs wieder zu errichten? Wenn John es nicht tut, fällt diese Aufgabe dann Ben zu? Der Rest ist wohl Geschichte.

Als Hurley in der nächsten Szene Jack gegenüber meint: „So, Rose's husband's white. Didn't see that one coming.“ („Also, Rose’ Mann ist weiß. Das hat man nicht kommen sehen“), werde ich das Gefühl nicht los, dass die Autoren hier dem Zuschauer durch Hurley eine Stimme geben und ihm gleichzeitig den Spiegel vorhalten, weil es eigentlich ziemlich rassistisch ist, davon auszugehen, dass eine Schwarze auch einen schwarzen Mann hätte. Gleichzeitig ist es ein Seitenhieb auf andere Fernsehserien, wo diesem Klischee für gewöhnlich entsprochen wird. Besonders geil finde ich es aber, dass Jack nicht mit nur einem Wort darauf eingeht – sehr souverän gelöst, liebes Autorenteam. Aber Hurley merkt auch an, dass Jack sich in seinem Verhalten Sawyer annähere. Das finde ich insofern ganz reizvoll, da wir gerade in den letzten beiden Staffeln viele Entwicklungen erlebt haben, in Folge dessen Charaktere den Platz eines anderen einnahmen – Jack wurde allerdings mehr wie Locke und James wie Jack... tja, und John wurde wie Ben.

Nachdem Kate Sun wieder als Krankenschwester abgelöst hat, folgt das nächste Flashback. Kate sucht ihren Vater auf. Letztlich hat diese Szene wohl nur den Zweck zu offenbaren, dass Wayne Janssen und nicht Sam Austen Kates leiblicher Vater ist und Sam als Charakter für die später aufgezeigte Verbindung zu Sayid zu etablieren. Obgleich mir Sam sehr viel sympathischer ist als jeder von Kates leiblichen Eltern, finde ich es schon etwas zynisch, wenn ein Berufssoldat seiner Tochter auf die Frage, warum er Wayne nicht getötet hätte, erwidert: „Because I don't have murder in my heart.“ („Weil ich nicht zu einem Mord fähig bin.“) Der Mann ist einfach feige: es selbst tun, konnte er nicht und seiner Tochter die Wahrheit sagen auch nicht. Wenn er wusste, was Kate tun würde, sobald sie die Wahrheit erfährt, hätte er es tun müssen, ehe sie es tut, um sie vor Schaden zu bewahren. Wieder bleibt also eine Frage im Raum stehen, die sich wie ein roter Faden durch diese Folge zieht: Why?/Warum?

Ein „Warum?“ löst Kate nun an Sawyers Krankenbett auf und es ist schon bemerkenswert, dass sie eine so grausige Tat beging, aus dem Glauben, der Angst heraus, sie könne aufgrund ihrer Abstammung nie gut sein. Als würde der Umstand, dass dieser saufende, frauenprügelnde Bastard ihr leiblicher Vater ist, sie zu einem anderen Menschen machen, weil so die Saat des Bösen in ihr ruht. Wie John oder Ben musste sie sich ihres diabolischen Vaters entledigen, sich von ihm befreien, um gut sein zu können. Schaffte Waynes Tod am Ende tatsächlich die Vorraussetzung, dass Kate im Spiel blieb, Jacob bereit war sich ihrer anzunehmen?

Dann erwacht Sawyer und will Kate nicht abkaufen, dass sie nicht gerettet wurden. Während John und Eko im Nebenraum den Film zusammenkleistern und mal wieder über Schicksal und Zufall philosophieren, bringt Kate James, der denkt, Kate wolle ihn au den Arm nehmen, was sie streng genommen ja auch tut^^, nach draußen. Als Sawyer im Freien ist sagt er nur vier Worte: „Son of a bitch!“ An Jacobs Stelle würde ich das jetzt persönlich nehmen.

Doch das, was nun passiert, untermauert die Parallelen zwischen Kates Pferd und Walts Erscheinung im Dschungel. Beide werden zunächst nur von einer Person gesehen: Shannon bzw. Kate. Beide begeben sich daraufhin auf eine merkwürdige Odyssey und am Ende sind sie mit dem Mann ihres Herzens allein, wenn die Erscheinung sich ein weiteres mal zeigt. Sowohl Walt als auch das Pferd werden auch von James bzw. Sayid gesehen, womit zumindest eines klar ist: weder Walt noch Fury sind eine Einbildung. Sie sind real. Nun ist es also an der Zeit, mal zu gucken, wie die Insel sich wem gegenüber wie offenbart:

Beginnen wir auch hier am Anfang und somit mit Benjamin Linus. Es ist nichts Neues, dass Ben besonders ist und die Mächte der Insel seit seiner Ankunft, um seine Seele kämpfen. In der nacht am Sonarzaun wird dies sehr deutlich. Ben sieht die Erscheinung seiner Mutter, die ihn zum Zaun führt. Ich halte es für extrem unwahrscheinlich, dass es sich hierbei um „Samuel“ handelt, denn der ist nach allem, was wir wissen, nur in der Lage die Gestalt von Leichen auf der Insel anzunehmen und Emily Linus dürfte bei Portland begraben liegen. Ferner scheint es auch für Richard später von Bedeutung zu sein, dass Bens Mutter nicht auf der Insel starb. Ich glaube aber, dass man „Samuel“ durchaus hören kann, denn am Sonarzaun sagt eine tiefe, dämonische Männerstimme: „Look at me“ („Sieh mich an“) Woraufhin Emily ihren Sohn beschwört, sie anzusehen. Die Stimme sagt daraufhin: „Ben, you are my prisoner and you are mine.“ („Ben, du bis mein Gefangener und du bist Mein.“) Kurz darauf hört man ein grollendes, sinisteres Lachen. Mir kommt es ganz so vor als hätten sich die hellen und dunklen Mächte der Insel von Anfang an um Ben gekloppt.

John wird ähnlich offensiv mit den Mächten der Insel konfrontiert und auch er wird höchstwahrscheinlich von beiden Seiten umworben. Das könnte sowohl bedeuten, dass John und Ben Wackelkandidaten sind, als auch, dass sie so besonders sind, dass beide Seiten sie für sich vereinnahmen wollen. Fakt ist: Sowohl Jacob als auch „Samuel“ sind bei der Verwirklichung ihrer Pläne auf Ben und John weit mehr angewiesen, als auf alle anderen Menschen. Für „Samuel“ bilden diese beiden sein Loophole und dienen somit wohl auch Jacob für seine Falle.

Jack und Eko sehen auf der Insel verstorbene Menschen aus ihrer Vergangenheit, deren Leichen auf der Insel sind. Ich will jetzt nicht wieder Vermutungen darüber anstellen, ob Sammy da jetzt als Christian oder Yemi rumläuft. Mir geht einzig und allein darum, dass Eko und jack eigentlich sehr gegensätzlich sind und Eko durch Yemis Erscheinung nicht überzeugt werden musste, Jack durch Christian hingegen schon. Jack erkennt durch sein weißes Kaninchen die übernatürlichen Mächte der Insel und wie Kate will er das, was er sieht, nicht wahrhaben, glaubt verrückt zu werden. Allerdings ist Kates Pferd nichts, was zwangsläufig übernatürlich sein müsste, so wie das Flüstern oder lebende Tote. Deshalb zweifelt sie, während Shannon und Sawyer zum Beispiel mit gar nicht mal völlig unmöglichen, wenn auch unerklärlichen Dingen konfrontiert werden und dennoch nicht einen Moment glauben, verrückt zu sein.

Man kann hier wohl nur eines, als unumstößliche Tatsache festhalten: Wenn die Zeit dafür gekommen is, wird sich die Insel einem jedem auf eine andere Weise offenbaren. Apropos Offenbarungen: Wie geht’s eigentlich so mit dem Film voran?

Locke und Eko hören gerade wie Marvin Candle alias Pierre Chang davor warnt mit dem Computer etwas anderes zu machen, als die Zahlen einzugeben, da erscheint auf dem Computer „Hello?“ Obwohl die Tastatur eigentlich noch gesperrt sein müsste, kann Michael antworten und tappt so höchstwahrscheinlich in die Falle. Denn er ist es, der zuerst seine Identität preisgibt. Vermutlich saß Ben am anderen Ende und wusste nur zu gut, welche Tasten er bei Michael drücken musste, um ihn zu sich zu locken und ihn später mit einem geeigneten Druckmittel dazu zu bringen, auch Jack, Kate und James in jene Falle zu locken, die Ben sein Überleben sichern sollte.

Damit schließe ich auch nun für heute. Morgen kümmer’ ich mich um die Gastbeiträge und hoffentlich komme ich mit „Feuer + Wasser“ mal etwas flotter voran.

Montag, 16. November 2009

Alle lieben Hugo!

Everybody hates Hugo:

Da bin ich nun wieder mit der nächsten Review. Diesmal zu: „Alle hassen Hugo“. Besonders viel von großer Bedeutung konnte ich in dieser jedoch Folge nicht finden. Dafür gibt es aber bestimmte gesellschaftskritische Elemente, die sich durch die Episode ziehen und die ich versuchen möchte, zu benennen und zu analysieren.

Beginnen wir aber ausnahmsweise mal gleich mit dem wohl interessantesten Part: Jack und Sayid untersuchen den Schwan und stoßen dabei auf eine Betonversiegelung nach der nächsten. Hinter dem Beton erzeugt irgendetwas ein uns wohlbekanntes Brummen und ein starkes Magnetfeld. Rohre mit heißem Wasser führen von dem versiegelten Bereich weg. Sayid vergleicht die Vorsichtsmaßnahmen, die hier getroffen wurden, mit Chernobyl/Tschernobyl/Tschornobyl – sucht euch eine Schreibweise aus, theoretisch hätte ich auch noch die zwei anzubieten: Чорнобиль und Чернобыль. Und jetzt sein wir doch mal ehrlich: das passt einfach zu gut zu der Jughead-Aktion, um einen Reset ernsthaft in Erwägung zu ziehen. Denn das Magnetfeld war immer da, das muss man nicht einbetonieren und man muss die Energie auch nicht schubweise freisetzen. Wäre es nur das Magnetfeld, hätte man den Schacht wieder zugeschüttet als es problematisch wurde und fertig. Auch die Rohre, die da unten verlegt wurden, erinnern doch irgendwie an die Kühlwasserleitungen eines AKWs.

Hurley erhält von Jack den Auftrag, die Vorräte zu sichten und Inventur zu machen. In einem Traum schlägt er sich aber erst einmal den Bauch voll. Wobei mir in der Szene der Gedanke durch den Kopf schoss: hat er sich nicht vor kurzem noch über Durchfall beklagt? Wenn man wochenlang nur von Fisch, Gemüse und Früchten gelebt hat und sich dann mit Eis, Schokoriegeln, Chips, Müsli und einem kalten Fertiggericht voll stopft, würde selbst der stärkste Verdauungsapparat ganz schön rebellieren. Etwas derart unvernünftiges unterstreicht wohl nur wieder Hurleys zwanghaftes Ernährungsverhalten. Mitten in die Fressorgie platzen dann Jin und ein Typ im Hühnerkostüm. Wer ist dieser Pakistani im Hühnerkostüm? Okay, er hat ihm den Lottoschein verkauft, doch dafür wird er kaum im Traum wohl nicht stehen. Ist er die Personifizierung von Hurleys Fresssucht? Oder viel eher eine Manifestation dessen, was Hurley nun fürchtet? Er vereint in sich Wohlstand (durch den Bezug zum Lottoschein) und Essen (durch das Mr.Cluck-Kostüm). Jin spricht hier ausnahmsweise mal Englisch, obgleich ja angeblich Hurley Koreanisch spricht. Jin mahnt Hurley, es werde sich alles verändern. Warum erscheint ausgerechnet Jin? Vermutlich weil er mit Hurley einmal fischen war und deshalb das Leben auf der Insel frei von allem Luxus und Wohlstand symbolisiert. Dieses spartanische, aber friedliche Zusammenleben, wird durch die nun begrenzt vorhandenen Luxusgüter gefährdet. Hurley erkennt das relativ rasch.

Wo aber genau liegt das Problem? Ganz einfach: Der Mensch kann eher damit leben nichts zu haben, wenn alle nichts haben, als damit zu leben etwas zu haben, wenn andere mehr haben. Der Mensch ist durch Konkurrenzdenken bestimmt. Auf der Insel besteht sowohl bei den Anderen als auch bei den Losties untereinander ein eher marxistisches Gesellschaftssystem. Die Anführer nehmen lediglich die Funktion von Administratoren (lat. “Verwalter“) und Moderatoren (lat. moderare = „mäßigen“, „steuern“, „lenken“) ein, haben aber keine darüber hinausgehenden Privilegien. Alle erhalten die selbe Versorgung und jeder hat seine Rolle innerhalb der Gruppe.

Jack versucht dies durch das Verteilen von Jobs auch noch weiterhin aufrecht zu erhalten, doch in dem Moment wo eine Fülle von – nichtsdestotrotz begrenzten – Gütern in die Gesellschaft kommt, entstehen Konkurrenzkampf und Neid. Aus gutem Grund mahnt Hurley Jack, keine Ausnahmen zu machen. Als Kate sich dann Shampoo holt, meint Rose zwar es sei „nur eine Flasche“ („just one bottle“), doch wie Hurley richtig anmerkt: Damit fängt es an. Denn in diesem Moment wird Kate bevorzugt und jeder, der jetzt zu Hurley käme, könnte sagen: „Wenn Kate Shampoo bekommt, dann verlange ich jetzt Schokoriegel!“ und dann kommt der nächste: „Shampoo ging ja noch an, aber wenn jetzt schon Schokoriegel verteilt werden, will ich auch Chips!“ bis irgendwann alle was haben und Kate kommt und meint, dass ihr Shampoo ja wohl weit weniger wert wäre als die Schokoriegel und damit geht das Spielchen von vorne los. Man kann es unmöglich allen Recht machen, alle gerecht behandeln. Das ist wohl auch der Grund, warum die Anderen so eine einfache Lebensweise vortäuschen und einige Auserwählte entführen: Sie könnten die Losties unmöglich alle mitversorgen, würden die aber erfahren, wie gut es den Anderen geht, würden sie neidisch werden und eine gewalttätige Eskalation wäre unvermeidbar. Also halten sie die Losties durch Einschüchterung und Betrug auf Abstand.

Charlie ist in dieser Folge fast so etwas wie die Personifizierung dieses Konkurrenzgedanken. So nimmt er etwa an, Hurley würde bezüglich der 156 Millionen Dollar lügen, und selbst bei der Lüge glaubt Charlie, ihn überbieten zu müssen (damit lügt er selbst übrigens auch vor dem Baby ;-) ) und behauptet 900 Trillionen US-Dollar zu besitzen (um Klugscheißerkommentaren vorzubeugen: Charlie kommt aus England und da entspricht die englische Vokabel „a trillion“ auch der deutschen „Trillion“, in den USA hingegen wäre „a trillion“ = „eine Billion“ im Deutschen; doch denke ich nicht, dass Charlie diese Barriere in der Zählweise bedacht hat und durchaus 900 Trillionen und nicht 900 Billionen meinte, wobei die Autoren selbst wohl wiederum 900 Billionen meinten – was für ein wirres Gerede). Als Charlie später mit Locke redet, sagt er nicht einfach: „Ich habe genauso ein Recht das zu erfahren, wie jeder auf dieser Insel!“. Nein, Charlie begründet es damit, dass er ja bei der A-Team-Mission dabei gewesen wäre, wenn er nicht so damit beschäftigt gewesen wäre, Rübenkopf zu retten. Gleichzeitig wirft er Hurley vor, er sei jetzt einer aus der Chefetage geworden: „You've become one of them!“ („Du bist einer von Ihnen geworden!“). Daran ist natürlich auch die Wortwahl interessant. „Einer von Ihnen“ und somit nicht länger „einer von Uns“ und gleichzeitig natürlich auch eine Analogie zu den Anderen, da Mitglieder der Anderen oft als welche „von Ihnen“ bezeichnet werden, obgleich „die Anderen“ selbst schon den Ausschluss impliziert. Anders als wer? In welcher Relation? Relation ist überhaupt das Zauberwort dieser Folge. Alles, was wir betrachten, ist vom Blickwinkel abhängig und davon womit ich etwas vergleiche.

Doch neben dem Überfluss werden auch andere gesellschaftliche Elemente, die viel mit Wahrnehmung zu tun haben, zu Leitmotiven dieser Folge. So findet Kate es etwa positiv „wieder“ einen Job zu haben, wobei ich mich frage: Seit wann ist vor der Polizei flüchten (außerhalb von Italien) ein Job? John zeigt gegenüber Hurley in Bezug auf die Jobs mal wieder, dass er auch super zum Insel-Diktator taugt, da er Hurley verweigert, seinen Job zu kündigen und ihn so in die Ecke drängt, was letztlich auch zu dieser depperten Aktion mit Dr. Arzts Lieblingsspielzeug führt. Das letzte mal brachte Hurley Überfluss überhaupt erst in die Situation kündigen zu können, wobei er nach dem Diebstahl von acht Mr. Clucks Hühnerbeinchen wohl eh’ bald entlassen worden wäre. Hierin spiegelt sich auch das soziale Gefälle zwischen Chef und Untergebenem wieder. John baut dieses Gefälle gegenüber Hurley künstlich auf, obwohl Hurley, für den John – ohne es zu wissen – jahrelang in einem unliebsamen Job tätig war, den er gegenüber Hurley auch als Argument anführt, in keinem Abhängigkeitsverhältnis zu John steht wie ein Angestellter zu seinem Chef. Auf der Insel sind alle voneinander abhängig, keiner ist in der Position über die anderen zu bestimmen, wenn die ihn nicht selbst in diese Position erheben, wie es bei Jack der Fall ist. Somit demonstriert die Folge auch sehr gut, dass die Habgier des Menschen ein Motor ist, aus dem selten Gutes erwächst. Auf der anderen Seite zeigt die Serie als Ganzes aber auch, dass der Mensch theoretisch zu einer harmonischen Gesellschaftsform fähig wäre, wenn die Umstände die richtigen sind.

John und Hurley sind aber nicht nur über ihre Verpflichtungen geteilter Meinung: Während John der Ansicht ist, dass Veränderung etwas positives ist, fürchtet Hurley jegliche Form der Veränderung, denn das Ergebnis könnte schlechter sein als der Status quo. Letztlich haben beide Unrecht. Solch pauschale Aussagen sind an und für sich gequirlter Mist. Es ist doch davon abhängig von was zu was eine Veränderung vonstatten geht. Nehmen wir als Beispiel mal die letzte Bundestagswahl. Viele jammerten über die große Koalition und wollten, dass sich was ändern. Die meisten sind nach der Wahl wohl auch der Ansicht gewesen, dass es eine Veränderung zum Positiven war, weil sie sonst nicht so gewählt hätten. Ich persönlich war nie ein Freund der Großen Koalition, hab ihr aber schon am Wahlabend nachgetrauert. Veränderungen sind wohl nie nur gut oder nur schlecht ODER noch etwas profaner formuliert: Des einen Freud ist des anderen Leid.

Dass Hurley auch schon vor seinem Lottogewinn kein Fan von Veränderungen war, sieht man gut in der Szene mit seiner Mutter, die ihm vorhält: „You have to change your life, Hugo.“ („Du hast dein Leben zu ändern, Hugo.“) Wobei ich mich in der Szene vor allem jedes Mal frage: Seit wann hat Jesus ein Telefon? Steht der auch im Telefonbuch? Also wenn einer die Nummer von JC hat, gebt bitte bescheid. Gibt so einiges, was ich den gerne mal fragen würde.

Tja, was gibt es zu der Storyline um Hurley sonst noch zu sagen? Vielleicht nur, dass es verwunderlich ist, dass Hurley keine Apollo-Candy-Company-Schokoriegel kennt? Oder müssen wir uns noch mit der Strandparty auseinander setzen, mit der Hurley es schafft, alle einen Abend lang zufrieden zu machen, so dass keiner mehr darüber nachdenkt, wer jetzt wovon wie viel bekommen hat? Ja, das wäre wohl erwähnenswert, wenn ich es nicht damit schon längst erwähnt hätte. Dann wären da noch die Szene im Plattenladen, wo sich Hurley und Johnny über „Suck Shaft“ lustig machen und die Story um die Erdnussbutter. Alles kleine Nebenhandlungen deren Bedeutung oder tieferer Sinn wohl jedem ersichtlich sein dürfte. Also streich ich jetzt mal eben einige meiner Notizen durch, weil sie eigentlich nichts enthalten, was von großer Bedeutung wäre... Record-Player, Charlie verfolgt John, Cluck You!, Button, „Always stay the same“... Normalerweise nutze ich immer alles, was ich notiert habe, aber irgendwie hab ich diesmal bei einigen Sachen wohl nicht nachgedacht, ehe ich sie notiert habe.

So, was bleibt über? Oh, ja: die Grube. Da hat man doch schon beim aller ersten Gucken ein starkes Déjà-Vu gehabt: Michael brüllt mal wieder in der Gegend rum und wir alle wissen, was er brüllt, oder? Kleiner Tipp: Er ruft nicht „Where’s Kate?“ Außerdem hackt Ana-Lucia mal wieder auf Sawyer rum und holt dann Michael und Jin aus der Grube. Wieso die Tailies nun mit Jin sprechen wollen, sei mal dahingestellt^^. Als Sawyer auch aus der Grube kommt, beweist Ana prompt mal wieder, was für ein unausstehliches Miststück sie ist. Ich weiß, dass einige sie mögen, aber für mich ist sie einfach nur herrisch, hysterisch und gewalttätig. Besonders in dieser Szene wird das wieder überdeutlich. Mit welcher Berechtigung meint sie anderen Befehle erteilen zu dürfen? Womit wir wieder bei der Machtfrage wären. Die elf Tailies, die von den Anderen verschleppt wurden, können eigentlich nur froh sein.

Die Tailies und die Rafties („Oh, ein neuer Spitzname!“) marschieren in Richtung Pfeil und da sagt Sawyer im Spaß etwas recht wegweisendes: „What are you going to do – beam us up?“ („Was machst du jetzt – uns hoch beamen?“). Wenn ich da so an eine andere Dharma-Station denke, finde ich das irgendwie lustig. Der Pfeil selbst ist komplett leer geräumt. In dieser recht großen, länglichen Station stehen nur noch ein paar Kisten und Tailies in der Ecke rum. Außerdem gibt es einen ersten Verweis auf die „Dezimierung“ der Tailies. Unter den wenigen Verbleibenden ist auch Bernard, der die Rafties nach Rose fragt, die noch in dieser Folge bekräftigte, zu wissen, dass ihr Mann noch am Leben sei. Deshalb sehen wir sie auch einen Schokoriegel verstecken, nachdem Bernard am anderen Ende der Insel nach ihr gefragt hat.

Außerdem wird von Claire in dieser Episode die angespülte Flaschenpost gefunden, die sie und Shannon zu Sun bringen. Dadurch wird die aufgebaute Parallele zwischen Sun und Rose bzw. Jin und Bernard noch mal unterstrichen. Sun vergräbt, während die anderen ihr Festessen genießen, die Flaschenpost und einen recht sprunghaften Ehering im Sand.

Und weil Jin und Sun so ein schöner Schluss sind und mir die Brücke zur nächsten Folge immens erleichtern, mach ich hier mal Schluss für heute. Wir lesen uns ;-)