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Dienstag, 13. Oktober 2009

"Folks down on the beach might have been doctors and accountants a month ago, but it's Lord of the Flies time, now. "

Tag 20 – 11.10.2009:

Hab jetzt „Lost in Translation“ geguckt. Was soll man dazu noch sagen? Einfach genial – eine saukomische Lektion in Sachen Völkerverständigung und Aufeinanderprallen der Kulturen. Besonders das mit dem Fisch... da kann ich mich jedes Mal drüber schlapp lachen: „Wir nehmen zweimal ‚Sieht doch eh’ alles gleich aus’!“ Bill Murrays bester Film nach „Und täglich grüßt das Murmeltier“.

Während ich mich nun frage, wer tatsächlich auf diesen kleinen Mindfuck meinerseits reingefallen ist, gehe ich mal zu der gleichnamigen Lost-Episode „...in Translation“ über: Viel notiert habe ich nicht – genau genommen sogar: So wenig wie noch nie. Vor vier Jahren noch hatte diese Folge fast erleuchtenden Charakter für uns: Es zeigte sich, dass Jin kein schlechter Mensch ist, vermutlich sogar ein besserer als Sun, obgleich er zuvor zwielichtig, fast böse rüberkam. Da wir das vor allem aus der Rückblende erfahren, steig ich da gleich mal ein. Jin beginnt also für Mr. Paik zu arbeiten und verleugnet bereits im Vorstellungsgespräch erstmals seinen Vater. Auf der Hochzeit tut er dies erneut. Gut, dass wir nun auch endlich wissen, warum wir von der Hochzeit nie die Trauung gesehen haben^^. Jin verspricht Sun in dieser Szene jedenfalls, dass sie in einem halben Jahr ihre Flitterwochen haben werden, wenn er erst einmal etwas für Suns Vater gearbeitet hat. Ihre Flitterwochen werden sie dank des Crashs in gewisser Weise tatsächlich bekommen. Die viel größere Ironie an der gemeinsamen Reise der beiden ist aber eine ganz andere: Jin plante – wie wir aus dem Gespräch mit seinem Vater erfahren – sich in den USA mit Sun abzusetzen. Sun wiederum wollte Jin eigentlich verlassen, um sich dann ebenfalls in den USA zu verstecken.

In der Geschichte um Han (nicht Solo!!!) ist mir eine gewisse Parallele zwischen Jin und Ben aufgefallen. Jin wird beauftragt eine „Nachricht“ zu überbringen und beim zweiten Mal schlägt er Han zusammen und sagt ihm: „Ich habe gerade Ihr Leben gerettet!“ Etwas ähnliches macht Ben, als Charles ihn schickt um Danielle zu töten: er fügt ihr Schaden zu, damit er sie vor noch größerem Schaden bewahren kann. Sowohl Ben als auch Jin werden für das verachtet, was sie im Namen von jemand anders tun. Jin sagt zu seinem Vater: „In einer guten Welt würde sie ihn hassen – nicht mich“ Genauso müsste man viele von Bens Taten eigentlich Jacob anlasten – Ben und Richard sind nur Überbringer der Befehle bzw. selbst Befehlsempfänger. Woran sich dann auch mal wieder zeigt, dass Jacob in all seiner Weitsicht ein verdammt selbstgerechter und bisweilen scheinheiliger Mistkerl sein kann, was wohl auch „Samuels“ Hass mitbegründet.

Aber auch Sun fügt in dieser Folge jemandem Schaden zu, um ihn vor noch größerem zu bewahren: Michael. In der Annahme, Jin sei fähig zu morden, ohrfeigt sie Michael am Strand, weil sie um sein Leben fürchtet. Später schützt sie aber auch Jin vor Michael, indem sie ihr „Schweigen“ bricht. Insofern ist diese Folge schon etwas besonderes: Sun handelt tatsächlich altruistisch und das gleich zweimal. Jin hat aber durchschaut, dass Sun Michael nur geschlagen hat, um eine Eskalation des Konflikts zu vermeiden. Eifersucht keimt in ihm hoch, die durch seine damalige Feindschaft zu Michael nur bestärkt wird.

Als sich Sun mit Kate von Frau zu Frau am Lagerfeuer unterhält, wird das Floß angezündet (und wieder mal brennt es bei „Lost“). Wir wissen mittlerweile, dass es Walt war und er es getan hat, weil sein Vater ihm von New York vorschwärmte, während er sich wünschte, auf der Insel zu bleiben. Das verbindet Locke und Walt und ist wohl auch der Grund, weshalb John Walt deckt: Beide wollen verhindern, dass jemand die Insel verlässt, aus Angst, sie selbst verlassen zu müssen. Um dieses Ziel zu erreichen vernichten sie die Fluchtmöglichkeiten der anderen Losties. Bemerkenswert ist auch Walts Verhalten beim Brand, denn es erinnert einen wieder daran, dass er ein Kind ist: Während die anderen sich schon darüber streiten, ob Jin der Täter ist, läuft Walt zum Floß und wirft etwas Sand ins Feuer. Da hätte er sich auch bald neben das brennende Floß stellen, den Kopf in den Nacken legen und zu pfeifen beginnen können. Das wäre ähnlich subtil gewesen.

Zu Jins eigenem Pech, hat er selbst sogar versucht das Floß zu löschen und sich dabei die Flossen verbrannt. Sun bemerkt dies. Wiedereinmal eine nette Parallele zwischen Inselhandlung und Flashback: Denn in einer der Rückblenden kommt Jin mit blutverschmierten Händen nach Hause, die er vor Sun zu verstecken sucht.

Dennoch schützt Sun Jin am Ende, doch ihr Vertrauensmissbrauch lässt Jin die Höhlen verlassen. Während Jin sich gegenüber seinem Vater noch wünschte: „I wish I could start over.“ („Ich wünschte, ich könnte noch einmal von vorne beginnen!“), erwidert er Sun, als diese fragt: „Can't we… just start all over?“(„Können wir nicht... einfach von vorne beginnen!“) „It's too late.“ („Dafür ist es zu spät.“) Danach hilft er Michael das neue Floß zu bauen: aus Feinden werden Freunde....und aus Freunden Feinde. Sun scheint außerstande zu verstehen, weshalb Jin wütend ist. Sie hat es nie verstanden. Erst als sie ihn für tot hält, wird ihr klar: das Problem war stets ihr Vater, niemals Jin. Jin befand sich in einer auswegslosen Situation und hat versucht das Beste aus seiner misslichen Lage herauszuholen. Da zeigt sich wiedereinmal wie selbstbezogen Sun selbst in ihrer Liebe zu Jin noch ist. Sie will ihn für sich haben, ihn besitzen, doch gleichzeitig müsste ihr klar sein, dass dies nie möglich sein wird, wenn er nicht für ihren Vater arbeitet. Sun und Walt tragen letztlich die Schuld an all den Miseren dieser Episode. Auch wenn Locke also sagt: „Everyone gets a new life on this Island!“ („Auf dieser Insel bekommt jeder ein neues Leben!“), so verspielen Sun und Walt ihren Anspruch darauf, wie je mehr sie sich daran klammern.

Mir ist aber noch ein wiederkehrender Satz im Gespräch zwischen Mr. Kwon und seinem Sohn aufgefallen: „...then walk away!“ Das gleiche sagen Charlie und Liam mehrere Male in den Rückblenden von „Der Nachtfalter“, wenn es um die Zukunft von DriveShaft geht. Da nur mal so am Rande ;-). Ich will ja nichts unterschlagen. Apropos „schlagen“: Sayids verhalten bei dem Kampf zwischen Michael und Jin ist ja auch mal wieder zu typisch. Der biegt sich die regeln wohl echt zurecht wie er sie gerade braucht. Da ist es also „ihre Sache“, aber wenn er Leute foltert, mit denen andere im Klinsch liegen, ist das okay.

Nun aber zu John Locke: ich frage mich, wann Locke wohl herausgefunden hat, dass Walt das Floß angezündet hat? Oder hat er es von irgendwem erfahren? Wenn man die erste Staffel so betrachtet scheint Locke sehr oft mehr zu wissen als er eigentlich wissen dürfte. Die Frage ist nur von wem? Jacob? „Samuel“? Smokey? Der Insel? Problematisch bliebe aber, selbst wenn wir es wüssten, ob das nun die „richtige Seite“ ist. Wir gehen zwar davon aus, dass Jacob der Gute ist, aber wissen wir es? Denn „Samuel“ hat schon irgendwo recht, mit dem was er über Jacob sagt. Ben ist das beste Beispiel dafür! Doch stellt sich da die Frage, ob Ben nicht der Hiob von Jacobs und „Samuels“ Duell ist. Nehmen wir mal an, dass „Samuel“ Satan darstellen soll und Jacob Gott. Man lässt Ben also zum Anführer der Anderen werden, gibt ihm Macht, Gesundheit und Leben und dann nimmt man ihm alles wieder weg, um seinen Glauben zu prüfen: er erkrankt an Krebs, seine Tochter wird vor seinen Augen erschossen, man verbannt ihn und als all das nicht ausreicht, bearbeitet „Samuel“ ihn so lange, bis er sich gegen Jacob wendet. Das Blöde ist nur: er wendet sich zwar gegen Jacob, aber nicht gegen die Insel und unter Umständen ist genau das Jacobs eigenes „Loophole“.

Locke zumindest ist ein Werkzeug dieses Kampfes. Die Seele um die es Jacob und „Samuel“ geht ist er jedoch nicht: das ist Ben. John bekommt mehr und mehr fast schon prophetische Züge in dieser Episode. Seine Rede am Strand hat aber noch einen anderen Nutzen als den streit zu schlichten. Locke sagt, dass es doch irrational wäre zu glauben, einer von ihnen würde, einen Fluchtversuch von der Insel unterbinden wollen. Doch genau das hat er selbst ja getan, obgleich er im Herzen schon damals ein Anderer war. Er lenkt nicht nur den Verdacht weg von Jin (oder auch Walt), sondern vor allem von sich selbst.

WOCHE 4

Tag 21 - 23 – 12.10.2009 – 14.1.0.2009:

Ist jetzt gerade Dienstag (13.10.2009) Mittag und soeben hab ich die Review zu „...In Translation“ fertiggestellt. Das war es für heute erst einmal. Ich brauche jetzt mal ein oder zwei Lost-Review-freie Tage, denn ihr werdet es schon gemerkt haben, dass die letzten Zusammenfassungen etwas fahriger waren als die am Anfang. Ehe ich also noch die Lust verliere, will ich mal bis morgen Abend ein bisschen was anderes machen. Das bedeutet nicht, dass ich jetzt so gar nichts sinnvolles mache, aber ich brauche etwas Abstand vom Schreiben, ehe es mir lästig wird. Letztlich denke ich, dass das wohl auch in eurem Sinne ist. Lieber mal zwei Tage Pause und danach bin ich wieder in Hochform, als das ich nach Staffel 1 den Nerv verliere. Also: morgen kommt nichts. Donnerstag geht’s wieder weiter. Das Staffelfinale wird ich übrigens in einer kompletten Review bearbeiten.

Vermutlich werde ich mich morgen aber mal um die „Read-more“-Funktion kümmern und mich an ein anderes gleiches Gimmick für das Blog setzen.