Sonntag, 10. Januar 2010

Jacob und der Loopholedude - Incident-Review Teil I (von voruassichtlich IV)

The Incident – Erster Teil:

Jetzt hab’ ich mich solange erfolgreich vor diesem Monster von einer „Lost“-Folge gedrückt, dass mir die Ausreden ausgegangen sind. Also, wo am besten anfangen? Ich denke in diesem Fall stürze ich mich auf das Interessanteste ausnahmsweise mal am Anfang: Jacob und sein mysteriöser Widersacher, sein Bad Twin, seine Nemesis. Jede Kraft im Universum braucht eine ebenso starke Kraft, die ihr entgegenwirkt, damit alles in Balance bleibt. Das gilt nicht nur in Naturwissenschaften (etwa bei Materie und Antimaterie, Plus und Minus, aufzubringenden Kräften und dergleichen), sondern auch in den Gesellschafts- und Geisteswissenschaften. In der Mathematik muss auf beiden Seiten eines Gleichungssystems am Ende stets der gleiche Wert rauskommen. In der Philosophie gibt es zu jeder These eine Antithese, die zusammen zur Synthese führen – etwa Idealismus und Materialismus. In der Wirtschaft stehen sich Kapitalisten und Kommunisten oder in Politik und Soziologie Rechte und Linke gegenüber. Bei den Spiritisten und in den Religionen dieser Welt findet sich auch stets ein Yang zu jedem Yin. Seien es nun Maat und Isfet bei den Alten Ägyptern oder Gott und Teufel im Christentum. Ordnung und Chaos, Gut und Böse, Hell und Dunkel. Sie bilden stets eine Einheit – das eine kann nicht ohne das andere. Man kann kein Glück empfinden, wenn man das Leid nicht kennt. In „Lost“ finden sich zahlreiche dieser Gegensatzpaare: Glaube und Wissenschaft, Gefühl und Verstand, Schwarz und Weiß, Hell und Dunkel, Sozialismus und Kapitalismus, Leben und Tod, Idealismus und Materialismus, Losties und Andere, Jack und John, Jack und Sawyer, Ben und Charles, Ben und Sayid, John und Ben, Eko und John und letztlich halt auch Jacob und „Samuel“.

Was wissen wir nun definitives über die beiden? Nicht sehr viel. Jacob erscheint uns als verhältnismäßig junger Mann so um die Vierzig. Ob das sein wahres Erscheinungsbild ist, können wir nicht sagen, obgleich wir bislang kein anderes von ihm zu Gesicht bekommen haben. Da die Anderen Jacobs Gegenpart nie als solchen erwähnt haben, können wir nicht einmal sagen, was von dem, das Ben und Richard so über Jacob gesagt haben, auch wirklich auf ihn zutrifft. Die Technologiefeindlichkeit etwa scheint doch sehr viel mehr zu „Samuel“ zu passen als zu Jacob, denn so viel wird in der Eröffnungsszene von „Der Vorfall“ klar: Jacob ist die treibende Kraft, der Fortschritt. Er ist zwar geduldig und ausdauernd, aber nichtsdestotrotz eine in die Zukunft blickende Persönlichkeit. „Samuel“ hingegen ist konservativ, fast reaktionär. Die beiden haben große Ähnlichkeit mit einer Vielzahl mythologischer Wesen und so langsam aber sicher wird es wohl Zeit einen allumfassenden Blick darauf zu werfen.

Beginnen wir mal bei den monotheistischen Weltreligionen – vor allem Christentum und Judentum. Der biblische Jakob ist hier nach Jesus (und das auch nur bei den Christen) wohl die größte Ausnahmeerscheinung unter den Menschen. Jakob war der Sohn Isaaks (somit also der Enkel von Abraham) und wurde kurz nach seinem Zwillingsbruder Esau geboren. Angeblich soll er sich sogar bei der Geburt an Esaus Ferse festgehalten haben. Festgehalten? So, so... Ja, der Name Jakob steht (laut Wikipedia) sogar synonym für „Fersenhalter“. Okay, Fersen bekommt man sonst nicht so gut zu fassen, aber dafür Schultern, Nasen und Hände.

Während Isaak Esau bevorzugte, bevorzugten sowohl Jakobs Mutter Rebekka als auch Gott Höchstselbst Jakob. Doch war Jakob – wenn auch nur sehr knapp – dummerweise nicht der Erstgeborene. Allerdings gelang es ihm Esau auszutricksen. Diese altbekannte Geschichte mit dem Linsengericht, das Jakob mit Esau gegen das Erstgeborenenrecht tauschte, zeigt sehr deutlich, warum Jakob Gott wohl lieber gewesen sein dürfte: Esau demonstriert hier sowohl Unüberlegtheit als auch Gier, während Jakob listig und weitsichtig agiert. Später erschlich er sich mit der Hilfe seiner Mutter auch vom schon greisen und fast blinden Isaak den Erstgeborenensegen und floh danach zu Verwandten. Da war er überaus umtriebig. Er erarbeitete sich gleich zwei Frauen und zwar die Töchter seines Onkels Laban: Lea und Rachel. Aber damit nicht genug der Inzest. Da Rachel zunächst keine eigenen Söhne gebar, legte Jakob kurzerhand noch die Hauptmägde (und übrigens auch Halbschwestern) seiner zwei Frauen flach. Da kann man nur fragen: Weiß der Papst das?

Was Jakob aber vor seiner Rückkehr ins gelobte Heimatland vollbrachte ist wohl wahrlich einmalig: Er rang einen Engel nieder. Engel sind die Krieger Gottes und wenn ein Mensch einen von ihnen besiegt, kommt das einem Sieg über Gott gleich. Um Jakobs Sieg beim Ringen mit Gottes Krieger zu ehren, segnete der Engel Jakob auf dessen Verlangen hin und gab ihm den Namen Israel („Gottesstreiter“). Dieser Mann, der Stammvater der Israeliten, ist folglich der einzige Mensch, der es jemals fertiggebracht hat, sich mit Gott zu messen und obendrein zu obsiegen. Darüber hinaus hatte er zwölf Söhne von denen der jüngste den Namen Benjamin trug – wir glauben ja nicht an Zufälle.

Aber ist dieser Jakob, denn der einzige Jakob in der Bibel? Nein, nicht wirklich, denn da wären noch die zwei Jünger Jesu mit Namen Jakobus, von denen einer sogar Jesu Bruder war und zusammen mit Simon wohl am stärksten zur Verbreitung des Christentums beigetragen hat.

Da wir „Samuels“ wahren Namen bislang nicht kennen, würde man meinen, man müsse sich ihm wohl vor allem über seine Ansichten und die Beziehung zu Jacob nähern. Allerdings möchte ich für einen Moment mal die Möglichkeit zulassen, dass dieser Name aus dem Castingaufruf nicht allzu weit von seinem wahren Namen entfernt ist. Denn jener Engel, den Jakob niederrang, wird bei Hanina Ben Hama als Erzengel und obendrein als der Schutzengel Esaus identifiziert– sein Name: Samael oder auch Sammuel. Das zeigt wie wichtig auch Esau war, denn einen Erzengel als Schutzengel zu haben ist etwa so als wenn der Papst und Barack Obama eure Bodyguards wären. Schutzengel stehen in der himmlischen Hierarchie nämlich kurz über Toilettenreiniger, während Erzengel die Chefetagen bewohnen – obgleich sie erst der achte Chor sind, tauchen fast alle Erzengel in höheren Engelschören ebenfalls auf. Ferner haben nur wirklich auserwählte Menschen mit Erzengeln Kontakt, andere Menschen bekommen meist nur normale Engel zu sehen, die aber immer noch über den normalen Schutzengeln stehen. Dass aber ein Erzengel als Schutzengel auf eine bestimmte Person angesetzt wird, ist meines Wissens nach einmalig. Was ist über diesen Erzengel Samael noch bekannt? Tja, da stoßen wir nun doch gleich auf ein Problem, denn der Begriff „Erzengel“ ist an und für sich schon mal eine verdammt heikle Angelegenheit. In der Bibel als Erzengel verbürgt wird nur Michael. Je nach Quelle zählt man neben Gabriel und Raphael oft noch Uriel zu den vier Erzengeln. Danach wird es aber schon verdammt schwierig. Wie steht es mit Metatron? Zählt man jene Engel, die im Buche Henoch in einer Reihe mit Michael, Gabriel, Raphael und Uriel erwähnt werden, mit dazu? Was ist mit Luzifer? Und was mit unserem Samael? Samael und Luzifer haben schon mal so einiges gemein, denn beide tauchen sie als Anführer der rebellierenden Engel auf – der eine im Christentum (zumindest laut moderneren Glaubenslehren, denn namentlich als solcher erwähnt wird Luzifer nie), der andere in der Kabbala. Samael ist also auch ein gefallener Engel, der gegen Gott aufbegehrte und den Grund dafür, dass die Engel gegen Gott aufbegehrten, dürften die meisten kennen: die Menschen. Samael wird bei Rabbi Jose als Ankläger (hebräisch: „Satan“) identifiziert. Und was tat der Satan im Buche Hiob? Er trat vor Gott und klagte die Menschen an, behauptete, dass sie nur solange Gott treu wären, wie er sie liebe und ihren Wohlstand sichere. Hiob, der überaus wohlhabend und gläubig ist, wird für Gott und Satan exemplarisch zum Gegenstand ihres Experiments und Satan bemüht sich nach Kräften Hiob zu demoralisieren und ihm seinen Glauben zu nehmen. Ursprünglich war der Satan also ein kleiner Quälgeist, der den Menschen ihr Glück nicht gönnte, sie für schlecht hielt. Klingt doch verdammt vertraut, oder? Unser „Samuel“ ist ein Ankläger, ein Satan, denn auch er klagt die gesamte Menschheit an.

Wer nun aber glaubt, damit sei der Satan bei Gott stets auf taube Ohren gestoßen, irrt. Wir alle kennen die Geschichten vom Sündenfall, von Noah und seiner Arche und von Sodom und Gomorra. Gerade die letzte ist wiedereinmal richtig interessant, denn da rang Abraham Gott das Versprechen ab, er würde diese verdorbene Stadt nicht zerstören, wenn es Abraham gelänge, zehn rechtschaffene Menschen zu finden. Prompt sind wir wieder bei Jacob, der nach seiner kleinen Gruppe guter Menschen sucht, um den Beweis zu erbringen, der „Samuel“ Fehlbarkeit nachweist. Es ist als hätten Samael und Jakob bzw. „Samuel“ und Jacob nie damit aufgehört miteinander zu ringen – noch immer bekämpfen sie einander.

Noch ein paar Worte zu Luzifer (um mal mit einem alten Irrglauben aufzuräumen): Luzifer heißt „Lichtbringer“ und es ist lediglich eine Theorie, dass er der Teufel sein soll. Letztlich wird nur gesagt, dass ein Stern (Luzifer war bei den Römern der Name für den Morgenstern) vom Himmel gestürzt sei, dem man den Schlüssel zum Höllentor gegeben hätte. In der Apokalypse öffnet er es und befreit das Heer Abaddons. Huch, kommt euch der Name etwa auch so bekannt vor? Wer schickt den „Lost“-Abaddon zum „End Game“ los? Charles. Es wäre wohl nicht zu weit aus dem Fenster gelehnt, Luzifer in Charles Widmore zu sehen, der ja auch von einem gestürzt wird, der bei Jacob höher im Kurs steht. Charles und Luzifer fallen beide in Ungnade und so tritt der auf den Plan, der bei Jacob bzw. Gott am höchsten im Kurs steht und sein persönlicher Chef-Vollstrecker ist: Ben bzw. der Heilige Erzengel Michael, der Führer der göttlichen Heerscharen.

Freut euch nicht zu früh, ich bin mit Bibel, Tanach und Co noch nicht durch. Es gibt in der Bibel nämlich noch ein paar andere Streithähne, die zu betrachten nicht schaden kann: „Und Kain sprach zu dem Herrn: Meine Strafe ist größer, als ich sie ertragen kann. Du vertreibst mich heute von meinem Ackerland, unstet und flüchtig muss ich sein auf Erden, und wer mich antrifft, der wird mich totschlagen. Da sprach der Herr: Nein, wer dich erschlägt, an dem soll es siebenfach gerächt werden [keine Ahnung wie man das bewerkstelligen will, Anubis2705]. Und er versah Kain mit einem Zeichen, damit ihn keiner erschlüge. Und so ging Kain weg vom Angesicht des Herrn und zog ins Land Ruhelos, jenseits von Eden.“ (1. Mose: 4, 13-16) Der Vertriebene, dessen Verbrechen nicht durch seine Ermordung vergolten werden können, erinnert natürlich vor allem an Charles. Kain und Abel sind aber insofern nicht ganz uninteressant für Jacob und „Samuel“, da auch diese beiden im Paradies (auf der Insel) rumhocken und der eine dem anderen nach dem Leben trachtet.

Tja, dann wäre da noch der gute, alte Judas. Bei dem stellt sich auch nach etwa 2000 Jahren noch die Frage: War es wirklich Verrat? Wie Ben beging Judas seine Tat vielleicht aus tieferem Glauben heraus, denn 30 Silberstücke waren jetzt nicht wirklich eine angemessene Entlohung für die Auslieferung eines Staatsfeindes wie Jesus es für Römer und Teile der jüdischen Hohepriester war. Jesus musste (und Jacob ja vermutlich auch) sterben, damit sich alles zum Guten wendet. Manche meinen auch Judas sei vom Satan besessen gewesen... ob man nun besessen ist oder er in Tarnung daneben steht – ein marginaler Unterschied, meint ihr nicht?

Doch erfüllt „Samuel“ nicht nur die Kriterien für die Rolle des Anklägers, sondern vor allem für eine ebenso weitverbreitete Klasse spiritueller Wesen: die Trickster. Trickster sind überaus mächtige Götter oder Geister, die die Sünden der Menschen gegen sie kehren, sie verspotten und manipulieren. Trickster sind Gestaltwandler, Schelme, Rächer und Ankläger. Sie sind nicht gut oder böse, sondern haben lediglich einen recht speziellen ethischen Kodex und überdies oft einen zynischen bis sadistischen Humor. Wer könnte leugnen, dass das nahezu ausnahmslos auf „Samuel“ zutrifft. „Samuel“ ist ja nicht der Inbegriff des Bösen. Ganz im Gegenteil prangert er die Verbrechen der Menschen an, erachtet sie für unwürdig. Für manche Menschen kann er aber auch ein gewisses Maß an Verständnis aufbringen, denn obgleich er Ben benutzt, hat er gewisse Empathien für ihn, versteht seinen Schmerz.

Trickster existieren in nahezu allen Mythologien und Religionen der Welt. Das Christentum bildet hier die große Ausnahme, da die katholische Kirche sich wohl nie so recht mit dem Gedanken anfreunden konnte, dass es Wesen in Gottes Schöpfung gibt, die nicht nach ihren Regeln spielen, sprich weder schwarz noch weiß sind, was auf Trickster zweifelsohne zutrifft.

Doch da stehen wir überhaupt vor einem Problem, dass sowohl „Samuel“ als auch Jacob betrifft: sie fügen sich nicht so recht in unser Verständnis von Gut und Böse. Nicht nur, dass „Samuel“ kein Feind der Menschen ist, weil er böse wäre, sondern weil er die Menschen selbst für böse hält, nein, ihm fehlen auch sonstige Züge, die wir mit dem Bösen assoziieren: er ist kein Sadist, spielt nach den Regeln, tötet nicht grundlos. Und auch mit den etwas wertfreieren Begriffen von Ordnung (Maat) und Chaos (Isfet) wie bei den Ägyptern kommen wir nicht sehr weit, denn obgleich Jacob die Lichtgestalt ist, so voller Güte und Mitgefühl, ist er doch weitaus chaotischer als sein Antagonist. „Samuel“ spricht die Sprache der Ordnung, ist konservativ, reaktionär. Er steht dem Tod zwar näher als dem Leben, doch ist der Tod weder böse, noch chaotisch – im Gegenteil: nichts ist ordentlicher als Dinge, die tot sind. Das Leben (Jacob) hingegen ist laut und plärrend, ständig in Bewegung. Veränderung. Evolution. Fortschritt. Jacob ist das Chaos, der Rebell. Er ist nicht bereit aufzugeben, seine Fehleinschätzung einzugestehen. Schließlich sagt „Samuel“: „Still trying to prove me wrong, aren't you?“ („Du versuchst noch immer, zu beweisen, dass ich mich irre, oder etwa nicht?“). „Noch immer“ – also muss man um diesen Streit zu gewinnen, den anderen davon überzeugen, dass er falsch liegt und „Samuel“ geht es langsam auf den Keks, dass Jacob nicht einfach zugeben kann, dass „Samuel“ recht hatte. Doch Jacob muss seine Fehlannahme eingestehen, damit „Samuel“ gewinnt, könnte genau das Jacobs eigenes Loophole sein? Denn ein Toter kann schlecht einen Fehler zugeben.

Kommen wir jetzt zu der Ägyptischen Mythologie, die bei „Lost“ ebenso präsent ist wie die abrahamistischen Religionen und im Falle von Jacob und „Samuel“ durch die Statue sogar noch etwas mehr im Vordergrund zu stehen scheint. Zwar haben auch Judentum und die daraus entstandenen Religionen (Islam und Christentum) ihren Ursprung in Ägypten (Aton-Glaube), aber ein Blick auf die Ägypter lohnt sich wohl dennoch. Besonders ausführlich wird der allerdings nichts ausfallen, denn den detaillierten Blick darauf hab’ ich großteils schon an anderer Stelle gewährt – denke ich mal. Wer es also genau wissen will, liest im Lostpedia-Blog am besten meine ersten beiden Abhandlungen über die Zusammenhänge zwischen „Lost“ und Ägyptischen Göttern durch.

Grundlegend gibt es zwei Paare, die ganz gut auf „Samuel“ und Jacob passen würden: Osiris und Seth UND Ra und Apophis. Da ich die Osiris-Story nun wirklich schon mal haarklein erklärt habe, sei nur so viel gesagt, dass zumindest der Mord sehr gut dazu passen würde und auch Osiris weiteres Schicksal nach seinem Tod. Dennoch bin ich eher ein Verfechter der Hypothese, dass Jacob sich in Ra und „Samuel“ in Apophis wiederfindet. Die beiden waren nämlich echt verdammt zäh, haben sich jede Nacht aufs neue in der Unterwelt die Köppe eingeschlagen. Nachdem Ra nämlich als Atum im Westen untergegangen war, musste er ja irgendwie nach Osten gelangen, um dort als Chepre am Morgen wieder aufzugehen. Daher durchwanderte er des Nachts den Duat. Und jede Nacht wurde seine Nachtbarke von Apophis attackiert.

Auch das Motiv des Feuers passt zu Ra, der als Sonnengott ja auch das Feuer der Sonne mitrepräsentiert. Das Feuer steht bei den Alten Ägyptern oft für Schutz und Reinigung. Außerdem gerade im Zusammenhang mit Ra (aber auch Osiris) für Wiedergeburt, wenn er das Morgens als Chepre auf einem Sandhügel erscheint und emporsteigt wie Phönix aus der Asche.

Apophis würde zumindest zu Smokey (und es ist wohl überaus wahrscheinlich, dass „Samuel“ und Cerberus das gleiche Wesen sind) passen wie die Faust aufs Auge, denn Apophis war eine riesige Schlange und obendrein der Gott der Unwetter, des Gewitters und der Zerstörung. Erinnern wir uns doch mal an das Relief unterhalb des Tempels, auf dem Anubis und ein komisches Schlangenmonster zu sehen waren: diese stilisierte Darstellung des Monsters (ich gehe mal davon aus, dass es das sein soll) würde recht gut zu Apophis passen. Ferner war Anubis ja wahrlich der Wächter der Unterwelt, der Beschützer der Verstorbenen. Nach Maat selbst war Anubis wohl die gerechteste, schützendste und wohlgesinnteste Gottheit der Alten Ägypter. Denn er hütete und bewahrte auch die Maat – Aspekte, die durchaus auch zu Jacob passen würden, obgleich uns da seine helle Kleidung einen Strich durch die Rechnung macht, denn Anubis’ Farbe war Schwarz. Bis heute tragen wir in Trauer diese Farbe.

Die Anderen hingegen tragen Weiß und ich finde es schon verdammt auffällig, dass die Trauerkleidung der Anderen sehr Jacobs Hemd in diesem kleinen Prolog ähnelt. Wo wir gerade bei Jacob und Stoff sind, mal ein kleiner Blick auf den Teppich. Ich will jetzt zunächst mal nicht dessen Inhalt begutachten, sondern nur den Teppich als solches und wofür er ein Symbol sein könnte. Mir kommen da ja die Moiren in den Sinn – die Griechischen Schicksalsgöttinnen, die jedem Menschen ihren Lebensfaden spannen. Die germanischen Nornen gehen noch einen Schritt weiter: die webten die Fäden dann nämlich zu einem Schicksalsteppich zusammen. Im Falle der Moiren hat eine gesponnen (okay, gesponnen haben sie vermutlich alle drei^^), eine bemessen und eine abgeschnitten. Jacob spinnt (dieses Verb bringt einen echt in arge Bedrängnis) und „Samuel“ schneidet ab... aber wer misst? Oder spinnt die Insel und Jacob misst? Ich schätze aber mal, dass sich das Bild des Schicksalsteppichs in Verbindung mit Jacob wahrlich selbst erklärt, denn er fügt halt die Schicksalsfäden aller zusammen und als er fertig ist, stirbt er. Ben sagt er: „You like it? I did it myself. It takes a very long time when you're making the thread, but, uh... I suppose that's the point, isn't it?“ („Gefällt er dir? Ich hab ihn selbst gemacht, Es nimmt einige Zeit in Anspruch, wenn man den Faden [aber auch: der Gedankengang, die Diskussion] selbst macht, aber...nun... ich schätze mal, das ist der springende Punkt, oder nicht?“) Er hätte auch sagen können: „Wo wir uns endlich mal treffen, hast du eigentlich eine Vorstellung, was das für eine Arbeit ist euch alle genau zur rechten Zeit, an den rechten Ort zu bringen? Allein!“

Bemerkenswert ist überhaupt, dass Jacob in der Szene unter der Statue nur ein einziges Mal das Wort an „Samuel“/Locke richtet und das auch erst, nachdem dieser Jacob von sich aus angesprochen hat – fast so als wolle er sagen: „Eye, du Arsch, ich bin auch noch da!“ Jacob spricht mit Ben und Flocke plappert dazwischen: „Hello, Jacob!“ („Hallo Jacob!“) Alles, was Jacob antwortet, ist: „Well, you found your loophole.“ („Gut, du hast dein Schlupfloch gefunden.“) Letztlich ist selbst das mehr eine Feststellung als wirklich ein Gespräch. Jacob würdigt „Samuel“ kaum eines Blickes, geht völlig über ihn hinweg. Ben hingegen behandelt er sehr respektvoll, geht auf ihn ein, hört zu, als jener ihm sein Leid klagt. Auch weißt er Ben nachdrücklich daraufhin, dass er noch immer einen freien Willen, eine Wahl hat. Das Problem ist nur, Ben wurde für sein eigenes Empfinden von Jacob selbst nie eine Wahl gelassen. Ben lebte all die Jahre in der festen Überzeugung, dass er Jacob und der Insel zu Diensten sein muss, doch jetzt denkt er, dass er entweder Jacob oder der Insel dienen kann. Also trifft er unbewusst tatsächlich eine Wahl. Zunächst aber entscheidet er sich nur für sich selbst, denn er will Klarheit und gibt Jacob eine letzte Chance, sich zu erklären. Andere an Bens Stelle hätten Jacob diese Möglichkeit sich zu entschuldigen wohl nicht eingeräumt und ihn gleich umgelegt. Ich finde, diese Szene zeigt zwei Dinge sehr klar: Ben ist Jacobs Auserwählter, sein Favorit UND Ben ist in seinem Kern ein guter Mensch, denn trotz allem, wovon Ben glaubt, dass Jacob es ihm angetan hat, will er ihn nicht töten. „Samuel“ muss viel Überzeugungsarbeit leisten und sogar Jacob selbst, muss Ben noch weiter provozieren. Bevor ich jetzt aber wieder zu tief in einer Analyse der Beziehung zwischen Jacob und Ben versinke, kehre ich noch einmal zu den mythologischen Bezügen bei Jacob und „Samuel“ zurück, denn da war ich noch keineswegs fertig:

Wir waren mittlerweile ja schon bei den Griechen angekommen. Dieser Bezug ist aufgrund der altgriechischen Textpassagen auf dem Teppich auch keineswegs aus der Luft gegriffen. Einige sehen einen Bezug zwischen Jacob und Apollo, dem griechischen Gott der Weisheit und schönen Künste. Hinweise darauf wären etwa der nach Apollo benannte Schokoriegel, den Jacob Jack gibt (allerdings könnte diese Namensgebung auch eine Anspielung auf Mars sein... oder war der römische Kriegsgott doch Snickers? Na ja, zum Glück war es wenigstens kein MilkyWay oder gar ein Raider, denn dann hätte sich Jacob in Twix umbenennen müssen^^), oder die Namen der Dharmastationen, bei denen sich häufig Bezüge zu Mythen rund um Apollo herstellen lassen.

Ich persönlich würde jedoch viel eher einen Bezug zu Prometheus sehen. Prometheus war nämlich wie Jacob ein Fan von Feuer, ein echter Philanthrop und obendrein ein kleiner Revoluzzer. Prometheus stahl den anderen Göttern nämlich das Feuer und gab es den Menschen. Er hatte wohl nicht bezweckt, dass wir gleich anfangen uns damit auch gegenseitig umzubringen, aber er tastete halt unseren freien Willen nicht an. Anderes Zeus. Der war nämlich auf 180, als er von Prometheus’ Tat erfuhr, und hat den armen Titan daraufhin an den Kaukasus gekettet, wo ihm seither jeden Tag aufs Neue von einem schlechtgelaunten Adler die Leber rausgepickt wird. „Loop, Dude, Loop!“

Eine in „Lost“ stark vertretene Religion haben wir noch abzuarbeiten: den Buddhismus. Wobei der Buddhismus wohl mehr eine Lebenseinstellung als eine Religion im klassischen Sinne ist. Vorab muss ich allerdings gestehen, dass ich mich beim Thema Buddhismus auf dem bewege, was Sarah Kuttner einst das „oblatendünne Eis des halben Zweidrittelwissens“ nannte. Doch zum Glück ist mir das Schicksal bei meiner Recherche derzeit hold und so fand ich etwas sehr aufschlussreiches, an einem Ort, wo ich es nicht vermutet hätte, und zwar in Heinrich Krauss’ „Kleines Lexikon der Engel – Von Ariel bis Zebaoth“. Hier steht auf Seite 33f. unter dem Stichwort Buddhismus folgendes: „Auch wenn der Buddhismus keinen Schöpfergott im Sinne der monotheistischen Religionen kennt, so leugnet er doch nicht die Existenz von Göttern und engelähnlichen oder dämonenhaften Wesen. Sie haben zwar eine übermenschliche Daseinsform, unterliegen jedoch, wie die gewöhnlichen Sterblichen, dem leidvollen Kreislauf von Tod und Wiedergeburt, so lange sie sich nicht durch sittliche Vollendung und Erleuchtung aus diesem Bereich ‚Samsara’ befreit haben und ins ‚Nirwana’, die Sphäre der Erlösung, eingegangen sind.“ Das passt so erschreckend gut in das Gesamtbild von Jacob, dass ich den Abschnitt gleich viermal lesen musste. Jacob ein göttliches Wesen auf dem Weg zur Erleuchtung? Wiedergeburt? Das ist wohl das, was der Buddhismus allen anderen Religionen voraus hat: er kann problemlos mit ihnen co-existieren – sie nur nicht mit ihm. Bezüglich Jacob trifft das auch erst einmal den Kern und man müsste sich für alles weitere wohl an einen separaten Artikel zum Thema „Lost und Buddha“ machen, doch dazu müsste ich mich zumindest erst mal in die Materie reinarbeiten, wozu es mir im Moment etwas an Zeit mangelt. Wenn euch aber ein solcher Artikel wichtiger wäre als so manche Review, müsst ihr das sagen. Vielleicht kennt sich aber auch einer von euch mit dem Thema aus und kann darauf basierend selbst so eine Abhandlung als Gastbeitrag verfassen.

Interessant ist der Buddhismus aber auch in Bezug auf „Samuel“, denn so heißt es auf Wikipedia zu den vier edlen Wahrheiten: „1. Das Leben im Daseinskreislauf ist letztlich leidvoll“ (Die Red Sox lassen schön grüßen) und „2. Die Ursachen des Leidens sind Gier, Hass und Verblendung“ (auch Meister Yoda entsendet seine Grüße). Ungeachtet dessen, dass dies ganz gut zu „Samuels“ Grundeinstellung passt, kam mir noch eine andere total verrückte Idee, die wahrlich ein fetter Mindfuck wäre, wenn sie stimmen würde. Wir gehen die ganze Zeit davon aus, dass „Samuel“ Jacob loswerden will und Jacob der Überlegene ist. Was wäre aber, wenn „Samuel“ bereits eine Bewusstseinseben weiter ist und „Do you have any idea how badly I wanna kill you?“ („Hast du eigentlich eine Idee, wie schlimm es mir danach verlangt, dich zu töten?“) gar nicht feindselig gemeint ist. Was wenn „Samuel“ hier keine Drohung ausspricht, sondern ein Versprechen abgibt: „One of these days, sooner or later... I'm going to find a loophole, my friend.“ („Eines Tages, früher oder später... finde ich ein Schlupfloch, mein Freund.“) Könnte doch auch heißen: „Irgendwann gelingt es mir, die Regel zu umgehen und dich zu erlösen. Und dann, mein Freund, wirst du erkennen, das ich recht hatte, denn dann bist du erleuchtet.“ Denn alle Wesen sind laut Buddhistischer Lehre in einem Kreislauf aus Leben, Tod und (Wieder)Geburt gefangen, bis sie ein Schlupfloch finden und aus ihm ausbrechen können.

Damit bin ich gleich bei der zweiten Möglichkeit: Oder aber „Samuel“ redet von sich selbst, dass er für sich ein Schlupfloch aus diesem Kreislauf sucht, um Jacob ebenbürtig begegnen zu können, da dieser das Nirwana bereits erreicht hat.

Okay, alles darüber hinausgehende würde dazu führen, dass mich meine eigenen Gedankengänge überfordern, weshalb ich nun einmal die Ebene der übernatürlichen Entitäten verlasse und wir nun endlich zu Jacobs Aufeinandertreffen mit anderen Schlüsselcharakteren zu sprechen kommen: All diese Treffen haben bestimmte Gemeinsamkeiten, wobei es bei jeder Gemeinsamkeit mindestens eine Ausnahme von der Regel gibt. Bei allen Treffen spricht Jacob mit dem jeweiligen Hauptcharakter und auch nur mit ihm (Ausnahme: bei Ben spricht er auch mit „Samuel“). Er bietet ihnen etwas an, was außer „Samuel“ alle annehmen, oder überlässt ihnen auf anderem Wege irgendetwas (Ausnahme: Sayid nimmt er etwas). Jacob sucht die Betreffenden selbst auf oder wartet irgendwo auf sie. Die Besuche finden stets an besonderen Schlüsselmomenten der Betreffenden statt (okay, Ben besucht Jacob selbst, was schon an und für sich ein Schlüsselmoment ist). Jacob berührt seinen Gegenüber (Ausnahme: „Samuel“). Keinem außer Ben und „Samuel“ ist wirklich bewusst mit wem sie sprechen, nur Ilana scheint sich Jacob sich dann irgendwie zu offenbaren. Jacob tut etwas für jeden von ihnen (Ausnahmen: „Samuel“ und Sayid). Soweit zu den Gesetzmäßigkeiten.
Jetzt wollte ich zwar direkt auf die Besuchen bei den ganzen Charakteren im einzelnen eingehen, doch dann dachte ich, dass ihr wahrlich lange genug auf neuen Lesestoff warten musstet und ich das mal auf Teil 2 vertage. Ich weiß nur schonmal eines: Seit meiner Facharbeit über den Vampirmythos und seine politische Bedeutung im Mittelalter, hab ich nicht mehr soviel für einen Text recherchiert wie für diesen - hoffe es hat sich gelohnt.^^

Mittwoch, 6. Januar 2010

+++ Breaking News +++ mit Anubis Klöppel^^

Hi,
ich hatte ja versprochen euch nochmal auf den aktuellen Stand zu bringen.
"Lost" zuerst:
- Hab die die Review zu "The Incident" begonnen und werde sie wohl in drei oder vier Abschnitte teilen, die ich nach und nach veröffentliche. Den ersten Teil wohl noch diese Woche.
- Außerdem will ich mich an die Brandschutztürkarte nochmal dran machen, denn die bedarf wahrlich mal einer Analyse mit Staffel-5-Wissensstand
- danach kümmer ich um "Dave"

Dann da immer mal Fragen aufkommen wie es hier bzw. mit mir als Autor nach "Lost" weitergeht:
Auch wenn ich mich demnächst endlich mal vermehrt meinem Fernstudium widmen muss, habe ich bereits einige Pläne. Zum einen werd' ich wohl weiter Rezensionen und Analysen zu filmischen Werken in einem Blog veröffentlichen. Zum anderen habe ich diese Woche die Arbeit an einem größeren Projekt aufgenommen, dass zumindest teilweise im Web veröffentlicht werden und auch in Richtung Mystery mit vielen Referenzen, Querverweisen und kleinen Puzzlestückchen gehen soll. Ich will mir gewiss nichts bei "Lost" abgucken (von kleinen Querverweisen als Hommage mal abgesehen), sondern nur andeuten, dass es für ein ähnliche Publikum angedacht ist und es unter Umständen sogar so was wie ein ARG geben wird. Mal gucken wie ich bis Mai damit so vorankomme.

Gastbeitrag von Furya: "Lockdown"/"Verriegelt"

Moin, mojn, während ich noch an dem ersten Teil meiner Review zu "The Incident" rumdoktor hat Furya es nun geschafft "Lockdown" fertig zu bekommen und ich hab mich natürlich sofort an die Überarbeitung gemacht. Also auf, auf:

Lockdown

Ohne große Umschweife fang ich auch direkt mit dieser durchaus interessanten Folge an. Zu Beginn erblicken wir Locke, wie er einen Picknickkorb zusammen packt, und wir sehen auch gleich den Ring, mit dem er sich an Helen binden will. Beim Schauen musste ich unweigerlich an Desmond denken, obwohl ich mich dann beim zweiten Rewatch gefragt habe wieso. Zwar will der Penny mit einem ganz ähnlichen Ring einen Antrag machen, aber die Umstände sind doch irgendwie anders. Naja sei's drum, die gute Helen kommt dann direkt auch dazu und fragt, ob sie helfen kann. Eine echt Gute is' das. In diesem ersten Dialog sagt Locke dann ein Wort, was mich ein wenig aufhorchen ließ: „fella“. Es ist mir bis jetzt noch nie bei Locke aufgefallen und Helen anscheinend auch nicht, denn sie wird genauso stutzig wie ich. Also hab ich mich mal ein wenig in die Weiten des Internets gestürzt und recherchiert. Das Wort kommt, natürlich, aus dem englischen, wo es von dem Wort „fellow“ abstammt. Ich hatte zunächst gedacht, dass es etwas mit dem Wort „follow“, also folgen zu tun hat. Schon deswegen fand ich die Wortwahl interessant. Denn Locke, nein, Flocke werden später viele Menschen und Richard folgen. Doch „fella“ hat eine gänzlich andere Bedeutung, was noch interessanter ist. Ein „fella“ ist ein Gleichgestellter, ein Kumpane. Er ist im Rang dem Gesprächspartner ebenbürtig. Und eigentlich trifft das nicht nur auf Helen zu, sondern viel mehr noch auf Locke. Schon durch dieses eine Wort wird die völlig andere Politik von Locke im Gegensatz Jack deutlich: Er sieht alle als gleichgestellt an, bevorzugt keinen und stellt sich selbst nicht über die Gruppe. Das wird vor allem in Staffel 3 deutlich, als er im Camp fragt, wer denn gern mit zur Perle kommen möchte. Er setzt zwar auch später seinen eigenen Willen durch, zwingt jedoch niemanden, ihm zu folgen. Er lässt jedem die Wahl. So und jetzt analysieren wir das nächste Wort. Kleiner Scherz, so penibel bin ich dann doch nicht. Aber einen Satz kann man in diesem Dialog durchaus noch finden, der interessant ist. „ I’ll take care of everything“ ("Ich kümmer mich um alles"). Auch das trifft voll und ganz zu. Locke kümmert sich um den Knopf im Schwan, um "Henry" in der Waffenkammer, später dann um das Zurückbringen der Oceanic 6. Er kümmert sich wirklich um alles. Als letztes heißt es dann noch, dass Cooper tot sei, doch dazu später mehr.

Ich möchte nur kurz anmerken, dass "fella" in der deutschen Synchronfassung durchaus korrekt mit "Bursche" übersetzt wurde, doch ist die Konnotation von Bursche ganz im Gegenteil zu "fella" ja eher die eines Untertans, denn ein Bursche ist ja nicht nur ein junge, sondern auch ein Gehilfe wie in: Stallbursche, Laufbursche etc.

Auf der Insel befinden wir uns genau da, wo wir in „The Whole Truth“ aufgehört haben: "Henry" hat nach Milch gefragt. Andererseits stellt sich hier die Situation für Locke völlig anders dar. Er ist der, der nur zusieht, während Jack versucht mal wieder alles irgendwie wieder hinzubekommen. Er will unbedingt, dass "Henry" ihm die gleiche Karte zeichnet, die er auch Ana gemalt hat. Locke ist hier jedoch sehr viel intelligenter als Jack. Denn er hat die Uhr im Kopf. Ana ist schon ewig unterwegs. Selbst wenn es einen Hinterhalt geben würde, so würde Jack nie rechtzeitig ankommen, um sie zu retten. Doch Jacks Dummheit geht finde ich noch viel weiter. Denn selbst wenn er rechtzeitig ankommen würde, so wäre er allein ja mal so überhaupt nicht in der Lage, die Anderen in die Flucht zu schlagen (also mich würde als Anderer seine bloße Anwesenheit schon in die Flucht schlagen^^). Aber andere einweihen, dass kann Jack auch nicht. Damit würde ihm ja vielleicht die Kontrolle entgleiten und das kann er auf keinen Fall zulassen. Aber man kann das Ganze sogar noch anders betrachten, wodurch Jack sogar noch verblendeter wirkt. Denn wenn "Henry", so wie er es am Ende der letzten Episode gesagt hat, wirklich eine falsche Karte gezeichnet hat, eine Karte, die zu einem Hinterhalt führt, wieso sollte er denn Jack bitte die selbe Karte zeichnen? Er könnte Jack zu irgendeinem anderen Ort auf der Insel leiten und ihn dadurch vielleicht auch noch in einen Hinterhalt locken. Wenn "Henry" also wirklich einer der Anderen ist, so kann Jack ihm nicht trauen. Traut er ihm aber, so gibt er fast schon zu, dass Henry die Wahrheit sagt und wirklich nur abgestürzt ist. "Henry" redet sich natürlich ziemlich gut aus der Affäre, indem er sagt, es sei alles nur ein Scherz gewesen. Und hier wieder das Dilemma. Wenn man ihm traut, ist er kein Anderer, naja zumindest keine Gefahr. Wenn man ihm nicht traut, so kann man ihm auch nicht diese Aussage abnehmen. Jack hat also wirklich ein Problem. Aber weniger mit "Henry", als mit sich selbst, denn er ist einfach machtlos in dieser Situation. Das macht den guten Onkel Doktor natürlich wütend und er stellt Locke eine interessante Frage: „So, what's done is done?“ – „That's right.“ ("Was passiert ist, ist also passiert?" – "Das ist richtig") Da der Subtext dieser Aussage echt eindeutig ist, erspare ich mir mal die Ausführungen bezüglich Zeitreisen. Interessanter ist es jedoch mit der Theorie der Zeitschleifen. Denn dann wäre Jack zur absoluten Machtlosigkeit gezwungen. Denn wenn alles, was passiert ist, immer schon so passiert ist und man nichts ändern kann, selbst wenn man die Möglichkeit hätte, dann ist Jack nichts weiter als ein Zuschauer in einem Theaterstück, das er schon zum mindestens zweiten Mal sieht. Das soll jetzt nicht heißen, dass ich gegen die Zeitschleife bin, im Gegenteil. Denn hier spielen die Variablen eine gewisse Rolle, wie es schon ein gewisser Herr Faraday in den 70ern gesagt hat. In diesem Fall wäre nicht nur Desmond eine Ausnahme der Regel, sondern auch Jack. Denn ich bin mir sicher, wenn er in einer Zeitschleife steckt, so kann er Dinge ändern. Jack verabschiedet sich aber jetzt vorerst von den beiden (Jacob sei Dank!!!^^), nicht ohne Locke zu sagen, dass der "Henry" wieder einsperren soll. Locke will den guten aber erst mal zu Ende frühstücken lassen. Aber "Henry" ist ja nicht dumm (ganz im Gegenteil) und er bemerkt in dem Gespräch mit John und Jack, dass die beiden ihre Differenzen haben. Und er wäre nicht der Inselmanipulator, wenn er das nicht zu seinem Vorteil nutzen wöllte. So stößt er Johns Gesicht mit voller Wucht in den Kackahaufen von Jacks Macht. Aber selbst John lässt sich nicht alles gefallen und auch der flippt hier einmal aus. Er sperrt den kleinen "Henry" ohne Essen in die Waffenkammer und macht noch ein wenig Unordnung im Schwan. Doch auf wen ist Locke sauer? Sicher ist er auf Jack sauer, da der entgegen Lockes Überzeugungen handelt. Aber das ist nicht der Grund für den Ausraster. Vielmehr ist Locke auf sich selbst sauer. Denn er hat die Kontrolle verloren, er hat sich nicht um alles gekümmert. Parallele zum Flashback, ich hör dir trapsen. (Ok, der Spruch ist geklaut, sorry Anubis - kann man abgewandelte Redensarten überhaupt klauen?) Aber vorerst genug von Meister Propper (war das jetzt auch geklaut? Ich hab den Überblick verloren). Ich bin fast am Ende der ersten von 6 Seiten Notizen und da gehört es sich, einen Blick auf Sayid, Ana und Charlie zu werfen.

Die Suchen nämlich immer noch eifrig nach dem Ballon und dem Grab. Der Foltermeister steht also im Regen und hat so'nen Hals. Okay, das wirkt mal überhaupt nicht ohne Geste. Na gut, weiter im Text. Sayid steht also im Regen und er will "Henry" mit aller Macht nicht glauben und misstraut ihm. Was mich hier sehr gestört hat war, dass Ana bei weitem nicht so hasserfüllt war, wie eben Sayid. Der erinnert hier schon fast an Rousseau. Ana glaubt "Henry" zwar auch noch nicht so recht, jedoch lässt sie sich spätestens von Charlies Fund zumindest etwas überzeugen. Der hat nämlich ein Grab gefunden, zumindest schon mal etwas. Und als Ana dann bemerkt, dass es am Grab nicht regnet, wird auch endlich der Ballon gefunden. Ende gute alles gut.

Kleiner Scherz, ich bin noch lange nicht fertig. Was aber will uns diese Szene zeigen, außer das Sayid ein echtes Wutproblem hat. Ich finde hier das Symbol des Regens sehr interessant gesetzt. Denn Regen war bisher bei LOST nie ein gutes Zeichen. Ethan, Shannon, Walt-Visionen, irgendwas muss in dem Wasser sein, damit so was passiert. Nein, jetzt mal Ernst. Regen war bisher immer der Vorbote von schlechten Dingen, von Gewalt, von Unheil. Man könnte also als aufmerksamer Zuschauer darauf tippen, dass es wirklich einen Hinterhalt gibt. Erst als der Regen aufhört, scheint wirklich alles gut zu sein. Dass Sayids Paranoia da noch ein Wörtchen mit zu reden hat, erfahren wir aber erst später.

Als Boone und John die Luke finden, regnet es auch. Aber ist das nicht vielmehr ein ganz klassisches, filmisches Stilmittel? In den ersten zwei "Jurassic Park"-Filmen regnet es beim ersten T-rex-Angriff, in "Psycho" regnet es als Marion Crane das Motel erreicht, im letzten "Pirates of the Caribbean"-Film schüttet es bei der finalen "Schlacht" (okay, wohl eher ein "Schlächtchen") wie aus Eimern und im Herrn der Ringe könnte man meinen Helms Klamm stünde in irgendeinem Monsungebiet.

Erstmal geht’s zurück zu Jack. Der fragt Hurley nach Ana und Sayid, doch Hurley weiß überhaupt nicht, was überhaupt los ist. Er ärgert sich über die schlechte Informationspolitik. Hier mal der Dialog.

HURLEY: Well, that would, like, assume that anyone actually tells me anything.

Maybe if I were in the loop I could be more helpful.

JACK: There is no loop, Hurley.

Mir sind die Augen fast rausgefallen, als ich das gehört hab (nicht eher die Ohren?^^). Ich musste es mir ganz ehrlich auch mehrfach anhören, um wirklich den Dialog zu kapieren. Es ist schon verblüffend, dass in Staffel 2 schon Wörter fallen, die erst mit dem Staffel-5-Finale so richtig wirken. Vor dem Vorfall war es nur ein ganz normaler Dialog, jetzt kann man soviel hinein interpretieren. Hurley wäre also gern im „loop“. Man könnte das jetzt mal ganz wörtlich übersetzen und sagen, Hurley möchte in die (Zeit-)schleife. Jack sagt jedoch, dass es keine (Zeit-)schleife gibt. Wem sollen wir hier glauben? Ich finde das leugnen von Jack deutet eindeutig auf das Vorhandensein einer solchen Zeitschleife hin. Denn wir alle kennen Jack und seine Art, die Gruppe zu führen. Keiner darf etwas Wichtiges wissen, nur er. Doch warum sollte Hurley in die Zeitschleife hinein wollen? Was könnte Hurley verhindern wollen? Sicherlich das Öffnen der Luke durch Locke. Das hat er ja schon beim ersten Mal versucht. Sicher würde er auch Libbys Tod verhindern wollen. Aber würde er verhindern wollen, auf die Insel zu kommen? Denn auf der Insel geht es Hurley eigentlich besser als zu Hause. Er ist sein verfluchtes Geld los, er findet neue Freunde und sogar die Liebe. Es läuft also gar nicht so schlecht für Hurley. Wenn Jack aber in einer Schleife steckt, so will er sicher nichts sehnlicher, als alles zu beenden. Und das kann nur passieren, wenn er nie auf die Insel kommt. Da wäre der Ärger doch schon vorprogrammiert. Aber weiter im Kontext.

Claire kommt noch mit Aaron im Arm hinzu. Der scheint aber schon auf dem Weg der Besserung zu sein, es gibt also keinen Grund zur Sorge. Hurley verabschiedet sich unterdessen mit den Worten „Loop, dude. Loop.“ ("Schleife, Alter, Schleife." [Ok, das is ne echt beschissene Übersetzung von mir. Hier mal das Original - "Es gibt sie.. Auserwählte. "]) Wenn man mal das Komma weglässt und die beiden Wörter zusammenfasst, na was kommt da wohl raus? Richtig der Loopdude. Und zu wem sagt Hurley das? Richtig, zu Jack. Ich nenn Jack jetzt also nur noch Loopdude, einfach weil das so schön passt. Ne, mal wieder ernst, wenn man nur flüchtig hinhört, klingt es wirklich wie Loopdude. Und das ist auch wieder mal ein kleines Indiz auf die Zeitschleifentheorie.

Nach kurzem Gespräch mit Claire und der später hinzukommenden Libby (die ist, wie auch Hurley in Berührung mit einem Seeigel gekommen – Autsch) schaut Jack zu Sawyer. Der spielt nämlich gerade eine Runde Poker mit Kate und Hurley. Da hat sich der gute Hugo aber wirklich beeilt (spätestens seit "Verfluchte Zahlen" wissen wir doch: er ist "flink"). Die Drei spielen um Mangos, Papayas und Bananen.

Im Schwan sehen wir "Henry", wie er liest. Viel mehr kann er ja sowieso nicht machen. Locke radelt sich unterdessen den Frust weg. Er wirkt hier sehr nachdenklich, er sinniert wohl über die momentane Lage und sein Verhältnis zu Jack. Doch John wird abrupt aus seinen Gedanken gerissen, als eine Stimme ertönt. Erst kann man sie nicht so recht hören, die Musik ist zu laut. Locke stellt also den Plattenspieler aus und sucht dann nach der Quelle des Geräuschs. Erst schaut er im Dom nach, doch hier ist alles normal (seit wann?! ;-)). Wieder undefinierbare Geräusche und Locke findet endlich deren Ursprung: Ein Lautsprecher, der leise vor sich hin rauscht. Heimwerkerkönig John Locke (ich dachte Sayid wäre unser Heimwerkerkönig) schnappt sich einen Schraubendreher und versucht den Lautsprecher damit zu reparieren und tatsächlich wirkt es und der Lautsprecher erhebt schlagartig seine Stimme. „17 Minutes to Lockdown“ ("17 Minuten bis zur Verriegelung" - oder: "17 Minuten bis Locke am Boden ist!"). Durch die erhebliche höhere Lautstärke wird Locke verschreckt und Henry aufmerksam. Er fragt Locke noch schnell, was das denn gewesen sei, ehe wir auch schon am Grab von Anthony Cooper stehen.

Aber außer Locke, Helen und dem Priester ist nicht wirklich jemand da. „For we who are alive, who are left, will be caught up together with them in the clouds to meet the Lord in the air. And so we will live with the Lord forever.“ ("Und die, die wir am Leben sind und zurückbleiben, wir vereinen uns mit denen in den Wolken, denn wir treffen den Herrn in der Höhe. Und unser Leben ist mit dem des Herrn für immer verbunden.") Wir treffen uns also mit denen, die wir verloren haben, im Himmel beim Herrn wieder. Und wo trifft John Cooper irgendwann einmal wieder? Richtig, auf der Insel. Nun bezweifle ich ganz stark, dass die Insel der Himmel ist, ebenso wenig die Hölle, wie Cooper ja vermutet. Doch wenn wir den Ort mal außen vor lassen, so treffen sie sich beim Herrn wieder. Und das hört sich doch schon arg nach unserer Insel an. Der Herr Jacob hat nämlich schon etwas Göttliches an sich, immerhin altert er nicht. Locke und Helen sitzen also an Coopers Grab und Locke entdeckt die beiden schmierigen Gesellen, die zu ihm schauen. Als der Priester dann das Wort an John gibt, sagt dieser, dass er seinem Vater vergibt. Nette Geste, auch wenn ich das wohl nicht gesagt hätte. Aber gut, ich bin ja auch nicht John. Der bemerkt unterdessen übrigens eine silberne Limousine, die jetzt doch recht schnell den Friedhof verlässt.

Zurück im Schwan nervt "Henry" John mit seiner ewigen Fragerei. Dabei weiß der gute doch längst, was hier los ist. Immerhin hat er viele Jahre in der DI verbracht und er kennt auch die Perle und deren Funktion. Und da Inman und vor allem Radzinsky den Lockdown sehr oft herbeigeführt haben, sollte Benry das doch wissen. Ja, aber Ben würde doch ganz schön aus der Rolle fallen, wenn er nicht fragen würde, oder? [Anm. d. Red.]. Locke versucht unterdessen zu verstehen, was die Stimme ihm sagen will, doch "Henrys" Geplärr stört ihn dabei erheblich. Wir als Zuschauer verstehen jedoch, was da aus den Lautsprechern kommt, es ist ein Countdown. Und ehe Locke klar wird, was denn hier passiert, ist er auch schon von der Außenwelt abgeschnitten. Er schafft es gerade noch ein Brecheisen unter eine der Brandschutztüren zu schieben.

Am Strand unterdessen ist das Pokerspiel gerade auf dem Höhepunkt. Sawyer zieht Hurley und Kate ordentlich ab und der freut sich schon riesig auf den Obstsalat. Aber er hat nicht mit dem Loopdude gerechnet. Jack kann nämlich nicht nur super Golf spielen, er kann auch Pokern. Das hat er in Phuket gelernt. Was er dort noch so alles erlebt hat, erfahren wir erst in Staffel 3, aber auf jeden Fall kann er ziemlich gut Gedanken lesen. Oder aber er braucht nicht seine Psychokräfte, um die Karten zu kennen, da sie bereits in seinem Gedächtnis sind. Diese Szene ist wieder ein Indiz für die Schleife, denn Jack kennt die Karten von Sawyer und Hurley. Ich spiele selbst ab und zu Poker und bin auch gar nicht so ganz schlecht. Aber ohne im Spiel zu sein und ohne die jeweiligen Strategien des anderen zu kennen ist es verdammt schwer, das Blatt des Gegners zu erkennen. Jack hat aber vielleicht die Blätter schon einmal gesehen, weshalb er sich hier so sicher ist. Sawyer gefällt das natürlich gar nicht, denn der will Früchte. Also fordert er Jack heraus, der natürlich die Gelegenheit nutzt, um Sawyer Eins auszuwischen. Dass er dadurch nicht in den verriegelten Schwan kann, ist natürlich ziemlich blöd für Locke. Da er verriegelt ist, dürfte das mit dem Reinkommen so oder so problematisch sein.

Der weiß nämlich immer noch nicht so richtig, was denn hier vor sich geht. Die Lichter flackern und er ist durch ziemlich dicke Brandschutztüren vom Dom abgeschnitten. Warum er nicht selbst durch den Lüftungsschacht klettert um in den Dom zu gelangen, das ist eine Frage, die wir wohl nie beantwortet bekommen. Kein Bratöl zur Hand? Meine Theorie wäre: Ben und Kate sind beide klein, schmal und schmächtig und Locke ist doch ein ziemlich breitschultriger Brocken, der es im Lüftungsschacht schwer haben dürfte. Außerdem: Ich würde auch erstmal alle anderen Optionen ausschöpfen, bevor ich mich durch diese Rohre zwänge, denn da bekommt wohl jeder früher oder später Platzangst.

Im nächsten Flashback sehen wir Locke, wie er ein Haus untersucht. Irgendwie musste ich hier an Ethan denken, wie er am Anfang der dritten Staffel unter Juliets Haus heraus kommt. Eine gewisse Parallele gibt es hier schon. Nun ja, Locke ist zurzeit also ein Hausinspektor und untersucht gerade das zukünftige Haus von Noor Abed Jazeem, oder einfacher Nadia. Die will sich nämlich in L.A. (oder Umgebung) niederlassen. Das zeigt uns zumindest schon einmal, dass die FBI-Agenten Sayid nicht angelogen haben, denn Nadia ist tatsächlich in LA. Locke sagt ihr, dass mit dem Haus alles in Ordnung ist und das Nadia und ihr Mann nichts falsch machen, wenn sie das Haus kaufen. Nadia sagt, dass wenn sie einen Mann hätte, es ihm sicher gefallen würde. Locke entdeckt dann das gleiche silberne Auto, welches er schon auf dem Friedhof gesehen hat. Er geht hinüber und die Scheibe der Fahrertür geht runter. Und … *trommelwirbel* tada, es ist Anthony Cooper. Der ist nämlich gar nicht tot, zumindest noch nicht (zumindest das liegt in der Familie^^). Er hat das alles nur vorgetäuscht, um sich vor den Leuten zu schützen, die er betrogen hat. Hätte der das gar nicht erst gemacht, hätte er sich auch nicht umbringen müssen. Ums nochmal anzusprechen, Betrug ist böse und ein Verbrechen. Also, Anubis, nicht machen ;)

Wieso sagst du mir das? Ich krieg ja schon Schweißausbrüche, wenn ich mir nicht sehr legale Streams von "Lost", "Heroes" oder "Supernatural" vor der deutschen Veröffentlichung im Netz ansehe.

Die beiden trinken einen zusammen in einer netten kleinen Bar. Die Szene hat mich irgendwie an die Szene mit Sawyer und Christian in Sydney erinnert (also mich erinnert das mehr hieran). Überhaupt gibt es relativ viele Parallelen zu anderen Szenen in dieser Episode. Gut, das gibt es generell häufig be LOST, aber hier fällt es mir gerade besonders auf. Aber zurück zu Cooper. Der will, dass Locke das Geld aus der Bank holt und ihm so hilft. Ich konnte mich hier nicht des Eindrucks erwehren, dass Cooper irgendwie einen Nachfolger sucht. Er will Locke dazu bringen, ihm zu helfen und verspricht ihm dafür eine ordentliche Stange Geld. Bei einem andern als Locke hätte es vielleicht funktioniert. Der hätte sich von dem Geld einlullen lassen und vielleicht mehr gewollt. Doch nicht so John Locke. Der will nur, dass Cooper endlich aus seinem Leben verschwindet, so dass er selbst mit Helen in Frieden leben kann. Dass Cooper aber schon einen Nachfolger im Geiste hat, den er selbst erschaffen hat, weiß er zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht. Und Sawyer selbst weiß auch nicht mehr als den Namen desjenigen, der ihn zu dem gemacht hat, was er jetzt ist. In einem gewissen Sinne ist Cooper der Sayid für Sawyer. Sayid hat Ben zu dem gemacht, der er ist und Cooper Sawyer ebenso. Ohne die Taten von Sayid oder Cooper wären Ben und Sawyer vielleicht komplett andere Menschen geworden. Gut, Bens Fall ist sicher noch ganz anders geartet als Sawyers, schließlich wissen wir nicht, was genau mit ihm im Tempel passiert ist. Aber eine gewisse Parallele gibt es zwischen den beiden.

Unterdessen klärt Locke im Schwan "Henry" über die Verriegelung auf. Er bittet ihn um Hilfe, da er es allein nicht schafft, die Brandschutztür zu öffnen. "Henry" tut das aber nicht ohne Gegenleistung (da wär' er auch schön blöd). Er verlangt von Locke, dass er ihm verspricht, dass „seine“ Leute ("your people") ihm nichts tun. Genau das sagt übrigens auch Mr. Friendly zu Jack, als diese Michael verfolgen. Ein eindeutiges Indiz, das "Henry" nicht wirklich der ist, für den er gehalten wird. Aber das wissen wir ja längst. Aber "Henry" verlangt sogar noch mehr von Locke. „So I'm going to need your word that you'll protect me, no matter what.” ("Ich brauche also dein Wort, dass du mich beschützt, egal was passiert.") Wo wir wieder bei Staffel 5 wären. Denn da ist die Situation genau anders herum. Prinzipiell könnte "Henry" alles von Locke verlangen, um in Sicherheit zu sein, selbst seine eigene Freilassung. In Staffel 5 tut Flocke genau das gleiche mit Ben. Er zwingt in dazu, alles zu tun, was er ihm sagt. Denn das die Erscheinung von Alex mit Flocke etwas zu tun hat (wenn es nicht sogar die gleiche Person war) steht für mich eigentlich fest. Es passt einfach zu perfekt in den Plan.

Am Strand spielen Sawyer, Jack, Hurley und Kate unterdessen das Pokerspiel ihres Lebens. Sawyer kauft Jack seine Siegessicherheit nicht ab, er hat ja selbst auch wirklich kein schlechtes Blatt. Ein Damen-Drilling sollte eigentlich gewinnen. Aber das Wörtchen "eigentlich" ist schon ein kleines Miststück, denn es lässt immer die Option auf eben das Gegenteil bestehen. Und genau das tritt ein, denn Sawyers drei Damen haben gegen Jacks drei Könige nichts zu melden (das gilt aber auch nur beim Poker^^). Somit hat Jack alle Früchte gewonnen und Sawyer kann keinen Obstsalat machen. Da der den aber unbedingt haben will, erhöht er den Einsatz. Jack möchte gern um die medizinischen Vorräte spielen und Sawyer willigt ein. Und so geht das Spiel in die nächste Runde, diesmal ohne Hurley und Kate. Aber mit Jacks Siegessicherheit. Generell finde ich, dass Jack ein wirklich erhöhtes Selbstbewusstsein hat, wenn es um dieses Pokerspiel geht. Indiz für die Zeitschleife? Kates Schlussatz sollte hier auch erwähnt werden, könnte er doch sehr gut die Situation auf der Insel beschreiben. „Let's go leave these boys to their sandbox.“ ("Lass uns gehen und die Jungs im Sandkasten spielen.") Jetzt muss ich dazu sagen, bin ich auf diese Idee nur durch meine Leidenschaft für Computer gekommen. Es gibt sogenannte Programme, die Sandbox genannt werden. Diese stellen eine sterile Umgebung dar, in der einzelne Programme ausgeführt werden können. So kann ein eventueller Virusbefall des gesamten Systems verhindert werden. Die Sandbox ist vom eigentlichen System völlig abgegrenzt. Das ist die Insel in einem gewissen Sinne auch. Sie ist losgelöst von der Welt was Raum und Zeit angeht und es ist verdammt schwer, von der Insel zu kommen oder sie von der Außenwelt aufzuspüren. Es ist also eine Sandbox in unserer Welt. Eine andere Idee, die ich bei diesem Satz hatte war die der spielenden Jungen. Das ich da jetzt nicht an Jack und Sawyer sondern vielmehr an Jacob und "Samuel" gedacht habe, sollte doch jedem klar sein. Beide spielen ein Spiel und die Insel ist ihr Sandkasten, die Losties, die Anderen, einfach jeder Mensch auf der Insel, egal in welcher Zeit, ist eine der Spielfiguren in diesem Sandkasten. Man denke auch an ben, der John später sagt, selbst Gott wisse nicht, was auf der Insel vor sich ginge.

Im Schwan versuchen es "Henry" und Locke unterdessen zu zweit. Und es funktioniert. Sie schaffen es, die Brandschutztür soweit zu öffnen, dass man einen Werkzeugkasten (aus Blech!!! - der silberne Koffer hätte da endlich mal zu was gut sein können... wo ist der eigentlich abgeblieben?) unter die ziemliche dicke Stahltür schieben kann. Eine absolut blöde Idee. Und dass das so ist, wird Locke auch direkt selbst erfahren, denn als er versucht, sich unter der Tür durch zu schieben, gibt der Kasten nach und Locke bekommt einen der Bolzen der Tür in den Oberschenkel. Er hat verdammtes Glück, dass die Oberschenkelarterie nicht verletzt wird, denn dann wär's das jetzt gewesen. Ja, er hat vor allem mehr Glück als Verstand, denn wer kriecht unter so einem Dingen auch noch da durch, wo so ein Bolzen ist...? "Henry" versucht ihn noch heraus zu ziehen, aufgrund des Bolzens funktioniert das aber auch nicht. Er stapelt schnell ein paar Gewichte unter die Tür, so dass der Druck von Lockes Bein genommen wird. Auf die Idee hätte man mal vorher kommen können ;-) [Anm. d. Red.] Dann zeigt sich wieder einmal, wie sehr Locke doch mittlerweile "Henry" vertraut. Der meint nämlich, sie sollten einfach auf jemanden warten, es wird ja schon irgendwann jemand kommen. Locke meint nur, dass dafür keine Zeit wäre, ehe es in den nächsten Flashback geht.

Und dieser Flashback ist wohl mit einer der entscheidendsten in John Lockes Leben. Sicher nicht der entscheidendste, der Fenstersturz und auch Richards Besuche sind wohl noch wichtiger, aber was Locke in diesem Flashback tut, wird er wohl für immer bereuen. Locke kommt von der Bank, in der er gerade das Schließfach 1516 geräumt hat, wieder nach Hause und ist überglücklich. Helen hingegen ist eher schockiert, denn die beiden Männer, die in ihrem Haus sind, sind nicht gerade vertrauenserweckend. Jimmy Bane und sein Schläger wollen nämlich von Locke wissen, ob er seinen Vater gesehen hätte, nachdem der gestorben ist (als ob das möglich wäre - Wieso? ich hab John auch gesehen, nachdem er gestorben ist ;-) ). Bane denkt, Locke wüsste etwas, was die Welt nicht weiß, denn er war wirklich nicht sonderlich traurig auf der Beerdigung. Dafür hätte er aber nun auch wirklich keinen Grund, weshalb auch Helen sofort erklärt, warum sie eigentlich bei der Beerdigung waren. Nämlich um über Cooper hinwegzukommen, um mit ihrem Leben weiter zu machen. Bane gibt sich letztlich auch damit zufrieden, will aber noch wissen, was in Johns Tasche ist. Das ist nämlich ebenso eine Tasche, wie er sie in der Bank mithatte. Locke sagt jetzt zur Abwechslung mal die Wahrheit und meint, es wären nur seine Arbeitssachen darin. Bane lehrt dann den Schreibkram und alles weitere auf dem Tisch aus und verabschiedet sich höflich von den beiden. Helen fragt direkt, ob John gelogen hat, was dieser verneint. Wie dumm kann ein Mensch sein. Ich meine, er will die Frau heiraten, sich mit ihr eine Zukunft aufbauen, den Rest seines Lebens mit ihr verbringen und er lügt ihr mitten ins Gesicht über eine Sache, die ihre Beziehung schon einmal fast beendet hat. Hätte er ihr die Wahrheit erzählt, nämlich dass Cooper noch lebt und er einen Deal mit ihm gemacht hat, wäre Helen zwar sicher nicht glücklich gewesen, aber ich denke sie hätte ihn verstanden und ihm auch in dieser Situation geholfen. Immerhin wäre Cooper dann endgültig aus ihrem Leben verschwunden. Doch so lügt Locke Helen mitten ins Gesicht und zerstört so alles, was er im Leben noch hatte. Aber schnell zu Jack, bevor ich mich hier zu sehr aufrege und mein Blutdruck unter die Decke geht. Der lässt sich nämlich nicht von Sawyers Geschwätz ablenken und bemerkt, dass der die Karten nicht korrekt gibt. Interessant ist vielleicht, dass Jack hier das erste Mal Phuket erwähnt, jedoch nicht wirklich auf Sawyers Fragen eingeht. Ich hatte hier das Gefühl, dass Jack das nicht nur wegen Sawyers versuchtem Betrug macht, sondern vor allem auch, weil er nicht gern über das redet, was in Phuket passiert ist. Ich mein, wer redet schon gern davon, wie er von ein paar minderwüchsigen Asiaten vermöbelt wurde?

Ich hab aber noch eine Anmerkung zu Johns Lüge: Vielleicht war ihm das ja eine Lehre und er ist deshalb dagegen wichtige Informationen vor der Gruppe zu verheimlichen.

Im Schwan wird’s unterdessen langsam knapp mit der Zeit. Genau aus diesem Grund soll "Henry" nun durch den Lüftungsschacht in den Dom klettern und die Zahlen eingeben. Ich bin ja immer noch der Meinung, dass Locke das lieber hätte selbst machen sollen, und zwar bevor er "Henry" raus lässt, aber egal. Sonst hätten wir ja die Karte auf der Brandschutztür nie gesehen (und John ebenfalls nicht). "Henry" geht also in den Vorratsraum und klettert über das Regal nach oben zum Lüftungsschachtgitter. "Henry" stürzt ab, "Henry" ist ohnmächtig, der Alarm beginnt zu piepen. Schnitt.

Jack und Sawyer sind nun mittlerweile in der entscheidenden Phase des Spiels, in der die beiden auch schon einige Zuschauer haben. Hurley meint nur so, dass Jack und Sawyer sich endlich gegenseitig fertig machen („beat each other up“). Dass das schon längst, nämlich im Jahr 1977 passiert ist, weiß der gute Hurley ja noch nicht, denn für ihn liegt das Ganze ja noch gute 3 Jahre in der Zukunft. Blöde Sache, diese Zeitreisen. Jack geht unterdessen All-In und zwingt Sawyer quasi dazu, mit zu gehen. Denn Jack weiß um Sawyers Schwäche, nicht einstecken zu können. Wenn Sawyer jetzt nicht mitgeht, wirkt er ängstlich und feige, und dass kann er nicht zulassen, nicht vor dem Publikum (vor allem nicht vor Katie - das Testosteron trieft ja regelrecht vom improvisierten Pokertisch^^). Also geht Sawyer mit und verliert gegen Jacks Paar Neunen. Jack freut sich und will schon gehen, als Sawyer ihn fragt, warum er nicht die Waffen wollte. „When I need the guns, I’ll get the guns.“ ("Wenn ich die Waffen brauche, dann bekomm ich die Waffen.") Sehr selbstsicher, der gute Jack. Es sei den, er weiß jetzt schon, wie er einmal an die Waffen kommen wird und hat deswegen auch die medizinischen Vorräte vorgezogen. Vielleicht ein Indiz für die Zeitschleife, vielleicht aber auch nur für Jacks ärztliches Selbstvertrauen.

Im Schwan kommt "Henry" zu sich und klettert erneut hinauf zum Lüftungsschacht. Diesmal stürzt er nicht und ist dann mal weg. Locke versucht unterdessen erneut, sich zu befreien, was aber wieder nicht funktioniert. Flashback. Locke geht zu Cooper ins Motel und übergibt das Geld. Er sagt noch einmal, dass er es nicht für seine Entlohnung gemacht hat, als es auch schon an der Tür klopft. Helen steht davor, verpasst Cooper eine ordentliche Ohrfeige und verschwindet wutentbrannt. Locke rennt natürlich sofort hinterher und versucht es zu erklären. Doch Helen ist zutiefst gekränkt, denn Locke hat sie nun einmal angelogen. Der macht noch schnell den Antrag, der abgelehnt wird und Helen ist weg. Und auch Cooper verschwindet und Locke bleibt allein und traurig zurück. Mitleid hab ich aber keins mit ihm, denn er ist selbst dran schuld. Hätte er mal gleich die Karten auf den Tisch gelegt, dann wäre das Ganze sicher anders ausgegangen. Locke hat's aber versaut.

Im Schwan unterdessen tönt der Alarm. Locke schreit nach "Henry", doch keine Antwort. Als dann der Alarm stoppt und man den Counter hört, wie er blättert, scheint alles in Ordnung, bis das Licht ausgeht. Den Rest kennt man, UV-Licht, ein völlig perplexer Locke und eine mysteriöse Karte auf der Brandschutztür unter der Locke liegt. Ich denke auch, ich kann mir den Großteil der Erläuterungen zur Brandschutztür sparen, das sollte auch so ziemlich jedem hier bekannt sein. Was mich nur ein wenig stutzig gemacht hat, war das Fragezeichen in der Mitte. Dass das für die Perle steht, ist sicher, aber warum wusste Radzinsky nichts davon? Immerhin hatte er doch einige Macht in der Dharma und selbst im Schwan sollte er doch die Möglichkeit zur Kommunikation mit dem Rest der Dharma gehabt haben. Denn ihm kann man nicht vortäuschen, dass draußen eine Quarantänezone ist. Er kann also, vielleicht ähnlich wie Inman, vortäuschen, im Schutzanzug herauszugehen, um seinen Mitdrücker zu täuschen. Also, warum wusste Radzinsky nichts von der Perle? Ich denke, dass man ihm nach dem Vorfall viele seiner Rechte entzogen hat. Er durfte zwar vielleicht mit dem Rest der Dharma kommunizieren (obwohl auch das fraglich ist), aber eingeweiht hat man ihn in nichts mehr. Nur so kann auch das psychologische Experiment in der Perle funktionieren. Auch interessant ist vielleicht, dass auf der Karte verschiedene Dinge auf Latein stehen. Dies ist bekanntlich die Sprache der Anderen, was also hat die auf einer Brandschutztür in einer Dharma-Station zu tun? Das wären jetzt die zwei Sachen, die mir noch einmal wichtig waren, bei der Karte zu erwähnen, alles Weitere würde den Rahmen hier doch erheblich sprengen. Vielleicht wäre es sinnvoll, die Karte noch einmal gesondert zu behandeln, denn es gibt durchaus noch einige Dinge darauf, die sehr interessant sind. Aber noch bin ich nicht ganz fertig mit dieser Szene. Jetzt kommen wir einmal zu John Locke. Elli (ich glaube es war elli) hat vor kurzem einmal die Theorie in den Raum gestellt, dass vielleicht mehrere Personen in einer Zeitschleife stecken, unter anderem auch John Locke. Durchaus berechtigt, so etwas zu vermuten, denn wieso sollte Jack allein in so etwas gefangen sein? Doch warum glaube ich nicht, dass John Locke in einer Zeitschleife steckt? Ganz einfach, die Antwort ist der Schwan. Naja, eigentlich alles, was Dharma angeht. Und auch seine Begegnung mit einem Etwas in Wildschweinjagd. Was haben nun diese Dinge mit einander gemeinsam? Nichts, und genau das ist ja der Punkt. Nehmen wir an, Locke ist in einer Schleife, so würde er sich an Dinge erinnern. Sicher nicht an alles, doch an gewisse Dinge, vielleicht ähnlich wie Desmond in Staffel 3. Das, an was er sich erinnern würde, hätte eine gewisse Wichtigkeit. So zum Beispiel gewisse Dinge, die die Insel betreffen. Und über solche Dinge scheint John wirklich eine Menge zu wissen, mehr als jeder andere der Losties. Er scheint das Wesen der Insel verstanden zu haben. Doch auch andere wichtige Ereignisse müssten ihm bekannt vorkommen. Der Schwan, die Karte auf der Brandschutztür, die Perle, die Flamme, … Doch genau hier wirkt er immer so, als ob er nichts weiß. Erinnern wir uns, wie er als erstes in den Schwan geht. Er schaut sich um, voller Neugier. Auch das Orientierungsvideo muss er sich erneut anschauen (im Gegensatz zu Jack) um es wirklich zu begreifen. Die Karte auf der Brandschutztür schaut er völlig entsetzt an. Und wieso hat er die Perle nicht direkt beim ersten Besuch der Beachcraft untersucht? Es gibt also Dinge, die selbst John Locke auf der Insel überraschen. Und es sind immer Dinge, die die Dharma gebaut hat und somit nicht in Verbindung zum spirituellen, natürlichen Konstrukt der Insel stehen, mit dem John ja vor allem anderen verbunden ist. Und diese Dinge spielen eine sehr wichtige Rolle in Johns Inselleben. Es wäre also unlogisch, wenn er sich an solche Dinge nicht erinnern kann. Was also könnte John sein Wissen bezüglich der Insel gegeben haben? Nun, da sind wir uns denke ich alle einig, es war eben dieses Etwas in Wildschweinjagd. Was es war, ist bis heute noch ungeklärt, doch glaube ich daran, dass es „Samuel“ war, vielleicht sogar in seiner ursprünglichen Form. Deshalb klang Lockes Beschreibung auch anders als Ekos, denn der hat Smokey gesehen. Und auch wenn „Samuel“ und Smokey ein und dasselbe sind, so glaube ich sind beides doch nur Formen eines Wesens, dessen ursprüngliche Form wir noch nicht kennen. Es könnte natürlich auch Jacob sein, dessen Smokey-Form Locke gesehen hat. Das würde durchaus auch sehr gut passen, da Jacob der Weiße ist und "Samuel" der Schwarze. Locke beschreibt das Wesen als ein helles Licht, was ja nun so gar nicht auf den Smokey zutrifft, den wir kennen. Es könnte also einfach Jacobs Smokey-Form gewesen sein. Dagegen spricht jedoch meiner Meinung nach Jacobs Verhalten auf der Insel. Denn hier ist er sehr passiv, lässt die Menschen machen, will sehen, wie sie sich verhalten. Nur Richard gibt er Anweisungen. Ein aktives Eingreifen in das Inselgeschehen haben wir von ihm noch nicht gesehen. Nur abseits der Insel rekrutiert er die Menschen, zumindest scheint es so. Deshalb denke ich, ist die „Samuel“-Hypothese einfach passender.

Von dieser Erscheinung hat Locke also sein Wissen über die Insel. Doch Smokey weiß eben auch nicht alles, vor allem die Dinge nicht, die vom Menschen stammen. Und die Dharma hat zu dem sehr gut gewusst sich gegen Smokey zu verteidigen, wodurch es nur logisch erscheint, dass er nichts weiß. Locke weiß nur Dinge über das Wesen der Insel und hat eine Verbindung zu dieser. Das wird auch in seinen Visionen deutlich, wie sonst sollte er zum Beispiel von der Beachcraft wissen. Das würde bedeuten, dass "Samuel" hier schon einen Einfluss auf Locke hatte, der nicht unerheblich war. Er hat ihn gelenkt, ihm im richtigen Moment seine Paralyse wieder gegeben, so dass Boone stirbt. Er hat ihm in der Hütte gesagt, dass er die Insel bewegen muss, und so weiter. Lockes natürliche Neugier und seine Abenteuerlust helfen „Samuel“ dabei natürlich ungemein, so zeigt er nur die Richtung und Locke geht den Weg allein weiter. Für mich klingt das logisch und die Übernahme von Lockes Körper am Ende der 5ten Staffel erscheint nur als logische Konsequenz dessen. Nun gut, so viel zu Locke für den Moment, machen wir weiter mit der eigentlichen Review.

Wir haben also gerade die Karte auf der Brandschutztür gesehen, doch nur kurz. Denn schon nach wenigen Sekunden geht das normale Licht wieder an und die Türen öffnen sich. Schmerzhaft für Locke, der sich aber gleich kriechend auf die Suche nach "Henry" macht. Er kommt in den Dom, sieht den Timer bei 107 Minuten, aber keinen "Henry". Der erscheint aber gleich hinter Locke (ist wohl durch den Lüftungsschacht zurück geklettert) und hilft ihm auf die Beine. Er tut wirklich alles um Lockes Vertrauen zu erringen und somit wenigstens einen „Freund“ unter den Losties zu haben.

Jack ist nun mittlerweile auch auf dem Weg in den Schwan, wird aber von Kate aufgehalten. Die will sich mal wieder duschen, doch Jack lügt sie an, von wegen Wasserrohrbruch und so. Schade dass kein Klempner unter den Überlebenden ist. Aber ehe Kate sich richtig verarschen lässt, sieht sie ein Blinklicht. Die beiden gehen darauf zu (was sonst macht man auf einer Insel, auf der es ein Monster und böse Andere gibt mitten in der Nacht ohne Waffe) und entdecken die Warenlieferung für den Schwan, den eigentlichen Grund für die Verriegelung. Nahrung und sonstige Vorräte en masse und dazu ein Drogensüchtiger, ein Folterknecht und eine nette Polizistin. Ach ne, die kommen ja erst später dazu. Aber noch immer erfahren wir nicht, was denn nun wirklich noch so alles am Ballon passiert ist.

Das wird erst im Schwan aufgeklärt, in dem "Henry" mittlerweile Locke hilft, das Bein hoch zu legen. "Henry" erzählt noch schnell, was er angeblich im Dom gemacht hat, nämlich den Code eingegeben. Doch als Jack kommt, schlägt die Stimmung rasch um, denn der ist nicht sehr gut auf "Henry" zu sprechen, genauso wie Sayid. Aber der hat nun wirklich allen Grund dazu, denn in seiner Paranoia hat er das Grab geöffnet, das sie unter dem Ballon gefunden hatten und darin den echten Henry Gale gefunden. "Henry", obwohl, jetzt können wir ihn ja auch Ben nennen, steht nun vor den Ruinen seiner Lügengeschichte. Und da noch irgendetwas zu retten, wird die nächste Aufgabe unseres Inseldiktators sein. Dass erzählt euch dann aber der liebe Onkel Anubis.

Wer erzählt uns das? Kenn ich nicht!

Also Brandschutztür...: Ich denke mal die beste Version der Karte ist diese. Da ihr nicht noch länger auf diese Review warten solttet, nehme ich mir die eingehende Analyse der Karte mal fürs Wochenende vor. Zuvor gibt es vermutlich noch den ersten Teil der Incident-Review zur Thematik Jacob und "Samuel". Falls ihr denkt, dass da kaum was neues kommt, versichere ich euch: Ihr irrt (wahrscheinlich^^). Ich hab' nämlich einige interessante Sachen entdeckt, die mir noch halbwegs neu waren.

Jetzt aber zu meinen "normalen" Anmerkungen:


Also wenn es einen Loopdude gibt, dann ist das doch wohl Jacob und "Samuel" ist der Loopeholedude. Und schon wieder ein neuer Spitzname - man sollte mal eine Sammlung seiner Spitznamen aufmachen (sagt mir, wenn ich einen vergessen habe): Samuel, Man in Black (ist euch eigentlich mal aufgefallen, dass sein Hemd dunkelblau ist?), Esau, man#2, Rumpelstilzchen, Mr. Loophole, Deus Ex Machina, Keyser Söze, Loopholedude, Flocke, Fake-Locke, Shapeshifter, Nemesis, Der-schon-wieder, Ihr-wisst-schon-wer, Moses, [Achtung: Kleiner "Supernatural-Staffel-5-Spoiler] der Typ, der genauso aussieht wie einer der apokalyptischen Reiter bei "Supernatural" (was ich sehr verwirrend finde, da der Teufel aussieht wie Jacob) [Spoiler Ende] und, wenn man glaubt, dass er das Monster ist, kommen noch hinzu: Cerberus, Smokey, Monster, Rauchmonster, schwergestörte Giraffe und mein persönlicher Liebling: psychopathische Gewitterwolke. Sollte "Samuel" jemals James ford über den Weg laufen, kommen vermutlich nochmal genausoviele dazu.

Zu Furyas text hab ich sonst keine direkten Ergänzungen mehr, also zur Folge. Was ich bei der Frühstücksszene noch bemerkenswert fand, war, dass Ben zu John sagt: "Why do you let him talk to you like that? " ("Warum lässt du ihn so mit dir reden?") Für mich hatte das schon ein bisschen was von: "Eye, du bist der neue Inselkönig und Jack nur egozentrischer Skalpellschwinger." Da fällt mir ein, dass überhaupt Jacks dramaturgische Relevanz ein weiteres Indiz auf die Zeitschleife darstellt, denn gibt es sie nicht, wäre Jack doch eigentlich ziemlich unwichtig - verglichen mit John, Ben, Desmond, Richard, Charlie, Hurley, Eko, Aaron oder Claire, die fest mit der Insel verwoben sind.

Da der Ballon in dieser Folge gefunden wird, ist es wohl auch an der Zeit mal über den guten alten "Wizard of Oz" zu sprechen. Henry Gale ist in diesem amerikanischen Märchen der Onkel von Dorothy Gale, die es ins wundersame Land Oz verschlägt. Der Zauberer von Oz wiederum stürzte dort mit seinem Ballon ab. Dass Ben oft mit dem Zauberer von Oz, dem Mann hinter dem Vorhang in Verbindung gebracht wird, ist ja nichts neues, doch die wahren Männer hinter dem Vorhang sind letztlich zwei andere, die uns über ihre wahren Absichten, ihre Herkunft und die Fülle ihrer Macht auch weiterhin im Dunkeln lassen. Beizeiten sollten wir die Bezüge zwischen "Lost" und diesem literarischen Werk wohl nochmal ein wenig mehr aufdröseln. Doch genau wie die Brandschutztür ist das wohl ein Thema, dass man gesondert behandeln und betrachten sollte. Also verbleiben wir ersteinmal bei dem Hinweis auf diese Parallelen.

Ansonsten hab ich noch so ein paar Kleinigkeiten:

  • Als John auf dem Hometrainer sitzt, hört man nur einen einzigen Wortfetzen ganz klar heraus und zwar "Lock-". Zwar ist es ein Teil des Wortes "Lockdown" ("Verriegelung"), aber akustisch gibt es keinen unterschied zu "Locke"... da ist selbst unser guter, alter John verwirrt: Die Station ruft ihn jetzt schon beim Namen.
  • Ben ruft John, unmittelbat bevor die Türen runtergehen, zu, er sollte vielleicht lieber Jack holen. Diese kleine Stichelei von Ben rettet letztlich der ganzen Menschheit den Arsch, denn hätte Ben nicht gerufen und John dazu veranlasst vom Stuhl runter in Richtung Waffenkammer zu stürmen, hätte John vermutlich alleine auf dem Flur gestanden! Von da aus hätte er weder Ben aus der Waffenkammer lassen noch selbst zum Computer gelangen können.
  • Eine Frage bleibt für mich bestehen: Warum wird die Verriegelung im Orientierungsfilm mit keinem Wort erwähnt? Wäre doch eine nicht gerade unwichtige Information, zu wissen, dass man wenn der Lautsprecher rauscht, besser ganz flott zum Computer geht. Chang erklärt doch sonst jede Kleinigkeit so detailliert, dass man sich wundert, warum er nicht die Funktionsweise der Toilette erläutert (im Zweischichtbetrieb versteht sich^^). Wurde die Verriegelung erst installiert, als der Orientierungsfilm schon fertig war?
  • Ben sagt gegenüber John, die Losties gäben ihm die Schuld für Dinge, für die er nicht die Verantwort trägt. Klingt für mich fast nach Bens Leben in einem Satz, denn letztlich macht er zwar eine Menge Fehler, ist und bleibt aber auch für alles andere der Sündenbock.
  • Sawyer erwähnt Tallahassee und deutet an, sich dort eine Geschlechtskrankheit eingefangen zu haben - danach fragte Jack sogar in Staffel 1
  • Helen fragt Anthony Cooper: "Are you Him?" - die Antwort ist "Nein", oder?
Das war's jetzt auch von mir. Im Laufe des Tages kommen aber wohl noch ein paar Infos und News ;-)

Samstag, 2. Januar 2010

Gastbeitrag von Furya. The Whole Truth

Moin,
Wie ihr an der Position des Posts seht, ist er schon länger in Arbeit (das Programm stellt die Dinger nämlich in der reihenfolge rein, in der sie angelegt wurden). Ihr kennt das Verfahren ja mittlerweile zur Genüge, weshalb ich mir die langen Vorreden mal spare und wir direkt in den Gastbeitrag einsteigen:

Sun und Jin, meine beiden Lieblingskoreaner. (Dann kennst du offenbar nicht viele Koreaner^^ [ein Satz, eine Anmerkung - soll kein Trend werden].) Naja, zumindest wenn man die Sympathien der beiden addiert und den Durchschnitt bildet. So sehr wie ich Sun hasse, so sehr kann ich Jin leiden. Naja, wahrscheinlich bedingt das eine das andere. (Ach so, na dann.) Und diese Episode ist quasi prädestiniert dazu, meinen Standpunkt zu untermauern. Die Folge beginnt mit einer Rückblende, in der Jin versucht Sun zu verführen, das Ganze aber gewaltig nach hinten los geht. Mal ehrlich, hier stellt sich Jin dümmer an als die Bauern auf RTL (und das will was heißen). Die liefen damals sogar parallel zu "Lost" udn wir wissen ja: es gibt keine Zufälle! [noch eine Anmerkung der redaktion, die sich eigentlich vorgenommen hatte, still zu sein]. Wer fragt schon, während man gerade mitten im Vorspiel ist, seine Frau/Freundin, ob sie die Temperatur gemessen hat? Jin, das müssen wir aber nochmal üben. Vielleicht gibt es ja auch bald die Erfolgs-RTL –Sendung „Fischer sucht Frau“. Da werden nicht nur Fische ausgenommen.

Zurück auf der Insel sieht man Sun bei ihrer Lieblingsbeschäftigung, Pflanzen pflegen in ihrem Garten. Jin gefällt das aber nicht so sehr, er hat Angst, dass seine Frau wieder entführt wird. Er zerstört den Garten und Sun rennt aufgebracht davon. Jetzt könnte man meinen, Jin hat immer noch nichts gelernt. Aber hier hat Jin nur aus Liebe gehandelt. Er will seine Frau beschützen und setzt dafür sogar das Überleben der Gruppe aufs Spiel. Na gut, so drastisch vielleicht nicht, aber der Garten wäre sicher später eine wichtige Nahrungsquelle der Losties geworden. Hier sieht man, wie Jin Prioritäten setzt und wenn man sich Sun dazu anschaut, dann tut mir Jin echt leid. Er müht sich, alles für sie zu tun, er beschützt sie, würde für sie sterben und die merkt das einfach nicht. Bis zu dieser Folge hab ich mir schon so manches Mal gedacht, dass Jin eigentlich etwas viel besseres verdient hat als diese Zicke.

Aber nicht nur Jin sorgt sich um Sun. Auch Rose und Bernard wollen ihr helfen, sich um sie sorgen als Sun am Strand ankommt. Der geht es nämlich nicht sehr gut, Übelkeit und Bröckelhusten quälen die Gute. Als aber Rose und Bernard nachfragen, ob es ihr gut geht, riegelt Sun ab und will allein sein. Selbst als die beiden sie dazu drängen, zu Jack zu gehen, wehrt sie das ab. Nachdem was mit Hurley passiert ist (ihr wisst schon, das Blatt im Dschungel) sollte sie es aber durchaus mal beim Arzt ihres Vertrauens versuchen.

Die nächste Rückblende zeigt Sun und ihren Englischlehrer Jae. Diese Szene ist in meinen Augen sowas von überflüssig, dass ich gar nicht weiter darauf eingehen werde. Entweder ich verstehe hier den Subtext nicht, oder es ist so wie bei „… and Found“, einfach überflüssig. Also zur nächsten Station (nicht eine von der DHARMA) Sun geht zu Sawyer und fragt nach den Medizinvorräten. James will jedoch nur das herausgeben, was Sun auch braucht. Die gibt schließlich zu, dass sie einen Schwangerschaftstest haben will, den sie schließlich auch bekommt. Da hak' ich nochmal kurz ein: das ist so typisch Sun. In einer Apotheke lässt man sie ja auch nicht an die Schränke. "Ja, kein Problem, suchen Sie sich raus, was Sie brauchen. Das Morphium ist übrigens im dritten Schrank 23te Schublade von oben." Nichts Spannendes. Spannend dagegen fand ich das Buch, welches Sawyer am Anfang liest. „Are You There God? It's Me, Margaret.“ In diesem Buch geht es um Margaret, die in der Pubertät steckt. Ihre Mutter ist Christin, ihr Vater ist Jude und sie begibt sich auf den Weg, die Religion zu finden, welche sie für sich in Ordnung findet. Nun wollen die Christen sie natürlich überzeugen, dass sie auch dem christlichen Glauben angehört, die jüdische Seite der Familie hingegen akzeptiert sie so wie sie ist. Zwar nehmen sie Margaret auch einmal mit in die Synagoge, aber nur um ihr die jüdische Lebensweise zu zeigen, nicht um sie zur Jüdin zu machen. Und jetzt ein kleines Wörter-Tausch-Spiel für euch: Ersetzt einmal Jude durch Jacob und Christ durch "Samuel". Das Ganze kommt einem schon irgendwo vertraut vor. "Samuel" versucht durch Manipulation und aktives Eingreifen Ben auf seine Seite zu ziehen. Jacob hingegen tut nichts, belässt Ben wie er ist und akzeptiert ihn so als Anführer der Anderen. Bei Hugo, als dieser das Gefängnis verlässt, wird es bei Jacob noch deutlicher. Er sagt Hugo zwar, dass er auf die Insel zurück sollte, er betont aber ausdrücklich, dass es seine Entscheidung ist. Da sind schon Parallelen da. Das Buch handelt zwar auch von den sonstigen Leiden eines pubertierenden Mädchens, aber das hat nun wirklich nichts mit LOST zu tun. Nicht? Und was ist mit Alex? Zu der Religionsfrage fällt mir noch ein schönes Zitat von einem jüdischen Gelehrten (hab den Namen vergessen) ein: "Der Glaube an Jesus trennt uns, doch der Glaube Jesu eint uns" oder so ähnlich. Soll heißen: Auch wenn die Juden nicht an Jesus als Gottes Sohn glauben, so teilen sie doch Jesus eigene Auffassungen davon wie man glauben sollte. Finde ich insofern ganz interessant, da es mal wieder aufzeigt wie weit die christlichen Institutionen sich mittlerweile vom Kern ihres eigenen Glaubens entfernt haben. Wenn Gott existiert, schüttelt er über seine Fan-Clubs mittlerweile wohl nur noch seine drei Köpfe^^

Bei Dr. Kim wird nun ein sehr aufgebrachter Jin gezeigt. Der hat gerade erfahren, dass Sun unfruchtbar sein soll. Er wirft ihr sogar vor, es gewusst und ihm verheimlicht zu haben. Komisch, dass Jin hier so schlecht von Sun denkt, während er, wenn es aber um andere Dinge geht, echt blauäugig ist. Auf jeden Fall nimmt er das Büro des Doktors auseinander und stürmt wütend davon. Sun hingegen ist vollkommen ruhig und gefasst. Sie nimmt die Nachricht auf, verlässt jedoch nie ihre Rolle, nämlich die der Tochter von Mr. Paik. Dieser Klassenunterschied zwischen den beiden wird hier nur zu deutlich. Jin, der Fischer aus einfachem Hause, zeigt hier seine Emotionen in der Öffentlichkeit. Sun hingegen, aus noblem Hause, hat seit ihrer Kindheit gelernt, in der Öffentlichkeit emotionslos und zurückhaltend zu sein. Diese Szene stellt wirklich sehr deutlich dar, dass beide immer noch in ihrer Rolle fest stecken. Könnte aber auch darauf hindeuten, dass sie sich als Frau mehr zurückhalten muss, weil sie in der gesellschaftlichen Hierarchie unter Jin steht.

Auf der Insel wandelt sich das. Jin bleibt zwar der Fischer, was hier ja auch echt nützlich ist, aber Sun wird offener, emotionaler, auch vor anderen. Sie passt sich an, was sie auf der Insel noch ein wenig sympathischer wirken lässt. Dennoch bleibt sie verlogen, das ist keine Frage.

Als nächstes sieht man Sun mit Kate auf das Ergebnis des Tests wartend. Natürlich ist der Test von den Widmore Labs. Natürlich haben wir alle damals gedacht, es ist halt irgendein Test. Er ist im Staffelfinale wird klar, das Widmore doch eine größere Rolle zu spielen scheint. Die beiden warten also und unterhalten sich natürlich dabei (wäre ja auch langweilig sonst). Kleiner Insider: Hätten sie eine Mikrowelle gehabt, hätten sie auch auf Pizza-Taschen warten können, in denen der Käse reinste Lava ist [Anmerkung eines "[scrubs]"-Fans]. Kate erwähnt zwischendurch „I mean, who flies with a pregnancy test, right?” ("Ich mein, wer fliegt schon mit einem Schwangerschaftstest, oder?"). Kate verrät sich allerdings selbst mit der Art und Weise, wie sie es sagt. Dieses leichte Kichern und das „right“ am Ende sind einfach zu verräterisch. Als dann die beiden pinken Streifen erscheinen, ist Sun nicht wirklich glücklich und die beiden gehen zu Jack, um sich abzusichern. Der sagt, dass es auf jeden Fall stimmt. Bis hierhin echt unspannend. Aber dann fängt Jack auf einmal an, dass Sun es Jin erzählen muss und sie dabei die ganze Wahrheit sagen soll. Dann dauert es noch 5 Sekunden, bis er Kate anlügt. Die fragt, ob alles in Ordnung im Schwan ist. Jack sagt, alles ist bestens. Dass er einen Gefangenen hat, der ihn und John ziemlich an der Nase herumführt, verrät er natürlich nicht. Ich finde es sehr unverschämt von Jack, Sun zu sagen, sie soll ehrlich sein, wenn er es nicht einmal ein Gespräch lang ohne Lüge oder Vertuschung aushält. Ja, so ist Jack!

Jin ist unterdessen beim Fischen und wird von Bernard und Sawyer beglückwünscht (Papa-San fand ich einfach nur grandios). Jin hat aber keinen blassen Schimmer, was die beiden da erzählen, was uns in dieser Szene zum ersten Mal richtig gezeigt wird. Ich persönlich finde es wirklich gut, diese Szene aus der Sicht von Jin zu zeigen, denn so kann man richtig mit ihm mitfühlen. Er versteht niemanden, ihn versteht auch niemand, einfach schrecklich. Das zeigt noch mehr, warum er Sun so unbedingt beschützen will, sie ist sein einziger Bezugspunkt, die einzige Person, mit der er sich unterhalten kann. Das sagt er ihr dann auch direkt im Anschluss, als er ihren Garten wieder aufbaut. Sun gesteht aber auch endlich was. Dr. Kim hat ihr nämlich vorher in einer Rückblende erzählt, dass in Wirklichkeit Jin unfruchtbar ist. Sun sagt Jin also, dass sie schwanger und dass er eigentlich unfruchtbar ist. Nun ist Jin zwar ein Fischer, aber blöd ist er nicht. Er kann 1 und 1 zusammenzählen und wird stutzig. Wenn er nicht die flottesten Jungens in der Hose hat, ist er dann überhaupt der Vater? Eine durchaus berechtigte Frage, die nicht nur er sich stellt. Sun versichert ihm aber, dass sie ihn nie betrogen habe und das Kind auf jeden Fall von ihm sei. „Then it's a miracle.“ (Dann muss es ein Wunder sein) sagt schließlich Jin. Er hat damit natürlich recht, aber trotzdem kann Sun ihm nicht einmal die ganze Wahrheit sagen und zugeben, dass sie eine Affäre mit Jae gehabt hat. Das zeigt wieder einmal Suns wahres Wesen. So, aber genug jetzt, der Teil mit Jin und Sun ist jetzt (endlich) vorbei, ab zu "Henry" in den Schwan.

Naja gut, zumindest fast in den Schwan. Noch sind wir am Strand, dort sitzt nämlich Locke vor Anas Zelt. Die kommt auch gleich angerannt, als ob der Teufel hinter ihr her wäre („You are running like the devil is chaising you.“) Und Ana so darauf: „Maybe he is.“ ("Vielleicht ist er das"). Da ich nicht viel von der Theorie halte, dass die Insel die Hölle oder irgendeine Art von Bestrafung ist, finde ich, dieser Satz birgt mal so rein gar nichts. Nur die musikalische Untermalung dieser Szene ist genial gemacht. Denn am Anfang, als Ana rennt, wirkt die Musik bedrohlich, so als ob die gute wirklich von etwas verfolgt würde. Letztlich ist es nur eine Trainingseinheit. Locke klärt nun Ana über "Henry" auf, der ja das letzte Mal von Sayid nicht sonderlich erfolgreich „bearbeitet“ wurde. Nun soll Ana also ihr Glück versuchen und ihn verhören. Locke geht hier ziemlich locker mit dieser Information um, denn schließlich hätte jeder, der zufällig vorbei gekommen wäre oder gute Ohren hat (Legolas? Sylar?), das Gespräch mit verfolgen können. Jack hätte hier völlig anders gehandelt. Er hätte, wenn er es überhaupt gesagt hätte, Ana ohne ein Wort in den Schwan gelockt und sie dort vor vollendete Tatsachen gestellt. Dies zeigt schon einmal deutlich, wie unterschiedlich die beiden Anführerpersönlichkeiten der Losties doch sind (Sawyer grenze ich hier aus, da er wirklich erst ab S5 zum Anführer wird). Der letzte Satz von Locke untermauert das Ganze noch einmal: „I don't need Jack's permission to talk with you, because right now there's a man sitting in a room in my hatch and I want him out.” ("Ich brauche Jacks Erlaubnis nicht, um mich mit dir zu unterhalten, weil momentan ein Mann in einem Zimmer in meiner Luke ist und ich will ihn da raus haben.") Oh, was kommt denn da aus Johns Mund? Seine Luke? Ich finde es ziemlich dreist von ihm, so etwas zu behaupten. Immerhin teilen sich die Leute die Arbeit (Knöpfchen drücken) und gebaut hat Locke sie nun auch nicht. Gefunden hat er sie mit Boone, geöffnet hat sie das Dynamit der Black Rock, gebaut hat sie die Dharma. Also was bringt Locke dazu, zu sagen, es wäre seine Luke? Vielleicht weil er mehr darüber weiß, als alle anderen?

Vielleicht aber auch, weil er sich für die Station verantwotlich fühlt. Die anderen sehen sie als Badezimmer, Lagerraum, Gefängnis, Waschküche, Wunderhöhle, aus der mal Essen kam. John ist der einzige, den die Luke wahrlich aufgrund ihrer eigentlichen Funktion interessiert.

In der nächsten Szene wird geklärt, warum John keine Haare auf der Insel wachsen, er rasiert sich nämlich immer, wenn Jack sich duscht. Ob er das auch macht, wenn Kate darunter steht? Die ist nicht "sein Typ" [kleiner Scherz]. Naja, eigentlich egal, auf jeden Fall klärt Locke Jack darüber auf, dass Ana momentan bei "Henry" ist. Dorthin schwenkt nun auch die Kamera. Ana geht viel netter mit Henry um, als es noch Sayid getan hat (da gehört auch nicht viel dazu) und bekommt prompt eine Karte zum Ballon von Henry. Interessant ist noch, wie "Henry" darauf reagiert, dass die Tailies die Insel überquert haben. Er wirkt sehr überrascht, er ist halt wirklich ein sehr guter Schauspieler. Immerhin weiß er genau, dass die Tailies gewandert sind. Seine Tarnung ist bis hierhin wirklich noch perfekt, keiner von den Losties hat einen Beweis, dass "Henry" lügt. Das wird auch deutlich, als er sagt, dass die Ballonfahrerei etwas anderes wäre, als auf dem Land zu reisen. Er könne keine Karte zeichnen, da es eben bei einem Ballon völlig andere Dinge zu beachten gibt als eine Karte. Dennoch lässt er sich von Ana überzeugen, schon weil es für ihn die beste Option ist, aus der Kammer heraus zu kommen und die Losties noch besser zu manipulieren. Und was hat er auch zu verlieren? „It doesn't matter what I do, I'm dead already.” ("Es ist nicht von Bedeutung, was ich tue, ich bin sowieso schon tot.") Dieser Satz kann natürlich auch doppeldeutig interpretiert werden, aber wie ich oben bereits schrieb, halte ich nix von der Höllen-Theorie und noch weniger von der „Alle sind tot“-Theorie. Deshalb wird es "Henry" wohl so meinen, wie es auch rüber kommt. Er ist für die Losties einer der Anderen und daran wird sich nichts ändern. Selbst wenn "Henry" wirklich Henry gewesen wäre, hätte Sayid ihm wohl nie so wirklich getraut. Ben könnte aber auch gemeint haben, dass er eh' schon tot wäre, weil er Krebs hat. Denn schafft er es nicht Jack zu einer Operation zu bewegen, was ihm in seiner Tarnung schwerlich gelingen dürfte, sofern er nicht in eine Röntgenmaschine fällt, die zufällig in der Waffenkammer rumsteht, wird er nicht an Sayids Schlägen, sondern an dem Tumor sterben. Gibt er seine Tarnung auf und sagt, weshalb er auf dem Weg zu den Losties war, muss er befürchten, am nächsten Morgen mit einer Kugel im Kopf aufzuwachen. Wie er sich auch verhält: er ist ein toter Mann - zumindest glaubt er das. Ironie des Schicksals ist es da wohl, dass er einige Jahre später neben Sun der einzige Hauptcharakter ist, der auf der Insel und am Leben ist.

Diesen Blick wirft John Jack zu, nachdem dieser Ana verabschiedet hat. Als ich das beim Aufschreiben der Notizen gesehen habe, hab ich nur so gedacht: Wenn Blicke töten könnten. Er durchbohrt Jack quasi. Das verdeutlicht noch einmal den Machtkampf, den die beiden führen.

Ana geht unterdessen zurück zum Strand und zeigt Sayid und Charlie die Karte. Aber warum zeigt sie sie ausgerechnet Sayid (Charlie ist ja nur zufällig dabei)? Vielleicht aus einem Wunsch nach Wiedergutmachung heraus, obwohl das ja so gar nicht zu Ana passt. Und warum sagt Ana das nicht Jack und Locke? „Jack and Locke are a little too busy worrying about Locke and Jack.” ("Jack und Locke sind ein bisschen zu beschäftigt sich um Locke und Jack zu sorgen.") Da bringt es Ana ganz einfach mal auf den Punkt. Sie hat vollkommen recht, denn Jack und John sind einfach zu sehr mit sich beschäftigt, als das sie wirklich sehen würden, was um sie herum passiert. Jack will unbedingt erst die Luke geheim halten und dann "Henry". Locke will alles mit den Losties teilen, er will Gleichberechtigung, solange er als Anführer angesehen wird. Das sind natürlich zwei Ansichten, die überhaupt nicht zusammen passen und so versuchen sie lieber den jeweils anderen auszustechen, als sich um die wirklich wichtigen Dinge zu kümmern, nämlich ob "Henry" die Wahrheit sagt oder nicht.

Ana, Sayid und Charlie gehen unterdessen und suchen den Ballon. Ana bemerkt natürlich Charlies Waffe und sagt, er solle sie doch jemandem geben, der weiß, wie man damit umgeht. Charlie hält also Ana die Waffe hin, die greift danach und… Charlie gibt die Waffe an Sayid. Grandios fand ich das. Hier wird Ana einmal richtig gezeigt, dass Vertrauen nicht einfach so da ist, sondern dass man sich so etwas verdienen muss. Ana hat in der Tat einiges auf zu holen, immerhin hat sie Sawyer, Michael und Jin gefangen gehalten und Shannon getötet. Ganz davon zu schweigen, dass sie selbst eigentlich jedem und allem misstraut. Ganz abgesehen davon, dass selbst "Samuel" nie so viel Schaden unter den Losties anrichten könnte, wie eine nervöse Ana-Lucia mit einer 9mm. Allerdings können die alle drei mit Waffen nicht so wirklich umgehen, denn sie neigen dazu sie zu benutzen ;-).

Danach sitzen die drei am Lagerfeuer und Ana entschuldigt sich bei Sayid. Sayid vergibt ihr, sagt, sie habe keine Schuld an Shannons Tod. Aber „something has to be done“ ("etwas muss getan werden") wenn sie erfahren, dass "Henry" lügt. Und wir alle wissen, das Sayid sicher nicht für seine zärtliche Seite bekannt ist. Hier zeigt sich einmal mehr, dass er im tiefsten Inneren doch ein Folterknecht ist und nicht der nette Mann, der er vorgibt zu sein. Er freut sich schon richtig darauf, auch "Henry" ein wenig Bambus unter die Fingernägel zu schieben. Am nächsten Morgen schaut Sayid Ana an und irgendwie erinnert mich das an die Szene, als Goodwin neben Ana liegt. Der schaut Ana genauso an, wie Sayid in dieser Szene. Charlie will frühstücken, dass wollen die beiden anderen aber nicht so recht und so geht’s direkt weiter. Das erste oder das zweite Frühstück? (HdR-Insider). Nun regnet es mal wieder und die drei finden den Ballon nicht da, wo Henry ihn eigentlich gern haben möchte. Die drei teilen sich also auf und suchen die Umgebung ab. Dass Sayid schon wieder in Folterlaune ist, brauch ich ja wohl nicht zu erwähnen. Damit endet dieser Trip erst einmal, die Fortsetzung gibt es dann in „Lockdown“.

In der Luke steht die Zeit unterdessen aber auch nicht still (auch wenn sie wohl etwas anders tickt, als wir es so kennen) und Jack und Locke machen sich weiter gegenseitig das Leben schwer. "Henry" macht es ihnen da auch nicht wirklich einfacher und spielt die beiden sogar noch weiter gegeneinander aus. Der liest momentan in seinem Gefängnis ein Buch, während Jack herein kommt und ihn fragt wie es so ist. "Henry" liest vor und wählt eine sehr interessante Textstelle: „Men reject their prophets and slay them, but they love their martyrs and honor those whom they have slain.” ("Menschen lehnen ihre Propheten ab und töten sie, aber sie lieben ihre Märtyrer und ehren jene, die sie getötet haben.") Sie lehnen ihre Propheten ab und töten sie? Bin ich hier der einzige, bei dem da die Jacob-Glocke läutet? Genau das ist es doch, was am Ende der 5. Staffel passiert. Ben tötet seinen Propheten. Und für die Anderen wird er damit sicher zum Märtyrer, denn er ist für ihre Sache gestorben. Auch wenn das jetzt noch nicht so ganz klar wird, so denke ich, dass das in Staffel 6 sich so entwickeln wird. Es zeichnen sich also hier schon die Dinge ab, die fünf Jahre später unter dem Fuße der Statue passieren werden.

Jack lässt nun "Henry" heraus, damit dieser ein wenig frühstücken kann. "Henry" fragt natürlich gleich erst einmal, wozu der Computer da ist (als ob er das nicht wüsste). Jack verrät ihm natürlich die ganze Wahrheit, immerhin muss er ja zu seinem eigenen Rat stehen, den er Sun am Strand gegeben hat. Aber halt, nein, er lügt ja Ben an. Er sagt, der Computer hat keinen Nutzen. Jetzt blicken wir noch einmal kurz zurück. Sun bekommt von Jack also den Rat, sie soll doch die Wahrheit zu Jin sagen. Gefühlte 5 Sekunden später fragt Kate, ob irgendwas im Schwan nicht stimmt. Jack sagt, dass alles in Ordnung ist. "Henry" und die Situation mit Locke verschweigt er. Auch hier sagt er also nicht die Wahrheit. Jack ist schon ein ziemlicher Heuchler. Er selbst rät anderen, die ganze Wahrheit zu sagen und immer alle Karten auf den Tisch zu legen, er selbst stellt sich jedoch darüber und verheimlicht alles, was auch nur im Ansatz wichtig sein könnte. Dass er "Henry" nicht vertraut, kann man ja noch verstehen, aber zu Kate sollte er doch ein anderes Verhältnis haben. Ich glaube das ist auch mit einer der Gründe, warum Jack und Locke immer aneinander geraten. Nicht nur, weil Locke jedem alles erzählt, sondern auch, weil Jack niemandem etwas erzählt. Locke kann das nicht mit sich vereinbaren und baut langsam aber sicher einen Hass auf Jack auf. Dies wird vor allem in Staffel 3 deutlich, als er trotz der Informationen von Ben das U-Boot zerstört. "Henry" bekommt nun eine Schüssel Cornflakes (von Dharma, natürlich) und Jack und Locke schauen ihm dabei zu. "Henry" rutscht, natürlich ausversehen, raus, dass er Ana die Karte gezeichnet hat. Jack fragt sofort Locke, ob er etwas wusste, dieser sagt wahrheitsgemäß nein. Und dann legt "Henry" richtig los. Dieser Monolog ist einfach grandios und sollte in voller Länge genossen werden:

Wow, you guys have some real trust issues, don't you? Guess it makes sense she didn't tell you. I mean, with the two of you fighting all the time. Of course, if I was one of them -- these people that you seem to think are your enemies -- what would I do? Well, there'd be no balloon, so I'd draw a map to a real secluded place like a cave or some underbrush -- good place for a trap -- an ambush. And when your friends got there a bunch of my people would be waiting for them. Then they'd use them to trade for me. I guess it's a good thing I'm not one of them, huh? You guys got any milk?“

("Wow, ihr Jungs habt wirklich ein Vertrauensproblem, nicht wahr? Ich denke, es macht Sinn, dass sie es euch nicht erzählt hat. Ich meine, ihr zwei streitet ja ständig. Natürlich, wenn ich einer von Ihnen wäre – diese Leute, von denen ihr denkt, dass sie eure Feinde wären – was würde ich tun? Naja, da wäre kein Ballon, also würde ich eine Karte zu einem wirklich abgeschiedenen Ort zeichnen wie einer Höhle oder Unterholz – ein guter Ort für eine Falle – einen Hinterhalt. Und wenn eure Freunde dort ankommen würden ein paar von meinen Leuten auf sie warten. Dann würden sie sie gegen mich eintauschen. Ich denke es ist gut, dass ich keiner von Ihnen bin, oder? Habt ihr zufällig ein bisschen Milch?")

Und jetzt nehmen wir das auseinander. Natürlich wissen wir mittlerweile, dass "Henry" wirklich ein Anderer ist, dennoch keinen Hinterhalt gelegt hat. Aber in Jack und Locke keimen nun doch erste Zweifel auf. Was ist, wenn "Henry" recht hat, wenn Ana, Sayid und Charlie wirklich in eine Falle laufen? Jack und Locke wären Schuld, denn die beiden haben durch ihr Verhalten Ana dazu gebracht, ihnen nichts von der Karte zu sagen. Auch interessant ist, dass "Henry "sagt, dass die Losties nur denken, dass die Anderen ihre Feinde wären. Sie haben ja wirklich allen Grund dazu, aber "Henry" hat hier schon angedeutet, dass es nicht wirklich deren Feinde sind. Letztlich wollen sie nur ihre Heimat beschützen. Und dass der wahre Feind nicht wirklich die Anderen sind, das steht ja wohl fest. Ich finde, er untermauer seine Behauptung, nicht ihr Feind zu sein eben dadurch, dass es keine Falle gibt. [mal wieder eine Anmerkung von Anubis2705] "Henry" regt hier Jack und John wirklich zum Nachdenken an, ob sie nicht vielleicht einen Fehler gemacht haben. Auch klasse ist die letzte Frage nach der Milch. Immerhin geht es "Henry" in Wahrheit viel besser, als den Losties. Er hat ein Haus mit Kühlschrank und einer netten Nachbarschaft. Es werden Muffins gebacken und Buchclubs abgehalten. Und er fragt allen Ernstes nach Milch. Das zeigt hier noch einmal, dass er wirklich seine Rolle perfekt spielt.

So, das soll's dann für heute gewesen sein, ich hoffe es geht dann direkt morgen mit „Lockdown“ weiter. Ich hoffe, es hat euch gefallen und ich bedanke mich schon einmal fürs Lesen.


Fang ich mit meinen Ergänzungen mal bei dem Thema an, das mir am meisten unter den Nägel brennt, denn ich würde Bens Zitat über die Märytrer nicht nur auf Jacob beziehen. Für mich stellt dieser Satz eines von Bens wichtigsten Zitaten da, obgleich er hier selbst nur zitiert. Für mich stand dieses Zitat immer in einer Reihe mit "Everything I did, I did for the Island" und "What about me?" Hier muss man aber erstmal die drei Ebenen der Mitteilung unterschieden:
1. Was will Ben Jack damit sagen?
2. Was sagt Ben damit über sich selbst aus?
3. Was wollen uns Darlton mit dieser Szene mitteilen?
Ben bezieht sich weniger auf Jacob als vielmehr auf sich selbst. Er ist ein Prophet, ein einsamer Prediger, der einzig und allein von seinem festen Glauben am Leben erhalten wird. Es klingt aber der stumme Wunsch an, lieber ein Märtyrer zu sein und geliebt und nicht gehasst zu werden. Da kann man wohl sagen: Pass auf, was du dir wünscht. Klar, auf den ersten Blick ist John der Märtyrer, der von Ben getötet wird ("aber sie lieben ihre Märtyrer und ehren jene, die sie getötet haben.") Doch letztlich wird ein Prophet ja durch seinen Tod zum Märtyrer und jene, die ihn getötet haben und nun geliebt werden, sind die gleichen, die den Propheten getötet haben und ihn erst hassten und nun lieben, da er tot und ein Märtyrer ist. Ben will Jack dadurch klar machen, dass jene, die sie vielleicht jetzt noch für Propheten halten und als Lügner ansehen werden, sich im Moment ihres Todes als Märtyrer erweisen mögen. Über sich selbst sagt Ben, dass er jetzt noch ein verhasster Prophet sein mag, doch wenn er erst von seinen Feinden getötet wurde, zum Märtyrer werden wird.
Doch welche Propheten und Märtyrer kennen wir in "Lost"? Mein erster Gedanke geht hier weder zu Jacob noch zu Locke, sondern zu Charlie und Desmond. Beide hatten sie Visionen und Charlie starb als Märtyrer um eine dieser Visionen zu erfüllen. Dann wäre da noch Eko, der wie ein echter Märtyrer für seinen Glauben stirbt. Jack wiederum hält sich später für einen Propheten und geht das Risiko ein für seinen schon (fast) fanatischen Glauben zu sterben und viele andere mit in den Tod zu reißen. Jacob und John sind Märtyrer - keine Frage. Aber bleibt Ben nur der Mörder der beiden oder wird er nicht selbst zum Märtyrer da er alle Schuld auf sich nimmt, um den Willen der Insel zu erfüllen. Denn Bens Sünden sind die Sünden Jacobs, die Sünden der gesamten Menschheit, die auf seine Schultern gelegt werden. Ich denke in dieser Szene wird nicht nur auf Johns und Jacobs Tod hingedeutet, sondern auch auf Bens, denn so wie es im Moment aussieht, ist er der einzige, der Jacobs Vorhaben erfüllen kann, der alles zu beenden, vermag. Macht das nicht einen wahren Märtyrer aus: Er ist bereit für seinen Glauben und das Wohl anderer sein eigenes Leben und Wohl zu opfern.

Eine andere Stelle, wo ich die Aussage eines Charakters ganz anders aufgefasst habe als Furya ist die Szene, wo Ana zu John meint, der Teufel sei ja vielleicht tatsächlich hinter ihr her. Der Teufel ist doch nicht hinter jenen her, die bereits tot oder gar in der Hölle sind. Die ursprüngliche Funktion des Teufels ist es unter den Lebenden die Sünder zu suchen, deren Vergehen so schwer wiegen, dass sie in die Hölle wandern. Ben sagt später, Goodwin habe sich um Ana bemüht, was darauf verweisen könnte, dass sie noch keiner Seite zuzuordnen ist und sich noch beide Lager um sie bemühen. Ben erfüllt für Jacob eine ähnliche Funktion wie der Erzengel Michael für Gott: die eines Kriegers und Heerführers. Er mag Verbrechen begehen, doch all seine Verbrechen geschehen im Namen seines Herren. Wenn Jacob also die Funktion Gottes einnimmt und die Anderen so etwas wie dessen Engel sind, wäre "Samuel" folglich der Satan, der Ankläger, der nicht bereit war sich vor den Menschen zu beugen, weil sie dessen nicht wert sind. Er versucht zu belegen, dass die Menschen schlecht sind - im Zweifelsfall, indem er sie verführt. Wird also suggeriert, der Teufel sei hinter Ana her, heißt das vielleicht, dass "Samuel" sie dazu bringen will zu fallen. Trotz all ihrem Leid, ihrer Vergehen, ihrer Isolation gibt sie sich nie dem Bösen hin. Anas Wille ist stärker als der Teufel, der hinter ihr her ist.

Dann zu der ersten Szene mit Jae. Ich schätze mal, dass der Sinn dieser Szene ist, die Weiterentwicklung der Beziehung zwischen Jae und Sun aufzuzeigen - er wird vom Ehemann in spe zur großen Enttäuschung für Sun, dann wird er selbst enttäuscht und wird zu ihrem Englischlehrer und Freund und schlussendlich sogar zu ihrem Geliebten. Hätte man den hier aufgezeigten Zwischenschritt unterschlagen, hätte wohl der Verdacht nahe gelegen, dass sie von Anfang an an ein Verhältnis hatten und sich dieses nicht erst nach dem Fremdsprachenkurs entwickelt hat.

Zu Johns Blick will ich nur sagen, dass es langsam auffällig viele Stelle sind, in denen uns Johns Blicke auffallen. Das spricht auch eine sehr deutliche Sprache über Terry O'Quinn, denn solche Aussagekraft in einen bloßen Blick zu legen, können nur wirklich hervorragende Schauspieler - Michael Emerson ist bei "Lost" wahrlich der einzige, der noch etwas besser ist. Die ganzen anderen Darsteller sind zwar auch klasse, aber mit den beiden können sie sich einfach nicht messen. Ich finde: das musste einfach nochmal gesagt werden^^.

Dann hätten wir noch die Szene im Gesprächszimmer von Dr. Kim. Ich finde nicht, dass Sun sich so wirklich unter Kontrolle hat, denn das, was ihr da Jin gegenüber rausrutscht, ist nicht nur überaus verletzend, sondern lässt obendrein doch verdammt tief blicken. Außerdem hab ich irgendwie gedacht: Ein Glück, dass Dr. Kims Aussage nur eine Lüge war, denn hätte er die Wahrheit gesagt, hätte auch die Insel nicht mehr helfen können - also wenn das kein Schicksal ist, was dann?

Was ich sonst noch wichtig fände: Die Titel der Episode ist ja nun wiedermal sehr clever gewählt und vielseitig einsetzbar. Furya hat jetzt vor allem Jack und Sun in den Mittelpunkt gestellt, aber es wird ja viel mehr gelogen. Nicht nur von Jack, Sun und Ben wird gelogen. Sun versucht zuerst Sawyer auszutricksen, versteckt den Test dann. Ferner belügt sie Jin - wiedereinmal. Selbst dann noch, wenn sie ihm (und auch uns) vorgaukelt die GANZE WAHRHEIT zu erzählen, lügt sie erneut. Sun ihrerseits wird von Dr. Kim ebenso belogen wie Jin. Kim beichtet nur Sun die Wahrheit. Hurley lügt, als er Sun im Dschungel trifft, über den Schokoriegel. Ben wiederum lügt über seine Identität, den Ballon und die Anderen. All diese Lügen sind aber - ganz anders als Jacks Lügen - noch ein gewisser Selbstschutz. Jack hingegen verschweigt die Wahrheit aus purem Kalkühl heraus. Was hätte er zu verlieren gehabt, wenn er von "Henry" erzählt hätte? Mir fällt da gleich eine Szene aus einer der kommenden Folgen ein, in der Kate Jack über die falschen Bärte berichtet und er sofort ganz stinkig fragt, wann sie vorhatte ihm das zu erzählen. Kate erwidert darauf sehr souverän, dass er einen der Anderen tagelang gefangenhielt und es verschwiegen hat. Für mich ist das die Szene, die besonders deutlich zeigt, welche Privelegien Jack aus seiner Anführerrolle ableitet. Das ist auch das Problem mit John, Sayid und Sawyer: sie erkennen Jacks Führerrolle nicht uneingeschränkt an. John geht sogar soweit mit Jack um die Führerschaft zu konkurieren.

Eine kurze Anmerkung zu Bens Fragen noch: Ich finde, es wirkt fast so, als wolle er Jack und John dahingehend manipulieren, dass sie selbst mal anfangen ein paar Dinge zu hinterfragen: Insbesondere alles, was mit der Dharma zu tun hat.

Donnerstag, 31. Dezember 2009

"Same procedure as last year, Jacob?" - "Same procedure as EVERY YEAR, Richard!"

Ich weiß, es hat sich in letzter Zeit wenig oder um genau zu sein rein gar nichts getan, aber an Feiertagen haben auch Leute frei, die nicht bezahlt werden^^
Ab Samstag legen wir aber wieder richtig los - ich spreche jetzt mal ganz dreist für meine Co-Autoren mit ;-)
Nichtsdestotrotz wünsche ich euch allen einen guten Rutsch ins Jahr 2010 - für uns als Lost-Fans auf jeden Fall ein Jahr, das wir so schnell nicht vergessen werden.
Man liest und schreibt sich nächstes Jahr.
Anubis2705

Montag, 28. Dezember 2009

Eine Info, eine Info

Hi,
hoffe ihr habt alle die Feiertage heil überstanden - keine brennenden Christbäume, keine Lebensmittelvergiftung vom Festessen und vor allem keine Schweinegrippe ;-).
Der Stand der Dinge ist derzeit wiefolgt: Ich habe Furyas Gastbeitrag zu "The Whole Truth" zwar fertig überarbeitet, hatte aber noch nicht so die rechte Muße, die Episode nochmal zu gucken und auf mögliche Ergänzungen hin zu untersuchen, was aber wohl spätestens morgen passieren wird. Mit "The Incident" habe ich dafür zumindest schonmal angefangen.
Aber ich denke, es ist im Endergebnis besser, wenn ich mal ein wenig richtig Pause mache und dann im neuen Jahr wieder mit viel Elan zurück ans Werk gehe. Mein Vorsatz fürs neue Jahr ist zumindest genau das... unter anderem^^
Also Namaste und man liest sich ;-)