Donnerstag, 28. Januar 2010

Die Seuche hat mich

Nein, nicht wirklich, aber ich bin jetzt doch einigermaßen im Eimer und fürchte daher, dass ich vor Dienstag keine Review mehr Zustande bringen kann, da ich die paar Kräfte, dich ich noch mobilisieren kann, für andere Dinge brauche.
Damit ihr aber eure Gastbeiträge, die vielleicht schon fertig sind, nicht komplett umsonst geschrieben habt, schickt sie mir bitte zu, dann lade ich sie, wenn auch ohne Kontrollelesen, noch hoch, bevor Staffel 6 startet. Auch die, die mir ihren schon geschickt haben, sollten ihn mir besser nochmal schicken, damit ich nichts übersehe/vergesse.
Alles Gute!
Anubis2705

Montag, 25. Januar 2010

Der Wunderheiler vom heiligen Felsklotz ist da: die S.O.S.-Review

S.O.S.:

Da wir nicht an Zufälle glauben: Was bedeutet eigentlich SOS? „Save Our Souls“? „Save Our Ships“? „Samuel ohne Schlupfloch“? Nein, nichts von alledem. Es bedeutet schlichtweg absolut und rein gar nichts. SOS hat keinerlei Bedeutung, sondern ist lediglich die in Buchstaben zurückgewandelte Codierung für den einprägsamen Morsecode eines Notsignals: ···---··· (dreimal kurz, dreimal lang, dreimal kurz). Hat schon eine gewisse Ironie, wenn ich bedenke, dass ich seit September kaum etwas anderes mache als irgendwelche Zeichen zu interpretieren und zu analysieren, von denen einige vermutlich – ebenso wie das SOS-Signal – keinerlei Bedeutung haben. Da ich aber nun einmal nicht weiß, was eine Bedeutung hat und was nicht, kommt hier nun die neue Review zu „SOS“ oder „S.O.S.“ (sucht euch eine Schreibweise aus). Da diese Folge ein Sammelsurium kleiner Nebenhandlungsstränge ist, halte ich es für sinnvoll alle Chronologie vollends über Bord (auch wenn die Chronologie dann ein SOS-Signal absetzen sollte) zu werfen und die Themengebiete einfach abzugrasen.

Rose und Bernard sind wohl der lebende Beweis dafür, dass Gegensätze sich gelegentlich tatsächlich anziehen. Damit meine ich keineswegs die Hautfarbe, denn die ist letztlich irrelevant – sie mag bei der Partnerwahl wie alle Äußerlichkeiten zwar eine Rolle spielen, doch in der Beziehung selbst zählt sie letztlich nicht mehr. Rose ist jedoch all das, was Bernard nicht ist und umgekehrt. Die einzigen Gemeinsamkeiten in ihrer Persönlichkeit teilen sie mit der halben Insel: beide sind sie ein wenig bevormundend (wenn auch auf weit angenehmere Art als Jack oder Ana) und im Grunde ihres Wesens wollen sie keinem schaden. Was sie später noch verbindet, aber von den meisten anderen Inselbewohnern krass unterscheidet ist ihr Bestreben, Konflikte ohne Einsatz von Gewalt beizulegen (einige versuchen das zwar auch immer wieder, doch am Ende erwürgen und erschießen sie trotzdem einen gewissen Glatzkopf). Aber noch sind sie nicht die Insel-Gandhis.

Aber kommen wir jetzt zu den Unterschieden: Bernard ist ein ewig Getriebener, jemand, der handeln muss und nicht so wie Rose die Hände in den Schoß legen kann. Obgleich er es nicht so meint, wirken seine Ratschläge oder Anweisungen oft herablassend und überheblich. Im Grunde seines Herzens ist Bernard hilfsbereit und jedem wohlgesonnen und möchte, wenn er jemanden bevormundet, ihm eigentlich nur helfen – das zeigt sich besonders in der Szene mit dem im Schnee festgefahrenen Wagen. Ich glaube sogar, er hat, bis er von Rose und James mit der Nase drauf gestoßen wird, nicht einmal wirklich gemerkt, dass ihn alle hängen lassen, weil es sich die leichtesten Aufgaben rausgepickt und einen recht harschen Befehlston angeschlagen hat. Dazu fehlt es ihm an Feingefühl. Auf den Gedanken, er könne beim Steinetragen helfen, kommt er gar nicht erst, er hat die Initiative ergriffen und Aufgaben verteilt und hat schon eine so genaue Vorstellung, dass er einfach keinem anderen Planungsarbeiten überlassen will. Bernard ist ein Kontrollfreak.

Anders als der hilfsbereite und manchmal etwas begriffsstutzige Besserwisser ist Rose von Natur aus gelassen. Sie vertraut einfach darauf, dass sich alles zum Guten wendet und wenn nicht, hat sie auch damit ihren „Frieden gemacht“. Aber auch sie hat Fehler, die ihr selbst wohl am wenigsten bewusst sind. Bernard ist ein sehr ehrlicher Mensch, wohingegen Rose des öfteren Dinge verschweigt und gerade Bernard belügt. Außerdem mangelt es ihr an seiner bedingungslosen Loyalität: So fällt sie Bernard, als er den Vorschlag macht, das Zeichen zu bauen, ganz schön in den Rücken und stellt ihn vor versammelter Mannschaft bloß. Sie blamiert und beschämt ihn. Ich muss sagen: das war eine der ganz wenigen Stellen, in denen mir Rose ziemlich unsympathisch war. So etwas tut man nicht – schon gar nicht unter den gegebenen Umständen. Bernard mag ja manchmal ein ganz schöner Quälgeist sein und vielleicht wollte sie ihn auch nur vor noch größerem Schaden bewahren, aber trotzdem: das war einfach mies. Rose sagt Bernard dann, er würde diesen Menschen falsche Hoffnung geben. Da merk ich mal wieder, wie weise Christian letztlich ist, denn: auch falsche Hoffnung ist Hoffnung und die stirbt bekanntlich zuletzt. Bernards eigene, beizeiten falsche Hoffnungen spornen ihn letztlich immer wieder an, auch utopisch anmutende Dinge zu probieren und einfach auf das Beste zu hoffen. Obgleich Rose stets Gott vertrauen predigt und Bernard so gar nicht religiös scheint, hat er viel mehr von einem Gläubigen als Rose, denn Rose ergibt sich in Situationen, während Bernard weiß: Wer kämpft, kann verlieren – wer nicht kämpft, hat schon verloren. Er vertraut darauf, dass sich alles zum Guten wendet, wenn man selbst aktiv wirft oder etwas profaner ausgedrückt: Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott. Einfach alles auszusitzen, hat nicht viel mit Gottvertrauen zu tun, doch in dem festen Glauben, alles werde gut, zu handeln, da schon eher.

Bernard hat also seine Idee von einem großen Zeichen – den symbolischen Subtext muss ich wohl nicht wirklich noch mal erläutern, oder? Wir sind alle tief genug in der Lost-Materie drin, um zu wissen, dass da einiger Subtext mitschwingt, wenn eine Folge lang ständig über ein „Zeichen“ geredet wird. Eine zusätzliche Bedeutung bekommt dieses Zeichen dann jedoch in Verbindung mit dem „?“. Denn John zeigt sich, obgleich er permanent an seiner Karte bastelt, recht belustigt, als Rose ihm erzählt, Bernard wolle ein Zeichen machen, dass man vom Himmel aus sehen kann. Locke steht bald vor so einem Zeichen und kann es genau aus dem Grund nicht sehen, weil er sich am Boden befindet.

Bemerkenswert ist auch, womit Bernard sein Zeichen machen will: „Black Rocks“ – Kommentare überflüssig^^! Eine andere eher lustige Randnotiz ist Hurleys Bemerkung: „Hey, um, I can sketch the letters.“ („Eye...ähm...Ich kann die Buchstaben vorzeichnen.“). Tja, weder sind Locke und Jack die einzigen, die Hurley unliebsame Aufgaben auferlegen, nein, Bernard ist auch nicht der einzige, der gerne Rosinen pickt.

Doch wirklich Unterstützung erhält Bernard nicht – er ist halt nicht Jack. Wenn der was sagt, stehen die meisten sofort stramm, wenn Bernard was sagt, gehen die meisten weg. Eko ist „busy“, weil er eine Kirche bauen muss... klar, nichts ist für den Kampf ums Überleben wichtiger. Nicht gegen Glaube als Anker, doch zum beten braucht man keine Holzhütte. Lehrt uns dieser komische Wälzer... irgendwas mit B am Anfang... lehrt der uns nicht, dass Gott über all ist und man keine speziellen Orte oder Bildnisse braucht, um ihn zu verehren? Gott steckt überall und der Teufel wiederum steckt im Detail. Ich kann Bernards Reaktion hier zumindest mal vollends nachempfinden: „I think I liked you better when you just hit people with your stick.“ („Ich glaub, ich mochte dich lieber, als du noch Leute mit deinem Stock verprügelt hast.“) Eko meint, jeder würde die Leute auf seine Weise retten, was doch etwas überheblich auf mich wirkt. Ich meine.... er baut eine Kirche und das Schärfste ist ja: er hört nach den Eckpfeilern auf. Auf so – im Verhältnis zu Steineschleppen – doch recht bescheidene Bitten wie die, ein paar von den Stämmen und Ästen borgen zu können, derart abweisend zu reagieren, entspricht nicht meiner Vorstellung von christlicher Nächstenliebe, denn Bernard wollte sie ja lediglich borgen, um damit seinen Grundriss zu ziehen. Aber Eko: „Nein, ist alles Meins. Ich brauch die... nicht morgen und nicht diese Woche, aber irgendwann brauch ich die!“ Aber solche Leute hatte ich schon immer gefressen, also weiter im Text...

Irgendwann steht Bernard nur noch mit vier statt fünfzehn Helfern da und Rose meint, das läge wohl weniger an ihrer sehr offenen Kritik als vielmehr an seinem Management. Rose wünscht sich, Bernard könnte wie sie selbst die Dinge manchmal einfach auf sich beruhen lassen. Kommt euch das auch so bekannt vor? Rose spricht sich hier doch sehr deutlich für „Whatever happened, happened“ aus, während Bernard ganz klar die Gegenposition vertritt: er nimmt sein Schicksal in die Hand, doch letztlich ist er damit nicht sonderlich erfolgreich. Ganz anders Rose. Bernard ist sich aber nicht darüber im Klaren, dass Rose ihn hinsichtlich ihres Gesundheitszustandes belogen hat und erwidert ihr trotzig: „If I didn't always have to do something you wouldn't be here.“ („Wenn ich nicht stets handeln würde, wärest du jetzt nicht hier.“) was für eine wunderhübsche Überleitung zu den Flashbacks.

Die Schneestraßenszene (was für ein schöner Neologismus^^) überspring ich mal direkt und gehe mit der Kapitelwahl : weiter zu den Niagarafällen. Dort macht Bernard der schon recht kurzhaarigen Rose einen Heiratsantrag und erst jetzt (nach fünf Monaten!!!) rückt Rose mal damit raus, dass sie wie Ben, Diane, Rachel und wie sie alle heißen Krebs hat. Bernard interessiert das jedoch nicht. Für ihn ändert sich dadurch nichts... bis auf eines: er muss einen Weg finden, Rose zu retten.

Deshalb geht ihre Hochzeitsreise auch nicht an den Strand (wobei... später ja doch noch^^ - und ganz abgesehen davon: nach einem Heiratsantrag vor den Niagarafällen sag ich Rose: Ruhe auf den billigen Plätzen!), sondern ins australische Outback, in den Busch, die Wildnis, ins Walkabout-Land, in den größten John-Locke-und-Rüdiger-Nehberg-Freiluft-Fan-Club aller Zeiten, in die Pampa, die Karpaten (wobei die eigentlich in Süd-Ost-Europa liegen... da bei Rumänen, Polen, Slowakei... die Ecke, bei Graf Dracula zuhause... ihr wisst schon...irgendwo da in den Karpaten...verdammt!). Also zumindest irgendwohin, wo man schön im Kreis fahren kann („Driving around in circles in the middle of the Outback.“). Rose kann sich an den Kilometern von Sand ohne dazugehöriges Meer nicht so recht erfreuen und auch der Ayers Rock – oder Uluru wie ihn die Aborigines nennen – kann ihre Meinung nicht wirklich ändern. Ebenso wenig erfreut ist sie, als Bernard ihr das Ziel der Odyssey offenbart: ein Wunderheiler mit dem sagenhaft einfallsreichen Namen Isaac von Uluru. Stolz verkündet Bernard: „We're not lost.“ („Wir haben uns nicht verfahren“ – ihr merkt: lässt sich schwer übersetzen, denn die Doppeldeutigkeit geht verloren). Wer aber genau ist dieser Isaac von Ulululu? Wie heilt er Menschen? Warum hat er sich selbst einen so dämlichen Namen verpasst? Fragen über Fragen.

Isaac klärt Rose darüber auf, er lenke die besonderen Energien dieses Ortes um und heile so die Menschen. Der Uluru ist den Aborigines heilig und man sagt ihm in der Tat wundersame Kräfte nach. Wir kennen alle einen anderen Ort, der solche besonderen Kräfte hat. Vorschläge? – „Der Jungbrunnen?“ – Nein! – „Hogwarts?“ – Was? Nein! – „Walt?!“ – Wer war das... blöde Frage... – „Der Keller von Thomas G. Hornauer?“ – Nein, aber das war sehr kreativ. Ich meine natürlich die Insel.

Laut Isaac haben manche Orte geologische Energie, andere magnetische und wieder andere wieder andere. Laut Isaac hat der Uluru nicht die „richtige“ Energieform, um Rose zu heilen, was jedoch nicht bedeute, dass man sie nicht heilen könne. Die Insel hat diese Energie. Sie heilt sowohl John als auch Rose. Richard sagt zu John, er glaube, Jacob sei der Grund, warum er nicht altere. Folglich ist Richard ein Mensch, denn wäre er keiner, würde er nicht mutmaßen müssen. Ferner gehen wir davon aus, dass Jacob kein Mensch ist. Doch was verleitet uns zu dieser Annahme? Könnte es nicht sein, dass Jacob die Insel entdeckte und wie Isaac im Falle des Uluru einen Weg fand, die Kräfte der Insel zu lenken und zu nutzen. Er lenkte sie auf sich und verlieh sich so selbst Unsterblichkeit. Ist „Samuel“ jedoch kein Mensch, sondern der Beschützer der Insel, dürfte ihm das so gar nicht geschmeckt haben. Dass Jacob – Mensch oder nicht – die Kräfte der Insel zu lenken vermag, daran habe ich keine Zweifel.

Isaac heilt Rose also nicht, sondern Jacob. Sie behält es für sich und anstatt Bernard später die Wahrheit zu sagen, blamiert und demütigt sie ihn lieber... hat ein wenig was von Sun. Doch anders als Sun lügt sie, weil sie die letzte Zeit, die ihr noch bleibt, so angenehm wie möglich verleben will, was man ihr kaum verübeln kann. Ferner gesteht Rose Bernard dann auf der Insel die Wahrheit und er hat kein Problem damit, zu bleiben. Bernard muss sie nicht retten, denn die Insel hat das schon längst getan. Bei Rose’ Geständnis sehen wir dann eine sehr erhellende Rückblende, in der sie Locke – im Rollstuhl – am Flughafen begegnet. Dadurch erklärt sich nun auch, die Szene, in der Rose zu Locke meint, sie wüssten wohl beide, dass Johns Bein schneller genesen werde, als Jack prophezeit habe. Gleichzeitig ist Lockes Heilung durch die Insel auch ein Beweis für sie, dass die Insel diese Macht hat. Wo wir nun ohnehin schon bei Locke sind, können wir da wohl auch bleiben, denn vielmehr gibt es zu Rose und Bernard an dieser Stelle auch kaum zu sagen.

John ist verdammt verzweifelt und fast schon handlungsunfähig, aufgrund seiner Besessenheit von der Karte. Bens Provokationen weckten überdies Zweifel in ihm und gaben ihm so den Rest. Wie gelähmt John ist, zeigt sich besonders deutlich, als der Alarm ertönt und er ihn über drei Minuten komplett ignoriert oder gar überhört. Vielleicht zögert er ihn auch hinaus, denn er wirkt fast von sich selbst enttäuscht, als er dem Alarm und Jack letztlich nachgibt und den Code eintippt. Die Ironie: Die Karte, an der er arbeitet, wird ihn zu einem Ort bringen, an dem er überzeugt wird, die Taste nicht mehr zu drücken, was obendrein ein fataler Fehler ist. Johns Verzweiflung mündet darin, dass er mit „Henry“ sprechen will, doch Ana verweigert ihm den Zugang zur Waffenkammer, weil die einzige Knarre mit Jack auf Reisen ist. Man fragt sich dennoch, was sie befürchtet. Soll Ben sie mit einem Tablett niederschlagen und dann versuchen, sie mit seinen Fesseln zu erwürgen, oder wie? Okay, schlechtes Beispiel.

Locke brüllt also einfach durch die Tür. Ana guckt ziemlich irritiert, doch Ben grinst wie ein Honigkuchenpferd, ob des Zweifels, den er gesät hat. Letztlich ist es doch schon völlig egal, ob Ben die blöde Taste nun gedrückt hat oder nicht, denn John würde so oder so von Zweifeln zerfressen. Er ersehnt sich von Ben eine Antwort, weil er glaubt, so seine Zweifel zerstreuen zu können. Wie naiv! War Ben doch derjenige, der den Zweifel überhaupt erst gesät hat. Er hat John etwas gesagt, was der nicht glauben will. Würde Ben behaupten, er hätte die Taste nicht gedrückt, wäre er damit bei seiner Story geblieben, doch die wollte John von Anfang an nicht glauben. Würde Ben hingegen zugeben, die Taste doch gedrückt zu haben, könnte John ihm nicht glauben, auch wenn er es wollte, denn mindestes einmal hat Ben gelogen. So oder so: Ben ist nicht die Antwort auf Johns Fragen und so geht er spazieren. Kann man eigentlich auch spazieren humpeln?

Am Strand sitzt er dann auf Rose’ Platz und unterhält sich mit ihr. „You’re on my spot“ („Du sitzt auf meinem Platz.“) Auffällig ist, dass das Wort „spot“ auch von Isaac gebraucht wird als er von besonderen Orten („spots“) spricht. Da Rose und John beide von der Insel geheilt wurden, könnte „You’re on my spot“ auch bedeuten: „Das ist meine Heilinsel – such dir ’ne eigene!“

Irgendetwas muss das Gespräch mit Rose aber bewegt haben, denn kurz nachdem er zu Rose noch gesagt hat: „I'm done with the hatch.“ („Ich bin mit der Luke fertig.“), steht er wieder im Schwan. Dort läuft gerade Musik und Ana informiert John: „I pressed your button“ („Ich hab’ deine Taste gedrückt.“) Ui, toooooll.... Willst du dafür eine Urkunde haben, Ana? Oder vielleicht ein Fleißsternchen? John jedoch setzt sich hin und zeichnet seine Karte.

Bleibt noch der fanatische Chirurg. Jack geht zu Ben, der seit geraumer Zeit in den Hunger- und Schweigestreik getreten ist (letzteres dürfte ihm weitaus schwerer fallen). Ben richtet sich erst richtig auf, als die Tür aufgeht, dann aber sehr schnell. Ben will, dass einerseits Jack sieht wie Ben leidet aber andererseits gleichzeitig denkt, Ben wolle nicht, dass er es wisse, und Ben wolle Stärke zeigen. Vermutlich hat er Jack sogar an der Tür gehört, sich bewusst leidend hingesetzt, um sich dann, wenn Jack es sehen kann, wieder aufrecht hinzusetzen. Als Jack dann mit Ben redet, spricht er den Namen „Henry“ mit einem Unterton aus, der mich mal wieder zur Zeitschleifen-Hypothese bringt, denn es klingt einfach so wie: „Klar doch, dein Name ist ‚Henry’, Ben. Von mir aus auch das.“

Als Jack seinen tollen Plan erklärt hat (ich dachte so etwas machen nur Schurken in schlechten Filmen, aber offenbar passiert es auch in guten Serien), erwidert Ben ihm nur eines: „They’ll never give you Walt.“ („Sie werden euch Walt niemals geben.“) Bis zu einem gewissen Punkt hat er damit auch recht und kann Jack obendrein verunsichern. Ben hat mit der Verunsicherungstaktik mit nur einem einzigen Satz weit mehr Erfolg als Jack mit seiner hübsch, brav einstudierten Rede. Gut, dass im Schwan-Badezimmer auch ein Spiegel hängt, denn so konnte Jack wenigstens üben.

Obwohl Jin Bernard unmissverständlich zu verstehen gab, dass es am Strand dieser Insel keine Austern gäbe, pult Kate da gerade was vom Fels ab, was für mich doch ganz verdächtig nach Auster aussieht. Aber Inseln sind auch nur Menschen... sind ihr halt Austern gewachsen. Jack kommt dazu und lädt Kate auf seine Dschungeltour ein, weil Sayid nicht mitwollte. Dass Kate zweite Wahl ist, erfährt sie allerdings erst später – ein Wunder, dass Jack mal so ehrlich ist, es ihr überhaupt zu sagen. Der Grund dafür, dass er sie mitnimmt, ist jedoch ein wunderbarer Trugschluss, denn die Anderen haben sehr wohl Interesse an Jack und Kate – allerdings nur im Rundumsorglospaket zusammen mit James und Hurley. James brauch aber nicht mit, denn Jack hat ja schon eine Wumme. Die hilft Jack und Kate gegen ihre eigene Dummheit allerdings herzlich wenig. Und ich frage mich, wer von den beiden nun der Dümmere ist. Kate, die Jacks Warnungen ignoriert und dennoch zur Puppe geht und so die Falle auslöst? Oder Jack, der auch noch zu Kate hinläuft, damit er auch ja noch mit ins Netz kommt? Wäre Jack einfach da stehen geblieben, wo er stand, hätten sich die beiden eine Menge Ärger ersparen können. Wenigsten hilft die Knarre ihnen aber nun, aus der Falle rauszukommen... immer wenn man R2-D2 mal braucht ist er nicht zur Stelle. Jack trifft also wie durch ein Wunder das Seil... okay, statt auf den Stamm zu schießen, hätte er auch einfach nach oben langen können und auf das sehr viel näher gelegene Seil über sich ballern können, aber hey: Warum einfach, wenn’s auch kompliziert geht? Solche Aktionen sieht man in Filmen ja ständig und mein Favorit ist da das Streichholz in „Das Fünfte Element“, denn da denke ich jedes Mal: Warum entzündest du, selten dämlicher Hornochse, das Ding nicht direkt über dem blöden Stein, statt so eine Schau abzuziehen?! Sorry, aber das musste mal gesagt werden.

Jack und Kate landen also lautstark wieder auf dem Boden der Tatsachen und setzen ihre Pilgerfahrt unbekümmert fort. Als das Gespräch auf die Falle kommt, gesteht Kate Jack, was sie im Stab entdeckt hat. Jacks Reaktion ist mal wieder so etwas von typisch, dass man sich wünscht, Kate hätte ihn in der Fall gelassen: „When were you going to tell me this?“ („Wann hattest du vor mir das zu erzählen?“) Gegenfrage, Jack: Hast du irgendwie einen Kurs an der VHS besucht, wo einem beigebracht wird, ein beschränkter, überheblicher Metzger mit Allmachtsphantasien zu werden? Kate ist hier mal meiner Meinung und überhaupt ist das so eine der Szenen, in der man Kate einfach lieben muss, denn sie erwidert Jack: „When you decided to let me back in the club. What? You can keep one of Them locked up in the hatch for like a week and say nothing…“ („Wenn du dich entschlossen haben würdest, mich in den Klub zurück zu lassen. Was? Du kannst einen von Ihnen für eine Woche oder so in der Luke einsperren ohne einen Ton zu sagen... ?“) Ja, kann er, denn er ist schließlich Jack und er hat sich selbst ewige Immunität gegeben.

Sie erreichen die „Grenze“, doch ist diese ebenso ein Fake wie die Bärte oder der glubschäugige Ballonfahrer. Die Anderen interessiert es nämlich einen Scheiß, ob Jack ihre blöde Grenze überschreitet oder nicht oder ob er in eine Höhle zieht, sich einen Bart wachsen lässt, sich nackt auszieht und Leute mit Scheiße bewirft (wir erinnern uns.... ^^). Dass Jack sich die Seele aus dem Leib brüllt, weil Sie ihn hören (klar doch), interessiert die Anderen auch herzlich wenig. Vermutlich sitzen die meisten gerade gemütlich zuhause oder spielen Billard, während sie literweise Dharmabier vernichten.

Wir bekommen kurz vor Ende der Episode noch einen sehr schönen Rundumblick: John malt an seiner Karte und Eko und Charlie bauen ihre Kirche. Im Schein wärmender Feuer sitzen und liegen Sun und Jin, Claire und Aaron, Libby und Hurley, Sawyer und Vincent (???), Rose und Bernard und auch Jack und Kate. Doch dann taucht ein asthmatischer Fackelläufer aus den Büschen auf, der es noch ganz schnell zu den Olympischen Spielen schaffen will... ach, nein ist nur Michael. Aber ohne „Walt?“

Mittwoch, 20. Januar 2010

Erstes Promobild zu meinem neuen Schreibprojekt

Wenn ich eines von den "Lost"-Autoren gelernt habe, dann ist es fast nichts zu verraten, aber ein bisschen was zu zeigen. Da ich außerdem immer noch nach ein paar kreativen Menschen suche, die mir ein wenig zur Hand gehen und an der Entstehung mitwirken wollen, nutze ich diesen Blog heute mal für etwas Werbung. Die reinen "Lost"-Fans mögen es mir verzeihen und jene, die auch andere Schreibprojekte von mir interessieren, wird es hoffentlich freuen ;-)


Und ja, ich musste bereits existierende Bilder verwenden, aber ich glaube außer dem Atompilz erkennt man davon wohl eh' nichts mehr...hoffe ich^^

Dienstag, 19. Januar 2010

"God doesn't know." - die neue Review

Dave:

Ich hatte ja erwartet, dass ich zu dieser Folge unheimlich viel zu sagen hätte, aber so viel zu sagen, gibt es da dann doch nicht. Das Meiste erschließt sich mittlerweile nämlich ziemlich rasch von selbst. Außer einigen kurzen Szenen im Schwan dreht sich alles nur um zwei Personen: Hurley und Libby, die beide von der Insel geprüft werden. Hurley wird von der Insel mit Essen und eingebildeten Glatzköpfen (ich meine nicht John, obgleich der manchmal auch eingebildet sein mag und eine Glatze hat) geprüft und Libby, indem sie vor die Aufgabe gestellt wird, Hurley bei der Bewältigung seiner Probleme zu helfen.

Wie Hurley schon gegenüber Locke zugab, ist er kein Freund von Veränderungen. Er fürchtet halt, dass Veränderung auch Verschlechterung bedeuten kann. Sowohl auf der Insel als auch in Santa Rosa will Dave Hurley davon abhalten, sich zu verändern. Das Essen und Hurleys Fresssucht sind hierbei wohl eher symbolisch zu verstehen, da sie sein offensichtlichstes Problem darstellen, obwohl er damit nur ganz andere Probleme kompensiert.

Aber wer oder was ist Dave? Wir können nach Staffel 5 wohl davon ausgehen, dass Dave nicht wirklich pure Einbildung ist, sondern schlichtweg der erste „Geist“, den unser Sixth-Sense-Man sah. Dave will die Veränderungen an Hurley, die sowohl Brooks als auch Libby vorantreiben wollen, aufhalten, um... ? Ja, warum eigentlich? Ist Dave böse? Mag er Hurley wirklich so, wie er is(s)t? Ich schätze mal, dass Hurley für Dave die letzte existierende Verbindung zur diesseitigen Welt ist und er durch ihn zumindest annähernd das Gefühl hat, die Freuden des Lebens weiterhin erleben zu können. Er vermittelt Hurley stets eine „Carpe Diem“-Einstellung, weil er selbst nicht mehr in der Lage ist, Tacos und Cheeseburger zu essen. Vielleicht bereut er sogar, in seinem Leben nicht viel mehr Tacos und Cheeseburger gegessen zu haben. Gleichzeitig befürchtet er vermutlich auch, dass eine Veränderung in Hurleys Wesen dazu führen könnte, dass Hurley die Verbindung zur jenseitigen Welt verliert und somit auch Dave nicht mehr wahrnehmen könnte.

Bleibt die Frage, wieso er erst jetzt auf der Insel auftaucht? Dafür gibt es zwei mögliche Erklärungen: es ist gar nicht Dave, sondern „Samuel“ in Daves Gestalt (wenn Dave tot ist, würde das ja durchaus passen), der Hurleys Tod herbeiführen will. Doch darf er ihn nicht einfach töten, da er nur jene töten darf, die gesündigt haben, weshalb er ihn zum Selbstmord bewegen muss. Jetzt fragen sich wohl einige, wieso er nur Sünder töten darf. Gehen wir davon aus, dass „Samuel“ das Monster ist, so hat er nur den Piloten, einen Söldner und Eko getötet. Eko tötete er jedoch erst, nachdem dieser sich weigerte zu bereuen. „Samuel“ kann vielleicht auch Jacob nicht töten, da der ohne Sünde ist, also braucht er jemanden, gegen den Jacob sich versündigt hat, ehe er Jacob aus dem Weg räumen kann. Denn wie allen Engeln, Dämonen oder Göttern ist es Jacob und „Samuel“ nicht möglich oder zumindest untersagt, den freien Willen eines Menschen außer Kraft zu setzen. Sie dürfen überreden, manipulieren und auf jede erdenkliche Weise Einfluss auf die Menschen nehmen, die auch anderen Sterblichen offen stünde. Sie dürfen aber nicht ihre göttliche Macht missbrauchen, um den Freien Willen zu brechen, außer der betreffende Mensch hat ihnen durch sein Verhalten einen treffenden Grund gegeben. „Samuel“ kann aber auch niemanden dazu bringen, Hurley zu töten, da die Zahlen ihn schützen, also muss er Hurley manipulieren, bis der aus freiem Willen Suizid begeht. Bei Jacobs Interesse an Hurley scheint diese Möglichkeit durchaus wahrscheinlich. Es würde auch zu den Prüfungen der Insel passen, denn Libby hat schon recht: kaum befreit Hurley sich, fällt mehr Essen vom Himmel.

Die andere Möglichkeit wäre, dass es sich wirklich um Dave handelt und Libby sein Erscheinen auslöst. Wir wissen, dass der Name von Libbys Ehemann David Smith war. Dave leitet sich von David ab. Sowohl in Santa Rosa als auch auf der Insel ist Libby in der Nähe. Vermutlich hing Davids Geist also in der Nähe seiner Frau rum, folgte ihr bis nach Santa Rosa und stellte fest, dass Hurley ihn sehen und hören kann. Was er aber nicht will, ist, dass Hurley was mit seiner Frau anfängt, also interveniert er, als sich eine Beziehung zwischen Hurley und Libby anbahnt. Vielleicht fürchtet er auch berechtigter Weise der Fluch der zahlen könnte zuschlagen und Libby töten, sobald sie Hurley zu nahe kommt.

Hurley hat Libby also gerade seine Fresssucht gestanden und als ebenfalls verrückte Psychiaterin hat sie natürlich Verständnis für Hurley und will ihm helfen. Wie herrlich gutgläubig und naiv Libby ist, zeigt sich als das Carepaket landet und sie allen Ernstes anregt, man könne doch einfach jeden das nehmen lassen, was er braucht. Schöne marxistische Einstellung hat unsere Libby da. Doch leider ist der Mensch für gewöhnlich ein von Natur aus raffgieriger Kapitalist. Sawyer hat das erkannt und denkt sich: Wenn ich schon im Kapitalismus lebe, dann auch auf der Gewinnerseite. Wiedereinmal prallen zwei Weltanschauungen aufeinander. Auf der einen Seite haben wir den auf Konkurrenzdenken und Gewinnmaximierung – also auf persönlichen Profit – ausgelegten Kapitalismus, der aber, wie sich derzeit überall auf der Welt wieder zeigt, selbst wenn genug Kapital da ist, nicht wirklich funktioniert. Dem entgegen steht ein hypothetisches Wirtschaftssystem, das nur funktionieren kann, wenn alle in der Gemeinschaft bereit sind, ihre eignen Wünsche etwas zurückzustellen, wenn sie dadurch der Gemeinschaft dienen können. In der Wirtschaft ist das Zauberwort stets „Güter“. Güter das sind sowohl das Privatvermögen des einzelnen als auch Produktionsgüter, die im Marxismus allerdings der ganzen Gesellschaft gehören, während sie im Kapitalismus Eigentum einzelner Privatpersonen sind. Wer besonders viele Güter hat, hat ein großes Kapital. Auf der Insel besteht Kapital allerdings nicht aus Geld, sondern aus Lebensmitteln, Waffen und Arzneien, denn das sind die raren Güter. Die Losties sind noch ganz und gar in ihrer kapitalistisch geprägten Denkweise aus Konkurrenzdenken und Übervorteilung verhaftet. Sawyer ist dafür das beste Beispiel. Tom ist der einzige Andere, der je von wirklichem Besitzdenken redet. Letztlich lassen die Anderen die Losties aber gewähren, denn wem gehören schon Früchte von wilden Baumbeständen, Wasser und dergleichen? Libby, Jack und Ben nehmen mehr als alle anderen Charaktere eine marxistische Grundhaltung ein. Bei Jack ist allerdings wie immer das Problem: was für andere gilt, gilt für ihn selbst noch lange nicht (das ist wohl mehr leninistisch, als marxistisch^^). Deshalb bleiben wir mal exemplarisch bei Ben und Libby. Ben meldet selten so etwas wie Besitzdenken an, was auch den großen Unterschied zu Charles ausmacht („The Island is mine and always was!“). In einer kleinen Gesellschaft wie der der Anderen funktioniert ein kommunistisches System auch ziemlich problemlos, denn sie sind tatsächlich aufeinander angewiesen und müssen dafür sorgen, dass sowohl die Bedürfnisse des Einzelnen als auch die des Kollektivs erfüllt werden. Ben ist stets bemüht die Grundbedürfnisse aller gleichermaßen zu erfüllen, was ihn bei vielen eher unbeleibt macht. Doch wie jeder Anführer kann er sich manchmal den Verlockungen seiner Macht nicht erwehren – wie man im Fall Goodwin sieht. Nichtsdestotrotz hat für Ben vor allem das Überleben der Gruppe oberste Priorität. Grund und Boden gehören in dem Sinne keinem, es gibt kein Geld auf der Insel. Es wird erwirtschaftet und verteilt. Libby geht davon aus, dass müsste bei den Losties doch genauso funktionieren. Doch sind die einfach noch nicht voll und ganz auf der Insel angekommen. Jeder ist noch immer auf seinen Vorteil bedacht. Wie wir wissen gibt sich das mit der Zeit und das Überleben der Gruppe rückt mehr in der Vordergrund. Aber wer ist auf der Insel unter den Losties am mächtigsten? Nicht der Vermögendste, denn Hurleys Millionen helfen ihm auf der Insel herzlich wenig. Auf der Insel hat der den größten Einfluss, auf den die anderen am meisten angewiesen sind: Jack ist als Arzt für jeden überlebenswichtig, ebenso John als Jäger und Überlebenskünstler. Sayid erhält Macht, sobald seine „technischen“ Fähigkeiten von Nutzen sind. Sawyer wird zum neuen Anführer, als es darum geht, den Dharma-Futzis was vorzugaukeln. Jin hat als Fischer auch Macht, was auch Sun zu einer gewissen Machtstellung verhilft, da sie sein Sprachrohr darstellt. Dass auch solche, die scheinbar unwichtig sind, Macht unter den Losties erlangen können, konnten wir an Arzt gut beobachten: er wusste etwas, das die anderen nicht wussten, und plötzlich war er wichtig.

Zurück zu Hurley und Dave: Dave nickt Hurley sehr bedeutungsschwanger zu und dann ist er auch schon ab durch die Hecke. Hurley bleibt nur ein Slipper. Also mal wieder ein Schuh. Diesmal hängt er nicht im Baum, guckt nicht unter Trümmern vor und es ist auch nicht John, dem dieser Schuh nun fehlt, nein, diese Latschen gehört zu Dave und damit hat er mir den anderen bedeutsamen Schuhen eines gemein: er gehört einem Toten.

Die Insel testet Hurley also ähnlich wie auch Charlie. „Sure, okay. Pretty weird, huh? So the Island won't let you lose weight. You destroy your stash, then BANG: more food falls from the sky.“ („Sicher, okay. Ist schon ziemlichmerkwürdig, hä? Die Insel will also nicht, dass du Gewicht verlierst. Du vernichtest dein Versteck und PENG: Mehr Essen fällt vom Himmel.“) Das ging Charlie mit dem Heroin ähnlich. Die Tests der Insel enden nicht einfach, man muss es selbst beenden. Und alles, was bis dahin passiert, ist Fortschritt.

Und da Eko und Charlie gerade mit dem Kirchenbau beginnen und es auch sonst gut in die Folge passt – wie ihr noch merken werdet – bleiben wir mal direkt religiös: In nomine Jakobi, et Benjaminis, et Insulae Sanctae. Amen. Es steht geschrieben im Heiligen Lindelof Evangelium Kapitel 4 Vers 23-42, dass Hurley mit einem Schuh in der Hand nach Dave suchte und stattdessen Fischcracker fand. Als er dieses ihm bereitete Mahl zu sich nahm, erblickte er Dave und verkündete die frohe Botschaft: „Youuummmm n’t he’e!“ („Du ...mmmmh... bi’d ni’t hie’“) AMEN! Dave hingegen sprach nicht und warf stattdessen eine Kokosnuss nach dem Haupte des Propheten. „Aua!“, sprach der Prophet und folgte dem infamen Kokosnuss-Werfer, dessen Haupt auch aussah wie eine Kokosnuss, in den Dschungel. Doch so führte Dave den Propheten zu dem Felsen, auf dem Eko, ein rechtschaffener Mann, der nur 42 Leute umgebracht hatte, seine Kirche, ein Haus Gottes, baute. Dort verkündete nun Charlie, er habe einen Eisbären des Herren auf Rollschuhen erblickt. Amen.

Doch höret nun die frohe Botschaft von unserem Messias, der erschoss die Lahmen und Fußkranken – oft mit mäßigem Erfolg. Was als kleiner Scherz begann kommt nun recht nah an die Realität, denn, wenn ich so gucke, wie Ben da so hängt, erinnert mich das doch an irgendwen... wartet! Sagt nichts! Ich komm gleich drauf! Während ich nachdenke, gucken wir mal nach einem Fußkranken: John Locke. Der Arme muss sich nämlich von Jack verarzten lassen. John hat’s echt nicht leicht im Leben! Nierenklauende Väter, einige Jahre im Rollstuhl... kann man alles verschmerzen, aber: Jack als Arzt? Oh, Gott! Dann doch lieber Dr. House oder Dr. Mabuse oder Dr. Frankenstein...oder Dr. No.

Als John im Krankenbett liegt wird sein Fuß aus der gleichen Kameraperspektive gezeigt wie direkt nach dem Crash, wodurch die Parallelen zwischen den beiden Situationen ebenso verdeutlicht werden, wie die offenkundigen Unterschiede. Was ich aber mal wieder viel bemerkenswerter finde ist Jacks plötzlicher Sinneswandel bezüglich „Henry“. Mit unglaublicher Sicherheit bekräftigt er John gegenüber, „Henry“ wäre nur nicht geflohen, weil er geglaubt hätte, dass seine Geschichte funktioniert. Dieses Übermaß an Gewissheit würde ich mal wieder als Indiz für die Zeitschleifen-Hypothese werten, denn Jack verhält sich plötzlich so wie dann erst wieder Wochen später, so als würde er Ben schon ewig kennen.

Womit wir wieder beim Insel-Messias wären und nun ist mir auch der Name von dem anderen Knilch wieder eingefallen: Brian aus „Das Leben des Brian“. Okay....gewisse Parallelen zu diesem Jesus bestehen sicherlich auch... . Ben fehlt eigentlich nur noch das Kreuz im Hintergrund, dann wäre das Bild perfekt. Die kleine, rasch enttarnte Lügenstory, die Baron Linushausen Sayid jetzt auftischt, will ich gar nicht weiter vertiefen. Sie demonstriert nur mal wieder Bens Einfallsreichtum und seine Intelligenz. Sayid kommt ihm hier wiederholt nur durch einen verdammt glücklichen Zufall auf die Schliche, aber das zeichnet einen guten Detektiv wohl aus: er muss an das denken, woran sein Gegenüber trotz allem nicht gedacht hat.

Daraufhin „verplappert“ sich Ben und ihm rutscht ganz aus Versehen ein „er“ raus. Tja, jetzt kommt die Story vom großen Unbekannten. Der Anführer der Anderen ist Ben selbst, also erfindet er mal rasch ein bedrohliches Schreckgespenst, eine Mischung aus sich selbst, Jacob, Charles Widmore und Darth Vader. Denn dieser „Er“, von dem Ben hier angsterfüllt spricht, existiert nicht. Weder Jacob noch Ben selbst würden den Tod eines der Ihren anordnen, nur weil er unter Folter und Todesdrohungen eingeknickt ist – was auch passiert ist, ist passiert – eine Bestrafung á la Darth Vader nützt dann auch nichts mehr. Ben dämonisiert sich selbst, weil er einmal als angeblicher Untergebener auf Mitleid der Losties hofft und außerdem, um für später so schon mal ein Bild von sich selbst in ihren Köpfen festzusetzen, dass sie mit genug EhrFURCHT erfüllt, damit sie ihm nicht ohne weiteres gefährlich werden. Das ist wohl eines der wenigen Beispiel für einen Plan Bens, der nicht einmal ansatzweise von Erfolg gekrönt wäre. Daher sattelt er, als Sayid ihn mal wieder erschießen will (würde er in „He’s Our You“ nicht treffen, wäre ich geneigt zu sagen: langsam wird’s langweilig^^), auf eine andere Taktik um und ruft weinerlich: „I’m not a bad person!“ („Ich bin kein schlechter Mensch!“) Tja, ein Hoch auf die Vorurteile. Ben ist ein Anderer – das ist alles, was Sayid noch interessiert. Bens ewiger Fluch ist wohl, dass keiner seine einmal gefasste Meinung über ihn revidiert (da schließe ich mich selbst keineswegs aus ;-) ). Dank Ana erschießt Sayid statt Ben nur die Wand – das hat er von Greedo gelernt. Ab und an ist Ana ja dann doch mal zu was gut. Jack ist vom Geschehen überraschender Weise nicht sehr überrascht und schließt Locke, als der wissen will, was passiert ist, mal wieder munter aus allem aus – frei nach dem Motto: „Dein Bein ist gebrochen, also halt dich da raus, denn ich bin Jack Shephard und mein Wort ist Gesetz!“

Und wo wir schon bei verrückten Patienten und ihren noch verrückteren Ärzten sind, können wir ja mal gut gelaunt (und verrückt) nach Santa Rosa zurückkehren, wo Lennard Hurley gerade im VIER-Gewinnt abzieht. „4 8 15 16 23 42 4 8 15 16 23 42 4 8 15 16 23 42“ (übersetzt so viel wie: „4 8 15 16 23 42 4 8 15 16 23 42 4 8 15 16 23 42“). Gebt Lennard ein Megaphon, legt einen lauten, schnellen Beat drunter und fertig ist der neue Hit von Scooter. Obwohl? Nein, der Text ist für die zu anspruchsvoll.

Dave klärt Hurley derweil darüber auf, dass Sellerie KEIN Snack ist und damit hat er ja nun irgendwo recht. Auch überredet Dave Hurley dazu, die Tabletten nicht zu nehmen. Die Gründe für beides haben wir – denke ich – hinreichend geklärt. Dr. Brooks kommt zumindest vorbei und schießt sein Foto und da frag ich mich doch, ob Dave da nicht schon geahnt hat, wie das Ende vom Lied aussieht. Aber wäre er aus der Rolle gefallen, hätte die Story mit Photoshop wohl keine Früchte tragen können.

Zurück auf der Insel vermöbelt Hurley Sawyer, nachdem der ihn verarscht hat. Ben ist wohl nicht der einzige, der in dieser Serie regelmäßig aufs Maul kriegt. Außerdem hat Hurley Norman Bates einen Satz geklaut, den man ausnahmslos von Leuten zu hören bekommt, die nicht mehr ganz rund laufen oder wie Locke sagte „Verrückte wissen nicht, dass sie verrückt werden – die denken, sie sehen endlich klar.“: „I’m not crazy!“ („Ich bin nicht verrückt!“) Kate ist später sehr belustigt, als sie von dieser Anekdote erfährt.

An dieser Stelle kurz mein Lieblingsdialog dieser Folge, der im übrigen sehr schön zweideutig ist: „I'm just going to live alone and be one of those guys... you know, the crazy guys with a big beard and no clothes, who's naked and throws doodie at people.“ – „Hurley, you don't have to do this.“ („Ich werden einfach alleine leben und sein wie einer dieser Typen... du weißt schon, diese verrückten Typen mit einem buschigen Bart und ohne Kleider, die nackt sind und mit Kacka nach Leuten werfen.“ – „Hurley, du musst das nicht tun?“ – im übrigen kannte mein Word das Wort „Kacka“ nicht und bot mir stattdessen „Kafka“ an; dem armen Mann bleibt auch nichts erspart^^) Ich frag mich einfach: Worauf bezieht Libby dieses „du musst das nicht tun“? Auf das nackt Rumlaufen? Auf das Werfen mit Stoffwechselendprodukten? Auf das in den Höhlen leben (lustig wäre, wenn sie es nur auf diesen einen Punkt bezogen hätte)? Auf das volle Programm?

Hurley macht also den Sayid und will das Lager verlassen – mit Erdnussbutter. Was haben die in dieser Serie nur immer mit ihrer Erdnussbutter? Vermutlich hängt die Lösung irgendeines großen Geheimnisses damit zusammen. Vielleicht hat „Samuel“ ja eine Erdnussallergie und Ben kippt ihm am Ende von Staffel 6 so ein großes Glas Dharma-Peanutbutter über die Rübe (Manoj Night Shyamalan lässt schön grüßen – zum wiederholten Male in dieser Review, aber wenigstens mal mit „Signs“ statt mit „The Sixth Sense“ ).

Wo diese Erdnussbutter endete, wissen wir: da freuen sich bald irgendwelche Eisbären drüber. Wieder verkündet Hurley, Dave sei nicht hier; wieder hat er den Mund dabei voll und deshalb versteht man wieder nur die Hälfte.

Das nächste Flashback zeigt uns ein Einzeltherapiegespräch Hurleys bei Dr. Brooks. Es geht um Hühnchen, Balkone, Fresssucht, die Zahlen 23 und 8... ach und über imaginäre, glatzköpfige Bandemantelträger. Interessant an der Geschichte mit dem Unfall ist einzig und allein die Tatsache, dass Hurley bereits glaubte, für anderer Leute Pech verantwortlich zu sein, ehe er im Lotto gespielt hatte. Wäre es da nicht denkbar, dass die Zahlen nur eine Projektionsfläche, ein Sündenbock für Hurley sind und es tatsächlich keinen Fluch gibt. Was wäre also, wenn die Zahlen einfach eine Seriennummer waren, übernommen wurden für den Computer und Hurley so besessen von den Zahlen war, dass er tatsächlich das Tonband für den Funkturm besprochen hat. Der größte Knalleffekt, den man bezüglich der Zahlen bringen könnte, wäre es letztlich, gar keinen zu bringen ;-). Brooks gibt also Hurley zu verstehen, Dave würde nicht existieren. In der Tat interagiert Dave in Santa Rosa (anders als auf der Insel) nie mit der Umgebung: beim Basketballspiel bekommt er nie den Ball, beim Vier-Gewinnt sitzt er daneben, tut aber nicht und bei der Flucht handelt stets Hurley (Lasagne, Schlüssel klauen, Aufschließen des Fensters etc.). Auf der Insel hingegen wirft Dave zumindest mit Kokosnüssen und verliert Pantoffeln. Ebenso streitet Insel-Dave gar nicht ab, ein Aspekt von Hurleys Fantasie zu sein. Es gibt also schon signifikante Unterschiede zwischen dem Insel-Dave und dem Flashback-Dave.

Insel-Dave versucht zumindest Hurley davon zu überzeugen, dass die ganze Schose nur ein wirrer Traum ist und führt ihn zu einer Klippe, wo er gerne das Ende von „Vanilla Sky“ mit Hurley nachspielen will. Gleichzeitig wird hier aber auch eine Parallele zum Fenster im Flashback aufgebaut. Beide Male springt Dave hindurch bzw. hinüber und will, dass Hurley ihm folgt. Außerdem darf natürlich auch einer unser aller Lieblingssätze nicht fehlen und so verabschiedet Dave sich vor seinem Fall von der Klippe mit einem herzlichen: „See you in another life, Hurley.“ („Seh dich in einem anderen Leben, Hurley.“) Als Libby auftaucht, schmettert Hurley gleich den nächsten Lost-Standard-Satz raus: „You don’t know me!“ (Mal ehrlich muss ich das noch übersetzen?) Libbys Argumente, die Hurley davon überzeugen sollen, dass die Bekloppteninsel real ist, hinken allerdings gewaltig, denn jeder dürfte es schon mal erlebt haben, dass in einem sehr realen Traum, das Gehirn einem Streiche spielt und man dann von seinen eigenen Gedanken überrascht wird. Also nur weil Libby etwas weiß, das Hurley selbst nicht bewusst ist, muss er noch lange nicht träumen. Denn das ist ja das fiese an Träumen: sie existieren wie jede Sinneswahrnehmung vor allem im Gehirn. Einfaches Beispiel: Nehmen wir nur mal hypothetisch an, das Gehirn eines Menschen verarbeitet Blau als Rot und Rot als Blau, dann würde er trotzdem nie merken, dass er es anders wahrnimmt, weil er ja gelernt hat eine bestimmte Farbe, auch wenn er sie als Rot wahrnimmt, als Blau zu bezeichnen und jeder wird ihm recht geben: „Ja, das ist blau!“ Denn keiner weiß ja, dass er in Wahrheit das sieht, was sie alle als Rot kennen und es würde keinen Unterschied machen, denn der Gegenstand ist trotzdem blau ;-)

Zum Schluss sehen wir noch Libby in der Psychiatrie. Wenn ihr mich fragt: etwas unglaubwürdig, dass Hurley sich nicht an sie erinnern kann. Eine Situation wie sie in einer Psychiatrie oder auch auf der Insel vorherrscht, schweißt Menschen zusammen – nur in wenigen Tagen lernt man sich in so einer Situation besser kennen als andere Menschen, die 10 Jahre zusammen zur Schule gegangen sind. So jemanden vergisst man nicht.

Schauen wir zu guter letzt noch nach John und Ben, die im Schwan ein durchaus erhellendes Gespräch führen. „What's your name, your real name?“ – „Why don't you just keep calling me ‚Henry’? I've gotten used to it.“ („Wie ist dein Name, dein richtiger Name?“ – „Warum nennst du mich nicht einfach weiter ‚Henry’? Ich hab mich dran gewöhnt?“) Okay, das meinte ich jetzt weniger, wobei... klingt da nicht schon der dezente Wunsch an, lieber jemand anders zu sein. Wäre Ben vielleicht ganz froh, wenn er nicht Jacobs Mann fürs Grobe wäre, sondern einfach nur Henry Gale aus Minnesota? Nichtsdestotrotz meinte ich eigentlich eine andere Stelle, also John, Ben, jetzt mal Butter (Bitte, keine Erdnussbutter! – nicht schon wieder...) bei die Fische. „Did you get caught on purpose? You and your people have been here for God knows how long, and you got caught in a net...“ („Hast du dich absichtlich fangen lassen? Du und deine Leute seid hier seit Gott weiß wann und du lässt dich von einem Netz fangen...“) Jaaaaha, jetzt kommen wir der Sache schon näher. John beweist, dass nicht nur seine Messer scharf sind, sondern auch sein Verstand – nur ist ein geistiges Duell mit Ben für ziemlich jeden so, als würden man einen Vierjährigen gegen einen der Klitschkos in den Ring schicken. Nichtsdestoweniger hat John ins Schwarze getroffen: Kein Anderer – und Ben schon gar nicht – würde sich jemals von einer von Danielles Fallen schnappen lassen; vor allem, wenn man bedenkt, dass die ihre Fallen seit 16 Jahren baut und Ben erst genau jetzt hineintappt. Ben geht allerdings auf einen ganz anderen Teil von John Aussage ein und sagt den Satz der Sätze: „God doesn't know.“ – „Excuse me?“ – „God doesn't know how long we've been here, John. He can't see this Island any better than the rest of the world can.“ („Gott weiß es nicht.“ – „Wie bitte?“ –„Gott weiß nicht, wie lange wir schon hier sind, John. Er kann diese Insel kein bisschen besser sehen als der Rest der Welt es kann.“) Boing! (ich habe lange nach einem anderen Wort gesucht, aber dieses erfasst es einfach am besten^^) Ist das ein Wink mit dem Zaunpfahl? Ich habe mehr das Gefühl, dass Ben uns hier gerade den kompletten Zaun um die Ohren gepfeffert hat. Gott weiß es nicht, Gott hat mit der Insel nichts zu tun, kann sie nicht einmal sehen. Gott greift auf der Insel nicht ein. Die Insel – das ist eine Sache zwischen Jacob und „Samuel“. Auf der Insel existiert Gott nicht, sie gehorcht ihren eigenen Gesetzen. Damit John nicht zu lange darüber nachdenkt und nun vollends verwirrt wird, gibt Ben ihm dann den Rest: „May I ask you a question? What possible reason could I have for putting myself through all this?“ – „Maybe your people were looking for this place.“ („Darf ich dir eine Frage stellen? Welchen Grund sollte ich haben, mich selbst in so eine Situation zu begeben?“ – „Vielleicht haben deine Leute nach diesem Ort gesucht?“) Nicht schlecht, John, doch nun holt Benjamin Klitschko zum K.O.-Schlag aus: „This place? This place is a joke, John.“ („Dieser Ort? Dieser Ort ist ein Witz, John.“) John Locke ist am Boden und wird angezählt – 4 – 8 – 15 – 16 – 23 – „What are you talking about?“ („Wovon sprichst du?“) – argh – 42 – das war’s. Benjamin Linus gewinnt mit einem klaren Knockout in der vierten Runde.

Das, was Ben John jetzt auftischt, brauchen wir nicht zu wiederholen. Die Frage ist nur der Zweck dieser Story, bei der Bens Nase so lang werden müsste, dass sie am anderen Ende der Insel wieder rauskommt und Jacob beim Frühstücken stört. Ben sollte wohl klar sein, was passiert, wenn John die Probe aufs Exempel macht. Ich schätze, er will John testen, seinen Glauben einer Probe unterziehen.

John denkt völlig richtig, dass Ben lügt. „No, I'm done lying.“ – der Tag wird niemals kommen^^.

Sonntag, 17. Januar 2010

Verriegelung in 42 Sekunden, 23, 16, 15, 8, 4...ALARM!!!!

Karte auf der Feuerschutztür:

Wie bereits angekündigt habe ich mich nun doch noch mal auf die Feuerschutztür gestürzt, hab mir dabei ordentlich die Rübe angehauen und bin wie ein nasser Sacke auf dem Boden vom Schwan liegen geblieben, bis ich wieder zu mir kam. Als Grundlage für meine Analyse dient mir daher dann doch lieber die interaktive Karte von „LOST 4 8 15 16 23 42“, außerdem hab ich natürlich auch auf Lostpedia zurückgegriffen und ich würde euch empfehlen zwei Tabs oder Fenster zu öffnen, damit ihr jederzeit auf die Karte und die übersetzten Anmerkungen von Lostpedia zugreifen könnt, denn sonst wird es schwer werden mir zu folgen, doch wenn ich dieses wirre Teil auch noch beschreiben wollte, wäre ich bis zum Staffel-6-Finale zugange^^.

Die untersten zwei Ebenen (auch bei der interaktiven Karte) bilden die landschaftlichen Gegebenheiten und ein paar undefinierbare Linien bzw. geometrische Formen. Begrenzt wird die Karte außen von einem Achteck, dass ganz offenbar Freihand gemalt wurde, da es kein gleichmäßiges Octagon ist. Innerhalb dieses Achtecks erkennen wir den Fluss und einige Seen und Teiche; vielleicht auch Hügel – da nichts farblich markiert wurde, kann man das nur mutmaßen. Der Umstand, dass Radzinsky es offenbar nicht für nötig hielt detailliertere Angaben zu der Landschaft zu machen, zeigt schon mal ganz klar, um was es ihm eigentlich ging bzw. worum auf jeden Fall schon mal nicht: Die Landschaft. Die geographischen Angaben sind nur eine grobe Orientierungshilfe. Die ebenfalls blauen, aber um einiges dicker eingezeichneten geometrischen Figuren und Linien könnten Tunnel oder Katakomben sein, die entweder zum Tempel oder zu den Versorgungsleitungen der Dharma selbst gehören. Ebenso gut könnte es sich aber auch um fiktive Wegmarken handeln, vergleichbar mit Längen- und Breitengraden. Radzinsky traue ich grundsätzliche jedwede wirre Idee zu, auch, dass er nur versucht hat eine Frühstückspflocke zu zeichnen, von der er fand, sie sähe einem Lenk- und einem Deltadrachen ähnlich, die am Himmel miteinander kuscheln... wer weiß das schon. Der Typ hat ja schließlich den Schuss nicht gehört. Jetzt werden einige wieder sagen: Wie auch, denn die Rübe war ja schon weg, bevor der Schall das Ohr überhaupt erreichen und verarbeitet werden konnte. Da kann ich nur erwidern: Auch wieder wahr.

Obgleich Radzinsky also der durchgeknallteste schießwütige Spinner unter all diesen waffenverrückten Irren ist, hat er uns mit der Karte dennoch ein hochinteressantes Vermächtnis hinterlassen. Betrachtet man die geometrischen Formen in Zusammenhang mit den Stationen, scheint es sehr wahrscheinlich, dass es sich um Versorgungsleitungen oder aber Verbindungen für einen Datentransfer handelt, denn alles läuft unter dem großen Fragezeichen in der Mitte zusammen. Jemand, der immer paranoid ist, muss wohl irgendwann auch mal mit einer Verschwörungstheorie ins Schwarze treffen, weshalb ich mal annehme, dass Radzinsky mutmaßte, dass irgendwo unter dem Fragezeichen, irgendwas gebaut wurde, wovon man ihm nie was erzählt hat. Da die Perle wohl den Sinn hatte, besonders ihn im Auge zu halten, wäre es auch verdammt sinnfrei, wenn er davon gewusst hätte. Wobei er zumindest wusste, dass es eine Station „Die Perle“ gab und auch, dass mindestens zwei weitere Stationen, deren Namen er nicht kannte, nach seiner „Verbannung“ noch in Planung waren.

Wir haben also acht Dharmastationen: Vier bekannte (Schwan, Stab, Flamme, Pfeil), eine durchgestrichene, zwei geplante (C3 und C4) und die Perle als „?“ in der Mitte. Auffallend ist die Positionierung der Stationen, denn sie orientieren sich an dem Achteck. Sechs von ihnen sind genau in einer Ecke und verlaufen von dort auf den Mittelpunkt zu, der Schwan erstreckt sich über zwei Ecken und die Perle steht ziemlich exakt im Mittelpunkt. Radzinsky vermutete hinter C4 die Perle, wir wissen, dass das schon mal nicht stimmen kann. Ich hatte erst vermutet, es könnte sich hier um den Spiegel handeln, mir scheint da C3 aber ein wahrscheinlicherer Kandidat „Warum so viele Dharmatel Relais an einem solch unhaltbaren Standort?“ Gibt es einen unhaltbareren Standort als Mitten im Ozean? Und da es eine Kommunikationseinrichtung war, würde das doch alles in allem gut zusammenpassen.

Von den Stationen ist der Schwan eindeutig die größte, wobei ich stark annehme, dass Radzinsky sie auch einfach detaillierter eingezeichnet hat, da er nicht nur dort gelebt hat, sondern sie sogar mitentwarf. Ein Teil des Schwans ist versiegelt, abgetrennt vom Rest. Außerdem sind der Dom und die beiden Ein- und Ausgänge klar zu erkennen. Rund um den Schwan befinden sich drei CVs (Cerberus Vents; Nummer I bis III). Würde zumindest erklären, wieso unser Monster so weit vom Tempel relativ kurz nach dem Crash nahe der Absturzstelle sein Unwesen treibt. Ich zumindest stelle mir unter Cerberus Vent das Loch, in welches Smokey Locke in „Exodus“ ziehen wollte, oder auch die Kammer unter dem Tempel vor. Was mich bezüglich des Schwans wiederum sehr belustigt ist: „I AM HERE“ Ach, ne? Nicht dein Ernst? Und weißt du was, Stu, mittlerweile bist du vermutlich über den halben Schwan verteilt, von daher...

Unter dem Schwan steht „Ut sit magna, tamen certe lenta ira deorum est“ (zu Deutsch: „Obwohl er [der Zorn der Götter] groß ist, ist der Zorn der Götter sicher langsam“). Wird kaum ein Zufall sein, dass das unter dem Schwan steht, denn darüber werden „Die Götter“ wahrlich nicht begeistert sein.... zu Stuarts Glück lassen sich Jake und Sammy aber wohl Zeit oder wer könnte mit den „Göttern“ sonst noch anders gemeint sein als unsere beiden Spezialisten? „Sie kommen!“ – „Wer?“ – „Die Götter!“ Wäre natürlich auch noch eine Möglichkeit ;-) Sind die Götter also so langsam, dass sie ihren Zorn erst 30 Jahre später entladen und es dann zum Krieg kommt?

Wo ich aber schon mal bei den lateinischen Anmerkungen bin, mach doch da mal direkt weiter, denn die finde ich offengestanden interessanter als den Rest. Über CVIII steht „Liberate te ex inferis“ („Rette dich selbst vor der Hölle!“). Den meisten ist dieser Satz vermutlich aus „Event Horizon“ geläufig. Man sollte das wohl nicht allzu wörtlich nehmen, denn die Insel ist kaum DIE Hölle, aber Radzinsky mag sie so vorgekommen sein und da ist er gewiss nicht der einzige, dem es so geht/ging. Doch an wen schreibt er diese Warnung, denn genau wie bei „Credo nos in fluctu eodem esse“ („Ich denke, wir sind auf derselben Wellenlänge“) – zu finden zwischen Pfeil und C3 – spricht er hier ja jemanden direkt an, aber wen?

Da er – auch wenn das meiste Zitate sind – Latein verwendet, würde man ja zunächst an die Anderen oder sonstige mit Jacob verbundene Gruppierungen denken. Wobei Stuart selbst für die Anderen zu paranoid ist. Also an wen schreibt er? Jacob? Ich persönlich glaube ja, er schreibt an Desmond, denn für den gelten gewisse Regeln ja angeblich nicht und er ist der einzige, der mir einfallen würde, der die Karte theoretisch lange genug gesehen haben könnte, um aus ihr schlau zu werden, ohne Radzinsky persönlich gekannt zu haben. Wäre derzeit zumindest mein Vorschlag. Da das Latein relativ groß ist könnte es natürlich auch für die andere Seite der Überwachungskamera bestimmt gewesen sein.

Unter der Flamme lesen wir „Ö16 Ö64 Ö225“ (solltet ihr da statt der Wurzelzeichen, was anderes zu lesen bekommen, was ja manchmal passiert: es waren Quadratwurzeln^^) und darunter „Cogito ergo doleo“ („Ich denke, also leide ich“). Rechnet man die Quadratwurzeln aus, erhält man – oh, Wunder, oh, Wunder – 4 8 15. Genau gegenüber steht x4 y8 z15 (also Koordinaten im Dreidimensionalen Raum eines Kartesischen Koordinatensystems). Der Satz „Cogito ergo doleo“ ist nicht nur wahr, sondern auch eine Anspielung auf „Cogito ergo sum“ („Ich denke also bin ich“) – für letzteren gilt: Sollte er stimmen, müssten sich viele Menschen augenblicklich in Luft auflösen^^. Aber ich bin noch da, also weiter im Text. Ausnahmsweise hat Radzinsky mal recht: Wer denkt, ist sich seiner Situation nicht nur im Hier und Jetzt bewusst, sondern auch der Zukunft und der Vergangenheit. Folglich leidet er stets irgendwie. Die Intelligenz des Menschen ist nicht nur ein Vorteil, sondern auch der Ursprung all seiner destruktiven Neigungen, seinem Streben nach Macht und seine Gier, welche über das natürliche Maß eines gesunden Egoismus hinausgehen. Tiere handeln so wie es für den Erhalt ihrer Art am besten ist. Der Mensch tut das nicht. Ganz im Gegenteil: Wir sind fast ohne Ausnahme darauf bedacht, besser zu sein als andere Menschen und uns ihnen überlegen zu fühlen, auch wenn es auf Kosten der Gemeinschaft geht. Für die meisten Menschen gilt „jeder für sich“ und nicht „zusammen leben, alleine sterben“. Letztlich ist es genau das, was „Samuel“ doch anprangert: der Mensch ist schlecht und erzeugt stets bei seinen Mitmenschen Leid und oft sogar bei sich selbst. Warum? Weil er Verstand hat – Cogito Ergo Doleo! (aus irgendeinem Grund muss ich schon die ganze Zeit an einen halbnackten Löwen mit einem sprechenden Fußball auf dem Arm denken... verrückt)

Zwischen der durchgestrichenen Station und Stab lesen wir dreimal „Sursum corda“ („Hebt eure Herzen“) – abgesehen davon, dass so was neben einer medizinischen Station – sollte es nicht bildlich gemeint sein – ziemlich makaber ist, fällt mir dazu nicht viel ein, um ehrlich zu sein. Wer soll da wieso sein Herz heben? Hoffe, dass euch dazu mehr einfällt als mir. Unterm Stab steht dann noch etwas, das sich fast wie Radzinskys verspätete Einsicht ließt, aber was auch passiert ist, ist passiert: „Malum consilium quod mutari non potest“ („Es ist ein schlechter Plan/Beschluss, der nicht geändert werden kann“). Wovon spricht er da? Was für ein Plan oder Beschluss ist hier gemeint? Ein Beschluss der Dharma? Der Feinde? Oder von wem? Redet er vom Vorfall? Von der Säuberung? Und was haben die Illuminaten mit alledem zu tun? Diese und weitere Fragen werden beantwortet: Jetzt bei „Galilosto Mystery“.

Etwas abseits vom Stab steht noch etwas, dem man wohl besondere Aufmerksamkeit schenken sollte: „Aegrescit medendo“ (etwa so viel wie: „Die Heilung ist schlimmer als die Krankheit“/„Das Heilmittel verschlimmert die Erkrankung“ oder „Er/sie wird krank, indem er/sie geheilt wird“ – Randbemerkung: Langsam erinnere ich mich wieder, warum ich Latein nach der 10 abgegeben habe^^). Eine solche Erkenntnis passt gut zu „Quarantine is a hoax“ („Die Quarantäne ist ein böser Scherz“), was auf der Rückseite der Puzzle, die zusammen die Karte ergaben, am Rand stand. Dort stand ebenfalls: „There is no Sickness“ („Es gibt keine Seuche“). Radzinsky wusste also, dass die sogenannte Seuche eine Erfindung der Dharma oder Tarnung für etwas war. Die Impfungen dienten also einem anderen Zweck und waren vielleicht – ebenso wie die Krankheit – nur ein Instrument der Kontrolle.

Besonderes Augenmerk sollten wir noch mal auf alle Anmerkungen rund um C4 lenken, denn neben der Warnung „Liberate te ex inferis“ finden sich hier noch einige andere interessante Notizen, die – allen voran „Primary Nexus of Cerberus related Activity“ („Primärer Nexus Cerberus-bezogener Aktivitäten“) – darauf schließen lassen, dass Smokey in dieser Gegend besonders aktiv ist und es sich außerdem um das Dunkle Territorium handelt, was folgende Angabe bestätigt: „Known final resting place of Magnus Hanso/Black Rock“ („Bekannte Ruhestätte von Magnus Hanso/ der Black Rock“). Hier sind auch viele CVs eingezeichnet, was Radzinsky erklärt mit: „Mus uni non fidit antro („Eine Maus verlässt sich nicht auf nur ein Loch“). In der Tat finden sich gerade hier und um den Schwan alle vier „Mauslöcher“. Ferner finden wir ganz in der Nähe noch die Notiz: „Hic sunt dracones“ („Hier sind Drachen“) Dies kann zwar – wie Lostpedia angibt – bedeuten, dass dieser Bereich unerforscht ist und es auch bleiben sollte. Ich schätze aber mal, dass Radzinsky mit „Drachen“ auf Cerberus verweist. Das wiederum führt mich mal wieder zur Bibel, denn in der Offenbarung des Johannes tritt der Teufel als Drache auf und wird daher in der Literatur oft nicht nur „satan“ oder „diabolus“, sondern auch „draco“ genannt. Etwa im Exorzismusritual, wo ziemlich gegen Ende folgender Passus als Anrede an den Dämon zu finden ist: „draco maledicte et omnis legio diabolica“ („verfluchter Drache und alle teuflischen Legionen“).

Es bleiben noch drei lateinische Anmerkungen. Zwei davon sind schlichtweg zoologisches Fachvokabular für Tiere, mit denen die Dharma experimentierte: Carcharodon carcharias ist der Große Weiße Hai ( so einen sahen wir in „Treibholz“) und Ursus maritimus ist der Name für die knuddeligen Teddybären der Marke Knut – kurios: Ich hab als Kind immer lieber mit einem Plüschhai gekuschelt, während ich Teddys nie was abgewinnen konnte.... das sollte ich mal untersuchen lassen^^ - von der Lost-technischen Ironie und Schicksalhaftigkeit mal abgesehen .

Die dritte und letzte verbleibende, lateinische Klausel hat schon einen gewissen What-Ever-Happened-Subtext: „Nil actum reputa si quid superest agendum“ (Lostpedia-Übersetzung: „Erwarte nicht, dass etwas getan wurde, wenn noch etwas getan werden muss" oder "Erwarte, dass nichts getan wurde, wenn noch etwas getan werden muss“). Wir finden diesen Passus aus Lucans zweitem Buch direkt am Standort der Perle, also unterm Fragezeichen.

Die restlichen Anmerkungen erklären sich soweit ich das she entweder von selbst oder gar nicht. Daher belasse ich es mal dabei und arbeite weiter an „Dave“.

Freitag, 15. Januar 2010

Kleines Update zum mythologischen Jakob

Bin gerade in "A Dictionary of Angels - including the fallen angels" von Gustav Davidson noch auf was interessantes gestoßen. Auf Seite 26 im Artikel über den Todesengel ("Angel of Death") steht da:
Over 6 persons the angels of death has no power (says Talmud Baba Bathra, fol. 17), to wit: Abraham, Isaac, Jacob, Moses, Aaron and Miriam. With regard to Jacob, it is said that "not the angel of death ended his life, but Shekinah took his soul with a kiss."

Über 6 Menschen hat der Todesengel keine Macht (laut Talmud Baba Bathra, Rolle 17), d.h.: Abraham, Isaak, Jakob, Mose, Aaron und Mirjam. Bezüglich Jakobs wird gesagt, dass "nicht der Engel des Todes sein Leben beendete, sondern Shekinah seine Seele mit einem Kuss nahm"
Shekinah ist der weibliche Aspekt Gottes bzw. seine weibliche, meschliche Gestalt. Sie soll Jakob als Engel auch von allem Bösen befreit haben.
In Bezug auf unseren Jacob finde ich es ganz interessant, da man ja parktisch unsterblich ist, wenn der Tod keine Macht über einen besitzt, was auch auf Richard und "Samuel" zutreffen könnte. Von einem gewissen Standpunkt aus hat der Tod generell keine Macht über jene, die von der Insel erwählt sind, denn schließlich entscheidet sie allein, wann sie sterben können, wie man an Michael gesehen hat. Genau das könnte auch ein Teil der Lösung sein, warum sich weder Ben und Charles noch "Samuel" und Jacob gegenseitig töten können.

Übrigens sorry, dass ich im Moment nicht sehr viel zu den Reviews komme... war wahrlich anders geplant^^

Dienstag, 12. Januar 2010

FAQs und Infos

Da jetzt nochmal die Frage zu Staffel 6 aufkam:
Zu Season 6 kann ich noch nichts sagen, weil immer noch nicht klar ist, wann die letzte Staffel auf Fox läuft. Sollte die Differenz sich aber im Rahmen (unter 2 Wochen) halten, bin ich geneigt auf FOX zu warten, anstatt morgens um 5 vor dem PC zu sitzen und wieder einen Nervenzusamenbruch zu bekommen, weil irgend so ein Video nicht richtig lädt, oder die Verbindung zusammenbricht oder was weiß ich. Das gilt selbstverständlich vor allem für die regulären Folgen. Das Finale will ich natürlich auch möglichst zeitnah sehen.
Ich gestehe ein bisschen hab ich auch Angst vor der letzten Staffel und zwar weniger davor, dass nicht alles aufgelöst wird, sondern mehr davor, dass alles aufgelöst wird. Ich möchte nicht alles 100%ig geklärt haben, ich möchte, dass etwas Raum für Interpretation und Spekulation bleibt. Denn sonst hätte "Lost" sich durch sein Ende selbst das Grab geschauffelt. "Lost" wäre nict mehr "Lost", wenn man plötzlich nichts mehr hätte, dem es sich auf dne Grund zu gehen lohnt. Ganz abgesehen davon bleibt auch die Sorge, die Lösung könnte nicht zufriedenstellend sein oder aber - und das ist eine Sorge die habe wahrlich nur ich - zum Teil mit dem übereinstimmen, an dem ich derzeit arbeite - die Wahrscheinlichkeit ist zwar gering, aber ein paar Berührungspunkte gibt es und dann würde etwas nach Ideenklau aussehn, was gar keiner war, weil ich den Gedanken zwar beim Schreiben der Reviews bekam, aber die Idee trotzdem nicht wirklich was mit "Lost" zu tun hat... denke ich. Außer halt den paar Berührungspunkten und der Tatsache, dass es eine großangelegte Mystery-Erzählung sein wird.
Wo ich gleich beim nächsten wäre: ich hoffe mal ganz stark, dass ein Teil von euch bei diesem Projekt mit an Bord ist. Entweder als Leser oder auch als Co-Autor, denn dieses Projekt soll wirklich... umfangreich werden. Neben den Romanen als Kern (zum Teil werden die auch im Netz abgedruckt), sollen auch ARG-ähnliche Elemente das Ganze bereichern und weil es so umfangreich sein soll, wäre etwas Unterstützung doch nicht schlecht. Soll heißen: ich suche noch meinen Damon Lindelof ;-)

Jetzt zum aktuellen Stand des Lost-Marathons:
Ich arbeite bereits an der Blastdoormap-Analyse und werde heute oder morgen auch mit "Dave" anfangen. Ich habe übrigens auch vor - sofern es meine Zeit erlaubt - auch während Staffel 6 noch weiter zumachen... so weit wie wir halt kommen.

Für alle weiteren offenen Fragen, Anregungen, Bitten etc. nutzt ihr bitte einfach die Kommentarfunktion.

Namaste und Viel Glück!

Sonntag, 10. Januar 2010

Jacob und der Loopholedude - Incident-Review Teil I (von voruassichtlich IV)

The Incident – Erster Teil:

Jetzt hab’ ich mich solange erfolgreich vor diesem Monster von einer „Lost“-Folge gedrückt, dass mir die Ausreden ausgegangen sind. Also, wo am besten anfangen? Ich denke in diesem Fall stürze ich mich auf das Interessanteste ausnahmsweise mal am Anfang: Jacob und sein mysteriöser Widersacher, sein Bad Twin, seine Nemesis. Jede Kraft im Universum braucht eine ebenso starke Kraft, die ihr entgegenwirkt, damit alles in Balance bleibt. Das gilt nicht nur in Naturwissenschaften (etwa bei Materie und Antimaterie, Plus und Minus, aufzubringenden Kräften und dergleichen), sondern auch in den Gesellschafts- und Geisteswissenschaften. In der Mathematik muss auf beiden Seiten eines Gleichungssystems am Ende stets der gleiche Wert rauskommen. In der Philosophie gibt es zu jeder These eine Antithese, die zusammen zur Synthese führen – etwa Idealismus und Materialismus. In der Wirtschaft stehen sich Kapitalisten und Kommunisten oder in Politik und Soziologie Rechte und Linke gegenüber. Bei den Spiritisten und in den Religionen dieser Welt findet sich auch stets ein Yang zu jedem Yin. Seien es nun Maat und Isfet bei den Alten Ägyptern oder Gott und Teufel im Christentum. Ordnung und Chaos, Gut und Böse, Hell und Dunkel. Sie bilden stets eine Einheit – das eine kann nicht ohne das andere. Man kann kein Glück empfinden, wenn man das Leid nicht kennt. In „Lost“ finden sich zahlreiche dieser Gegensatzpaare: Glaube und Wissenschaft, Gefühl und Verstand, Schwarz und Weiß, Hell und Dunkel, Sozialismus und Kapitalismus, Leben und Tod, Idealismus und Materialismus, Losties und Andere, Jack und John, Jack und Sawyer, Ben und Charles, Ben und Sayid, John und Ben, Eko und John und letztlich halt auch Jacob und „Samuel“.

Was wissen wir nun definitives über die beiden? Nicht sehr viel. Jacob erscheint uns als verhältnismäßig junger Mann so um die Vierzig. Ob das sein wahres Erscheinungsbild ist, können wir nicht sagen, obgleich wir bislang kein anderes von ihm zu Gesicht bekommen haben. Da die Anderen Jacobs Gegenpart nie als solchen erwähnt haben, können wir nicht einmal sagen, was von dem, das Ben und Richard so über Jacob gesagt haben, auch wirklich auf ihn zutrifft. Die Technologiefeindlichkeit etwa scheint doch sehr viel mehr zu „Samuel“ zu passen als zu Jacob, denn so viel wird in der Eröffnungsszene von „Der Vorfall“ klar: Jacob ist die treibende Kraft, der Fortschritt. Er ist zwar geduldig und ausdauernd, aber nichtsdestotrotz eine in die Zukunft blickende Persönlichkeit. „Samuel“ hingegen ist konservativ, fast reaktionär. Die beiden haben große Ähnlichkeit mit einer Vielzahl mythologischer Wesen und so langsam aber sicher wird es wohl Zeit einen allumfassenden Blick darauf zu werfen.

Beginnen wir mal bei den monotheistischen Weltreligionen – vor allem Christentum und Judentum. Der biblische Jakob ist hier nach Jesus (und das auch nur bei den Christen) wohl die größte Ausnahmeerscheinung unter den Menschen. Jakob war der Sohn Isaaks (somit also der Enkel von Abraham) und wurde kurz nach seinem Zwillingsbruder Esau geboren. Angeblich soll er sich sogar bei der Geburt an Esaus Ferse festgehalten haben. Festgehalten? So, so... Ja, der Name Jakob steht (laut Wikipedia) sogar synonym für „Fersenhalter“. Okay, Fersen bekommt man sonst nicht so gut zu fassen, aber dafür Schultern, Nasen und Hände.

Während Isaak Esau bevorzugte, bevorzugten sowohl Jakobs Mutter Rebekka als auch Gott Höchstselbst Jakob. Doch war Jakob – wenn auch nur sehr knapp – dummerweise nicht der Erstgeborene. Allerdings gelang es ihm Esau auszutricksen. Diese altbekannte Geschichte mit dem Linsengericht, das Jakob mit Esau gegen das Erstgeborenenrecht tauschte, zeigt sehr deutlich, warum Jakob Gott wohl lieber gewesen sein dürfte: Esau demonstriert hier sowohl Unüberlegtheit als auch Gier, während Jakob listig und weitsichtig agiert. Später erschlich er sich mit der Hilfe seiner Mutter auch vom schon greisen und fast blinden Isaak den Erstgeborenensegen und floh danach zu Verwandten. Da war er überaus umtriebig. Er erarbeitete sich gleich zwei Frauen und zwar die Töchter seines Onkels Laban: Lea und Rachel. Aber damit nicht genug der Inzest. Da Rachel zunächst keine eigenen Söhne gebar, legte Jakob kurzerhand noch die Hauptmägde (und übrigens auch Halbschwestern) seiner zwei Frauen flach. Da kann man nur fragen: Weiß der Papst das?

Was Jakob aber vor seiner Rückkehr ins gelobte Heimatland vollbrachte ist wohl wahrlich einmalig: Er rang einen Engel nieder. Engel sind die Krieger Gottes und wenn ein Mensch einen von ihnen besiegt, kommt das einem Sieg über Gott gleich. Um Jakobs Sieg beim Ringen mit Gottes Krieger zu ehren, segnete der Engel Jakob auf dessen Verlangen hin und gab ihm den Namen Israel („Gottesstreiter“). Dieser Mann, der Stammvater der Israeliten, ist folglich der einzige Mensch, der es jemals fertiggebracht hat, sich mit Gott zu messen und obendrein zu obsiegen. Darüber hinaus hatte er zwölf Söhne von denen der jüngste den Namen Benjamin trug – wir glauben ja nicht an Zufälle.

Aber ist dieser Jakob, denn der einzige Jakob in der Bibel? Nein, nicht wirklich, denn da wären noch die zwei Jünger Jesu mit Namen Jakobus, von denen einer sogar Jesu Bruder war und zusammen mit Simon wohl am stärksten zur Verbreitung des Christentums beigetragen hat.

Da wir „Samuels“ wahren Namen bislang nicht kennen, würde man meinen, man müsse sich ihm wohl vor allem über seine Ansichten und die Beziehung zu Jacob nähern. Allerdings möchte ich für einen Moment mal die Möglichkeit zulassen, dass dieser Name aus dem Castingaufruf nicht allzu weit von seinem wahren Namen entfernt ist. Denn jener Engel, den Jakob niederrang, wird bei Hanina Ben Hama als Erzengel und obendrein als der Schutzengel Esaus identifiziert– sein Name: Samael oder auch Sammuel. Das zeigt wie wichtig auch Esau war, denn einen Erzengel als Schutzengel zu haben ist etwa so als wenn der Papst und Barack Obama eure Bodyguards wären. Schutzengel stehen in der himmlischen Hierarchie nämlich kurz über Toilettenreiniger, während Erzengel die Chefetagen bewohnen – obgleich sie erst der achte Chor sind, tauchen fast alle Erzengel in höheren Engelschören ebenfalls auf. Ferner haben nur wirklich auserwählte Menschen mit Erzengeln Kontakt, andere Menschen bekommen meist nur normale Engel zu sehen, die aber immer noch über den normalen Schutzengeln stehen. Dass aber ein Erzengel als Schutzengel auf eine bestimmte Person angesetzt wird, ist meines Wissens nach einmalig. Was ist über diesen Erzengel Samael noch bekannt? Tja, da stoßen wir nun doch gleich auf ein Problem, denn der Begriff „Erzengel“ ist an und für sich schon mal eine verdammt heikle Angelegenheit. In der Bibel als Erzengel verbürgt wird nur Michael. Je nach Quelle zählt man neben Gabriel und Raphael oft noch Uriel zu den vier Erzengeln. Danach wird es aber schon verdammt schwierig. Wie steht es mit Metatron? Zählt man jene Engel, die im Buche Henoch in einer Reihe mit Michael, Gabriel, Raphael und Uriel erwähnt werden, mit dazu? Was ist mit Luzifer? Und was mit unserem Samael? Samael und Luzifer haben schon mal so einiges gemein, denn beide tauchen sie als Anführer der rebellierenden Engel auf – der eine im Christentum (zumindest laut moderneren Glaubenslehren, denn namentlich als solcher erwähnt wird Luzifer nie), der andere in der Kabbala. Samael ist also auch ein gefallener Engel, der gegen Gott aufbegehrte und den Grund dafür, dass die Engel gegen Gott aufbegehrten, dürften die meisten kennen: die Menschen. Samael wird bei Rabbi Jose als Ankläger (hebräisch: „Satan“) identifiziert. Und was tat der Satan im Buche Hiob? Er trat vor Gott und klagte die Menschen an, behauptete, dass sie nur solange Gott treu wären, wie er sie liebe und ihren Wohlstand sichere. Hiob, der überaus wohlhabend und gläubig ist, wird für Gott und Satan exemplarisch zum Gegenstand ihres Experiments und Satan bemüht sich nach Kräften Hiob zu demoralisieren und ihm seinen Glauben zu nehmen. Ursprünglich war der Satan also ein kleiner Quälgeist, der den Menschen ihr Glück nicht gönnte, sie für schlecht hielt. Klingt doch verdammt vertraut, oder? Unser „Samuel“ ist ein Ankläger, ein Satan, denn auch er klagt die gesamte Menschheit an.

Wer nun aber glaubt, damit sei der Satan bei Gott stets auf taube Ohren gestoßen, irrt. Wir alle kennen die Geschichten vom Sündenfall, von Noah und seiner Arche und von Sodom und Gomorra. Gerade die letzte ist wiedereinmal richtig interessant, denn da rang Abraham Gott das Versprechen ab, er würde diese verdorbene Stadt nicht zerstören, wenn es Abraham gelänge, zehn rechtschaffene Menschen zu finden. Prompt sind wir wieder bei Jacob, der nach seiner kleinen Gruppe guter Menschen sucht, um den Beweis zu erbringen, der „Samuel“ Fehlbarkeit nachweist. Es ist als hätten Samael und Jakob bzw. „Samuel“ und Jacob nie damit aufgehört miteinander zu ringen – noch immer bekämpfen sie einander.

Noch ein paar Worte zu Luzifer (um mal mit einem alten Irrglauben aufzuräumen): Luzifer heißt „Lichtbringer“ und es ist lediglich eine Theorie, dass er der Teufel sein soll. Letztlich wird nur gesagt, dass ein Stern (Luzifer war bei den Römern der Name für den Morgenstern) vom Himmel gestürzt sei, dem man den Schlüssel zum Höllentor gegeben hätte. In der Apokalypse öffnet er es und befreit das Heer Abaddons. Huch, kommt euch der Name etwa auch so bekannt vor? Wer schickt den „Lost“-Abaddon zum „End Game“ los? Charles. Es wäre wohl nicht zu weit aus dem Fenster gelehnt, Luzifer in Charles Widmore zu sehen, der ja auch von einem gestürzt wird, der bei Jacob höher im Kurs steht. Charles und Luzifer fallen beide in Ungnade und so tritt der auf den Plan, der bei Jacob bzw. Gott am höchsten im Kurs steht und sein persönlicher Chef-Vollstrecker ist: Ben bzw. der Heilige Erzengel Michael, der Führer der göttlichen Heerscharen.

Freut euch nicht zu früh, ich bin mit Bibel, Tanach und Co noch nicht durch. Es gibt in der Bibel nämlich noch ein paar andere Streithähne, die zu betrachten nicht schaden kann: „Und Kain sprach zu dem Herrn: Meine Strafe ist größer, als ich sie ertragen kann. Du vertreibst mich heute von meinem Ackerland, unstet und flüchtig muss ich sein auf Erden, und wer mich antrifft, der wird mich totschlagen. Da sprach der Herr: Nein, wer dich erschlägt, an dem soll es siebenfach gerächt werden [keine Ahnung wie man das bewerkstelligen will, Anubis2705]. Und er versah Kain mit einem Zeichen, damit ihn keiner erschlüge. Und so ging Kain weg vom Angesicht des Herrn und zog ins Land Ruhelos, jenseits von Eden.“ (1. Mose: 4, 13-16) Der Vertriebene, dessen Verbrechen nicht durch seine Ermordung vergolten werden können, erinnert natürlich vor allem an Charles. Kain und Abel sind aber insofern nicht ganz uninteressant für Jacob und „Samuel“, da auch diese beiden im Paradies (auf der Insel) rumhocken und der eine dem anderen nach dem Leben trachtet.

Tja, dann wäre da noch der gute, alte Judas. Bei dem stellt sich auch nach etwa 2000 Jahren noch die Frage: War es wirklich Verrat? Wie Ben beging Judas seine Tat vielleicht aus tieferem Glauben heraus, denn 30 Silberstücke waren jetzt nicht wirklich eine angemessene Entlohung für die Auslieferung eines Staatsfeindes wie Jesus es für Römer und Teile der jüdischen Hohepriester war. Jesus musste (und Jacob ja vermutlich auch) sterben, damit sich alles zum Guten wendet. Manche meinen auch Judas sei vom Satan besessen gewesen... ob man nun besessen ist oder er in Tarnung daneben steht – ein marginaler Unterschied, meint ihr nicht?

Doch erfüllt „Samuel“ nicht nur die Kriterien für die Rolle des Anklägers, sondern vor allem für eine ebenso weitverbreitete Klasse spiritueller Wesen: die Trickster. Trickster sind überaus mächtige Götter oder Geister, die die Sünden der Menschen gegen sie kehren, sie verspotten und manipulieren. Trickster sind Gestaltwandler, Schelme, Rächer und Ankläger. Sie sind nicht gut oder böse, sondern haben lediglich einen recht speziellen ethischen Kodex und überdies oft einen zynischen bis sadistischen Humor. Wer könnte leugnen, dass das nahezu ausnahmslos auf „Samuel“ zutrifft. „Samuel“ ist ja nicht der Inbegriff des Bösen. Ganz im Gegenteil prangert er die Verbrechen der Menschen an, erachtet sie für unwürdig. Für manche Menschen kann er aber auch ein gewisses Maß an Verständnis aufbringen, denn obgleich er Ben benutzt, hat er gewisse Empathien für ihn, versteht seinen Schmerz.

Trickster existieren in nahezu allen Mythologien und Religionen der Welt. Das Christentum bildet hier die große Ausnahme, da die katholische Kirche sich wohl nie so recht mit dem Gedanken anfreunden konnte, dass es Wesen in Gottes Schöpfung gibt, die nicht nach ihren Regeln spielen, sprich weder schwarz noch weiß sind, was auf Trickster zweifelsohne zutrifft.

Doch da stehen wir überhaupt vor einem Problem, dass sowohl „Samuel“ als auch Jacob betrifft: sie fügen sich nicht so recht in unser Verständnis von Gut und Böse. Nicht nur, dass „Samuel“ kein Feind der Menschen ist, weil er böse wäre, sondern weil er die Menschen selbst für böse hält, nein, ihm fehlen auch sonstige Züge, die wir mit dem Bösen assoziieren: er ist kein Sadist, spielt nach den Regeln, tötet nicht grundlos. Und auch mit den etwas wertfreieren Begriffen von Ordnung (Maat) und Chaos (Isfet) wie bei den Ägyptern kommen wir nicht sehr weit, denn obgleich Jacob die Lichtgestalt ist, so voller Güte und Mitgefühl, ist er doch weitaus chaotischer als sein Antagonist. „Samuel“ spricht die Sprache der Ordnung, ist konservativ, reaktionär. Er steht dem Tod zwar näher als dem Leben, doch ist der Tod weder böse, noch chaotisch – im Gegenteil: nichts ist ordentlicher als Dinge, die tot sind. Das Leben (Jacob) hingegen ist laut und plärrend, ständig in Bewegung. Veränderung. Evolution. Fortschritt. Jacob ist das Chaos, der Rebell. Er ist nicht bereit aufzugeben, seine Fehleinschätzung einzugestehen. Schließlich sagt „Samuel“: „Still trying to prove me wrong, aren't you?“ („Du versuchst noch immer, zu beweisen, dass ich mich irre, oder etwa nicht?“). „Noch immer“ – also muss man um diesen Streit zu gewinnen, den anderen davon überzeugen, dass er falsch liegt und „Samuel“ geht es langsam auf den Keks, dass Jacob nicht einfach zugeben kann, dass „Samuel“ recht hatte. Doch Jacob muss seine Fehlannahme eingestehen, damit „Samuel“ gewinnt, könnte genau das Jacobs eigenes Loophole sein? Denn ein Toter kann schlecht einen Fehler zugeben.

Kommen wir jetzt zu der Ägyptischen Mythologie, die bei „Lost“ ebenso präsent ist wie die abrahamistischen Religionen und im Falle von Jacob und „Samuel“ durch die Statue sogar noch etwas mehr im Vordergrund zu stehen scheint. Zwar haben auch Judentum und die daraus entstandenen Religionen (Islam und Christentum) ihren Ursprung in Ägypten (Aton-Glaube), aber ein Blick auf die Ägypter lohnt sich wohl dennoch. Besonders ausführlich wird der allerdings nichts ausfallen, denn den detaillierten Blick darauf hab’ ich großteils schon an anderer Stelle gewährt – denke ich mal. Wer es also genau wissen will, liest im Lostpedia-Blog am besten meine ersten beiden Abhandlungen über die Zusammenhänge zwischen „Lost“ und Ägyptischen Göttern durch.

Grundlegend gibt es zwei Paare, die ganz gut auf „Samuel“ und Jacob passen würden: Osiris und Seth UND Ra und Apophis. Da ich die Osiris-Story nun wirklich schon mal haarklein erklärt habe, sei nur so viel gesagt, dass zumindest der Mord sehr gut dazu passen würde und auch Osiris weiteres Schicksal nach seinem Tod. Dennoch bin ich eher ein Verfechter der Hypothese, dass Jacob sich in Ra und „Samuel“ in Apophis wiederfindet. Die beiden waren nämlich echt verdammt zäh, haben sich jede Nacht aufs neue in der Unterwelt die Köppe eingeschlagen. Nachdem Ra nämlich als Atum im Westen untergegangen war, musste er ja irgendwie nach Osten gelangen, um dort als Chepre am Morgen wieder aufzugehen. Daher durchwanderte er des Nachts den Duat. Und jede Nacht wurde seine Nachtbarke von Apophis attackiert.

Auch das Motiv des Feuers passt zu Ra, der als Sonnengott ja auch das Feuer der Sonne mitrepräsentiert. Das Feuer steht bei den Alten Ägyptern oft für Schutz und Reinigung. Außerdem gerade im Zusammenhang mit Ra (aber auch Osiris) für Wiedergeburt, wenn er das Morgens als Chepre auf einem Sandhügel erscheint und emporsteigt wie Phönix aus der Asche.

Apophis würde zumindest zu Smokey (und es ist wohl überaus wahrscheinlich, dass „Samuel“ und Cerberus das gleiche Wesen sind) passen wie die Faust aufs Auge, denn Apophis war eine riesige Schlange und obendrein der Gott der Unwetter, des Gewitters und der Zerstörung. Erinnern wir uns doch mal an das Relief unterhalb des Tempels, auf dem Anubis und ein komisches Schlangenmonster zu sehen waren: diese stilisierte Darstellung des Monsters (ich gehe mal davon aus, dass es das sein soll) würde recht gut zu Apophis passen. Ferner war Anubis ja wahrlich der Wächter der Unterwelt, der Beschützer der Verstorbenen. Nach Maat selbst war Anubis wohl die gerechteste, schützendste und wohlgesinnteste Gottheit der Alten Ägypter. Denn er hütete und bewahrte auch die Maat – Aspekte, die durchaus auch zu Jacob passen würden, obgleich uns da seine helle Kleidung einen Strich durch die Rechnung macht, denn Anubis’ Farbe war Schwarz. Bis heute tragen wir in Trauer diese Farbe.

Die Anderen hingegen tragen Weiß und ich finde es schon verdammt auffällig, dass die Trauerkleidung der Anderen sehr Jacobs Hemd in diesem kleinen Prolog ähnelt. Wo wir gerade bei Jacob und Stoff sind, mal ein kleiner Blick auf den Teppich. Ich will jetzt zunächst mal nicht dessen Inhalt begutachten, sondern nur den Teppich als solches und wofür er ein Symbol sein könnte. Mir kommen da ja die Moiren in den Sinn – die Griechischen Schicksalsgöttinnen, die jedem Menschen ihren Lebensfaden spannen. Die germanischen Nornen gehen noch einen Schritt weiter: die webten die Fäden dann nämlich zu einem Schicksalsteppich zusammen. Im Falle der Moiren hat eine gesponnen (okay, gesponnen haben sie vermutlich alle drei^^), eine bemessen und eine abgeschnitten. Jacob spinnt (dieses Verb bringt einen echt in arge Bedrängnis) und „Samuel“ schneidet ab... aber wer misst? Oder spinnt die Insel und Jacob misst? Ich schätze aber mal, dass sich das Bild des Schicksalsteppichs in Verbindung mit Jacob wahrlich selbst erklärt, denn er fügt halt die Schicksalsfäden aller zusammen und als er fertig ist, stirbt er. Ben sagt er: „You like it? I did it myself. It takes a very long time when you're making the thread, but, uh... I suppose that's the point, isn't it?“ („Gefällt er dir? Ich hab ihn selbst gemacht, Es nimmt einige Zeit in Anspruch, wenn man den Faden [aber auch: der Gedankengang, die Diskussion] selbst macht, aber...nun... ich schätze mal, das ist der springende Punkt, oder nicht?“) Er hätte auch sagen können: „Wo wir uns endlich mal treffen, hast du eigentlich eine Vorstellung, was das für eine Arbeit ist euch alle genau zur rechten Zeit, an den rechten Ort zu bringen? Allein!“

Bemerkenswert ist überhaupt, dass Jacob in der Szene unter der Statue nur ein einziges Mal das Wort an „Samuel“/Locke richtet und das auch erst, nachdem dieser Jacob von sich aus angesprochen hat – fast so als wolle er sagen: „Eye, du Arsch, ich bin auch noch da!“ Jacob spricht mit Ben und Flocke plappert dazwischen: „Hello, Jacob!“ („Hallo Jacob!“) Alles, was Jacob antwortet, ist: „Well, you found your loophole.“ („Gut, du hast dein Schlupfloch gefunden.“) Letztlich ist selbst das mehr eine Feststellung als wirklich ein Gespräch. Jacob würdigt „Samuel“ kaum eines Blickes, geht völlig über ihn hinweg. Ben hingegen behandelt er sehr respektvoll, geht auf ihn ein, hört zu, als jener ihm sein Leid klagt. Auch weißt er Ben nachdrücklich daraufhin, dass er noch immer einen freien Willen, eine Wahl hat. Das Problem ist nur, Ben wurde für sein eigenes Empfinden von Jacob selbst nie eine Wahl gelassen. Ben lebte all die Jahre in der festen Überzeugung, dass er Jacob und der Insel zu Diensten sein muss, doch jetzt denkt er, dass er entweder Jacob oder der Insel dienen kann. Also trifft er unbewusst tatsächlich eine Wahl. Zunächst aber entscheidet er sich nur für sich selbst, denn er will Klarheit und gibt Jacob eine letzte Chance, sich zu erklären. Andere an Bens Stelle hätten Jacob diese Möglichkeit sich zu entschuldigen wohl nicht eingeräumt und ihn gleich umgelegt. Ich finde, diese Szene zeigt zwei Dinge sehr klar: Ben ist Jacobs Auserwählter, sein Favorit UND Ben ist in seinem Kern ein guter Mensch, denn trotz allem, wovon Ben glaubt, dass Jacob es ihm angetan hat, will er ihn nicht töten. „Samuel“ muss viel Überzeugungsarbeit leisten und sogar Jacob selbst, muss Ben noch weiter provozieren. Bevor ich jetzt aber wieder zu tief in einer Analyse der Beziehung zwischen Jacob und Ben versinke, kehre ich noch einmal zu den mythologischen Bezügen bei Jacob und „Samuel“ zurück, denn da war ich noch keineswegs fertig:

Wir waren mittlerweile ja schon bei den Griechen angekommen. Dieser Bezug ist aufgrund der altgriechischen Textpassagen auf dem Teppich auch keineswegs aus der Luft gegriffen. Einige sehen einen Bezug zwischen Jacob und Apollo, dem griechischen Gott der Weisheit und schönen Künste. Hinweise darauf wären etwa der nach Apollo benannte Schokoriegel, den Jacob Jack gibt (allerdings könnte diese Namensgebung auch eine Anspielung auf Mars sein... oder war der römische Kriegsgott doch Snickers? Na ja, zum Glück war es wenigstens kein MilkyWay oder gar ein Raider, denn dann hätte sich Jacob in Twix umbenennen müssen^^), oder die Namen der Dharmastationen, bei denen sich häufig Bezüge zu Mythen rund um Apollo herstellen lassen.

Ich persönlich würde jedoch viel eher einen Bezug zu Prometheus sehen. Prometheus war nämlich wie Jacob ein Fan von Feuer, ein echter Philanthrop und obendrein ein kleiner Revoluzzer. Prometheus stahl den anderen Göttern nämlich das Feuer und gab es den Menschen. Er hatte wohl nicht bezweckt, dass wir gleich anfangen uns damit auch gegenseitig umzubringen, aber er tastete halt unseren freien Willen nicht an. Anderes Zeus. Der war nämlich auf 180, als er von Prometheus’ Tat erfuhr, und hat den armen Titan daraufhin an den Kaukasus gekettet, wo ihm seither jeden Tag aufs Neue von einem schlechtgelaunten Adler die Leber rausgepickt wird. „Loop, Dude, Loop!“

Eine in „Lost“ stark vertretene Religion haben wir noch abzuarbeiten: den Buddhismus. Wobei der Buddhismus wohl mehr eine Lebenseinstellung als eine Religion im klassischen Sinne ist. Vorab muss ich allerdings gestehen, dass ich mich beim Thema Buddhismus auf dem bewege, was Sarah Kuttner einst das „oblatendünne Eis des halben Zweidrittelwissens“ nannte. Doch zum Glück ist mir das Schicksal bei meiner Recherche derzeit hold und so fand ich etwas sehr aufschlussreiches, an einem Ort, wo ich es nicht vermutet hätte, und zwar in Heinrich Krauss’ „Kleines Lexikon der Engel – Von Ariel bis Zebaoth“. Hier steht auf Seite 33f. unter dem Stichwort Buddhismus folgendes: „Auch wenn der Buddhismus keinen Schöpfergott im Sinne der monotheistischen Religionen kennt, so leugnet er doch nicht die Existenz von Göttern und engelähnlichen oder dämonenhaften Wesen. Sie haben zwar eine übermenschliche Daseinsform, unterliegen jedoch, wie die gewöhnlichen Sterblichen, dem leidvollen Kreislauf von Tod und Wiedergeburt, so lange sie sich nicht durch sittliche Vollendung und Erleuchtung aus diesem Bereich ‚Samsara’ befreit haben und ins ‚Nirwana’, die Sphäre der Erlösung, eingegangen sind.“ Das passt so erschreckend gut in das Gesamtbild von Jacob, dass ich den Abschnitt gleich viermal lesen musste. Jacob ein göttliches Wesen auf dem Weg zur Erleuchtung? Wiedergeburt? Das ist wohl das, was der Buddhismus allen anderen Religionen voraus hat: er kann problemlos mit ihnen co-existieren – sie nur nicht mit ihm. Bezüglich Jacob trifft das auch erst einmal den Kern und man müsste sich für alles weitere wohl an einen separaten Artikel zum Thema „Lost und Buddha“ machen, doch dazu müsste ich mich zumindest erst mal in die Materie reinarbeiten, wozu es mir im Moment etwas an Zeit mangelt. Wenn euch aber ein solcher Artikel wichtiger wäre als so manche Review, müsst ihr das sagen. Vielleicht kennt sich aber auch einer von euch mit dem Thema aus und kann darauf basierend selbst so eine Abhandlung als Gastbeitrag verfassen.

Interessant ist der Buddhismus aber auch in Bezug auf „Samuel“, denn so heißt es auf Wikipedia zu den vier edlen Wahrheiten: „1. Das Leben im Daseinskreislauf ist letztlich leidvoll“ (Die Red Sox lassen schön grüßen) und „2. Die Ursachen des Leidens sind Gier, Hass und Verblendung“ (auch Meister Yoda entsendet seine Grüße). Ungeachtet dessen, dass dies ganz gut zu „Samuels“ Grundeinstellung passt, kam mir noch eine andere total verrückte Idee, die wahrlich ein fetter Mindfuck wäre, wenn sie stimmen würde. Wir gehen die ganze Zeit davon aus, dass „Samuel“ Jacob loswerden will und Jacob der Überlegene ist. Was wäre aber, wenn „Samuel“ bereits eine Bewusstseinseben weiter ist und „Do you have any idea how badly I wanna kill you?“ („Hast du eigentlich eine Idee, wie schlimm es mir danach verlangt, dich zu töten?“) gar nicht feindselig gemeint ist. Was wenn „Samuel“ hier keine Drohung ausspricht, sondern ein Versprechen abgibt: „One of these days, sooner or later... I'm going to find a loophole, my friend.“ („Eines Tages, früher oder später... finde ich ein Schlupfloch, mein Freund.“) Könnte doch auch heißen: „Irgendwann gelingt es mir, die Regel zu umgehen und dich zu erlösen. Und dann, mein Freund, wirst du erkennen, das ich recht hatte, denn dann bist du erleuchtet.“ Denn alle Wesen sind laut Buddhistischer Lehre in einem Kreislauf aus Leben, Tod und (Wieder)Geburt gefangen, bis sie ein Schlupfloch finden und aus ihm ausbrechen können.

Damit bin ich gleich bei der zweiten Möglichkeit: Oder aber „Samuel“ redet von sich selbst, dass er für sich ein Schlupfloch aus diesem Kreislauf sucht, um Jacob ebenbürtig begegnen zu können, da dieser das Nirwana bereits erreicht hat.

Okay, alles darüber hinausgehende würde dazu führen, dass mich meine eigenen Gedankengänge überfordern, weshalb ich nun einmal die Ebene der übernatürlichen Entitäten verlasse und wir nun endlich zu Jacobs Aufeinandertreffen mit anderen Schlüsselcharakteren zu sprechen kommen: All diese Treffen haben bestimmte Gemeinsamkeiten, wobei es bei jeder Gemeinsamkeit mindestens eine Ausnahme von der Regel gibt. Bei allen Treffen spricht Jacob mit dem jeweiligen Hauptcharakter und auch nur mit ihm (Ausnahme: bei Ben spricht er auch mit „Samuel“). Er bietet ihnen etwas an, was außer „Samuel“ alle annehmen, oder überlässt ihnen auf anderem Wege irgendetwas (Ausnahme: Sayid nimmt er etwas). Jacob sucht die Betreffenden selbst auf oder wartet irgendwo auf sie. Die Besuche finden stets an besonderen Schlüsselmomenten der Betreffenden statt (okay, Ben besucht Jacob selbst, was schon an und für sich ein Schlüsselmoment ist). Jacob berührt seinen Gegenüber (Ausnahme: „Samuel“). Keinem außer Ben und „Samuel“ ist wirklich bewusst mit wem sie sprechen, nur Ilana scheint sich Jacob sich dann irgendwie zu offenbaren. Jacob tut etwas für jeden von ihnen (Ausnahmen: „Samuel“ und Sayid). Soweit zu den Gesetzmäßigkeiten.
Jetzt wollte ich zwar direkt auf die Besuchen bei den ganzen Charakteren im einzelnen eingehen, doch dann dachte ich, dass ihr wahrlich lange genug auf neuen Lesestoff warten musstet und ich das mal auf Teil 2 vertage. Ich weiß nur schonmal eines: Seit meiner Facharbeit über den Vampirmythos und seine politische Bedeutung im Mittelalter, hab ich nicht mehr soviel für einen Text recherchiert wie für diesen - hoffe es hat sich gelohnt.^^