Tag 15 – 6.10.2009:
Ihr merkt: Die Einträge werden kürzer und das hat zwei Gründe. Zum einen würde ich sonst sicher einiges wiederholen und zum anderen kann ich Zusammenfassungen der Länge, wie sie die ersten noch hatten, auf Dauer unmöglich durchhalten. Würde ich das versuchen, wäre ich bis Januar nur noch mit „Lost“ zugange und das wäre selbst mir zuviel des Guten. So sehr ich mich also auch über das viele positive Feedback freue, weil es mir zeigt, dass ich nicht für umsonst arbeite, sondern anderen (also euch) damit den Tag etwas verschönern kann, muss ich ein wenig kürzer treten. Wie ich aber schon am Ende der letzten Zusammenfassung sagte, könnt und sollt ihr immer alles ergänzen, was mir entgangen ist.
Kommen wir nun aber zu der Episode „Der Silberne Koffer“, die ich gerade geschaut habe. Sonderlich viel kann ich zu dieser Folge auch nicht sagen,. Sie ist große Klasse als Stand-Alone-Episode und gibt einen guten Einblick in Kates Charakter, ist für die Mythologie aber relativ unwichtig. Ich gehöre ja zu den wenigen, die Kate nicht hassen und auch für Shannon, die hier ebenfalls mal eine etwas größere Rolle spielt, einige Sympathien übrig haben.
Die Story um Kate und den Koffer beinhaltet zwar einige interessante Details und wirklich gelungene Mindfucks, hat aber aus unserer heutigen Sicht wenig bemerkenswertes zu bieten. Denn die Nummer des Bankschließfaches („815“) oder die zahlreichen Parallelen zwischen Insel- und Rückblendenhandlung sind zwar erwähnenswert, bieten aber wenig Raum für tiefer gehende Analyse.
Ich steig mal gut gelaunt mit den Mindfucks ein. Zunächst nehmen wir als Zuschauer an, Kate wäre tatsächlich Bankkundin, was noch in dieser Folge widerlegt wird. Ein wirklich cleverer Mindfuck wurde uns damals jedoch am Ende aufgetischt: „It belonged to the man I loved!“ – „Stop lying and tell me the truth.“ – „I'm not. It belonged to the man I killed!“ („Es gehörte dem Mann, den ich geliebt habe!“ – „Hör’ auf zu lügen und sag mir die Wahrheit.“ – „Das tu’ ich. Es gehörte dem Mann, den ich getötet habe!“) Sind wir damals nicht alle davon ausgegangen, dass dies Kates Verbrechen gewesen sei, der Grund warum sie vom Marshall gejagt wurde? Kleinere Mindfucks dieser Episode beziehen sich vor allem auf den Inhalt des Koffers und dessen Besitzer oder auf den Grund des Bankraubes.
Genau hier finden wir auch die zahlreichen Parallelen zwischen Flashback und Inselhandlung: In beiden muss Kate durch einen cleveren Betrug versuchen, an das Flugzeug zu kommen. Hierzu braucht sie einen mehr oder weniger unwissenden Komplizen. In beiden Handlungen befindet sich das Flugzeug in einem gut weggeschlossenen Umschlag, zu dessen Behältnis Kate zwar den Schlüssel hat, der allein ihr aber nicht genügt. Eine weitere Parallele existiert noch zwischen den Flashbacks dieser Folge und dem Pilotfilm: „I don't know how to use a gun.“ („Ich weiß nicht, wie man eine Waffe benutzt!“) Ja, nee, is klar!
Als Kate Jack ins Vertrauen zieht, werden sie von Sun belauscht. Kate sieht zwar kurz zu ihr hin und denkt sich dann wohl: Die versteht eh’ nichts. Eigentlich hätten die aber schon längst draufkommen können, dass sie alles versteht, da sie ständig au Englische Fragen antwortet – wenn auch auf Koreanisch. Es ist allerdings schon verdammt mies, wenn man ein offenbar sehr vertrautes Gespräch belauscht, indem man vorgibt, die gesprochene Sprache nicht zu verstehen. Da geschieht es Sun nur recht, dass Charlotte mit ihr später einmal das Gleiche machen wird. In dem Gespräch zwischen Jack und Kate kommt dann irgendwann die Sprache auf den Schlüssel im Portmonee des Marshalls und Kate fragt, warum Jack ihn nicht mit den anderen verbrannt hätte und Jack erwidert: „Because I needed to bury him.“ („Weil ich ihn begraben musste!“). Vielleicht wusste Jack aber auch, dass er ihn noch mal ausbuddeln muss. Schlüssel aus verkohlten Überresten zu kramen ist noch ekliger, als ihn einer Leiche zu stibitzen. Und wieder ist Jack Sawyer ein wenig ähnlicher geworden – wir erinnern uns: „Do you do this back home, too - steal from the dead?“ („Machst du das zuhause auch – Tote bestehlen?“, Jack zu Sawyer in Tabula Rasa).
Am Strand geschieht in dieser Folge allerdings wirklich merkwürdiges. Entgegen allen Naturgesetzen steigt der Meeresspiegel erheblich und zwingt die Losties ihr Camp weiter ins Inland zu verlagern. Diese Szene ist wohl das erste, sehr eindeutige Indiz dafür, dass die Insel nicht statisch ist. Sie bewegt sich oder hat sich bewegt und deshalb steigt der Meeresspiegel.
Bis auf zwei helfen alle mit, das Camp zu verlegen. Diese zwei sind Charlie und Shannon. Charlie ist über Claires Verschwinden deprimiert und wird später von Rose aus seinem tief geholt. Als Rose ihm erklärt, dass er es nicht hätte verhindern können und beinah selbst gestorben wäre, erwidert er: „Maybe I should have died.“ („Vielleicht hätte ich sterben sollen... .“) Streich das „Maybe“, Charlie! Du hättest sterben sollen ;-). Auch wenn du mit Rose am Ende noch ’ne Runde betest: Diese Insel wird dein Tod sein!
Shannon hilft aus einem anderen grund nicht mit. Wenn einem sein ganzes Leben lang vorgehalten wird, wie nutzlos man ist, wird man es irgendwann. Wozu soll man sich bemühen, anderen helfen, wenn es sowieso nicht wahrgenommen wird. Leider entwickelt sich so was erstrecht zum Teufelskreis – doch auch dafür findet sich bald ein „Loop Hole“. Boone hat Shannon gerade mal wieder klar gemacht „You’re useless!“, als Sayid auf sie zukommt. Er braucht ihre Hilfe bei der Übersetzung von Rousseaus Karten. Plötzlich ist Shannon alles andere als nutzlos und hilft Sayid nach anfänglichem Widerwillen, der vor allem daraus resultieren dürfte, dass sie denkt: Lieber gleich abwimmeln, als nachher wieder die zu sein, die nichts auf die Reihe bekommt. Außerdem glaubt sie, dass Boone Sayid überredet hat, sie einzuspannen, doch der hat weiß Jacob besseres zu tun: er muss sich mit dem Glatzkopf eine Luke im Waldboden angucken... wenn man keinen Fernseher hat – warum nicht.
Shannon identifiziert die etwas sinnlosen Notizen Danielles als Kinderlieder. In ihrer Einsamkeit hat Danielle all jene Lieder aufgeschrieben, die sie gerne ihrer Tochter vorgesungen hätte. Ob wir den tieferen Sinn der anderen Notizen je erfahren werden, sei mal dahingestellt.
Vielmehr gibt es zu dieser Folge auch nicht zu sagen. Auf zu „Hearts and Minds“/ „Gefühl und Verstand“ – ich gehe jetzt direkt gucken!

