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Dienstag, 6. Oktober 2009

„Jack, it's a good thing you were going in a circle.“ - Fährtensucher-Review

Tag 14 – 5.10.2009:

Ich habe gerade aufgehört „Fährtensucher“ zu gucken. Zu meiner eigenen Überraschung hab ich mir sehr viel aufgeschrieben. Eigentlich hatte ich erwartet bei einer Folge, die vor allem aus Durch-den-Wald-Gerenne besteht, am Ende wenig Notizen auf meinen Zetteln vorzufinden – das Gegenteil ist der Fall.

Ich beginne mal mit der Szene, zu der ich am meisten aufgeschrieben habe. Der Rest ergibt sich dann vermutlich von selbst. Als Jack und Kate bereits alleine unterwegs sind und es zu regnen beginnt, landen sie in einem Flussbett und man hört merkwürdige Geräusch im Dschungel, die sich sehr nach Claires Schreien anhören. Jack stürmt los und beginnt eine Böschung hochzuklettern. „Jack? Jack, where are you going? Jack?“, ruft Kate ihm hinterher und er erwidert: „Didn't you hear her?“ – „What? Hear, hear who?“ Schon komisch, dass Kate sie nicht gehört hat oder? Ich habe Claire sofort raugehört, obgleich ihre Schreie sehr unwirklich wirkten, als sei sie überall zur gleichen Zeit. Aber die Szene wird noch viel merkwürdiger: Jack rutscht ab und landet sonst wo im Flussbett, wo Ethan ihn bereits erwartet. „If you do not stop following me, I will kill one of them“, droht Ethan Jack. Wieso hat Ethan Charlie überhaupt mitgenommen? Nur Claire ist für ihn von Interesse. Charlie ist nicht nur Ballast, sondern auch ein unnötiges Risiko – schließlich legt er für seine Leute ein Fährte. Aber eine andere Frage, die man sich genau wie Jack zu Beginn stellt, wird an dieser Stelle beantwortet: Wenn man sieht wie Ethan mit Jack den Boden aufwischt, wundert es einen nicht mehr, dass er zwei erwachsene Menschen überwältigen und verschleppen konnte. Diese schier übermenschliche Kraft ist aber auch dramaturgisches Mittel, um Ethan ein wenig dämonischer wirken zu lassen.

„No more warnings!“, faucht Ethan und tritt Jack ins Gesicht. Als Jack wieder zu sich kommt, ist Kate da. Und dann sagt Jack etwas, das ich mir dreimal angucken musste, bis ich glauben konnte, dass ich mich nicht verhört hatte: „I'm not letting him do this.“ – „Not letting him?“ – „Not again!“ Nicht schon wieder? Wie oft hat Ethan Claire denn schon entführt? Dieses kaum verständlich in den Wald genuschelte „Not again!“ ist das bisher stärkste Indiz für die Zeitschleifen-Hypothese. Man überhört es leicht, doch anders würde es wenig Sinn machen.

Jack hetzt also weiter durch den Dschungel. Dann kommt die Verfolgungsjagd zu einem jähen Ende, als er plötzlich vor Charlie steht, der im Dschungel rumhängt. Die nun folgende Szene, in der Jack Charlie reanimiert, baut eine klare Parallele zur ersten Rückblendenszene auf. Sowohl Kate (Inselhandlung) als auch Christian (Rückblende) fordern Jack auf, es dranzugeben. Während Jack im OP aufgibt, macht er auf der Insel weiter und tatsächlich: Charlie überlebt – vorerst.

In der Rückblende führt der Tod der jungen Frau zum Streit zwischen Vater und Sohn – zwei Egomanen sind definitiv einer zu viel. Hier wird zum ersten Mal Christians Alkoholproblem offen zur Sprache gebracht. Warum ist das für uns von Interesse? Bislang kennen wir – außer Christian – nur zwei Fälle von Alkoholismus und einen von starker Trunkenheit bei „Lost“. Sowohl Jack als auch Charles verfallen dem Alkoholismus, nachdem sie die Insel verlassen haben. Desmond wird völlig besoffen an Bord der Elizabeth gefunden, nachdem er die Insel verlassen hatte. Sowohl Jack als auch Charles trinken auf der Insel nicht und Jack hat vor dem Crash so gut wie überhaupt nicht getrunken – nur am Flughafen und im Flugzeug. Da wir von „Lost“ sprechen müssen wir immer davon ausgehen, dass da ein Zusammenhang besteht. Da Locke außerdem Christians Platz auf Flug 316 einnehmen sollte, können wir wohl davon ausgehen, dass Christian früher schon einmal auf der Insel war.

Christian setzt nach dem Streit einen Bericht auf, den Jack unterschreiben soll. Jack macht keinen Hehl um seinen Widerwillen: „Looks like you fixed everything but the patient.“ Als Christian erkennt worauf alles hinausläuft erklärt er: „I know I have been hard on you, but that is how you make a soft metal into steel. That is why you are the most gifted young surgeon in this city. And this, this is a career that is all about the greater good. I've had to sacrifice certain aspects of my relationship with you so that hundreds and thousands of patients will live because of your extraordinary skills.“ Ich weiß nicht wie es euch geht, aber es klingt für mich, als hätte er ihn auf etwas ganz anderes vorbereiten wollen. Er klingt nicht wie ein Vater, der sich gewünscht hat, sein Sohn würde Chirurg werden, sondern wie Eloise Hawking. Auch wenn ich nicht glaube, dass Christian in der Lage wäre, Jack wissendlich in den Tod zu schicken, denke ich schon, dass er ihn auf die Insel vorbereitet hat. Denn dort wird ein guter Neurochirurg gebraucht, damit ein ganz bestimmter Patient überlebt, der für den Kampf für das Größere Wohl lebt. Ganz abgesehen davon, dass Jack auf der Insel so einiges anderes „wieder hinkriegen“ muss. Ohne Christian hätten weder Jack noch Sawyer, Ana oder Claire an Bord von Flug 815 gesessen. Hinzukommt noch Christians rastloser Vater: Ray Shephard. Selbst wenn Christian auf der Insel nicht er selbst, sondern nur eine Gestalt des Monsters bzw. „Samuels“ ist, dürfte uns seine Geschichte wohl noch beschäftigen Wobei ich mittlerweile glaube, dass Christian wirklich Christian ist, allein schon, weil so viel darauf hindeutet, dass er es nicht ist ;-).

Die letzte Szene mit jack und seinem Vater ist jene, in der Jack Christian verrät. Wirklich von Interesse ist dabei jedoch nur eines: der Grund. Die Patientin war Schwanger. Prompt sind wir wieder auf der Insel. Eine schwangere Frau hat Jack verloren. Das darf ihm bei Claire nicht auch passieren. Deshalb kann und will er die Jagd nicht drangeben und drängt Kate und Locke stets voran. Apropos John Locke. Der sagt in dieser Folge einige interessante Dinge. Um den Übergang von Jack zu John etwas leichter zu gestalten, fange ich mal mit dem Zitat an, dass er zu und über Jack sagt: „Jack, it's a good thing you were going in a circle.“ Da frag ich mich doch: Lokal oder Temporär?^^

„We can't account for all of our people. And, more importantly, who's to say they're even our people?“ Gerade von Locke hat dieser Satz schon etwas sehr amüsantes, denn der Tag wird kommen, an dem er Ethan mehr als einen „seiner Leute“ sehen würde als Jack.

Mit einem „ihrer Leute“ legt Locke sich auch mal gleich wieder an und zwar mit Michael. Wobei wir alle wissen, dass Michael Locke nur aus einem Grund nicht mag: er ist eifersüchtig, weil Walt zu Locke mehr aufblickt als zu seinem eigenen Vater. Dennoch zieht auch Michael mit einem Trupp los. Lockes Trupp muss sich trennen und während Kate und Jack Ethans richtiger Fährte folgen, finden Boone und John die Luke. Doch ehe das passiert, erfahren wir ganz nebenbei, was ein rotes Hemd ist und wieso das so heißt. Locke sagt noch mal eben einen Regenschauer voraus und Boone fragt: „Are we lost?“, einfach damit das Wort mal wieder fällt. Ich finde es übrigens bemerkenswert, dass sowohl John als auch Kate das Spurenlesen von ihren Vätern gelernt haben. Aber nun zur Luke. Besonders viel erfahren wir noch nicht darüber, obgleich die Szene, in der die zwei das Teil finden, natürlich so genial ist, dass das noch mal erwähnt werden muss. Mich wundert nur eines: Boone und John sind Jacob-weiß-wie-lange unterwegs, ehe sie auf die Luke stoßen und in den darauffolgenden Episoden schaffen die es Tag für Tag hin- und zurück und verbringen an der Luke selbst mehrere Stunden. Zum Ende der Staffel hin bekommt man sogar den Eindruck die Luke sei praktisch direkt um die Ecke. Wandert das Ding?

Aber auch im Lostie-Camp passieren dolle Sachen: Walt gewinnt immer wieder gegen Hurley im Backgammon, was Hurley irgendwann zu der Äußerung veranlasst: „No one is that lucky.“ In der Tat ist es schon komisch, was Walt so alles fertig bringt und damit werden wir uns ausführlich auseinandersetzen, wenn wir zu „Special“/“Der Eisbär“ kommen. Die Frage, mit der ich aus dieser Szene herausging, war jedoch eine andere: Hat Walt die 20.000$ jemals bekommen?^^

Von Walt erfährt Sawyer dann auch von Sayid Rückkehr und schüchtert ihn ein wenig ein, indem er mit einer Zange rumspielt. Doch Sawyer tut Sayid den Gefallen, sich zu rächen, nicht und zieht unverrichteter Dinge wieder von dannen.

Sehr viel mehr gibt es zu der Folge auch nicht zu sagen. Wenn ich was vergessen habe: Nutzt die Kommentarfunktion. Schließlich soll das ja eine Art Gemeinschaftserlebnis sein^^