Wie einige über Twitter vielleicht mitbekommen haben war ich am Freitag im RuhrPark, um mich um ein neues Bankkonto zu kümmern. Allerdings war das nicht das einzige, das mich in den RuhrPark führte. Da ich mein altes Konto auflösen will, hab ich mir „Harry Potter und der Halbblutprinz“ nicht über Amazon besorgt, sondern ihn ganz altmodisch im Laden gekauft. Abgesehen davon, dass man hätte denken können, es seien nur noch zwei Tage bis Weihnachten, so wie sich die Leute schon benahmen, war es eigentlich ganz schön mal wieder selbst zwischen den Regalen und Tischen zu stöbern. Ich habe mir dann natürlich gleich einen netten, kleinen DVD-Abend gegönnt. Jetzt mögt ihr euch fragen, was das alles mit Jacob zu tun hat – außer ihr habt es schon erraten. Jacob nimmt bei „Lost“ ja eine ganz ähnliche Position ein wie Dumbledore bei „Harry Potter“ oder auch Gandalf in „Der Herr der Ringe“ oder Obi-Wan Kenobi (wollte erst Old Ben schreiben – schein mir dann doch missverständlich^^) in den „Star Wars“-Filmen. Was haben die vier gemeinsam? Alle vier sind mächtige, weise Mentoren, die ihren auserwählten Schüler auf den richtigen Weg bringen wollen. Und: alle vier sterben. Gandalf stirbt, um seinen Gefährten die Flucht zu ermöglichen im Kampf und kehrt mächtiger zurück als er es in seinem bisherigen Leben war. Für Obi-Wan gilt ähnliches, obgleich er nie wieder körperliche gestalt annahm. Der schwule Nikolaus (Dumbledore) bittet sogar seinen treusten Anhänger ihn vor den Augen seiner Feinde zu ermorden, um so einem langsamen Tod zu entgehen und seinem Gefolgsmann einen sicheren Posten in den Rängen des Feindes zu ermöglichen. Und Jacob? Tja, das ist und bleibt die große Frage.
Ich saß zumindest vor meinem Fernseher und als ich Draco so weinerlich vor Dumbledore stehen sah, kam mir irgendwie Ben in den Sinn. Doch dann kam Snape und ich dachte: Warum eigentlich nicht? Wäre es nicht denkbar, dass nicht „Samuel“ Ben, sondern Ben „Samuel“ ausgetrickst hat. Vor drei Tagen meinte Don im Lostpedia-Blog: „In "The Incident" fand ich es aber schon sehr auffällig, wie fast penetrant Ben da ständig darauf hinwies, was und wovon er alles nichts wusste!“ Ich habe da zunächst noch vehement widersprochen, weil Don ebenfalls nahe legte Ben führe etwas zu seinem Vorteil im Schilde, was ich auch weiterhin nicht glaube. Aber ich sagte auch, dass ich es für unwahrscheinlich hielte, dass Ben etwas von der Existenz einer Jacob feindlich gesinnten Macht wisse. Da man manchmal einsehen sollte, dass man unter Umständen falsch lag, mache ich das jetzt!
Auch wenn jetzt viele „wenn“s und „abers“s kommen, würde das folgende eigentlich passen: Angenommen Ben wusste von der Existenz „Samuels“ und hat fern der Insel versucht ihn gezielt zu bekämpfen, indem er Sayid seine Gefolgsleute ausschalten ließ, könnte auch die Anordnung Locke zu töten nicht von „Samuel“ (bzw. nicht nur von „Samuel“) sondern von Jacob stammen, der seine eigene Falle auslegen wollte. Wir haben ja bereits mehr als einmal die Argumente gesammelt, die dafür sprächen, dass „Samuel“ der Ökonom ist. Wenn dem so wäre, würde es für Ben nur dann Sinn machen, ihn zu bekämpfen, wenn er eben genau das auch wusste. Auf der Insel dann leistet Ben keinen Widerstand gegen Locke und spielt bei allem mit, nickt alles ab und sagt „Ja“ und „Amen“. Unter der Statue dann folgt die Aussprache mit Jacob, in der Jacob Ben sehr offenkundig provoziert und nichts unternimmt, um sein Schicksal abzuwenden. Doch Ben tötet Jacob nicht! Er hätte allen Grund dazu ihn zu hassen, Jacob für alles verantwortlich zu machen, was ihm widerfahren ist. Aber was tut Ben? Er sticht zweimal zu und dann steht er daneben wie bestellt und nicht abgeholt, während „Samuel“ seinem Rivalen den Rest gibt. Wenn Ben jemanden töten will, dann tut er das auch: Roger, Keamy, John – gerade bei letzterem dürfte ihn das eine Menge Überwindung gekostet haben. Was könnte ihn also daran hindern, den Job zuende zu bringen? Plötzlich aufkeimendes Mitleid? Wenn das stimmt, was vorher in dem Gespräch zwischen den beiden geäußert wurde, hätte Ben allen Grund Jacob zu ermorden. Wäre dieses Gespräch aber Teil des Plans, wäre es notwendig, damit „Samuel“ nicht dahinterkommt.
Klar, kann gut sein, dass es so ist, wie wir bisher dachten und Ben einfach hin- und hergerissen war. Bislang habe ich diese Theorie auch immer angenommen. Aber zuzutrauen wäre es Ben zweifelsohne, dass er für den Glatzkopf eine Riesenshow abzieht, damit Jacobs Falle zuschnappen kann.
Ob Jacob nun wie Gandalf wiedergeboren wird, wie Obi-Wan in eine höhere Bewusstseinseben aufsteigt oder aber wie Dumbledore einfach gestorben ist, wird sich wohl noch zeigen. Doch ohne tieferen Sinn wird sein Tod wohl kaum gewesen sein, sonst hätte er ihn versucht abzuwenden.

